70.
Umsturz der Sullanischen Verfassung. Die KonsulnPompeiusundCrassusstellen die von Sulla beschränktetribunicische Gewaltwieder her. Auf Antrag des PrätorsL. Aurelius Cottawerden dieGerichtefortan zu gleichen Teilen aus Senatoren, Rittern und Männern des Bürgerstandes gebildet. Auch werden wiederCensorenerwählt; bei Aufstellung der Senatsliste werden 64 von Sulla ernannte Senatoren ausgestoßen. Der Volksgunst verdanktPompeiuszweimalige Übertragung des Oberbefehls in den damals entstandenen Kriegen.
78–67.
Krieg gegen die Seeräuber.Seit Zerstörung Karthagos war die römische Kriegsflotte vernachlässigt. Erpressungen der Statthalter in Asien trugen dazu bei, daß das Unwesen des Seeraubes den Handelsverkehr auf dem ganzen Mittelmeer gefährdete. Die italischen Küstenstädte von ihnen gebrandschatzt, eine römische Flotte vor Ostia geschlagen.KretaundCilicienHauptsitze der Seeräuber. Nachdem im J. 103 ein Teil Ciliciens zur Provinz gemacht war, besetzt der ProkonsulP. Servilius Vatia78–75 auch die westlich angrenzenden Landschaften Pamphylien, Pisidien, Isaurien und zerstört viele Seeräuberstädte,Kretawird nach längeren Kämpfen 67 zur Provinz gemacht (bald mitCyrenaicavereinigt). Da indes das Piratenunwesen noch fortdauert, so erhält
67.
Pompeiusauf Antrag des VolkstribunenA. Gabinius(lex Gabinia) auf drei Jahreden unumschränkten Oberbefehlüber das ganze Mittelmeer und über alle Küsten desselben bis 10 Meilen (75 km) landeinwärts; alle Staatskassen, alle Hilfsmittel der Provinzen und der Schutzstaaten werden ihm zur unbedingten Verfügung gestellt. Pompeius säubertmit 120000 Mann und 500 Schiffen in drei Monaten (durch 2 kurze Feldzüge) erst das westliche, dann das östliche Mittelmeer, nimmt viele Seeräuber gefangen und siedelt sie meist landeinwärts an (Pompeiopolis, bisherSoloi, in Cilicien).
74–64.
Dritter Mithradatischer Krieg.
Gegen den König vonPontushatte der ProprätorL. Licinius Murena83–81 einen zweiten Krieg geführt, um ihn zu völliger Ausführung des Friedens zu Dardanos zu zwingen. Nach Sullas Tode erhebt sichMithradatesvon neuem, verbündet mit seinem SchwiegersohnTigranesvon Armenien, der dem Reiche Syrien (S. 65) ein Ende macht. Mithradates besetztBithynien, das König Nikomedes den Römern vermacht hatte (S. 66), wird aber von dem ProkonsulL. Licinius Lucullus72 beiKabirageschlagen und aus seinem Reiche vertrieben. Lucullus siegt 69 auch über Tigranes beiTigranokertaund besetzt die Landschaft Kommagēne am oberen Euphrat, wird aber 68 bei dem Zuge durch die armenischen Berge gegen die HauptstadtArtaxătadurch Meuterei seiner Soldaten zur Umkehr genötigt. Alle Erfolge gehen verloren; Mithradates kehrt in sein Reich zurück. Lucullus vom Senat zurückgerufen.
66.
Pompeiuserhält den Oberbefehl in Asien auf Antrag des TribunenC. Manilius(Ciceros Redede imperio Cn. Pompeioderpro lege Manilia). Er schließt ein Bündnis mit denParthern, besiegt Mithradates in einer nächtlichen Schlacht am FlusseLykos, verfolgt ihn bis zumPhasisund wendet sich dann nach Armenien. BeiArtaxataunterwirft sich Tigranes; er bleibt König von Armenien, muß aber auf alle Eroberungen verzichten und 6000 Talente Kriegskosten zahlen.
65.
Pompeius kämpft mit den kriegerischen Bergvölkern imKaukasus, gibt aber die weitere Verfolgung des nach der Taurischen Chersones (Krim) geflüchteten Mithradates auf und zieht nach Pontus, von da nach Syrien.
64–63.
Einrichtung des asiatischen Römerstaates durch Pompeius.
Neue Provinzen: 1.Pontus, bestehend aus Bithynien, der Küste von Paphlagonien und dem westlichen Teil des früheren Reiches des Mithradates. 2.Syria, zunächst nur das Küstenland, vom Meerbusen von Issus bisDamaskus, später bedeutend erweitert. Neugeordnet wird die schon bestehende ProvinzCilicia(mit Pamphylien und Isaurien, S. 107). Die asiatischen Provinzen sind vielfach durchbrochen und umgeben von unabhängigenStadtgebieten, sowie von fürstlichen und priesterlichen (Pessinūs, Komana)Herrschaftenunter römischer Oberhoheit. Von den Vasallenkönigen sind die bedeutendsten der König vonKappadokienund der KönigDeiotărusvon Galatien (S. 66). In Palästina setzt Pompeius nach Einnahme Jerusalems und des Tempels den von seinem Bruder Aristobulos vertriebenen MakkabäerHyrkanosals Hohenpriester und dem römischen Volke tributpflichtigen Herrscher ein.
63.
Auf die Nachricht, daßMithradatessich inPantikapaioninfolge des Aufstandes seines SohnesPharnăcesden Tod gegeben, zieht Pompeius wieder nach Pontus; er bestätigt den Pharnăces im Besitz des bosporanischen Reiches.
61.
Pompeius, nach Italien zurückgekehrt, entläßt in Brundisium sein Heer und kommt als Privatmann nach Rom. Einige Monate später zweitägiger prachtvoller Triumph.
66–63.
Catilinarische Verschwörung.
