Geboren den 21. März 1763 zu Wunsiedel, gestorben am 14. Nov. 1825 in Baireuth. —Zwischen ihm und Tieck lag eine Welt voll trennender Elemente; verschiednere Naturen kann es nicht geben, und wo Einer vom Andern zu reden kam, blitzte diese — Gegnerschaft läßt sich’s nicht nennen — diese innerlichste Verschiedenheit sichtbar aus jeder Silbe hervor. Die überschwängliche Sentimentalität Jean Paul’s, wodurch er bei seinem Auftreten gerade die Frauen wie mit Blumenbanden an sich gezogen, forderte Tieck’s spöttische Neckereien heraus; die „Clotilden und Lianen“ mußten’s entgelten. Auch gegen gewisse cynische Ausmalungen wehrten sich Tieck’s fein-fühlende Sinne, und er schalt den „Katzenberger“ ekelhaft. Jean Paul war sonst der Mann eben nicht, dergleichen Aeußerungen stillschweigend hinzunehmen. Weshalb hat er sich gegen Tieck immer so sanft gezeigt, undimmer, auch tadelnd, mit Liebe seiner gedacht? Zunächst wohl aus wirklich empfundener Achtung. Dann aber auch, weil er’s im Herzen trug, und bis zum Tode treu darin bewahrte, daß Tieck im ersten Abschnitt des Phantasus ihm eine Huldigung dargebracht, wie nur wenigen Auserwählten zu Theil ward. Wenn in jenem Buche die Freunde und Freundinnen nach langem, geistvollen, Erd’ und Himmel umfassenden Gespräche noch einmal das Glas heben, um Derer mit Ehrfurcht zu gedenken, welchenihnenals die Höchsten, die Edelsten gelten; wenn Shakspeare, Göthe, Schiller, Jacobi, Friedrich und August Wilhelm Schlegel, Novalis begrüßt werden, da ruft Manfred auch:„Feiert hoch das Andenken unseres phantasievollen, witzigen, ja wahrhaft begeisterten Jean Paul! Nicht sollst Du ihn vergessen, Du deutsche Jugend. Gedankt sei ihm für seine Irrgärten und wundervollen Erfindungen! Möchte er in diesem Augenblicke freundlich an uns denken, wie wir uns mit Rührung der Zeit erinnern, als er gern und mit schöner Herzlichkeit an unserm Kreise Theil nahm!“Solch’ ein Trinkspruch verhallt nimmermehr im Herzen Desjenigen, dem er galt.
Geboren den 21. März 1763 zu Wunsiedel, gestorben am 14. Nov. 1825 in Baireuth. —
Zwischen ihm und Tieck lag eine Welt voll trennender Elemente; verschiednere Naturen kann es nicht geben, und wo Einer vom Andern zu reden kam, blitzte diese — Gegnerschaft läßt sich’s nicht nennen — diese innerlichste Verschiedenheit sichtbar aus jeder Silbe hervor. Die überschwängliche Sentimentalität Jean Paul’s, wodurch er bei seinem Auftreten gerade die Frauen wie mit Blumenbanden an sich gezogen, forderte Tieck’s spöttische Neckereien heraus; die „Clotilden und Lianen“ mußten’s entgelten. Auch gegen gewisse cynische Ausmalungen wehrten sich Tieck’s fein-fühlende Sinne, und er schalt den „Katzenberger“ ekelhaft. Jean Paul war sonst der Mann eben nicht, dergleichen Aeußerungen stillschweigend hinzunehmen. Weshalb hat er sich gegen Tieck immer so sanft gezeigt, undimmer, auch tadelnd, mit Liebe seiner gedacht? Zunächst wohl aus wirklich empfundener Achtung. Dann aber auch, weil er’s im Herzen trug, und bis zum Tode treu darin bewahrte, daß Tieck im ersten Abschnitt des Phantasus ihm eine Huldigung dargebracht, wie nur wenigen Auserwählten zu Theil ward. Wenn in jenem Buche die Freunde und Freundinnen nach langem, geistvollen, Erd’ und Himmel umfassenden Gespräche noch einmal das Glas heben, um Derer mit Ehrfurcht zu gedenken, welchenihnenals die Höchsten, die Edelsten gelten; wenn Shakspeare, Göthe, Schiller, Jacobi, Friedrich und August Wilhelm Schlegel, Novalis begrüßt werden, da ruft Manfred auch:
„Feiert hoch das Andenken unseres phantasievollen, witzigen, ja wahrhaft begeisterten Jean Paul! Nicht sollst Du ihn vergessen, Du deutsche Jugend. Gedankt sei ihm für seine Irrgärten und wundervollen Erfindungen! Möchte er in diesem Augenblicke freundlich an uns denken, wie wir uns mit Rührung der Zeit erinnern, als er gern und mit schöner Herzlichkeit an unserm Kreise Theil nahm!“
Solch’ ein Trinkspruch verhallt nimmermehr im Herzen Desjenigen, dem er galt.
