Eduard III. †1377._____________________|_________________________________________| | | |Eduard, Lionel Johann von Gent, Edmund,(der Schwarze Prinz) Hz. v. Clarence Hz.v. Lancaster, Hz.v. York,†1376. †1368. †1399. †1402.| | ____|__________Richard II., | | |abgesetzt 1399, |Heinrich IV.John Bedford.†1400. | †1413 || | || | ||Heinrich V.John Bedford.| †1422 Gem. Kath. || v. Frankreich || | |SeineHeinrich VI.Margarete.Urenkelin -- 1461, Gem. Edm.TudorAnna ermordet (Sohn v. Owen TudorMortimer, 1471. u. Kath. v.| Gem. v. | Frankreich,Richard v. Eduard, WitweCambridge Prinz v. Wales, Heinrichs V.).ermordet 1471. ||Heinrich VII.†1509.Tudor.___________|________| |Heinrich VIII.Margarete,†1547. Gem. Jakob IV. Stuart| v. Schottland.___|________________________________| | |MariadieElisabethEduard VI.Katholische †1558. †1603. †1553.Edmund,Hz.v. York,1402.________|_______| |Eduard, Richard,Hz. v. York Gr. v. Cambridge.Gem. Anna Mortimer.|_________________________Richard, Hz. v. York, 1460________|________| |Eduard IV.Richard III.1483 (Hz. v. Gloucester)| 1485_|_______________________________________| | |Elisabeth,Eduard V.Richard.Gem. Heinr. Tudor. ermord. ermord.1483 1483
1461–1485.
Haus York(Nebenlinie des Hauses Plantagenet).
1461–1483.
Eduard IV.sichert seine Herrschaft durch die Siege beiTowton1461 undHexham1464, nimmtHeinrich VI. gefangen, doch wird er 1470 vonMargareteund GrafWarwick(dem »Königsmacher«), der früher das meiste zu seiner Erhebung beigetragen hatte, vertrieben und Heinrich VI. wieder auf den Thron gesetzt. Eduard IV. kehrt bald zurück, besiegt das Haus Lancaster beiBarnet(Warwick †) undTewkesbury1471 und rottet es fast aus; nurHeinrich Tudorentkommt. König Heinrich VI. im Tower ermordet 1471.
1483.
Eduard V., Sohn Eduards IV., mit seinem jungen BruderRichardim Tower erstickt auf Befehl seines Oheims, des grausamenRichard von Gloucester(spr. Gloster), welcher den Thron besteigt als
1483–1485.
Richard III.Er wird beiBosworth1485 besiegt von einem Sprößling des Hauses Lancaster,Heinrich Tudor, Grafen von Richmond, welcher durch seine Heirat mitElisabeth von York, Tochter Eduards IV., die Ansprüche beider Häuser vereinigt. Nach Beendigung der blutigen Adelskriege erstarkt dasKönigtumunter dem HauseTudor(1485–1603).
Den vier christlichen Königreichen steht noch immer das durch Ackerbau und Kunstfleiß blühende arabische (maurische) KönigreichGranādagegenüber (S. 194).
Navarra, 1285–1329 mit Frankreich vereinigt (s. S. 207), 1425–1431 mit Aragon, bleibt ein unbedeutendes Grenzland.
König Pedro III. vonAragon(S. 190) unterstützt die Sicilianische Vesper, gewährt 1283, um die Kriegskosten zu bestreiten, den Reichsständen (Cortes) große Rechte durch das Privilegium von Saragossa. Pedro IV. erhöht 1348 die Macht des Königtums und erobert die Balearen, bewilligt aber die Einsetzung eines Oberrichters (Justicia), der Streitigkeiten zwischen König und Reichsständen zu entscheiden hat.
Alfons XI. vonKastilienbesiegt 1340 die Araber, bringt aber den Krieg nicht zu Ende. Zwiespalt unter seinen SöhnenPedro dem GrausamenundHeinrich von Trastamara; letzterer findet bei Aragon Hilfe und vertreibt mit französischen Söldnern den Gegner. Pedro wird 1367 durch einen Kriegszug des Schwarzen Prinzen (S. 208) zurückgeführt, aber nach Erneuerung des Kampfes 1369 besiegt und getötet. Heinrich herrscht darauf bis 1379 in Freundschaft mit Frankreich. Sein SohnJohann I.versucht vergebens 1385Portugalzu erobern. UnterJohann II.tritt der ConnétableAlvaro de Lunader großen Macht des Adels entgegen, wird aber 1453 gestürzt. Johanns TochterIsabellavermählt sich 1469 mitFerdinand, dem Thronfolger vonAragon, wird 1474 Königin von Kastilien.
1479–1516.
Ferdinand II., der Katholische, von Aragon. Vereinigung der beiden ReicheKastilienundAragon, doch regiert Isabella in Kastilien selbständig. Die Großmeisterwürde der drei Ritterorden (S. 194) wird mit der Krone vereinigt, die Willkür des Adels durch Erneuerung des Friedensbundes der Städte (Hermandad) eingeschränkt. Mit päpstlicher Genehmigung Erneuerung derInquisition(S. 186) zur Verfolgung der Ketzer, besonders gegen die Moriscos (Nachkommen der Mauren, span. Moros) und Juden gerichtet. Der DominikanerTorquemada1483 zum Großinquisitor ernannt; Tausende zum Feuertode verurteilt (Autos da fé).
