De Pfingstkantat'.
Es is ein rachtes Gelück, daß der alte Kanter F. M. Gast e sette Matz settge feine Kantaten geschriebn hot, 's wüßt – meiner Seel – manicher Kanter heitzetog net, wos er sen Leiten egal für Kirchenmusiken zu de grußen Fast virsetzen kennt.
Su e Kanter hot überhaupt kä Zuckerlacken: Macht er käne Kerchnmusik, do heeßts, er machet überhaupt garn nischt. Macht er weliche un se klingt net schie, sprachen de Leit wieder, der Kanter taget nischt. Und dos muß doch zugegabn warn: En maning Karl sei Maul paßt besser zon Pfeifrachn, als wie zon Singe, un er singt doch.
Sei nu in en Dorf lauter settge, do ka's der Kanter machen, wie er will, 's is net racht. Un wos möcht er net alles bedenken, daß er niemand of de Füß tritt! Doß de Kanterei singt, dos verstieht sich von salber.
Nu will oder aa der Gesangverein »Liederkranz« mittue. Die Verstärkung is net esu gruß, de Hälft von dan Sängern is doch aa in der Kanterei. Sei nu gelücklich zah Mann zamgebracht, do ka mer mit Sicherhät drauf rachne, daß'r achte dervu Solo singe wolln. 's is überhaupt mit die Sangesbrüder e settge Sach, mer trifft selten emol en, dar sich net steif un fest einbild, er könnt sich geleich, wie er is, of e jeds Theater stelln un mietsinge.
Von zah Sängern sei oder när drei Tenör und siebn Bäß. Von dan drei Tenörn wieder ka när ener orndlich singe, un der Kanter ka vir jeden Fast verzehn Tog lang net schlofen, aus Angst, »dar« Tenor kennt eper emol ze huch in der Tranksteuer geroten un hescher warn. Mit de öbern Stimm hoot er lechter ze hantiern. Do hot er doch zeerscht seine Schulkiner, un dann sei in Dorf e ganze Hard Maadle, die singe wie de Hädellerchn. Un aa mit de Solostimme hoots käne Nut, do hilft de Fraa Pastern, oder ne Kanter seine Fraa oder ihre Maadle. Un dann kimmt de Begleitung! Werd när Orgel derzu gespielt, dos is ne Leuten ze wing. 's Musikkorps, dos sinst immer in Gericht Tanzmusik spielt, will bei de Fasttog aa zeign, daß 's e Religiu hoot un will miettue.
Nu sei die Musekanten, die sette Kerchnmusiken zameschreibn, e manichsmol racht narrsche Karle. Wos die alles für Instrumenter verlange! Do langetn doch, weß der Hole, 50 Musekanten net, die dos spieln könne. Ja, ich hoo emol e settigs Nutenbuch gesah, do sollt sugar a Harf mitspieln! Dos fahlet noch, daß die böhmischen Harfenmähd aa noch in der Kerch ihre Zupperei afinge; dä ich wüßt sinst ken, dar sich of der Harf verständ.
Do is mitn alten Gast sen Kantaten e anere Sach. Dar hoot gewußt, wos de Leit brauchn un hoot e ganze Hetz Kantaten gemacht, die sei werklich net von schlachten Eltern. Se klinge schie, sei net esu schwer, un wos verlangt werd, dos is aa in mesten Dörfern aufzetreibn. Dodrim hatt sich aa der Geyersberger Kanter, wie er geleich noch Ostern e Pfingstmusik raussuchn tat, virgenomme, of neerschten Pfingstfeiertog ene Kantat' vor F. M. Gast zu singe.
Der Kanter war kaum fruh, daß er die Ostermusik waghatt, do gings schie wieder of Pfingsten lus. De Kantat war ewos Feines un passet aa racht für seine Kräft. Se ging lus mit en lange Blosakkord, do konnt sich der Weigelfläscher e Gitt tue mit seiner Trompet. Dann macheten de Geiger lauter sette kläne Strich zemerscht immer of en Ton, un dann fing e Sopransolo aa, de Pfingstgeschicht aus der Bibel ze singe. Dos mochet sich racht schie, un de Leut konnten sich aa ewos derbei denken, net wie bei maning anern Lied, wu niemand derhinerkimmt, wos die Singerei engtlich ze bedeiten hoot.
