Geb. am 19. Februar 1780 zu Schmiedeberg in der Uckermark, lange Zeit Professor der deutschen Sprache und Litteratur an der Universität in Breslau, starb 1856 als solcher in Berlin.Von der ersten Edition des Nibelungenliedes (1810) bis zum Tode in hohem Alter, ist sein Leben bezeichnet durch eine lange Reihe rühmlicher Werke im Gebiete altdeutscher Philologie und Poesie. Sein Fleiß im Fördern und Schaffen läßt sich an Bedeutung nur vergleichen mit seiner vielseitigsten Theilnahme und reinsten Begeisterung für alles Große und Schöne im Reiche der Wissenschaften und Künste. Zugänglich, mittheilsam, liebenswürdig im persönlichen Verkehr brachte er durch sein Erscheinen überall Heiterkeit und regen Frohsinn mit.
Geb. am 19. Februar 1780 zu Schmiedeberg in der Uckermark, lange Zeit Professor der deutschen Sprache und Litteratur an der Universität in Breslau, starb 1856 als solcher in Berlin.
Von der ersten Edition des Nibelungenliedes (1810) bis zum Tode in hohem Alter, ist sein Leben bezeichnet durch eine lange Reihe rühmlicher Werke im Gebiete altdeutscher Philologie und Poesie. Sein Fleiß im Fördern und Schaffen läßt sich an Bedeutung nur vergleichen mit seiner vielseitigsten Theilnahme und reinsten Begeisterung für alles Große und Schöne im Reiche der Wissenschaften und Künste. Zugänglich, mittheilsam, liebenswürdig im persönlichen Verkehr brachte er durch sein Erscheinen überall Heiterkeit und regen Frohsinn mit.
Breslau, d. 12ten März 1813.
Theuerster Freund;
bloß meine Saumseligkeit ist schuld, daß ich Ihnen nicht schon längst von hier aus geschrieben und die mir so gütig geliehenen Sachen geschickt habe; und ich will mich nur mit dem allgemeinen Geschick der Briefe entschuldigen, welche meist mit einer Entschuldigungsformel, wovon auch diese hier nureine der unzähligen Variazionen ist, anheben müssen. Meine Gesinnung hat sich mit dem Ort keinesweges geändert, wie die häufigen Unterhaltungen mit meinen und Ihren hiesigen Freunden über Sie und Ihre Werke bezeugen könnten, wobei wir immer auf einen baldigen Besuch von Ihnen selber gehofft haben. Bei meiner Herreise war es allerdings meine Absicht, Sie heimzusuchen, und ich freute mich recht darauf, aber leider waren Sie damals gerade von Ziebingen abwesend, und ich hatte nur das Vergnügen die Gegend Ihres Aufenthalts kennen zu lernen. — Hier haben mich zum Theil die neuen Verhältnisse und die Bibliothekgeschäfte etwas von meiner sonstigen Lebensweise abgezogen, doch kehre ich stäts dazu zurück, und nach der baldigen Aufstellung der Bibl., deren allmälige Entstehung mir auch Freude macht, hoffe ich wieder volle Muße zu haben. Ich denke noch oft an das Heldenbuch, wozu wir uns verbinden wollten, und habe mancherlei dazu vorgearbeitet. Wie steht’s nun mit Ihnen? Denken Sie auch noch daran? Mit herzlichstem Dank sende ich Ihnen die Ravenna-Schlacht zurück, die ich eben nochmal durchgelesen. Die Arbeit hat ganz meinen Beifall, und ich wünsche nichts mehr, als daß Sie solche recht bald vollenden, und das dazu gehörige Gedicht von Dietrichs Flucht ebenso darstellen. Ich wollte dann den Otnit und Wolfdietrich nach der Dresdener Hds. und den (ungedruckten) großen Rosengarten dazu geben; vielleicht bearbeiteten Sie dann auch noch den kleinen Rosengarten und den Rother. Lassen Sie mich doch hierüber recht bald etwas von Ihnen wissen. Das Original der Ravennaschlacht erlauben Sie mir gütigst noch einige Zeit; sobald Sie es wirklich gebrauchen wollen, erhalten Sie es ungesäumt. Jetzt aber frage ich noch an, ob Sie den genauen Abdruck desselben in dem 2ten Bde. der Samml., von welchem ich Ihnen die Ankündigung zur gefälligen Beförderung beilege, gütigst verstatten