A. W. v. Schl.
A. W. v. Schl.
Die Gedichte in Ofterdingen habe ich genau durchgelesen und gefunden, daß sich zwei:BergmannslebenundLob des Weines, als für sich am verständlichsten, am besten ausheben lassen.
Berlin, d. 28. Mai 1801.
Es ist ganz und gar nicht fein von Dir, Freund Tieck, daß Du mir nicht schreibst. Meinen Brief mit den Aufträgen hast Du gewiß noch in Leipzig erhalten, und wenn Du in Ansehung derselben nichts hast thun können, so hättest Du mir wenigstens dies melden sollen, damit ich weitere Schritte thun konnte. Diese Unterlassung würde in der That so aussehn, als ob Du Dich um das Schicksal meines Shakspeare wenig kümmertest, wenn ich Dich nicht besser kennte. Ich will Dich indessen von allem Schreiben hierüber für jetzt lossprechen, — ich bin auf einem andern Wege so gut von der Lage der Sachen unterrichtet, wie ich es durch einen Brief von Dirnur immer sein könnte. Ferner verweist mich Cotta wegen der Verabredungen über den Druck des Almanachs an Dich. Wahrhaftig an den rechten! Worauf, zum Henker, wartest Du denn noch, mir dergleichen Nachrichten zu ertheilen? Was ist noch für Zeit zu versäumen? Wenn der Almanach zeitig auf Michaelis erscheinen soll, so muß der Druck doch gewiß mit dem Julius seinen Anfang nehmen. Da ich so manche Mühe bei der Herausgabe freiwillig übernommen habe, sollte Dir es doch nicht zu beschwerlich dünken, ein paar Zeilen zu schreiben.
Endlich habe ich Dich schon vor der Reise nach Leipzig gebeten, mir die geistlichen Lieder von Hardenberg, und den Camaldulenser von Schütze zu schicken. Es ist nothwendig, daß ich das Vorräthige beisammen habe, um zu übersehen und zu ordnen. In des Teufels Namen, schick, oder Du wirst mich sehr böse machen. — Caroline wird Dir eine neue Romance und ein Sonett von mir geschickt haben. Ich bin in diesen Tagen mitHenry VI. P. 3fertig geworden, und mache nun noch verschiednes für den Almanach. Von Dir erwarte ich recht sehr bald etwas neues. Vor allen Dingen den Moses, den Du ja an der Spitze zu sehen wünschtest. Soll er da wirklich hinkommen, so mußt Du Hand an’s Werk legen; gewartet kann auf ihn nicht werden.
Von Fr. ist unterdeß noch nichts weiter eingelaufen, als wovon ich neulich schrieb. Ueber die Sachen, die er überhaupt zu geben gedenkt, wirst Du ihn selbst gesprochen haben. Mnioch hat ein vortreffliches Gedicht (Hellenik und Romantik) für den Almanach eingeschickt. — Von Deiner Schwester habe ich ein Gedicht in Stanzen bekommen, das ich nun abschreibe, um einige Kleinigkeiten zu ändern. Die Epigramme von Röschlaub auf Reinhold habe ich; es fragt sich, ob ihretwegen von der Maxime, nichts Litterarisches aufzunehmen,abgewichen werden soll? Gries hat sich erkundigt, ob wir Beiträge annähmen. Fr. hat es aber höflich abgelehnt.
Vermehren soll mit seinem Almanach in einiger Noth sein. Er hat Beckern in Dr. eine Parthie eigner Fabricate gegen andre auszutauschen angeboten. Dem Becker mußt Du um des Himmelswillen nichts für sein Taschenbuch geben. Er wird Dich vermuthlich sehr darum angehen.
Ich habe bei den Gedichten, die ich Dir zusenden muß, noch die Mühe des Abschreibens, da sie sonst verloren gehen könnten. Indessen sollen sie sogleich erfolgen, wenn ich die Sachen von Hardenberg und Schütze habe. Schickst Du diese aber nichtmit umgehender Post, so werde ich Dich von neuem mahnen, und zwar, da Du einmal weißt, was ich will, durch ein bloßes Couvert ohne Brief darin, welches ich posttäglich so lange wiederholen werde, bis ich sie habe.