Bund derVolksparteimit den Anhängern des verschuldeten PatriziersL. Sergius Catilina, welche durch gewaltsamen Umsturz des Staates und Schuldentilgung(tabulae novae) Besitz und Macht zu erlangen hoffen.
Die erste Verschwörung im J. 66, nach welcher die Konsuln des J. 65 ermordet, daraufCrassus(S. 107) zum Dictator,C. Julius Cäsar[26]zum magister equitum erhoben werden sollen, kommt wegen Unschlüssigkeit einiger Teilnehmer und sonstiger Hindernisse nicht zur Ausführung. Für das Jahr63soll die Erwählung desCatilinaund desC. Antoniuszu Konsuln durchgesetzt werden, aber nur der letztere wird gewählt; sein Amtsgenosse wird der als Redner und Anwalt beliebte, bisher keiner Partei vollständig angehörigeM. Tullius Cicero.[27]Dieser sichert dem verschuldeten Antonius durch eigene Verzichtleistung im voraus die einträgliche StatthalterschaftMakedonienzu und macht ihn dadurch den Verschworenen abwendig.
Cicero verhindert während seines Konsulates mehrere Anträge der Volkspartei, namentlich ein weitgehendes Ackergesetz, überwacht die Anschläge der Verschwörung und vereitelt den Versuch Catilinas, bei der Konsulwahl für 62 die Mitbewerber und ihn selbst, den die Wahl leitenden Konsul, zu ermorden. Der Senat, von der Bildung eines aufständischen Heeres unter G. Manlius inEtrurienunterrichtet, erteilt den Konsuln Vollmacht zur Rettung des Staates (S. 99). Catilinas Plan, Cicero in seinem Hause ermorden zu lassen, wird ebenfalls verraten und mißlingt.Cicero enthüllt die Verschwörungin der Senatssitzung am 8. Nov. 63 (erste Catilinarische Rede); Catilina verläßt darauf die Stadt und geht zu dem Heere nach Etrurien. Seine Mitverschworenen, der PrätorLentulus,Cethegus,Gabiniusu. a., lassen sich mit den Gesandten der Allobreger (in der provincia Narbonensis) in Verhandlungen ein; diese werden bei der Abreise von Rom angehalten; auf Grund der bei ihnen gefundenen schriftlichen Beweise wird am 5. Dez. im Senat über die Verschworenen Gericht gehalten. Der Senat beschließt trotzCäsarsGegenrede, durchCicero(vierte Catilinarische Rede) undM. Porcius Cato(Urenkel des M. Porcius Cato Censorius) bestimmt, die fünf Verhafteten hinrichten zu lassen; das Urteil wird am Abend des 5. Dez. im Tullinanum vollzogen. Cicero vom Volke alspater patriaebegrüßt.
Mit der Kriegführung gegen das Catilinarische Heer wird der KonsulC. Antoniusbeauftragt. Dessen LegatM. Petreiusschlägt den Catilina beiPistoria(62). Catilina und 3000 seiner Anhänger fallen.
61.
Cäsargewinnt seinen ersten Kriegsruhm als Proprätor in der ProvinzHispania ulterior, verzichtet aber nach seiner Rückkehr (60) auf den Triumph, um als Bewerber um das Konsulat auftreten zu können.
Die Weigerung des Senats, die vonPompeiusbeantragte Ackerverteilung an seine Veteranen zu bewilligen und seine in Asien getroffenen Anordnungen zu bestätigen, führt einen vollständigen Bruch zwischen Pompeius und den Optimaten herbei. Die drei mächtigsten Männer Roms verbinden sich zu gegenseitiger Unterstützung:
60.
Das erste Triumvirat,Pompeius,CäsarundCrassus.
59.
Cäsar Konsul, bringt die von Pompeius gewünschten Anträge an die Komitien: sie werden trotz des Widerstandes, den der andere KonsulM. Calpurnius Bibulusleistet, vom Volke angenommen. Die Freundschaft zwischenCäsarundPompeiuswird durch Vermählung des lezteren mit Cäsars TochterJuliabefestigt.
Auf Antrag des Tribunen P. Vatinius erhält Cäsar durch Volksbeschluß die Statthalterschaft vonGallia cisalpinaundIllyricum auf 5 Jahre; auf Pompeius’ Antrag fügt der bestürzte Senat nochGallia Narbonensis(S. 101) hinzu. Die Ausführung des Ackergesetzes wird einer Kommission übertragen, an deren SpitzePompeiusundCrassusstehen. Ehe Cäsar in seine Provinzen abgeht, wird
58.
CatosundCicerosEntfernung aus Rom auf Cäsars Betreiben durchgesetzt von dem durch Adoption aus einem Patrizier zum Plebejer gemachten VolkstribunenP. Clodius, Nachkommen des App. Claudius Caecus. Cato wird durch Volksbeschluß beauftragt, die den Römern durch Testament des Königs von Ägypten zugewiesene InselCypernzu übernehmen.Cicerowirdgeächtet, weil er römische Bürger ohne gerichtliches Urteil habe hinrichten lassen; er geht nach Thessalonike in Makedonien.
58–51.
Eroberung Galliens durch Cäsar.
Gallien bewohnt vonkeltischenStämmen, die sich zu Gauverbänden vereinigt haben (im N. dieBelger, im S. dieAquitaner, in der Mitte dieÄduer,Arverner,Sequanermit ihren Genossen). Zur Ausgleichung der Streitigkeiten jährliche Landtage im Gebiet derCarnutenunter Leitung der Priester (Druiden). Die Arverner und Sequaner aber haben im Streit mit den ÄduerngermanischeStämme,Suebenunter dem KönigAriovist, herbeigerufen und ihnen Land abtreten müssen. Cäsar schützt, indem er zunächst für die Sicherheit der römischen Provinz sorgt, die Gallier in ihren Wohnsitzen.
58.
Cäsar siegt über die in Gallien einbrechendenHelvetierbeiBibracte(unweit Autun), dann über den GermanenfürstenAriovistnordöstlich vonVesontio(Besançon), in der Gegend vonMülhausenim Elsaß.