wollen. Hoffnung habe ich, wie Sie sehen,schon dazu gemacht; und meine freundliche Bitte darum füge ich hier hinzu. Ihrer Bearbeitung kann dieser Abdruck gar keinen Eintrag thun; und es versteht sich, daß das Honorar dafür, das Reimer freilich nur in Büchern giebt, Ihnen zu Gute kömmt. Geben Sie mir aber doch baldigst Bescheid, indem der Druck bald nach Ostern beginnen soll. — Ich bin auch sonst hier nicht säumig gewesen: die Edda-Lieder und Sagensamml. (welche ich Ihnen beilege) und die Fortsetzung des Museums sind erschienen, und eben lasse ich eine vollständige Uebersetzung der Wilkina- und Niflunga-Saga drucken, worauf dann die übrigen Nordischen Sachen über unsern Fabelkreis, übersetzt folgen sollen. Diesen Kreis vollständig zu bearbeiten in Original und Nachbildung, halte ich für meine eigentliche Aufgabe und liebsten Beruf, wenn ich mich nicht täusche; und bald werde ich alles beisammmen haben. — Ich gebe auch manche kleine Aufsätze in die hier schon im 2ten Jahr durch Gräter und Heinze erscheinende Alterthumszeitung Iduna und Hermode, in welcher zwar Kraut und Rüben durcheinander steht, die aber doch erfreulich ist, und Theilnahme verdient, zu welcher ich auch Sie auffordern möchte. Sie haben gewiß noch viele Nachrichten und Auszüge von Römischen Hds., welche hier willkommen und heilsam sein würden; theilen Sie also mit, und lassen auch hier Ihren Namen eine Zierde sein. — Ihr Frauendienst, und vor allen der Phantasus, ist uns diesen Winter eine rechte Erquickung gewesen, und die Gespräche darin haben uns Sie recht vergegenwärtigt, und unerschöpflichen Stoff zu neuen Gesprächen gegeben. Solgern habe ich mit der Stelle von dem Freund mit der Pfeife, und den aristophanischen Parodien im Däumchen geneckt; das Sonnet im gestiefelten Kater aber unserer verehrungswürdigen grauen Katze vorgelesen, worauf sie sich den Bart geputzt hat. Sie würden sich wundern, wenn Sie herkämen, dieselbe Grisette zu finden, obgleich es eine ganz andre, hier erst aufgezogene ist. Schon deshalb sollten Sie bald einmal herkommen. Jetzt ist hier freilich alles im Aufruhr und eine fürchterlich-schöne Zeit: ein so allgemeiner Aufstand der Gemüther und Kräfte für Vaterland und Freiheit, ist ein Stolz unserer Tage, der uns über uns selbst erhebt, aber zugleich mit großer Ergebung erfüllt; alles ist in der höchsten Spannung, und in den nächsten Tagen muß es losbrechen, und dann werden auf lange Zeit für uns die blutigen Würfel fallen. Steffens That wissen Sie; er kann von großer Wirkung in diesem Volkskriege sein durch seine wahrhafte Begeisterung, und das große Opfer, welches er bringt. — Auch Fouqué kam in diesen Tagen mit 80 Mann hier an, und geht wieder zu seinem alten Regiment: es ist Volker der Spielmann, der jetzt den Fiedelbogen mit dem Schwert abwechselt; ich habe ihn ermahnt, den Französischen Hunden wacker zum Tanz aufzuspielen; und er wollte mich durchaus mithaben, eingedenk des Verses: „Hagene und Volker geschieden sich doch nie“ aber noch habe ich keinen Beruf und gehöre zur Landwehr. Es muß freilich eine herrliche Lust sein, die Franzosen zu jagen und zu schlagen. An Kriegsdienern fehlt es uns schon nicht, und es sind einige sehr gute darunter. Der Himmel gebe nun seinen Segen! — Viele Grüße an Burgsdorf und andre Freunde, und von meiner Frau an Sie. Behalten Sie mich lieb, und schreiben mir auch wieder, sobald es sein kann. Leben Sie wohl und gesund.
Ganz der IhrigeF. Hr. v. d. Hagen.
Ganz der Ihrige
F. Hr. v. d. Hagen.
Noch lege ich eine Aufforderung bei, die eigentlich von Büsching herrührt und für sich selbst spricht, und der ich überall so patriot. Theilnahme wünsche, wie hier.
Breslau, d. 9ten Juni 1815.