Lebe übrigens recht wohl, und grüß Deine liebe Frau.
A. W. S.
A. W. S.
Noch eins: sind Dir die beiden Lieder aus dem Heinrich von Ofterdingen:Lob des WeinesundBergmannslebenerinnerlich, und billigst Du die Wahl?
Noch eins: Schreib an K.von Hardenbergüber seine eingesandten Gedichte, oder schicke sie mir zurück, damit ich es thun kann. Besser wäre es aber, Du thätest es, da ich mich auf Jakob Böhme noch gar nicht verstehe.
Und thue auch das bald,bald,bald!
Deine Schwester hat uns mit ihrem Befinden manchmal recht in Sorge gesetzt. Wenn sie nur erst ihre Wochen überstanden hat, denke ich, soll es besser gehen.
B., d. 13. Jun. 1801.
Liebster Freund!
Da Du auf meinen Brief sogleich mit dem nächsten Posttage geantwortet, und die nöthigen Sachen geschickt, so hat er seinen Zweck erreicht, und ich bin mit allem übrigen gern zufrieden. Denn ich denke, wie jener alte Feldherr: Schimpf, aber schreib nur.
Hier sind nun alle die vorräthigen Gedichte, die Du noch nicht kennst. Ob diekleinen Gedichtevon meinem Bruder, des Anstoßes wegen gänzlich auszuschließen sind, oder bloß Nr. 6 und weil er es in diesem Falle verlangt hat, auch das sentimentale Nr. 5, will ich Dir anheim geben. Nöthig scheint es mir nicht — denn solche Sachen, wie in den übrigen, kommen doch in Schützens Tänzern, und in andern Stücken auch vor, es läßt sich fast nicht vermeiden, und die Leser sind das auch schon gewohnt.
Fichte hat mir das kleine Gedicht, das er mir einmal vorgelesen und für den Almanach bestimmt, noch nicht in Abschrift gegeben, deswegen steht es nicht in der Liste. Sobald ich es bekomme, schicke ich es.
Hier erfolgen auch Röschlaubs Epigramme. Der Einfall in dem 3ten Distichon ist sehr gut, aber der Spaß mit derAllgemeinen undgemeinen L. Z. schon etwas abgenutzt, und überdies wegen desStrickstrumpfseine Note erforderlich, wenn man nicht ein eigenes Epigramm darüber hinzufügen wollte. Mir däucht also, man machte wegen dieser Epigramme keine Ausnahme von der Maxime, nichts Literarisches aufzunehmen.
Von Mnioch’s Gedicht schicke ich Dir die Original Abschrift. In der, die ich habe nehmen lassen, ist das:Fragmentarische Andeutungenund alles Unterstreichen und doppelt Unterstreichen weggeblieben. Auf einige Fehler der Hexameter habe ich ihn aufmerksam gemacht, wenn er aber keine Correctur schickt, so ist es wohl am besten, man läßt sie so.
Wie es unheilig sein soll, ein paar Lieder aus dem Ofterdingen aufzunehmen, sehe ich nicht ein. Was davon vorhanden, ist ja überhaupt nur ein Fragment, diese Lieder sind vollendete Gedichte, die für sich ganz verständlich sind. Du wirst sehn, daß ich darnach gewählt habe. Der Druck des Buchs ist noch Schwierigkeiten unterworfen, warum soll man also nicht im Voraus eine Menge Leser dafür interessiren?
Deine neuen Gedichte haben mich sehr gefreut; die Sonette sind göttlich, in derEinsamkeitist mir besonders die Anspielung auf die Niobe merkwürdig gewesen. Erlaube mir ein paar Kleinigkeiten zu bemerken. Du gebrauchst zweimalneigenintransitiv ohnesich; ich weiß nicht, ob das geht. Warum nicht in der ersten Zeile der 6ten St.:Mit ihnen seh’ ich, die sich abwärts neigen. In der 7ten scheint mir dasWird sichtbarlichnicht grammatisch richtig und deswegen dunkel. Die Endsylbe macht es zum Adverbium, wozu nun noch ein Adjectiv erwartet wird.