1492.
Eroberung vonGranada; der letzte König Abdallah (Boabdil) zieht sich nach Afrika zurück.
Portugalim Aufblühen unter der unecht burgundischen Dynastie seit 1385. Unter König Johann I. wirdCeutaerobert 1415; sein SohnHeinrich der Seefahrerfördert die Entdeckungsfahrten längs der afrikanischen Küste. 1455 wirdCap Verdeerreicht, 1482 die Kongomündung: an dieser Fahrt nahm der um die Nautik und Geographie (sein Globus in Nürnberg) sehr verdiente Nürnberger Kaufmann Martin Behaim teil, Freund des Columbus und Magelhães, († 1506 in Lissabon). 1487 umfährtBartolomeo DiazdasCabo tormentoso, von König Johann II.Cabo de boã esperanza(Kap der guten Hoffnung) genannt.
Dänemark, seitKnuddem Großen (S. 170) ein christliches Reich, entfaltet seine Seemacht unterWaldemar I., der 1168 Rügen erobert, und Waldemar II., dem Sieger, der 1219 Estland gewinnt, auch bis 1227 über Holstein und den angrenzenden Teil von Mecklenburg herrscht (S. 187). Dann folgen schwächere Könige; erstWaldemar IV.beseitigt die innere Zerrüttung. Er überläßt 1346 Estland dem Deutschen Orden, gewinnt 1360 von Schweden die Landschaft Schonen zurück, muß dann vor der Seemacht der deutschen Hanse weichen (S. 201).
Margareta, Tochter Waldemars IV., Gemahlin Hakons VI. von Norwegen, regiert seit 1375 in Dänemark für ihren unmündigen Sohn Olaf († 1387), nach Hakons Tode 1380 auch inNorwegen, wird 1388 von einem Teil des schwedischen Adels zur RegentinSchwedenserwählt. Sie besiegt ihren Gegner Albrecht von Mecklenburg (seit 1364 König von Schweden), dessen Anhänger sich mit Hilfe der seeräuberischenVitalienbrüdernoch einige Jahre in Stockholm behaupten, bis die deutscheHansedagegen einschreitet.
1397.
Kalmarische Union. Die Stände der drei Reiche beschließen zuKalmardie Vereinigung unter einem gemeinsamen Wahlkönigtum.Margaretaregiert mit hohem Ansehen, † 1412.
1409–1435.
Krieg umSchleswig. Dieses Herzogtum, schon seit 1326 nach der sogen. Waldemarschen Konstitution, nach der es nie wieder mit Reich und Krone von Dänemark vereinigt werden sollte, größtenteils im erblichen Besitz der deutschen Grafen vonHolstein(aus dem Hause Schauenburg, S. 179), 1386 von Margareta dem Grafen Gerhard VI. zu Lehen gegeben, wird von seinen Söhnen mit Hilfe der Hanse behauptet gegen Margaretas NachfolgerErich VII.
1460.
KönigChristian I.von Dänemark (aus dem Hause der Grafen von Oldenburg, Schwestersohn Adolfs VIII. von Holstein) wird von den Ständen vonSchleswig-Holsteinnach dem Aussterben des Schauenburgischen Hauses zum Herzog erwählt, nachdem er die Waldemarsche Konstitution beschworen hat. Personal-Union mit Dänemark bis 1863.
Als Unionskönig kann Christian I. die Herrschaft überSchwedengegen den dort erwählten ReichsvorsteherSten Sturenicht behaupten, doch wird unter seinem NachfolgerJohanndie Union der drei Reiche wieder hergestellt.
1500.
Schlacht beiHemmingstedt; dieDithmarschen, wie die Stedinger (S. 188), eine Art Bauernrepublik unter dem Schutze des Stiftes Bremen, behaupten ihre Freiheit gegen das dänisch-holsteinische Adelsheer.
Rußland,nach dem Tode Wladimirs des Großen (S. 170) in mehrere Fürstentümer geteilt unter Oberhoheit des Großfürsten vonKiew, kommt 1237 unter die Herrschaft derMongolen(S. 195). Der Chan der »Goldenen Horde« ernennt den Großfürsten und die Teilfürsten, empfängt von ihnen Tribut. Um 1330 wird Moskau Residenz des Großfürsten, als Kiew von denLitauernerobert worden ist.
1480.
Iwan III., der Große, Zar von Großrußland, Begründer der einheitlichen Monarchie, macht der Mongolenherrschaft ein Ende, nachdem er 1478 die mit der deutschen Hanse verbündete RepublikNowgorodunterworfen hat.
Polen,seit etwa 840 unter Fürsten aus dem Hause der Piasten, christlich seit 965, oft in Kampf mit dem deutschen Reiche, mit den heidnischen Preußen (später dem Deutschen Orden) und mit Rußland. An Stelle der Teilfürstentümer begründetWladislaw Lokietek1320 ein einheitlichesKönigtum, ResidenzKrakau.
1333–1370.
