Sechzehntes Kapitel.Die Ruinen Babylons.

Phot.: Koldewey.Der „Sirrusch“, der „Drache von Babylon“ oder die gehende Schlange.Sechzehntes Kapitel.Die Ruinen Babylons.

Phot.: Koldewey.Der „Sirrusch“, der „Drache von Babylon“ oder die gehende Schlange.

Phot.: Koldewey.Der „Sirrusch“, der „Drache von Babylon“ oder die gehende Schlange.

Phot.: Koldewey.

Was bisher von dem babylonischen Trümmerfeld auf dem linken, östlichen Euphratufer ausgegraben werden konnte, bildet ein Dreieck, dessen Spitzen nach Norden, Osten und Süden gerichtet sind, und dessen Westseite sich an den Euphrat lehnt. Seine Nordspitze umschließt den Hügel Babil, die Südspitze den Hügel Amran; die Mitte der Westseite am Euphrat bildet der Hügel Kasr. Jenseits, auf dem rechten Euphratufer, ist noch kein Spatenstich geschehen, doch wird sich dort ein ähnliches Geländedreieck voller Ruinen finden, wenn Herodot damit Recht hat, daß Babylon quadratisch angelegt gewesen sei und der Euphrat die Stadt mitten durchschnitten habe.

Dieses gewissermaßen auf der Südspitze stehende Quadrat war von der äußeren Stadtmauer umschlossen, deren Länge die alten Geschichtschreiber Herodot und Ktesias auf 86 bzw. 65 Kilometer angeben; in Wirklichkeit betrug sie nur etwa 18 Kilometer. Die durch Ausgrabungenfreigelegte Nordostseite mißt 4,4 Kilometer; die Südostseite jedenfalls ebensoviel. Gleichwohl war Babylon die größte Stadt des antiken Orients, auch Ninive nicht ausgenommen, das zu Herodots Zeiten schon vom Erdboden verschwunden war.

Richtiger sind die Angaben der griechischen Schriftsteller über die sonstige Anlage der Mauer, die eine dreifache Befestigung darstellte: zuerst eine 7 Meter dicke Mauer aus Lehmziegeln; 12 Meter vor und parallel mit ihr eine 7,80 Meter dicke Mauer aus gebrannten Ziegeln, und vor dieser noch eine Grabenmauer von 3,30 Meter Dicke. Vor letzterer lag jedenfalls der Graben mit seiner Kontereskarpe. Die Ziegel der Grabenmauer messen 33 Zentimeter im Quadrat — das übliche Ziegelmaß in Babylonien — und tragen den Stempel Nebukadnezars. Die 12 Meter breite Gasse zwischen den beiden ersten Mauern war, jedenfalls bis zur Krone der Ziegelmauer, mit Erdreich ausgefüllt. Dies ist der Fahrdamm, der auf die klassischen Schriftsteller einen so tiefen Eindruck machte, weil er so breit war, daß ein Viergespann darauf umwenden konnte. Diese Breite der Mauerkrone war militärisch von größtem Vorteil; sie ermöglichte schnellste Truppenbewegung bei Verteidigung der Festung. In Abständen von ungefähr 50 Metern wurden beide Mauern von 330 Türmen überragt. Die Höhe dieses gewaltigen Festungspanzers ist unbekannt, da ja nur seine Fundamente und oft nicht einmal diese erhalten sind; nach Herodot betrug sie 200, nach Strabo nur 50 Ellen.

Nebukadnezar war es, der die Stadt in eine Festung verwandelte. In einer seiner Inschriften spricht er von dieser Mauer, von dem gewaltigen Graben davor und von den aus Zedernholz gefertigten, mit Kupfer überzogenen Türflügeln in den Mauertoren. Später verlor Babylon den Festungscharakter; in der parthischen Zeit benutzte man die Mauer als Grabgewölbe, wie aufgefundene Sarkophage beweisen.

Professor Koldewey beim Vortrag auf den Ruinen Babylons.⇒GRÖSSERES BILD

Professor Koldewey beim Vortrag auf den Ruinen Babylons.⇒GRÖSSERES BILD

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Inmitten dieses, durch die beiden Seiten der alten Stadtmauer und den Euphrat bezeichneten Dreiecks liegt nun eine Welt von Erd- und Schutthaufen, von Mauer- und Burgresten, die meinem Reisekameraden und mir ein rätselhaftes Durcheinander geblieben wäre, hätte uns nicht Professor Koldewey mit unermüdlicher Ausdauer, unter seiner schwarzen Lammfellmütze des glühenden Sonnenbrandes nicht achtend,drei Tage lang umhergeführt und Licht in dieses Dunkel der Gräben und Schächte gebracht. Unter seinem Zauberstab erwachte uns Babylon zu neuem Leben. Die Steine erhielten Sprache, die breite Straße der Prozessionen bevölkerte sich mit Babyloniern. Er wußte Episoden aus den alten Schriften, z. B. Daniels Besuch am Hofe Nebukadnezars, einzuflechten, als wenn er selbst zugegen gewesen wäre, und so lebendig, packend und anschaulich, daß man den großen König in seiner majestätischen Pracht vor sich zu sehen glaubte. — Die großen, flachen Ziegelsteine, von der Sonne so erhitzt, daß man sie nicht anfassen kann, liegen ja noch genau so da wie vor 2500 Jahren, als Nebukadnezar und Daniel darüber wandelten. Keines Menschen Blick ist seit jener Zeit auf diese Inschriften gefallen, die nach so langem Schweigen heute unmittelbar zum Forscher reden, und nichts erscheint mir begreiflicher als die inbrünstige Ehrfurcht, mit der ein Mann der Wissenschaft wie Professor Koldewey jedes neue Geschichtsblatt dieser Art, das er mit Spaten oder Brechstange dem Erdboden entringt, zur Hand nimmt.

Was ich von diesem dreitägigen Vortrag Koldeweys, dem fesselndsten, den ich je in meinem Leben hörte, behalten habe und aus den Schriften der deutschen Archäologen, besonders aus seinem eigenen klassischen Werke „Das wiedererstehende Babylon“ ergänzen durfte, sei hier in einigen Umrissen wiedergegeben.

Wie schon erwähnt, stammt der weitaus größte Teil der bisher ausgegrabenen Ruinen aus Nebukadnezars Zeit. Seinen Namen nennen Millionen Ziegelstempel, die sich vor allem in den Ruinen des Hügels Kasr gefunden haben. Denn hier erhob sich sein Königspalast, den er während seiner ganzen Regierungszeit erweiterte und verschönerte.