Dann kam e Chor, wu aa de Musik mit neiwurzeln konnt, hinerhar kam e Arie für en Tenor, die hieß »Schmückt das Fest mit Maien«, un zeletzt sang der ganze Chor aa noch en schien Choral. Mer konnt sich racht dra erbaue. Der Kanter fing nu geleich in der Singstund a, de Kiner eizerichten. Daß die ihre Sach machen würn, do war er sicher. Ar hielt aa Singstunden in der Kanterei. Erscht de Mannsen allä. Do häßts immer, su e Kanter hätt ne grußen Gehalt. Ja, guckt när emol of de Spesen! Läßt er in der Singstund de Mannsen ihrn Part zweemol hinerenaner singe, do machen se noch miet. Beim dritten Mol oder möcht er schie e Spitz Kimmel bezohln, sinst streiken se. Je schwerner su e Lied is, desto teirer kimmts ne Kanter ze stiehe. Mer muß oder zugabn, daß de Mannsen in Geyersberg sich e rachte Müh gabn. 's ging uhne gruße Nut föder, un nu konnts mit der Musik lusgiehe.
Der Kanter bestellet sich de Musekanten en noch'n anern in der Schul un hoot nu ofn Harmonium ene jede Stimm esulang mietgespielt, bis jeder sen Part orndlich spieln un blosen konnt. Un wie se nu zun erschten Mol alle zamkame, gings merklich esu schie, daß mer sei greeßte Fräd hobn konnt. Nu ginge de Solostimme lus. De Pastergretel sollt dos Solo zun Afang singe. Of dar konnt er sich verlossen, die konnt Klavier spieln un übet sich salber. Oder dos Tenorsolo!!
's gab in Dorf en guten Tenor, ne Zipperschuster (se nannten ne när ne Singschuster), dar hätts esu racht schie singe könne, ene Stimm hatt' er wie e heuriger Löw. Sinst war oder net derhaufen mit'n lus; er hatt sugar schie emol gesassen. Net eper wegn Mauserei un setting Sachen, nä, er ging of der Vugelstellerei, spielet in böhmischen Lotto, tat uhne Angelkart fischen, un wenn er über der Grenz ging, machet er net bein Zollhaus vorbei. Dos sei alles Sachen, die sich net gehörn; oder mit sen Tenor hatt doch dos nischt ze tue, un desderwagn dacht der Kanter aa: »Der Zipperschuster mog när dos Solo singe«. Ar hoots'n aa richtig eigelarnt, un der Zipperschuster war ganz wag in seiner Arie, daß er sugar derhem bein Schustern mit lauter Stimm sang: »Schmückt das Fest mit Maien!«
Su war nu in lauter Ueberei un Prubiererei der Pfingstsonnobend ragekomme. De Scheuerweiber hatten in der Kerch rägemacht, un der Kanter hat gruße Maibaam neistelln un schiene Hollundersträuß of'n Altar setzen lossen. 's sog alles esu schie, su racht wie e Fast; un su war aa ne Kanter ze Mut, wie er an Obnd noch ewing in senGarten hantieret. De Kerchnmusik ging, – mehr verlangt e Kanter von der Walt nischt. Ar stecket abn an der Gartenlaub e Weinzweigele, dos ze weit rübergachsen tat, hiner ener Rank naa, do höret er mit en Mol de Gartentür giehe. Wie er sich rimdrehet, sog er ne Paster of der Gartenlaub zukomme. Dar hatt' en ruten Kopp dra, mer merket ne aa, daß er sich über ewos mordsgammerlich argern tat. Ar setzet sich ganz eschofiert of der Bank hie, gab ne Kanter e Patsch un saht: »Denken Sie sich, Herr Kantor, mir haben sie aus dem Pfarrbusch zwei der schönsten Maibäume gestohlen!«
Der Kanter war richtig derschrocken. Er bracht weiter nischt raus wie: »Nu soooowas!«
Der Paster machet oder weter: »Und wissen Sie auch, wers gewesen ist? – Ihr Tenor, der Zipperschuster, der gemeine Kerl!«
Der Kanter war wie mit der Mütz derpocht. Dos hatt noch gefahlt! »'s ist nicht möglich«, saht er, obwuhl er innerlich dacht: »Dan Bruder is alles zuzetraue!« Mit en Mol fuhl ne sei Kerchnmusik of der Seel un es war ne, als wenn er alle Kantaten der Walt of emol hörn müßt, esu gurglets und brausets üm ne rim, daß er sich geleich mit hiesetzet.