Verehrtester Freund;
Herzlichen Dank für Ihren lieben Brief, der mich Ihres Wohlseins und Ihres Andenkens versichert. Den Ueberbringer desselben kannte ich schon, da ich vorigen Sommer mit ihm von Ziebingen aus, glaube ich, auf der Post zusammengefahren war, und wir uns bald aufgefunden und besonders an Ihnen einen lieben Vermittler näherer Bekanntschaft hatten. Ich denke, er befindet sich jetzo recht wohl hier, da er so ganz unter Freunden und Verwandten lebt, und so lieb gehalten wird, wie er es verdient. Ich sehe ihn oft, und er ist auch mein Zuhörer in den Nibelungen. Ihre Idee wegen eines Freibillets zum Theater war und ist leider unausführbar, da das Ganze in den Händen der Kaufleute ist, und Rhode, wenn er auch gewollt, nichts darin ausrichten konnte. Ich habe also lieber gar keinen Schritt dazu gethan: doch hatte ich es zuvor mit Raumer überlegt. — Endlich, liebster Fr., erhalten Sie nun auch, mit herzlichen Dank, Ihre Handschr. zurück. Die Kollation hat zuletzt noch etwas aufgehalten. Es freut mich, dass nun Ihr Heldenbuch auch vorrückt (mit so viel andrem, wie ich höre, und worauf wir alle uns so sehr freuen). Wie ist es denn aber nun: wollen Sie meine Beiträge noch, die wir damals verabredet? denken Sie doch auch an Zurückübergabe des Waltharius Aquitan. im Nibelungen Vers. Nächstens erhalten Sie auch Ihr Ex. der Nibel. wieder, welches ich eben noch vergleiche, ob ich auch nichts übersehen in der Hds. selber. Dabei soll dann auch die Volsunga-Saga übersetzt folgen, die noch beim Buchbinder steckt. Diesmal lege ich aber noch die Uebers. der Eddalieder bei, wovon Sie vermuthlich doch schon die Urschrift von mir haben. Möge Ihnen das Büchlein gefallen. Mit noch einem solchen Hefte will ich dann die Nord. Seite dieses Zyklus vor der Hand beschließen, undwende mich wieder recht mit neuer Lust und aller Liebe zu den deutschen Dichtungen. — Nächstens mehr: am besten wäre, Sie kämen her und machten das todte Schreiben ganz überflüssig, und läsen uns überShakspeare und kein Ende(so hat Göthe einen Aufsatz im Morgenbl. überschrieben, den Sie lesen müssen). Behalten Sie mich lieb, so wie ich Sie von ganzem Herzen. Meine Frau grüßt beßtens, sie sitzt eben zwischen 2 treffl. Katzen, die Sie ja bald sehen müssen. Leben Sie recht wohl und gesund, und lassen bald von sich hören, sei’s geschrieben, gedruckt, oder am liebsten, gesprochen. —
Ihr treuerF. Hr. v. d. Hagen.
Ihr treuerF. Hr. v. d. Hagen.
Reimer will allerdings für den Abdr. der Urschrift, den Sie gütigst verstattet, Honorar geben, aber nur inBüchern: in diesem Jahre möchte der Druck auch kaum beginnen.
Breslau, d. 20sten Jan. 1818.
Theuerster Freund;
Ich denke, besser spät als nie: darum komme ich heute noch mit dem Ortneit, ober etwa noch zu der Sammlung Altd. Gedichte zu rechter Zeit kömmt. Zuvor aber ist die Frage, ob er auch dazu paßt. Ich habe ihn nochmals ganz umgeschrieben (daher die Zögerung), in der Art, die ich jetzo für solche Arbeiten gut halte; und bitte Sie nun, mir recht bald zu sagen, ob Sie das Lied so gebrauchen können; worauf denn auch der Wolfdietrich, der genau dazu gehört, bald folgen soll. Finden Sie zu große Verschiedenheit, so senden Sie mir die Handschrift zugleich zurück. Ich meine aber, es kömmt bei solcher Sammlung nicht so sehr auf Gleichartigkeit an.
Dabei erhalten Sie die längst schuldige Wolsunga-Saga, vielleicht auch bald die Ragnars- und Nornagest’s-Saga. Möge Ihnen, dem trefflichsten Verdeutscher, mein Deutsch nicht ganz mißfallen. Die ebenfalls beifolgenden Psalmenbitte ich als eine kleine Zugabe anzunehmen: für die Sprache sind sie gewiß sehr wichtig. Sie gehören auch in die Reihe meiner Arbeiten, die Sie doch alle haben müssen; weil ich mir keinen liebern Leser zu denken weiß. So haben Sie gewiß auch kaum einen theilnehmenderen Leser, als ich bin: und eben habe ich durch Reimer ein großes Pack Ihrer Bücher erhalten, worunter das deutsche Theater mich höchst anzieht, aber noch beim Buchbinder ist. Den Fortunat dagegen habe ich alsbald meiner Frau (die Sie herzlich grüßt und mich recht oft nach Ihnen frägt) vorgelesen, und jeden der Abende freuten wir uns ordentlich kindisch auf die Fortsetzung, und wollten am Ende gern noch mehr hören. Ihre unsichtbare Nähe ist darin gar zu anziehend. — Nun haben wir doch bald den Shakspeare zu hoffen?