Blick auf das Ischtartor (von Norden).⇒GRÖSSERES BILD

Blick auf das Ischtartor (von Norden).⇒GRÖSSERES BILD

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Von der Nordostecke des Kasr-Hügels aus legte er für den Gott Marduk die Prachtstraße der Prozessionen an, die durch das Ischtartor nach Süden bis zu Marduks Tempel Esagila führte. Sie war in der Mitte mit quadratischen Kalksteinplatten von 1,05 Meter Seitenlänge, rechts und links davon mit Brecciaplatten von 0,66 Meter Seitenlänge gepflastert. Der Kalkstein wurde jedenfalls von Hit und Ana auf Kähnen herangeführt. Jede Platte trägt an der Seite die Inschrift: „Nebukadnezar, König von Babylon, Sohn Nabopolassars, Königs von Babylon, bin ich. Die Babelstraße habe ich für die Prozession des großen HerrnMarduk mit Schadu-(Gebirgs-)Steinplatten gepflastert. Marduk, Herr, schenke ewiges Leben!“ Die Oberflächen der Steine sind glatt und blank; viele weiche Sandalen und nackte Fußsohlen sind darüber hingegangen. Die Unterlage der Pflasterung war eine Asphaltschicht, die, soweit die Steine fehlen, jahraus jahrein der glühenden Sonne ausgesetzt ist, ohne an Härte einzubüßen; mit ihr hat man vor zweieinhalb Jahrtausenden den Ziegelbelag darunter vergossen.

Die Straße der Prozessionen liegt 12,5 Meter über dem Nullpunkt, dem mittleren Niveau des Grundwassers, und steigt zum Ischtartore sanft an; man hat von ihr aus einen herrlichen Überblick über das ganze Trümmerfeld. Zu Nebukadnezars Zeit aber war sie rechts und links durch hohe, 7 Meter dicke, von Türmen überragte Festungsmauern geschlossen, die mit prachtvollen Löwen aus Emaille geschmückt waren. Scherben davon hat man zusammenfügen können. Es waren im ganzen 120 solcher Relieflöwen, jeder 2 Meter lang, meist gelb auf blauem Grund. Vor Beginn der deutschen Ausgrabungen kannte man keine Plastik aus der Regierungszeit des großen Königs; jetzt hat man den ganzen Schmelzvorgang dieser Emaille ergründet. Die Ziegel wurden in Formen gegossen, und jeder trug einen kleinen Teil des Reliefbildes, das sich mosaikartig zusammensetzte. Die Festungsmauer war aus Ziegeln erbaut; über jeder Ziegelschicht lag eine dünne Schicht Asphalt und darauf eine ebenso dünne Schicht Lehm. Bei jeder fünften Schicht ersetzte den Lehm eine Matte aus geflochtenem Schilf; diese ist mit der Zeit verrottet, hat aber Abdrücke in dem Asphalt hinterlassen; man sieht deutlich, wie die Schilfstengel durch Klopfen gespalten und wie Bänder zusammengeflochten sind. Matten dieser Art werden noch heute von den Beduinen angefertigt.

Über dem Schutt erhebt die Fassade des Ischtartores ihre 12 Meter hohen, gigantischen Mauerblöcke. Sie ist die größte und interessanteste Ruine Babyloniens, ja ganz Mesopotamiens und bestand aus zwei dicht hintereinander liegenden Torgebäuden. Ihre Architektur ist vornehm einfach, sie zeigt nur wage- und senkrechte Linien. Wie der Überbau dieser ungeheuer starken Mauerpfeiler ausgesehen hat, weiß man nicht. Die Torhöfe hatte Nebukadnezar, wie eine Inschrift sagt, mit „gewaltigen Stierkolossen aus Bronze und den mächtigen Schlangenbildern“auf Sockeln schmücken lassen, und die Wände des Baues waren mit Reliefbildern von Stieren und Drachen (Sirrusch) bedeckt. 152 von den wahrscheinlich 575 Reliefs sind ausgegraben. Sie stehen in Reihen übereinander, jede Tierart stets für sich.

Stiere und Drachen des Ischtartors.

Stiere und Drachen des Ischtartors.

Man staunt über die künstlerische Vollendung dieser Tiergestalten. Nur eine hochentwickelte Kunstauffassung konnte eine Form wie die des weitberühmten „Drachen von Babel“ oder der „gehenden Schlange“ erfinden. Das Schuppenkleid, die Bauchringe des Körpers, der Kopf mit der gespaltenen Zunge und die beiden gerade emporstehenden Hörner, von denen in der genauen Profilstellung des Reliefs nur eines sichtbar ist, sind, wie Koldewey ausführt, offenbar der in Arabien häufigen Hornviper nachgebildet. Die Beine sind die einer hochläufigen Katzenart, die Hinterfüße aber mit ihren mächtigen Klauen und großen Hornplatten sind einem starken Raubvogel entlehnt. Das Auffallendste ist, daß das Tier zugleich Schuppen und Haare hat. „Diese gleichzeitige Ausstattung mit Schuppen und Haaren,“ sagt Koldewey, „sowie die starke Differenzierung der Vorder- und Hinterextremitäten ist sehr charakteristisch für die vorweltlichen Dinosaurier; auch die Kleinheit des Kopfes imVerhältnis zum Gesamtkörper, die Haltung und die übermäßige Länge des Halses entspricht durchaus dem Habitus jener ausgestorbenen Eidechsenart. Es weht ein förmlich selbstschöpferischer Geist in diesem uralten Kunstgebilde, das an Einheitlichkeit des physiologischen Gedankens alle übrigen Phantasietiere weit übertrifft. Wenn nur die Vorderbeine nicht so bestimmt ausgeprägten Katzencharakter trügen, so könnte ein solches Tier gelebt haben. Die Hinterfüße sind auch bei lebenden Eidechsen denen der Vogelfüße oft sehr ähnlich.“

Dieser Drache, der auf den Kunstgebilden jener Zeit, auf Siegeln, Grenzsteinen usw., häufig wiederkehrt, war den Göttern Marduk und Nabo heilig. Der erstere war zu Nebukadnezars Zeit Gegenstand außerordentlicher Verehrung; ihm gehörte der größte Tempel Babylons, Esagila, ihm weihte Nebukadnezar auch die Prozessionsstraße und selbst das Ischtartor, das Haupttor von Babylon, das mit dem Tier der Göttin Ischtar (Astarte), dem Löwen, geschmückt ist, einem in der babylonischen Kunst aller Zeiten sehr beliebten Motiv. Der Stier galt als das heilige Tier des Wettergottes Ramman.

Die Prozessionsstraße, der Hauptverkehrsweg der Stadt und eine der großartigsten Straßen, die es auf Erden gegeben hat, erstreckte sich nach Süden über Dämme, Kanäle und einen später gebildeten Arm des Euphrat fort und führte östlich um Etemenanki, den Turm von Babel, herum zum Tempel Esagila. Auch in der südlichen Fortsetzung sind noch die schweren Kalksteinplatten Nebukadnezars vorhanden, auf denen Daniel und Darius wandelten und auf die der Schein der Erdpechfackeln fiel, die neben Alexanders des Großen Wagen hergetragen wurden. Noch weiter südlich scheinen sie in griechischer und parthischer Zeit zu Kugeln für Wurfmaschinen, die damaligen Kanonen, verarbeitet worden zu sein. Die größten haben einen Durchmesser von 27,5 Zentimeter. Die Steinplatten im Süden tragen dieselbe Inschrift wie die auf Kasr; einige nennen aber auch Sanheribs Namen (705–681 v. Chr.), der ebenfalls die Stadt verschönte, sie aber dann völlig zerstörte und in Ninive residierte. Nebukadnezar sagt davon nichts; er nennt nur seinen Vater Nabopolassar. Die Inschrift eines Ziegelsteins, der aber nicht in seiner ursprünglichen Lage gefunden wurde, sagt von der Prozessionsstraße: „Nebukadnezar, König von Babylon, der Ausstatter von Esagilaund Esida, der Sohn Nabopolassars, des Königs von Babylon. Die Straße Babylons, die Prozessionsstraßen Nabos und Marduks, meiner Herren, die Nabopolassar, der König von Babylon, der Vater, mein Erzeuger, mit Asphalt und gebrannten Ziegeln glänzend gemacht hat als Weg: ich, der Weise, der Beter, der ihre Herrlichkeit fürchtet, füllte über dem Asphalt und den gebrannten Ziegeln eine mächtige Auffüllung aus glänzendem Staub, befestigte ihr Inneres mit Asphalt und gebrannten Ziegeln wie eine hochgelegene Straße. Nabo und Marduk, bei eurem frohen Wandeln in diesen Straßen — Wohltaten für mich mögen ruhen auf euren Lippen, ein Leben ferner Tage, Wohlbefinden des Leibes. Vor euch will ich auf ihnen (?) wandeln (?). Ich möchte alt werden für ewig.“

