Geb. zu Magdeburg am 13. Novbr. 1790, gestorben am 14. Januar 1847 zu Venedig.Er war der Sohn des einst in Berlin hochgeachteten Probstes Ribbeck, der jüngere Bruder des vor einigen Jahren verstorbenen ehemaligen schlesischen Generalsuperintendenten. Seit 1813 wirkte er als Lehrer an Berliner Lehr-Anstalten; seit 1828 als Direktor des Friedrich-Werderschen Gymnasiums — (dessen Schüler auch Tieck gewesen;) seit 1838 in gleicher Stellung am „Grauen Kloster.“ In Folge eines deutlich hervortretenden Brustübels wurde er 1846 nach dem Süden geschickt, und liegt auf der Insel St. Christoforo im protest. Friedhofe begraben.Er war ein Mann, reich an Geist, Witz, scharfem Verstande, unfassender Gelehrsamkeit; bei seinem bedeutenden Formtalente und bei der Tiefe seines inneren Gehaltes, wäre er vor vielen Andern berufen gewesen, durch selbstständige Produktionen Aufsehen zu machen, hätte er nichtdie seltene Eigenschaft besessen, schärfere Kritik gegen sich selbst zu üben, als gegen Andere.Wie Herr Prof. Köpke uns belehrte, sind im Jahre 1848 erschienen: „Mittheilungen aus Ribbeck’s Nachlaß,“ die wir leider nicht zur Hand haben, und die wohl zunächst für den engsten Kreis seiner Verehrer bestimmt gewesen. Möglicherweise könnte auch dieses Scherzgedicht darin enthalten sein? Doch darf uns solche Möglichkeit nicht hindern, es hier mitzutheilen. Die letzten sechs Verse desselben sprechen ein herrliches Wort über Tiecks Erscheinung aus.
Geb. zu Magdeburg am 13. Novbr. 1790, gestorben am 14. Januar 1847 zu Venedig.
Er war der Sohn des einst in Berlin hochgeachteten Probstes Ribbeck, der jüngere Bruder des vor einigen Jahren verstorbenen ehemaligen schlesischen Generalsuperintendenten. Seit 1813 wirkte er als Lehrer an Berliner Lehr-Anstalten; seit 1828 als Direktor des Friedrich-Werderschen Gymnasiums — (dessen Schüler auch Tieck gewesen;) seit 1838 in gleicher Stellung am „Grauen Kloster.“ In Folge eines deutlich hervortretenden Brustübels wurde er 1846 nach dem Süden geschickt, und liegt auf der Insel St. Christoforo im protest. Friedhofe begraben.
Er war ein Mann, reich an Geist, Witz, scharfem Verstande, unfassender Gelehrsamkeit; bei seinem bedeutenden Formtalente und bei der Tiefe seines inneren Gehaltes, wäre er vor vielen Andern berufen gewesen, durch selbstständige Produktionen Aufsehen zu machen, hätte er nichtdie seltene Eigenschaft besessen, schärfere Kritik gegen sich selbst zu üben, als gegen Andere.
Wie Herr Prof. Köpke uns belehrte, sind im Jahre 1848 erschienen: „Mittheilungen aus Ribbeck’s Nachlaß,“ die wir leider nicht zur Hand haben, und die wohl zunächst für den engsten Kreis seiner Verehrer bestimmt gewesen. Möglicherweise könnte auch dieses Scherzgedicht darin enthalten sein? Doch darf uns solche Möglichkeit nicht hindern, es hier mitzutheilen. Die letzten sechs Verse desselben sprechen ein herrliches Wort über Tiecks Erscheinung aus.
Berlin, 19. August 1841.
