Geboren zu Hannover 8. September 1767, gestorben zu Bonn am 12. Mai 1845.Gedichte (1800) — Ion, Tragödie (1803) — Vorlesungen über dramatische Kunst und Litteratur, 3 Bde. (1809–11) — Poetische Werke, 2 Bde. (1811–15) — Indische Bibliothek, 2 Bde. (1820–26) — Kritische Schriften &c. &c.All’ diese Büchertitel, mögen sich auch an einige derselben unsere jugendlich-begeisterten Erinnerungen knüpfen, sind doch keinesweges genügend die umfassenden Verdienste des Mannes einigermaßen zu bezeichnen. Wohin wir blicken, ist er von Jugend auf Vorgänger, Führer, Lehrmeister gewesen auf dem Wege zur Erkenntniß des Großen und Schönen in der Poesie aller Völker. Er ist’s gewesen, der mit genialem Fleiße Calderons geheimnißvolle Tiefen deutschem Verständniß näher gerückt;Erhat uns zuerst durch große kühneThatdargethan, daß Shakspeare auchunsgehört; die siebzehn Dramen, die Schlegel (und wann? undohneVorbild; ohne jegliche Beihilfe!)verdeutschte, sind so recht unser Eigenthum geworden.Leider kam eine Zeit, wo man sich die Miene gab, vergessen zu wollen, was wir ihm verdanken. Es ist ihm schändliches Unrecht widerfahren. Aber es läßt sich nicht leugnen: das größte Unrecht hat er sich selbst gethan durch thöricht-kindische Eitelkeit, die er leider unbefangen zur Schau trug. Wer ihn nach diesem äußerlichen Scheine beurtheilte, hatte freilich leichtes Spiel, um ihn lächerlich zu finden, wohl gar lächerlich zu machen. Wer jedoch Pietät genug besaß, in’s Innere zu dringen und denKerndes Mannes zu durchforschen, der verkannte gewiß nicht, daß er sich treu geblieben trotz mancher scheinbarer Geckereien.Das sollen nun auch diese Briefe darthun, die ein halbes Jahrhundert umfassen, und aus deren letzten noch uns derselbe August Wilhelm entgegentritt, den wir um seiner humoristisch-derben redlichen Aufrichtigkeit willen, schon in den ersteren lieben lernten.Gewöhnlich wollen auch Diejenigen, die ihn im Ganzen zu würdigen wissen, den Kritiker, den Sprachkünstler, den Uebersetzer allein gelten lassen, während sie denDichterkaum anerkennen.Erstens vergessen sie, daß umsozuübersetzen, wie Er’s den größten Dichtern gethan, der Uebersetzer selbst ein großer Dichter sein muß. Zweitens aber scheinen sie (Schlegels polemischer Poesieen, welche unerreichbare Meisterstücke bleiben, nicht zu gedenken), Dichtungen unter den seinigen vergessen zu haben, deren Tiefe und Gedankenreichthum der höchstmöglichen Formvollendung ganz entspricht. UnserBürgerwußte schon, weshalb er „dem jungen Aar, dessen Flug die Wolken überwinden“ würde, prophetisch zurief:„Dich zum Dienst des Sonnengott’s zu krönen,Hielt ich nicht den eignen Kranz zu werth, —Doch Dir ist ein besserer bescheert!“
Geboren zu Hannover 8. September 1767, gestorben zu Bonn am 12. Mai 1845.
Gedichte (1800) — Ion, Tragödie (1803) — Vorlesungen über dramatische Kunst und Litteratur, 3 Bde. (1809–11) — Poetische Werke, 2 Bde. (1811–15) — Indische Bibliothek, 2 Bde. (1820–26) — Kritische Schriften &c. &c.
All’ diese Büchertitel, mögen sich auch an einige derselben unsere jugendlich-begeisterten Erinnerungen knüpfen, sind doch keinesweges genügend die umfassenden Verdienste des Mannes einigermaßen zu bezeichnen. Wohin wir blicken, ist er von Jugend auf Vorgänger, Führer, Lehrmeister gewesen auf dem Wege zur Erkenntniß des Großen und Schönen in der Poesie aller Völker. Er ist’s gewesen, der mit genialem Fleiße Calderons geheimnißvolle Tiefen deutschem Verständniß näher gerückt;Erhat uns zuerst durch große kühneThatdargethan, daß Shakspeare auchunsgehört; die siebzehn Dramen, die Schlegel (und wann? undohneVorbild; ohne jegliche Beihilfe!)verdeutschte, sind so recht unser Eigenthum geworden.
Leider kam eine Zeit, wo man sich die Miene gab, vergessen zu wollen, was wir ihm verdanken. Es ist ihm schändliches Unrecht widerfahren. Aber es läßt sich nicht leugnen: das größte Unrecht hat er sich selbst gethan durch thöricht-kindische Eitelkeit, die er leider unbefangen zur Schau trug. Wer ihn nach diesem äußerlichen Scheine beurtheilte, hatte freilich leichtes Spiel, um ihn lächerlich zu finden, wohl gar lächerlich zu machen. Wer jedoch Pietät genug besaß, in’s Innere zu dringen und denKerndes Mannes zu durchforschen, der verkannte gewiß nicht, daß er sich treu geblieben trotz mancher scheinbarer Geckereien.
Das sollen nun auch diese Briefe darthun, die ein halbes Jahrhundert umfassen, und aus deren letzten noch uns derselbe August Wilhelm entgegentritt, den wir um seiner humoristisch-derben redlichen Aufrichtigkeit willen, schon in den ersteren lieben lernten.
Gewöhnlich wollen auch Diejenigen, die ihn im Ganzen zu würdigen wissen, den Kritiker, den Sprachkünstler, den Uebersetzer allein gelten lassen, während sie denDichterkaum anerkennen.