Kasimir der Große, trefflicher Regent, sorgt für den Bauernstand, gründet Städte, zieht deutscheAnsiedler herbei. Ihm folgt sein SchwestersohnLudwig der Große(s. unten) von Ungarn († 1382); dessen Tochter Hedwig vermählt sich 1386 mit dem bisher noch heidnischen GroßfürstenJagello von Litauen. Seitdem Polen und Litauen vereinigt unter den Jagellonen 1386–1572. Ludwigs zweite Tochter Maria, Erbin von Ungarn, mit dem deutschen König Sigismund vermählt (S. 203).
Preußenwird 1230–1283 in langem Kampfe von demDeutschen Orden(s. S. 178f.) erobert; durch den Anschluß des in Livland vom Bischof von Riga gegründetenSchwertbrüderordens (1237) erweitert sich das Ordensgebiet über Kurland, Livland, Estland hin.Königsberg1255 gegründet; seit 1309 dieMarienburgSitz des Hochmeisters. Blüte des Ordens unterWinrich von Kniprode(1351–1382), dann allmählicher Verfall. Verhängnisvoll für den Orden wurde die Vereinigung Litauens mit Polen 1386.
1410.
Schlacht bei Tannenberg,Sieg derPolenüber den Orden.Heinrich von Plauenverteidigt die Marienburg, schließt als Hochmeister den noch günstigenerstenFrieden zu Thorn, wird aber 1413 von den Ordensrittern abgesetzt. Unzufriedenheit des Landadels und der Städte mit der Ordensherrschaft, sie treten in Verbindung mitPolen. Neuer Krieg 1454, König Kasimir II. erobert 1457 die Marienburg und behauptet sie in heftigem Kampfe 1460; der Hochmeister zieht sich nach Königsberg zurück.
1466.
Zweiter Friede zu Thorn: Westpreußen mit Ermeland an Polen abgetreten,Ostpreußenbleibt dem Orden alspolnisches Lehen.
InLivlandbehauptet ein Teil des Ordens unter dem Landmeister Wolter vonPlettenberg(1494–1535) seine Unabhängigkeit gegen Rußland.
Ungarngegen Ende des 9. Jahrhunderts von denMagyaren(S. 158, 160) in Besitz genommen, bis 1301 unter dem Regentenhause derArpaden. Einführung des Christentums durch HerzogGeisaund seinen SohnStephan den Heiligen, erstenKönigvon Ungarn (S. 163). Einwanderung zahlreicher Deutscher, namentlich inSiebenbürgenunter König Geisa II. um 1150. Bildung einer mächtigen Aristokratie (Magnaten). DieGoldene Bulle, dem KönigeAndreas II.1222 nach seiner Rückkehr von einem Kreuzzuge (S. 177) abgenötigt, bildet die Grundlage der Privilegien des ungarischen Adels.
Nach dem Erlöschen der Arpaden regiert in Ungarn das HausAnjou(1308–1382), Blütezeit unterLudwig dem Großen(1342–1382, s. oben), der 1370 auch den polnischen Thron besteigt.
Unter KönigSigismund, Ludwigs d. Gr. Schwiegersohn aus dem Hause Luxemburg (1387–1437), beginnender Verfalldes Reiches. Albrecht von Österreich 1438–1439, dann 1440Wladislaw III.von Polen gewählt, der beiVarna1444 gegen die Türken fällt, darauf Albrechts unmündiger SohnLadislaus Postumus(vgl. S. 206). Der ReichsverweserJohann Hunyadibesiegt die Türken bei Belgrad 1456; sein SohnMatthias Corvinuswird zum König erwählt. Nach dessen glänzender Regierung (1458–1490) wird Ungarn unterWladislaw, dem Sohn Kasimirs IV. von Polen, mit Böhmen vereinigt und dem Erzherzog Maximilian (S. 206) die Nachfolge zugesichert.
Reich derOsmanischen Türken, um 1300 durchOsman I.in Kleinasien begründet. Sein SohnUrchanerobert 1330Nicäa, bildet aus dem Knabenzins unterworfener christlicher Völker das Fußvolk derJanitscharen, unternimmt Landungen an der europäischen Küste.Murad I.macht Adrianopel 1365 zu seiner Residenz, unterwirft Bulgarien (S. 194).
1389.
Sieg Murads über dieSerbenauf dem Amselfelde beiKossova; Serbien wird tributpflichtig (S. 172).
1396.
Sieg Bajazets I. beiNikopolian der Donau über ein großes Kreuzheer ungarischer, deutscher und französischer Ritter unter Führung König Sigismunds. Seitdem Schrecken des türkischen Namens im christlichen Abendlande.
Die weitere Entfaltung der osmanischen Macht wird vorübergehend gehemmt durch eine neue Erhebung derMongolenin Asien unterTimur Lenk, welcher in gewaltigem Siegeszuge Persien (bei Ispahan 70000 Köpfe erschlagener Feinde zusammengeschichtet), das Indusland, Syrien, Kleinasien unterwirft. Bagdad zerstört. Hauptstadt seines ReichesSamarkand.
1402.
Schlacht beiAngorain Kleinasien; Bajazet besiegt und gefangen.
Nach Timurs Tode (1405) zerfällt sein Reich; die Osmanen stellen ihre Herrschaft in Kleinasien und der griechischen Halbinsel wieder her. Erste Belagerung von Konstantinopel 1422.
