K. war Prediger in Ziebingen, und während Tieck’s mehrjährigem Aufenthalte daselbst fanden sich die beiden Männer. Wie würdig ihr freundschaftliches Verhältniß gewesen und geblieben ist, und wie selbstständig der „Landprediger“ dem Poeten gegenüber sich benommen, geht aus dem Tone dieses (leider ganz vereinzelt vorgefundenen) Schreibens hervor. Späterhin ward er zum Mitglied der dortigen Regierung als Konsistorialrath nach Frankfurt a/O. berufen, und vermählte sich daselbst in reiferen Jahren zum zweitenmale mit der Tochter des Vice-Präsidenten von R. Diese Ehe führte denn im Verlaufe der Zeit durch mannichfache Familienverbindungen dahin, daß die Tochter seines Ziebinger Freundes zur Pflegemutter und liebevollen Erzieherin der von ihm hinterlassenen Waisen geworden ist. Und so dauert das vor länger als einem halben Säkulo gestiftete Seelenbündniß, über Tod und Grab hinaus, lebendig fort.
K. war Prediger in Ziebingen, und während Tieck’s mehrjährigem Aufenthalte daselbst fanden sich die beiden Männer. Wie würdig ihr freundschaftliches Verhältniß gewesen und geblieben ist, und wie selbstständig der „Landprediger“ dem Poeten gegenüber sich benommen, geht aus dem Tone dieses (leider ganz vereinzelt vorgefundenen) Schreibens hervor. Späterhin ward er zum Mitglied der dortigen Regierung als Konsistorialrath nach Frankfurt a/O. berufen, und vermählte sich daselbst in reiferen Jahren zum zweitenmale mit der Tochter des Vice-Präsidenten von R. Diese Ehe führte denn im Verlaufe der Zeit durch mannichfache Familienverbindungen dahin, daß die Tochter seines Ziebinger Freundes zur Pflegemutter und liebevollen Erzieherin der von ihm hinterlassenen Waisen geworden ist. Und so dauert das vor länger als einem halben Säkulo gestiftete Seelenbündniß, über Tod und Grab hinaus, lebendig fort.
(ohne Datum.)
An den Königl. Sächsischen Hofrath und 2ten Theaterdirektor
HerrnDr.Tieck.
Mein herzlichgeliebter Freund!
Die Nachricht von Ihrer Standeserhebung, Ihrem neuen Amte und der damit verbundenen Dotation hat uns hier als die größte Neuigkeit des neuen Jahres ganz außerordentlich angenehm überrascht und bey Marie und mir eine so große und theilnehmende Freude verursacht, daß ich mirs nicht versagen kann, Ihnen davon ein schriftliches Zeugniß zu schicken und Ihnen zugleich zu Ihren neuen Titel und Würden, so wie zu Ihrem Amte und Gehalte von Herzen Glück zu wünschen. Denn das letzre, denk ich, werden Sie bei all Ihrem Talent, Ihrer Kentniß und Ihrer Liebe fürs Theater doch wohl gar sehr brauchen und dessen nicht leicht zu viel oder genug haben können. Möge Ihnen denn bei Bildung des Theater- und Künstler-Volks und bei Leitung desselben zu einem schönen und edlen ZieleFortunaaufs günstigste seyn und es Ihnen besser als Göthen und Lessing gelingen, uns ein wahrhaft deutsches National-Theater zu geben, oder doch näher dazu zu verhelfen, als es jenen gelungen ist. Jetzt ist für Sie die Zeit gekommen, Ihre deutschen Tragödien zu schreiben und Ihr Vorbild Shakespeare, nachzunahmen und wie ihn, so auch Ihren eigenen patriotischen Genius auf die Bühne zu stellen. Was würde Deutschland auf der Dresdner Bühne hören, was sehen, wenn es Ihnen gefallen wollte, die Hand an die Feder zu legen, durch sie Ihre jugendlich und männliche Begeisterung aussprechen zu lassen und Ihr ganzes amtliches Ansehen vereinigt mit Ihrer Kunstkenntniß, für gediegene Darstellung desselben einwirkend zu verwenden. Wie will ich mich freuen über alles Gute, das durch Ihren Einfluß in diesem Gebiete der Kunsthervorgebracht wird, wenn auch das wünschenswertheste und beste nicht erreicht werden könnte. Unter Ihnen wird sich doch wieder eine Schule bilden, wo die Acteurs und Actricen reden, gehen, stehen und agiren lernen, und wo das eigentliche Talent sich bilden kann, ohne verbildet zu werden aus eigner Schuld oder fremder! Mögen Sie nur