510.(?)
Vertreibung der Tarquinier.
An die Spitze des Staates treten 2consŭles, aufeinJahr gewählt; die ersten warenL. Iunius BrutusundL. Tarquinius Collatinus.Der letztere, als Verwandter der vertriebenen Königsfamilie beim Volke unbeliebt, wird bald ersetzt durchP. Valerius Poplicŏla,den erstenconsul suffectus,der sich durch dielex Valeria de provocationedie Gunst des Volkes sicherte.
Dieconsŭlesüben während ihres Amtsjahres die früher den Königen zustehende Gewalt aus:imperiumundauspicia publica,d. h. Befragung der Götter von Staats wegen. Für gewisse Opfer, welche früher die Könige dargebracht hatten, wird ein Priester alsrex sacrificulusbestellt und dempontĭfex maximusuntergeordnet. Jeder Konsul kann die Maßnahmen des andern durch das ius intercedendi unwirksam machen. Gehilfen der Konsuln für Kriminalgerichtsbarkeit und Verwaltung des Staatsschatzes (aerarium) sind die 2quaestores. Die Konsuln haben als äußere Zeichen ihrer Amtsgewalt den Amtssessel (sella curulis) und das Obergewand mit Purpurstreif (toga praetexta); ihnen schreiten vorauf 12lictores,welche in Rutenbündeln (fasces) Beile (secures) tragen, doch nicht im Stadtgebiet, weil in Friedenszeit die obrigkeitliche Gewalt der Konsuln durch dasBerufungsrechtbeschränkt ist. Nach derlexValeria de provocatione[21]steht es dem zum Tode oder zu körperlicher Züchtigung verurteilten Bürger frei, die Entscheidung der Volksversammlung, dercomitia centuriata,anzurufen.
Hauptrechte dieser Volksversammlung sind dieBeamtenwahl,dieGesetzgebungund dieEntscheidung über Krieg und Frieden.Bei der Abstimmung haben die 6 alten,vorwiegendpatrizischen Rittercenturien das Vorstimmrecht (centuriaepraerogativae). Sind die Centurien dererstenKlasse (S. 74 f.) mit den Rittern einig, so werden die übrigen Klassen nicht befragt. Diecomitia curiataverlieren ihre frühere Bedeutung, doch bleibt ihnen das Recht, die gewählten Konsuln zu bestätigen (lex curiata de imperio).
DerSenat,früher nur aus Patriziern bestehend, wird durch zugeschriebenePlebejer(daher die Formel:patres (et) conscripti) ergänzt, und zwar aus denRittern, d. h. den Reichen. Der Senatsbeschluß (senatūs consultum) ist für die Konsuln maßgebend, hat aber nichtGesetzeskraft. Zur Zeit besonderer Gefahr tritt an die Spitze des Staates einDictator, ohne Mitwirkung der Bürgerschaft, aber mit Beirat des Senats von einem der Konsulnernannt(dictatoremdicere). Die Konsuln sind ihm untergeordnet; er ernennt seinen Gehilfen, denmagister equitum; beide dürfen ihr Amt nicht länger als sechs Monate führen.
509.
Verschwörung junger Patrizier zur Herstellung des Königtums. Der KonsulL. Junius Brutusläßt seine eigenen Söhne als Teilnehmer an der Verschwörung hinrichten. Darauf Krieg mit denEtruskernvon Veii und Tarquinii;Brutusfällt im Zweikampf mitAruns Tarquiniusvor der Schlacht am WaldeArsia. An seine Stelle wird zuerstSp. Lucretius,nach dessen TodeM. Horatiusgewählt, welcher den in der Königszeit erbauten Tempel des Juppiter Capitolinus weiht.
508.
Unglücklicher Krieg der Römer gegen den etruskischen KönigPorsennavonClusium; sie müssen den Frieden durch Gebietsabtretung und Entwaffnung erkaufen. Römische Sagen vonHoratius Cocles, dem tapferen Verteidiger der Tiberbrücke, von dem Heldenmute desMucius Scaevolaund derCloelia. Die weiter in Latium vorrückenden Etrusker werden vorAriciavon den Latinern und ihren Bundesgenossen, den Griechen ausCumae(unterAristodemos), geschlagen und können sich auf dem linken Tiberufer nicht behaupten. Rom erlangt bald seine frühere Machtstellung wieder. König Tarquinius stirbt in Cumae.
Vielleicht in dieser Zeit schon Handelsvertrag zwischen Rom und Karthago. Die Küstenstädte bis Terracina unter Roms Oberhoheit (S. 82).
496.
Sagenhafter Sieg der Römer über die Latiner und Tarquinius am SeeRegillus(beiTusculum); der DictatorAulus Postumiussiegt mit Hilfe derDioskuren(Kastor und Pollux), denen alsbald ein Tempel in Rom errichtet wird.
494.
Auswanderung der Plebejer auf den Heiligen Berg(secessio plebis in Montem sacrum).
