Chapter 7

215.

Wendung des Krieges zugunsten der Römer. Hannibal, beiNolavonMarcelluszurückgeschlagen, geht nachApulienund gibt den Angriffskrieg auf. Aus Karthago erhält er, mit Ausnahme einer Sendung von 4000 Mann, keine Unterstützung. Die Römer dagegen bringen ihre Kriegsmacht bald auf 21 Legionen; ihreFlottebeherrscht von Lilybaeum aus das Meer und macht öfters Landungen an der afrikanischen Küste. Hannibals Hoffnung auf Zuzug aus Spanien wird vereitelt durch den

218–206.

Krieg der Römer gegen die Karthager in Spanien.

Die FeldherrnP.undCn. Cornelius ScipiobesiegenHasdrubal, Hannibals Bruder, 216 amIbērus(Ebro) und dringen bis in das Gebiet desBaetis(Guadalquivir) vor, wo sie sich unter wechselvollen Kämpfenbis 211im ganzen siegreich behaupten. Zugleich bedrängen sie durch ihren BundesgenossenSyphax, König von Westnumidien, die Karthager in Afrika. Das Bündnis mit Philipp von Makedonien bringt dem Unternehmen Hannibals ebenfalls keine Hilfe.

215–205.

Erster Makedonischer Krieg,

von den Römern mit geringen Streitkräften glücklich geführt. Der unentschlossene KönigPhilippwagt nicht, die versprochene Landung in Italien auszuführen. Die Römer bringen gegen ihn ein BündnisgriechischerStaaten zustande (dieÄtōleran der Spitze), dem sichillyrischeundthrakischeHäuptlinge, sowie KönigAttălosvon Pergamon anschließen.

214–210.

Krieg in Sicilien (Belagerung von Syrakus),

durchMarcelluszugunsten der Römer entschieden. Nach Vernichtung des karthagischen Entsatzheeres unterHimilkodurch Niederlagen und Seuchen in den sumpfigen Niederungen desAnāposwird trotz tapferer Verteidigung (Archimēdēs)

212.

Syrakus erobert und geplündert.

In Italien nimmt Hannibal die StadtTarentein, mit Ausnahme der Burg, und kämpft glücklich in Lukanien.

211.

Unglück der Römer inSpanien. Beide Scipionen werden von den Karthagern und ihrem VerbündetenMassinissa, Sohn des Königs von Ostnumidien (selbst König 208), geschlagen und getötet; ihre Truppen weichen nach Norden über den Ebro zurück.

Hannibal greift das römische Belagerungsheer vorCapuaan, wird aber zurückgeschlagen. Um die Römer zur Aufhebung der Belagerung zu bewegen, rückt er gerade auf Rom los und schlägt am Anio ein Lager auf (Hannibal ad portas!), geht aber nach Verwüstung der Umgegend, da die Römer zur Verteidigung bereit sind, nach Unter-Italien zurück, ohne seinen Zweck erreicht zu haben.

Capua muss sich den Römern ergeben, welche über die Stadt ein furchtbares Strafgericht ergehen lassen (viele Bürger als Sklaven verkauft, 53 Senatoren enthauptet, die Selbstständigkeit der Gemeinde vernichtet). Hannibals Angriff aufRhegiumund auf dieBurg von Tarentmißlingt; seine italischen Bundesgenossen beginnen ihn zu verlassen.

210.

Der jungeP. Cornelius Scipio(Sohn und Neffe der in Spanien gefallenen Brüder) wird als Prokonsul nach Spanien geschickt; er geht 209 über den Ebro und erobertNeukarthago, während in Italien Q. Fabius MaximusTarentwiedergewinnt.

208.

Marcellus fällt in einem Reitertreffen beiVenusia. Ausharren der Römer trotz der durch die Dauer des Krieges sich fühlbar machenden Erschöpfung der Kräfte. Zwölf latinische Kolonien erklären sich außer stande, fernerhin Geld und Mannschaften zu liefern, 18 andere dagegen halten treu zu Rom.

InSpaniendringt Scipio siegreich bis zum Süden vor, kämpft aber beiBaeculaohne Entscheidung mitHasdrubalund kann ihn nicht hindern, über die (westlichen) Pyrenäen zu gehen, um seinem Bruder Hannibal Hilfe zuzuführen.

207.

Hasdrubal, in Ober-Italien angelangt, ruft die cisalpinischen Gallier aufs neue zu den Waffen. Große Rüstungen in Rom (23 Legionen auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen), um die Gefahr abzuwehren. Gegen Hasdrubal wird der KonsulM. Livius Salinator, gegen Hannibal derKonsulC. Claudius Nerogesendet. Dieser entschließt sich, während Hannibal ihm gegenüber inApulienlagert, zu einem Eilmarsch mit 7000 Mann auserlesener Truppen und vereinigt sich mit seinem Amtsgenossen. Beide Konsuln siegen in der

207.

Schlacht bei Sena Gallica, nicht weit vom FlusseMetaurus.Hasdrubalfällt. Auf die Nachricht von dieser Niederlage (die Römer werfen den karthagischen Vorposten den Kopf desHasdrubalzu) zieht Hannibal nach dem Bruttierlande zurück.

206.

Die Karthager räumenGades(Cadix), ihre letzte Besitzung in Spanien.

205.

Scipio, zum Konsul erwählt, bereitet in Sicilien einen Zug nach Afrika vor.Mago, Hannibals jüngster Bruder, landet mit den Trümmern des spanischen Heeres der Karthager beiGenuaund ruft die Ligurer zu den Waffen. Sofort werden drei römische Heere gegen ihn aufgeboten.