Erstens vergessen sie, daß umsozuübersetzen, wie Er’s den größten Dichtern gethan, der Uebersetzer selbst ein großer Dichter sein muß. Zweitens aber scheinen sie (Schlegels polemischer Poesieen, welche unerreichbare Meisterstücke bleiben, nicht zu gedenken), Dichtungen unter den seinigen vergessen zu haben, deren Tiefe und Gedankenreichthum der höchstmöglichen Formvollendung ganz entspricht. UnserBürgerwußte schon, weshalb er „dem jungen Aar, dessen Flug die Wolken überwinden“ würde, prophetisch zurief:
„Dich zum Dienst des Sonnengott’s zu krönen,Hielt ich nicht den eignen Kranz zu werth, —Doch Dir ist ein besserer bescheert!“
„Dich zum Dienst des Sonnengott’s zu krönen,Hielt ich nicht den eignen Kranz zu werth, —Doch Dir ist ein besserer bescheert!“
„Dich zum Dienst des Sonnengott’s zu krönen,Hielt ich nicht den eignen Kranz zu werth, —Doch Dir ist ein besserer bescheert!“
„Dich zum Dienst des Sonnengott’s zu krönen,
Hielt ich nicht den eignen Kranz zu werth, —
Doch Dir ist ein besserer bescheert!“
(Ohne Datum, ohne Auf- und Unterschrift.)[16]
Freylich kann jeder über mich denken, sagen und schreiben was er will; so lange ich es nicht erfahre und keine nachtheiligeWirkungen davon auf mich zurückfallen, gehts mich nichts an. Wenn aber jemand ein ungünstiges Urtheil über mich gefällt und mitgetheilt hat, wovon ich Wirkungen erfahre, so sehe ich nicht, daß es ein Eingriff in seine Rechte wäre, ihn darüber zu fragen, da er ja immer die Freyheit hat, mir eine Antwort zu verweigern, wenn er die Frage für ungebührlich hält. Selbst die Absicht, mit welcher ein solches Urtheil mitgetheilt seyn möchte, würde den Fall nicht verändern, wie mich däucht — wenn jemand mein Zutrauen mit freundschaftlicher Theilnahme aufnimmt, so bin ich ihm vielen Dank dafür schuldig, aber die Verbindlichkeit, die er mir dadurch auflegt, giebt ihm kein Recht zu richterlichem Ansehen über mich. — Ich habe mich in der Vermuthung, die zu meiner Frage Veranlassung gab, geirrt, und bitte in dieser Rücksicht um Verzeihung. — Was den Ton, die Manier, den Ausdruck betrifft, womit ich etwas sage, so bin ich eben nicht gewohnt, mich darüber zur Rechenschaft ziehn zu lassen. Es thut mir leid, wenn Sie damit unzufrieden sind, aber ich habe keine Antwort darauf. — Wenn ein Mann von Ehre sich von mir beleidigt hält, und ich kein Unrecht von meiner Seite anerkenne, so muß ich ihn den Weg zur Ausgleichung selbst wählen lassen. —
Jena, den 11ten Dec.(Ohne Jahreszahl.)
Es ist schön, daß unsre Briefe einander auf halbem Wege entgegen gekommen sind. Die Correspondenz ist also nun förmlich eingerichtet, bis zur persönlichen Bekanntschaft, auf die ich mich lebhaft freue.
Haben Sie Dank für die übersandten Volksmährchen, sie haben mir eine sehr angenehme Lectüre gewährt, es verdrießt mich nun noch mehr, daß sie ein Andrer, wie mir däucht, nichtmit sonderlicher Einsicht, beurtheilt hat, und ich sinne darauf, wie diese Versäumniß wieder gut zu machen wäre. Ihr Don Quixote soll mir gewiß nicht entgehen; ich bin überzeugt, daß es Ihnen damit sehr gelingen wird, da Sie die darstellende Prosa so in Ihrer Gewalt haben. Der Don Quixote ist vielleicht unter allen RomanenvorW. Meister derjenige, der am meisten von dem epischen Numerus hat, worüber ich in der Beurtheilung von Hermann und Dorothea einiges gesagt. Die vielen spanischen Participien werden Ihnen einige Noth machen; ich denke, sie müssen in den meisten Fällen in direkte Sätze aufgelöst werden, so daß ungefähr eine so leichte Wortfolge und Structur, wie im W. M., bei gleicher Fülle, heraus käme.
Ihr Prolog unter den Volksmährchen ist ein allerliebster Einfall, und voll vonallerliebsten Einfällen. In dem blonden Ekbert fand ich ganz die Erzählungsweise Göthes in seinem Mährchen, im W. M. u. s. w. Sie haben sich diesen reizenden Ueberfluß bei gleicher Klarheit und Mäßigung auf eine Art angeeignet, die nicht bloß ein tiefes und glückliches Studium, sondern ursprüngliche Verwandtschaft der Geister verräth. So auch mit den Liedern. Man hätte mich mit einigen davon täuschen können, sie wären von Göthe. Seltner glaubte ich darin einen von den zerstreuten Zauberklängen in Shaksp.’s Liedern zu hören. Ueberhaupt würde man, wie mir däucht, Ihre innige Vertrautheit mit diesem Dichter weniger vermuthen. Vielleicht kommt es nur daher, weil Sie noch nichts in Sh.s Form dramatisirt haben. Ein romantisch komisches Schauspiel, der ernsthafte Theil in fünffüßigen Jamben, auch wohl mit untermischten Reimen, nur der komische Dialog in Prosa, das müßte Ihnen herrlich gelingen. Ich glaube, Sie müssen bei Ihren nächsten Dichtungen hauptsächlich darauf achten, Ihre Kraft zu einer recht entschiedenen Wirkung zu konzentriren, und vielleicht ist selbst die äußere Schwierigkeit hierzu ein Mittel.
Den Lovell lese ich mit großem Interesse, doch scheint mir von ihm bis zu einigen der Volksmährchen noch ein großer Schritt zu sein.
ImBerneckund derschönen Magelonefinde ich noch einige Erinnerungen an die frühere Manier. Jener hat mich überhaupt am wenigsten befriedigt. In der Magelone wurde mir die Schwierigkeit sichtbar, schwärmerische Regungen der Liebe in einem alten Kostüm ohne moderne Einmischungen darzustellen. Doch sind die Lieder allerliebst, und auch einige Stellen der Erzählung, z. B. den Traum S. 185, 186 könnte Göthe eben so geschrieben haben. Sie verzeihen, theuerster Freund, daß ich Ihnen mein Urtheil so unbefangen sage, als ob wir schon Jahre lang mit einander umgegangen wären. Lassen Sie mich doch auch einmal Ihre Meinung über meine Gedichte im Almanach erfahren, wenn es Ihnen nicht mühselig ist, und Sie es in der Kürze können.
Auf Ihre Briefe über Shakespeare bin ich sehr begierig. Wie sind Sie mit meinem Aufsatze über Romeo zufrieden gewesen? Ich hoffe, Sie werden in Ihrer Schrift unter anderm beweisen, Sh. sei kein Engländer gewesen. Wie kam er nur unter die frostigen, stupiden Seelen auf dieser brutalen Insel? Freilich müssen sie damals noch mehr menschliches Gefühl und Dichtersinn gehabt haben, als jetzt. Ihre beiden Conjecturen imSturmleuchten mir sehr ein, doch weiß ich nicht, ob ich sie in die Uebersetzung aufnehmen darf — es würde eine Note fordern, und ich mache keine Noten. — Die Englischen Kritiker verstehen sich gar nicht auf Sh. — ich will Ihnen ein Beispiel einer schlechten Conjectur von Malone geben, der doch sonst für den bestengilt, und auch, wo es bloß auf das diplomatische Vergleichen und Auftreiben veralteter Redensarten ankommt, wirklich ist. Die Stelle ist inWhat you will, in meiner Uebersetzung S. 197.