Die Plebejer waren durch häufigenKriegsdienst,durch das strengeSchuldrecht,welches auch die Person des Schuldners in die Gewalt des Gläubigers gab, und durch Verweigerung eines Anteils amGemeindelande(ager publicus) in Not geraten. Sie wollen eine neue Stadt gründen, werden aber durch Vermittelung des PatriziersMenenius Agrippazur Rückkehr bewogen. Darauf Erlaß der drückendsten Schulden, Einsetzung besonderer plebejischer Beamter: DieVolkstribunen(tribuni plebis,anfangs 2, dann 5, endlich 10) sindunverletzlich(sacro-sancti) und haben das Recht des Schutzes (ius auxilii) für jeden Plebejer gegen Unbill eines Beamten. Daraus entwickelt sich ein Verbietungsrecht(Veto,ius intercedendi) gegen Senatsbeschlüsse und Befehle der Beamten; nur gegen dasimperium militare,also gegen den Dictator und gegen die Konsuln außerhalb der Stadt gilt der tribunicische Einspruch nicht. Ferner haben sie das Recht, Widerstrebende zu verhaften(ius prensionis)und das Recht, mit der von ihnen vertretenen Gemeinde zu verhandeln (ius agendi cum plebe). Damit hängt die Einrichtung dercomitia tributazusammen: Versammlungen der Plebejer nach den Wohnbezirken (tribus). Man unterschied 4tribus urbanae,17rusticae; bei wachsendem Gebiet wurde die Zahl bis auf 35 erhöht. Jede Tribus hat in den KomitieneineStimme, innerhalb der Tribus wird nach Köpfen (virītim) gestimmt.
Als Gehilfen stehen den Tribunen 2Volksädilen(aediles plebis) zur Seite; sie üben Polizeigerichtsbarkeit, namentlich über den Marktverkehr, und verwahren die schriftlich aufgezeichneten Volksbeschlüsse (plebiscīta) im Tempel der Ceres am Abhang des Aventin.
493.
Der KonsulSpurius Cassiuserneuert das Bündnis zwischen Rom und denlatinischen Städtenauf Grund der Gleichberechtigung (foedus aequum). Erst allmählich gewinnt Rom die Hegemonie über die Latiner wieder. Fortwährende Fehden mitEtruskern, Sabinern, Äquern, Volskern.
Im Innern dauern die Kämpfe zwischenPatriziernundPlebejernfort; letztere streben auch nachpolitischerGleichberechtigung. Einen Versuch zur Beseitigung des Tribunats macht der Patrizier
491.
Cn. Marcius Coriolanus,der während einer Hungersnot vorschlägt, den Plebejern Getreide aus Staatsmitteln nur gegen Verzichtleistung auf das Tribunat zu bewilligen. Von den Tribunen vor diecomitia tributagefordert, erscheint Coriolan nicht, wird abwesend verbannt, geht zu den Volskern, führt sie gegen Rom, gibt aber auf das ernste Wort seiner MutterVeturiaund auf die Bitten seiner GemahlinVolumniaden Kampf gegen die Vaterstadt auf.
486.
Spurius Cassius,zum dritten Male Konsul, beantragt das ersteAckergesetz(lex agraria): Verteilung von Gemeindeland an bedürftige Plebejer undlatinische Bundesgenossen. Die Patrizier und die reichen Plebejer vereinigen sich gegen ihn; er wird nach Ablauf seines Amtsjahres verurteilt und hingerichtet.
479.
Das Geschlecht derFabier(gens Fabia), aus welchem mehrere Jahre nacheinander immer ein Konsul erwählt war, zerfällt mit den anderen patrizischen Geschlechtern; der KonsulKaeso Fabiusbefürwortet die Ackerverteilung an die Plebejer. Auszug der Fabier mit ihren Klienten (zusammen 306), um den Krieg gegen dieEtruskerzu führen; sie werden am BacheCremĕraüberfallen und fast sämtlich vernichtet.
471.
Die Plebejer erhalten durch den Gesetzvorschlag des VolkstribunenVolĕro Publiliusdas Recht, ihre Beamten fortan in den Tributkomitien zu wählen (lex Publilia:ut plebei magistratus tributis comitiis fierent).
462.
Antrag des VolkstribunenC. Terentilius Arsaauf Ernennung einer Kommission zur schriftlichen Aufzeichnung der Gesetze. Heftiger Widerstand der Patrizier.L. Quinctius Cincinnatus,458 zum Dictator gewählt, befreit ein von denÄquernam BergeAlgiduseingeschlossenes römisches Heer und zwingt die Feinde, unter dem Joch durchzugehen.
451.
Decemvirn zur Aufzeichnung der Gesetze.
(Decemviri consulari potestate legibus scribundis), mit zeitweiliger Aufhebung des Konsulats, des Tribunats und des Provocationsrechts. Die Gesetze werden vom Volke angenommen, in zehn Erztafeln eingegraben und auf dem Forum aufgestellt. Da noch ein Nachtrag nötig erscheint, so werden 450 noch einmal Decemvirn (davon drei Plebejer) ernannt, welche noch zwei Tafeln hinzufügen. Die in denZwölftafelgesetzenenthaltenen Bestimmungen über Familienrecht, Erbrecht, Schuldrecht usw. sind bleibende Grundlagen desrömischen Rechtsgeworden (Liv. III, 34:fons omnis publici privatique iuris).
449.
Zweite secessio plebis,
veranlaßt durch Gewalttaten der Decemvirn, die nach Vollendung der Gesetzgebung ihr Amt nicht sogleich niederlegten. Ungerechter Richterspruch desAppius ClaudiusüberVirginia, die infolgedessen von ihrem Vater auf dem Forum getötet wird. Neugewählte Konsuln, L. Valerius und M. Horatius, vermitteln den Ausgleich durch drei Gesetze (leges Valeriae Horatiae): 1. Gleichstellung der Beschlüsse der Tributkomitien (plebiscita) mit denen der Centuriatkomitien(ut quod tributim plebs iussisset, populum teneret).2. Herstellung des Provocationsrechts. 3. Herstellung der Unverletzlichkeit des Volkstribunen, welche auch auf die Ädilen und die Richter über Privatklagen (decemviri litibus iudicandis) ausgedehnt wird.
445.
