Deinhardstein, Johann Ludwig.

Geboren am 21. Juni 1794 zu Wien, wo er 1827 Professor der Aesthetik wurde. Daneben hat er schon früher Censurgeschäfte verwaltet. Im Jahre 1832 gelang es ihm, wohl nicht auf geraden Wegen, den hochverdienten Schreyvogel (West) zu verdrängen, und dessen Stelle als Hoftheatral-Sekretair, mit jener Mosels vereint, unter dem Titel „Vicedirektor“ zu bekleiden. Er bekam auch den Rang eines wirkl. Regierungsrathes. Deinhardstein — vorher der größte Frondeur, der durchtriebenste „G’spaßmacher“, der Anstifter aller lustigen und übermüthigen Streiche, der Spießgesell Castelli’s bei tausend Mystificationen, der unerschöpfliche Erfinder oft gefährlicher Neckereien und „Gassenbuben-Dummheiten“, ein Haupturheber „ludlamitischen“ Wahnsinns — — — nun ein Staatsbeamter, voll gemessener Würde, gleich Polonius; von Orden geschmückt; streng-streichender Censor! Aber der eingeborne Schelm guckte immer noch durch. —Sein erstes Auftreten in der Litteratur geschah durch den „Almanach der Kunstredner,“ (1812?) eine gute Anthologie, mit Theodor Bar. Sydows, des Wiener Declamatorspar excellencewohlgetroffenem Portrait, und eignen lyrischen Produktionen. Sodann hat er sich in’s dramatische Fach geworfen. In vielen theatralischen Gattungen hat er Vielerlei geliefert. Den entschiedensten Beifall fand (auch von Goethe ausgezeichnet) seinHanns Sachs. Am längsten auf der Bühne gehalten hat sich hauptsächlich wohl durch Ludwig Löwe’s berühmte Meister-Darstellung: Garrik in Bristol.Daß er ein sehr eitler Mensch gewesen, davon giebt eine Zeile dieses Briefes Kenntniß. Daß Niemand gleich ihm gestrebt habe, sich äußerliche Auszeichnungen und Ehrenzeichen zu er— —werben, dürfte Jeder behaupten, derihngekannt, den guten Castelli jedoch nicht gekannt hat. Es läßt sich schwer entscheiden, welcher von diesen Zweien gieriger nach Bändchen und Kreuzchen haschte?Er galt hier und da für perfid und falsch. Andere lobten seine Bonhommie. Wahrscheinlich hatten Beide Recht. Wohlwollend war und blieb er — so langeseineInteressen es ihm gestatteten!

Geboren am 21. Juni 1794 zu Wien, wo er 1827 Professor der Aesthetik wurde. Daneben hat er schon früher Censurgeschäfte verwaltet. Im Jahre 1832 gelang es ihm, wohl nicht auf geraden Wegen, den hochverdienten Schreyvogel (West) zu verdrängen, und dessen Stelle als Hoftheatral-Sekretair, mit jener Mosels vereint, unter dem Titel „Vicedirektor“ zu bekleiden. Er bekam auch den Rang eines wirkl. Regierungsrathes. Deinhardstein — vorher der größte Frondeur, der durchtriebenste „G’spaßmacher“, der Anstifter aller lustigen und übermüthigen Streiche, der Spießgesell Castelli’s bei tausend Mystificationen, der unerschöpfliche Erfinder oft gefährlicher Neckereien und „Gassenbuben-Dummheiten“, ein Haupturheber „ludlamitischen“ Wahnsinns — — — nun ein Staatsbeamter, voll gemessener Würde, gleich Polonius; von Orden geschmückt; streng-streichender Censor! Aber der eingeborne Schelm guckte immer noch durch. —

Sein erstes Auftreten in der Litteratur geschah durch den „Almanach der Kunstredner,“ (1812?) eine gute Anthologie, mit Theodor Bar. Sydows, des Wiener Declamatorspar excellencewohlgetroffenem Portrait, und eignen lyrischen Produktionen. Sodann hat er sich in’s dramatische Fach geworfen. In vielen theatralischen Gattungen hat er Vielerlei geliefert. Den entschiedensten Beifall fand (auch von Goethe ausgezeichnet) seinHanns Sachs. Am längsten auf der Bühne gehalten hat sich hauptsächlich wohl durch Ludwig Löwe’s berühmte Meister-Darstellung: Garrik in Bristol.