dazu recht lange die Lust behalten und recht viele angenehme Erfahrungen machen, die die natürliche Lust und Liebe zum Dinge in Ihnen verstärken; und möge zu Ihrem Wirken für diese Kunst Ihnen nur niemals die Gesundheit fehlen. Bei Ihrer alten Vorliebe, bei der freien Gunst, die Sie bisher schon der Dresdner Bühne geschenkt hatten, bei dem Ansehen, in dem Sie schon standen und das jetzt durch das amtliche noch viel mehr zunimmt, bey der schon vorbereiteten Geneigtheit des Theaterpersonales, des Publikums und der Direktion, Lehre, Rath, Beispiel gern anzunehmen und aufs beste zu benutzen, darf jedermann etwas ausgezeichnetes Gutes und Schönes erwarten, und Ihre Freunde und Freundinnen dürfen sich Ihrer neuen Thätigkeit, Ihres belebenden Eifers und Ihres — neuen Ruhmes freuen, den Sie dem schriftstellerischen beifügen. Freilich ist nicht zu erwarten, daß jener überall ganz rein glänzen werde; ebenso wenig als dieser ganz fleckenlos erscheint und überall anerkannt wird. Vielleicht wird jener grade im Vaterlande eben so angefochten als es diesem seit Ihren letzten Werken, den Novellen, ergeht, die viele kaum wollen dafür gelten lassen, aus keinem andern Grunde, als weil sie sich mit denen des Cervantes und andern ältern gar nicht in Vergleichung stellen ließen. Soll ich Ihnen, damit Sie ja nicht bei Ihrem neuen Glücke übermüthig werden, eine Probe der einheimischen Kritik geben, welche Sie wohl demüthigen könnte, wenn Sie sich davon wollten demüthigen lassen? Aus Frankfurth schreibt man mir: „Tieks Novelle, das Landleben, haben wir gelesen;aber unter allen Erzählungen dieses geistreichen Mannes hat sie uns am wenigsten gefallen. Das Zopfwesen wird doch zuletzt ein abgehetzter Haase, an dem weder Fell noch Fleisch zu brauchen ist. Eine ächt humoristische und wahrhaft witzige Situation abgerechnet, ward uns zuletzt der Zopf nach allen seinen politischen, moral- und martialischen Beziehungen sehr langweilig. Kein einziger der aufgeführten Charaktere ist uns recht klar in sich selbst begründet und poetisch und psychologisch wahr genug vorgekommen. Auch kommen und gehen die Personen wie in einem Puppenspiele und damit die Geschichte sich fortbewege, bekommt sie immer durch einendeus ex machinaeinen äußern Anstoß. Man begreift nicht, wie die zum Theil albernen Menschen zu einem so tiefen, wahrhaften und wunderbaren Gespräch über Friedrich II., das preußische Volk, Lessing, Klopstock, Voltaire, den rel. Unglauben seiner Zeit u. s. w. kommen! — Welche gehaltvolle, gediegene Worte! welch ein tiefes, festbegründetes Urtheil, in dem jedes Wort gewichtig ist, haben wir da gefunden, aber wie kommt und geht es mit den übrigen Figuren der Novelle zusammen? Sonst ist alles, was von Tieck kommt, ein wahres Kunstwerk, wo alles zu einem schönen Ganzen in einander gewebt ist; aber dieß ist kein Kunstwerk, sondern — (erschrecken Sie nicht!) — Aphorismen und Rhapsodie. — Wir müßen den herrl. Geist, dem Shakespeare zur Aufgabe seines Lebens geworden ist, beklagen, daß er seine Kraft in solchendetails minutieuxversplittert. Nicht als wenn wir die Novelle gering achteten. Es hat uns im Gegentheil oft verdrossen, daß wir Deutsche auf die lyrische Poesie so viel Fleiß verwandten und die Erzählungen wie von der Bank gefallene Kinder in die Findelhäuser des Morgenblattes, der Abendzeitung, des Gesellschafters &c. absetzen, aber Tieck kann sie anders schreiben als die geschrieben sind. Höchst gespannt sind wir auf das Dichterleben und den Aufruhr in den Cevennen, von denen Sie uns so viel gesagt haben; bedauern aber um so mehr, über das Landleben nicht Ihrer Meinung seyn zu können!“ und so kann ich mich Ihnen denn mit keiner bessern zu freundl. Andenken empfehlen; verbleibe aber
Ihr getreuerKadach.
Ihr getreuer
Kadach.
Gern schriebe ich mehr, aber ich kann nicht — die Briefe müßen endlich fort! Leben Sie wohl!