JulieGley! Ein Name, reich an Erinnerungen für alte Theaterfreunde. Juliens Eltern waren treffliche Künstler aus früherer Schule. Die Mutter, eine gute Sängerin für die sogen. „Spieloper,“ deren „Marianne“ in den „drei Sultaninnen“ uns jugendliche Zuhörer sehr entzückte. Der Vater, ein ausgebildeter, gewiegter Schauspieler, im Helden- und Charakter-Fache, der auch in Liederspielen mit klangvoller Stimme hübsch zu singen vermochte. Man wußte damals, und wahrlich nicht zum Nachtheile dramatischer Darstellung, Beides zu vereinen, weil wildes Geschrei noch nicht unumgänglich nothwendig erschien, um „Effekte“ hervorzubrüllen.Als Gley in Breslau (vorlängerdenn einem halben Jahrhundert) den Karl Moor gab, setzte er uns in bewunderndes Erstaunen durch den Vortrag der im Original enthaltenenGesänge, die er mit der Laute begleitete. Unseres Erinnerns hat sich niemals ein anderer Räuber Moor daran gewagt, „keine Welt für Deinen Brutus mehr“ ertönen zu lassen.DieTochter... nun, wer kenntJulie Rettichnicht? Da sie nachstehendes Brieflein schrieb, hieß sie noch Gley; war noch nicht die beglückende Gattin des sie beglückenden Mannes, der mit ihr im Vereine das Vorbild einer künstlerischen Häuslichkeit in’s Leben rief; einer Häuslichkeit, wo Geist und Gemüth walten; wo Jeder gern gesehen und gütig empfangen ist, der dahin paßt.Der Künstlerin Herz redet vernehmlich aus diesen Zeilen. Was sie über Schreyvogels Absetzung sagt, haben viele edle Herzen mit ihr empfunden, und derjenige dem es gelang, Jenen „bis auf den Todzu verwunden,“ hat als sein Nachfolger wenig gethan, am Burgtheater gut zu machen, was er am Hingeopferten verschuldet.
JulieGley! Ein Name, reich an Erinnerungen für alte Theaterfreunde. Juliens Eltern waren treffliche Künstler aus früherer Schule. Die Mutter, eine gute Sängerin für die sogen. „Spieloper,“ deren „Marianne“ in den „drei Sultaninnen“ uns jugendliche Zuhörer sehr entzückte. Der Vater, ein ausgebildeter, gewiegter Schauspieler, im Helden- und Charakter-Fache, der auch in Liederspielen mit klangvoller Stimme hübsch zu singen vermochte. Man wußte damals, und wahrlich nicht zum Nachtheile dramatischer Darstellung, Beides zu vereinen, weil wildes Geschrei noch nicht unumgänglich nothwendig erschien, um „Effekte“ hervorzubrüllen.
Als Gley in Breslau (vorlängerdenn einem halben Jahrhundert) den Karl Moor gab, setzte er uns in bewunderndes Erstaunen durch den Vortrag der im Original enthaltenenGesänge, die er mit der Laute begleitete. Unseres Erinnerns hat sich niemals ein anderer Räuber Moor daran gewagt, „keine Welt für Deinen Brutus mehr“ ertönen zu lassen.
DieTochter... nun, wer kenntJulie Rettichnicht? Da sie nachstehendes Brieflein schrieb, hieß sie noch Gley; war noch nicht die beglückende Gattin des sie beglückenden Mannes, der mit ihr im Vereine das Vorbild einer künstlerischen Häuslichkeit in’s Leben rief; einer Häuslichkeit, wo Geist und Gemüth walten; wo Jeder gern gesehen und gütig empfangen ist, der dahin paßt.
Der Künstlerin Herz redet vernehmlich aus diesen Zeilen. Was sie über Schreyvogels Absetzung sagt, haben viele edle Herzen mit ihr empfunden, und derjenige dem es gelang, Jenen „bis auf den Todzu verwunden,“ hat als sein Nachfolger wenig gethan, am Burgtheater gut zu machen, was er am Hingeopferten verschuldet.
