Der Schreiber nachstehenden Schreibens ist des edlen Grafen Wolf naher Verwandter, dessen Töchter bei ihrem Oheim längere Zeit in Dresden verweilten. Die älteste, von der ebenfalls im Briefe Erwähnung geschieht, lebt gegenwärtig als Gemahlin des K. H. Gesandten in Wien, und wird als kunstsinnige, hochgebildete Dame allgemein verehrt.GrafKarl, ihr Vater, ist Verfasser des Buches „der Geist in der Natur.“Sein SohnAdalbert, eben so bekannt durch die wechselvollen Schicksale reich-bewegten Lebens, als beliebt im Fache humoristisch-romantischer Erzählungen, entwickelt ein fruchtbares auf vielfache Erfahrungen gestütztes, und durch diese gefördertes Talent.
Der Schreiber nachstehenden Schreibens ist des edlen Grafen Wolf naher Verwandter, dessen Töchter bei ihrem Oheim längere Zeit in Dresden verweilten. Die älteste, von der ebenfalls im Briefe Erwähnung geschieht, lebt gegenwärtig als Gemahlin des K. H. Gesandten in Wien, und wird als kunstsinnige, hochgebildete Dame allgemein verehrt.
GrafKarl, ihr Vater, ist Verfasser des Buches „der Geist in der Natur.“
Sein SohnAdalbert, eben so bekannt durch die wechselvollen Schicksale reich-bewegten Lebens, als beliebt im Fache humoristisch-romantischer Erzählungen, entwickelt ein fruchtbares auf vielfache Erfahrungen gestütztes, und durch diese gefördertes Talent.
Horsens,den 14. December 1830.
Verehrtester Herr Hofrath!
Selbst auf die Gefahr hin, Ihnen lästig zu fallen stehe ich nicht länger an, einige Zeilen an Sie zu richten. Die Erzählungen meiner Tochter Bella enthalten unzählige Beweise, wie viel Freundlichkeit und Güte Sie ihr erweisen, und meine älteste Tochter hat neulich, gleich nach ihrer Ankunft in Dresden, die zuvorkommendste Aufnahme in Ihrem Hause erfahren. Erlauben Sie mir, Ihnen und den Ihrigen meinen Dank für so viele Güte abzustatten, welches zu thun mir eine um so größere Freude gewährt, als ich dadurch Gelegenheit erhalte, gegen einen Mann, dessen Schriften mir so theuer sind, meine Verehrung auszusprechen. Wären Sie Herr Hofrath nicht gewohnt, in weit treffenderen Worten als ich es vermag, den Eindruck geschildert zu sehen den Ihre Schriften in der Seele des Lesers zurücklassen, so würde ich es versuchen, und Ihnen erzählen, wie ich noch jetzt keine gewirkte Tapete ohne Schauder betrachten kann, weil ich vor 20 Jahren Ihren Karl von Berneck gelesen habe; wie ich meinen Kindern, wenn sie Abends um mich versammelt sind, Ihre Märchenerzähle, und mich im blonden Eckbert und den Haimondskindern fast nie der Thränen erwehre; und wie Franz Sternbald und die Herzensergießungen eines Klosterbruders in meinem Innern einen Frühling der Gefühle, ein tönendes sonniges Leben hervorriefen, wie noch keine Musik, kein plastisches Kunstwerk dieß an mir vermogt haben.
Keine Prosa spricht mich so an, reißt mich so mit sich fort, wie die Ihrige. Denn während mir Goethe’s Prosa incorrekt und eckig (!?) vorkömmt; Schiller hochtrabend, und die mehrsten Schriftsteller matt; fühle ich mich bey der Ihrigen von Empfindungen durchglüht, die ich nicht beschreiben kann. Wie sehr beneide ich meine Kinder, die das Glück haben Sie selbst Ihre Schriften vorlesen zu hören, und deren Genuß durch solchen Vortrag noch erhöht wird. Ich schmeichle mir oft mit der Hoffnung, daß es mir, dem Bewohner derultima Thulenoch möglich seyn wird Dresden zu besuchen, wo sich jetzt so Vieles meinem Herzen Theures aufhält. Auf diesen Fall erlauben Sie Herr Hofrath daß ich mich zu einer Vorlesung bei Ihnen anmelde, wo es mich zugleich freuen wird, Ihnen mündlich sagen zu können, mit welcher Verehrung und Hochachtung ich bin
IhrergebensterC. Baudissin.
Ihr
ergebensterC. Baudissin.