Hiebei eine Bitte für meinen Verleger Max, der gar zu gern etwas von Ihnen zu drucken wünscht. Er ist ein sehr guter Mensch, der gebildeteste der hiesigen Buchhändler, und verehrt Sie höchlich, und wird dabei auch gut honoriren. Haben Sie also Kleinigkeiten, etwa Märchen, Erzählungen, so würde vielleicht Steffens und auch ich (wenn ich darf) etwas unter Ihre Flügel geben. Vor allen wünschte Max auch wohl das poetische Kartenspiel zu einem Kartenalmanach zu übernehmen. Sie wünschten es damals auch, und wollen Sie noch, so senden Sie es recht bald, und Ihre Bedingungen dabei: aberbaldmuß es sein, da bekanntlich die Almanache noch Bode’s astronom. Jahrbücher einzuholen drohen. Auch hatte Max von einem FreundeKleist’svor etlichen Jahren schon das Versprechen seines Nachlasses: wollen Sie ihm denselben überlassen, so würde er ihn auch gern nehmen.
Von meinen Arbeiten berichtet zum Theil die Beilage: dasHeldenbuchscheint mir das nächste und wichtigste. Es kommen zu den genannten Stücken nun noch aus der einzigen Wiener Hds.DietliebundBitrolf, ganz in der Art undReihe, wie Dietrichs Flucht; und vor allenChautrun, in der Stanze und Länge der Nibel. (die auch in der Hds. sind), und scheinbarGudrun; ihr Vater istHagen, ihr BewerberHettel, und doch eine ganz verschiedene Fabel, Nord., nämlich zum Theil die Eddaische vonHögni,Hildeund Hedin. Dabei im Ausdruck, Darstellung auffallend den Nibel. ähnlich und wol nachgebildet, obgleich manchmal als Vorbild erscheinend, — und gewiß das trefflichste nächst jenem höchsten der Lieder. — Nächstens mehr davon. Leben Sie recht wohl und gesund, empfehlen mich allen lieben Ihrigen und allen Freunden in Ihrem Zauberschloß und behalten mich lieb.
Der IhrigeF. Hr. v. d. Hagen.
Der Ihrige
F. Hr. v. d. Hagen.
Breslau, d. 17. März 1818.
Verehrtester Freund;
Entschuldigen Sie gütigst, daß ich nicht eher geantwortet habe: ich gedachte Ihnen zugleich allerlei mitzuschicken z. B. der Wolfdietrich, aber er ist leider noch nicht fertig. Dann waren auch in Ansehung der literar. Aufträge noch allerlei Erkundigungen nöthig; ich antworte aber jetzo, so gut ich kann.
Zuförderst ist Max sehr geneigt, aufalleihre Plane einzugehen; nur sind noch einige Schwierigkeiten.
1) Die Karten, die mir und meiner Frau und meinen Zuhörern, denen ich sie als besten Kommentar der Nibel. gezeigt, ungemeine Freude gemacht, habe ich an Max für die gefoderte Summe von 10 Friedrichsd. von Gold verkauft. Es frägt sich aber zuvor, ob Sie mit der Art der Bekanntmachung zufrieden sind. Sogleich ein wirkliches Kartenspiel darnach machen zu lassen, würde großen Aufwand und viel Zeit erfodern, da es doch würdig geschehen muß. Der Vorschlag ist also eine Farbe und Heldenreihe nach der andernin einem taschenbuchartigen Bilderbuche auszugeben, neben einer kurzen Darstellung des jedesmaligen Sagenkreises in besonderer Beziehung auf die gewählten Helden. Artus soll den Reigen anheben und Karl beschließen. Und diese Erzählung am liebsten selber zu übernehmen, oder doch anderweitig zu genehmigen, ist nun die Anfoderung. Sind auf diese Weise alle 4 Reihen da, so können die Platten auch noch durch Hinzufügung der Kartenzeichen zu einer Ausgabe des Ganzen als ursprüngliches Kartenspiel (ähnl. den Cotta’sch. Kartenalmanachs) angewendet werden, zu welcher Sie das dazu erfundene Spiel mittheilen und auch Tod und Teufel hergeben müßten. Ein geschickter und sinniger ZeichnenlehrerSchallist endlich glücklich zur Ausführung gefunden und übernimmt sie mit Liebe: seine Schüler sollen sie unter seinen Augen nach einem eigenen neuen Muster ausmalen. Ich denke mir die Lust der Jugend dabei: die Alten müssen bei diesem Spiel auch wieder jung werden. Dieß ist vielleicht der angenehmste Weg, alle für das vaterl. Alterthum zu gewinnen. So klein die Bilder sind, so sind sie im großen Styl und bekunden den Bildhauer, den Helden unter den Künstlern; und für die alten Helden und Heldinnen sind sie wahrhaft typisch: und daran haben wol beide Brüder gleichen Antheil.