Weimar, d. 19. März 1800.
Mein lieber Tieck!
Zuerst meine Bitte, welche die eines Andern ist. Ein Anderer wünschte die größere Büste Bounapartes, die man in Berlin verkauft und welche die H. Schlegel haben sollen. Er bittet also durch mich Sie und durch Sie diese, ob Sie ihm die ihrige, die sie doch nur die Transportkosten nach Berlin zum zweitenmale kosten würde, nicht überlassen wolten. —
Neulich wollt’ ich Sie besuchen; da ich aber alles leichter finde als Wege und Häuser: so fand ich Sie nicht. Ich wolte Ihnen danken für Ihre Phantasien über die Kunst, die selber Sprößlinge der Kunst sind. So viele Stellen darin wie überhaupt Ihre Prosa scheinen mir poetischer als Ihre andere Poesie, und jene hat statt jedes fehlendenpeseinen Flügel.Ich lies mir sie, wie die Alten die Gesetze, unter Musik promulgieren; ich meine, ich spielte sie im eigentlichen Sinne auf meinem Klaviere vom Blatte. Die Musik — besonders die unbestimmte — ist ein Sensorium für alles Schöne; ja unter Tönen fass’ ich sogar Gemälde leichter. —
Leben Sie gesund! Diesen nöthigen Wunsch thu’ ich aus innigster Seele!
J. P. F. Richter.
J. P. F. Richter.
Bayreuth, d. 5. Okt. 1805.
Nur die Ungewißheit Ihres wechselnden Aufenthaltes verzögerte so lange mein Schreiben, dessen Wunsch am stärksten nach der Lesung Ihres Oktavianus war. Es wäre wol in dieser lauten und doch tauben und nichts sagenden Zeit — wo sogar ein erbärmlicher Krieg seinen erbärmlichen Frieden ausspricht und roth genug unterstreicht — der Mühe werth, daß Leute sich sprächen, die sich lieben, wozu ich nicht nur mich rechne, sondern auch Sie. Wie froh wär’ ich gewesen, seit ich aus der lauten Stadt in die stumme gezogen, mit Ihnen sogar zu — zanken, wenn nichts weiter möglich gewesen wäre als ich der Alte und Sie der Alte; — was wol bei uns zweien, wenigstens bei mir nicht ist. Meine Aesthetik sollte Ihnen, dächt’ ich, mehr gefallen als ich sonst; und ich wünschte herzlich Ihre Worte darüber, und über 1000 andere Sachen und über den 3ten und 4ten Titan und über was Sie wollen. Der Himmel gebe, daß Sie uns bald Ihre Jocosa geben, von denen ich gehört; oder wenigstensmiretwas davon, unfrankirt.
Ich wollte, wir kämen gegeneinander recht in Wort- und Briefwechsel. Ich lebe in einem Kunst-öden Lande und bedarf wie ein Rhein-Ertrunkener zuweilen des fremden Athems,um den eignen zu holen. Antworten Sie mir bald, lieber Tieck. Ich grüße Sie und Ihre Gattin.
Jean Paul Fr. Richter.
Jean Paul Fr. Richter.
Auf der Adresse:AnL. TieckinRaum und Zeit.
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AnL. TieckinRaum und Zeit.