Devrient, Carl.

WennEmilDevrient, der „ewige Jüngling,“ die bis in’s Alter blühende Macht des Schönen in theatralischer Kunst personificirt; wennEduardden Werth besonnen-wirkender theoretischer Studien zur Geltung bringt; dann dürfen wirCarl, der drei Brüder ältesten, (denn er schlug schon die Befreiungskriege mit, und kehrte von Wunden geziert wieder heim,) als den nächsten Erben seines Oheim’s im Genialen betrachten. Carl hat Rollen gehabt, — manchmal nur einzelne Scenen, — wo er, begeistert, zu wahrer Begeisterung hinriß. Aber seine Darstellungen waren ungleich. Er hing vom Augenblick, von dessen Stimmungen ab. Es ist vorgekommen, daß er bei Gastspielen als Räuber Moor — als Lear — als Hamlet in einem Akte die größten Reminiscenzen aller Theaterfreunde überbot, — daß er im andern, durch irgend welche Zufälligkeit gestört, wichtige Momente fallen ließ, und sich selbst nicht ähnlich blieb. Dennoch wird er mit vollem Rechte als eine Zierde des K. Hoftheaters zu Hannover geschätzt, und ist allgemein geachtet und beliebt wegen seines geraden, männlichen Charakters.

WennEmilDevrient, der „ewige Jüngling,“ die bis in’s Alter blühende Macht des Schönen in theatralischer Kunst personificirt; wennEduardden Werth besonnen-wirkender theoretischer Studien zur Geltung bringt; dann dürfen wirCarl, der drei Brüder ältesten, (denn er schlug schon die Befreiungskriege mit, und kehrte von Wunden geziert wieder heim,) als den nächsten Erben seines Oheim’s im Genialen betrachten. Carl hat Rollen gehabt, — manchmal nur einzelne Scenen, — wo er, begeistert, zu wahrer Begeisterung hinriß. Aber seine Darstellungen waren ungleich. Er hing vom Augenblick, von dessen Stimmungen ab. Es ist vorgekommen, daß er bei Gastspielen als Räuber Moor — als Lear — als Hamlet in einem Akte die größten Reminiscenzen aller Theaterfreunde überbot, — daß er im andern, durch irgend welche Zufälligkeit gestört, wichtige Momente fallen ließ, und sich selbst nicht ähnlich blieb. Dennoch wird er mit vollem Rechte als eine Zierde des K. Hoftheaters zu Hannover geschätzt, und ist allgemein geachtet und beliebt wegen seines geraden, männlichen Charakters.

Baden-Baden, d. 16. Aug. 41.

Verehrter Herr Geheimrath!

Vor mehr als zwanzig Jahren, als ich, ein unbedeutender junger Mensch aufs Gradewohl nach Dresden kam, waren Sie es, Herr Geheimrath, durch dessen Verwendung ich meine Anstellung dort erhielt. Stets zeigten Sie mir damals durch freundliche Zurechtweisung und wohl gemeinten Rath den wahren Weg der Kunst, und wenn ich auch zuweilen Ihre Ansichten nicht begreifend, mich gegen Ihre väterliche Leitung sträubte, so erkannte ich doch später, als ich nicht mehr in Ihrer Nähe weilen durfte, wie tief sich Ihre unschätzbaren Lehren mir eingeprägt hatten, und ich strebte nun mit redlichem Eifer sie auszuüben. Oft hat es mich nachher gefreut, wenn Kenner an meinen Darstellungen meinen ersten Meister erkannten. — Jetzt ist ein Zeitpunkt gekommen, wo ich zeigen möchte, was ich großentheils Ihnen zu verdanken habe. In meiner Vaterstadt ist jetzt das Terrain, wo ich meine Fähigkeiten geltend machen müsste, wenn überhaupt meine Laufbahn noch eine neue günstige Wendung nehmen soll. Darum mein innigverehrter Gönner, wenn Sie glauben es noch einmal mit mir wagen zu können, so bitte ich Sie dringend, legen Sie ein kräftiges Fürwort für mich ein, damit mir die Gelegenheit gegeben werde, auf der Berliner Bühne einige Proben meines Talentes zu liefern, und an der Concurrenz um eine dort freigewordene ehrenvolle Stelle Theil zu nehmen. Meine Verbindlichkeiten in Hanover kann ich zu jeder Stunde lösen. Ich werde in 12 Tagen wieder in Berlin sein, und ein gewichtiges Wort von Ihnen zu meinen Gunsten ausgesprochen ist es, wovon ich eine gastliche Aufnahme bey Herrn von Küstner erwarten darf.