Gesetz des TribunenCanuleius, welches die Ehen zwischen Patriziern und Plebejern für gültig erklärt(lex Canuleia de conubio): die Kinder folgen fortan dem Stande des Vaters (nicht mehr der pars deterior). Dagegen wird der zweite Antrag der Tribunen, daß auchPlebejerzuKonsulngewählt werden dürfen, abgelehnt. Es findet ein Vergleich statt: an Stelle der Konsuln können einige der jährlich erwählten Legionsanführer (in der Regel 6) mit konsularischer Gewalt ausgestattet werden (tribuni militum consulari potestate): hierzu sind auch Plebejer berechtigt.
443.
Einsetzung derCensur, eines neuenpatrizischenAmtes. DiezweiCensoren werden in denCenturiatkomitienerwählt, alle 4 oder 5 Jahre; doch wird ihre Amtsdauer auf 18 Monate beschränkt, so daß das Amt in der Zwischenzeit ruht. Befugnisse derCensoren: 1. Abhaltung desCensus; die Bürger werden in die Klassen und Centurien eingeordnet (discriptio classium et centuriarum), die Ritter gemustert (recognitio equitum), die Senatsliste wird von ihnen aufgestellt (lectio senatus): 2. Verwaltung des Staatseigentums; die Abgaben vom Gemeindelande (vectigalia) und die Zölle (portoria) werden verpachtet, die Ausführung von Bauten (Tempeln, Heerstraßen (via Appia des Ap. Claudius Caecus), Wasserleitungen) an Unternehmer verdungen; 3. in Verbindung mit dem Census Aufsicht über die Sitten(regimen morum: senatu movere, equum adimere, tribu movere et aerarium facere;nota censoria).Durch diese letztere Befugnis gelangt das Amt der Censur zu einer hohen moralischen und politischen Bedeutung.
439.
Spurius Maelius,ein reicher Plebejer, der während einer Teuerung Getreide zu geringem Preise abgibt, wird beschuldigt, nach der Königsherrschaft zu streben, und vonC. Servilius Ahāla,dem Magister equitum des achtzigjährigen DictatorsL. Quinctius Cincinnātus,auf der Straße erschlagen.
421.
Die Zahl derQuästoren, denen die Verwaltung der Staatskasse (aerarium) obliegt, auf 4 vermehrt; die Plebejer erhalten Zutritt zu diesem Amte.
396.
Ein erster großer Erfolg in den Nachbarfehden ist die Eroberung der EtruskerstadtVeiidurch den DictatorM. Furius Camillus.Er wird aber wegen ungerechten Verfahrens bei Verteilung der Beute angeklagt und geht in die Verbannung. Die Macht der Etrusker, durch den Einbruch der Gallier (Kelten) und den Seesieg der Syrakusaner unter Hieron I. (S. 50) bei Cumae schon 474 geschwächt, ist seitdem gebrochen.
Einfall der Gallier(Senonen)in Latium,
veranlaßt durch Teilnahme römischer Gesandter an dem Kampfe der Etrusker vonClusiumgegen dieselben.
388.(18. Juli.)
Schlacht an der Allia,
einem Bache, der 15 km nördlich von Rom in den Tiber fließt. Niederlage und Flucht der Römer auf das rechte Tiberufer, wodurch die Stadt preisgegeben wird.
Das von den Einwohnern verlassene Rom (nur derMons Capitolinusbleibt besetzt) wird von den Galliern (unterBrennus) eingenommen, geplündert und niedergebrannt. Vergeblich versuchen sie, das Kapitol zu ersteigen, die Gänse der Juno;M. Manlius Capitolinus.Nach 7monatiger Einschließung des Burgfelsens wird der Abzug der Gallier durch Gold erkauft. Nach der römischen Sage verbietet der aus der Verbannung zurückgerufeneCamillusals Dictator das Abwägen des Goldes (Vae victis!) und vertreibt die Feinde. — Rückkehr der Bewohner. Der Plan, nachVeiiauszuwandern, wird von Camillus vereitelt. Rascher, aber unregelmäßiger Aufbau der Stadt, die bald wieder in ihrer alten gebietenden Machtstellung dasteht, nachdemCamillusdie Äquer, Volsker, Etrusker besiegt hat.
Ausgleich der Stände, Entstehung der Nobilität.
Der Ständekampf beginnt aufs neue; die reicheren Plebejer streben nach Gleichberechtigung und Zutritt zu den Staatsämtern, die ärmeren nach Erleichterung des Schuldrechts und Anteil am Gemeindeland.
384.
Der PatrizierM. Manlius Capitolinus,der mit seinem Vermögen plebejische Schuldner löst, wirdbeschuldigt, nach der Königswürde zu streben, als Hochverräter verurteilt und vom Tarpejischen Felsen herabgestürzt.
366.
L. Sextius Lateranus, erster plebejischer Konsul,nach zehnjährigem Kampfe um die von ihm undC. Licinius Stoloals Volkstribunen beantragten Gesetze (leges Liciniae Sextiae), welche anordnen: 1. Erleichterung derSchuldnerdurch Abzug der gezahlten Zinsen vom Kapital, dessen Rest dann binnen drei Jahren in gleichen Raten zu zahlen ist; 2. Niemand soll mehr als 500 MorgenGemeindelandin Besitz haben; 3. Aufhebung der tribuni militum consulari potestate; einer der Konsuln soll unbedingtPlebejersein.