In demZornigenvergaß ich letzthin zu bemerken, daß Du die Assonanz doch gar zu lax genommen, indem Dueuundeiwechseln läßt.
Ueber den Fortunat und Deine voriges Mal geschickten Gedichte wollen wir uns nicht weiter entzweien. Du wünschest die Freunde kennen zu lernen, denen jener so sehr gefallen hat. Gut, es sind Schelling, Schütze, Bernhardi, Genelli, meine Frau und Deine Schwester. Auch Friedrich hat ihn eigentlich gar nicht getadelt, und die Angemessenheit der Form anerkannt.
Bei Gelegenheit desZornigenund derSanftmuthhaben wir einige Gedichte aus dem Lovel wieder gelesen, die ganz zu derselben Gattung gehören, und uns alle entzückt haben.
Ich habe nichts gegen die Einrückung des Sonetts von Bernhardi; — ich habe ihn nur sehr ermahnt, noch etwas anderes zu machen, und nicht mit einem Gänsebraten allein zuerst als Dichter aufzutreten. Ich denke auch, daß er uns noch etwas recht gutes geben wird.
K. Hardenberg’s Chiffre ist mir jetzt in der That nicht erinnerlich.
Was Du mir bei der Anordnung anbefiehlst, werde ich beobachten. Ich glaube, man muß, außer da, wo eine oder mehrere Reihen von Stücken zusammen gehören und ein Ganzes machen, die möglichste Abwechselung suchen. Ich werde also auch die Romanzen trennen. Von Friedrich habe ich die übrigen Sachen, die er uns versprochen, immer noch nicht erhalten, ungeachtet meines dringenden Mahnens.
Deine Sonette an Hardenberg können allerdings sehr gut auf die Canzone an ihn folgen, der ich aber noch ein Sonett nachzuschicken denke, so wie überhaupt die Gedichte, die ich unter dem NamenTodtenopferzusammen fasse, noch mit einigen vermehrt werden sollen. Die Lieder aus dem Ofterdingen schick mir sogleich wieder, mit den übrigen ist es nicht nöthig, bis ich sie etwa fordre, weil ich Abschriften habe nehmen lassen.
Du sagst, Du habest mir das mit Cotta über den Druck des Almanachs Verabredete sogleich geschrieben — dieser Brief muß aber verloren gegangen sein, oder Du irrst Dich; denn jetzt erfahre ich das erste Wort. Ich schreibe nun gleich heute an Frommann, und schicke auch den Anfang des Manuscriptes nach Jena. Wenn Cotta mit Fr. schon gesprochen, so wird dieser auch wissen, wie stark Cotta die Auflage überhaupt, und wie viel auf Velin gedruckt haben will &c. worüber ich beieigenmächtiger Abrede mit einem Drucker sehr verlegen sein würde. Auf alle Fälle ist Fr. mit Cotta liirt, daß er, falls er selbst seine Druckerei zu stark besetzt haben sollte, für ihn bei einem andern Drucker Anstalten treffen kann. Lateinische Lettern werden nun wohl das beste sein, da Fr. keine recht eleganten kleinern haben möchte. In einigen Wochen werde ich in Jena zurück sein, und die Correctur selbst besorgen können, bis dahin kann sie ohne Bedenken Frommanns Leuten anbefohlen werden, da die Abschriften meistens deutlich sind.
Werde nicht böse, daß ich den Ofterdingen noch nicht mitschicke. Da ihn der Zufall meiner Bewahrung anvertraut hat, so halte ich es für meine Pflicht, ihn auf das sorgfältigste in Acht zu nehmen; denn ich weiß ja nicht einmal, ob der Brouillon, wovon diese Copie genommen, noch vollständig vorhanden ist, und bei so bewandten Sachen halte ich es für zu gefährlich, das Manuscript in der Welt herum reisen zu lassen.