57.
Unterwerfung der meistenbelgischenVolksstämme nach einem schwer errungenen Siege über dieNervieram FlusseSabis(Sambre). Im Süden vergeblicher Versuch, durch Besetzung vonOctodurus(Martigny in Wallis) den Alpenübergang über den Paß desGroßen St. Bernhardzu sichern.
56.
Unterwerfung der Seestaaten, namentlich derVenĕter, inArĕmorĭca(Bretagne und Normandie) durch schwere Kämpfe Cäsars zu Lande und zur See. Im Süden unterwirft der LegatP. Crassus, Sohn des Triumvirs, dieAquitaner.
55.
Cäsar treibt die germanischen Stämme derUsipĕterundTenktĕrerüber den Rhein zurück. Übergangüber den Strom auf einer Pfahlbrücke (in der Gegend von Neuwied). Rückkehr nach 18tägigem Verweilen auf dem rechten Ufer.
Erste Überfahrt nachBritannienmit 2 Legionen, Landung nordöstlich vonDover, doch baldige Rückkehr. Cäsars Legaten unterwerfen die nördlichsten gallischen Küstenvölker, dieMorĭnerundMenapier.
54.
Zweite Überfahrt nachBritannienmit 5 Legionen. Der ÄduerDumnorix, der die Mitfahrt verweigert, wird getötet. Cäsar landet, dringt in das Innere vor, überschreitet die Themse, kämpft glücklich gegen die britischen Kelten unterCassivellaunus. Unterdessen Angriff auf sein Schiffslager; er kehrt zurück, nachdem Cassivellaunus sich unterworfen und Geiseln gestellt hat.
Im Winter Aufstand mehrerer gallischer Völkerschaften, veranlaßt von dem TrevĕrerIndutiomārus. DieEburonenunter Ambiorix vernichten 15 römische Kohorten (unterSabinusundCotta) bei Aduatŭca und bestürmen mit den Nerviern das Winterlager des LegatenQ. Tullius Cicero(Bruder des Redners), der tapfer standhält und von Cäsar befreit wird. Indutiomārus fällt bei einem Angriff auf das Winterlager desT. Labienus.
53.
Labienus unterwirft die Trevĕrer, Cäsar überschreitet zum zweiten Male denRhein, um die Sueben abzuwehren. Nach der Rückkehr Strafgericht über die Eburonen.
52.
Allgemeiner Aufstand der Gallier unter dem ArvernerVercingetŏrix. Cäsar erobertCenăbum(Orléans) undAvarĭcum(Bourges), entsendet den Legaten T. Labienus zur Besetzung vonLutetia Parisiorum(Paris), belagert aber vergeblichGergovia(in der Nähe von Clermont in der Auvergne). Aufstand der bisher ihm treu ergebenenÄduer. Cäsar vereinigt sich wieder mit Labienus, schließt Vercingetorix inAlesia(Alise Sainte-Reine nordwestlich von Dijon) ein. Harter Kampf gegen ein großes, aus allen Teilen Galliens zusammengebrachtes Entsatzheer, welches zurückgeschlagen wird. Vercingetorix muß sich ergeben (6 Jahre später in Rom hingerichtet). Bestrafung der Aufständischen.
51.
Vollendung der Unterwerfung des transalpinischen Galliens, welches Cäsar mit 10 über das ganze Land verteilten Legionen im Gehorsam erhält.
Ergebnisse und weltgeschichtliche Bedeutung der achtjährigen Kämpfe Cäsars:1. Das römische Reich wird durch die Unterwerfung des großenKeltenlandes erweitert und gegen Angriffe der nordischen Völker gesichert. 2. Die Ausbreitung des römischen Handels (Massilia) und der griechisch-römischenKultur über West- und Mitteleuropa wird durch ErschließungGalliens, BritanniensundGermanienswesentlich gefördert. 3. Cäsar gewinnt ein ihm ergebenes, kriegsgeübtes Heer, um die notwendig gewordene Umgestaltung der römischen Republik in eine Monarchie durchzuführen.
Während diese großartigen Erfolge Cäsars den alten Kriegsruhm des Pompeius in Schatten stellen, bemüht sich dieser vergebens, in Rom die vonP. Clodiuserregten Unruhen der Volkspartei zu unterdrücken. Doch wird im J. 57 die Zurückberufung Ciceros durchgesetzt, und die beiden TribunenT. Annius MiloundP. Sestiustreten mit bewaffneten Anhängern den Scharen des in Cäsars Diensten stehenden Clodius entgegen.
56.
Erneuerung des Triumvirats zu Lucca(in Etrurien). Cäsar, Pompeius und Crassus vereinigen sich dort mit ihren Anhängern (über 200 Senatoren). Infolge der getroffenen Verabredungen werden für das J. 55 mit Anwendung von Gewalt als Konsuln durchgesetztPompeiusundCrassus. Durch Volksbeschluß erhält dann auf 5 Jahre Pompeius die Statthalterschaftbeider Spanien, Crassus die vonSyrien, während Cäsars Oberbefehl inGallienaufweitere 5 Jahre verlängertwird. Die Optimaten müssen sich diesen Beschlüssen fügen.
53.
Crassusunternimmt einen Kriegszug gegen dieParther(S. 65), wird aber beiCarrhaein Mesopotamien von ihnen geschlagen und bald darauf bei einer Verhandlung getötet. Sein Heer nahezu aufgerieben, römische Feldzeichen von den Parthern erbeutet (S. 123).
Pompeius bleibt in Rom, erbaut dort das erste steinerne Theater, veranstaltet glänzende Spiele, läßt seine spanischen Provinzen durch Legaten verwalten.
52.