Als neuespatrizischesAmt wird diePrätureingerichtet zur Leitung derRechtspflege, die bisher den Konsuln oblag. Der Prätor, von 6 Liktoren begleitet, ist auch Stellvertreter der Konsuln, wenn sie von Rom abwesend sind. Später außer dem praetor urbanus ein praetor inter peregrinos (für die Ausländer) eingesetzt. Ferner treten den plebejischen Ädilen zweikurulische Ädilenzur Seite; sie üben gemeinsam mit ihnen die Markt- und Straßenpolizei und veranstalten die öffentlichen Festspiele, namentlich dieludi Romanialljährlich im September (cura annonae, cura urbis, cura ludorum); in der Führung dieses Amtes wechseln Patrizier und Plebejer Jahr um Jahr ab.
Nach und nach werdenalle Ämter den Plebejern zugänglich,die Censur 351, die Prätur 337. Auch zu den Priesterkollegien derPontificesundAugureserhalten die Plebejer Zutritt (300lex Ogulnia).
Nach diesem Ausgleich entwickelt sich allmählich ein neuer Gegensatz zwischen demAmtsadel(Optimates, Nobiles), der die Patrizier und reicheren Plebejer umfaßt, und demBürgerstande(Plebsim späteren Sinne). Doch kann sich der Amtsadel (ius imaginum) nicht so schroff wie der bisher geltende Geburtsadel gegen den Bürgerstand abschließen, sondern ergänzt sich fortwährend durch Aufnahme neuer Mitglieder (homines novi). Durch Volkswahl gelangt der Bewerber (candidatus) zu den Ämtern, durch das Vertrauen der Censoren in den Senat. Reihenfolge der Ämter:Quästor, Ädil, Prätor, Konsul, Censor. Über das gesetzmäßige Alter s. S. 96.
DerSenatleitet namentlich die auswärtige Politik und die Finanzverwaltung. Die oberste Entscheidung in derGesetzgebungund beiKriminalprozessensteht nach wie vor bei denKomitien, und zwar sowohl bei denCenturiat- wie bei denTribut-Komitien, welchealleBürger, Patrizier und Plebejer, jedoch mit verschiedener Abstimmungsordnung, umfassen. Hinsichtlich desWahlrechtsbleibt der Unterschied, daß diemagistratus maiores(Konsuln, Prätoren, Censoren) in denCenturiat-Komitien,diemagistratus minores(Ädilen und Quästoren) sowie die Volkstribunen in denTribut-Komitien gewählt werden.
DieVolkstribunenerscheinen fortan nicht mehr in so scharfem Gegensatz zum Senat wie während des Ständekampfes; sie nehmen an seinen Sitzungen teil, berufen ihn auch bisweilen.
Der Not derarmenPlebejer, die auch nach den Licinischen Gesetzen wiederkehrt, wird durchAckerverteilungenund Gründung vonBürgerkoloniennach glücklich geführten Kriegen abgeholfen. Aufhebung der Schuldknechtschaft durch das Gesetz des KonsulsC. Poetelius326.
Im Jahre 287 secessio plebis auf den Janiculus. Durch die lex Hortensia werden die plebiscita (S. 77) der concilia plebis den populiscita der Centuriat-Komitien gleichgestellt.
Umgestaltung derHeeresverfassung, hauptsächlich vonCamillusveranlaßt. Die Legion wird in 30Manipelzu je 2Centurieneingeteilt, ihre Aufstellung in drei Treffen (hastati, principes, triarii) gegliedert. Die so zusammengesetzte Schlachtordnung übertrifft die alte Phalanx bedeutend an Beweglichkeit. Die Bewaffnung gleichmäßiger als nach der servianischen Ordnung. Die Stoßlanze (hasta) wird bald auf das dritte Treffen (triarii) beschränkt; die beiden vorderen Treffen erhalten einen kürzeren Wurfspeer (pilum); gemeinsam für alle Schwerbewaffneten sind Schwert, Schild, Helm und Panzer. Die Legion zählt in der Regel 4200 Mann, darunter 1200 Leichtbewaffnete (velĭtes) ohne Panzer, mit leichtem Schild, Lederhelm und leichten Wurfspeeren; dazu kommen 300 Reiter. Zwei Legionen, begleitet von Truppen der Bundesgenossen, bilden gewöhnlich ein konsularisches Heer.
367–349.
Wiederholte Kämpfe mit denGalliern,welche sich in Ober-Italien (Gallia cisalpina) bleibend niedergelassen haben und von dort häufig Einfälle in Mittel-Italien machen. Zweikämpfe desT. Manlius TorquatusundM. Valerius Corvusmit gallischen Kriegern.
348.
Erster Handelsvertrag zwischenRomundKarthago,[22]
in welchem Rom als Vorort der mittelitalischen Westküste erscheint.
343–341.
Erster Samnitenkrieg.
Veranlassung: DieSidicīnerinTeānumund dieCampānerinCapua, beide Nachkommen ausgewanderter samnitischer Volksstämme, suchen Schutz bei den Römern gegen ihre eigenen Stammgenossen, dieSamniten des Gebirges, welche in dem eigentlichen Samnium eine Eidgenossenschaft bildeten und von dort aus in immer neuen Schwärmen dieEbene(Campania) brandschatzten.
Nach römischer Überlieferung erfechten die Römer drei Siege, doch wird ein Vergleich geschlossen, welcher den RömernCapua, den SamnitenTeanumüberliefert. Die Samniten werden zu diesem Vergleiche bestimmt durch einen Krieg mitTarent, die Römer durch den
340–338.
Krieg der Latiner,
welche sich gegen Roms Hegemonie auflehnen und vollständige Gleichstellung mit den Römern verlangen:einKonsul und derhalbeSenat sollen Latiner sein. Capua und die Volsker mit den Latinern verbündet, die Samniten mit den Römern.