Wozu kannst Du ihn nur so nöthig brauchen? Ueberdies denke ich mich der Erscheinung im Druck mit Eifer anzunehmen; durch meine Vermittelung ist die erste Uebereinkunft mit Unger geschlossen, und ich weiß, daß es Hardenberg besonders darauf ankam, das Buch ganz in der Gestalt des W. M. gedruckt zu sehen. Ich werde bei U. noch einmal anfragen, und dann es mit andern Buchhändlern versuchen, wobei ich solch Format und Druck zur ausdrücklichen Bedingung machen werde. Findet sich auf Michaelis keiner, so müßte man es etwa bei Sander in Commission geben, und die Freunde müßten die Kosten des Drucks durch eine Subscription unter sich zusammen bringen. Ist der Ofterdingen erst gedruckt, so können alsdann die übrigen bisher gedruckten oder ungedruckten Aufsätze und Gedichte von Hardenberg in einem zweiten Bändchen als Anhang folgen.
Du siehst, zu jener Besorgung des Drucks muß ich das Manuscript in Händen haben, und Du müßtest mir also erst Dein Ehrenwort geben, daß ich es auf die erste Mahnung wieder haben solle.
Immer bleibt es also bedenklich, es so herumreisen zu lassen.
Lebe recht wohl. Bernhardi’s grüßen und schreiben nächstens.
A. W. Schlegel.
A. W. Schlegel.
Ich höre, daß Göthe und Schiller einen Preis für das beste Intriguenstück ausgesetzt haben. Oeffentlich bekannt gemacht ist es vermutlich noch nicht. Hast Du nicht Lust, diesen Preis zu gewinnen? Es wäre hauptsächlich nur, um einmal etwas mitéclataufs Theater zu bringen. Das Elend mit den Nachahmern wird nun erst noch recht angehn. In Kochens Archiv, das in der A. Z. angekündigt wird, ist nichts als Religion und Sonette. Mit dem Memnon ist es auch eine schlechte Freude. Ich hoffe, daß Du diesen Winter vollkommen gesund bist, und nichts von der verwünschten Gicht verspürst. Ich bin es vermittelst einer guten Diät, wozu ich starkes Bier, Wein und Liqueur rechne, was ich Dir auch bestens anrathe. — Caroline kränkelt immer fort, jeder kleine Zufall bringt ihre ganze Schwäche zum Vorschein. Sie grüßt mit mir Dich und Deine liebe Frau von Herzen. Dorotheechen küße in meinem Namen.
An Bernhardi viel Empfehlungen. Ich bin auf seine Sprachlehre sehr begierig. Lebe recht wohl.
DeinA. W. Schlegel.
Dein
A. W. Schlegel.
Du wirst schon durch Schleiermacher wissen, daß dieJahrbücherfür’s erste noch nicht zur Ausführung kommen, undauch die Ursachen, die sich jetzt in den Weg stellen. Es dauert mich nur um der guten Sache willen, nicht für meine Person, denn ich habe alle Hände voll von lieberen Arbeiten als den kritischen. Das bleiben doch immer nurArbeiten, man mußWerkeausführen.
Melde mir Deine Addresse genau!
(Ohne Datum.)
Liebster Freund, ich höre, daß Du etwas gegen Merkel und Falk schreiben willst — es sollte mir leid thun, denn die Lumpenhunde sind es doch wahrhaftig nicht werth. Sie haben in der (unlesbar) seitwärts etwas bekommen, und mit dem kleinen Merkel will ich mir noch einen kleinen Spaß machen, er muß allmälig ganz aus Berlin herausgelacht werden. Nur um Gotteswillen vertheidige Dich nicht etwa im Ernst. Du wirst doch um eines so erbärmlichen Ausfalles willen, der jeden nur leidlich verständigen Leser mit Ekel erfüllt, nicht von der imposanten Manier abgehen, immerfort anzugreifen, seine eignen Sachen aber Preis zu geben, insofern etwas gegen sie auszurichten ist? Allenfalls kann man das Vertheidigen guten Freunden überlassen. Bernhardi hat über die Merkelschen Briefe, dünkt mich, schon genug gesagt.