Durchschreitet man das Ischtartor nach Süden, so liegt zur Linken der Tempel der Ninmach, der „großen Mutter“. Seine Mauern waren mit Toren und Türmen versehen und mit weißem Putz bedeckt, so daß sie wie Marmorwände aussahen. Durch Portal und Vorhalle gelangt man auf den offenen Tempelhof und von da in die Gemächer selbst. Der ganze Bau war stark wie eine Festung, die von den Priestern verteidigt werden konnte. In den Vorraum hatte auch das profane Volk Zutritt. In einem Nebenraum fand sich Sardanapals Gründungszylinder, auf dem man unter anderem liest: „Zu eben jener Zeit ließ ich Emach, den Tempel der Göttin Ninmach in Babel, neu machen.“

Über die Verwendung der verschiedenen Räume und den Kult des Gotteshauses ist wenig bekannt. Gewisse Eigenschaften sind allen vier vollständigen Tempeln Babylons gemeinsam; sie haben eine Turmfront, eine Vorhalle, einen Hof und eine Zella mit einem Postament in einer flachen Wandnische. Einige Seitengemächer dienten jedenfalls zur Aufbewahrung kultlicher Gegenstände, andere zum Aufenthalt der Tempeldiener und Pförtner. Lange, schmale Gänge zeigen wahrscheinlich die Plätze an, wo Treppen auf das flache Dach hinaufführten.

In den Ruinen dieses Tempels fanden sich Massen von Terrakottabildern, die Hausgötzen gewesen zu sein scheinen. Sie sind nur 12 Zentimeter hoch, stellen meist eine stehende Frau dar mit auf babylonische Art gefalteten Händen und geben einen Begriff von den großen Götterbildern Babylons, von denen Herodot erzählt.

In diesem Tempel der Ninmach hat, wie Koldewey in seiner Schrift „Die Tempel von Babylon und Borsippa“ (Leipzig 1911) annimmt, Alexander der Große seine täglichen Opfer dargebracht, auch während seiner letzten Krankheit, und die Erinnerung an ihn wird angesichts dieser Trümmer lebendig.

Ein alter römischer Geschichtschreiber namens Quintus Curtius Rufus, von dem man nicht weiß, wann er lebte, hat in einem umfangreichen Werke die Taten des Mazedonierkönigs in fast romanhafter Form geschildert. Im ersten Kapitel seines fünften Buches beschreibt er auch seinen prunkvollen Einzug in Babylon. An der Spitze seines Heeres fuhr Alexander in einem von der Leibwache umgebenen Wagen. Die Triumphstraße war mit Kränzen und Blumen geschmückt, an den Straßenrändern brannte duftender Weihrauch auf silbernen Altären. Die Geschenke, mit denen man den Sieger empfing, waren Vieh und Pferde, Löwen und Leoparden in Käfigen. Hymnen singende Magier und chaldäische Sterndeuter schritten im Zuge einher. Ihnen folgten Musikanten und zuletzt babylonische Reiter.

Alexander war, wie alle, die Babylon zum erstenmal sahen, entzückt von seiner Schönheit, und er verweilte hier länger als in irgendeiner anderen Stadt. Aber kein Ort erwies sich als verderblicher für die militärische Disziplin; der Historiker malt in drastischen Zügen das leichtfertige, sittenlose Leben, das in Babylon geführt wurde. Die neue Hauptstadt wurde das Capua der alten mazedonischen Armee, und auch der König selbst fand hier wenige Monate nach seinem Einzug einen allzufrühen plötzlichen Tod.

Der griechische Schriftsteller Arrianus berichtet darüber Folgendes: Bei dem Günstling Medius wurde ein Trinkgelage abgehalten, zu dem auch Alexander eine Einladung angenommen hatte. Man trank und scherzte, und nach dem Fest badete der König und ging zur Ruhe. Auf einer Bahre ließ er sich zum Opfer tragen, das er keinen Tag versäumte. Seinen Generalen gab er Befehle für eine neue kriegerische Unternehmung; einige Truppen sollten die Landstraße einschlagen, andere südwärts auf dem Euphrat befördert werden; in fünf Tagen sollten mehrere Generale ihn auf den Triremen begleiten. „Vom Tempel ließ er sich auf seiner Bahre zum Ufer hinabbringen, ging an Bord einesFahrzeugs und fuhr über den Strom nach dem Park, wo er wieder badete und dann ausruhte.“

Phot.: Koldewey.Die beiden östlichen Pfeiler des Ischtartors.⇒GRÖSSERES BILD

Phot.: Koldewey.Die beiden östlichen Pfeiler des Ischtartors.⇒GRÖSSERES BILD

Phot.: Koldewey.

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Am folgenden Tag opferte er wieder, aber von da ab lag er in ununterbrochenem Fieber. Trotzdem erteilte er tags darauf Nearchusund den übrigen Hauptleuten seine Befehle zum Abmarsch. Am Abend des nächsten Tages stand es bereits schlecht mit ihm. Trotzdem erschien er noch zwei Tage zum Opfer im Tempel. Beim nächsten Morgengrauen aber entbot er die Generale in die Vorhalle, während die übrigen Befehlshaber an den Toren warten mußten. Er hatte sich aus dem Park in die Königsburg tragen lassen; und als die Generale an sein Lager traten, erkannte er sie wohl, vermochte aber nicht mehr zu sprechen. In der Nacht wurde das Fieber bösartig. Dieser Zustand hielt zwei Tage an.