Kampf in Campanien; der KonsulT. Manlius Torquatusläßt seinen Sohn hinrichten, weil er dem Verbot zuwider sich in einen Zweikampf eingelassen, und siegt, von den Samniten unterstützt, in einer Schlacht unweit desVesuv; Opfertod des andern KonsulsP. Decius Mus. Entscheidungsschlacht beiTrifanumunweitMinturnae, Sieg desManliusüber die Latiner und Campaner.
Auflösung des latinischen Bundes. Den latinischen Städten wird gegenseitigesCommerciumundConubiumuntersagt, sie müssen einzeln mit Rom Verträge schließen und Land abtreten (soTiburundPraeneste); einige erhalten römisches Bürgerrecht (soLanuviumundAricia). Die VolskerstadtAntiumwirdrömische Kolonie; mit den Schnäbeln der erbeuteten Schiffe dieser Stadt wird die Rednerbühne auf dem Forum Romanum geziert (daherrostragenannt).Capuaund andere Städte Campaniens erhalten römisches Bürgerrecht ohne Stimmrecht.
Bald jedoch wird den nunmehr abhängigen Latinern Anteil an den römischen Eroberungen gewährt;CalesundFregellaewerden alslatinischeKolonien eingerichtet.
326–304.
Zweiter Samnitenkrieg.
Veranlassung: Übergriffe der Römer am Liris, namentlich die Einrichtung der KolonieFregellae; ferner die Besetzung der GriechenstadtPalaeapolis(nebenNeapolis) durch Q. Publilius Philo (den erstenProkonsul).
Bündnis der Römer mit denApŭlernundLukanern; zum erstenmal überschreiten römische Heere den Apennin. Die Römer sind zu Anfang des Krieges im Vorteil. Aber
321.
Niederlage in den Caudinischen Pässen.Die beiden Konsuln werden, als sie der apulischenStadtLuceriavon Campanien aus zu Hilfe eilen wollen, von dem samnitischen HeerführerGavius Pontiusin denfurculae Caudinaeeingeschlossen und zur Ergebung genötigt. Sie beschwören einen Friedensvertrag; 600 römische Ritter bleiben als Geiseln zurück, das Heer darf unter dem Joch abziehen. Der römische Senat verweigert die Anerkennung dieses Vertrages und liefert die Konsuln den Samniten aus, welche sie nicht annehmen.
Die Samniten erobernLuceriaundFregellae. Durch äußerste Kraftanstrengung gewinnen die Römer wieder die Oberhand. Im Jahre 319 soll der KonsulL. Papirius CursorLuceria wiedererobert, die römischen Geiseln befreit und die samnitische Besatzung unter das Joch geschickt haben; 314 wird Luceria römische Kolonie.
312.
Bau derVia Appia, einer großen Heerstraße von Rom nach Capua durch die pomptinischen Sümpfe, begonnen von dem CensorAppius Claudius Caecus. Derselbe legt auch die erste Wasserleitung (aqua Appia) in Rom an.
310.
Sieg des KonsulsQ. Fabius Maximus Rullianusüber die zu spät sich erhebendenEtruskerundMarseramVadimonischen See.
309.
Erstes Erscheinen einerrömischen Kriegsflottebei der Belagerung der campanischen StadtNuceria.
305.
Bovianum, Hauptwaffenplatz der Samniten, eingenommen.
304.
Friede; die Samniten erlangen gleich ihren sabellischen Bundesgenossen Freiheit innerhalb ihrer Stammesgrenzen; Erneuerung deraltenVerträge zugleichemRecht (foedus aequum).
Zur Befestigung ihrer Herrschaft legen die Römer wiederum mehrereKolonienund neueHeerstraßenan, soNarniain Umbrien (späterevia Flaminia) undAlba FucentiaamLacus Fucĭnus(späterevia Valeria).
298–290.
Dritter Samnitenkrieg.
Die Samniten schließen mit denLukanernein Bündnis, um einen letzten Kampf für Italiens Unabhängigkeit zu wagen. Neue Erhebung derEtruskerundUmbrer.
Der KonsulL. Cornelius Scipio[23]nötigt 298 die Lukaner, dem Bündnis mit Samnium zu entsagen. Die Samniten stellenmit äußerster Kraftanstrengung drei Heere ins Feld, eins zur Verteidigung ihres Gebiets, das zweite für Campanien; das dritte führt ihr FeldherrGellius Egnatiusdurch dasmarsischeundumbrischeGebiet nachEtrurien. Gallische Stämme schließen sich demBündnis der Italiker gegen Roman. Große Rüstungen in Rom. Die KonsulnQ. Fabius Maximus RullianusundP. Decius Musrücken mit 60000 Mann nach Umbrien vor.
295.
Entscheidungsschlacht bei Sentinum, Todesweihe des jüngerenP. Decius Mus.
Die Umbrer unterwerfen sich, die Etrusker bitten um Frieden und werden Rom Untertan; die Samniten kämpfen weiter, werden aber 293 beiAquiloniabesiegt. Endlich erneuert der KonsulM’. Curius Dentatusdas Bündnis mit ihnen; sie behalten ihr Gebiet, lassen aber fortan den Römern freie Hand, ihre Herrschaft im übrigen Italien zu befestigen.
AbermalsKoloniengegründet:MinturnaeundSinuessaim Gebiet der Aurunker (römische Bürgerkolonien),Hatriain Picenum,Venusiain Apulien (latinische Kolonien). DieSabinermüssen römisches Bürgerrecht ohne Stimmrecht annehmen. Gegen die Gallier wird 283 die BürgerkolonieSena Gallicain Umbrien eingerichtet. Der Schutz, welchen Rom der von Lukanern und Bruttiern angegriffenen GriechenstadtThuriigewährt, führt herbei den
282–272.