She took the ring of me: I’ll none of it.Hier willMalone nachmeein Fragezeichen setzen: Sie sollte den Ring von mir genommen haben? Der dumme Mensch kann nämlich nicht begreifen, daß Viola Gegenwart des Geistes genug hat, um in Olivias Erfindung hinein zu gehen, und sie nicht gegen den Malvolio Lügen zu strafen. — So ist im Romeo eine Stelle, über die sich Johnson den Kopf zerbricht, obgleich nichts leichter zu verstehen ist. Es wäre rühmlich für unsre Nation, wenn wir einmal einekritische Ausgabedes Engl. Sh.’s bekämen, welche den in England erschienenen vorzuziehen wäre. Nicht selten wünschte ich Sie über einzelne Stellen Sh-s befragen zu können, ob Sie sie eben so wie ich verstehen?
Leben Sie recht wohl.
Ihr ergebensterA. W. Schlegel.
Ihr ergebenster
A. W. Schlegel.
Jena, den 30. Nov. 98.
Liebster Tieck!
Sie haben mich durch Ihren freundschaftlichen Brief und durch Ihr Urtheil über meine letzten Gedichte sehr erfreut. Das letzte kann ich Ihnen in Ansehung des Sternbalds noch nicht erwiedern, — ich las den 2ten Band nicht gründlich genug, und muß ihn im Zusammenhang mit dem ersten noch ruhiger erwägen, ein Genuß, den ich jetzt eben bei ein Paar ziemlich freien Tagen vor mir habe. Schicken Sie mir nur den 2ten Theil für Göthe, ich werde ihn bestens besorgen, und Ihnen auch, wenn Sie es wollen, Goethe’s Urtheil mittheilen. Wegen des Shaksp. kann ich nicht unterlassen, Sie ohne Aufhören und ohne alle Gnade zu tribuliren, bis Sie die Recension geliefert haben — mir liegt erstaunlich viel daran. Da Sie die Sache so sehr in Ihrer Gewalt haben, so kann die Verlegenheitbei dem kritischen Geschäft bloß von dem Mangel an Uebung herrühren, und Sie werden es selbst noch in der Folge sehr bequem finden, wenn Sie sich in diese hinein geschrieben haben, und nun nach Belieben mit den Autoren umspringen können. Am Ende rechne ich es Ihnen noch gar als eine Gefälligkeit von mir an, daß ich Ihnen Gelegenheit zu einer Recensirübung gebe? Also die Recension, mein lieber Tieck! Den Maulthierszaum! meinen Maulthierszaum! An Ihrem Zerbino wird jetzt hier gedruckt; ich mache mein Unrecht gegen ihn wieder gut, daß ich ihn in Berlin nicht einmal konnte vorlesen hören, und habe, da die Setzer und Frommann selbst mit Ihrer Hand nicht zum Besten fortkommen können, die letzte Correctur übernommen. Zwei Bogen habe ich schon gehabt, es geht rasch mit dem Druck, und man erwartet wieder Manuscript von Ihnen. Ich habe mich an diesem Anfange schon sehr ergötzt. Ich weiß nicht, ob ich Ihnen schon einmal den Vorschlag that, einen Spaß-Almanach, aber nur ein einziges Mal, herauszugeben? Wenn Sie Lust dazu haben, wollen wir uns näher verabreden — wir beiden müßten die Hauptsache dabei thun — mein Bruder lieferte uns eine Anzahl witziger Fragmente, — Bernhardi einen Aufsatz — übrigens müßten wir uns an keine Form ausschließend binden — Prosa, Verse, Räsonnement, Erzählung, Parodie, kleine Dramen in Hans Sachsischer Manier, Epigramme in Distichen u. s. w. — Mir sind eigentlich schon von einem Buchhändler Vorschläge geschehen, bei dem ich wieder anfragen könnte.
Sollte er nicht wollen, so schlügen wir es etwa Unger vor, der ja mancherlei Kalender herausgiebt.
Falk’s Taschenbuch vom nächsten Jahr ist noch nicht da — ich glaube doch nicht, daß es sich lange mehr halten kann.
Von wem sind denn dieSchattenspiele, die in B. herauskommen?
Was macht Ihr Don Quixote? Vergessen Sie ihn ja nicht.
Meine Frau läßt sich für den alten Phantasus schönstens bedanken, der ihr unendlich viel Vergnügen gemacht hat, — überhaupt für die vielen reizenden Liederchen.
Grüßen Sie Ihre liebe Frau von mir und Bernhardi.
Ganz IhrA. W. Schlegel.
Ganz Ihr
A. W. Schlegel.
Jena, d. 16. Aug. 99.
Es hat uns gefreut, ein Zeichen des Lebens von Dir selbst zu erhalten; von Deiner Ankunft in Giebichenstein hatte uns Hardenberg schon benachrichtigt.
Ich will Dir nur gestehen, daß ich über Dein Schweigen schon ein wenig ergrimmt gewesen, und daß Du etwas sehr schönes dadurch versäumt hast. Nämlich gleich nach Deiner Abreise verfiel ich auf’s Dichten, und habe eine Anzahl Sonette und eine Canzonetten zu Stande gebracht. Dies wollte ich Dir zuerst schicken, um sie dann an Friedrich zu übermachen; nun habe ich die Abschrift in meinem Zorn an diesen gesandt, und Du bekommst sie nicht eher zu sehn, als bis Du mir die in Fischartschen Ausdrücken angekündigte Rezension schickst, d. h. auf Skt. Nimmerstag.
Gut, daß nur endlich der erste Band der Dichtungen fertig ist, und Zerbino seine Reise nach dem schlechten Geschmack, ich meine: unter das Publikum, bald antreten kann. Es ist eben gut, daß er zugleich mit dem neuesten Athenäum kommt, das ich nun endlich auch habe, und in der That sehr ergötzlich finde. Wie Friedrich meldet, hat der lit. Reichsanzeiger in B. große Sensation gemacht, und von den beleidigten Parteien sich schon viel Zetermordio dagegen erhoben.
Caroline hat eine solche Angst vor den Folgen, daß sie noch nicht gewagt hat, hinein zu gucken, und überall wo sie es nur von ferne liegen sieht, die Hände über den Kopf zusammen schlägt. Man muß sehen, ob man vermittelst dieses Motivs noch am Ende durchdringt und die Fortsetzung des Athenäums möglich macht. Frölich hat sich die Sache auch nicht zweimal sagen lassen, und gleich die Fortsetzung der anstößigen Rubriken gemeldet. Es wäre artig, wenn am Ende unsre schönen ernsthaften Sachen auf Unkosten der Teufeleien leben müßten. Da ich diesmal fast alles gemacht habe, so kann ich für’s erste auf meinen Lorbeern ruhn, und Alles von Euch erwarten.
Bernhardi hat sich zu Verschiednem angeboten, und Du wirst Dich hoffentlich auch nicht lumpen lassen, wenn Du bedenkst, daß Teufeleien die zärtlichste Art sind, mir Liebe zu beweisen, ja noch zärtlicher, als durch Rezensionen. Thu aber bald dazu — ich wünschte sehr, daß das nächste Stück noch auf Michaelis erschiene, und wenn Du etwas ausheckst, so schick’ es mir zuvörderst zu.
