Geboren am 12. April 1797 zu Königsberg i. Pr., wo er seit 1831 ordentlicher Professor der Kunst- und Litteraturgeschichte a. d. k. Universität ist. Er gründete den dortigen Kunstverein und giebt seit 1846 die neuen preuß. Provinzialblätter heraus.Als er noch Student war, gewann er schon seinem romantischen Gedichte: Olfried und Lisena die öffentlich ausgesprochene Theilnahme Goethe’s. Im Jahre 1822 erschien von ihm eine Sammlung jugendlicher Poesieen. Seine Künstlergeschichten: Norica (1827) — und: Die Chronik s. Vaterstadt vom Florentiner Ghiberti, 2 Bd. (1833) haben großes Aufsehn gemacht. Die kunstwissenschaftlichen Vorträge, welche er in K. zu halten pflegt, versammeln das ausgewählteste Auditorium. — Doch all’ seine ernsten Studien haben nie vermocht, den Drang nach der Theaterwelt, der in ihm sich regt, zu unterdrücken. Es ist ihm stets Bedürfniß gewesen (wovon auch dieser Brief, der einzige in Tieck’s Sammlung vorgefundene, zeugt), sich an dramatischen Schöpfungen zu dilettiren. Den sprechendsten Ausdruck nun und nimmer absterbender Vorliebe für das Bühnenwesen im höheren Sinne, giebt seine vor einigen Jahren erschienene „Geschichte des Königsberger Theaters,“ welche in einem starken Bande eine große Masse schätzbarsten Materials mit seltenem Fleiße und strenger Gewissenhaftigkeit darbietet.Wer den vortrefflichen Mann persönlich kennt, muß ihn auch lieb haben.
Geboren am 12. April 1797 zu Königsberg i. Pr., wo er seit 1831 ordentlicher Professor der Kunst- und Litteraturgeschichte a. d. k. Universität ist. Er gründete den dortigen Kunstverein und giebt seit 1846 die neuen preuß. Provinzialblätter heraus.
Als er noch Student war, gewann er schon seinem romantischen Gedichte: Olfried und Lisena die öffentlich ausgesprochene Theilnahme Goethe’s. Im Jahre 1822 erschien von ihm eine Sammlung jugendlicher Poesieen. Seine Künstlergeschichten: Norica (1827) — und: Die Chronik s. Vaterstadt vom Florentiner Ghiberti, 2 Bd. (1833) haben großes Aufsehn gemacht. Die kunstwissenschaftlichen Vorträge, welche er in K. zu halten pflegt, versammeln das ausgewählteste Auditorium. — Doch all’ seine ernsten Studien haben nie vermocht, den Drang nach der Theaterwelt, der in ihm sich regt, zu unterdrücken. Es ist ihm stets Bedürfniß gewesen (wovon auch dieser Brief, der einzige in Tieck’s Sammlung vorgefundene, zeugt), sich an dramatischen Schöpfungen zu dilettiren. Den sprechendsten Ausdruck nun und nimmer absterbender Vorliebe für das Bühnenwesen im höheren Sinne, giebt seine vor einigen Jahren erschienene „Geschichte des Königsberger Theaters,“ welche in einem starken Bande eine große Masse schätzbarsten Materials mit seltenem Fleiße und strenger Gewissenhaftigkeit darbietet.
Wer den vortrefflichen Mann persönlich kennt, muß ihn auch lieb haben.
Königsberg, 5. Nov. 1837.
Hochwohlgeborner,Hoch zu verehrender Herr und Gönner!
Zu oft und gern vergegenwärtige ich mir das Wohlwollen, dessen Ew. Hochwohlgeboren mich würdigen, als daß ich länger dem Drange widerstehen kann, in diese Zeilen eine ganz ergebenste Bitte einzuschließen. Um dem Vorwurf der Unbescheidenheit zu begegnen, wenn gegenwärtige Sendung unmittelbar einer andern folgen sollte, sey mir eine kurze Erörterung gestattet. Vor geraumer Zeit erbot sich mir ein hiesiger Buchhändler ein Manuscript sicher nach Dresden an einen Freund zu befördern, der dasselbe Ew. Hochwohlgeboren einhändigen sollte. Mit nicht geringem Verdruß erfahre ich von ihm, daß das Manuscript verloren gegangen seyn müsse, da er bis jetzt vergeblich auf den Empfang gewartet. Zu schmerzlich war mir der Gedanke, der Erlaubniß, meine dramatischen Dichtungen dem ersten Dramaturgen vorlegen zu dürfen, nicht froh werden zu können. Daher entschloß ich mich, eines meiner älteren Stücke abschreiben zu lassen und zwar dasjenige, das sich zur Darstellung auf der Bühne eignen dürfte, um es in Stelle des verschollenen der Prüfung von Ew. Hochwohlgeboren zu unterwerfen. Den Stoff liehen mir die russischen Volksepopöien, die unter dem Titel: „Fürst Wladimir und dessen Tafelrunde“ anonym vom Hofrath Busse in einer gefälligen Uebersetzung herausgegeben sind. Möchte es mir gelungen seyn, durch Hervorhebung des naiv humoristischen Elements den Sagen dramatische Bewegung und Einheit gegeben zu haben! Mag der schriftstellerische Versuch bewähren, wie gern ich von je her auf die Worte des Lehrers schwöre: „Wie die jetzige und künftige Zeit mit ihren besten Bestrebungen schon im Shakspear liegt, so sollen wir uns eben darum von hieraus entwickeln und Natur, Wahrheit und Kunst finden.“
Neuerlichst ist von mir in dem vonDr.Reumont herausgegebenen Jahrbuch: „Thalia“ eine Uebersetzung von Polizians Orfeo im Druck erschienen. Merkwürdig war es mir, in diesem ältesten italienischen Drama als Scenerie den Balkon im Hintergrunde der Bühne zu finden, von dessen Existenz mir nur in den französischen Stücken bis jetzt kein Beispiel vorgekommen ist.
Eben ist das Gastspiel der Madame Crelinger mit ihren beiden Töchtern auf hiesiger Bühne beendigt. Ausgezeichnet und vollendet erschien mir die tragische Künstlerin als Katharina in den Günstlingen, als Sappho und Gräfin Orsina.
Mit der gehorsamsten Bitte, mich Ihren Fräulein Töchtern angelegentlichst empfehlen zu wollen, habe ich die Ehre mich mit der ausgezeichnetsten Hochachtung zu unterzeichnen als
Ew. HochwohlgeborengehorsamsterA. Hagen.
Ew. Hochwohlgeboren
gehorsamster
A. Hagen.