Dieser mit vollem Recht geachtete dramtische Sänger und Darsteller hat seinen Lebenslauf in dem vielgelesenen Buche: „Aus dem Tagebuche eines alten Schauspielers“ selbst geschildert, und es dürfte nicht schwierig sein, in demselben die Beziehungen auf beide hier mitgetheilte Briefezu finden. Er verbindet und vermittelt durch dasselbe gewissermaßen drei Generationen, von seinem (inTrachenberg, auf Fürst Hatzfeldts schlesischem Schlosse — nicht wie er schreibt: Drachenberg — geborenem)Vater, Schillers später nie mehr erreichtem Kapuziner, bis zu seinem neuerdings mit verdientem Glücke in der Litteratur aufgetretenemSohne, dessen Roman: „Das hohe Haus“ viele Freunde gefunden hat.
Dieser mit vollem Recht geachtete dramtische Sänger und Darsteller hat seinen Lebenslauf in dem vielgelesenen Buche: „Aus dem Tagebuche eines alten Schauspielers“ selbst geschildert, und es dürfte nicht schwierig sein, in demselben die Beziehungen auf beide hier mitgetheilte Briefezu finden. Er verbindet und vermittelt durch dasselbe gewissermaßen drei Generationen, von seinem (inTrachenberg, auf Fürst Hatzfeldts schlesischem Schlosse — nicht wie er schreibt: Drachenberg — geborenem)Vater, Schillers später nie mehr erreichtem Kapuziner, bis zu seinem neuerdings mit verdientem Glücke in der Litteratur aufgetretenemSohne, dessen Roman: „Das hohe Haus“ viele Freunde gefunden hat.
Weimarden 26sten März 1840.
Hochverehrter Herr und Gönner!
Gestützt auf die mannichfachen Beweise von Wohlwollen, deren ich mich von Ihnen zu erfreuen hatte, und auf welche ich stolz bin, wage ich es, durch diese Zeilen Herrn Götze, Tenoristen vom hiesigen Theater, meinen Freund und Schüler, Ihnen vorzustellen. Doppelter Beweggrund veranlaßt mich zu diesem, vielleicht unbescheidenen Schritte, für den ich aber dennoch Ihre Verzeihung hoffe, da ich Ihr warmes Interesse für jedes aufstrebende Talent aus eigener Erfahrung kenne: Zuerst erfülle ich hierdurch den sehnlichen Wunsch des Herren Götze nach der persönlichen Bekanntschaft des ersten Litteraten unserer Zeit, zweitens wünsche und bitte ich dringend, daß Sie diesen talentvollen, aber schüchternen jungen Mann, der seinen ersten bedeutenden Ausflug wagt, Ihres Rathes und Schutzes würdigen möchten. Ich weiß sehr wohl, daß ich es nicht wagen dürfte, einen gewöhnlichen Opernsänger Ihrer Theilnahme zu empfehlen, doch zu diesen gehört wahrlich Herr Götze nicht; hat er auch das Ziel noch nicht erreicht — er gehört erst seit drei Jahren der Bühne an — so strebt er doch mit allen Kräften ein dramatischer Sänger und Charakter-Darsteller zu werden, und als solchen glaubte ich ihn Ihrer gütigen Beachtung nicht unwerth. Zu gleicher Zeit ist er ein ausgezeichneter Geiger, ein Schüler Spohrs, und gehört somit der Kunst auf doppelte Weise an. Obwohl ein Lieblingunseres Publicums und seit beinahe zwei Jahren im Besitz des ganzen ersten Tenor-Fachs, ist doch seine Stellung beim hiesigen Theater, in pecuniärer Hinsicht, sehr beschränkt, und da er Frau und Kind zu erhalten hat, so wünsche ich von Herzen, daß er die Erwartung, die Herr von Lüttichau von ihm zu hegen scheint, erfüllen und sich eine sorgenfreie Lage in Dresden gründen möge.
Ich hege die schöne Hoffnung, im nächsten Sommer Ihnen meine Verehrung persönlich bezeugen zu können: Herr von Lüttichau hatte bei meiner letzten Anwesenheit in Dresden die Güte mich und meine Frau zu einem Gastspiel aufzufordern, und ich habe in diesen Tagen angefragt, ob es während unserer Ferien — July und August — stattfinden könne. Mir schmeichelnd, mich mit der gewohnten Güte von Ihnen aufgenommen zu sehen, und hoffend, daß Sie mir wegen meiner Freiheit nicht zürnen, empfehle ich mich und meine Frau Ihrem Wohlwollen, und verbleibe mit der aufrichtigsten Verehrung
Euer Wohlgeborenganz ergebensterEd. Genast.
Euer Wohlgeboren
ganz ergebenster
Ed. Genast.
Ohne Datum.
Hochverehrter Herr!
Ihre vor zwey Jahren mir bewiesene Güte giebt mir den Muth einen, seit länger Zeit schon gehegten Wunsch vor Ihnen auszusprechen. Ich war so glücklich mich Ihres Rathes bey dem Einstudiren des Wallensteins zu erfreuen. Was ich in dieser Rolle leiste haben Männer, deren Urtheil ich achte, zum Beyspiel Rochlitz, wenn auch noch nicht vollkommen, doch nichtmißlungen genannt. Meine Darstellung dieses Charakters auf der von Ihnen gegebenen Ansicht beruhend, von Ihnen selbst geprüft und beurtheilt zu wissen ist der Wunsch, den ich, nicht ohne die Furcht Ihnen lästig zu werden, Ihnen vortragen möchte: — Der Gesundheitszustand eines meiner beyden Kinder macht mir im Frühjahr dieses Jahres, in welchem ohnehin unser Theater wegen nöthiger Baureparaturen geschlossen wird, eine Reise nach Töplitz zur Pflicht, diese führt uns durch Dresden, wo wir auf jeden Fall uns einige Tage verweilen werden, um uns des Glückes Ihrer Nähe nach einer Entbehrung von 2 Jahren wiederum zu erfreuen, und wäre es den Verhältnißen Ihrer Bühne anpassend, so wünschten wir, meine Frau und ich auf derselben nur einige Gastrollen und unter diesen Wallenstein und Thekla vor Ihren Augen zu spielen.
Ich hoffe Verzeihung für mein Anliegen, auch wenn Sie es mir versagen, indem ich mich dankbar der Zeit erinnere, wo Sie mir vergönnten in Ihrem Familienzirkel die schönsten und genußreichsten Stunden meines Lebens zu verbringen. — Meine Frau empfiehlt sich Ihnen und den verehrten Ihrigen, und ich bin mit ausgezeichneter und wahrer Verehrung
Euer WohlgeborenergebensterEd. Genast.
Euer Wohlgeboren
ergebensterEd. Genast.