»Daß der Mensch morgen in der Kirche als Solist auftritt, ist natürlich ausgeschlossen. Ich übergebe den Menschen dem Gendarmen!« fuhr der Paster weter fort.
Su sehr wie nu der Kanter in dan Agnblick ne Zipperschuster alles Biese gönne tat, warsch'n doch im seiner Kerchnmusik ze tue, un er fuhl ne Paster in der Red:»Was wird denn da mit meiner Kirchenmusik? Der Zipperschuster ist morgen nicht zu entbehren, sonst können wir gleich einpacken.«
»Nun, denken Sie denn, ich gebe zu, daß meine Gretel mit dem Menschen zusammen singt, der mich am Tage vorher in gemeinster Weise bestohlen hat?«
Der Kanter wußt weter nischt drauf ze sogn. Ar hätt könne ne Zipperschuster uhne Gewissensnut derstochen. Un dan Karl hatt er aa noch an letzten Obnd ben Rabentisch e Gelos Bier bezohlt!
»Ich weiß nicht, was da werden soll«, menet der Kanter wieder.
»Es ist ganz unmöglich«, war ne Paster sei Red, »ich werde doch dem Dorfe das Vergnügen nicht machen und mich auslachen lassen!«
»Nun«, saht der Kanter wieder, »wenn die Kirchenmusik ganz wegfällt, wird die Sache aber noch auffälliger. Ich würde die Sache ignorieren bis nach den Feiertagen, dann würde ich allerdings auch dafür sein, daß der Zipper eine derbe Lektion erhält!«
Se hobn noch lang hie- un hargeredt, endlich warsch ne Kanter gelunge, ne Paster, dar e guter Maa war, esu weit ze brenge, daß er – oder när üm der Erbauing der Gemeind wagn! – die Sach bis noch de Feiertog verschiebn wollt. –
Der heilige Pfingstmorgn war ragekomme. Der Himmel hatt' e Eisahe gehatt un dan gunge Maadle ze lieb, die ihre schien neue un frischgeplätten weißen Klaadle zon erschten Mol ausführn wollten, sei freindlichst Gesichtrausgesteckt. Schie ehr de Gelock einläuten tat, kam ne Kerchwag rauf äs nochn anern. De Musekanten kame mit ihre Instrumenter un wichting Gesichtern ne Barg rauf, mer sog ne richtig a: heit warn mer euch emol wos Feines virsetzen. Drubn ofn Chor soog mer heut net när de Chorgunge in ihrn schwarzen Manteln, derhiner warn wie gruße Blumesträuß de Maadle aufgepflanzt, un an jeder Verziering von der Orgel hing e blankgewichster Zylinder von de Kantereimanner. Wie's läuten tat, kam aa der Paster mit sen Maadel 's Ding rauf un machet sich nei in der Sakristei.
Der Kanter saß schie of der Orgelbank halb rümgedreht, öb a alle do warn. Allen Leiten war azemarken, daß ewos in der Luft log. När dar, dan dos alles aging, der Zipperschuster, fahlet noch. Erscht, wie der Kanter mitn Virspiel agefange hatt, gings Chortürl e klä Finkel auf, un e Maa drücket sich ewing schichbern rei un stellet sich ganz hinten na, daß mer'n net esu sahe sollt, – der Zipperschuster! Die Manner die dernabn traten, gobn ne e Hand un lachelten alle ewing huhnackig derzu. Der Kanter hatt ne aa gemarkt, er gönnet ne oder ken enzing Blick.