Die Donaugrenze wird von denUngarnheldenmütig verteidigt. Öftere Verhandlungen der oströmischen Kaiser mit den Päpsten über Herstellung der kirchlichen Einheit (S. 176); die Beschlüsse des (in Ferrara 1438 eröffneten)UnionskonzilszuFlorenz1439 werden in Konstantinopel von der Geistlichkeit und dem Volke nicht angenommen. Papst Eugen IV. läßt das Kreuz predigen gegen die Türken, aber die Schlacht bei Varna (s. oben) lähmt den Kriegseifer. Sultan Mohammed II. macht dem oströmischen Reiche ein Ende durch die
1453.
Eroberung Konstantinopels.
29. Mai.
Tapfere Verteidigung durch den letzten KaiserKonstantin XII.und den GenuesenGiustiniani. Griechische Gelehrte flüchten nach Italien (s. S. 211).
Athenwird 1456 von den Türken besetzt, die HalbinselMorea1460 verwüstet. InAlbanienleistet Georg Castriota (Skanderbeg) tapferen Widerstand, † 1467.Bosnienund dieWalacheiwerden 1462–1464 unterworfen, bald auch Albanien. Belgrad (S. 218) bleibt noch bis 1521 (s. unten) ungarische Grenzfeste.
1463–1479.
Seekrieg derVenetianergegen die Türken; sie behalten Kandia, Korfu und mehrere Plätze in Morea, verpflichten sich aber zur Tributzahlung, um ihren Handel zu behalten.
1480.
Rhodus von denJohanniternrühmlich verteidigt. Sultan Bajazet II. überläßt 1489 den Venetianern die InselCypern(Katharina Cornaro, Gemahlin des letzten Fürsten aus dem Hause Lusignan, s. S. 175), vertreibt sie aber 1500 aus Morea. Kriegszug nach derMoldau1497.
Sultan Selim I. unterwirft 1515–1517 Mesopotamien, Syrien und Ägypten. Die Ausbreitung der Türkenherrschaft versperrt die alten Handelswege nach Indien.
Die von denTürkendem christlichen Europa drohende Gefahr steigert sich unter Sultan Soliman II., der 1521Belgraderobert (vgl. S. 230).
InPersienerst 1505 die Mongolenherrschaft beseitigt und eine einheimische Dynastie wieder eingesetzt. Begründung des neupersischen Reiches. 1582–1627 regiert der Schah Abbas der Große. Residenz Ispahan.
InIndienbegründet Baber, ein Nachkomme Timurs, 1525 das Reich des Großmogul; Hauptstadt Delhi. Blüte dieses Reiches unter Dschelaleddin Mohammed (Akbar) 1556–1605.
InChinaunter der Ming-Dynastie (1368–1644) wird die bis 1911 noch geltende Regierungsform ausgebildet. Der Kaiser, »der Sohn des Himmels«, besitzt unumschränkte Gewalt über alle Untertanen, ist geistliches Oberhaupt, höchster Richter und Anführer im Kriege. Er genießt abgöttische Verehrung (Kotau). Strenges Zeremoniell. Gelbe Kleidung äußeres Zeichen seiner Würde. Der Nachfolger von ihm aus seinen Söhnen gewählt, falls diese fehlen, aus den nächsten Verwandten. Dem Kaiser stehen Minister zur Seite, auf deren Anregung und Verantwortung er die Gesetze erläßt. In Wirklichkeit jedoch ist die Regierung des Reiches der Mitte in eine Willkürherrschaft der Provinzvorstände (Vizekönige) ausgeartet.
Japan, wohin um die Mitte des 6. Jahrhunderts nach Chr. von China aus (über Korea) der Buddhismus und zugleich chinesische Civilisation gekommen, wird aus einem Geschlechterstaat in einen Beamtenstaat nach chinesischem Muster umgewandelt. DerMikadowird unumschränkter Herrscher desReiches. Hauptstadt Kioto. Der Großkanzler (Daijo Daijin) und die Minister führen die Regierung des Landes, die Provinzen von Statthaltern verwaltet. Alle Beamten mit erblichem Landbesitz ausgestattet. Einzelne Familien sichern sich den erblichen Besitz der wichtigsten Ämter. So bildet sich ein Hausmeiertum aus. Der Mikado von den Ministern, die Provinzialstatthalter von den Großgrundbesitzern in den Provinzen, d. h. von den Ministern allmählich bei Seite geschoben. Militär- und Zivilgewalt getrennt. Der Oberfeldherr des aus den Hörigen der mächtigsten Geschlechter hervorgegangenen Soldatenstandes, derShogun, bringt schließlich auch das Amt des Großkanzlers in seinen Besitz. Nach langen erbitterten Kämpfen fällt das Shogunat, d. h. der Inbegriff aller Regierungsgewalt, der Familie der Minamoto zu. Der Kaiser in Kioto in strenger Abhängigkeit gehalten, bleibt nur im Besitz gewisser Ehrenrechte. Residenz der Shogune in Kamakura.
1275.
Vergebliche Expedition des Mongolenfürsten Kublai-Chans zur Unterwerfung Japans. Eine zweite Flotte gleichfalls zurückgeschlagen, durch einen Taifun völlig vernichtet (S. 195). Gegen Ende des 15. Jahrhunderts werden die Militärgouverneure in den Provinzen (Shugo) nach Beseitigung der Statthalter unabhängige Territorialherren (Daimyo).