Nun verlangten die Soldaten nach ihrem König, um ihn noch einmal am Leben zu sehen, da schon Gerüchte umgingen, sein Tod werde von der Leibwache verheimlicht. Die Truppen zogen an seinem Lager vorüber. Der König konnte noch mühsam den Kopf heben, aber nicht mehr sprechen; er betrachtete die Vorüberziehenden und reichte jedem die Hand. Einige seiner Vertrauten verbrachten die Nacht im Serapistempel, um den Gott zu fragen, ob es ratsam und für Alexander besser sei, ihn in den Tempel zu bringen, um bei inbrünstigem Gebet seine Genesung abzuwarten; der Gott antwortete, es werde für den König besser sein, wenn er bleibe, wo er sei. „Kurz darauf war Alexander tot, als ob dies für ihn jetzt das Beste gewesen sei.“

Quintus Curtius erzählt den Hergang etwas anders. Der König habe noch in den letzten Tagen seines Lebens Gesandte der griechischen Republiken empfangen, die ihm goldene Kronen überreichten, und seine Truppen und Galeeren gemustert. Dem Nearchus und den Kapitänen habe er ein glänzendes Gastmahl gegeben und dann am Trinkgelage bei Medius teilgenommen. Sechs Tage später seien seine Kräfte fast erschöpft gewesen, und die vor Kummer weinenden Soldaten hätten Zutritt zu seinem Krankenzimmer erhalten. Als Alexander sie sah, habe er geäußert: „Wo werdet ihr, wenn ich fort bin, einen solcher Männer würdigen König finden?“ Er sei aufrecht sitzen geblieben, bis der letzte Mann der Armee vorübergegangen. Dann sei er, als hätte er dem Leben seinen letzten Tribut entrichtet, ermattet auf sein Lager zurückgesunken. Seinen Siegelring habe er vom Finger gezogen und ihn dem Perdiccas übergeben mit der Bitte, seine Leiche nach der Oase des Jupiter Ammon überführen zu lassen. Als einer fragte, wem er das Reich anvertraue, habe er geantwortet: „Dem Würdigsten.“

Voller Schrecken standen die Babylonier auf ihren Hausdächern und den Mauern. Die Nacht kam und vermehrte die Unsicherheit. Niemand wagte Licht anzuzünden. Die Stadt lag in tiefem Dunkel. Herumstreifende Haufen begegneten einander auf den Straßen, sich mißtrauisch betrachtend. Sechs Tage stritten die Vertrauten des Königs, wer die Macht übernehmen solle. Darüber vergaß man den Toten, dessen sterbliche Hülle jedoch trotz der starken Hitze (Alexander schied aus dem Leben am 13. Juni 323) keine Veränderung erlitten hatte. Schließlich wurde die Leiche von Ägyptern und Chaldäern einbalsamiert und in einen goldenen Sarg gelegt, der mit wohlriechenden Spezereien gefüllt war; das königliche Diadem schmückte seine Stirn. Erst am folgenden Tag brachte Ptolemäus den König der Mazedonier in feierlicher Prozession die endlos lange Straße von Babylon nach Memphis und schließlich nach Alexandria, wo zur Erinnerung an ihn ein prachtvoller Tempel gebaut wurde. Noch im dritten Jahrhundert n. Chr. war der Ort bekannt, geriet aber später völlig in Vergessenheit. —

Rechts vor dem südlichen Ausgang des Ischtartors, gegenüber dem Tempel der Ninmach, ist die Ostfront der von Koldewey so genannten Südburg, der eigentlichen Akropolis von Babylon, die sich an der Stelle erhob, wo die älteste Stadtanlage war, das eigentliche Babilu oder Babilani, die „Pforte der Götter“. Assarhaddon und Nabopolassar sprechen von Babylon und Esagila als von zwei getrennten Plätzen; erst später wurden sie zu einem Großbabylon vereinigt. Dieser gewaltige Gebäudekomplex wurde von Nabopolassar gegründet, von Nebukadnezar aber so durchgreifenden Veränderungen unterworfen, daß man von einem einheitlichen Werk seiner Hand sprechen kann.

Durch ein von Wachtlokalen rechts und links flankiertes Tor betreten wir den Osthof der Südburg. An seiner Nord- und Ostseite liegen Beamtenwohnungen, von denen jede oder auch je zwei zusammen einen Hof haben. An der Südseite befinden sich die eigentlichen Amtsräume, und dahinter wieder Wohnungen; auch in jeder Wohnung ist der südlichste Raum der größte und behaglichste, da er, durch Mauern geschützt und nur von Norden her zugänglich, fast den ganzen Tag im tiefsten Schatten lag. Hierzulande dauert ja der Sommer von Mitte März bis Mitte November, und die heiße Tageszeit von 9 Uhrmorgens bis 9 Uhr abends. Professor Koldewey hat bis zu 49,5 Grad Celsius gemessen. Nur im Januar stellt sich etwas Frost ein. Die jährlichen Niederschläge betragen 7 Zentimeter gegen 64 in Norddeutschland. Die ganze Bauart ging also auf Schatten und Kühle hinaus; Fenster hatten die Wohnungen nicht. Gearbeitet wurde durchweg im Freien, auf den Höfen, geschlafen auf den Dächern. Wohnungen von mehreren Stockwerken, von denen Herodot spricht, ließen sich bisher nicht nachweisen. Die Wände waren mit Gipsputz bedeckt; ein Säulenstumpf und ein Kapitäl von feinem weißen Kalkstein verraten das Vorhandensein alter Säulengänge. Die Torwände waren wieder mit Relieflöwen geschmückt, wenigstens hat man Bruchstücke solcher Emaillen auf allen Höfen der Südburg gefunden.

Phot.: Koldewey.Zylinderförmige Bauurkunde Sardanapals für Nimitti-Bel, die innere Stadtmauer Babylons.

Phot.: Koldewey.Zylinderförmige Bauurkunde Sardanapals für Nimitti-Bel, die innere Stadtmauer Babylons.

Phot.: Koldewey.

Der Mittelhof der Südburg hat noch mehr und größere Räume, die zweifellos öffentlichen Geschäften dienten. Hier hatten gewissermaßen die Ministerien ihre Amts- und Wohnräume, hier wurde Gericht gehalten und in Kanzleistuben das Urteil ausgefertigt. Die stattlichen Amtszimmer liegen wieder nach Süden; ihre Bedeutung ergibt sich auch daraus, daß sie direkten Zugang zu den entsprechenden Gebäuden des nächsten und größten Hofes haben, den die eigentliche Residenz der babylonischen Könige umschloß.

Dieser Haupthof ist 55 Meter breit und 60 Meter lang; er wurde zuletzt mit Lehmziegeln gepflastert und diente in der Sassanidenzeit als Begräbnisplatz; man fand hier zahlreiche trog- und pantoffelförmige Sarkophage. An der Südseite dieses Hofes liegt der größte Raum des ganzen Palastes, der Thronsaal der babylonischen Könige. Er ist 17 Meter breit und 52 Meter lang; der Weiße Saal im Berliner Schloßmißt nur 16 × 32 Meter. Die Mauern der Breitseiten sind 6 Meter dick. Die Haupttür, zu deren Seiten sich kleinere Eingänge öffnen, geht auf den Hof hinaus. Ihr gegenüber zeigt die innere Südwand eine Nische; hier stand jedenfalls der Königsthron. Die Außenwand nach dem Hofe zu war mit prächtigen Fayenceornamenten auf dunkelblauem Grund bedeckt; gelbe Säulen mit hellblauen Kapitälen waren durch Palmettenranken miteinander verbunden.