204.

Scipios Landung in Afrika. Den Kern seines Heeres bilden die Reste des einst bei Cannae besiegten Heeres (2 Legionen). Mit ihm vereinigt sich Massinissa, der von den Karthagern und dem jetzt mit ihnen verbündetenSyphax(Gemahl der KarthagerinSophonĭba) aus seinem Reiche vertrieben war.

203.

Scipioschlägt die Karthager und Numider durch nächtlichen Überfall (das Lager in Brand gesteckt) und bedroht Karthago.Syphaxwird in der Nähe seiner HauptstadtCirta(Constantine) von einer römischen Heeresabteilung unterC. Laeliusund den numidischen Reitern unterMassinissabesiegt und gefangen. Friedensunterhandlungen ohne Ergebnis. Die Karthager rufenHannibalundMagonach Afrika zurück; Mago stirbt auf der Überfahrt. Hannibal schifft sich inKrotonein, nachdem er die italischen Soldaten, die ihm nicht folgen wollen, hat niedermachen lassen, und landet bei Leptis. Nach einer fruchtlosen persönlichen Unterhandlung zwischen Scipio und Hannibal kommt es zur

202.

Entscheidungsschlacht bei Zama,

in der das karthagische Heer geschlagen und vernichtet wird. Hannibal flüchtet nachHadrumētum.

201.

Scipio gewährt den KarthagernFriedenunter folgenden Bedingungen: 1. Abtretung der spanischen Besitzungen und der Inseln des Mittelmeeres. 2. Übergabe des numidischen Reiches anMassinissa. 3. Zahlung einesjährlichenTributs von 200 Talenten (etwa 1 Mill. Mark)fünfzigJahre lang. 4. Auslieferung und Verbrennung aller Kriegsschiffe bis auf 10. 5. Verbot, ohne Erlaubnis der Römer irgendwo Krieg zu führen. —P. Cornelius Scipio, der den BeinamenAfricanuserhält, feiert in Rom einen glänzenden Triumph (Syphax).

Die italischen Bundesgenossen Hannibals werden zu bedeutenden Gebietsabtretungen verurteilt: in diesen Gebieten werdenKoloniengegründet (Puteoli,Salernum,Croton,Vibo); das Gebiet vonCapuableibt ager publicus. Nach einer nochmaligen Erhebung der cisalpinischen Gallier und der Ligurer wird

200–191.

Ober-Italiennach schwerem Kampfewieder unterworfen. Wiederherstellung der KolonienPlacentia,Cremona,Mutina;Via Aemiliavon Ariminum bis Placentia; KolonieAquileiaan der Nordostgrenze.

Folgen des zweiten Punischen Krieges: 1. Durch den glücklichen Ausgang des Kampfes, bei welchem der Bestand des römischen Staats gefährdet war, ist die nationale Einigung und Unabhängigkeit Italiens unter Roms Herrschaft sichergestellt. 2. Rom gewinnt außeritalischeProvinzenund beschreitet, durch keinen ebenbürtigen Gegner mehr gehindert, die Bahn zurWeltherrschaft.

InSpanienwerden 197zwei Provinzeneingerichtet:Hispania citerior(Tarraconensis) undHispania ulterior(Baetica). Doch bedarf es noch oft wiederholter Feldzüge (195 der KonsulM. Porcius Cato), um die römische Herrschaft zu befestigen.

Durch Unterwerfung der griechischen Länder des Ostens entsteht ein mächtiges, zweisprachiges Reich, welches dieMittelmeerländer zu einer großen Einheit zusammenschließt.

200–197.

Zweiter Makedonischer Krieg.

Veranlassung: Makedonische Söldner hatten bei Zama gegen die Römer gekämpft. Außerdem bitten KönigAttălosvonPergămonund die StädteRhodosundAthendie Römer um Hilfe gegen Philipp, der im Bunde mit Antiochos III. von Syrien Ägypten bekriegt und auch sie schwer bedrängt.

Zwei römische Legionen unterP. Sulpicius Galbalanden in Illyrien beiApollonia. Die römische Flotte schützt den Peiraieus und bedroht Euböa. Philipp, vor Athen zurückgeschlagen, wird gezwungen, Mittel-Griechenland zu verlassen. Erfolglose Kriegführung der Römer inIllyrien; die Flotte versucht vergebens eine Landung auf der HalbinselChalkidike.Aber der KonsulT. Quinctius Flamininus(198) gewinnt, nach Umgehung der festen Stellung Philipps, Epirus, besetzt dann Phokis und Böotien und siegt endlich in der

197.

Schlacht bei Kynoskephălaein Thessalien.

Friede: Philipp muß die Hegemonie über Griechenland sowie überhaupt alle Besitzungen außerhalb des eigentlichen Makedoniens aufgeben und in 10 Jahren 1000 Talente zahlen; ferner darf er nur 5000 Soldaten und 5 Kriegsschiffe halten und nur mit römischer Erlaubnis Krieg führen. — Bei den Isthmischen Spielen läßtFlamininusden Senatsbeschluß verkünden, welcher die bisher Philipp untertänigengriechischen Staaten für freierklärt. Die meisten treten in den Achäischen Bund; die Römer beschränken die Herrschaft des TyrannenNabisvon Sparta, lassen sie aber als Gegengewicht gegen den Achäischen Bund bestehen (s. S. 69).

195.

Die oligarchische Partei inKarthago, wo auf Hannibals Anregung eine demokratische Reform der Verfassung stattgefunden hat, verdächtigt diesen beim römischen Senat, der seine Auslieferung verlangt. Hannibal flüchtet nach Tyrus, von da zum König Antiochos.

