Dieser dänische Poet, geb. am 28. Mai 1789, trat mit seinen „Gedichten“ zuerst 1811–12 hervor, und hat sodann eine große Fruchtbarkeit in romantischen Erzählungen, epischen Dichtungen und dramatischen Werken glücklich entfaltet. Auch vaterländisch-historische Romane hat er geschrieben.Wie allerliebst sind diese zwei Briefe an Tieck! Der herzliche Ton derselben erregt wehmüthige Empfindungen, durch den Vergleich vergangener Zustände mit den gegenwärtigen. Wie nahe stand doch die dänische Litteratur der unsrigen; wie anhänglich zeigten sich ihre berufensten Vertreter dem deutschen Wesen! Und wie sinnig gingen sie darauf ein! — Ist nicht, was Ingemann über Hoffmann sagt, so wahr und klar, als ob’s Einer unserer würdigsten Kritiker geschrieben hätte? —Dieses einträchtige Miteinanderstreben scheint für immer zerstört, seitdem Dänemarks unselige Tyrannei deutsche Männer zwingen wollte dänisch zu werden.
Dieser dänische Poet, geb. am 28. Mai 1789, trat mit seinen „Gedichten“ zuerst 1811–12 hervor, und hat sodann eine große Fruchtbarkeit in romantischen Erzählungen, epischen Dichtungen und dramatischen Werken glücklich entfaltet. Auch vaterländisch-historische Romane hat er geschrieben.
Wie allerliebst sind diese zwei Briefe an Tieck! Der herzliche Ton derselben erregt wehmüthige Empfindungen, durch den Vergleich vergangener Zustände mit den gegenwärtigen. Wie nahe stand doch die dänische Litteratur der unsrigen; wie anhänglich zeigten sich ihre berufensten Vertreter dem deutschen Wesen! Und wie sinnig gingen sie darauf ein! — Ist nicht, was Ingemann über Hoffmann sagt, so wahr und klar, als ob’s Einer unserer würdigsten Kritiker geschrieben hätte? —
Dieses einträchtige Miteinanderstreben scheint für immer zerstört, seitdem Dänemarks unselige Tyrannei deutsche Männer zwingen wollte dänisch zu werden.
Copenhagen, d. 16. Septbr. 1820.
Theuerster Tieck!
Sie haben glühende Kohlen auf meinem Haupte gesammelt (ich weißnicht ob es Deutsch ist), ich habe mich recht geschämt, meine ich nur, daß ich nicht früher alle Scham überwunden habe, und ohne Scheu ihre edle Sprache gerädert, um Ihnen zu sagen (was Sie doch gewiß nie bezweifelt hätten) daß ich oft in der Ferne Ihnen recht nah und herzlich zugesellt gewesen — und jetzt beschämt mich ihre Liebe noch mehr, als ich den Brief durch den Prof. Molbech empfange. Zwei freundliche Grüße sind mir schon früher vorbeigeflogen und haben mir wohlthuend zugeflüstert: der Tieck gedenkt Dein noch; ich habe dann auch gleich die Feder ergriffen, was ich aber sagen wollte ist auf Dänisch in meiner Seele geblieben. Vor einiger Zeit hat mir eine Zeitung erzählt, daß Sie nach Berlin gerufen und nach Ihrem Wunsche daangestellt wären. Darüber habe ich mich schweigend gefreut; jetzt halte ich aber nicht länger ein Blättchen von den vielen großen Briefen zurück, die ich fast alle Posttage im Geiste Ihnen geschrieben habe. Wäre ich indessen gestorben, hätte ich gewiß bey Ihnen spuken müssen, um mein Versprechen zu erfüllen und Ihnen — freilich zu spät — zu erzählen, daß ich glücklich und gesund nach Hause gekommen. Die Braut hat mich gesund und liebreich empfangen, und in heimathlicher Ruhe habe ich im Winter am Ofen Abentheuer gedichtet, und mir dadurch die schönen Abentheuer-Abende in Dresden zurückgerufen.