Daß er ein sehr eitler Mensch gewesen, davon giebt eine Zeile dieses Briefes Kenntniß. Daß Niemand gleich ihm gestrebt habe, sich äußerliche Auszeichnungen und Ehrenzeichen zu er— —werben, dürfte Jeder behaupten, derihngekannt, den guten Castelli jedoch nicht gekannt hat. Es läßt sich schwer entscheiden, welcher von diesen Zweien gieriger nach Bändchen und Kreuzchen haschte?

Er galt hier und da für perfid und falsch. Andere lobten seine Bonhommie. Wahrscheinlich hatten Beide Recht. Wohlwollend war und blieb er — so langeseineInteressen es ihm gestatteten!

Wien, am 15. September 1844.

Hochverehrter Herr geheimer Hofrath!

Nach zurückgelegter Reise rufen lebhafte Erinnerungen an die liebevolle Güte und Freundlichkeit, deren Sie in Potsdam mich werth gehalten haben, den innigsten Dank in mir auf. Ihr Anblick und Ihre Benehmungsweise hat mich in unserer Zeit der Zerrißenheit und der Lüge erhoben und gestärkt.

Ihr König, den Sie so treffend mit den Worten geschildert haben, „man würde die Vortrefflichkeit seines Characters auf der Bühne für unwahrscheinlich halten,“ wird nun wohl wieder in seiner großartigen Hauptstadt seyn. Leider wurde mir der eigentliche Zweck meiner Reise, Ihm persönlich meinen Dank für die Dedications-Annahme meiner Gedichte — die wie Sie werden erfahren haben bedeutendes Glück machen — zu Füßen zu legen, durch die übergroße Sorgfalt des für mich intercedirten österreichischen Gesandten, vereitelt.

Ueber Tschech ist hier nur eine Stimme — die der Verachtung laut. Am Besten ist es, so wenig als möglich von ihm und über ihn reden zu laßen. Ich mindestens halte dieß mit allen Zeitungen und Schriften, die von ihm handeln, wenn sie mir zur Censur vorkommen, so, und wünsche, daß es überall so gehalten werde; zeitlebens mit ihm in den Narrenthurm wäre wohl die paßendste, und in Berücksichtigung ähnlicher Gesellen die heilsamste Strafe.

Der Plan, den ich Ihnen verehrtester Herr Hofrath mitgetheilt habe, in den Jahrbüchern der Literatur fortwährend die neuesten wichtigsten Erscheinungen und Bestrebungen im Gebiethe der Wißenschaft und Kunst in Preußen, besprechen und erklären zu laßen geht seiner Reife entgegen. Ich habe die stimmfähigsten Männer dafür gewonnen, darunter Ihren Verwandten Herrn Director von Waagen, der mir mit Mund und Hand seine Theilnahme zusagte. Sie erinnern ihn wohl gelegentlich daran. Gehört es doch mit zu den schönen Eigenheiten Ihres Characters, das Gute energisch fördern zu helfen, wo Sie es vermögen.

Erinnern Sie sich meiner zuweilen und in Güte. Ich habe nur zu wünschen, Gott möge den König dem Lande erhalten, und Sie dem Könige, dann steht es gut um Preußen und um die Kunst.

In tiefer Hochachtung

Euer Hochwohlgeborengehors. DienerRegierungsr. v.Deinhardstein.

Euer Hochwohlgeboren

gehors. Diener

Regierungsr. v.Deinhardstein.


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