192–189.

Krieg mit Antiochos III. von Syrien.

Antiochos, herbeigerufen von den mit Roms Schutzherrschaft unzufriedenenÄtōlern, eröffnet den Krieg mit einer Landung in Thessalien. Von da geht er nach Euböa. Die meisten Griechen, namentlich derAchäischeBund, bleiben den Römern treu, mit denen sich auchPhilipp von Makedonien, Eumĕnes von PergamonundRhodosverbinden. Landung des Konsuls M’. Acilius Glabrio in Epirus und Marsch nach Thessalien.

191.

Schlacht bei Thermopylae.Der Konsular und Besieger der Spanier,M. Porcius Cato,welcher als Kriegstribun im römischen Heere dient, überrumpelt die Ätoler auf dem Bergpfade des Ephialtes (S. 40), der KonsulAciliusnimmt den Hauptpaß und zersprengt das Heer des Antiochos, der mit wenigen Truppen nachChalkisentkommt und sich dort nachEphĕsuseinschifft.

190.

EinerhodischeFlotte besiegt die vonHannibalgeführte Flotte des Königs an der Mündung desEurymedon(s. S. 43), die römische Flotte siegt am VorgebirgeMyonnesosunweit Ephesus. Das römische Landheer unterL. Cornelius Scipio,welchen sein BruderScipio Africanusals Legat begleitet, marschiert durch Makedonien und Thrakien, setzt über den Hellespont und schlägt den Antiochos beiMagnesiaam Sipy̆los, nicht weit von Smyrna.

189.

Friedensschluß: Antiochos trittKleinasienbis zum Taurusgebirge ab, zahlt in zwölf Jahren 15000 Talente (über 70 Mill. Mark) Kriegskosten, liefert seine Kriegsschiffe bis auf zehn aus.Hannibalentflieht nach Bithynien zum Könige Prusias, tötet sich dort 183 durch Gift.

In Rom glänzender Triumph desL. Cornelius Scipio, der den BeinamenAsiaticusannimmt. Der Senat beschließt, vor der Hand keine unmittelbaren Besitzungen in Asien zu erwerben, verteilt die abgetretenen Länder an die Bundesgenossen, namentlich anEumĕnesvon Pergamon und dieRhodier, und nimmt die griechischen Städte Asiens in Schutz gegen dieGalăter(189 Zug des KonsulsCn. Manlius Volsovon Ephĕsus aus). In Griechenland werden dieÄtōlerbesiegt und unterworfen, die übrigen Staaten behalten vorläufig ihre Selbständigkeit. Die inneren Zwistigkeiten dauern unter den Griechen fort, der römische Senat wird als Schiedsrichter angerufen,

186.

Senatus consultumde bacchanalibusgegen die Ausartung griechischer Götterdienste.

184.

M. Porcius Cato(234–149) strenger Censor in Rom, bekämpft als Vertreter altrömischer Sittenstrenge die zugleich mit der griechischen Bildung sich ausbreitenden Laster der Nobilität (ambitio, avaritia, luxuria), erbaut nach griechischem Vorbilde die erste Säulenhalle am Forum, Basilica Porcia.P. Cornelius Scipio Africanus, mit seinem Bruder L. Scipio von zwei Volkstribunen angeklagt wegen willkürlicher Verwendung der von Antiochos gezahlten Gelder, schlägt durch sein Ansehen den Prozeß nieder, verläßt dann Rom und stirbt 183 auf seinem Landgute zu Liternum in Campanien.

180.

Lex Villia annalis, beantragt von dem TribunenL. Villius,zur Beschränkung der Ämtersucht (ambitio). Sie setzt ein bestimmtes Alter für die kurulischen Ämter fest: nach zehnjährigem Kriegsdienst Ädilität im 37. Lebensjahre, Prätur im 40., Konsulat im 43. Von der Bewerbung um die Ädilität waren Unvermögende schon dadurch ausgeschlossen, daß die Kosten für dieöffentlichen Spiele(ludi Romani, ludi plebei, Megalesia, Cerealia, Floralia) größtenteils von den Ädilen selbst getragen wurden.

171–168.

Dritter Makedonischer Krieg.

Philipps V. SohnPerseuswill Makedoniens Macht über Griechenland herstellen; König Eumĕnes von Pergamon verklagt ihn in Rom. Die römische Kriegführung in Thessalien anfangs erfolglos, so daß unter den Griechen sich Neigung zum Abfall zeigt; dann aber dringtL. Aemilius Paullus, Sohn des bei Cannae gefallenen Konsuls, nachdem er die Mannszucht im Heere hergestellt hat, in Makedonien ein und gewinnt die entscheidende

168.

Schlacht bei Pydna.

Perseus entflieht zu Schiff, ergibt sich dann auf der Insel Samothrake den Römern. Glänzender Triumph des Aemilius Paullus. Die nach Rom gebrachte Beute ist so bedeutend, daß fortan den Bürgern dasTributum(s. S. 75) erlassen werden kann.