Drei noch demMittelalterangehörigeErfindungen, die mit dem Beginn der neueren Zeit zu allgemeinerer Anwendung kommen, sind auf die Umgestaltung der Welt von großem Einfluß gewesen. 1. DerKompaß(um 1310 durchFlavio Giojavon Amalfi erfunden?), fördert Sicherheit der Schiffahrt und ermöglicht die Entdeckungsfahrten. 2. DasSchießpulver, wahrscheinlich aus Asien (China, Indien, Arabien) nach Europa gekommen, nach einer unhaltbaren Überlieferung erfunden durch den MönchBerthold Schwarzzu Freiburg im Breisgau (1354?), jedenfalls um die Mitte des 14. Jahrhunderts in Europa zuerst angewendet. Durch diese Erfindung eine allmähliche Umgestaltung desKriegswesensund der Untergang desRittertumsherbeigeführt (S. 226). 3. DieBuchdruckerkunst(S. 206), allgemeiner verbreitet, seitdem sich nach der Eroberung von Mainz (1462 in der Pfälzer Fehde, s. S 206) die GehilfenFustsin verschiedene Länder zerstreut hatten, das wichtigste Mittel zur Verbreitung geistiger Bildung, Förderung des Humanismus und derReformation.
1492.
Entdeckung AmerikasdurchColumbus.
Cristoforo Columbo(er selbst nannte und schrieb sich, seit er Spanier geworden, stetsCristobal Colon), ausGenua, seit seiner frühesten Jugend Seefahrer, will einen westlichen Seeweg nachIndienund namentlich nach der WunderinselZipangu(Japan) suchen, welche der VenetianerMarco Polo(Reisen von 1271–1295, S. 206) in dem BucheMirabilia mundibeschrieben hatte. Vom Könige von Portugal abgewiesen, tritt Colon 1486 in den Dienst der Königin Isabella vonKastilien(S. 214). Erst nach der Einnahme Granādas werden notdürftige Mittel für das große Unternehmen beschafft. Vertrag mitColon, dem der Adel, die erbliche Würde eines Admirals und Vizekönigs und ⅒ der Einkünfte der neuen Länder zugestanden werden. Er unternimmt 4 Reisen.
Erste Reise1492. Abfahrt von Palos mit 3 kleinen Schiffen am 3. Aug. 1492, von den Kanarischen Inseln am 6. September.Am 12. Oktober Landung aufGuanahani(San Salvador), einer von den Bahama-Inseln. Entdeckung vonCubaundHaïti; erste Kolonie Española auf Haïti gegründet.
Zweite Reise1493–1496 von Cadiz aus. Entdeckung der KleinenAntillenund der InselJamaika; Niederwerfung des Aufstandes in Española.
Dritte Reise1498–1500.Trinidadund das Festland von Südamerika[41](die Mündung desOrinoko) entdeckt; dann Fahrt nach Española. Colon, als Ausländer, auch durch Härte und nicht abzuleugnende Habsucht verhaßt, wird bei Hofe angeklagt.Bobadilla, mit Vollmacht als Oberrichter nach der Kolonie gesendet, schickt ihn in Ketten nach Spanien. Dort wird Colon sofort in Freiheit gesetzt und mit Auszeichnung behandelt, behält auch dieAdmiralswürde, wird aber alsStatthalterdurchOvandoersetzt.
Vierte Reise1502–1504. Küste von Honduras entdeckt, Schiffbruch, trauriger Aufenthalt bei den Wilden auf Jamaika, endlich Rückkehr von Haïti aus.
Columbus stirbt in Valladolid 1506, ohne zu wissen, daß er einenneuen Erdteilentdeckt hat; er hielt jene Länder für Teile Asiens (Indien). Sein SohnDiego Colon, 1509 Admiral und Vizekönig von Española († 1526). Die Admiralswürde vererbt sich auf seinen Enkel und Urenkel.
Der gelehrte FlorentinerAmerigo Vespuccigibt nach mehreren Fahrten mit den Portugiesen nach Südamerika (die Küste von Venezuela durch den SpanierHojedaentdeckt) Karten und Beschreibungen der neu entdeckten Länder heraus.Nachihm, nicht durch ihn erhält der neue Erdteil den NamenAmerika.
1498.
Seeweg nach OstindienvonVasco da Gamaentdeckt. Die Portugiesen behalten die schon seit längerer Zeit von ihnen verfolgte Richtung der Entdeckungsfahrten (S. 215) bei;Vasco da Gamalandet um Weihnachten 1497 an derCosta Natal, dann inMelinde; von da gelangt er unter Führung eines arabischen Lotsen nachCalicutan der KüsteMalabar.
1500.
Brasilienentdeckt vonCabral, dessen Schiffe bei der zweiten Fahrt nach Indien in die westliche Meeresströmung geraten; er landet dann in Calicut und Cotschin.
1505–1515.
Begründung portugiesischer Kolonien in Asien durch die VizekönigeAlmeidaundAlbuquerque.HauptortGoa, andere Ansiedlungen in Diu, Malakka, Ceylon, Macao (der DichterCamoëns1555).