Ich wäre etwa in der Stimmung, noch mancherlei zu dichten, wenn ich nicht an den verwünschten Richard den II. müßte, in den ich gar nicht hinein kommen kann, weil ich durch die vielen Zerstreuungen ganz verwildert bin. Die Sonette gehören, unter uns, zu dem besten, was ich noch je gemacht habe. Ich bin nun sehr begierig auf Deine Genoveva. Bleibe ja bei dem Entschlusse, erst wenn sie fertig, den Druck anfangen zu lassen.
Goethe ist immer noch in W. —
Meine Verwandten, die hinüber gereist sind, haben ihn in sehr guter Laune getroffen und gesprochen. Was er zum Athenäum sagt, weiß ich noch nicht, — ich habe es ihm erst heute geschickt.
Lebe wohl — viele herzliche Grüße von allen an Dich und Deine liebe Frau.
Höre, ich werde mir ein Sonett von Dir zum Geschenk ausbitten. Ich habe in dem alten auf die Cleopatra die Terzinen zurecht gerückt, das auf die Leda aus meinem eignen Italiänischen übersetzt, und möchte nun noch einen Pendant auf die Io von Correggio dazu haben, die Du wohl aus dem englischen Kupferstiche kennen wirst.
Du mußt dies aber ein wenigstrengearbeiten, damit man es wirklich fürmeinWerk halten kann. — Vielleicht schicke ich von diesen beiden eine Abschrift noch mit — es sind die beiden einzigen, die ich Friedrich noch nicht mitgeschickt!
Lebe nochmals wohl.
DeinA. W. S.
Dein
A. W. S.
Wenn Du eine Gelegenheit weißt, Schellings Schrift früher nach B. an Friedrich ohne Kosten zu befördern, als Du selbst hingehst, so thu es doch. Er verlangt sehr danach.
Bamberg, d. 14. Sept. 1800.
Habe Dank für Deinen innigen freundschaftlichen Brief, der mir wohlthätige Thränen entlockt hat. Freilich bin ich jetzt leichter zu rühren, als je: es ist, als hätte ich alle meine Thränen hierauf gespart, und manchmal habe ich ein Gefühl gehabt, als sollte ich ganz in Thränen aufgelöst werden. Wenn die geliebten Wesen in unsern Gesinnungen leben, wie Du sagst, so hätte Auguste nie mehr gelebt, als jetzt; ich wußte zwar, daß ich sie sehr liebte, aber ihr Tod hat alle noch verborgene Liebe ans Licht gerufen. Um das schmerzlich süße Andenken zu nähren, ist noch ein Bild von ihr vorhanden,zwar vor beinah zwei Jahren gemalt, aber doch ähnlich. Vor Kurzem haben wir für’s erste eine Zeichnung darnach bekommen; mit einem leisen Heiligenschein umgeben, steht sie auf meinem Zimmer, und wird stündlich von mir betrachtet und angebetet.
Caroline dankt herzlich für Eure Theilnahme. Sie hatte vor ein paar Wochen eine Unpäßlichkeit, die ihre Kräfte gleich wieder völlig erschöpfte, jetzt ist es besser, doch wird sie schwerlich ihre volle Gesundheit wieder bekommen. Wie ist es möglich bei diesem Gram, der sie oft halbe Nächte wach und weinend erhält.
Du hast mich sehr dadurch verbunden, daß Du gleich an Deinen Bruder geschrieben. Zwar muß ich beinah die Hoffnung aufgeben, daß er nach Deutschland kommen und die Arbeit des Monuments über sich nehmen wird. Denn nicht lange, nachdem ich den Brief an Dich abgeschickt, erhielt ich über Jena einen von ihm, als Antwort auf den, vorigen Winter, bei Dir eingelegten, worin er äußert, daß er auf den Winter schon nach Italien zu gehen hofft. Indessen, wer weiß, ob er sich nicht bei der ungewissen Aussicht auf den Frieden und den unruhigen Zeiten, noch entschließt, seinen Plan zu verändern, und Gesellschaft mit Humboldts macht, um den Winter mit Dir und andern Freunden in B. zuzubringen? Es wäre herrlich.
Auf jeden Fall kann es nicht schaden, daß Du ihm geschrieben, denn es ist sein Auftrag an mich, Dich zu mahnen. Wenn er nun auch den Vorschlag wegen des Sarkophags nicht eingehen kann, so hat er doch bei Gelegenheit einige Nachricht von Deinem Thun und Treiben bekommen. Ich selbst habe ihm noch nicht antworten können, weil er mir seine Addresse nicht meldet, die Du nicht vergessen wirst, Deinem nächsten Briefe beizufügen.
Auf den Fall, daß Dein Bruder nicht zurück kommt, habeich bei Schadow vorläufig anfragen lassen. Will oder kann dieser nicht, oder ist zu übertrieben in seinem Preise, so werde ich Goethe erst zu Rathe ziehn, an wen ich mich am beßten wenden könnte. Vielleicht an Dannecker in Stuttgart? Freilich wäre ich gern gegenwärtig bei dem Entwurfe. — Ob es mir erlaubt wird, das Denkmal in den Brunnenspatziergang an die schöne Stelle, die ich ausgewählt, zu setzen, darüber habe ich bei den unruhigen Kriegszeiten noch keine Entscheidung erhalten können. Die Sache liegt mir sehr am Herzen, und die Kosten werden wir nicht dabei sparen — eine beträchtliche Summe ist schon dafür bestimmt. Nun von unsern literarischen Beschäftigungen und Planen. Cotta schreibt mir: ich möchte wegen des poetischen Taschenbuchs das Grundhonorar selbst bestimmen, er wollte darnach die Anzahl des hierzu erforderlichen Absatzes reguliren; welches mir ganz billig scheint. Ich werde nun 60 Lsd. vorschlagen, so kommt doch, wenn wir 12 Bogen 12ºà24pag.(also 288–300 S.) rechnen, auf den Bogen 5 Lsd. — Freilich werden wir alle Beiträge honoriren müssen, da wir schwerlich andre aufnehmen, als von Friedrich, Hardenberg und Schelling. Alle drei haben mir die besten Besprechungen gemacht. Spare von nun an doch alle Deine Gedichte, die nicht in größere Compositionen gehören, dafür auf. Es hat mich schon geängstigt, als ich hörte, daß Du an Friedrich 20 Sonette für das poetische Journal geschickt. Gesehen habe ich dieses noch nicht, wie wohl mir schon vor einiger Zeit geschrieben ward, es sei fertig gedruckt. Ich erwarte es posttäglich mit der größten Begierde.