Makedonienwird noch nicht zur Provinz gemacht, sondern in 4 von Rom abhängige Bezirke aufgelöst, die untereinander wedercommerciumnochconubiumhaben; ebensoIllyriennach Besiegung des KönigsGenthios, eines Bundesgenossen des Perseus, in 3 Bezirke. ÜberEpiruswird ein grausames Strafgericht verhängt (70 Städte zerstört, die Einwohner als Sklaven verkauft); diegriechischen Staatenwerden in das Verhältnis der Untertänigkeit herabgedrückt. 1000 vornehme Achäer werden zur Untersuchung nach Rom geführt (unter ihnen der GeschichtschreiberPolybios) und dann 16 Jahre in italischen Städten in Gewahrsam gehalten. Die alten Bundesgenossen der Römer, Eumĕnes vonPergamonund dieRhodier, welche im Kriege eine vermittelnde Stellung hatten einnehmen wollen, werden gedemütigt und den letzteren ihre Besitzungen auf dem Festlande abgenommen. In einem zwischenSyrienundÄgyptenausgebrochenen Kriege schreitet der Senat zum Schutze der Ptolemäer ein. Der römische GesandteC. Popillius Laenas(168) befiehlt dem KönigAntiochus IV.von Syrien vor Alexandrīa in herrischer Weise den Rückzug.

149–146.

Dritter Punischer Krieg.

Veranlassung: Streitigkeiten der Karthager mit KönigMassinissa, der ihr Gebiet schmälert; sie bekämpfen ihn ohne römische Erlaubnis. Der Senat beschließt Krieg auf Betreiben des greisenM. Porcius Cato: Ceterum censeo Carthaginem esse delendam († 149).

Zwei konsularische Heere landen beiUtĭca; die Karthager unterwerfen sich, liefern Schiffe und Waffen aus. Als aber gefordert wird, daß sie ihre Stadt verlassen und sich 2 Meilen vom Meere neu anbauen sollen, entschließen sie sich zu verzweifeltem Widerstande. Mit äußerster Anstrengung aller Bewohner Karthagos wird eine neue Kriegsrüstung zustande gebracht, Tag und Nacht werden Waffen geschmiedet, im inneren Hafen wird eine neue Flotte gebaut. Ein Sturm der Römer wird zurückgeschlagen. Belagerung Karthagos.

147.

P. Cornelius Scipio Aemilianus,Sohn des L. Aemilius Paullus, durch Adoption Enkel des ScipioAfricanus[24]erhält den Oberbefehl. Er schließt die Stadt von der Land- und Seeseite vollständig ein.

146.

Einnahme und Zerstörung Karthagos.

Sechstägiger Straßenkampf und 17tägiger Brand. Die überlebenden Einwohner werden als Sklaven verkauft.

Das Land vomTuscafluß, gegenüber der InselGalatha, bis zur kleinen Syrte wird unter dem NamenAfricarömische Provinz (HauptstadtUtĭca). Das übrige Land kommt an das verbündete KönigreichNumidien. Glänzender Triumph Scipios, der den BeinamenAfricanus(minor) erhält.

146.

Makedonien wird römische Provinz

nach Besiegung desAndriskos, der sich für einen Sohn des Perseus ausgibt, durchQ. Caecilius Metellus.

140.

Einnahme und Zerstörung von Korinth

nach einem kurzen Kriege des Achäischen Bundes gegen die Römer. Der KonsulL. Mummiussiegt beiLeukopetra, besetzt Korinth und zerstört es auf Befehl des Senats. Die Kunstschätze werden nach Rom geschickt, sämtliche Einwohner als Sklaven verkauft. Das Gebiet der Stadt wird teils anSikyongegeben, teils für römisches Gemeindeland erklärt.

Die anderen griechischen Städte werden im allgemeinen mit Milde behandelt, doch sind sie dem inThessalonikeresidierendenStatthalter von Makedonienuntergeordnet (s. S. 69).

Die erstenvier Provinzen(Sicilia,SardinianebstCorsica,Hispania citeriorundulterior) wurden anfänglich vonPrätorenverwaltet, so daß es mit demPraetor urbanusund demPraetor inter peregrinos(seit 241), welche stets in Rom blieben,6jährlich erwählte Prätoren gab. Später wird es üblich, daß alle Prätoren während des Amtsjahres in Rom bleiben als Vorsitzende der aus Senatoren gebildetenGerichtshöfe(quaestiones perpetuae). ImnächstenJahre gehen dann die Prätoren alsProprätoren, begleitet vonQuästorenals Finanzbeamten, in die ihnen durch das Los zugefallenen Provinzen; doch werden in solche Provinzen, wo noch Krieg zu führen ist, in der Regel dieProkonsulngesandt. Neben der Verwaltung steht den Prokonsuln und Proprätoren die höchste Militär- und Justizgewalt zu.

149.

Einsetzung des Gerichtshofs über Erpressungen (de repetundis) zur Abstellung der aus den Provinzen kommenden Klagen.

Im Jahre 146 bestandenacht Provinzen, außer den vier oben genannten nochGallia cisalpina,Illyricum,Africa,Macedonia. Die Einrichtung einer Provinz wird in der Regel von dem erobernden Feldherrn und einer Kommission von 10 Senatoren vorgenommen. Die Provinzen sind im Gegensatz zu ItaliensteuerpflichtigeGebiete. Doch behalten einige Städte auf Grund eines Vertrages (civitates foederatae), andere auf Grund eines Senats- oder Volksbeschlusses (civitates liberae et immunes) Steuerfreiheit, eigene Gerichtsbarkeit und Verwaltung durch selbstgewählte Behörden (divide et impera!).[25]Die Abgaben der Provinz [Grundsteuer (tributum); Pacht- und Weidegelder von Staatsländereien (vectigal, scriptura); Hafenzölle (portoria)] werden anAbgabenpächter (publicani)verpachtet, meist Gesellschaften von römischen Bürgern aus dem Ritterstande (ordo equester, S. 102), von denen viele auch als Bankiers (negotiatores) und Großkaufleute (mercatores) in der Provinz Handelsgeschäfte trieben. Dem Amtsadel (ordo senatorius) waren Geld und Handelsgeschäfte untersagt; er legte sein Geld in Ländereien an, die durch Sklaven bearbeitet wurden.