2) Die Sammlung Altenglischer Schauspiele, so ist dieß wol ein Unternehmen, das den Verleger Ihres zu hoffenden Werkes über Shakspeare zunächst angeht, da es als Schule und Beispielsamml. dazu dienen soll. Haben Sie nun wegen des letzten schon anderweitig (etwa mit Reimer) unterhandelt? Und vor allen ist noch die Frage, soll diese Samml., wie Ihr Altengl. Theater, inUebersetzungoder in der Ursprache erscheinen? Darüber ist Ihr Brief dunkel; ich vermuthe das erste, und dazu wäre Max geneigter, als zum letzten: das Werk über Shakspeare, worauf wir alle schon so lange harren, müßte aber dabei sein.
3) Wegen der Englischen Romane ist nachgeforscht worden, ob sie schon übersetzt sind, bis jetzo aber nichts davon bekannt: und Max ist sehr willig dazu; nur wünscht er, daß Sie etwa kleine Vorrede oder Anmerkungen mitIhrem Namendazu geben, oder noch lieber als Herausgeber aufträten. Wer ist denn der Uebersetzer? Er soll verschwiegen bleiben.
4) Auch die Tieckisch-Solgerische Zeitschrift will Max gern in der verlangten Art übernehmen; nur wünscht er, daß erst zuMichaelisdas erste Stück erscheinen möchte. Es sollte mir sehr lieb sein, wenn es hier erschiene, und gern will ich auch etwas beisteuern, in so lieber Gesellschaft zu erscheinen: ich mißtraue mir nur, etwas würdiges dazu liefern zu können. — Wenn Solger in den Ferien zu Ihnen kömmt, oder gar schon dort ist, so können Sie ja wohl alles vorbereiten und einleiten. Grüßen Sie ihn herzlich von mir, und nächstens würde er die versprochenen Bücher bekommen. Wie gerne wäre ich auch in diesen schönen Tagen, die wahre Frühlingsboten sind, bei Ihnen in Ihrem Zauberschlosse!
Besprechen Sie doch auch mit Solger die Ausgabe derKleistischen Werke, weshalb ich schon an Sie beide auch für Max geschrieben. Es ist endlich Zeit, daß dieser Edelstein erkannt werde.
5) Endlich, die Sammlung von Erzählungen, Novellen, Mährchen, Schauspielen, was es sei, so ist von Ihnen alles willkommen (z. B. auch dieganzeDonaunymphe, wovon der herrliche Anfang in der Sängerfahrt). Sie sollen, wie sich versteht, an der Spitze stehen. Steffens hat einige Mährchen oder Erzählungen (z. B. die, woraus Schellings Darstellung in Terzinen herrührt) dazu versprochen; aber es ist unsicher, da er jetzt mit den Zerrbildern der Zeit beschäftigt ist; in welche sich jetzo die Turnfehde einmischt (durch Passow’s Turnziel). Dann giebt Raumer einige geschichtl. Schaustücke; und ich werde mit einigen ganz bescheidenen Mährchen hinterdrein kommen. Wegen des Honorars wünscht Max, Sie möchten für das Mskpt. einen runden Preis annehmen, da er es in sehr kleinem Format drucken will, und nicht wie den, auch zu großen, Phantasus, den Sie als Norm genommen: oder 2 Louisd. für einen solchen kleinen Bogen annehmen. Schicken Sie nur recht bald alles was Sie irgend haben und geben wollen. Max wird es alsbald honoriren. Auch antworten Sie recht bald auf alles: am besten, Sie thun beides zugleich.
Bald hoffe ich den Wolfdietrich zu bezwingen. Jetzo sitze ich tief in meinen Reisepapieren, die zu redigiren: ich liefere dazu ein Urkundenbuch aller Denkmale des Mittelalters, die ich unterwegs gefunden und gesammelt. Auch beginnt nun endlich das große Heldenbuch in der Ursprache (vonGudrunhabe ich Ihnen wohl schon geschrieben?), da Reimer endlich das Papier dazu sendet. Der Druck geschieht hier. Schreiben Sie mir doch, was Ihnen von meinen Büchern noch fehlt, und es fliegt sogleich zu Ihnen. Nun liebster Freund, leben Sie wohl und gesund; meine Frau grüßt Sie herzlich. Behalten Sie mich lieb.