Melde mir Dein Urtheil über diese Possen, auch gieb mir Nachrichten von dem, was Du arbeitest und Deinem sonstigen Lebenswandel. Wirst Du oder Bernhardi nicht um den Preis des Intriguenstücks werben? Denke fleißig an das Taschenbuch. Ich habe schon verschiedenes dafür gedichtet, auch an Göthe wegen seiner und der Schillerschen Beiträge geschrieben. Ich will Archivar sein, und was fertig ist, werde ich mich bemühen, allmälig zusammen zu bringen.
Schreibe baldigst, so trifft es mich noch hier, sonst bin ich,schon fort nach Jena, bald bin ich bei Euch. Herzliche Grüße an Deine liebe Frau und Dorotheen. Melde die Addresse Deines Bruders. Adieu!
A. W. S.
A. W. S.
Es ist schwer zu bestimmen, ob dieses und das nächstfolgende Blatt hierher gehören? Wir ordneten sie nach der wiederholten Anfrage, wegen des Preis-Intriguenstückes.
Es ist schwer zu bestimmen, ob dieses und das nächstfolgende Blatt hierher gehören? Wir ordneten sie nach der wiederholten Anfrage, wegen des Preis-Intriguenstückes.
(Ohne Datum.)
Wie geht es denn mit dem poetischen Journal; ich habe nur noch nichts, was mir gut genug dazu scheint, sonst hätte ich es Dir längst geschickt. Fröhlich ist doch ein rechter Esel, daß er Bernhardi noch nicht angefangen hat zu drucken, am Ende werden sich beide noch darüber zanken müssen. Richter ist hier, bis dato hat er sich aber nicht in mich verliebt, ja was noch schlimmer ist, er hat mich noch nicht einmal besucht. Sein beständiger Umgang und theuerster Freund ist ein blonder fader Hr. v. Ahlfeldt, auf den Du Dich auch vielleicht besinnst und seine Geliebte Madam Bernhard, geborne Gad, die über Iffland in den Denkwürdigkeiten nichts Denkwürdiges schrieb, und die sich billig mit dem Theater-(unlesbar) verheirathen sollte. Nächst diesen Personen liebt er Bernhardi, der ihn einigemal besucht und Deinen Brief abgeholt hat, am meisten. Ich habe ihn bei der Vegelin gesehn, aber nicht drei Worte mit ihm gesprochen, denn er trieb ein beständiges auf und ablaufen in dem Garten, und die Damen waren so bemüht um ihn, daß ich, da ich jetzt nicht so behende auf den Füßen bin, gar keinen Antheil an der Unterhaltung nehmen konnte.
Die Herz hatte neulich eine ganze Gesellschaft auf diesen großen Mann gebeten, ich wollte ihn doch gern sprechen hörenund war auch von der Parthie, aber denke Dir die Kränkung, die die Herz erdulden mußte: er geht mit der Bernhard vor ihrem Fenster vorüber, ohne zu ihr herauf zu kommen und sein Versprechen zu erfüllen.
Die Herz aber verlor beinah die Fassung, mir war es verdrießlich, den vergeblichen Weg gemacht zu haben, aber ich gab mich bald zufrieden; Du weißt, daß ich mir aus solchem kennen lernen überhaupt nicht viel mache. — —
Ein Gedicht von der Veit habe ich gesehen bei Gelegenheit eines Puterbratens, wo Du und die übrigen Personen spaßhafterweise darin angebracht seid. Findest Du es denn auch witzig?
Berlin, d. 10. Jul. 1801.