Wien, d. 31ten Mai 18..?
Lieber, verehrter Herr Hofrath!
Henkel, der heute Abend nach Dresden abreist, wünscht, daß ich ihm einige Zeilen an Sie mitgebe, und ich benutze diese Gelegenheit mit großer Freude, denn es ist grade die rechte Zeit, zu Ihrem Geburtstag zu gratuliren, und wenn Sie die innigen Wünsche auch nachträglich erhalten, so werden Siesie ihrer Innigkeit wegen, doch nicht unfreundlich aufnehmen, wie ich gewiß weiß. Ich wünsche Ihnen all’ das Gute und Schöne, was Sie für den Mondsüchtigen verdienen, und eine ganze Stube voll der herrlichsten Tulpen und Rosen — das ist genug für einen Sterblichen, wenn es selbst ein ganz aparter ist. — Einen so ausgezeichneten Glückwunsch können Sie aber nicht umsonst erwarten, und ich erbitte mir dafür von Ihnen etwas, was mir sehr am Herzen liegt. Ich habe lange nicht an Agnes und Dorothea geschrieben, ich war in dieser Zeit viel, und vielfach bewegt, ich konnte nicht die Ruhe finden, konnte, wollte auch vielleicht nicht; vielleicht bin ich auch Schuld, wenigstens theilweise, und jetzt fürchte ich mich. Sie sollen mich nun vertreten, lieber Herr Hofrath, und Sie können das immer thun, um mir zu beweisen, daß Sie sich nicht gegen mich geändert haben — auch nicht ein bischen — was mir manchmal bewiesen werden soll, was ich aber nicht glaube, und nie glauben werde. Ihre Güte gegen mich, ist mir die liebste Erinnerung, der geistigste Duft meines Lebens, Sie dürfen Ihre herzlichste Verehrerin nicht vergessen, die es doch besser meint, wie alle die gepriesenen vornehmen Leute, die Sie anbeten, um sich interessant zu machen.
Von dem Wichtigsten, was bei unserm Theater in letzter Zeit vorgefallen ist, vom Göthefest, und von Schreyvogels Pensionirung, kann Ihnen Henkel viel, und weitläuftig erzählen, da er persönlicher Zeuge war. Faust in Wien, ist gewiß merkwürdig, und hat mir viel Freude gemacht, die Entfernung Schreyvogels ist dafür um so trauriger, wenigstens für mich. Man beklagt sich über ihn auf vielfache Weise — aber über welchen Theaterdirector beklagt man sich nicht? mir hat er nur Gutes und Freundliches erwiesen, gegen mich ist er immer wahr, immer derselbe geblieben, ich kann seinen Abgang also nur bedauern. Wäre dies aber auch nicht der Fall, so könnte ich doch einer so tiefen Kränkung nicht ohne Theilnahmezusehen, die ein Mann erfährt, der dem Theater 19 Jahr mit glühender Leidenschaft vorgestanden hat, der alt und kränklich, dabei ehrgeizig ist, und den diese Beseitigung gewiß bis auf den Tod verwundet. Ich bin wüthend auf die, die sich darüber freuen, denn ich dächte, bei solchen Umständen, könnte man auch seinem Feinde Mitleid nicht versagen. —
Henkel ist ein freundlicher, gefälliger, und wie ich allgemein höre, sehr achtungswerther Mann, er ist gegenwärtig ohne Engagement, und wünscht sehr, Ihnen empfohlen zu seyn. — Der Frau Hofräthin, der Gräfin, Agnes und Dorothea meine besten, herzlichsten Grüße, und noch einmal die Bitte um Verzeihung. Mir hat neulich Jemand gesagt: „Dorothea Tieck, hat Sie lieber, wie Agnes.“ Fragen Sie doch einmal, ob das wahr ist? — Kommt Vogel viel zu Ihnen? Verzeihen Sie meine Schmiererey, es ist aber die höchste Zeit, ich muß eilen. Leben Sie wohl, liebster, bester, einziger Herr Hofrath, und bleiben Sie, was Sie waren, für Ihre
Julie Gley.
Julie Gley.