Der Ihrigstev. d. Hagen.
Der Ihrigste
v. d. Hagen.
Breslau, d. 9ten Jan 1819.
Mein theuerster Freund;
Ich bin in langer Briefschuld gegen Sie, und habe sie selbst ins neue Jahr mit hinüber nehmen müssen: ich habe aber dafür desto mehr an Sie gedacht, indem ich mich immer daran gemahnt habe. Unterdessen haben Sie zwei Bände gedruckter Briefe von mir erhalten, die ich allerdings auch mit an Sie geschrieben habe. Ich hatte große Scheu, sie herauszugeben, und bin auch noch sehr besorgt, daß viel Dummesoder Unbedeutendes darin stehen geblieben, und fürchte mich insonderheit vor Ihrem durchschauenden Blicke. Aber nun ist’s einmal geschehen, und Sie bekommen bald einen dritten, ja noch einen vierten Band. Warum haben Sie Ihre Reisebriefe noch nicht herausgegeben? die würden mich gewiß abgeschreckt haben, meine drucken zu lassen. Ich bin so in das Kunstlabyrinth hinein gerathen, daß ich noch nicht weiß, wie ich wieder herauskommen soll: indessen gefällt es mir sehr darin, und ist auch wohl kein bloßer Durchgang. Am liebsten ist mir dabei, daß ich auch hier meinem Herzen genugthun und Ihrer (in München) so gedenken konnte, wie es Ihnen hoffentlich nicht mißfallen hat. Von Ihrem trefflichen Bruder wird noch in Pisa und Carrara die Rede sein; mit seinem treuen Rauch habe ich mich schon mit Vergnügen an unser nur zu kurzes Beisammensein erinnert. Seine und Ihre schöne Karten sind immer noch in meinen Händen; wären Sie mir nicht so lieb, so hätten Sie sie schon längst wieder; ich kann immer ihre Bekanntmachung noch nicht aufgeben, und sie wäre gewiß schon zu Stande, wenn der hiesige treffliche Buchdrucker Barth, der eine geschickte Steindruckerei hat, nicht kürzlich gestorben wäre. Ich stehe aber mit seinen Erben noch deswegen in Unterhandlung, und bitte nur noch um eine kurze Frist: ich hoffe das Geforderte gewiß für Sie zu erhalten. — Sodann, wie stehts mit den Mährchen oder Erzählungen für Max? er verlangt heißhungrig darnach, und ich bitte mit ihm recht sehr darum. Steffens (der Sie bei der Durchreise doch wohl sehen wird) hat seine Beiträge sicher versprochen, wenn Sie vorangingen, und ich gebe auch einiges von Novellen oder Erzählungen dazu, wenn Sie mich nicht verschmähen: Sie müssen aber der Herausgeber sein, und mich unter ihre Federn und Flügel nehmen. — Im Herbst bin ich in Wien gewesen, mit vielem Nutzen und Vergnügen, bedaure aber höchlich, dadurch meinen lieben Solger hier nicht gesehen zuhaben. Wien ergänzte meine bisherigen Wanderungen in Deutschland: es ist herrlich, das Volk still vergnügt, der Stephan in gewisser Rücksicht vollkommener als der Freiburger und Straßburger Münster, und die Bildergallerie erstaunlich: wer sie nicht gesehen, kennt den Dürer nicht, und seine Anbetung der Dreieinigkeit kann neben Eick und den andern Boissereeschen Bildern bestehen. — Dann machten wir (meine Frau mit) die Nibelungenfahrt aufwärts bis Linz, besuchten in Pechlarn den milden Markgrafen, — und reisten über Mölk und andere gastliche Abteien bis auf den herrlichen Traunsee — und über das reiche Prag heim. Nun habe ich freilich wieder alle Hände voll zu thun und nachzuholen: die Briefe, die große Samml. des Heldenbuchs, die eben im Druck beginnt (die Originale: was macht unsre Bearbeitung?), die neue Asugabe der Nibelungen, und Tristan; — es wird freilich immer weniger fertig als man denkt; aber die eigentliche Lust ist ja das Machen, Entwerfen, — nicht das Fertige. — Meine Frau grüßt beßtens, und ich alle die lieben Ihrigen und Freunde in Ihrem Zauberschloß. Behalten Sie mich lieb, und antworten auch einmal
Ihrem treuenHagen.
Ihrem treuen
Hagen.
Breslau, 17. Septbr. 1822.