Jetzt durchlebe ich noch einmahl das seltsame Reiseleben, und wie es sich jetzt für mich gestaltet, muß ich es lyrisch und immer wie gegenwärtig auftreten lassen. — Noch bin ich weder angestellt noch verheirathet; beides möchte ich recht gern, aber ich fürchte mich erstaunlich ein Philister zu werden. Sagen Sie mir doch, wie man den Philistergeist vom Leibe hält, wenn man ein Amt kriegt und Hausvater wird! — Doch das ist wohl die Dichterliebes-Probe, und wer die nicht hält, war schon zum Philister geboren.
Der Oehlenschläger hat uns eine neue nordische Tragödie gegeben und die nordische Mythologie in einem Epos behandelt. Der Baggesen schweigt und auf unserm Parnaßchen scheint Friede zu sein. Von mir ist erschienen außer Tassos Befreiung (Tod) ein Band „Erzählungen und Abentheuer“ und „die Reiseleier“ (Reiselgren), wovon der zweite Theil jetzt gedruckt wird. Im ersten Theil habe ich die schönen romantischen Rheinländer mit ihren Ritterburgen und Mittelaltersagen, und das herliche Schweitzerland mit der Leier durchgepilgert, der zweite handelt vonbella Italiaund Rom, wo ich mit dem Carneval endete, das ich dramatisch wie ein lustiges Fastnachtsspiel behandelt habe. — In der Buchhandlung habe ich oft nach Ihrem lieben Tischler gefragt; ist er noch nicht erschienen? Auf die letzten Theile des Sternbalds warten wir recht mit Schmerzen, ihr Phantasus kann uns nie zu korpulent seyn, er bleibt immer der nehmliche leichte und liebliche Genius. Den Hoffmann in Berlin traf ich leider nicht; er saß immer auf dem Richterstuhle gegen die politischen Umtrieben gewafnet, und hatte keine Zeit für den poetischen Umtrieber.
Grüßen Sie die liebe Frau und die Gräfin tausend Mahl! und sagen Sie den holden Dichter-Töchtern daß sie zu den lieblichtsten Erinnerungen meines Reiselebens gehören. Erinnern Sie noch, wie sie mir Alle einen Tag entgegen gekommen und mich für einen alten guten Freund genommen? — es was leider Täuschung, möchte es doch niemahl — wenigstens im Lande der Enttäuschung — so mir wahr und wirklich begegnen! Gott segne Sie und Alle die Ihrigen!
Ihr innigst ergebenerB. S. Ingemann.
Ihr innigst ergebener
B. S. Ingemann.
Copenhagen, d. 10t. Septbr. 1822.
Theuerster Freund!
Das Jahr hat jetzt seinen dreifaltigen Vergessenheitsschleier zwischen uns ausgespant, ihr liebes freundliches Antlitz sehe ich doch immer noch durchleuchten, und, irre ich mich nicht, lächelt es mir noch herzlich und väterlich entgegen.Wie oft träume ich mich noch in ihre Mitte zurück: zwischen der lebhaften Dorothea und der stillen Agnes sitze ich da, im Kreise der freundlichen Hausfrau und der guten Gräfin; wir hören Ihnen zu, und der große herrliche Shakespeare lebet und dichtet uns aus Ihren Munde. Der Falstaf steht uns wieder vom Wahlplatze auf, und der gestiefelte Katermacht dazwischen seinen genialischen Meistersprung. Ihr schönes Familienleben ist mir ein wahres Vorbild geworden. Jetzt bilde ich selbst eine kleine angehende Familie, bin auch Hausvater und Gatte, ich möchte plötzlich alt werden, um gleich zwei erwachsene liebenswürdige Töchter zu haben, und ein Leben voll Dichtung und ein Alter voll Jugend und heiterer Ruhe. Erinnern Sie oder die Töchter noch mein Versprechen, Ihnen voraus meinen Hochzeitstag anzukündigen, daß Sie meiner und der Braut zur rechten, astronomisch berechneten Stunde gedenken möchten? ich habe den freundlichen Scherz nicht vergessen, und würde pünklich Wort gehalten, wäre der Tag nicht zu spät bestimmt, um so weit voraus mitgetheilt werden zu können. Es war der 30. July d. J. und im gesegneten Stande des ächten Lebens bin ich nun fast anderthalb Monat alt.