1513.
Der SpanierBalboadringt vom Meerbusen vonDarienaus zumStillen Ozeanvor.
1515.
Der SpanierDiaz de Soliserreicht dieLa Plata-Mündung.
1519–1522.
Erste ErdumsegelungunterFerdinand Magalhães(spr. Magaliängs), einem in spanische Dienste getretenen Portugiesen. Durchfahrt nach dem Stillen Ozean durch dieMagalhãesstraße. Er selbst wird 1521 auf einer der Philippineninseln erschlagen (S. 215).
1519–1521.
Eroberung vonMexikodurchHernan Cortez. Dieser segelt mit 600 spanischen Soldaten von Cuba nach dem Hafenort Veracruz, wo er seine Schiffe versenkt. Dann marschiert er mit den Tlaskalanern verbündet aufMexiko, die Residenz des Königs der Azteken,Montezuma, der ihn in die Stadt einläßt. Er nimmt den König in seinem Palast gefangen. Infolgedessen Aufstand der Mexikaner, Tod Montezumas. Die Spanier verlassen die Stadt, nächtlicher Kampf auf einem der Dämme des Sees, furchtbare Verluste (Noche triste). Sieg der Spanier. Von Tlaskala, wohin er sich zurückgezogen, kehrt Cortez bald mit Verstärkungen vor die Hauptstadt zurück. Einnahme von Mexiko nach hartnäckigem Belagerungskampf 1521. Der KönigGuatmotzinhingerichtet. Cortez anfangs unumschränkter Statthalter von»Neuspanien«, dann auf die militärische Oberleitung beschränkt, entdecktKalifornien1535, stirbt in Spanien 1547.
1532.
Eroberung vonPerudurchPizarro.
Die »Conquistadoren« (Eroberer) finden in dem silberreichen Peru, wie in Mexiko, eine schon lange bestehende einheimische Kultur vor. Adelsherrschaft bei denInkas, die sich »Söhne der Sonne« nannten. Sonnentempel in der HauptstadtCuzko, reich mit Gold geschmückt. Pizarro nimmt den KönigAtahualpavor seinem Heere gefangen und läßt ihn, nachdem er ein ungeheueres Lösegeld von ihm erpreßt hat, hinrichten. Gründung vonLima1535, Fehden zwischen den spanischen Anführern. Pizarros NebenbuhlerAlmagro, ausChilezurückgekehrt, wird 1538 von ihm besiegt und hingerichtet, er selbst von dessen Freunden 1541 in einem Aufstande erschlagen. Die Krone übernimmt die Verwaltung des Landes 1548.
Drei spanische Vizekönigreiche:Mexiko,Peru,Neu-Granada, später ein viertes für dasLa Plata-Gebiet; für die westindischen Inseln das GeneralkapitanatCuba.
ChinaundJapanwerden den Portugiesen im 16. Jahrh. gleichfalls geöffnet (Ningpo,Macao), später auch den Spaniernund Niederländern (Formosa). Der Handelsverkehr mit Europa von denDaimyoin Japan (S. 220) sehr begünstigt. DasChristentum(schon Papst Clemens V. hatte 1307 ein Erzbistum in Peking und 1313 ein Bistum in Zeitun eingerichtet) (S. 195), findet in China (Jesuiten Franz Xaver, Ruggieri) und ebenso in Japan schnell Verbreitung.
1. Die Ausbreitung des Christentums und der europäischen Kultur über die ganze Erde ist ermöglicht. 2. Aufschwung von Handel und Gewerbe durch die Verwertung der überseeischen Erzeugnisse, Sinken des Geldwertes durch die Ausbeutung der Gold- und Silberbergwerke in Südamerika. 3. Bereicherung der Wissenschaften, besonders der Geographie und Naturkunde. 4. Im europäischen Staatensystem kommen dieSeemächtedurch den Besitz vonKolonienzu besonderer Geltung. Spanien und Portugal treten jedoch am Ende des 16. Jahrh. zurück gegen die Niederlande und England. 5. Auswanderung aus den übervölkerten Teilen Europas nach Amerika.
1493–1519.
Maximilian I.zieht nicht mehr zur Krönung nach Rom, nennt sich»erwählter römischer Kaiser«.
1495.
Reform der Reichsverfassung durch die Beschlüsse des Reichstags zuWorms:Ewiger Landfriede, Reichssteuer (gelangt nicht zu bleibender Einführung),Reichskammergericht(erst inFrankfurt, dann inSpeier, seit 1693 inWetzlar). Besserung der Rechtsprechung durch Annahme desrömischen Rechts(S. 147), welches seit Friedrich I. (S. 183) noch immer als kaiserliches Recht galt.
Auf denReichstagenwerden, nachdem die Berufung der Reichsstädte (seit 1487) üblich geworden ist, die kaiserlichen Vorschläge in 3Kollegienberaten: Kurfürsten, Fürsten (geistliche und weltliche), Reichsstädte. Der Kaiser verkündet die Beschlüsse imReichsabschied.
1512.