Ich für mein Theil bestimme alles, was ich von jetzt an dichte, für das Taschenbuch, und habe mancherlei Ideen und Plane. — Ueber den Gegenstand meiner Trauer ist erst ein Lied und ein Sonett entstanden, ich habe nicht Ruhe und Muße gehabt, es wird aber eine ganze Reihe werden. Auch andre ernsthafte Sachen habe ich vor, vielleicht vom Legendenwesen.
Ich weiß nicht, ob ich Dir schon geschrieben, daß ich nach Deiner Abreise von Jena eine Burleske, oder vielmehr eine Composition und Sammlung von Burlesken angefangen, auf Kotzebue’s Siberische Verhaftung und Reise. Ich habe es seitdem hingelegt, weil ich natürlich keine Stimmung dazu hatte.
Das Ding muß grade herauskommen, wenn er nach Deutschland zurückkehrt. Nun heißt es in der neuesten Allgem. Zeitung, er sei immer noch gefangen in Schlüsselburg.
Sollte sich also seine Freilassung so lange verzögern, so könnte ich mich wohl entschließen, die Sachen, versteht sich, unter der besondern Rubrik: „Ehrenpforte und Triumphbogen für den Theaterpräsidenten von Kotzebue bei seiner Rückkehr in das Vaterland der Plattheit,“ in das Taschenbuch zu geben, welches dadurch unstreitig großenéclatmachen würde. Fertig sind 6 Sonette, einige Epigramme in Distichen, ein componibles Lied und eine Romanze. Nun sollten noch Sonette und Epigramme, eine epistolarische Reisebeschreibung in Terzinen, und ein ganz kleines Dramolet hinzukommen. — Es muß, versteht sich, vorher nichts davon verlauten.
Schelling giebt uns gewiß manches, für’s Erste die letzten Worte des Pfarrers &c. und dann vermuthlich einige Lieder. Er würde wohl mehr dichten, wenn er jetzt nicht viel Zeit durch Kränklichheit verlöre. Er hat letzthin einen Gesang aus Dante’s Paradies ganz durch in Terzinen übersetzt, den er erst noch durchbessern, und Dir dann für das Journal anbieten wollte. Ich könnte allenfalls eine Anmerkung über den Dante und die Weise ihn zu übersetzen, dazu geben. —
So viel vom Taschenbuch. Mit dem andern Project, dem kritischen Institut, ist es auch in Richtigkeit. — Cotta nimmt es in Verlag, und zahlt 3 Lsd. für den Bogen. Mit Anfang 1801 soll es erscheinen. Es wäre schon eine vorläufigeAnkündigung gedruckt worden, wenn wir nicht noch mit Fichte in allerlei Unterhandlungen wären, und auf seinen Entschluß warteten, ob er die Redaction gemeinschaftlich mit mir übernehmen will.
Dir den ganzen Verlauf zu erzählen, wäre zu weitläuftig, Du kannst Dich in Berlin gleich von Schleiermacher davon unterrichten lassen. Der Letzte wird Dir auch den schriftlichen Entwurf der Jahrbücher mittheilen. Ich hoffte, er sollte Dich noch in Berlin treffen, da Du aber nicht mehr da warst, so hielt ich es nicht für nöthig, ihn Dir besonders zu schicken, da ich schon mündlich alles mit Dir durchgesprochen hatte. Denke nun ja mit rechtem Eifer und bald auf Beiträge. Erwarte dabei nicht meine Vorschläge, sondern besinne Dich selbst auf die im Guten oder Ueblen merkwürdigen Erscheinungen, besonders im dramatischen und Romanenfache, die Du übernehmen möchtest, und gieb sie mir an. In der Form, weißt Du, bist Du durchaus nicht gebunden. Ich trage jetzt Schillern die Selbstanzeige seines Wallenstein an, läßt er sich nicht darauf ein, so gebe ich ihn in Deine Hände. Ich werde es Dir baldigst melden, und wünsche sehr, es noch für den ersten Band zu bekommen.
In der Sammlung von Schillers Gedichten sind auch wieder schöne Fehlgriffe, — doch man muß ihm nicht alles auf einmal vorrücken.
Eine Anzeige Deiner romantischen Dichtungen von Dir selbst würde mir und auch gewiß Frommann sehr erwünscht sein. Du klagst mit Recht über die verwünschte Nothwendigkeit, für Geld arbeiten zu müssen. Indessen werden doch die Zeiten allmälig wieder besser, und wenn sich die Jahrbücher und das Taschenbuch im Gange erhalten, wie ich zu Gott hoffe, und wozu wir das unsrige thun wollen, so ist Dir da sowohl für kleinere Gedichte, als kritische Arbeiten ein besseres Honorar gesichert, als Du bisher bekamst. Mit den größernWerken ist mein Rath, sie lieber länger zurück zu halten, als unter ihrem Preis wegzugeben. — Mit den Novellen soll es, wie ich hoffe, auch noch gehen, wenigstens denke ich den Soltau so zugerichtet zu haben, daß er noch vor Ende des Don Quixote völlig den Hals brechen muß. Ich bin hier, besonders in der letzten Zeit recht fleißig gewesen. Heinrich V. ist mir sehr sauer geworden, auch habe ich, so sehr ich das Stück liebe, mit Abneigung daran gearbeitet. Endlich habe ich diesen Stein vom Herzen und Heinrich VI. entschädigt mich durch die Leichtigkeit und Schnelle, womit er von Statten geht. In sechs Tagen sind 2 Acte fertig geworden, und ich denke noch das Ganze von hieraus zu expediren. Alsdann begleite ich Carolinen nach Braunschweig, gehe auch nach Hannover auf einige Tage und so nach Jena zurück. Hier werde ich nun die Arbeiten für die Jahrbücher sogleich vornehmen, und dann vermuthlich in der letzten Hälfte des Winters nach Berlin kommen, wo wir recht viel zusammen leben wollen. Ich sehne mich recht nach unsern Gesprächen und Vorlesungen. Du wirst mich vielleicht in manchen Stücken verändert finden, — es muß natürlich den Sinn mehr von der äußern Welt abziehen, wenn man vor allem mit einem abgeschiedenen Wesen lebt. — Die Flecke auf der ersten Seite sind Spuren von Thränen, — ich erwähne es nicht als eine Seltenheit, — denn diese Libationen auf das Grab des geliebten Mädchens werden sich immer erneuern, diesen Tod werde ich nie aufhören, zu beweinen. Auf die erste Nachricht habe ich geglaubt, wahnsinnig zu werden, — dieser wüthende und empörte Schmerz stellte sich auch bei dem Besuche in (unlesbar) wieder ein. In der mildesten und heitersten Stimmung liegt mir doch die Wehmuth beständig nahe. Lebe recht wohl, mein geliebter Freund, ich grüße Deine Amalie aufs herzlichste und küsse die allerliebste kleine Dorothea. Wenn Du mir von Hamburg aus nochantwortest, so addressire nach Braunschweigbeim Professor Wiedemann, sonst nach Jena. Nochmals Adieu.