Clodius getötetbei einem Zusammenstoß mit der Bande desMiloauf der Via Appia. Aufstand in Rom bei der Leichenfeier für Clodius, dieCuria Hostiliain Brand gesteckt.Pompeius, zum alleinigen Konsul erwählt (consul sine collega), stellt die Ruhe wieder her. Auf Grund der von ihm beantragten Gesetzede ambituundde viwird Milo trotz Ciceros Verteidigungsrede verurteilt und geht in die Verbannung.Ciceroals Prokonsul Statthalter von Cilicien (51–50) und damit wieder aus Rom entfernt.
Pompeius, seit dem Tode der Julia (54) dem Cäsar entfremdet, heiratet die Tochter des OptimatenQ. Metellus Scipio, der für die letzten 5 Monate des Jahres 52 sein Mitkonsul wird. Er läßt sich die Statthalterschaft in Spanien auf 5 Jahre erneuern.
Verhandlungen im Senat (51–50) über die durch widersprechende Bestimmungen unlösbar verwickelte Frage, ob Cäsar seine Statthalterschaft am 1.März49 oder erstEnde49 niederzulegen habe. Cäsars Gegner bestehen, um ihn zu stürzen, auf dem früheren Termin, wollen auch einen Volksbeschluß, der ihm gestattete, sich abwesend um das Konsulat (für das Jahr 48) zu bewerben, nicht anerkennen. Cäsar fügt sich dem Verlangen, daß er zwei Legionen (darunter eine früher von Pompeius entliehene) zum Partherkrieg abgebe, läßt aber durch den ihm gleich Clodius ergebenen VolkstribunenC. Scribonius Curiodie Forderung stellen, daß er und Pompeius gleichzeitig am 1. März 49 den Oberbefehl niederlegen sollen.
vor Chr49–46.
Bürgerkrieg zwischen Cäsar und den Optimaten.
49. (1. Jan.)
Der Senat erklärt nach Abweisung wiederholter Vermittelungsvorschläge Cäsar für einen Reichsfeind (hostis), wenn er nicht innerhalb einer bestimmten kurzen Frist seine Provinzen an die ernannten Nachfolger übergebe und sein Heer entlasse. Ein zweiter Senatsbeschluß (7. Jan.) gibt den Konsuln und Prokonsuln Vollmacht zu außerordentlichen Maßregeln (S. 99). Die Cäsar ergebenen Volkstribunen fliehen zu ihm nachRavenna.
Cäsar geht miteinerLegion über den BachRubico, die Grenzscheide zwischen seiner Provinz und Italien, und beginnt damit den Bürgerkrieg.
Große Bestürzung in Rom. Pompeius, dessen Rüstungen erst begonnen haben, entweicht mit den Konsuln und einem Teile des Senats (darunter Cicero) nachCapua, dann nachBrundisium(Staatskasse in Rom zurückgelassen). Cäsar zieht durch Umbrien und Picenum, zwingt, durch 2 nachgekommene und 3 neugebildete Legionen verstärkt, denL. DomitiusinCorfiniumzur Übergabe und rückt vorBrundisium. Pompeius entkommt mit der Flotte nachDyrrhachium. Cäsar ordnet den Bau neuer Schiffe an und wendet sich zunächst nachRom; dort beschwichtigt er die Besorgnis vor Wiederkehr der Greuel des ersten Bürgerkrieges. Großmütiges Verfahren gegen seine Feinde.
49.
Cäsar geht auf dem Landwege nach Spanien zur Bekämpfung der Legaten des Pompeius: ein Teil seines Heeres belagertMassilia. Die LegatenL. AfraniusundM. Petreiuswerden beiIlerda, nördlich vom Ebro, zur Übergabe gezwungen, ihr Heer wird aufgelöst.
M. Terentius Varro, der inHispania ulteriorden Oberbefehl führt, zieht sich nachGadeszurück und ergibt sich ohne Kampf, da die meisten Städte der Provinz sich für Cäsar erklären. Als dieser nach Italien zurückmarschiert, unterwirft sich ihm die ausgehungerte und mit Erstürmung bedrohte StadtMassilia. Während dieser Zeit hat sein LegatC. ScriboniusCurioSicilien unterworfen. Derselbe setzt nach Afrika über, siegt erst beiUtĭca, wird aber vonIuba, König von Numidien, der sich für Pompeius erklärt hatte, amBagradasflußgeschlagen und fällt.
Cäsar wird (abwesend) in Rom von dem PrätorM. Aemilius LepiduszumDictatorernannt, legt aber die Dictatur nach 11 Tagen nieder, nachdem er für das Jahr
48.
zum Konsul erwählt ist (zusammen mitP. Servilius Isauricus), während der nach dem Osten geflüchtete Teil des Senats (inThessalonike) dem Pompeius und allen Beamten des letzten Jahres die Amtsgewalt verlängert.
Landung Cäsars an der Küste von Epirus; er rückt nachIllyrienvor und nimmt die Städte Oricum und Apollonia ein. Sein LegatM. Antoniuskann erst nach einigen Monaten mit dem anderen Teil des Heeres folgen, da die pompejanische Flotte das Meer beherrscht. Cäsar schließt das Heer des Pompeius beiDyrrhachiumein, aber seine Verschanzungen werden durchbrochen.Cäsar, geschlagenund zum Rückzug gezwungen, geht nachThessalien, wohin ihm Pompeius folgt.CatoundCicerobleiben in Dyrrhachium zurück. In der thessalischen Ebene kommt es zur
48.(9. Aug.)
Schlacht bei Pharsālus.
Cäsar schlägt mit etwa 22000 Mann das mehr als doppelt so starke Heer des Pompeius und zersprengt es vollständig. 20000 Pompejaner strecken die Waffen, Pompeius flieht nach der Küste, geht zu Schiff überLesbosnachÄgypten. Dort wird er bei der Landung auf Befehl des Ministers des jungen Königs Ptolemäus XII. ermordet. Cäsar landet mit 4000 Mann in Alexandria.