In diesen Thronsaal ließ Belsazar, der letzte König von Babylonien, bei festlichem Mahl in trunkenem Übermut die goldenen und silbernen Gefäße bringen, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel von Jerusalem geraubt hatte. Aus ihnen sollten die Gäste trinken. Aber während sie tranken und ihre Götter lobten, gingen hervor Finger wie einer Menschenhand, die schrieben gegenüber dem Leuchter auf die getünchte Wand des Königssaals. Und der König ward gewahr der Hand, die da schrieb, und entsetzte sich. Vergebens bat er Chaldäer und Sterndeuter, die Schrift zu lesen; niemand kannte sie. Nur Daniel vermochte sie zu deuten: Mene mene tekel upharsin, d. h. „Gott hat dein Königreich gezählet und vollendet. Man hat dich in einer Wage gewogen und zu leicht befunden. Dein Königreich ist zerteilet und den Medern und Persern gegeben.“ In derselben Nacht ward der Chaldäer König Belsazar getötet. — Deutsche Gelehrte (Hoffmann und Nöldecke) haben übrigens die unglückverheißenden Worte viel einfacher erklärt, und da wenigstens die ersten drei Worte Münzwerte bezeichnen, vermutet Koldewey, daß einer der anwesenden Perser ganz unschuldig mit Kohle an der Wand seine Forderungen ausgerechnet, der bereits von schlimmen Ahnungen gefolterte König aber daraus neuen Argwohn gegen seine Umgebung geschöpft habe.

Von besonderem Interesse ist der sogenannte Gewölbebau in der Nordostecke der Südburg; ein breiter Gang führt vom Mittelhof dorthin. Unter allen Gebäuden der Stadt, ja des Landes, nimmt er eine Ausnahmestellung ein. Er besteht aus vierzehn langen, gleichgroßen Kammern, die, rechts und links je sieben, auf einen gemeinsamen Korridor hinausgehen und von einer starken Mauer umgeben waren. Südlich und westlich lagen weitere Kammern, und in einer derselben findet sich ein Brunnen, wie er in Babylon und in der antiken Welt sonstüberhaupt nicht vorkommt. Er besteht aus einem quadratischen Schacht in der Mitte und zwei länglichen zu beiden Seiten und enthielt jedenfalls ein Wasserschöpfwerk, ein Paternosterwerk oder einen Dolab, ähnlich denen, die ich in den Kapiteln über meine Fahrt auf dem Euphrat beschrieben habe.

Diese Kammern sind die einzigen kellerartigen Räume, die in Babylon vorkommen; sie waren mit Tonnengewölben überdacht und außerdem aus Hausteinen errichtet, wie die Steinreste beweisen. Solcher Haustein findet sich außerdem nur noch an der Nordmauer des Kasr. Die gesamte Literatur über Babylon einschließlich der Keilinschriften kennt aber nur zwei Gebäude, an denen Haustein zur Verwendung kam: die Nordmauer des Kasr und — die sogenannten „hängenden Gärten der Semiramis“, die griechische Dichter besungen haben und von denen die alten Historiker Diodor, Strabo, Flavius Josephus und Quintus Curtius Rufus soviel zu erzählen wissen. Daraus zieht Koldewey den Schluß, daß der Gewölbebau mit diesen „hängenden Gärten“, die einfach auf Dachterrassen angelegt waren, identisch ist, während man sie bisher auf dem Hügel Babil suchen zu müssen geglaubt hat. Den Namen der sagenhaften assyrischen Königin Semiramis hat jedenfalls nur die Phantasie der alten Historiker mit diesen Gärten in Verbindung gebracht. Schon Diodor, der Semiramis als die eigentliche Erbauerin Babylons rühmt, nennt die Gärten ein Werk eines späteren assyrischen Königs, der eine Perserin zur Frau hatte. Da diese in der Ebene Mesopotamiens die Gebirge ihrer Heimat vermißte, habe der König durch diese Anlage den Charakter des persischen Landes nachahmen wollen. —

Der Basaltlöwe in Babylon.(Links zwischen ausgegrabenen Ruinen das Grundwasser.)⇒GRÖSSERES BILD

Der Basaltlöwe in Babylon.(Links zwischen ausgegrabenen Ruinen das Grundwasser.)⇒GRÖSSERES BILD

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Im Norden des Kasr liegt die „Hauptburg“, die bei Beginn der deutschen Ausgrabungen unter einer 8–12 Meter dicken Erd- und Schuttschicht begraben war. Auch diesen Palast hat Nebukadnezar errichtet und aus vortrefflichen steinharten, hellgelben Ziegeln erbauen lassen. Er war noch reicher ausgeschmückt als die Südburg; an seinen Fronten schimmerten große Reliefs in blauer Fayence; der Boden war mit Platten aus weißem und buntem Sandstein belegt, jeder Stein verzeichnete an der Seite den Namen des Bauherrn. Die Dachbalken waren aus Zedern- und Zypressenholz. Hier hatten Nebukadnezar und sein Nachfolger unermeßliche Kunstschätze zum „Staunen der Menschheit“gesammelt; wertvolle Proben davon wurden ausgegraben. Den Eingang bewachten wie in den assyrischen Palästen gewaltige Basaltlöwen, wie aus Bruchstücken hervorgeht, die die deutschen Archäologen gefunden haben. An der Nordostecke stand bereits bei Ankunft der Deutschen der schon erwähnte, aus der Zeit Nebukadnezars stammende gewaltige Basaltlöwe, der von seinem Sockel aus die Gegend beherrscht, eine nur grob ausgeführte Plastik ohne feinere Detailkunst. Seine Seiten zeigen zahlreiche Spuren von Flintenkugeln und Steinwürfen. Die Arme des unter dem Löwen liegenden Mannes sind ebenfalls abgeschlagen — ein Zerstörungswerk der Beduinen, die in dem Löwen einen „Dschin“, einen bösen Geist der Wüste, erblicken. Einige Gelehrte sehen in dieser Gruppe eine allegorische Darstellung von Babyloniens Sieg über Ägypten, andere wollen Daniel in der Löwengrube darin erkennen, ein Gedanke, der aber nach Koldewey der babylonischen Kunst fremd ist. Zu den merkwürdigsten Funden auf dem Hügel Kasr gehört eine in neubabylonischer Schrift gefertigte Kopie der berühmten Keilinschrift von Behistun, worin König Darius Hystaspes (521–485) in persischer, susischer und babylonischer Sprache eine ausführliche Geschichte seiner Regierung und der von ihm niedergeschlagenen Empörungen in fast allen Provinzen seines Reiches hinterlassen hat.

In der Südostecke des Kasr fand man die ältesten Ziegelstempel Nebukadnezars. Es gibt verschiedene Arten. Bei einigen wurden die Stempel aus Holz geschnitzt, in Formsand abgedrückt und in dieser Form in Bronze gegossen. Sie sagen fast immer dasselbe: „Nebukadnezar, der König von Babylon, der Pfleger von Esagila und Esida, der Sohn Nabopolassars, des Königs von Babylon.“

Die Ziegel wurden in viereckige Holzrahmen gepreßt, die auf geflochtenen Rohrmatten lagen; meist sind die Abdrücke der letzteren auf der einen Flächenseite noch sichtbar. Dann brannte man sie in Ziegelöfen, ohne Zweifel derselben Art, wie sie noch heute außerhalb Bagdads in Gebrauch sind. Verbrecher in solche Öfen zu werfen, gehörte zu den neupersischen Exekutionsmitteln, die auch Nebukadnezar nicht fremd waren, wie Daniel berichtet.

