Hebbel, Friedrich.

Geb. zu Wesselburen in Dithmarschen am 18. März 1813, gest. in Wien am 13. December 1863.Was der zweite dieser Briefe an Innigkeit des Gefühls — bei einem so exclusiven und zurückhaltenden Manne wie Hebbel zweifach bedeutsam — kund thut, das kam aus wahrem, aufrichtigsten Herzen. Zwei verschiedenere Menschen kann es auf Erden kaum noch geben, als Tieck und Hebbel ihrem Seyn, Wesen und Dichten nach gewesen sind. Dennoch erkannten sie sich und waren gerecht gegen einander. Mit tiefer Rührung pflegte Hebbel von seinem letzten Besuche bei Tieck zu erzählen, wo dieser ihm aus dem Krankenbette heraus die Hand gereicht, ihn „vor seinem Abscheiden von der Erde“ noch einmal begrüßt, und ihmLebewohlzugerufen hatte: „fürdiesesLeben!“

Geb. zu Wesselburen in Dithmarschen am 18. März 1813, gest. in Wien am 13. December 1863.

Was der zweite dieser Briefe an Innigkeit des Gefühls — bei einem so exclusiven und zurückhaltenden Manne wie Hebbel zweifach bedeutsam — kund thut, das kam aus wahrem, aufrichtigsten Herzen. Zwei verschiedenere Menschen kann es auf Erden kaum noch geben, als Tieck und Hebbel ihrem Seyn, Wesen und Dichten nach gewesen sind. Dennoch erkannten sie sich und waren gerecht gegen einander. Mit tiefer Rührung pflegte Hebbel von seinem letzten Besuche bei Tieck zu erzählen, wo dieser ihm aus dem Krankenbette heraus die Hand gereicht, ihn „vor seinem Abscheiden von der Erde“ noch einmal begrüßt, und ihmLebewohlzugerufen hatte: „fürdiesesLeben!“

Hamburg, d. 21ten April 1839.

Hochverehrter Herr!

Im Julymonat vorigen Jahres war ich so frei, Ihnen vonMünchen, meinem damaligen Aufenthaltsorte, aus ein Manuscript, enthaltend einen komischen Roman, eine Erzählung und ein Märchen, zu übersenden. Ich bin inzwischen nach Hamburg zurückgekehrt und habe Aussicht, bei einem hiesigen Buchhändler meine Arbeit anzubringen, befinde mich aber leider nicht im Besitz einer Abschrift. Ich muß Sie daher angelegentlichst ersuchen, mir das vorgedachte Manuscript gütigst sogleich remittiren und die Mühe, die ich Ihnen aus Anlaß einer sehr bedrängten Lage durch die Sendung machte, entschuldigen zu wollen.

In der Ueberzeugung, daß ich diesmal keine Fehlbitte thue, bin ich

mit der vollkommensten Hochachtung,

hochverehrter Herr,

Ihr ganz ergebensterFriedrich Hebbel,Literat.

Ihr ganz ergebensterFriedrich Hebbel,Literat.

Adresse:Stadtdeich Nr. 43bei HerrnZiese.

Hamburg, d. 17. Febr. 1840.

Hochverehrter Herr!

Wenn ich meine hohe Freude über den Empfang Ihres Briefs vom 23. Juny v. J. nicht sogleich aussprach, so werden Sie den Grund leicht errathen haben. Ich mogte Ihnen mit Versicherungen, die sich von selbst verstehen, keinen Ihrer Augenblicke rauben, und je höheren Werth ich darauf legte, daß Sie mich auch für die Zukunft zu einem für mich so ehrenvollen Vertrauen ermunterten, um so weniger konnte ich mich entschließen, Ihnen leere Allgemeinheiten zu schreiben. Nur auf Einen Punct, den Sie, widerlicher Erfahrungen gedenkend, in Ihrem Briefe anregten, hätte ich Ihnen Etwas zu erwiedern gehabt; ich hätte Ihnen aus voller Seele zurufen mögen, daß die Verehrung, die ich Ihnen zolle, durch persönliche Rücksichten so wenig verringert, als noch erhöht werden kann, und daß ich, einer schnöden Parthei gegenüber, die ihre Furcht und ihr Zittern hinter eitler Arroganz zu verstecken sucht, ewig meinen Stolz darin setzen, ja, meine Pflicht darin sehen werde, einem Mann, der aller Zeit angehört, so viel an mir liegt, den ihm gebührenden Tribut darzubringen.

Jetzt erlaube ich mir, von dem Vertrauen, zu welchem Sie mich aufforderten, Gebrauch zu machen. Ich habe ein Trauerspiel geschrieben, das ich zur Aufführung zu bringen wünsche, und ich nehme mir die Freiheit, Ihnen hiebei ein Exemplar desselben zu übersenden. Ich ersuche Sie um freundliche Vermittelung bei der dortigen Bühne, vor Allem aber bitte ich Sie um Ihr Urtheil, das mir bei diesem Werk, welches mir ganz aus Geist und Herzen floß, und welches ich, bei klarer Erkenntniß vieles Tadelswerthen und Mangelhaften in den Einzelheiten, dennoch in seiner Totalität nicht für mißlungen halten kann, von der höchsten Wichtigkeit ist. Eineinfaches Wort von Ihnen, es sey günstig oder nicht, ist mir mehr, als ein Trompetentusch der gesammten deutschen Journalistik, den ich leicht hervorrufen könnte, wenn ich nur zu Gegendiensten bereit wäre. Eine lyrische Fontaine werden Sie nicht finden; ob ich aber nicht auf der entgegengesetzten Seite zu weit gegangen und in der dramatischen Concentration hie und da zu starr geworden bin, das ist es, was ich von Ihnen zu erfahren wünsche. Ich selbst erlaube mir über mein Stück nur die eine Bemerkung, daß es in sehr kurzer Zeit entstanden ist.

Sie werden verzeihen, daß ich mein Trauerspiel, statt es direct bei der Direction des Theaters einzureichen, an Sie zu schicken wagte; auch werden Sie mir, wie ich hoffe, in Berücksichtigung des Dringlichen einer solchen Angelegenheit eine möglichst baldige Antwort zu Theil werden lassen.

Ich bin und verbleibe, hochverehrter Herr,

mit vollkommenster HochachtungIhr aufrichtigster VerehrerFriedrich Hebbel.Addr.: Stadtdeich Nr. 43.

mit vollkommenster Hochachtung

Ihr aufrichtigster Verehrer

Friedrich Hebbel.

Addr.: Stadtdeich Nr. 43.


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