In Rom wird dem Sieger Cäsar dieDictaturauf unbestimmte Zeit (wie früher Sulla, S. 106), dasKonsulatauf 5 Jahre, dietribunicische Gewaltauf Lebenszeit übertragen. Er nimmt das Konsulat erst wieder für das Jahr 46 an und sendet denM. Antoniusals seinen Stellvertreter (magister equitum) nach Rom.
48–47.
Alexandrinischer Krieg.
Aufstand der Einwohner von Alexandrīa, unterstützt durch das seit Zurückführung des KönigsPtolemäus Aulētes(55) dort befindliche römische Besatzungsheer. Cäsar, in der Königsburg belagert, gerät in die größte Gefahr, aus der ihn nur seine Verwegenheit rettet. Er läßt die ägyptische Flotte in Brand stecken, wobei ein Teil der Stadt in Feuer aufgeht, auch die berühmte alexandrinische Bibliothek (s. S. 65). Er verläßt die Stadt, nachdem er sich den Besitz der den Hafen beherrschenden Leuchtturminsel Pharos gesichert hat, und schlägt mit Hilfe eines aus Asien herbeigekommenen Entsatzheeres das ägyptische Heer am Nil. Der junge KönigPtolemäusertrinkt auf der Flucht. Die Regierung wird,unter römischer Oberhoheit, seiner SchwesterKleopatraund ihrem jüngsten Bruder übergeben, in Alexandrīa bleibt eine römische Besatzung. Cäsar geht nach Kleinasien und beendet in einemfünftägigenFeldzug (veni, vidi, vici) den
47.
Krieg gegen Pharnăces,
Sohn des Mithradates (s. S. 109), welcherPontus,Klein-ArmenienundKappadokienbesetzt hatte. Cäsar besiegt ihn beiZelaund zwingt ihn zur Rückkehr in sein bosporanisches Reich, wo er bald umkommt. Ordnung der asiatischen Verhältnisse.Deiotărus(S. 109), der bei Pharsalus gegen Cäsar gefochten hatte, verliert den größten Teil seiner Herrschaft.
Rückkehr Cäsars nach Rom.Cicero, von ihm begnadigt und ehrenvoll behandelt, zieht sich auf sein Tusculanum zurück, bleibt aber sein Gegner. Nach Beschwichtigung eines Aufstandes der in Campanien stehenden Legionen unternimmt Cäsar den
46.
Krieg in Afrika
gegen die Pompejaner (Cn.undSextus Pompeius,Q. Metellus Scipio,Cato,Labienus,Petreius, KönigIuba). Er landet bei Hadrumētum, gerät in Gefahr, da der größte Teil der Truppen infolge eines Sturmes erst später eintrifft, führt dann den Krieg mit Vorsicht gegen die an Zahl überlegenen Feinde, siegt endlich in der blutigenSchlacht bei Thapsus.Catotötet sich inUtĭca, um den Untergang der Republik nicht zu überleben, daher »Uticensis« genannt. Labienus und Sextus Pompeius entkommen nach Spanien. — Ein TeilNumidienswird von Cäsar mit der Provinz Afrika vereinigt, der andere an KönigBocchusvon Ost-Mauretanien gegeben.
Rückkehr Cäsars nach Rom, wo ervierTriumphe feiert (Gallien,Ägypten,Pharnăces,Afrika). Bewirtung des Volkes an 22000 Tischen, prächtige Festspiele, Geld- und Getreidespenden. CäsarsDictaturwird zunächst auf 10 Jahre, später auf Lebenszeit (dictator perpetuus) verlängert. Er beginnt dieNeuordnung des zerrütteten Staatswesens: Census der Bürgerschaft; Beschränkung der Zahl derer, welche regelmäßig Getreidespenden empfangen, auf 150000; Bestimmungen über die Verfassung der Bürgerstädte (lex Iulia municipalis); Herstellung des Senats; Ackerverteilung an die Veteranen.Verbesserung des Kalendersmit Hilfe des alexandrinischen AstronomenSosigĕnes. Das Jahr 46 wird durch Einschaltung um 67 Tage verlängert; an Stelle des bisher üblichen Mondjahres mit Schaltmonaten tritt das Sonnenjahr von 365¼ Tagen (alle 4 Jahre ein Schaltjahr).
Nochmals erheben sich inSpaniendie Söhne des Pompeius und Cäsars früherer Legat Labienus; Cäsar siegt nach hartnäckigem Widerstande in der
45.
Schlacht bei Munda(in der südlichen Provinz, zwischen Cordŭba und Gades), setzt dann in Rom alsDictatorundImperator(letzterer Titel früher nur zeitweise von siegreichen Feldherren bis zum Tage des Triumphes geführt) sein großartiges Reformwerk fort. Die alten Formen der republikanischen Verfassung behält er bei, in der Tat aber waltet Cäsar als Alleinherrscher. AlsPontifex maximushat er die Oberaufsicht über das Religionswesen, als Inhaber dertribunicia potestasdas Vorschlagsrecht bei der Gesetzgebung und das Ansehen eines unverletzlichen Vertreters und Beschützers des Volkes. DenKomitienbleibt die Bestätigung der Gesetze als ein nur formelles Recht; ihr Wahlrecht wird durch das Vorschlagsrecht des Dictators sehr beschränkt. DerSenat, auf 900 Mitglieder vermehrt, wird wieder, wie zur Königszeit, zu einem nur beratenden Reichsrat. Die obersteGerichtsgewaltsteht, ebenfalls wie in der Königszeit, dem Alleinherrscher zu (Prozesse desLigariusundDeiotărus, bei welchen Cicero als Anwalt auftritt).
Großartige Bauten in Rom (Basilica Iulia an der Südseite des Forums; die Nordseite wird erweitert durch das Forum Iulium mit dem Tempel der Venus Genetrix). Gründung einer öffentlichen Bibliothek. Neue Provinzialordnung zum Schutz der Provinzen gegen die Willkür der Statthalter; Gründung von Kolonien in den Provinzen,KarthagoundKorinthhergestellt. Luxusgesetze, Kriminalgesetzgebung.