Phot.: Koldewey.Ausschachtung des Grabens westlich der Südburg.⇒GRÖSSERES BILD

Phot.: Koldewey.Ausschachtung des Grabens westlich der Südburg.⇒GRÖSSERES BILD

Phot.: Koldewey.

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Einige Stempel haben acht Zeilen. Von ihnen fanden sich 412 Stück. Von anderen Stempeln gibt es Millionen. Niemals wohl hatein König in solchem Umfang für seine Unsterblichkeit gesorgt wie Nebukadnezar; fast jeder dieser steinharten Ziegel nennt seinen Namen, und sie waren in solcher Menge da, daß in späteren Zeiten ganze Städte daraus errichtet werden konnten. Die einfachen Häuser in Kweiresch sind zum größten Teil aus solchen Ziegeln vom Palast der entschlafenen Großkönige erbaut.

Hier und da finden sich in den Mauern auch Steine mit größeren Inschriften. Eine derselben, die Koldewey in einer Hofmauer der Südburg entdeckte, berichtet ausführlich von dem Bau dieses Palastes. „Nebukadnezar, König von Babylon, Sohn Nabopolassars, des Königs von Babylon, bin ich,“ so lauten die sechs Zeilen Keilschrift in dem üblichen, pomphaften Stil dieser Urkunden. „Den Palast, die Wohnung meines Königtums aus der Erde Babylons, die in Babylon ist, baute ich. Mächtige Zedern vom Gebirge Libanon, dem glänzenden Wald, brachte ich, und zu seiner Bedachung legte ich sie. Marduk, der barmherzige Gott, der mein Gebet erhört: Das Haus, das ich gebaut, an seiner Behaglichkeit möge er sich sättigen! Das Kisu, das ich errichtet, seinen Verfall möge er erneuern. Darin, in Babylon möge alt werden mein Wandel. Meine Nachkommenschaft möge in Ewigkeit die Schwarzköpfe beherrschen.“

Sein Gebet zum Gotte Marduk wurde nicht erhört, sein Reich zerfiel schon unter seinem Nachfolger, und diese Trümmer auf dem Kasrhügel sind die noch immer gewaltigen Reste der großen Babel, die König Nebukadnezar sechs Jahrhunderte v. Chr. zum königlichen Haus erbaut hatte, „durch seine große Macht, zu Ehren seiner Herrlichkeit“. Ehe er aber, auf der Zinne der Palastmauer wandelnd, diese stolzen Worte ausgesprochen hatte, ertönte eine Stimme vom Himmel: „Dir König Nebukadnezar wird gesagt: dein Königreich soll dir genommen werden, und man wird dich von den Leuten verstoßen, und sollst bei den Tieren, so auf dem Felde gehen, bleiben; Gras wird man dich essen lassen wie Ochsen, bis daß über dir sieben Zeiten um sind, auf daß du erkennst, daß der Höchste Gewalt hat über der Menschen Königreiche und sie gibt, wem er will.“

Den westlichen Teil der Südburg nennt Koldewey auf Grund einer Inschrift Nebukadnezars den Palast Nabopolassars. Er ist der ältesteder auf dem Kasr gefundenen Überreste, während die ältesten Baudenkmäler ganz Babylons aus Hammurabis Zeit (um 2200 v. Chr.) stammen.

Nordöstlich von Kasr liegt der Hügel Homera, östlich das griechische Theater, und südlich der weltberühmte Turm von Babel, dessen Spitze nach dem 11. Kapitel der Genesis bis an den Himmel reichte. Etemenanki war sein alter Name. Er stand im „eherntorigen Heiligtum des Zeus Belus“, das noch zu Herodots Zeiten erhalten war und zwei Stadien im Geviert gemessen haben soll. „In der Mitte des Heiligtums,“ berichtet dieser Geschichtschreiber, „erhebt sich ein fester Turm, ein Stadium lang und ein Stadium breit. Auf diesem Turm steht ein zweiter, auf diesem ein dritter und so fort bis zu acht Türmen. Auf die Zinne führt eine Treppe, die um alle diese Türme außen herumgeht. Ungefähr auf ihrer Mitte ist ein Absatz mit Bänken, wo die Hinaufsteigenden sich niedersetzen und ausruhen. Auf dem letzten Turm aber steht ein großer Tempel, und darin ein geräumiges, wohlbereitetes Bett mit einem vergoldeten Tisch davor. Kein Standbild schmückt den Tempel, und nachts bleibt niemand dort außer einem eingeborenen Weib, das der Gott gerade auserwählt hat; so versichern wenigstens die Chaldäer, die Priester dieses Gottes. Sie sagen auch, der Gott selbst besuche den Tempel und ruhe auf dessen Lagerstätte; das scheint mir aber nicht glaublich.“

Ein späterer griechischer Geschichtschreiber, Diodorus aus Sizilien, gibt zwar keine Beschreibung des Turmes selbst, berichtet aber, daß er, wie allgemein versichert werde, außerordentlich hoch gewesen sei, und daß „die Chaldäer dort ihre Beobachtungen anstellten, da sie von einem so hohen Bau aus aufs genaueste den Auf- und Niedergang der Gestirne beobachten konnten. Das Ganze war kunstvoll und mit großen Kosten aus Ziegeln und Erdpech zusammengefügt. Oben an der Treppe standen drei goldene Bildsäulen, die des Zeus, der Hera und der Rhea. Die des Zeus, der stehend und schreitend dargestellt war, maß 40 Fuß in der Höhe und war tausend babylonische Talente schwer. Rhea saß auf einem goldenen Stuhl. Ihre Bildsäule war ebenso schwer wie die des Zeus. Neben ihren Knien standen zwei Löwen, und neben diesen silberne Schlangen von außerordentlicher Größe, jede wog 30 Talente.Hera war stehend dargestellt; in der Rechten hielt sie eine Schlange am Kopf, in der Linken ein mit Edelsteinen besetztes Zepter. Ihr Bild wog 800 Talente.“

Der Historiker Strabo, geboren im Jahr 63 v. Chr., kennt auch das Heiligtum des Zeus Belus, er aber nennt es eine vierseitige Pyramide aus gebrannten Ziegelsteinen, ein Stadium im Quadrat und ein Stadium hoch. Xerxes habe es zerstört, Alexander es wieder aufbauen wollen; dieser sei aber vorher gestorben, nachdem er erst in zweimonatiger Arbeit durch zehntausend Mann den Schutt habe wegräumen lassen.