DeinA. W. S.
Dein
A. W. S.
Denke Dir, vor einigen Tagen lasen wir ganz zufällig in einer französischen Zeitung, daß der gute Eschen, auf einer Alpenreise, in eine Eisspalte gestürzt und kläglich umgekommen ist. Es hat mich recht gejammert. Er hat mir noch seinen Horaz geschickt mit einem Briefe, den ich erst bekam, wie er schon todt war.
Braunschweig, d. 23. Nov. 1800.
Verzeih, liebster Freund, daß ich Dir so lange nicht geschrieben habe, Reisen, Zerstreuungen und Beschäftigungen haben mich abgehalten. Nun hoffe ich bald Dich wieder zu sehn und eine Zeitlang mit Dir zu lieben. Also nur das Nothwendige von Geschäften.
Du weißt, daß Cotta im Ganzen auf unsre Forderungen eingegangen ist, nur mit der Einschränkung, daß ein Theil von den 100 Lsd. als Grundhonorar festgesetzt, und das übrige erst, wenn der Erfolg der Erwartung entspräche, nachgezahlt werden sollte. Er schlug mir vor, die Summe des Grundhonorars zu bestimmen, dann wolle er die Zahl von Exemplaren bestimmen, nach deren Absatz er das übrige nachzahlen könne. Ich nannte nun, mit Voraussetzung Deiner Genehmigung, 60 Lsd. als das Grundhonorar; Cotta ist es zufrieden, und verspricht nach Absatz von 1000 Ex. das übrige nachzuzahlen. Dieses scheint mir billig, er muß von einem solchen Taschenbuch wohl 1500 absetzen, wenn er beträchtlichen Vortheil haben soll. Von Schillers Almanach, den er freylichauch wohl noch stärker bezahlt, sind immer 21–2200 Ex. gedruckt und, ich glaube, auch ziemlich vollständig abgesetzt worden.
Ich betrachte nun also die Sache als völlig in Richtigkeit gebracht. Mit dem Honorar, denke ich, machen wir nun folgende Einrichtung. Das Taschenbuch muß etwa 300 S. also 13–14 Duodezbogen à 24 Seiten enthalten. Wir honorirten also etwa unsre und der Freunde Beyträge mit 4 Lsd.perBogen. Die 40 Lsd. die nachgezahlt werden, wenn es gelingt, theilen wir nachher unter uns. Hat das Taschenbuch gleich einen guten Erfolg, so entschließt er sich nachher wohl, die gesammten 100 Lsd. künftig sogleich zu zahlen, und dann können wir die Beyträge vielleicht noch etwas höher honoriren. Denn auf unhonorirte Beyträge müssen wir schlechthin nicht speculiren, um nicht in das gewöhnliche Musenalmanachswesen zu verfallen. Es muß schlechthin nichts aufgenommen werden, was von einem zweydeutigen halben Talent zeugt, und wir müssen uns die Grobheit nicht verdrießen lassen, wenn man uns so etwas aufdrängen wollte. Wir beyden, dann Hardenberg, Friedrich und Schelling (der sich aber vermuthlich nicht wird nennen wollen) können das Büchlein schon hinreichend anfüllen. Ritter hat sich auch mit poetischem Studium abgegeben, und ich habe Friedrich ermahnt, ihn väterlich anzuleiten: aber da wird wohl für’s erste noch nichts zu Stande kommen.
Was das beste ist, so schreibt mir Cotta, Goethen und Schillern würde er gern bey Arbeiten für das Taschenbuch ihre eignen Bedingungen zugestehn. Du weißt vielleicht, daß dießmal kein Schillerscher Musenalmanach erscheint; sollte er nun auch in Zukunft unterbleiben, wie ich vermuthe, (da Schiller sich wahrscheinlich ganz dem Theater widmen will), so werden uns die beyden, was sie an kleinen Sachen hervorbringen, gewiß nicht verweigern und so kann unser Taschenbuchleicht der Musenalmanachpar excellencewerden. Ich schreibe nächstens an Goethe darüber.
Zum einzigen Kupfer dabey wünschte ich für dießmal Goethe’s Porträt. Ich werde mich bemühen, nach Burys Bilde, das jetzt in Hannover steht, eine Zeichnung zu bekommen.
Nun ist also nur übrig, daß wir eifrig für das Taschenbuch sammeln. Noch habe ich zwar nicht vieles ausgeführt, aber eine Menge Gedanken zu Gedichten. Deine Sonette im Journal sind göttlich, ich habe sie oft mit großer Erquickung meines innersten Gemüths gelesen, und finde immer neue Tiefen darin. Fast hat es mir Leid gethan, daß sie nicht für das Taschenbuch aufgehoben worden. Indessen, Du lobst die andern Theilnehmer darin, und das würde denn freylich für eine Unschicklichkeit gelten. Ich baue auch auf Deine Fruchtbarkeit. Nur bitte ich Dich inständigst, jetzt von Deinen einzelnen Poesien ja nichts zu verzetteln, sondern alles beysammen zu halten und aufzusparen.
Friedrich wird uns mit Lyrischen Stücken in Spanischen und Italienischen Formen versorgen, (ich habe schon eine göttliche kleine Canzone von ihm) Hardenb. mit einheimischem Liedergesange; von Dir wünschte ich ganz besonders auch einige Romanzen. Versteht sich die freyen Lieder, Fantasieen, oder die mehr geordneten Lieder, Sonette und was es ist, wird auch willkommen seyn. — Ich werde wohl der einzige seyn, der Gedichte in antiken Formen unter die modernen mischt: den Plan zu einer zweyten lehrenden Elegie über die Gestirne hatte ich, wie Du weißt, lange. Jetzt gehe ich mit einer Idylle in deutschem lokalen Kostüm um. — Meine lyrischen Sachen werden meist alle zu einem Todtenopfer bestimmt seyn. —
Von Schelling (der von Deinen Sonetten ebenfalls sehrbezaubert ist) haben wir denPfarrer[17], an dem er noch einiges verändert hat. Er schreibt mir: „Das poet. Taschenbuch wird nun ohne Zweifel bald ganz entschieden seyn. Wie froh wäre ich, mich mit würdigen Beyträgen anschließen zu können. Allein ich befinde mich hier jetzt in einer solchen prosaischen Lage, daß ich schwerlich so bald etwas neues zu Stande bringe. — Ein Lied jedoch kann ich Ihnen anbieten.“ — Bis zum Sommer wird ohne Zweifel noch manches hinzukommen.
Von Hardenberg habe ich noch das Lied an Dich über Jakob Böhme; sonst habe ich lange nichts von ihm vernommen.
Das sind so ungefähr die Aussichten. Laß mich vorläufig Bibliothekar und Registrator des Taschenbuchs seyn. Nach Neujahr hoffe ich nach Berlin zu kommen, und da wird unser Beysammenseyn noch manches hervorlocken.