Es ist in der That sehr befremdlich, daß Du mir alle die Umstände, die mich hätten bestimmen können, Dir den Ofterdingen ohne Aufschub zu schicken, jetzt erst hinterdrein als so viel Vorwürfe mit heftigen Wendungen an den Kopf wirfst, statt sie mir gleich anfangs ruhig und auf die gehörige Weise zu melden. Mit drei Zeilen hättest Du mir eine weitläuftige Auseinandersetzung und Dir den Aerger (weil Du doch schreibst, daß Du Dich geärgert hast) erspart. Noch in Deinen letzten Briefen gestehst Du ein, daß Du Dich nicht zu Geschäften passest: wie kann ich errathen, daß Du Dich plötzlich dem Geschäft dieser Herausgabe unterzogen hast?
Du schreibst wiederholt: „Du kannst ja nicht wissen“ &c. &c. Freilich konnte ich nicht wissen, und deswegen brauchte ich mich auch ganz und gar nicht darnach zu richten. Das Manuscript war zufällig in Deine Hände gekommen, Unger hatte es Dir gegeben, um es Deinen Freunden vorzulesen; wäre ich gerade in Berlin gewesen, so hätte er es eben so gut mir abliefernkönnen. Wir sind Beide Hardenbergs Freunde, er hat mit uns beiden mündliche Mittheilungen über seinen Roman gehabt. Mich hat er unter andern über den Krieg zu Wartburg zu Rathe gezogen, und hat durch mich die Behandlung desselben in den Minnesängern kennen gelernt. Ich habe in seinem Namen den Vertrag mit dem Verleger zu seiner Zufriedenheit zu Stande gebracht. Die allgemeinen Ansprüche auf die Herausgabe wären also wenigstens gleich; dem Bruder des Verstorbenen steht allerdings das Recht zu, eine nähere Vollmacht zu ertheilen, allein, wenn ich ihr Folge leisten sollte, so mußte ich davon wissen. Weit entfernt, daß Du Ursache hättest, böse zu sein, daß ich Deinem königlichencar tel est notre plaisirnicht gehorcht, hast Du gegen mich erst durch das Verschweigen Deines Vorhabens mit einer Sache, die mich eben so nahe interessirt wie Dich, dann durch Dein imperativisches Benehmen, alles aus den Augen gesetzt, ich will nicht sagen, was Freunde einander schuldig sind, sondern was die gewöhnliche Anständigkeit mit sich bringt, was man soprocedésnennt.
Ich muß hinzufügen, daß ich mich auch jetzt der Strenge nach nicht verpflichtet halte, Dir das Manuscript zu schicken. Ich dürfte nur an Karl Hardenberg schreiben, ich wolle es ihm und nur ihm überantworten. Glaube auch nicht etwa, daß Dein heftiges Trotzen mich in Schrecken setzte: es kommt mir bloß lächerlich vor. Du versicherst, ich habe versprochen, Dir das Manuscript auf die erste Forderung wieder abzuliefern, und ich muß es Dir wohl auf Dein Wort glauben; ich kann Dir aber eben so redlich versichern, daß ich mich dessen nicht erinnerte und noch jetzt nicht erinnere. Aber es empört mich innerlich, daß über den heiligen Nachlaß eines von mir innigst geliebten und betrauerten Freundes ein gemeines Gezänk entstehen soll, wie Du es zu erheben anfängst:darum will ich der Sache so kurz wie möglich ein Ende machen.
Da Ihr mir von allem in Leipzig verhandelten keine Nachricht gegeben habt, so überlasse ich es nun Dir auch, bei Unger anzufragen: ob er auf den Verlag des Buches, der ihm vermöge des Vertrages zukommt, noch Ansprüche macht? was ich sonst leicht durch ein Billet hätte thun können. Du wirst einsehen, daß die rechtliche Form den jetzigen Herausgeber hierzu verpflichtet, wenn er auch fast gewiß voraus weiß, daß Unger den Verlag nicht mehr will.