In Italien bleibt der Gegensatz zwischenrömischen BürgernundBundesgenossen; die Municipien (S. 86) erhalten nach und nach römisches Bürgerrecht. Die Herrschaft derNobilitätmit ihrem regelmäßigen Ämterwechsel ist so befestigt, daß Ernennung vonDictatorenlange Zeit nicht mehr vorkommt. Seit 153 v. Chr. treten die Konsuln ihr Amt stets am 1. Januar an (früher am 1. März). In Zeiten der Gefahr überträgt der Senat ihnen diktatorische Gewalt durch den Beschluß:Videant consules, ne quid detrimenti respublica capiat.

Zunehmende Verweichlichung und Genußsucht in Rom seit dem Ende des zweiten Punischen Krieges. Beginn des Großkapitalismus und der Latifundienwirtschaft. Vergebliche Bestrebungen von Männern wie M. Porcius Cato Censorius (234–149).

153–133.

Unterwerfung Spaniens.

Wiederholte Einfälle der freienLusitaner(in Portugal) in die südliche Provinz. Ihr FeldherrViriāthus, in mehreren Schlachten siegreich, wird 139 durch Verräter aus seiner Umgebung ermordet. In der nördlichen Provinz ist die StadtNumantia(unweitSoriaam oberenDuero) Mittelpunkt des Widerstandes. Endlich erhält den OberbefehlP. Cornelius Scipio Aemilianus Africanus(minor), der die Mannszucht im Heere wiederherstellt und nach 15monatiger Einschließung die Stadt aushungert. Verzweifelte Verteidigung.

133.

Übergabe und Zerstörung von Numantia.

Scipios Beiname Numantinus. Seit dem Fall von Numantia ist ganz Spanien, mit Ausnahme der nördlichen Bergvölker, der römischen Herrschaft unterworfen.

135–132.

Erster Sklavenkrieg.

Aufstand der mißhandelten Sklaven in Sicilien unter dem SyrerEunūs, der sich KönigAntiochosnennt, glücklich gegen mehrere römische Heere kämpft, endlich aber gefangen und mit einer großen Anzahl Aufständischer hingerichtet wird.

133–121.

Gracchische Unruhen,

hervorgerufen durch die auf gewaltsame Weise betriebenen politischen und sozialenReformender BrüderTiberiusundGaius Sempronius Gracchus.

Fortwährende Vermehrung der großen, durch Sklaven bewirtschafteten Güter (Latifundia). Billiges Getreide aus den Provinzen. Dadurch schmilzt der freie Bauernstand zusammen; viele arme Bürger ziehen nach Rom, gelockt durch die Aussicht auf Getreidespenden und Wahlbestechungen. Deshalb stellt

133.

Tib. Sempronius Gracchus,durch seine MutterCorneliaEnkel des Siegers von Zama, als Volkstribun den Antrag auf Erneuerung des in Vergessenheit geratenenLicinischen Ackergesetzes(S. 81), doch sollen außer den 500 Morgen für zwei Söhne noch je 250 vom Gemeindeland von den Besitzern behalten und für die auf dem zurückzugebenden Lande ausgeführten Bauten und Anlagen Entschädigungen gezahlt werden. Aus dem dadurch frei gewordenen Gemeindeland sollen unveräußerliche Bauerngüter von je 30 Morgen gebildet und zur Bewirtschaftung gegen einen mäßigen Erbzins an arme Bürger verteilt werden. Nachdem Tib. Gracchus den VolkstribunenM. Octavius, der dagegen beharrlich Einspruch erhebt, durch Volksbeschluß widerrechtlich hat absetzen lassen, wird das Gesetz vom Volke angenommen; mit seiner Ausführung werden beauftragt:Tib. Gracchus, sein SchwiegervaterAppius Claudiusund sein BruderC. Gracchus(tresviri agris dandis assignandis).

133.

Tod des KönigsAttălos III. von Pergămon, der sein Reich (fortanrömische Provinz Asia) und seine Schätze den Römern hinterläßt (S. 66).

Tib. Gracchus beantragt gegen das bestehende Herkommen, wonach derSenatüber auswärtige Angelegenheiten entscheidet, beimVolke, den pergamenischen Schatz an die neuen Landbesitzer behufs Anschaffung des nötigen Inventars zu verteilen.

Vorbereitung weiterer volkstümlicher Gesetze (Abkürzung der Dienstzeit, Ausdehnung des Provokationsrechtes u. a.).

Tib. Gracchus will sichentgegen dem bestehenden Gesetzfür das folgende Jahr wieder zum Tribunen wählen lassen, wird aber mit 300 seiner Anhänger von den Optimaten unter Führung des P. Cornelius Scipio Nasica auf dem Forumerschlagen. Die Konsuln des folgenden Jahres schreiten gegen die Volkspartei (populares) mit Hinrichtungen und Verbannungen ein, die beschlossene Ackerverteilung aber kommt zur Ausführung.

131.

Der VolkstribunC. Papirius Carbosetzt, um den Einfluß der Optimaten auf die Tributkomitien zu brechen, schriftliche geheime Abstimmung in denselben durch (lex tabellaria), welche für die Wahlen schon seit 139 angeordnet war. Seinen weiteren Vorschlägen trittP. Cornelius Scipio Aemilianus(Gemahl der Sempronia, Schwester der Gracchen, S. 98), entgegen; auch hemmt er die weitere Tätigkeit der tresviri agris dandis assignandis, indem er bewirkt, daß ihnen die richterliche Entscheidung über streitiges Land entzogen wird.