Die Inschriften der Bauherren selbst schließlich rühmen nur die Höhe des Bauwerks. Nabopolassar, der auf Befehl des Gottes Marduk mit Wiederherstellung des vorher eingestürzten Turms begonnen haben will, versichert, seine Spitze habe „himmelan“ streben sollen, und sein Sohn Nebukadnezar verkündet der Nachwelt: „Etemenankis Spitze aufzusetzen, daß mit dem Himmel sie wetteifere, legte ich Hand an.“

Und was ist von diesem, zu einer Mythe gewordenen Wunderbau der Alten Welt noch übrig? So wenig, daß es fast rätselhaft erscheint, wie die Forschung seinen Standort hat ermitteln und die kümmerlichen Reste nach den dürftigen Angaben der Historiker hat identifizieren können! Nicht einmal ein Hügel ist mehr zu sehen, nur ein Durcheinander von Erderhöhungen, die hier und da mit Ziegelsteinscherben bedeckt sind, zwischen denen etliche genügsame Wüstenpflanzen ihre Stengel und Blätter trotzig der unbarmherzig strahlenden Sonne entgegenstrecken. Wo sich ehemals die dicken Mauern des Turms erhoben, findet man einen ebenso breiten Graben mit kristallklarem, grünem Wasser, ein verführerisch einladendes Quellbecken. Menschen späterer Zeiten haben die unerhörten Ziegelmassen geraubt, die Mauern Fuß für Fuß abgetragen und schließlich dem Erdboden gleichgemacht. Aber nicht einmal damit hat man sich begnügt, sondern die Plünderung sogar bis zu den Grundmauern fortgesetzt, bis der Spiegel des Grundwassers ihr halt gebot. Steinharte, gebrannte Ziegel waren wertvolle Seltenheiten, deren Herstellung Mühe und Kosten erforderte. Die letzten Plünderer waren Leute aus Hille, Kweiresch und andern Dörfern der Umgegend. Auf dem Grund des Grabens findet sich vielleicht noch diese oder jene Ziegelschicht, aber die deutschen Archäologen haben bisher noch nicht weiternachforschen können. Das Wasser ist salzhaltig und ungesund. Algen und andere Pflanzen gedeihen darin, und über seinem stillen Spiegel, der mit dem Wasserstand des Euphrat steigt und fällt, heben die Frösche ihre Köpfe, um abends ihre Liebeslieder anzustimmen. In den heißesten Tagesstunden sind sie schläfrig und stumm; nur ab und zu hört man ein leise brodelndes Quaken. In majestätischer Ruhe liegt jetzt dieser Platz, auf dem ehemals die Babylonier lärmende Tempelfeste feierten; die lautlose Stille legt sich fast beklemmend auf die Brust. Auf dem Abhang eines nahen Hügels erhebt ein mohammedanisches Heiligengrab seine kleinen weißgelben Kuppeln.

Zeichnung von Koldewey.Rekonstruktion der Umgebung des Turms von Babel (unvollendet dargestellt), von Esagila, der Kaimauer Naboneds und der Brücke über den Euphrat.⇒GRÖSSERES BILD

Zeichnung von Koldewey.Rekonstruktion der Umgebung des Turms von Babel (unvollendet dargestellt), von Esagila, der Kaimauer Naboneds und der Brücke über den Euphrat.⇒GRÖSSERES BILD

Zeichnung von Koldewey.

⇒GRÖSSERES BILD

Nur den Fundamentgrundriß des babylonischen Turms hat die Wissenschaft bisher feststellen können; er bildet ein Viereck von 90 Metern Seitenlänge, und von Südsüdosten führte eine mächtige Freitreppe zum ersten Absatz empor. Auch den Grundriß des Peribolus, der den Turm umgebenden Ringmauer mit ihren zahlreichen monumentalen Gebäuden, die jedenfalls als Priester- und Pilgerwohnungen dienten, hat man aufgedeckt. Wie der Turm selbst aussah, weiß man aber noch nicht. Die Schilderung Herodots ist unklar. Wahrscheinlich war er eine „Zikkurrat“, d. h. einer von den im alten Mesopotamien verbreiteten massigen Türmen, um deren Außenwand herum ein langsam ansteigender Weg zur Spitze hinaufführte. Professor Koldewey hofft, die Lösung des Rätsels bei Ausgrabung der am besten erhaltenen Zikkurrat von Borsippa oder Birs Nimrud zu finden, die 20 Kilometer südlich von Babylon liegt. —

Die Gegend östlich von Etemenanki führt den arabischen Namen Merkes, d. h. das Lager. Hier stand ein großer Teil der Bürgerhäuser Babylons. Die Grabungen ergaben, daß das Grundwasser jetzt höher steht als im Altertum. In der 2–3 Meter tiefen obersten Schicht finden sich spärliche Ruinen aus parthischer Zeit. Die darunterliegende, 4 Meter tiefe Schicht enthält Überreste aus der Glanzperiode der neubabylonischen Könige und reicht bis in die persische und griechische Zeit. Die Häuser lagen dicht zusammengedrängt an engen Straßen, denn die Bevölkerung war zahlreich. Die Mauern sind solid aus Lehmziegeln errichtet. Auch der Boden besteht aus Ziegeln, und Rundbrunnen sind allgemein. In der nächsttieferen Schicht finden sich nur wenige Wohnhäuser.In der darauffolgenden Kulturschicht, die Keilschrifttafeln aus der Zeit 1300–1400 v. Chr. barg, sind sie wieder häufiger. 1 Meter unter dem Nullpunkt enthält die unterste Schicht Urkunden der ersten babylonischen Könige (2250 v. Chr.), d. h. aus einer Zeit, auf die der Patriarch Abraham zurückblicken konnte, als er von Ur und Haran aus ins gelobte Land zog. Die Straßen der Stadt waren gerade, schnitten sich fast rechtwinklig und waren, im Gegensatz zur Prozessionsstraße, meist ungepflastert. Die kleineren Tempel lagen mitten in den Straßenlabyrinthen, wie das noch heute in den Städten des Orients üblich ist. Hier und da gab es auch offene Plätze und kleine Märkte.

Phot.: Koldewey.Trogförmiger Sarg aus Merkes, einem Stadtteil Babylons.

Phot.: Koldewey.Trogförmiger Sarg aus Merkes, einem Stadtteil Babylons.

Phot.: Koldewey.

Der Stadtteil Merkes umschließt auch viele Gräber aus den verschiedensten Zeiten. In den ältesten, tiefsten Kulturschichten, die Hammurabi und seinen Nachfolgern angehören, wurden die Leichen unmittelbar der Erde anvertraut, höchstens in Strohdecken gehüllt oder mit Ziegelsteinen umgeben. Sie lagen lang ausgestreckt und anscheinend dort, wo sie bei Lebzeiten ihre Wohnung hatten. Bis 3 Meter über dem Nullpunkt fanden sich Gräber, deren Leichname in hockender Stellung in lange, topfähnliche Gefäße mit rundem Deckel eingeschlossen waren. In der nächsten Schicht folgen kurze und hohe, ebenfalls mitDeckeln versehene Lehmsärge aus der Zeit Nebukadnezars und seiner nächsten Vorgänger; hier sind die Leichname so stark zusammengedrückt und gekrümmt, daß die Kniee bis an das Kinn hinaufreichen. Die 4–7 Meter über Null liegende Schicht enthält trogförmige Särge, die auch zu kurz sind, um die Toten ausstrecken zu können. Die oberste Schicht zeigt griechisch-parthische Gräber mit Ziegelsarkophagen, in denen die Toten in Holzsärgen lagen. Gewöhnlich gab man den Verstorbenen Schmuck mit ins Grab, selten Waffen.

Phot.: Schölvinck.Die Ausgrabungen von Esagila.

Phot.: Schölvinck.Die Ausgrabungen von Esagila.

Phot.: Schölvinck.