Ich verstehe nicht, was Du damit sagen willst: „Daß es gerade wie der W. Meister gedruckt werden soll, scheint mir jetzt ganz unwesentlich,da das Buch jetzt eine andre Absicht hat!“ Welche andre Absicht hat denn das Buch jetzt, als die der Verfasser selbst damit hatte? Gehört das auch zu den mir unbekannten Leipziger Verhandlungen? Ich, der ich den Vertrag für Hardenberg geschlossen, kann Dir sagen, daß er auf diese Bedingung sehr viel Nachdruck legte, daß es seine erste Bedingung war, daß er deswegen Unger am liebsten zum Verleger wollte. Es schien ihm nicht eine bloße Aeußerlichkeit zu sein, sondern auf den Eindruck des Werks Einfluß zu haben, indem er grade diese Art von geräumiger Sauberkeit in Format und Druck mit dem Geiste seiner Darstellung übereinstimmend fand. Auch wollte er, daß das Buch sich auf diese Art an den W. Meister, den Sternbald, den Klosterbruder und die Fantasieen anschließen sollte. — Ein allgemeines Gefühl hat es von je her den Menschen zum Gesetz gemacht, den Willen und die Anordnungen der Verstorbenen über das, was ihnen zusteht, auch in Kleinigkeiten pünktlich zu befolgen. Wenn du dieses für Aberglauben hältst, so wünsche ich Dir zu dieser aufgeklärten Gesinnung Glück. Allerdings hat die entgegengesetzte Maximeauch einen guten Grund für sich, nämlich den, daß die Todten nicht wieder kommen.
Hardenbergs Vorschrift über diesen Grund habe ich Dir nun dargelegt, und gebe sie nebst allem Uebrigen Deiner Verantwortlichkeit anheim. Wenn man auf keinen sonstigen Forderungen von Honorar besteht, (und warum sollte man das?) so wird diese Bedingung nicht so schwer zu erlangen sein: die Ungerschen Lettern sind ja schon in einer Menge Offizinen vorhanden, der Verleger kann es auch bei Unger drucken lassen.
Mit der Aeußerung: „wenn ich nun glaubte, daß es Dir bei der Herausgabe dieses Buchs um Ehre oder Vortheil zu thun sei, so würdest Du Dich nur von neuem ärgern,“ trittst Du Dir selbst sehr zu nahe, und mich wundert, daß Dir dabei das bekannte Sprichwort vom voreiligen Entschuldigen nicht eingefallen ist. Wenn mir überhaupt ein solcher Gedanke so nahe läge, so müßte ihn freilich das Verschweigen Deines Vorhabens, die jetzige gewaltsame Art, das Manuscript zu fordern und besonders diese Aeußerung veranlassen.
Es ist aber auch wohl meine Art,DirVortheil oder Ehre zu mißgönnen? Wofern die Herausgabe nur sonst gehörig und Hardenbergs Anordnungen gemäß besorgt wird, so soll es mir lieb sein, wenn sie Dir noch so viel Vortheil einträgt; wenn Du aber eigenmächtig und auf die entgegengesetzte Art damit verfährst, so wird sie Dir wenigstens bei den Freunden des Verstorbenen keine Ehre eintragen.
Warum sollte es denn so gar ungeziemlich sein, im Fall sich kein Verleger fände, die Kosten des Druckes vorzuschießen? Gesetzt auch, ein unvollendeter Roman, in diesem für so Wenige noch faßlichen Geiste geschrieben, hätte jetzt kein so zahlreiches Publicum zu erwarten, daß ein Verleger seine Rechnung dabei fände, sind wir darum berechtigt anzunehmen, daß es außer unserm Zirkel gar keine Menschen gebe, fürdie Hardenberg sich freuen könnte, geschrieben zu haben? Sind wir berechtigt, dies Bruchstück eines göttlichen Werkes der Folgezeit vorzuenthalten, und dadurch den Verstorbenen um den ihm gebührenden Zoll der Liebe und Verehrung von verwandten Geistern zu bringen? Nach Deiner transcendent-idealistischen Ansicht soll für die Freunde nicht einmal etwas daran gelegen sein, wenn das Manuscript verloren ginge, „weil H.’s Umgang in ihnen Wurzel geschlagen haben muß.“ Siehst Du nicht, daß Du mir hierdurch Waffen gegen Dich selbst in die Hände giebst? Ich hätte ganz treffend in Deinem Sinne antworten können: Du brauchst den Ofterdingen als Studium zum J. Böhme? Studire Deinen Eindruck davon. Du willst ihn herausgeben? Gieb die Vorstellung von diesem Eindruck heraus, und ergötze damit Deine Leser. Vielleicht wird die Poesie überhaupt so sublimirt, daß man nicht mehr Gedichte, sondern bloße Einbildungen von Gedichten liefern wird! Uns Realisten aber, die wir uns nicht so behelfen können, laß einstweilen das Manuscript.