Durch weitgehende Ehrenbeschlüsse (Bildsäulen von ihm in allen Tempeln, seine Statue neben denen der sieben Könige, Münzen mit seinem Bildnis (S. 74, Anm.), Feier seines Geburtstages am 12. des Monats Quinctilis, der nunIuliusgenannt wurde, alle fünf Jahre Spiele ihm zu Ehren u. a.) wird Cäsars Alleinherrschaft beim Volke unbeliebt. Das vonM. Antoniusam Lupercalienfeste (15 Februar 44) ihm öffentlich angebotene Königsdiadem weist er zurück. Während der Vorbereitungen zu einem Rachekrieg gegen dieParther(S. 113), welcher die Ostgrenze des Reichs sichern soll, bildet sich unter den Senatoren eine Verschwörung (C. Cassius Longinus,M. Iunius Brutus,C. Trebonius,Decimus Brutus,L. Tillius Cimber,P. Servilius Cascau. a.).
44.(15. März.)
Ermordung Cäsars in der Senats-Sitzung,
die an jenem Tage zufällig in der an das Theater des Pompeius anstoßendenCuria Pompeiagehalten wurde. Cäsar fällt, von 23 Stichen durchbohrt, an der Bildsäule des Pompeius nieder.
Für kurze Zeit übernimmt der Senat wieder die Staatsleitung. Er verfügt zugleich die Aufrechterhaltung der Gesetze Cäsars und Straflosigkeit (Amnestie) für dessen Mörder. Allein das Volk der Hauptstadt, aufgeregt durch dieLeichenrede des Consuls M. Antonius, verübt Gewalttaten gegen die Verschworenen. Die Häupter der Verschwörung verlassen Rom, um in die ihnen (noch von Cäsar selbst) angewiesenen Provinzen zu gehen:M. BrutusnachMakedonien,CassiusnachSyrien,Decimus BrutusnachGallia cisalpina.
In Rom maßt sichM. Antonius(Konsul mitP. Cornelius Dolabella) im Besitz der testamentarischen Bestimmungen Cäsars, unter dem Vorwande, den letzten Willen des Dictators auszuführen, eine unumschränkte Gewalt an, ändert die Verteilung der Provinzen, läßt sich namentlich die ProvinzGallia cisalpinadurch Volksbeschluß zuerteilen. Dagegen tritt der 19jähr.C. Octavius(geb. 63), der Großneffe und Adoptivsohn Cäsars, daher fortanC. Julius Cäsar Octavianusgenannt, in Verbindung mit dem Senat. Bei den Soldaten beliebt, sammelt er zahlreiche Veteranen Cäsars um sich und bestimmt 2 Legionen des Antonius, sich unter seinen Befehl zu stellen. Durch die einander entgegengesetzten Bestrebungen der Machthaber wird das römische Reich inneue Bürgerkriegegestürzt.
44–43.
Gegen Antonius, der den Decimus Brutus inMutĭnabelagert und ihm seine Provinz entreißen will, werden auf BetreibenCiceros(diePhilippischenReden) die beiden Konsuln Hirtius und Pansa ausgesandt, mit ihnen der jungeOctavianals Proprätor (Mutinensischer Krieg). Beide Konsuln fallen; Dec. Brutus verfolgt den besiegten Antonius nach Gallia transalpina. Octavian aber führt das ganze Heer nach Rom, erzwingt vom Senat seine Erwählung zum Konsul, Widerruf der Amnestie für die Verschworenen und ihre Verurteilung. Hierauf zieht er zum Schein gegenAntonius, mit dem er schon geheime Unterhandlungen angeknüpft hatte. Auf einer Zusammenkunft beiBononiawird das
43.(Nov.)
zweite Triumvirat
geschlossen zwischenAntonius,OctavianundM. Ämilius Lepidus(Statthalter in Gallia Narbonensis). Die drei Machthaber (tresviri reipublicae constituendae) lassen ihre angemaßte Gewalt von den Komitien auf 5 Jahre bestätigen und beginnen ihre Herrschaft mit grausamenProskriptionen: 130 Senatoren und 2000 Männer vom Ritterstande werden geächtet und größtenteils getötet (u. a.Ciceround sein BruderQuintus, S. 112), ihr Vermögen eingezogen. Darauf
43–42.
Krieg gegen die republikanische Partei.
AntoniusundOctavianusziehen gegenM. BrutusundC. Cassius, welche in Makedonien und Syrien eine bedeutende Kriegsmacht gesammelt hatten. In der (ersten)
42.
Schlacht bei Philippi
in Thrakien besiegtAntonius, welcher den rechten Flügel befehligt, den linken Flügel des republikanischen Heeres unterCassius, währendOctavianvor den Truppen desBrutuszurückweichen muß. Auf die falsche Nachricht von einer Niederlage des Brutus läßt sichCassiusdurch einen Sklaven töten.Brutus, 20 Tage später in einerzweiten SchlachtvonAntoniusgeschlagen, tötet sich selbst.
Antoniusbrandschatzt die ProvinzenAsienundSyrienund folgt dann der KöniginKleopatra(S. 116), die er nachTarsusvorgefordert hatte, nachÄgypten. Währenddessen nimmtOctavianin Italien die den Veteranen versprochenen Ackerverteilungen vor;L. Antonius, Bruder des Triumvir, der ihm dabei entgegentritt, wird inPerusiabelagert und muß sich ergeben.M. Antoniuslandet mit einem Heere bei Brundisium; es kommt in Brundisium zu einem Vergleich, nach welchem die Verwaltung des Reiches so geteilt wird, daß
40.