Weiter nach Süden führen uns die Hügel von Amran zu einem gewaltigen Schacht, dessen senkrechte Lehmwände noch die rundlichen Spateneindrücke zeigen. Hier wurden Gräber bloßgelegt, in denen teilweise noch Skelette liegen. Auf einem dieser Hügel erhob sich der Marduktempel Esagila. Die Zella an der Nordseite seines Hofes ist wahrscheinlich die, in der die Generale Alexanders den Gott Ea, der in griechischer Zeit mit Serapis identifiziert wurde, um Rat fragten, ob sich der König zu seiner Genesung hierher tragen lassen solle.

In unmittelbarer Nähe dieses Tempels begann die Euphratbrücke,von der sieben aus Ziegel gebaute Strompfeiler ausgegraben sind. Nach den Angaben Herodots, Diodors und anderer Historiker soll die Brücke ans Hausteinen gebaut gewesen sein; jedenfalls ist sie die älteste bekannte Steinbrücke der Erde.

Östlich von Amran liegt der Tempel eines unbekannten Gottes, und noch weiter östlich der Ninibtempel Epatutila, bei dem zahlreiche Terrakottabilder, männliche Figuren, Reiter auf Pferden und anderes, gefunden wurden.

Ebenso gründlich wie bei dem Turm von Babel hat die Zerstörung an dem Punkte gehaust, der durch die Jahrtausende den alten Namen Babil behalten hat, dem Ruinenhügel im äußersten Norden des Ausgrabungsgeländes. Er ist ein Viereck von 250 Meter Seitenlänge und jetzt ein Durcheinander von Erdmauern und tiefen Schächten. Erst glaubt man, hier seien Zimmer und Gänge ausgegraben, erfährt dann aber, daß man, genau so wie beim Turm von Babel, nur gleichsam den Gipsabdruck eines verschwundenen Stadtteils vor sich hat. Schon im Altertum füllte man, wenn die Häuser verfallen waren, das Innere der Ruinen mit Erde und Schutt aus, um festen Grund für neue Gebäude zu gewinnen. So wuchsen die Städte im wörtlichen Sinne in die Höhe und bildeten sich schichtweise die „Tells“ des Orients; ganz Babylon ist solch ein Tell. Als dann die oberen Schichten zerfielen, die Neubauten aufhörten, der Hügel Babil als Steinbruch diente und man bis zu den Ruinen der vorhistorischen Zeit in die Tiefe grub, wurden nur die Mauerziegel fortgenommen; die Erdausfüllung aber schonte man sorgfältig, damit die Ziegelschächte nicht einstürzten. Was also heute Schächte und Gräben sind, waren ehemals die Mauern, die festen Erdblöcke dagegen die leeren Räume — eine Architektur, die für Uneingeweihte nicht leicht verständlich ist.

Nach Koldewey diente Babel bereits im Altertum, vielleicht schon in der römischen, sicher aber in der parthischen Zeit als Steinbruch. Dann durfte diese Stätte längere Zeit in Frieden ruhen. Um 1890 aber begann eine neue Plünderung, als der Launen des Euphrat wegen der Damm bei Sedde errichtet wurde, um den Strom zu hindern, ganz und gar sein altes Bett aufzugeben. Den türkischen Archäologen Halil Bei und Bedri Bei kommt das Verdienst zu, dieser Verwüstung Einhalt getan zu haben.

Nur den einen Vorteil hat der Ziegelraub gehabt, daß die deutschen Archäologen ohne langwierige und kostspielige Grabungen sich eine klare Vorstellung von den verschwundenen Gebäuden machen konnten. Auf dem Gipfel von Babil stand ehemals ein Palast mit zahlreichen Räumen verschiedener Größe. Ihren Boden deckten Sandsteinplatten mit der Inschrift: „Nebukadnezars, des Königs von Babylon, des Sohnes von Nabopolassar, Königs von Babylon, Palast.“ Auch alle Ziegelsteine tragen Nebukadnezars Stempel, woraus Koldewey schließt, daß Babil eines der Schlösser dieses Königs gewesen ist.Dr.Buddensieg, der hier unser kundiger Führer war, vermutet, Nebukadnezar habe hier seine Sommerresidenz gehabt. Kühler wird es hier, 2½ Kilometer vom Kasr entfernt, schwerlich gewesen sein. Aber wahrscheinlich war Babil von schattigen Parken und breiten Kanälen umgeben, die der dicht bebauten, in der Sonne bratenden Stadt fehlten.

In dem Hügel Babil fand man Bruchstücke eines Kalkmörtelestrichs, der zu verraten scheint, daß gewisse Teile des Palastes von persischen Königen oder Alexander dem Großen und seinem Nachfolger erneuert wurden. Auch hat sich eine in Stein gehauene Urkunde erhalten, die von H. Winckler übersetzt wurde und nach Koldewey von dem Palast auf Babil handelt: „An der Ziegelsteinmauer gegen Norden trieb mich das Herz, einen Palast zum Schutze Babylons zu bauen, einen Palast wie den Palast Babylons aus Erdpech und Ziegelsteinen erbaute ich darin. 60 Ellen baute ich eine ‚Appa danna‘ gegen Sippar hin; ich machte einen ‚Nabalu‘ und legte sein Fundament in die Brust der Unterwelt an die Oberfläche der Grundwasser in Erdpech und Ziegelsteinen. Ich erhöhte seine Spitze und verband ihn mit dem Palast, mit Erdpech und Ziegelsteinen machte ich ihn wie ein Waldgebirge hoch. Gewaltige Zedernstämme legte ich zur Bedachung darüber. Türflügel aus Zedernholz mit einem Überzug aus Kupfer, Schwellen und Angeln, aus Bronze gefertigt, errichtete ich in seinen Toren. Jenes Gebäude nannte ich ‚Nebukadnezar möge leben, es möge alt werden der Ausstatter von Esagila‘, mit Namen.“

Das Schönste von Babil aber war gewiß und ist noch die Fernsicht von der Höhe, besonders am Abend, kurz vor Sonnenuntergang. Bei Windstille ist die Luft ungewöhnlich klar und durchsichtig. ImOsten treten die Überreste der Mauern und Kanäle hervor und heben sich scharf beleuchtet vom dämmerigen Horizont ab. Im Westen stehen auch die unscheinbarsten Hügel wie schwarze Silhouetten da. Im Süden sieht man mit Hilfe eines Fernrohrs deutlich den Turm von Borsippa oder Birs Nimrud. Über den dichten, Dörfer und Häuser völlig verdeckenden Palmenhainen an den Ufern des Euphrat ragt im Südsüdosten ein schlankes Minarett von Hille empor. In dieser Himmelsrichtung liegen auch die Hauptruinen von Babylon, die Hügel Kasr und Amran, die äußere und innere Mauer der Stadt, alles brandgelb beleuchtet, wo die Sonnenstrahlen hintreffen; aber ins Violette übergehend, wo Schatten sich ausbreitet. Im Norden aber zieht sich ein feines, helles Band durch die leblose Wüste: es ist die Straße, die uns bald nach Bagdad zurückführen soll; ihre erste Station, Mahawil, zeigt die Umrisse ihres Hans oder Gasthauses über dem Horizont.


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