Ich hoffe Sie im besten Wohlsein zu finden, doch wenn die sogenannte schöne Jahreszeit auch dort so rauh undunfreundlich ist, wie hier in dem sonst so lieblichen Baden, so wird der Genuß der freien Luft leider nicht sehr wohlthätig auf Ihre theure Gesundheit wirken können. Meinen ehrerbietigen Respect bitte ich der Frau Gräfin von Finkenstein zu vermelden, und nenne mich mit nie ersterbender Dankbarkeit und Verehrung

Ew. Hochwohlgeboreninnigst ergebenerCarl Devrient.

Ew. Hochwohlgeboren

innigst ergebener

Carl Devrient.

Hannover, d. 3t. April 45.

Hochgeehrter Herr Geheimrath!

Absichtlich habe ich es unterlassen Sie mit der Mittheilung meiner unerfreulichen Unterhandlungen mit dem Herrn Geheimrath v. Küstner über mein Gastspiel zu behelligen, doch nun, da dasselbe endlich zu Stande gekommen ist, nehme ich meine Zuflucht wieder zu Ihnen verehrter Gönner, und bitte Sie um Ihren gütigen Rath und Beistand. Die Aussichten auf einen glänzenden Erfolg meiner Darstellungen sind nur sehr schwach, weil die Zahl der mir bewilligten Rollen auf sechs beschränkt ist, und ich nicht Gelegenheit haben werde, meine Fähigkeiten im ganzen Umfang meines Wirkungskreises zu zeigen. Mein erstes Auftreten in „die Wahnsinnige“ und „der Diplomat“ hat nur den Zweck mich in zwey ganz verschiedenen Gattungen bey dem Publikum vortheilhaft einzuführen, doch wird gleich darauf als ernstere Prüfung der Hamlet folgen, und hierin habe ich von Ihrem strengen Urtheil alles zu fürchten und zu hoffen. Die beiden nächsten Rollen in „das Glas Wasser“ und „der Sohn der Wildniß“ sind wegen der Bequemlichkeit, mit welcher sie auf das Repertoir zu bringen waren, gewählt, sowie ich mich denn nicht rühmen kann, daß meinetwegen länger ruhende Stücke nachstudirt wurden. Eine Väterrolle muß ich aber in jedem Falle spielen, entweder den Wallenstein oder König Lear, wenn mein Vossischer Text mit der Kaufmannschen Uebersetzung zu vereinbaren ist. Vielleicht rathen Sie Herr Geheimrath auch zu dem Faust, vorausgesetzt daß ich dann schon wagen kann, eine blos schwierige aber nicht dankbare Rolle zu spielen. Die Weigerung des Herrn Hendrichs mich während meiner Abwesenheit hier als Gast zu ersetzen, ist auch der Grund, weshalb mein Urlaub nur sehr beschränkt ausgefallen ist, und dennoch werde ich auch dort diesen Herren sehr vermissen, weil ohne ihn weder „Donna Diana,“ worin ich den Perin spiele, noch Kaiser „Friedrich und sein Sohn,“ worin ich eine mir sehr zusagende Väterrolle hätte, aufgeführt werden kann.

Am 10t. werde ich mir sogleich die Ehre geben Ihnen meinen Besuch zu machen, und will nur wünschen daß Ihre Gesundheit Ihnen verstatten wird meinen Vorstellungen beizuwohnen.

Erhalten Sie mir nur Ihre wohlwollenden Gesinnungen und seien Sie meines unvergänglichen Dankes gewiß.

Mit inniger Verehrung und Hochachtung bin ich

Ew. Hochwohlgeborenaufrichtig ergebenerCarl Devrient.

Ew. Hochwohlgeboren

aufrichtig ergebener

Carl Devrient.


Back to IndexNext