OctaviandenWesten,AntoniusdenOsten(Grenzlinie geht durch Illyrien),LepidusAfrikaerhält.Sextus Pompeius, der sich von Sicilien aus eine Seeherrschaft über die italischen Inseln gegründet hatte (sein Bruder Cn. bei Munda †), wird (36) vonM. Vipsanius Agrippa, dem Unterfeldherrn Octavians, beiMylaebesiegt.Lepidus, der nun auf Sicilien Anspruch erhebt, verliert nach einem kurzen Feldzuge auch Afrika an Octavian, ihm bleibt nur die Würde eines Pontifex maximus.
Octaviansorgt für friedliche Verwaltung Italiens, bekämpft aber auch, um Norditalien zu sichern, die Dalmatier und Pannonier, erobert 35 die Stadt Siscia an der Save.
Antonius, mit Octavians SchwesterOctaviavermählt, unternimmt 38 und 37 wenig erfolgreiche Züge gegen dieParther, schwelgt dann in Ägypten am Hofe derKleopatra, zieht 34 gegenArmenienund führt den König Artavasdes als Gefangenen in Alexandria im Triumph auf, verschenkt endlich römische Provinzen an seine Kinder mit der Kleopatra und schickt der Octavia den Scheidebrief. Octavian läßt in Rom durch Volksbeschluß dem Antonius den Oberbefehl entziehen und an Kleopatra den Krieg erklären.
31–30.
Krieg zwischen Octavian und Antonius.
Während Antonius und Kleopatra lange inEphĕsos, Samos, AthenundPatrae(in Achaja) verweilen, vollendetOctavian seine Rüstungen und setzt das Landheer nach Epirus über; seine 250 Schiffe starke, vonAgrippageführte Flotte besiegt die an Zahl der Schiffe überlegene Flotte des Antonius und der Kleopatra in der
31.(2. Sept.)
Seeschlacht bei Actium.
Kleopatra flieht mit ihren Schiffen, ehe die Schlacht entschieden ist; Antonius folgt ihr. Sein Landheer ergibt sich nach 7 Tagen dem Octavian ohne Kampf.
30.
Octavian geht nach Asien, wo er sein 4. Konsulat antritt, kehrt zur Beschwichtigung einer Meuterei der Veteranen auf kurze Zeit nach Italien zurück, begabt sich dann wieder zu seinem Heere und führt es durchSyriennachÄgypten. Antonius, von seinen Truppen verlassen, tötet sich auf die falsche Nachricht vom Tode der Kleopatra. Diese tötet sich bald darauf durch Gift, als sie sieht, daß Octavian sie nur schont, um sie in Rom im Triumph aufzuführen. Octavian machtÄgypten zur römischen Provinz,ordnet dann die Verhältnisse in Vorderasien und kehrt 29 im Monat Sextilis (nachher ihm zu EhrenAugustusgenannt) nach Rom zurück. Dreitägiger Triumph, der Janustempel geschlossen (vgl. S. 72).
Alleinherrschaft Octavians,in der vonCäsarbegründeten Weise, jedoch so, daß dieDictaturersetzt wird durch das von ihm anfangs ständig bekleideteKonsulat, dann durch dasallgemeine prokonsularische Imperium. Das römische Reich, nach Beendigung der Bürgerkriege im Frieden aufblühend, schützt noch mehrere Jahrhunderte lang unter der Herrschaft der Kaiser die Kulturvölker des Altertums gegen die Angriffe der Barbaren.
Die Anfänge nationaler Baukunst und Dichtung bei Etruskern und Latinern entwickeln sich erst durch die Bekanntschaft mit griechischer Kultur zu höherer Blüte. Griechischer Baustil erscheint in den Tempeln und Säulenhallen, mit welchen Rom sich schmückte, als es zur Großstadt heranwuchs. Griechische Statuen wurden nach Eroberung griechischer Städte (Tarent 272, Syrakus 212, Korinth 146) zahlreich nach Rom gebracht; seit 146 arbeiteten viele griechische Künstler in Rom. Drei griechische Philosophen (Karneades, Diogenes, Kritolaos) 156 als athenische Gesandte in Rom.
Anfänge der römischen Literatur: Gottesdienstliche Lieder derSalii(S. 73) undFratres arvales, religiöse und geschichtliche Aufzeichnungen der Priester (libri pontificum, fasti consulares und triumphales), Erklärungen der Zwölf-Tafelgesetze (S. 78 f). Volkstümliche Bühnendarstellungen werden zuerst 364erwähnt als Bestandteil der Festspiele (ludi scaenici). Griechische Tragödien und Komödien in lateinischer Bearbeitung brachteLivius Andronīcus, ein Grieche aus Tarent, seit 240 in Rom zur Aufführung, nach ihmCn. Naeviusaus Campanien, der auch nationale Stoffe dramatisch darstellte (fabulae praetextae) und den ersten Punischen Krieg in einem Epos (in saturnischen Versen) besang; fernerQ. Enniusaus Rudiä in Calabrien († 169), der ebenfalls in einem Epos in Hexametern (Annales) die Geschichte Roms bis auf seine Zeit darstellte, befreundet mit Scipio Africanus maior. Erhalten sind die Bearbeitungen griechischer Komödien vonT. Maccius Plautus(† 184) undP. Terentius(† 159).
Die ältesten römischen Geschichtschreiber (Annalisten) schrieben griechisch. Als erster Schriftsteller in lateinischer Prosa istM. Porcius Cato(† 149,Origines,de re rustica, Reden) zu nennen. Besonders gepflegt wurde die Rechtsgelehrsamkeit (Sex. Aelius Catus, Konsul 198,Q. Mucius Scaevola augur, Konsul 117, Lehrer Ciceros) und die Beredsamkeit (C. Gracchus† 121,L. Licinius Crassus† 91,M. Antonius† 87,Q. Hortensius† 50). Die nationalen Altertümer erforschteM. Terentius Varro(116–27, de lingua Latina, antiquitates rerum humanarum et divinarum). Als Geschichtschreiber ragen hervorC. Iulius Cäsar(† 44) undC. Sallustius Crispus(† 34). Den Reichtum und die Schönheit der lateinischen Sprache entfaltet besondersM. Tullius Cicero(† 43) als Redner und philosophischer Schriftsteller (Tusculanae disputationes, de officiis u. a.). Als Dichter sind in Ciceros Zeit zu nennenT. Lucretius Carus(† 55), Verfasser eines philosophischen Lehrgedichtsde rerum natura, und der LyrikerC. Valerius Catullus(† 54).