In diesen Tagen gedenke ich Copenhagen zu verlassen um meinen neuen Wohnsitz in Soröe einzunehmen, wo ich bey der Academie als Lector in dänischer Sprache und Litteratur eben angestellt bin.
Der Überbringer dieses Briefes Hr.StudiosusHoyer ist ein junger Liebhaber der Kunst, und eifriger Beflissener der Kunstgeschichte und der Philosophie des Schönen, doch Gottlob noch mehr Enthusiast als Kenner. Er theilt meine Verehrung für Sie als Dichter, und sehnt sich recht inniglich nach Ihrer persönlichen Bekanntschaft. Er wird einige Zeit in Dresden die Meisterwerke der Kunst genießen und studieren: möchte ihr Geist bisweilen mit ihm und über ihn seyn und das Göttliche der Kunst sich ihm recht klar und herlich entschleiern!
Das mitfolgende Gedicht ist schon voriges Jahr erschienen. Seitdem habe ich Nichts ausgegeben und nur Weniges gedichtet. Die glückliche Unbefangenheit, womit ich mich vorher dem Reize der Dichtung ganz rücksichtslos hingegebenist mir in den letzten Jahren theils von unsern überlauten Realisten gestört, theils auch für eine ernstere Selbstkritik gewichen; doch daraus komt Nichts als unfruchtbare Reflexionen.
Über Vieles möchte ich mich mit Ihnen recht vertraulich aussprechen; mit dem Schreiben aber, wie Sie sehn, will es nicht recht gehn, und Dresden ist mir leider zu fern, um jetzt eine Zusammenkunft hoffen zu können. Doch ist Ihnen mein vorüberfahrendes Bild, wie ich hoffe, nicht auch aus dem Gemüthe entfallen — so theilen Sie mir recht bald Etwas mit von Ihrem Überflusse des Geistes, und von Ihrem heiteren Muthe zum Leben und Würken im göttlichen Reiche des Schönen!
Ich bedaure das frühzeitige Ableben ihres genialischen Hoffmann; doch ein innerlich zerrissenes Gemüth scheint sich fast immer in seiner tiefen Ironie des ganzen Erdenlebens, selbst mitten in seinem glücklichsten Humor, zu verrathen, und Ruhe zum Leben hat diese sonderbare phantastische Seele wohl nie genossen; seine Originalität hat mich mannigfaltig angezogen, und wäre er nicht in Manier verfallen und in seinen barokken Caprizien von den Ideen verwildert, er würde gewiß unter ihren größten Geistern, wie jetzt unter ihren sonderbarsten erkannt gewesen.
Der Walter Scott ist hier, wie bey Ihnen der Lieblingsschriftsteller der ganzen Lesewelt. Zwar vermisse ist oft bey ihm eine durchgehende große Totalidee, wie er überhaupt mir größer in Colorit als in Composition erscheint, und das historische Leben uns mehr in Stücken darstellt, als es im Ganzen mit Bedeutung und Zusammenhang vorspiegelt, doch meisterlich weiß er Situationen und Charakteren zu schildern, und er ist mir ein großes Phänomen in der poetischen Welt. Gern möcht ich Ihre Ansicht von diesem merkwürdigen Geiste kennen.
Ihre neue angekündigte Samlung von Novellen seh ich mit freudiger Sehnsucht entgegen: fahren Sie noch lange fort uns mit Ihren geistreichen Gaben zu ergötzen! Die herliche Malernovelle im letzen Musenalmanach hat mir einen schönen genußvollen Abend geschenkt.
Und nun tausend Lebewohl und Grüße an die ganze Familie, die ich oft mit Freundschaft und Sehnsucht erinnere.
Ihr innig ergebener Freund undVerehrerIngemann.
Ihr innig ergebener Freund und
Verehrer
Ingemann.
Verzeihen Sie mir alle die Sprechfehler, könnte ich nur meine Gesinnungen Ihnen so äußern, daß ihr Herz mich verstände, möchte ich mich gern in den Formalien ein wenig prostituiren.