Verehrtester Freund;
Sie werden mich sehr undankbar schelten, daß ich nach so viel empfangener Gastfreundschaft seit Jahr und Tag nichts habe von mir vernehmen lassen. Aber Sie wissen wohl, der Mensch ist eine undankbare Creatur, und ich will mich durch nichts anders entschuldigen, als daß ich noch immer hoffte selber wieder in das jetzo für mich so vielfach anziehende Dresden zu kommen. Leider ist dazu jetzo Aussicht und Jahrszeitvorüber, und ich sende nur durch Freund Holtey den herzlichsten Gruß und diesen schwarzen Dank für so viel Gutes, Schönes und Liebes, das ich durch Sie und Ihren Zauberkreis genossen und noch daran zehre. Kurz gedenke ich nur, daß ich die Heimkehr glücklich nach meinem Sinne, der auf Abweichung gefaßt war, vollführt, — über die Basaltburg von Stolpen nach Rumburg, dann zu Fuß nach Zittau, auf die Felsenburg des Oybin, über die Basaltburg des Friedländers (dessen wahres Bildniß dort zu sehen) und Kloster Haindorf in das heimliche Liebwerda, dann bergauf über die weit ins Flachland schauende Tafelfichte (wenn es nicht eine märchenhafteTeufelsfichte, wie ich auf der Karte fand) und die Iserkämme, nach Flinsberg, und so wieder am Fuße des Gebirges hin nach dem Warmen Bronnen, der mir ein Jungbronnen sein sollte: aber es war anders beschlossen, und kaum vom halbnächtlichen Marsche ausgeruht, trat Steffens herein und wiegelte mich mit seinen mineral. Studenten zu einer Gebirgsfahrt auf; und abermals giengs hinauf, über den abgesperrten Kochelfall, auf den Riesenkamm, zu der stürmischen Sturmhaube, den schneelosen Schneegruben, deren Basalte wir jedoch nicht erklimmen konnten, zu den Elbquellen, die wir Ihnen nicht zurückhalten wollten, zu den Gebirgsseen, endlich hinauf zur Koppe und Kuppel des ungeheuren Doms, wo uns im Scheine der Morgensonne auf die Schneefelder der Wolken gegen Böhmen hin, noch das leibhafte Rübezahlgespenst und Gespinst, in den vom Sturme ausgezogenen und nach dem schönen Schlesischen Thale gewehten Wolkenflocken mit seiner wilden Jagd auf dreibeinigen Rossen (unsere Schatten mit dem Wanderstabe) erschien, und uns sogar noch mit runden Regenbogen und Heiligenscheinen auf jenem Wolkenschnee verblenden wollte: wir aber stiegen getrost hinauf zur Kapelle und beteten an, nicht den Teufel, obwohl den der uns die Herrlichkeit seiner Welt aufthat. Wir mußten freilichwieder hinunter, stiegen noch in ein Bergwerk, und blieben in Schmiedeberg, wo uns die Studenten mit Stadtmusik ein Vivat zur glückl. Beendigung der Bergfahrt ausriefen; ruhten am Sabbath bei den gastlichen Alberti’s; dann wir (Proff. mit York) weiter über Landshut und das merkwürdige Grüssau nach Adersbach, dem versteinten Breslauer Wollmarkt und der Spottlarve der Sächs. Sandsteinschweiz: weiter nach dem neufreundl. Cudowa, wo mehre Collegen sich verjüngen wollten, aber sich fortzankten; und nun zurück über die Heuscheur (die ernsthafte Fortsetzung von Adersbach) und schöne Bergmauern, Braunau, das lachende Thal von Tannhausen, nach Charlottenbrunn und dem freundlichen Waldenburg, — wo mehrtägige Ruhe bei den gastlichen Alberti’s, Durchfahrt des Berges (wie Herzog Ernst) im Altwasser Steinkohlen-Werk, Alberti’s treffl. Spinnmaschiene, die herrl. Burg Neuhaus, des frommen Greises Waagen schöne Bildersamml. und dort eine Nachmittagspredigt unsers gottbegeisterten Scheibel, welche uns alle in Thränen auf die Knie warf, bis der Vollmond uns heimleuchtete. — Zum Uebergange in die gute Stadt Breslau war ein fröhliches Mahl in Fürstenstein. — Und seitdem sitze ich nun noch hier, und lese und schreibe und bin fröhlich und guter Dinge, auch leidlich gesund seit dem Luft-Bade. Der Tristan ist zwar abermals in der Geburt unglücklich gewesen und verbrannt — eine etwas zu starke Rezension — steigt aber wie ein Phönix aus der Asche. Die Niebel.-Uebersetz. 2te Ausg. erscheint bald in Frankf. a. M., das Heldenbuch Bd. 2 hier, und die Heldenbilder, soweit sie fertig, anbei: der Schluß nächstens. Viele Grüße an alle die lieben Ihrigen und an Raumers; diesen schreibe ich nächstens besonders: heute nur, daß heute Middeldorpf abermals sein Magnifiker College geworden. Steffens ist in Berlin. Herzlich Lebewohl.