„Gesellige“ streiten bei Schwiebūs —Wie Dir es, Hochverehter Mann,Beiliegend Schreiben zeigen kann —Gar eifrig, ob es CārolusOder Carōlus heißen muß,Ob Nōvalis recht, ob Novālis,Und was der Ziegenwolle mehr.Dabei nun thun sie mir die Ehr,(Wie wohl im Grund nur meiner Stelle,Als ob dieinstar Tribunalis)Zu fordern, daß ich Urtheil fälle.Was ist zu thun? Zwar liegt es nah,Derleiad Actastill zu werfen,Und giebt man eine Antwort ja,Sie scherzend etwas spitz zu schärfen.Indessen muß ein Schulmonarch,So schwer es hält in manchen Fällen,Gelassen doch zur Welt sich stellen,Und, treiben sie’s nicht gar zu arg,Sich hüten, kleinen oder großenHomunkeln vor den Kopf zu stoßen.Kaum werd’ ich denn auch hier der PflichtEntgehen, den Schwiebuser BrüdernGanz ehrbar trocken zu erwiedern:So muß man sprechen — und so nicht.Nur Schade, daß derNovalisAnlangend seine QuantitätMir selber nicht so recht gewiß.Zwar hab’ ich ruhig, früh und spät,Luisae Brachmannnachscandirend,BisdatoNōvalis gesagt,Und wenn darob auch protestirendGrammatica latinagrollte,Novālis einzig dulden wollte,Nach solchem Groll nicht viel gefragt,Weil eines myst’schen Namens LebenWohl darf auf freierm Fittich schweben,Und stets mit geistig feinerm KlangMir Nōvalis zu Ohre drang.Doch scrupulöser werd’ ich nun,Da mich die zwistigen Gesellen,Definitiven Spruch zu thunAuf den Orakel-Dreifuß stellen;Da gilts zu gründlichem BescheidErforschung aus den echtsten Quellen.Die sind denn — glücklich! — jetzt nicht weit;Du bist uns nah, der einst die WeiheVon dem Verklärten selbst empfing,Als „Kind voll Demuth und voll Treue“Geliebt, an seinem Busen hing;Dir tönt gewiß der echte KlangDes theuern Namens noch im Ohr;Und wenn es freilich fast Entweihung,Dich danach fragend zu behelligen,Sagst Du vielleicht doch — aus Humor —Mit freundlich lächelnder VerzeihungDurch mich den streitenden GeselligenOb kurz das A war, oder lang.Noch einmal bitt’ ich: zürne nichtWenn der Dir völlig UnbekannteIn Sachen von — so viel GewichtZu dreist vielleicht sich an Dich wandte.Vermuthlich hätt’ ich’s lassen bleiben,Sah ich nicht jüngst (zum ersten MaleWard mir das lang gewünschte Glück)Dein Angesicht im Festes-Saale;Das seh’ ich noch — und dieser BlickGab mir den Muth, an Dich zu schreiben.
„Gesellige“ streiten bei Schwiebūs —Wie Dir es, Hochverehter Mann,Beiliegend Schreiben zeigen kann —Gar eifrig, ob es CārolusOder Carōlus heißen muß,Ob Nōvalis recht, ob Novālis,Und was der Ziegenwolle mehr.Dabei nun thun sie mir die Ehr,(Wie wohl im Grund nur meiner Stelle,Als ob dieinstar Tribunalis)Zu fordern, daß ich Urtheil fälle.Was ist zu thun? Zwar liegt es nah,Derleiad Actastill zu werfen,Und giebt man eine Antwort ja,Sie scherzend etwas spitz zu schärfen.Indessen muß ein Schulmonarch,So schwer es hält in manchen Fällen,Gelassen doch zur Welt sich stellen,Und, treiben sie’s nicht gar zu arg,Sich hüten, kleinen oder großenHomunkeln vor den Kopf zu stoßen.Kaum werd’ ich denn auch hier der PflichtEntgehen, den Schwiebuser BrüdernGanz ehrbar trocken zu erwiedern:So muß man sprechen — und so nicht.Nur Schade, daß derNovalisAnlangend seine QuantitätMir selber nicht so recht gewiß.Zwar hab’ ich ruhig, früh und spät,Luisae Brachmannnachscandirend,BisdatoNōvalis gesagt,Und wenn darob auch protestirendGrammatica latinagrollte,Novālis einzig dulden wollte,Nach solchem Groll nicht viel gefragt,Weil eines myst’schen Namens LebenWohl darf auf freierm Fittich schweben,Und stets mit geistig feinerm KlangMir Nōvalis zu Ohre drang.Doch scrupulöser werd’ ich nun,Da mich die zwistigen Gesellen,Definitiven Spruch zu thunAuf den Orakel-Dreifuß stellen;Da gilts zu gründlichem BescheidErforschung aus den echtsten Quellen.Die sind denn — glücklich! — jetzt nicht weit;Du bist uns nah, der einst die WeiheVon dem Verklärten selbst empfing,Als „Kind voll Demuth und voll Treue“Geliebt, an seinem Busen hing;Dir tönt gewiß der echte KlangDes theuern Namens noch im Ohr;Und wenn es freilich fast Entweihung,Dich danach fragend zu behelligen,Sagst Du vielleicht doch — aus Humor —Mit freundlich lächelnder VerzeihungDurch mich den streitenden GeselligenOb kurz das A war, oder lang.Noch einmal bitt’ ich: zürne nichtWenn der Dir völlig UnbekannteIn Sachen von — so viel GewichtZu dreist vielleicht sich an Dich wandte.Vermuthlich hätt’ ich’s lassen bleiben,Sah ich nicht jüngst (zum ersten MaleWard mir das lang gewünschte Glück)Dein Angesicht im Festes-Saale;Das seh’ ich noch — und dieser BlickGab mir den Muth, an Dich zu schreiben.
„Gesellige“ streiten bei Schwiebūs —Wie Dir es, Hochverehter Mann,Beiliegend Schreiben zeigen kann —Gar eifrig, ob es CārolusOder Carōlus heißen muß,Ob Nōvalis recht, ob Novālis,Und was der Ziegenwolle mehr.
„Gesellige“ streiten bei Schwiebūs —
Wie Dir es, Hochverehter Mann,
Beiliegend Schreiben zeigen kann —
Gar eifrig, ob es Cārolus
Oder Carōlus heißen muß,
Ob Nōvalis recht, ob Novālis,
Und was der Ziegenwolle mehr.
Dabei nun thun sie mir die Ehr,(Wie wohl im Grund nur meiner Stelle,Als ob dieinstar Tribunalis)Zu fordern, daß ich Urtheil fälle.Was ist zu thun? Zwar liegt es nah,Derleiad Actastill zu werfen,Und giebt man eine Antwort ja,Sie scherzend etwas spitz zu schärfen.Indessen muß ein Schulmonarch,So schwer es hält in manchen Fällen,Gelassen doch zur Welt sich stellen,Und, treiben sie’s nicht gar zu arg,Sich hüten, kleinen oder großenHomunkeln vor den Kopf zu stoßen.Kaum werd’ ich denn auch hier der PflichtEntgehen, den Schwiebuser BrüdernGanz ehrbar trocken zu erwiedern:So muß man sprechen — und so nicht.Nur Schade, daß derNovalisAnlangend seine QuantitätMir selber nicht so recht gewiß.Zwar hab’ ich ruhig, früh und spät,Luisae Brachmannnachscandirend,BisdatoNōvalis gesagt,Und wenn darob auch protestirendGrammatica latinagrollte,Novālis einzig dulden wollte,Nach solchem Groll nicht viel gefragt,Weil eines myst’schen Namens LebenWohl darf auf freierm Fittich schweben,Und stets mit geistig feinerm KlangMir Nōvalis zu Ohre drang.
Dabei nun thun sie mir die Ehr,
(Wie wohl im Grund nur meiner Stelle,
Als ob dieinstar Tribunalis)
Zu fordern, daß ich Urtheil fälle.