129.

Am Tage nach einer aufgeregten Verhandlung wirdScipioin seinem Hause tot (ermordet?) gefunden.

125.

Der KonsulM. Fulvius Flaccus, welcher im Sinne der gracchischen Partei beantragt, den italischen Bundesgenossen römisches Bürgerrecht zu gewähren, wird vom Senat der von gallischen Stämmen bedrängten StadtMassilia(S. 66) zu Hilfe geschickt. Bald darauf werden, um den Landweg von Italien nach Spanien zu sichern, römische Kolonien inAquae SextiaeundNarbogegründet, zur Sicherung des Seeverkehrs werden dieBalearischen Inselnbesetzt.

121.

Gallia Narbonensis römische Provinz(Massiliacivitas foederata).

123.

Gaius Sempronius Gracchuserneuert als Volkstribun dasAckergesetzseines Bruders und knüpft daran eine Reihe von Gesetzen, welche die Herrschaft der Optimaten zu stürzen bestimmt sind. Er gewinnt die Menge der ärmeren Bürger für sich, indem er die persönliche Freiheit sichert (lex Sempronia de civibus Romanis: ne de capite civium Romanorum iniussu populi iudicaretur), den Kriegsdienst erleichtert (lex militaris) und Getreideverkauf von Staats wegen an die Bürger zu billigem Preise anordnet (lex frumentaria). Für 122 wird er auf Grund eines Gesetzes, welches bei Mangel an Bewerbern um das Tribunat dem Volke freie Wahl gestattet, wieder zum Tribunen gewählt.

Durch dielex iudiciariaüberträgt C. Gracchus die Besetzung der Geschworenengerichte (quaestiones perpetuae, S. 98) vomSenatorenstand(ordo senatorius) auf denRitterstand(ordo equester). Dieser umfaßte die reicheren Bürger, welche als Besitzer eines Vermögens von mindestens 400 000 sestertii (70 000 Mark) zum Kriegsdienst zu Pferde eingeschätzt waren; die Senatoren aber waren seit 129 gesetzlich verpflichtet, mit ihrem Eintritt in den Senat aus den Rittercenturien auszuscheiden. Die einflußreichen Mitglieder derGeldaristokratie(publicani und negotiatores, S. 99) saßen also fortan auch über Senatoren zu Gericht.

Auch die Besetzung derStatthalterschaftenin den Provinzen wird (durch dielex de provinciis) der freien Verfügung des Senats entzogen; die ProvinzAsiawird durch die Anordnung, daß die Verpachtung der Abgaben in Rom durch die Censoren geschehen soll, der Habsucht derpublicaniaus dem Ritterstande ausgeliefert. Um die Ackerverteilung zu fördern, wird Aussendung vonKoloniendurch Volksbeschluß angeordnet (lex de coloniis deducendis). Während Gracchus von Rom abwesend ist, um die Gründung der KolonieIunoniaan der Stelle des zerstörtenKarthagozu leiten, tritt der TribunM. Livius Drususmit Gegenvorschlägen, besonders die Gründung von Kolonien in Italien betreffend, auf und wird vom Senat unterstützt

Der Antrag des Gracchus, den Latinern volles Bürgerrecht, den übrigen Italikern latinisches Recht zu bewilligen (lex de civitate sociis danda), kommt bei dem vereinigten Widerstande der Optimaten und eines großen Teiles der Bürgerschaft nicht zur Annahme. Gracchus wird für das Jahr 121 nicht wieder zum Tribunen erwählt.

121.

Bürgerkampf in der Stadt, veranlaßt durch einen von einem Anhänger des Gracchus verübten Mord. Die Volkspartei besetzt denAventin, der Senat erteilt dem KonsulL. Opimiusdurch dasSenatus consultum ultimum(S. 99) Vollmacht zu Gewaltmaßregeln. Der Aventin wird von Bewaffneten erstürmt,C. GracchusundM. Fulviuswerdenauf der Flucht erschlagen. Gegen 3000 Anhänger des Gracchus werden bei der folgenden Untersuchung verhaftet und getötet.

Herstellung der Senatsherrschaft; die Kolonien (außerNarbo) kommen nicht zur Ausführung. Das verteilte Gemeindeland wird 111 durch Volksbeschluß in zinsfreies Eigentum umgewandelt, kann also von reicheren Bürgern wieder angekauft werden.

Die Behauptung des zu ansehnlicher Ausdehnung gelangten römischen Reiches macht immer wieder Kriege notwendig, deren Führung durch die inneren Parteikämpfe beeinflußt wird.

111–105.

Jugurthinischer Krieg.Jugurtha, Enkel Massinissas, hatte seine Vettern und Miterben Adherbal und Hiempsal aus dem BesitzNumidiensvertrieben und getötet. Der Krieg gegen ihn wird anfangs von bestochenen Anführern nachlässig geführt; ein Sieg des Caecilius Metellus (Numidicus) am FlusseMuthulist nicht entscheidend.C. Marius, Unterfeldherr des Q. Caecilius Metellus, aus niederem Stande, Sohn eines Bauern aus der Gegend von Arpinum, 107 zum Konsul erwählt, nötigt Jugurtha, zum Könige Bocchus vonMauretanienzu fliehen. Von diesem erlangt der optimatische QuästorL. Cornelius Sulladurch geschickte Unterhandlungen die Auslieferung des Feindes. Jugurtha wird in Rom im Triumph aufgeführt, dann im Gefängnis (Tullianum) getötet.Numidienwird zwischenBocchusund Jugurthas HalbbruderGauda, dem letzten noch lebenden Enkel Massinissas, geteilt.