Der Ihrigstev. d. Hagen.
Der Ihrigste
v. d. Hagen.
Sylvester1843.
Verehrtester Freund;
Mit den herzlichsten Wünschen zum neuen Jahre, sende ich im alten noch den wackern Bucher zurück, der mich und die Meinigen (katholischen) ebenso ergetzt als erstaunt hat durch die ungeheure Derbheit und Freiheit. — Zugleich bin ich so frei, Sie an Ihr gütiges Versprechen eines Beitrages zur Germania Bd. 6 zu erinnern (Bd. 5 habe ich Ihnen doch gebracht?). Wollten Sie mir das Musik-Heft mit denerstengedruckten Liedern Wolfgangs durch Ueberbr. auf einige Tage anvertrauen, so würde ich die Lieder ausschreiben, welche Sie mit einer kleinen Vorrede begleiten wollten. Ich möchte gern, wie bisher, in jedem BandeNibelungenundGötheals Anfang und kein Ende haben. — Von ganzem Herzen
Der Ihrigev. d. Hagen.
Der Ihrige
v. d. Hagen.
Berlin, 1. Sept. 1844.
Verehrtester Freund;
Ich hatte von Tage zu Tage gehofft, Beikommendes selber zu überbringen, aber der naßkalte s. g. Sommer, der überall nicht nur die Schleusen des Himmels, sondern auch die Brunnen der Tiefe aufgethan, benimmt alle Lust, auszufliegen; und überdies hat eine dicke Backe mich fast 8 Tage im Zimmer gefangen. Ich wünsche, daß es Ihnen und der gnädigen Gräfin dort im Grünen recht wohl sein, und Ihnen zunächst das Göthesche Liederbuch in beider Gestalt gefallen mag. Verlangen Sie etwa eine Anzahl Abdrücke der besondern Ausgabe, so geben Sie mir einen Wink und ich besorge sie. Auchdie übrigen Gaben der Germania wünschen Ihren Beifall. Meine Untersuchung der Quellen des Faust (die Sie doch gewis auch nicht in England suchen) hätte ich Ihnen gern vor dem Druck vorgelegt: aber die Vorlesung in der Akademie, und dann der Abdruck in Germania drängte: gewis hätten Sie aus Ihrer reichen Sammlung und noch reicheren Kunde, manches dazu freundlich mitgetheilt. Den Abdruck des Engl. Faustbuchs bei Thoms erfahre ich eben erst: es bestätigt aber wol meine Annahme, daß es eben, wie das Französische und Niederländische, aus dem älteren und kürzeren deutschen Buche (nicht Widmanns) hervorgegangen. Was sagen Sie zum Faustreimweise? daß er so ganz verschollen! —
Unser Reisende von Profession hat glücklich schon den Ohio! begrüßt, und den Niagara besungen, und ist auf der Heimkehr, der er sich sehr freut, und wir mit ihm. Offenbar ist Bruder Jonathan noch in den Flegeljahren; seine langen Beine reichen überall über den Kopf hinaus, und er spuckt scheuslich um sich als ein tabackwiederkäuender Vierfüßer. Die Weiber welken früh durch das harte Fleisch und heiße Maisbrot mit schmelzendem Fett, das sie verschlingen, und leben auf einem enormen Fuß. So lautet die letzte Schilderung des Antipoden, der sonst wohl Gefallen hat an Jemands Beinen, doch nicht an denen der Yankees. Ende October ist er wieder hier, und der Herbst wird uns Alle wieder traulich versammeln. Zuvor wünsche ich aber Ihnen, wie uns allen, noch einigen warmen Sonnenschein.
Mit herzlicher Verehrung
ganz der Ihrigev. d. Hagen.
ganz der Ihrige
v. d. Hagen.
Ich lasse eben das alte merkwürdigeHeldengedicht vom ungenähten heiligen Rock, oder König Orendel von Trier, aus der einzigen Straßb. Hds. und aus dem alten Dr. 1512,davon, außer meinem Ex., das ich aus Rom heimgebracht, nur noch eins in München bekannt ist, abdrucken, mit Einleitung: Ist Ihnen noch etwas dahin gehöriges bekannt, so steuern Sie es freundlich bei.