Krieg mit Tarent.
Veranlassung: Ältere Verträge mit Tarent, der reichsten und mächtigsten Griechenstadt in Unter-Italien, untersagten den Römern, mit Kriegsschiffen über dasLacinische Vorgebirgebei Kroton hinauszufahren. Trotzdem erscheint eine nach der umbrischen Küste bestimmte römischeKriegsflotteim Hafen von Tarent. Die Tarentiner greifen sie an, nehmen fünf Schiffe, vertreiben die römische Besatzung ausThurii. Römische Gesandte, welche Genugtuung verlangen, werden in Tarent beschimpft; darauf Kriegserklärung.
Die Tarentiner rufen den KönigPyrrhos von Epiruszu Hilfe; dieser schickt zuerst seinen FeldherrnMilonmit 3000 Epiroten nach Tarent (281), im folgenden Jahre landet er selbst mit einem ausEpiroten, Makedonen, Griechenbestehenden Söldnerheere von 25000 Mann und 20 Elefanten in Italien. Strenges militärisches Auftreten des Königs in Tarent; die Bürger werden zum Kriegsdienst gezwungen.
280.
Schlacht bei Herakleia(am Meerbusen von Tarent); die römische Manipularordnung erliegt dem Angriff der makedonischen Phalanx und der Elefanten. Die Griechenstädte, die Bruttier, Lukaner undSamnitenschließensich Pyrrhos an. Er bietet den Römern Frieden an; sein GesandterKineaswird abgewiesen (Rede des blinden KonsularsAppius Claudiusim Senat). Pyrrhos rückt durch Campanien bisAnagniavor, kehrt aber um, da die Bundesgenossen der Römer diesen treu bleiben.C. FabriciusGesandter an Pyrrhos wegen Auswechselung der Gefangenen.
279.
Schlacht bei Asculumin Apulien;
Pyrrhos siegt wiederum, doch mit großen Verlusten. Er folgt einem Hilferuf der von denKarthagernbedrängtenSyrakusaner(S. 67), läßt nur eine Besatzung in Tarent zurück. Kriegsbündnis zwischenRomundKarthago, doch lehnen die Römer die Landung einer karthagischen Flotte in Italien ab und bekämpfen allein die Griechenstädte. Pyrrhos kehrt 276 nach Tarent zurück. Als er den Samniten Hilfe bringen will, wird er vonM’. Curius Dentatusin der
275.
Schlacht bei Beneventum
völlig geschlagen und kehrt nach Epirus zurück († 272 in Argos). Erst nach seinem Tode überliefertMilonStadt und Burg von Tarent den Römern unter der Bedingung freien Abzugs. Die Tarentiner müssen Waffen und Schiffe ausliefern und die Mauern niederreißen, behalten aber ihre eigene Stadtverwaltung.
Nach Tarents Fall Unterwerfung derSamniten, LukanerundBruttier. Alle müssen Teile ihres Gebiets abtreten undKolonienaufnehmen (Beneventum und Aesernia in Samnium). Im J. 270 Einnahme vonRhegium, welches 10 Jahre in den Händen aufständischer campanischer Soldaten gewesen war, die jetzt mit dem Tode bestraft werden.Italien(bis zum Apennin)geeinigt unter römischer Herrschaft. Verlängerung derVia Appia(S. 84) vonCapuaüberVenusiaundTarentbisBrundisium. In bezug auf das Verhältnis der unterworfenen Gemeinden zu Rom sind zu unterscheiden:
1.Municipien(municipia), d. h. Gemeinden mit beschränktem römischem Bürgerrecht (civitas sine suffragio et iure honorum). Sie haben alsocommerciumundconubium, römische Rechtsprechung und römischen Kriegsdienst.
2.Kolonien(coloniae), d. h. römische Festungen. Viele unterworfene Orte müssen einen Teil ihrer Ländereien abtreten. Dieses Land wird anrömische Bürgerverteilt, die ihr volles Bürgerrecht behalten und fortan in der Kolonie die herrschende Gemeinde, gleichsam diePatrizier, bilden, während die alten Einwohner zuInsassenohne politische Rechte herabsinken. Die Rechtspflege wird in denMunicipienwie in denKoloniendurch Präfekten (praefecti iure dicundo) ausgeübt, welche derpraetor urbanus(s. S. 81) ernennt.
3.Verbündete(socii, civitates foederatae), deren Verhältnis zu Rom durchVerträgegeordnet ist. Sie haben eigene Verwaltung und Gerichtsbarkeit und sind vom Dienst in der Legion befreit, müssen dagegenHilfstruppenoderSchiffestellen. Tribut wird nicht von ihnen gefordert. Am meisten begünstigt sind dieLatiner, sie können unter gewissen Bedingungen römisches Bürgerrecht erwerben und werden zusammen mit römischen Bürgern inlatinische Kolonienausgesandt.
264–241.
Erster Punischer Krieg.Kampf um Sicilien.
(Die frühere Geschichte derKarthageroderPuniersiehe S. 131, 41, 67.)
Karthago mit seineroligarchischenVerfassung, welche der Bürgergemeinde geringen Einfluß gewährt und die Untertanen durch Tributforderung drückt, und mit seinenSöldnerheerenist trotz seines Reichtums im Nachteil gegen Rom, wo gleichmäßigere Verteilung der bürgerlichen Rechte und allgemeine Verpflichtung zum Kriegsdienst besteht.
