Geb. am 29. Nov. 1802 zu Stuttgart, gest. am 18. Nov. 1827. — Von seinen Werken gedenken wir mit besonderer Verehrung an folgende: Lichtenstein, ein Roman, 3 Bde. — Phantasieen im Bremer Rathskeller. — Mittheilungen aus den Memoiren des Satans. —Märchen(viele Auflagen). — H’s. „Sämmtliche Werke“ wurden in 36 Bändchen von Gust. Schwab herausgegeben. —Der Mann im Monde, eine Parodie Clauren’scher Manier, und die Controvers-Predigt gegen diesen Modeschriftsteller gaben Veranlassung, erstere zu einem Processe, letztere zu einer komischen Scene. Hauff war, etwa ein Jahr vor seinem Tode, in Berlin gewesen, wo er eben besagte, zwar witzige, aber furchtbar grobe, stellenweise cynische Controverspredigt in der litterarischen („Mittwochs-“)Gesellschaft vorlesen ließ. Bald nach ihm fand sich Fr.Haug, der bekannte Epigrammatist, dabei aber der sanfteste, friedfertigste alte Herr, in Berlin ein. Geheimer HofrathHeun(Clauren) bewohnte zur Zeit im Thiergarten eine Villa; was der ehemalige Berliner „Sommerplaisir“ nannte. Vor dieser saß er eines schönen Abends mit seiner Nichte auf einer an die Straße herausragenden „Altane“ beim Thee, als Haug mit einem andern Herren des Weges kam, welcher Letztere den Gast unterrichtete, daß auf jenem Holzgerüste der Autor der Mimili throne. Haug verlangte vorgestellt zu werden, der Berliner beeilte sich solchen Wunsch zu erfüllen, Clauren (etwas harthörig) verstandHauff, und schnaubte Beide von Oben herab zornig an, fragend: wie man sich eines so plumpen Scherzes zu unterfangen wage? Haug zog mit einer langen Nase, länger als die von ihm hundertfach bespöttelte „Wahl’sche“ davon.Erst am nächsten Tage ward der Irrthum aufgeklärt und Clauren stattete dem unschuldigen Stuttgarter eine Deprecations-Visite ab.
Geb. am 29. Nov. 1802 zu Stuttgart, gest. am 18. Nov. 1827. — Von seinen Werken gedenken wir mit besonderer Verehrung an folgende: Lichtenstein, ein Roman, 3 Bde. — Phantasieen im Bremer Rathskeller. — Mittheilungen aus den Memoiren des Satans. —Märchen(viele Auflagen). — H’s. „Sämmtliche Werke“ wurden in 36 Bändchen von Gust. Schwab herausgegeben. —
Der Mann im Monde, eine Parodie Clauren’scher Manier, und die Controvers-Predigt gegen diesen Modeschriftsteller gaben Veranlassung, erstere zu einem Processe, letztere zu einer komischen Scene. Hauff war, etwa ein Jahr vor seinem Tode, in Berlin gewesen, wo er eben besagte, zwar witzige, aber furchtbar grobe, stellenweise cynische Controverspredigt in der litterarischen („Mittwochs-“)Gesellschaft vorlesen ließ. Bald nach ihm fand sich Fr.Haug, der bekannte Epigrammatist, dabei aber der sanfteste, friedfertigste alte Herr, in Berlin ein. Geheimer HofrathHeun(Clauren) bewohnte zur Zeit im Thiergarten eine Villa; was der ehemalige Berliner „Sommerplaisir“ nannte. Vor dieser saß er eines schönen Abends mit seiner Nichte auf einer an die Straße herausragenden „Altane“ beim Thee, als Haug mit einem andern Herren des Weges kam, welcher Letztere den Gast unterrichtete, daß auf jenem Holzgerüste der Autor der Mimili throne. Haug verlangte vorgestellt zu werden, der Berliner beeilte sich solchen Wunsch zu erfüllen, Clauren (etwas harthörig) verstandHauff, und schnaubte Beide von Oben herab zornig an, fragend: wie man sich eines so plumpen Scherzes zu unterfangen wage? Haug zog mit einer langen Nase, länger als die von ihm hundertfach bespöttelte „Wahl’sche“ davon.