Na, 's ging alles gelatt, bis nochn Gelaabnslied (heit wur der »gruße Gelabn« gesunge) de Kerchnmusik lusging. Alle gobn sich de größte Müh. Der Kanter konnt sich net besinne, daß de Musekanten schie emol esu schie gestrichen un geblosen hätten. De Pastergretel sang mit ihrer klarn Stimm esu racht wie e Engele, un bein Chor war net e enzger falscher Eisatz virgekomme. Nu kam der Zipperschuster mit seiner Arie. Un dos muß ne der Neid lossen,er sang werklich schie, när wie er afing »Schmückt das Fest mit Maien«, do gings über e manichs Gesicht wie e lechts Schmunzeln, gelacht oder wur net, dä dos wußten alle Leut, daß sich dos in der Kerch net gehört.
Nochn Hauptlied stieg der Paster of der Kanzel. Wie er sei stills Gebat gesprochen hatt, soog er mit e paar Blicken über der Gemein hin, war alles do war. Inder erschten Reih' vir der Kanzel soß der Förschter heit in seiner grosgriene Uneform. Un wie ne der Paster sog, do warsch ne, als wenn der Förschter noch ewing huhtuet feixen tät. Dos schlug ne Faß ne Buden aus. Der Paster wußt nu genau, daß er de Maibaamsach net bis noch de Feiertog aufschiebn tät. Er hielt e racht schiene Predigt; oder wie's zun End ging, do hänget er noch e paar Sätz na. »Ja, liebe Gemeinde, »Schmückt das Fest mit Maien!« haben wir heute singen hören. Aber wo steht geschrieben, daß man die Bäume dazu stehlen soll?«
Alle Agn flugn nauf ofn Chor, un der Zipperschuster wur in seiner Eck immer klener. Un nu bracht der alte Paster noch e paar Sätz, wie mer sich doch kränken müßt, daß sugar in der Gemeind sette Sachen virkäme. Wie's oder bei unern alten guten Paster immer war, su warsch aa dohierde: er koant niemand lang bies sei. Un wie de Predigt alle war, do sahten sich alle: »Na, ne Paster seiner Red enoch, werd ne Zipperschuster net derhaufen passiern.«
Noch wie der Kanter 's Nochspiel machet, schlich sich der Zipperschuster noner in der Sakristei, er tat ne Paster im Vergabing bitten. Ar hätts net esu schlimm gemänt, er wär nu emol fürsch Grüne. Un die Singerei egal, vondie Maibaamer, hätt'n noch vollst verwerrt gemacht. Nu gäbs doch in der ganzen Gegnd när in Pfarrbüschel Maibaamer, un esu wärsch komme. Der Herr Paster sollts 'n när net übel nahme, 's käm gewieß net wieder vir. Der Paster hoot ne ne Standpunkt orndlich klar gemacht, oder 's End von Lied war doch, daß er von ener Aazeig obsahe wullt.
Niemand war fruher, wie mei Zipperschuster. »Herr Paster«, saht er, »doß Sie net denken, ich will Sie im Ihre Baam brenge, soll meine Miene zwee feine Rutenbasen draus binden, Se warn emol sahe!« Dodermiet machet er naus. Wie er vir der Tür kam, luf er gerod ne Kanter in de Händ. Ar wär garn virbei geloffen, oder er mußt erscht noch ne Kanter sein Sermon ahörn, in wos fir e gruße Verlagnhät er ne gebracht hätt un esu in dan Text fort.
Der Schuster battlet nu a noch ne Kanter im Vergabing und zeletzt saht er: »Herr Kanter, ich will die Baam gar net behalten, meine Miene mog für der Schul e paar Rutenbasen binden!« Domiet machet er su fix wie er kunnt übern Gottesacker wag un dacht när noch für sich: »Zu vier Basen lange oder die Ruten net, do muß ich mer noh en Maibaam huln!«
Sei Roll als Kerchnsänger war oder ausgespielt, aa wie de Kermeßkantat von F. M. Gast aufgeführt warn sollt!