Veranlassung: DieMamertiner, d. h.Marsmänner, ehemalige campanische Söldner des Agathŏkles (S. 67), hatten sich der StadtMessanabemächtigt. Sie werden von KönigHiero II.vonSyrakusbekriegt. Ein Teil von ihnen ruft dieKarthager,ein anderer die Römer zu Hilfe. Der römische Senat schwankt, die Bürgerschaft beschließt, den Mamertinern Hilfe zu gewähren. Eine römische Kriegsflotte, meist aus Schiffen der süditalischen Bundesgenossen bestehend, setzt Truppen von Rhegium nachMessanaüber; die karthagische Besatzung wird aus der Burg vertrieben.
264.
Die Karthager undHierovon Syrakus belagern die Römer in Messana, müssen aber zurückweichen. Hiero schließt sich bald den vordringenden Römern an. Nach Eroberung der StadtAgrigentum(Akrăgas, s. S. 32) 262 beschließen die Römer den Bau einer großenKriegsflotte. Sie bauen Schiffe mit fünf Ruderreihen (Pentēren) nach dem Muster eines gestrandeten karthagischen Kriegsschiffs.
260.
Erster Seesieg der RömerunterC. DuiliusbeiMylae,westlich von Messana, mit Hilfe der Enterbrücken. Zum Andenken an den Sieg diecolumna rostrataauf dem Forum errichtet.
256.
Nach einem zweiten Seesiege beiEknomosan der Südküste Siciliens landen die KonsulnM. Atilius RegulusundL. Manlius Volsoan der afrikanischen Küste. Die Karthager, durch Verwüstung ihres Gebiets erschreckt,bitten um Frieden; Regulus stellt zu hohe Forderungen, wird 255 beiTunesgeschlagen und gefangen.
Fortsetzung des Krieges in Sicilien; die Römer erobernPanormusund behaupten es durch einen Sieg des KonsulsL. Caecilius Metellus(251), der bei seinem Triumph in Rom über 100 Elefanten aufführt.
Friedensgesandtschaft der Karthager nach Rom. Nach der römischen Legende soll Regulus die Annahme des Friedens widerraten haben und in Karthago unter Martern getötet worden sein. Die Römer nehmen den Seekrieg wieder auf, belagern aber vergeblich die starke karthagische SeefestungLilybaeum. Der KonsulP. Claudius Pulcher(die heiligen Hühner) wird in der
249.
Seeschlacht bei Drepăna
von den Karthagern geschlagen. Darauf in den nächsten Jahren nurLandkriegauf der Westseite Siciliens. Der karthagische FeldherrHamilkar, genanntBarkas(d. h. derBlitz), verteidigt sich 6 Jahre mit Erfolg gegen die Römer, erst auf dem BergeEirkte(Monte Pellegrino beiPalermo), dann auf demEryxbei Drepana, beunruhigt auch durch Kaper die Küsten Italiens. Durch das Zusammentreten reicher Bürger in Rom wird endlich aus Privatmitteln eine neue Flotte gebaut. Mit dieser erringt der KonsulC. Lutatius Catulusden entscheidenden
241.
Seesieg bei den Agatischen Inseln
(gegenüber Lilybaeum) über die karthagische Flotte unter Hanno.
Friede: 1. Die Karthager verzichten auf ganzSicilien. 2. Sie zahlen 3200 Talente (16½ Mill. Mark) Kriegsentschädigung in zehn Jahren. — Der größere,westliche Teil Sicilienswird dieerste römische Provinzunter der Verwaltung eines Prätors; der kleineresüdöstliche Teilbleibt unter der Hoheit des mit Rom verbündetenKönigs Hiero von Syrakus.
238.
Karthagoin großer Gefahr durch denAufstand der Söldnerund derlibyschen Untertanen, welcher endlich vonHamilkarunterdrückt wird. Die Römer benutzen dies, um von den Karthagern die Abtretung vonSardinienund Zahlung von 1200 Talenten zu erzwingen. Die Insel wird mit dem früheretruskischenKorsikazueinerProvinz vereinigt. Doch besetzen die Römer nur die Küsten dieser Inseln; die Gebirgsbewohner im Inneren werden gelegentlich bekriegt, um Sklaven zu erbeuten.
236.
Hamilkarbeginnt Eroberungen inSpanien, um neues Gebiet für Karthago zu gewinnen; sein SchwiegersohnHasdrubal, Nachfolger im Oberbefehl, gründet 227Neu-Karthago(Cartagena).
229–228.
Krieg der Römer gegen die seeräuberischenIllyriervon Skodra. Eine römische Flotte beschützt die Griechenstädte Kerkyra, Apollonia, Epidamnos; die Königin Teuta muß Tribut zahlen und Gebiet abtreten.
225–222.
Die Römer unterwerfen Nord-Italien,Gallia cisalpina, gereizt durch einen Einfall gallischer Stämme inEtrurien. Diese werden beiTelamonan der etruskischen Küste vernichtet. Der Konsul Cn. Cornelius Scipio besiegt die Bojer und Cenomanen und erobert 222Mediolanum(Mailand), die Hauptstadt der Insŭbrer. Zur Sicherung des neuen Gebietes werden die latinischen Kolonien Placentia, Cremona, Mutĭna angelegt. Die schon früher gebaute Heerstraße nachSpoletiumwird weiter geführt über den Apennin bis an das Adriatische Meer, dann die Küste entlang bisArimĭnum(Via Flaminia). Weitere Maßregeln zur Befestigung ihrer Herrschaft im cisalpinischen Gallien unterbricht der
218–201.
Zweite Punische Krieg.
Ursachen: Eifersucht der Römer auf die durch Erwerbungen in Spanien neu aufblühende Macht Karthagos; Bestreben des Hauses Barkas, an Rom Rache zu nehmen.