Reichstag zuKöln, Einteilung des deutschen Reiches in 10Landfriedenskreise:
1. derösterreichische, 2.bayrische, 3.schwäbische, 4.fränkische(Maingebiet, Burggrafschaft Nürnberg), 5.oberrheinische(Lothringen, Hessen u. a.), 6.kurrheinische(Mainz, Trier, Köln, Pfalz), 7.burgundische(Niederlande), 8.westfälische, 9.niedersächsische(Braunschweig, Lüneburg, Lauenburg, Holstein, Mecklenburg u. a.), 10.obersächsische(Sachsen, Brandenburg, Pommern u. a.).
Böhmen(mit seinen Nebenländern Mähren, Schlesien, Lausitz) und dieSchweizbleiben außerhalb der Kreisverfassung; das OrdenslandPreußensteht unterpolnischerOberhoheit (S. 217).
Wenig erfolgreiche Teilnahme Maximilians an denitalienischenKriegen (S. 285, 239);Mailandkommt an Frankreich, dieSchweizwird tatsächlich unabhängig vom deutschen Reiche, da den Eidgenossen (seit 1501 dreizehn Orte, außerdem die »zugewandten Orte«) Freiheit von Reichssteuern und vom Reichskammergericht zugestanden wird (S. 260).
Bildung der habsburgischen Hausmacht.Durch Verträge und Heiraten gewinnt Maximilian seinem Hause die Herrschaft überSpanienmit seinen Nebenländern, sowie überBöhmenundUngarn.
Maximilian I.,MariaFerdinand,Isabella,Kaiser, v. Burgund, K. v. Aragon, K. v. Kastilien,†1519. †1482. †1516. †1504|____________________________| |__________________|| |Philipp der Schöne,Johanna die Wahnsinnige,Erzhz. v. Österr., †1506. K. v. Aragon u. Kast., †1555.|___________________________________________________||Karl V.(I.), †1558,Ferdinand I., †1564,Gem. Isabella v. Portugal Gem. Anna von Ungarn.| |Philipp II., K. v. Spanien.Maximilian II., Kaiser,†1598. †1576.
Maximilians Sohn, ErzherzogPhilipp, heiratetJohanna, die Erbin der spanischen Monarchie (Aragon, Kastilien, Neapel [s. S. 235] und die amerikanischen Kolonien), nimmt 1504 den Titel König von Kastilien an, stirbt aber, ehe sein Anspruch mit dem Recht König Ferdinan/ds auf die Regentschaft über Kastilien ausgeglichen ist (S. 241).
Philipps ältester SohnKarl, 1516 König des vereinigtenSpaniens, erbt 1519 von Maximilian diehabsburgischen Erblande(Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain, Vorderösterreich am Oberrhein, Tirol) und dieNiederlande, überträgt die ersteren 1521 bezw. 1522 an seinen BruderFerdinand. Dieser heiratetAnna, Schwester Ludwigs II., des letzten Königs vonBöhmenundUngarn(dessen GemahlinMariaist Ferdinands Schwester) und erwirbt 1526 die Herrschaft überBöhmenundUngarn(S. 207, 230).
DieUmbildung des Rechtsunter dem beherrschenden Einfluß des römischen (S. 224) bewirkt in Deutschland allmählich eine Stärkung der fürstlichen Gewalt. Das römische Recht, das der jetzt allgemein durchgeführten Geld Wirtschaft mehr entspricht als das der früheren Naturalwirtschaft angepaßte deutsche Recht, mißt den Landesherren unumschränkte Gewalt zu (S. 183), schließt das Volk und den Adel von der Teilnahme an der Rechtsprechung und Verwaltung aus und überträgt diese den römisch gebildeten Juristen. So bildet sich im Laufe der Zeit überallder fürstliche Absolutismusaus, wie ihn in Italien Friedrich II.begründete (S. 187). In Deutschland werden die Fürsten nach und nach absolute Territorialherren, deren Selbständigkeit die Kaiser nicht zu bezwingen vermögen. Unter dem Einfluß des römischen Rechts wird auch die Erstgeburtserbfolge und die Aufhebung der Landesteilungen allmählich durchgeführt, z. B. für Brandenburg in der Constitutio Achillea von 1473, für Bayern 1506 usw.
An die Stelle des alten ritterlichen Lehnsaufgebots tritt dasSöldnerheer(Landsknechte), das weniger durch den Fahneneid als durch die Soldzahlung an die Fürsten gekettet (vgl. S. 229), die sicherste Stütze des Absolutismus wird. Der Unterhalt dieser stehenden Heere durch Steuern aufgebracht, deren Bewilligung den Landständen (Vertretung der Geistlichkeit, der Vasallen und Städte) vorbehalten bleibt.
DasRittertumverliert den militärischen Vorrang seit der Einführung der Feuerwaffen an die Landsknechte und die bürgerliche Artillerie. Die Burgen gewähren keinen sicheren Schutz mehr. Infolge der veralteten Art der Bewirtschaftung (Dreifelderwirtschaft) ist der Ackerbau unrentabel geworden, zumal im Verhältnis zu den städtischen Erwerbszweigen. Hierdurch und durch die fortgesetzten Erbteilungen der Adelsgüter verschlechtert sich auch die materielle Lage der Ritter. Daher Erhöhung der Leistungen und Abgaben derBauern, die infolge der Bevölkerungszunahme auch vielfach die Hufen teilen müssen, da sie von jedem gewerblichen Betrieb der Bürger ausgeschlossen sind. In denStädtenblühen Handel und Gewerbe. Ansammlung großer Kapitalien in den Händen der patrizischen Geschlechter, z. B. derWelserundFuggerin Augsburg (S. 234). Blüte der Kunst und Literatur. Pflege des Meistergesanges (Hans Sachsin Nürnberg). In den Städten geordnete Verwaltung, Sorge für Unterricht, Arme und Kranke, während der fürstliche Staat für die Volkswohlfahrt wenig leistet, weil es ihm an Beamten fehlt.