113–101.

Krieg gegen die Cimbern und Teutonen.

DergermanischeStamm derCimbern, von Norden her aus derChersonesus Cimbrica(Schleswig und Jütland) auswandernd, dringt in die Alpengegenden ein, schlägt 113 beiNoreja(in Kärnten) den KonsulCn. Papirius Carbo, wendet sich darauf nach Westen dem Rhein zu, überschreitet diesen Strom und schlägt 109 in Gallien den KonsulM. Junius Silanus. Große Niederlage zweier römischer Heere 105 beiArausio(Orange) an der Rhone. Schrecken in Rom; die Volkspartei setzt für 104 die Erwählung desMariuszum Konsul durch; er wird auch in den folgenden Jahren wiedergewählt und rüstet sich, während die Cimbern nach Spanien ziehen, in der ProvinzGallia Narbonensiszur Abwehr.

Die Cimbern, nach Gallien zurückgekehrt, vereinigen sich mit dem gleichfalls germanischen Volke derTeutonenund mithelvetischen(keltischen) Stämmen, namentlich den Tigurinern. Einbruch in Italien beschlossen; die Cimbern und Tiguriner ziehen nach Kärnten, um von Norden her die Alpen zu überschreiten; die Teutonen mit den Ambronen, der Kernschar derCimbern, ziehen durch die römische Provinz an Marius’ Lager vorüber, um die Pässe der Westalpen zu erreichen.

102.

Schlacht bei Aquae Sextiae(Aix in der Provence, s. S. 101); Marius vernichtet in gewaltigem Kampfe die Teutonen und Ambronen. Dann zieht er über die Alpen dem optimatischen KonsulQ. Lutatius Catuluszu Hilfe, der vor den Cimbern in die Gegend am oberen Po zurückgewichen war.

101.

Schlacht bei Vercellae(nördlich am oberen Po), Sieg der beiden Konsuln; das Hauptverdienst gebührt Marius.

Man erwartet von ihm, daß er die Herrschaft der Optimaten stürze. Im Jahre 100 zum sechsten Male Konsul, tritt er in Verbindung mit den Führern der Volkspartei, dem PrätorC. Servilius Glauciaund dem VolkstribunenL. Saturninus, entzweit sich aber bald mit ihnen und unterdrückt schließlich, der Aufforderung des Senats Folge leistend, die von ihnen erregten Unruhen mit Waffengewalt, geht dann auf einige Zeit nach der Provinz Asia.

91.

Zur Versöhnung der Parteien beantragt der VolkstribunM. Livius Drusus: 1. Rückgabe der Geschworenengerichte (S. 102) an den Senat, der aber durch 300 Mitglieder des Ritterstandes vermehrt werden soll; 2. Ackerverteilung und ein neues Getreidegesetz. Heftige Erörterungen darüber im Senat. Als er dann den Italikern die Erteilung des Bürgerrechts in Aussicht stellt, gilt er wie C. Gracchus als Aufrührer und wird durch Meuchelmord beseitigt. Die Italiker aber erheben sich nun zum Kriege gegen Rom.

91–88.

Marsischer oder Bundesgenossenkrieg.

Corfiniumim Gebirgslande, östlich vom Fucinus-See, wird zur Hauptstadt des neuen Staates bestimmt; dort soll ein Senat von 500 Mitgliedern aus allen italischen Stämmen tagen; zwei Konsuln treten an die Spitze. Aber die Latiner, Etrusker und Umbrer halten zu Rom; es kommt nicht zu großen Entscheidungskämpfen, da der Antrag des KonsulsL. Julius Caesar, den treu gebliebenen Bundesgenossen das Bürgerrecht zu verleihen, bald dahin erweitert wird, daß es allen Abgefallenen, die sich binnen 60 Tagen melden, gewährt werden soll (lex Plautia Papiria, von zwei Volkstribunen des Jahres 89 vorgeschlagen). Damit wird die Bevölkerung Italiens zur Teilnahme an der Weltherrschaft Roms zugelassen. Die nach Annahme dieser Anträge noch Widerstrebenden werden vonSullaund anderen Feldherrn nach und nach besiegt. Ein auswärtiger Feind erhebt sich, und durch neuen inneren Hader kommt der römische Staat in die größte Gefahr.

88–84.

Erster Mithradatischer Krieg.

GleichzeitigBürgerkriegzwischen Optimaten und Volkspartei.

Mithradates VI., König vonPontus(S. 66), hatte seine Herrschaft bis nach Kolchis und dem Kimmerischen Bosporus (Krim) ausgedehnt, den König von Bithynien vertrieben und war dann in der römischen ProvinzAsiaals Befreier aufgetreten. Auf seinen in Ephesus erlassenen Befehl werden alle in der Provinz sich aufhaltenden Italiker ermordet.

In Rom beantragt der VolkstribunP. SulpiciusVerteilung der Neubürger in alle 35 Tribus und Übertragung des Oberbefehls gegen Mithradates an Marius.Sulla, als Konsul des Jahres 88 entschlossen, sich den Oberbefehl nicht entreißen zu lassen, führt seine 6 Legionen von Nola ausgegen Romund erstürmt die Stadt. Sulpicius auf der Flucht getötet, Marius entkommt über Minturnae nachAfrika. Sulla stellt die alte, um 241 abgeschaffte Stimmordnung der Servianischen Verfassung für die Centuriatkomitien wieder her und bestimmt, daß fortan in der Bürgerschaft über keinen Antrag ohne Vorbeschluß des Senats abgestimmt werden darf.