Veranlassung: Die Eroberung der mit Rom verbündeten spanischen StadtSaguntum(Murviedro, nördlich von Valencia) durchHannibal, den Sohn Hamilkars, 219. Eine römische Gesandtschaft fordert in Karthago Hannibals Auslieferung; diese wird verweigert, obgleich ein großer Teil des karthagischen Senats der Machtstellung der Familie Barkas abgeneigt ist. Darauf Kriegserklärung der Römer.
Den römischen Kriegsplan, mit dem Hauptheere von Sicilien aus eine Landung inAfrikazu machen, während ein zweites Heer die karthagischen Truppen inSpanienbeschäftigen soll, vereitelt
218.
Hannibals kühner Zug nach Italienauf dem Landwege. Er überschreitet nach Zurücklassung genügender Truppen in Spanien unter seinem Bruder Hasdrubal, die östlichenPyrenäenmit 50000 Mann Fußvolk, 9000 Reitern, 37 Elefanten und durchzieht das südliche Gallien. Der römische KonsulP. Cornelius Scipio, welcher auf der Fahrt nach Spanien in Massilia angelegt hatte, kann Hannibals Übergang über denRhodănus(Rhône) nicht hindern, kehrt nach Italien zurück, sendet aber seinen BruderCn. Scipiomit dem Hauptteil des Heeres nach Spanien. Hannibal zieht am Rhodanus aufwärts bis zum Nebenfluß Isăra (Isère), dann östlich durch die Gebiete derAllobrŏgerundCeutronen, überschreitet kämpfend dieAlpen(Paß desMont Genèvreoder desKleinen St. Bernhard) und gelangt nach unsäglichen Mühen mit nur 26000 Mann und wenigen Elefanten nach Ober-Italien.
218.(Sept.)
Reitertreffen am Ticinus,linkemNebenfluß des Po. Scipio verwundet, wird durch seinen 17jährigen Sohn, den späteren »Africanus«, gerettet. Verstärkt durch aufständische Gallier (S 89), schlägt Hannibal in der
218.(Dez.)
Schlacht an der Trebia(rechtemNebenfluß des Po) den andern KonsulTib. Sempronius Longus, der, aus Sicilien zurückberufen, die beiden vereinigten römischen Heere befehligte.
Hannibal befördert den nationalen Aufstand der cisalpinischen Gallier, entläßt alle gefangenen römischen Bundesgenossen, überschreitet den Apennin und vernichtet ein römisches Heer von 30000 Mann unter dem KonsulC. Flaminiusin der
217.
Schlacht am Trasimenischen See. Schrecken in Rom; man rüstet sich aber zur Verteidigung der Stadt.Q. Fabius MaximuszumDictatorernannt. Hannibal wendet sich nach Osten, um den Abfall der römischen Bundesgenossen allgemein zu machen, zieht durchPicenumnachApulien. Fabius folgt ihm in gemessener Entfernung, eine Schlacht vermeidend (daherCunctator, der Zauderer, genannt). Als Hannibal, wieder den Apennin überschreitend, nach Campanien vordringt, hindert Fabius ihn nicht an der Plünderung der reichen Landschaft, verlegt ihm aber den Rückweg beiCasilīnumamVolturnus. Hannibal gewinnt durch eine List freie Bahn und kehrt nachApulienzurück.
Die römische Bürgerschaft, mit Fabius’ Kriegführung unzufrieden, gibt dem magister equitumM. Minucius, der beiGeruniumglückliche Gefechte gegen die Karthager besteht, als zweitemDictatoreinen unabhängigen Oberbefehl über die Hälfte des Heeres. Er greift Hannibal an, wird geschlagen und nur durchFabiusvor vollständiger Vernichtung gerettet.
Zu Konsuln des Jahres 216 werden der als Feldherr bewährteL. Aemilius Paullusvon der Optimatenpartei und der unfähigeC. Terentius Varrovon der Volkspartei erwählt, um mit einem Heere von 86000 Römern und Bundesgenossen Hannibal zu vernichten. Varro greift an dem Tage, wo er den Oberbefehl hat, unvorsichtig an.
216.
Schlacht bei Cannae(in Apulien, amAufidus), furchtbare Niederlage der Römer; gegen 50000 werden getötet, darunter mehr als 80 Männer senatorischen Ranges und der KonsulL. Aemilius Paullus, die übrigen werden gefangen oder zersprengt.Varrorettet sich mit einer kleinen Schar nach Venusia und sammelt allmählich einen Rest von 10000 Mann.
In demselben Jahre wird auch eine nach dem cisalpinischen Gallien geschickte Legion vernichtet. DerAbfall von Capua,die Lossagung der Samniten, Lukaner, Bruttier und vieler unteritalischer Städte vom römischen Bündnis ist die unmittelbare Folge der Schlacht beiCannae.
Bewundernswürdige Haltung des römischen Senats. Die Trauer um die Gefallenen wird auf 30 Tage beschränkt, Hannibals Gesandten, welche die Lösung der Gefangenen anbieten, der Eintritt in die Stadt verboten; mit Heranziehung aller irgend Waffenfähigen, selbst Sklaven, wird ein neues Heer gebildet und zum Teil mit alten Beutestücken aus den Tempeln bewaffnet. Der PrätorM. Claudius Marcellus, schon im gallischen Kriege erprobt, und der DictatorM. Junius Peraverteidigen die römischen Stellungen beiNeapolis,CumaeundNola. Hannibal bezieht Winterquartiere inCapua. Karthago schließt Bündnis mitPhilipp V.von Makedonien undHieronymus, dem Enkel und Nachfolger des Königs Hiero in Syrakus (S. 88).