Aufblühen der Wissenschaften und Künste in Deutschland, angeregt durch den von Italien aus sich verbreitendenHumanismus(S. 211). Deutsche Humanisten:Johann v. Dalberg, 1483 Kanzler der Universität Heidelberg und Bischof von Worms,Konrad Celtis, 1497 Prof. in Wien,Wilibald Pirkheimer, Ratsherr in Nürnberg,Konrad Peutingerin Augsburg,Johann Reuchlin, Prof. in Tübingen, 1482 mit Graf Eberhard in Italien, 1502 Richter des schwäbischen Bundes (S. 206), gerät 1510 mit den Dominikanern von Köln in Streit über die Religionsbücher der Juden: viele Humanisten nehmen an dem Streit teil, namentlich der RitterUlrich von Hutten, als Mitverfasser derEpistolae obscurorum virorum1516.Erasmus von Rotterdam, bekannt durch seine satirische SchriftLaus stultitiae, gibt 1516 das griechische Neue Testament heraus.
NikolausKopernikus(geb. zu Thorn 1473, Domherr zu Frauenburg am Frischen Haff, † 1543), angeregt durch die Schriften des AstronomenJohannes Müllervon Königsberg in Franken (Regiomontanus, 1471 in Nürnberg, † 1476), begründet die richtige Lehre vom Sonnensystem, Seine Nachfolger Joh.Kepleraus Württemberg († 1630) undGalileiaus Pisa († 1642).
Blüte der bildenden Künste namentlich inNürnberg: der HolzschnitzerVeit Stoß(† 1533), der BildhauerAdam Kraft(† 1507), der ErzgießerPeter Vischer(† 1529), der MalerAlbrecht Dürer(geb. 1471, † 1528); in Augsburg die MalerHans Holbein,Vater und Sohn, † 1524 im Elsaß, bezw. 1543 in London.
Auch dieBaukunststrebte die Wiedergeburt der griechisch-römischen Bauweise im Anschluß an die erhaltenen Baudenkmäler an (Renaissancestil) (S. 211). In Deutschland vermischte sich der antike Stil vielfach mit nationalen, der Gotik entlehnten Elementen, z.B. Türmchen und Erkern. (Heidelberger Schloß.)
1517.
Beginn derReformationdurchLuther.
Martin Luther,geb. 10. Nov. 1483 in Eisleben, Sohn eines Bergmanns, studiert seit 1501 inErfurt, geht 1505 ins Augustinerkloster daselbst, wird 1508 Professor an der UniversitätWittenberg, 1511 in Angelegenheiten seines Ordens nach Rom geschickt. Da der DominikanerJohann Tetzelim Auftrage des Erzbischofs Albrecht von Mainz Ablaß verkaufend umherzieht, schlägt Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Sätze (Thesen) gegen den Mißbrauch des Ablasses an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg.
1518.
In derSchweizBeginn der Reformation durch UlrichZwingliin Zürich, veranlaßt durch den Ablaßkrämer BernardinSamson.
Luther, vor den Kardinal Thomas de Vio aus Gaëta (Cajetanus) nach Augsburg gefordert, weigert sich zu widerrufen, appelliert an den Papst.[42]Vermittelung durch den päpstlichen Kämmererv. Miltitz(Gespräch zuAltenburg). Luther geschützt von KurfürstFriedrich dem Weisenvon Sachsen (ErnestinischeLinie des Hauses Wettin), während Herzog Georg (AlbertinischeLinie) ihm abgeneigt bleibt.[43]PhilippMelanchthon(Schwarzerd), ein Verwandter Reuchlins, geb. 1497 zu Bretten in Baden, seit 1518 als Professor in Wittenberg, Luthers Mitarbeiter († 1560).
1519.
Disputation zu Leipzig; Joh.Eck, Prof. zu Ingolstadt, gegenKarlstadt(Andreas Bodenstein aus Karlstadt) undLuther. Letzterer bekennt, daß Papst und Konzilien nicht unfehlbar seien, und daß sich in Hussens Lehre viel Wahres finde. Das war der Bruch mit Rom. Eck reist darauf nach Rom und erwirkt eine päpstliche Verdammungsbulle gegen 41 Artikel aus Luthers Schriften.
1520.
Luther veröffentlicht 3 reformatorische Schriften: 1. An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung, 2. Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche, 3. Von der Freiheit eines Christenmenschen, verbrennt die päpstlichen Dekretalen und die Bannbulle vor dem Elstertore zu Wittenberg.
1519–1556.
Karl V., Enkel Maximilians, abwesend gewählt von den in Frankfurt versammelten Kurfürsten, 1520 in Aachen gekrönt.Friedrich der Weisehatte die Kaiserkrone wegen hohen Alters abgelehnt.