Alsdann wollen wir auch überlegen, ob es besser ist, ganz friedlich mit reiner Poesie anzufangen, oder gemeinschaftlich eine große Teufeley auszubrüten. Die Abgeschmacktheit und Niederträchtigkeit ist groß, wie Du aus Falk’s Taschenbuch und den Rez. davon und von Deinem Zerbin in der A. L. Z. ersehen haben wirst. Die Frage ist nur, ob der Kampf grade an dieser Stelle fortgeführt werden soll, oder ob wir lieber ganz in unsrer Welt daheim bleiben sollen.
Ich habe auf meine eigne Hand einmal einen Streich ausgeführt, nämlich mit der Kotzebueschen Posse, die jetzt gedruckt wird und die Du nächstens erhalten wirst. Ich bin sehr begierig, wie sie Dir gefallen mag. Für das Taschenbuch wäre der Spaß viel zu weitläuftig gewesen, denn es werden an die sechs Bogen; auch dürfte es nicht veralten, da K. nun schon eine Weile her wieder im Glück ist.
Noch eins; Cotta überläßt es uns, den Druck des Taschenbuchs selbst zu wählen. Lateinische Lettern wirst Du nicht wollen; es bleibt also nur die Wahl zwischen gewöhnlichen Deutschen und Ungerschen. Ich bin für die letzten. Wie hübsch nehmen sich Goethe’s neuste Gedichte aus!
Dein 4ter B.D. Q.ist ja nun auch wohl fertig. Soltau’s Angriff auf mich in der A. L. Z. wirst Du wohl gelesen haben. Ob er mit der Beschuldigung gegen Dich, denalanobetreffend, Recht hat, weiß ich nicht, da ich das Original nicht in Händen habe.
Das Verdrießliche ist, daß er uns mit den Novellen wirklich zuvorgekommen. Die ersten Bogen habe ich in Händen, sie werden hier bey Vieweg gedruckt, und sind vielleicht um ein weniges besser, wie seinD. Q.Er ist doch, wie es scheint, ein wenig in sich gegangen. — Es wird für uns schwer halten einen Verleger zu finden, und wir werden unsern Plan mit dem ganzen Cerv. vielleicht erst in Jahren ausführen können.
Mich verlangt sehr, von dem Fortgang Deiner eignen Arbeiten, Sternbald und Gartenwochen etwas zu hören.
Ich habe mich herzlich gefreut über den Preis, den Dein Bruder gewonnen, und es thut mir nun doppelt leid, daß er nicht nach Deutschland kommt, um das Monument ausführen zu können. Melde mir seine Addresse, ich wollte gern einen schon vor langer Zeit von ihm empfangenen Brief beantworten.
(Ohne Schluß.)
(Ohne Schluß.)
Braunschweig, den 1. Dec. 1800.
Liebster Freund!
Cotta wünscht, wie Du wissen wirst, ein Titelkupfer zu dem poet. Taschenbuch. Ich habe ihm dazu Goethe’s Bildniß vorgeschlagen, in der Hoffnung, nach Bury’s großem Oelgemäldeeine Zeichnung des Kopfes erhalten zu können. Das Gemälde hatte Bury von Berlin nach Hannover geschickt, es war eben dort angekommen, als ich abreiste. In der Vermuthung, daß er nun schon nachgekommen wäre, schrieb ich an einen Freund in Hannover, die Sache zu betreiben, der mir aber meldet, B. sei bis jetzt nicht angekommen und müsse ohne Zweifel noch in Berlin sein. Ich wollte ihm erst schreiben, aber Du wirst es mündlich besser ausrichten können, da Du ihn schon persönlich kennst. Zuvörderst müßtest Du anfragen, ob er es überhaupt zugeben will, daß der Kopf aus seinem Bilde Goethe’s in Kupfer gestochen werde; dann, ob er eine Zeichnung davon, im Format der Schillerschen Almanache etwa selbst übernehmen will und kann, und wann er sie liefern würde? Es versteht sich, daß sie Cotta gehörig bezahlen muß, dieser wünscht sie aber bald einem Kupferstecher übergeben zu können. Du könntest B. auch fragen, welchem er sie am liebsten anvertrauen würde? versteht sich, unter denen, die man zu einer so schnell zu fertigenden Arbeit haben kann. Endlich, wenn es noch zu lange währt, ehe B. nach Hannover kommt, oder er die Zeichnung überhaupt nicht übernehmen will, ob er zugiebt, daßHuckden Auftrag dazu bekäme?
Beweise Dich zum erstenmal als Redacteur des Taschenbuches, liebster Freund, indem Du diesen Auftrag schleunigst besorgst, und mir sogleich Nachricht von dem Erfolge ertheilst. Ich habe auf jeden Fall noch eine Profilzeichnung von Goethe in Petto, welche uns dienen könnte, allein dieses majestätischeen faceim Styl der alten Tragödie würde unsern Eingang doch glorreicher machen.
Gehab Dich wohl und schreibe recht bald. Grüße an die Deinigen.
A. W. S.
A. W. S.
Melde die Addresse Deines Bruders.
B., d. 23. Apr. 1801.
Liebster Freund, ich danke Dir sehr für die Nachricht von meiner Schwester Gesundheit, und bitte Dich, ihr und den Ihrigen meine herzlichste Freude und Glückwünsche auszudrücken. Daß Du nicht nach Jena gehst, ist sehr traurig. Alle werden sehr in ihrer Erwartung getäuscht sein, Carol. die jetzt wieder dort ist, Schelling und Friedrich. Schelling schreibt, er hoffe viel mit Dir zu verkehren, und habe Dir manches mitzutheilen, worüber er Deine Meinung zu hören wünsche. Noch übler ist es, daß Deine Gesundheit der Grund Deines aufgegebenen Planes ist. Ich beschwöre Dich, pflege sie ja recht. Ich glaube, laue Bäder würden Dir vor allem wohl thun, in Dresden ist dazu sehr reinliche und wohlfeile Anstalt.
Der Streit wegen des Logirens fällt jetzt von selbst weg; indessen, wenn Du im Herbste hinkommst, dann werde ich ja vermuthlich dort sein, und dann wäre es doch wohl natürlicher, daß Du beimirwohntest. Indessen will ich es Deinem Gefühl überlassen, man kann niemand mit Gewalt einladen.
Höre, das Parteinehmen ist gar nicht meine Sache, — ich bin für den allgemeinen Frieden, und suche ihn auf alle Weise zu bewerkstelligen. Schwerlich möchtest Du aber die rechte Partei ergreifen, wenn Du die von Fr. gegen C. nimmst. Glaube mir, er hat sich in diese Sache auf eine auch mir zu nahe tretende Art indiscret eingemischt, und das zwar aus bloßer Empfindlichkeit, da er leider von diesen Kleinlichkeiten nicht frei ist. Was von der V. zu sagen ist, weißt Du selbst so gut wie ich. Wenn ich nach Jena komme, muß von derlei Parteiwesen nicht weiter die Rede sein, oder ich würde dann selbst gegen Fr. Partei nehmen.