87.

Nachdem Sulla zur Kriegführung gegen Mithradates abgereist ist, beruft der aus der Volkspartei erwählte Konsul L. CorneliusCinnaden flüchtigen Marius zurück und beginnt mit ihm eine revolutionäre Schreckensherrschaft in Rom. Viele Optimaten werden getötet, ihr Vermögen eingezogen. Marius, zum siebenten Male Konsul 86, stirbt zu Anfang des Jahres; Cinna führt seine Willkürherrschaft weiter, wird 84 in Ancona getötet, als er die Flotte gegen Sulla führen will.

Mithradates’ FeldherrArchelaoshat inzwischen einen großen Teil Griechenlands zum Abfall von der römischen Herrschaft gebracht. Sulla schlägt ihn in Böotien, nimmt 86 nach längerer BelagerungAthenein, schlägt Mithradates’ Truppen nochmals beiChaironeiaund 85 beiOrchomenos, geht dann nach Asien hinüber.

84.

Friede mit Mithradates zuDardănosin Troas; er muß die besetzten Gebiete (die ProvinzAsia, die KönigreicheBithynienundPaphlagonien) räumen, alle Kriegsschiffe ausliefern und 3000 Talente zahlen. Darauf wendet sich Sulla gegen das Heer der Volkspartei, welches 86 nach Asien gekommen war, aber nichts ausgerichtet hatte; die Soldaten fallen ihm zu, der Anführer C. Flavius Fimbria tötet sich selbst.

83.

Sulla landet mit etwa 40000 Mann inBrundisium, sichert den Bundesgenossen das volle Bürgerrecht zu, schlägt in mehreren Treffen, unterstützt von dem jungenCn. Pompeius,der ihm ein Heer von Freiwilligen zuführt, die Heere der Volkspartei.

82.

Sulla nimmtRomohne Widerstand ein, schlägt dieSamniten, welche noch immer das Bürgerrecht verschmähen, in einer Schlacht amKollinischen Tor, verhängt über aufständische Städte ein Strafgericht. In Rom verfügt er alsDictatorblutige Verfolgung der Marianischen Partei; es werdenProskriptionslistenaufgestellt; die Zahl der Geächteten steigt auf 4700. Ihre Güter werden eingezogen und die Sklaven freigelassen, ihre Kinder von allen Ämtern ausgeschlossen. Nach Beendigung des Bürgerkrieges folgen Landanweisungen an die Veteranen des Heeres; in die besiegten italischen Städte (Faesulae, Praeneste, Pompeii u. a.) werden ganze Kolonien geschickt. Seine Unterfeldherrn besiegen die Marianer in Spanien, Sicilien und Afrika.Pompeius, aus Afrika 81 zurückkehrend, zieht im Triumph in Rom ein und wird von Sulla mit dem BeinamenMagnusbegrüßt.

Gesetzgebung Sullas(leges Corneliae) zur Befestigung derOptimatenherrschaft: 1. Der an Zahl sehr zusammengeschmolzeneSenatwird durch 300 von den Tributkomitien erwählte Mitglieder ergänzt; für die Zukunft wird der Eintritt in den Senat gesetzlich an die Bekleidung derQuästurgeknüpft. Die Zahl der jährlich von den Tributkomitien zu erwählendenQuästorenwird auf 20 erhöht. Das Amt derCensurmit seiner Befugnis, alle fünf Jahre die Senatsliste neu aufzustellen, hört tatsächlich auf. Die von C. Gracchus dem Ritterstande übertragenenGeschwornengerichtewerden dem Senat zurückgegeben.

2. DieKomitienbehalten das Recht, Gesetze zu bestätigen und Beamte zu wählen; den Priesterkollegien (S. 81) wird das Recht der Selbstergänzung zurückgegeben. Die im J. 88 versuchte Wiederherstellung der Servianischen Stimmordnung wird aufgegeben.

3. Das Recht derVolkstribunen, Gesetzvorschlage an die Komitien zu bringen, wird an die Genehmigung des Senats geknüpft; Mißbrauch ihres Einspruchsrechts wird mit schweren Geldbußen bedroht; wer das Tribunat bekleidet, istzur Übernahme anderer Ämter unfähig.

4. Die Zahl derstehenden Gerichtshöfe(quaestiones perpetuae, S. 98) wirdvermehrt, daran schließt sich die Vermehrung derPrätorenauf 8 und eine umfassende Kriminalgesetzgebung.

81.

Sulla läßt Konsuln wählen, führt aber selbst alsDictatordie Regierung weiter. Für das Jahr 80 läßt er sich selbst und seinen WaffengenossenQ. Metellus(Sohn des Numidicus, S. 103) zu Konsuln erwählen, und bahnt so den Übergang zur verfassungsmäßigen Ordnung an.

79.

Sulla legt freiwillig die Dictatur niederund tritt ins Privatleben zurück († 78).

Die Sullanische Staatsordnung gewinnt keinen festen Bestand, da der Senat auf die Dauer nicht imstande ist, den Ehrgeiz einzelner Machthaber zu zügeln.

Pompeiusbekämpft 77–72 in Spanien den MarianerQ. Sertorius, der sich dort eine unabhängige Herrschaft gegründet hat, schließlich aber durch Verschworene ermordet wird. Bei der Rückkehr 71 vernichtet er flüchtige Scharen aufständischerSklaven, die unter Führung des ThrakersSpartăcusseit 73 Italien stark beunruhigt hatten, aber vonM. Licinius Crassusbereits besiegt worden waren (2.Sklavenkrieg, s. S. 100).


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