Erst am nächsten Tage ward der Irrthum aufgeklärt und Clauren stattete dem unschuldigen Stuttgarter eine Deprecations-Visite ab.
Stuttgart, 30ten März 1827.
Mein sehr verehrter Herr!
Sie erinnern Sich vielleicht, wenn Sie die Unterschrift dieses Briefes lesen, meiner noch als eines jungen Mannes der Sie während seines Aufenthalts zu Dresden zuweilen besuchen durfte. Wie gerne ich immer kam, haben Sie vielleicht gesehen; war es mir doch als ich von Dresden wegging, als sey ich nur in Ihrem Hause gewesen. Ich mache die alte Erlaubniß geltend, Sie an diesem Abend wieder zu besuchen: o daß ich den kleinen heiteren Zirkel wiedersehen, die Stimmen alle hören könnte, welchen ich so gerne lauschte! Doch eine Stimme möchte ich vor allen vernehmen: es ist die Ihrige — über mich.
Sie haben mich beym Abschied wohlwollend aufgefordert fleißig zu seyn; ich habe es versucht und wieder versucht, aber ich fand, es fehlt mir der Muth. Als ich unbekannt mit der Welt in Schwaben lebte, war ich muthig, unverdrossen; als ich Länder und treffliche Männer gesehen hatte und an Erfahrungen reicher heimkehrte, begann der Muth, das Selbstvertrauen mir zu mangeln. Nun ist der Frühling wieder über unsern Bergen aufgegangen und ich fühle mich kräftiger, wenn nicht vertrauensvoller. Doch ehe ich mich an die Arbeit wage, will ich zuvor Sie fragen, ob Sie glauben, daß es räthlich sey zu beginnen?
Ich möchte nemlich die Kämpfe in Tyrol im Jahre 1809 in den Rahmen eines Romans fassen. Ich liebe Gegend undVolk jener Berge und in neueren Zeiten scheint mir kein Bild so intereßant, als dieser Streit zwischen reinem Patriotismus und dem Ehrgefühl einer stolzen Armee, zwischen redlichen, einfältigen Sitten und den Erfindungen und Künsten der Menschen.
Ich fühle nun in mir ein Bedürfniß nach Trost und Ermunterung zu diesem Werk, und lieber laße ich das Bild in seinen ersten Umrißen, als daß ich es ohne Ihre Zustimmung beginne. Diese Bitte um ein Paar Zeilen guten Rathes könnte sonderbar und lästig erscheinen, wenn es nicht von alten Zeiten her Sitte gewesen wäre, daß die Jünger ihre Meister um Rath fragten. Auf das Urtheil öffentlicher Critik, wie siegewöhnlichheut zu Tage betrieben wird, darf ich umsoweniger hören, da sie mir zuweilen ohne Grund schmeichelte, mich zu verwunden suchte, ohne mir meine Blößen anzudeuten.
Sie wohnen zu hoch über dieser Region, als daß die Stimmen zu Ihnen drängen; Sie vernehmen sie wie ein sonderbares, undeutliches Murmeln; ob für eine einzelne, bittende Stimme aus der Ferne Ihr Ohr geöffnet sey, habe ich versucht auch auf die Gefahr hin, für unbescheiden zu gelten.
Ich wünsche Sie möchten versichert seyn, daß mich zu diesem Briefe, welchen ich zu schreiben einige Tage zauderte, nur ein offenes, redliches Herz und jene Bewunderung, jenes ehrfurchtsvolle Zutrauen bereden konnten, womit ich bin
Mein sehr verehrter Herr!Ihr ganz ergebenerDr.Wilhelm Hauff.
Mein sehr verehrter Herr!
Ihr ganz ergebener
Dr.Wilhelm Hauff.