>(Von31 vorChr. bis476 nachChr.)
vor nach Chr.31–68.
Das Julisch-claudische Herrscherhaus.
31–14.
Cäsar Octavianus Augustus.
Der BeinameAugustus(derErlauchte,Erhabene), den ihm (27 vor Chr.) der Senat erteilte, ist auf seine Nachfolger übergegangen und ebenso wiePrinceps,Cäsar,Imperator, zum Titel der römischen Herrscher geworden.[28]
Augustus beschränkt den Senat auf 600 Mitglieder und knüpft die Senatorwürde an einen hohen Census (1 Million Sest. = etwa 180000 M.). DasKonsulatbleibt bestehen, wird anfangs von Augustus ständig, später von ihm und seinen Nachfolgern noch bisweilen bekleidet, gilt aber nur als Ehrenamt und wird in seiner Dauer verkürzt, zuletzt in der Regel auf 2 Monate. Auch die andern republikanischen Ämter bleiben, doch mit beschränktem Geschäftskreis; dieCensurwird von den Kaisern übernommen, wie sie schon Cäsar unter dem Titel Praefectus morum ausgeübt hatte. Dem Senat bleibt ein gewisser Anteil an der Herrschergewalt.
Die kaiserliche Herrschaft beruht auf dem Heerbefehl, der tribunicischen Gewalt und der obersten Gerichtsgewalt. Seit dem Tode des Lepidus (13) war Augustus auch Pontifex maximus. Einflußreiche kaiserliche Beamte sind derPraefectus urbi(Polizeipräsident) und die beidenPraefecti praetorio(Befehlshaber der aus 9 Kohorten bestehenden kaiserlichen Garde). Einteilung Roms in 14, Italiens in 11regiones. Einrichtung einerReichspost (cursus publicus)für die von Staats wegen reisenden Beamten. Schutz der Provinzen gegen die Übergriffe der Beamten. Fürsorge für die Armen. Ansiedelung unbemittelter Bürger in Kolonien.
27.
NeueEinteilung der Provinzenin senatorische, d. h. völlig beruhigte, welche ohne Kriegsheer von Prokonsuln und Proprätoren verwaltet werden können und vom Senat verliehen werden (Africa, Asia, Achaja, Illyricum, Macedonia, Sicilia, CretaundCyrenaica, Bithynia, Sardinia, Hispania Baetica), und inkaiserliche, die Augustus durch Legaten an der Spitze von Legionen verwalten läßt und daher selber verteilt:(Hispania Tarraconensis, Lusitania, die vier gallischen:Narbonensis, Lugdunensis, AquitaniaundBelgicamitGermania superior et inferior, Syria, Cilicta, Cyprus, Aegyptus). In dieser Teilung ist später mehreres geändert worden. Alle nach 27 vor Chr. begründeten Provinzen fielen dem Kaiser zu. Zwei Staatskassen, das vom Senat verwalteteaerarium(Einnahmen aus den senatorischen Provinzen) undfiscus(Einnahmen aus den kaiserlichen Gütern und Provinzen). Das Heer auf 25 Legionen (etwa 250000 Mann) gebracht. Dazu eine starke Flotte in Misenum und Ravenna.
Blütezeit der römischen Literatur.C. Cilnius Maecenas(† 8 vor Chr.), Freund des Augustus, Gönner und Beschützer der Dichter:P. Vergilius Maro(70–19 vor Chr.).Q. Horatius Flaccus(65–8 vor Chr.). Die ElegikerAlbius Tibullus, S. PropertiusundP. Ovidius Naso(9 nach Chr. nachTomiam Pontus Euxīnus (Constanza i. d. Dobrudscha) verbannt, † 17). Der GeschichtschreiberT. Livius(59 vor Chr. bis 17nach Chr.) gibt dem römischen Volke eine ausführliche Gesamtdarstellung seiner Geschichte. Der ArchitektVitruvius, die JuristenM. Antistius LabeoundC. Ateius Capito.
Familie des Augustus.C. Julius Cäsar Octavianus Augustus,geb. 63 v. Chr., †14 n. Chr.Gemahlinnen: 1. Claudia. 2. Scribonia. 3. Livia, Mutter des| Tiberius u. Drusus,| Söhne v. Tiberius| Claudius Nero.Iulia,†14 n. Chr.Gem.: 1. Marcellus, 2. M. Vipsanius Agrippa. 3. Tiberius.Sohn d. Octavia. †12 v. Chr.†23 v. Chr. ||-----------------------------------------------------------------------Gaius Cäsar. Lucius Cäsar. Agrippina. Julia. Agrippa Postumus.†4 n. Chr. †2 n. Chr. †33 n. Chr. †28 n. Chr. †14 n. Chr.
In der ersten Hälfte der Regierung des Augustus ist sein SchwiegersohnAgrippaseine Hauptstütze. Census in allen Provinzen, Vermessung des Reiches durch Agrippa, Bauten in Rom: Forum Augusti, Thermae Agrippae mit demPantheon, Tempel des Apollo, des Mars und der Venus. Wiederherstellung der verfallenen Heiligtümer und Wiederbelebung der alten Religiosität. Agrippas SöhneGaius CäsarundLucius Cäsarwerden 17 vor Chr. von Augustus adoptiert. Ihre MutterIuliaheiratet in dritter Ehe den Stiefsohn des Augustus,Tiberius, wird aber schließlich wegen ihrer Sittenlosigkeit verbannt. Nach dem Tode seiner beiden ältesten Enkel adoptiert Augustus denTiberiusund bezeichnet ihn als Nachfolger.