Nun von Geschäften wegen des Almanach. Ueber den Druck rede ausführlich mit Cotta; ich habe schriftlich bei ihm angefragt, wo und wann ich die 60 Lsd’or Grundhonorar in Empfang nehmen könnte, um die Beiträge der Freunde baldmöglichst zu honoriren; denn ich habe vorausgesetzt, daß Du mir mit dem Archivariat auch dieses Geschäft übertragen, da Du nicht für dergleichen Besorgungen bist. Es versteht sich, daß wir den Betrag für die Beiträge, die nicht honorirt werden, unter uns theilen, so wie auch die 40 Lsd’or, wenn wir sie nachgezahlt erhalten.
Von Deiner großen Romanze habe ich eigenhändig eine saubre Abschrift gemacht, und das Original an Bernhardi gegeben, um es für Dich abschreiben zu lassen oder Dir zu schicken. Die paar Lesearten habe ich nach Deiner Vorschrift verändert. Nur mit demWuste wußteich nicht, wie Du es haben wolltest. Die Zeilen heißen so: „Alles Glück der ganzen Erde lag umher versteckt im Wuste.“
Von Fr. habe ich eine Abschrift von Hard. Gedicht an Dich und eine Anzahl meist kleiner Sachen von ihm selbst erhalten, die zum Theil neu sind, außer denen uns schon vorher bestimmten. Fichte hat mir ein kleines Gedicht gezeigt, das er uns geben will, und giebt vielleicht noch mehreres andre, doch vermuthlich ohne seinen Namen. — Röschlaub hat an Schelling einige Distichen auf Reinhold geschickt, wovon er erlaubt, mit seinem Namen Gebrauch zu machen, welches schon der Merkwürdigkeit wegen etwas werth ist. Ich soll sie bald erhalten. Schelling hat sich für seine Sachen die ChifferVenturus(?) gewählt, hat für jetzt noch nichts weiter zu geben. Ich habe ein Sonett auf Buri’s Bild der Tolstoi gemacht, und eine Romanze im Sinne. Sobald Du von Leipzig zurück bist, will ich eine große Sendung an Dich von allem hinzugekommenen besorgen. Ich bringe das Archiv in die schönste Ordnung.
Schick nun auch in des Teufels Namen die geistlichen Lieder von Hard. und den Camaldulenser. Ferner bitte ich Dich, an Carl Hardenb. über seine Gedichte zu schreiben, die Du in Händen haben mußt.
Das Bamb. Gesangbuch wird sich wohl bei Bernh. finden. Ich habe von Dir 1) Shakesp. Fol., 2) Shakesp. Johns. einen Band, 3) die Sprachlehre von Bernh., die aus Versehn hiergeblieben, 4) den Tobias von Meyer. — In Jena ist noch Dein Weckherlin. Wenn Du von Leipzig zurückkommst, so nimm Dich nur gleich recht zusammen, und mach fertig, was Du geben willst, damit der Druck zeitig anfangen kann. Lebe recht wohl, und grüße Deine liebe Frau. Schreibe auch bald wieder
DeinemA. W. v. Schl.
Deinem
A. W. v. Schl.
Meinen Handel mit Unger wirst Du schon wissen, oder kannst ihn von Cotta oder Sander genau erfahren.
Berlin, d. 7. Mai 1801.
Liebster Freund!
Was zwischen mir und Unger wegen des Shakespeare vorgefallen ist, wirst Du zur Genüge durch andre Buchhändler wissen. Sander that mir hier Vorschläge, und wollte sich auf der Messe nur erst genauer nach dem Absatz erkundigen. Er schreibt mir jetzt: das Resultat sei so ausgefallen, daß ein reicher Mann recht gut dabei bestehen könne, für ihn sei aber bei seinem mittelmäßigen Vermögen die Unternehmung zu groß. Sag ihm, er würde mir einen wahren Freundschaftsdienst erzeigt haben, wenn er mir die eingeholten Erkundigungen genau mitgetheilt hätte. Laß Dir allesvon ihm sagen und zeichne es auf, damit Du Data hast, die Du den übrigen Buchhändlern vorlegen kannst. Sprich alsdann mit Cotta, dem ich schon eher geschrieben hatte, als Sander mit mir sprach. Frag ihn, ob er meinen Brief richtig erhalten; noch habe ich keine Antwort von ihm. Hat er keine Lust, so sprich weiter mit andern Buchhändlern, dem Lübecker Bohn, Nicolovius, Wilmanns &c. was ordentliche Leute sind, auf die man Vertrauen haben kann. Frölich hat mir schon halb und halb Anträge gethan, ich glaube aber nicht an sein promptes Bezahlen.
Der Vertrag müßte auf die sämmtlichen 13 Bände (die es nach dem 8ten [mit denSpurions plays] noch werden, und die in 5–6 Jahren fertig sein können) sogleich eingegangen werden. Eine Auflage, wie sie Unger zuletzt gemacht, nämlich 200 Velin 1300 Schreibpapier; ein paar hundert ganz schlechte gegen den Nachdruck gehen noch in den Kauf. Will einer für den Band 60 Lsd’or oderàBogen 3 Lsd’or geben, so kannst Du es beinahe richtig machen; denn mehr bekomme ich wohl schwerlich; will Einer eben so viel geben, wie U. bisher, so laß es inSuspenso, und melde es mir gleich. Will einer aber weniger bieten, so laß Dich gar nicht ein.
Ich kann aus mancherlei Gründen nicht jetzt noch auf die Messe reisen, und werde Deine Freundschaft an dem Eifer erkennen, womit Du diese Sache betreibst, die ich gerne baldigst wieder im Gang hätte. Kann ich mit keinem Buchhändler einig werden, so werde ich es selbst übernehmen und den Lesern auf Pränumeration anbieten: und wollen mich die werthen Landsleute nicht gehörig unterstützen, so lasse ich es liegen, und sie können mich — — —!
Ich verlasse mich darauf, daß Du mit Cotta wegen des Almanachs alles recht gründlich absprichst. Ein Druck wie der des letzten Vossischen Almanachs: etwa bei Sommer,wäre sehr gut. Es kommt hauptsächlich darauf an, daß Sonette und dergleichen nicht mit gebrochenen Zeilen gedruckt werden müssen, sollte auch allenfalls kleinere Schrift dazu genommen werden. Dein Bruder hat eine Zeichnung zur Vignette vorgenommen; das wird zu spät sein, sie noch zu stechen. Ich bin sehr für den NamenMusenalmanach. Wann muß der Druck anfangen? —
Meine neue Romanze und Sonett an Buri bekommst Du von Jena aus. Sachen von Friedrich schicke ich Dir nach Dresden, sobald Du zurück bist, und erwarte demnächst neue von Dir.
Schreib doch an Karl Hardenberg. Adieu, Adieu!