Was ist zu thun? Zwar liegt es nah,
Derleiad Actastill zu werfen,
Und giebt man eine Antwort ja,
Sie scherzend etwas spitz zu schärfen.
Indessen muß ein Schulmonarch,
So schwer es hält in manchen Fällen,
Gelassen doch zur Welt sich stellen,
Und, treiben sie’s nicht gar zu arg,
Sich hüten, kleinen oder großen
Homunkeln vor den Kopf zu stoßen.
Kaum werd’ ich denn auch hier der Pflicht
Entgehen, den Schwiebuser Brüdern
Ganz ehrbar trocken zu erwiedern:
So muß man sprechen — und so nicht.
Nur Schade, daß derNovalis
Anlangend seine Quantität
Mir selber nicht so recht gewiß.
Zwar hab’ ich ruhig, früh und spät,
Luisae Brachmannnachscandirend,
BisdatoNōvalis gesagt,
Und wenn darob auch protestirend
Grammatica latinagrollte,
Novālis einzig dulden wollte,
Nach solchem Groll nicht viel gefragt,
Weil eines myst’schen Namens Leben
Wohl darf auf freierm Fittich schweben,
Und stets mit geistig feinerm Klang
Mir Nōvalis zu Ohre drang.
Doch scrupulöser werd’ ich nun,Da mich die zwistigen Gesellen,Definitiven Spruch zu thunAuf den Orakel-Dreifuß stellen;Da gilts zu gründlichem BescheidErforschung aus den echtsten Quellen.
Doch scrupulöser werd’ ich nun,
Da mich die zwistigen Gesellen,
Definitiven Spruch zu thun
Auf den Orakel-Dreifuß stellen;
Da gilts zu gründlichem Bescheid
Erforschung aus den echtsten Quellen.
Die sind denn — glücklich! — jetzt nicht weit;Du bist uns nah, der einst die WeiheVon dem Verklärten selbst empfing,Als „Kind voll Demuth und voll Treue“Geliebt, an seinem Busen hing;Dir tönt gewiß der echte KlangDes theuern Namens noch im Ohr;Und wenn es freilich fast Entweihung,Dich danach fragend zu behelligen,Sagst Du vielleicht doch — aus Humor —Mit freundlich lächelnder VerzeihungDurch mich den streitenden GeselligenOb kurz das A war, oder lang.
Die sind denn — glücklich! — jetzt nicht weit;
Du bist uns nah, der einst die Weihe
Von dem Verklärten selbst empfing,
Als „Kind voll Demuth und voll Treue“
Geliebt, an seinem Busen hing;
Dir tönt gewiß der echte Klang
Des theuern Namens noch im Ohr;
Und wenn es freilich fast Entweihung,
Dich danach fragend zu behelligen,
Sagst Du vielleicht doch — aus Humor —
Mit freundlich lächelnder Verzeihung
Durch mich den streitenden Geselligen
Ob kurz das A war, oder lang.
Noch einmal bitt’ ich: zürne nichtWenn der Dir völlig UnbekannteIn Sachen von — so viel GewichtZu dreist vielleicht sich an Dich wandte.
Noch einmal bitt’ ich: zürne nicht
Wenn der Dir völlig Unbekannte
In Sachen von — so viel Gewicht
Zu dreist vielleicht sich an Dich wandte.
Vermuthlich hätt’ ich’s lassen bleiben,Sah ich nicht jüngst (zum ersten MaleWard mir das lang gewünschte Glück)Dein Angesicht im Festes-Saale;Das seh’ ich noch — und dieser BlickGab mir den Muth, an Dich zu schreiben.
Vermuthlich hätt’ ich’s lassen bleiben,
Sah ich nicht jüngst (zum ersten Male
Ward mir das lang gewünschte Glück)
Dein Angesicht im Festes-Saale;
Das seh’ ich noch — und dieser Blick
Gab mir den Muth, an Dich zu schreiben.
F. Ribbeck,Director.
F. Ribbeck,
Director.