Ich komme auf den Almanach. Nachdem Du zwei Monate lang auf die heilloseste Art von der Welt sogar das kleine Geschäft versäumt hast, mir über den Druck Nachweisung zu geben, scheinst Du darüber empfindlich, daß ich mich der Sache mit Eifer annehme. Wir haben die gemeinschaftliche Herausgabe in der Hoffnung unternommen, daß wir uns auch bei abweichenden Meinungen als Freunde und vernünftige Menschen würden verständigen können, denn freilich ist aufdenFall nichts ausgemacht, daß der eine absolut Nein, der andre absolut Ja sagt. Eine seltsame Verstimmung oder wenigstens Veränderung gegen mich, die seit Deiner Abreise in Dir vorgegangen ist, scheint diese Hoffnung beinah zu vereiteln, und Du hast mir schon so vielen Verdruß gemacht, daß ich zehntausendmal wünsche, ich hätte es nicht auf diese Art unternommen. Du krittelst über alles ohne irgend etwaszu fördern, und aus Empfindlichkeit darüber, daß ich, wie Du behauptest, Dir keine Stimme lasse, (da ich Dir doch alles und jedes vorlege) ob Du gleich auch einen Herausgebervorstellen sollest(der Himmel weiß, daß es nicht meine Schuld ist, wenn Du es nicht wirklich bist), setzest Du mit Fleiß Abweichungen voraus, wo gar keine sind. —
Ueber die Epigramme von Röschlaub habe ich eben so gedacht wie Du: ich schickte sie Dir bloß der Vollständigkeit wegen, und weil Du sie fordertest. Das Gedicht von Mnioch findest Du viel geringer, als den Vermählungshymnus, ich viel vortrefflicher; das ist ja aber für unsern Zweck gleichgültig. Wir sind doch beide der Meinung, daß es eingerückt werden soll. Dein Urtheil über das Gedicht Deiner Schwester muß ich ebenfalls als eine Billigung des Einrückens ansehen. Ueber diekleinen Gedichtevon Friedrich habe ich Dir bloß einige unmaßgebliche Vorstellungen gemacht; sie mögen immerhin ganz wegbleiben, ich habe nichts dagegen. Die beiden Lieder aus dem Ofterdingen habe ich so gewählt, weil ich fand, daß diese am besten außer dem Zusammenhange für sich bestehen und ganz gefühlt werden können. Ich befürchte, daß das arme Weinlied meine Wahl entgelten muß, denn mir scheint es zu dem zartesten, gefälligsten, kühnsten und fröhlichsten zu gehören, was Hardenberg je gedichtet hat, und ich glaube, daß ich nicht allein dieser Meinung bin. Besonders ist das von der Gährung des Weines, was den größten Theil des Gedichtes einnimmt, recht charakteristisch, und grade von der Art, wie es nur allein Hardenberg machen konnte. Indessen, wenn Du einmal dagegen bist, so suche nur ein andres aus, und schicke es mir baldigst. Oder ich lasse es mir auch gefallen, daß die Lieder aus dem Ofterdingen ganz wegbleiben; melde mir nur Deine Entscheidung baldigst. Ich will sie so lange zurückbehalten. Nur erwäge noch dies: daß es uns gar sehr an fröhlichen, geselligen Liedern fehlt, die unsweit mehr Leser gewinnen, als die mystischen, und daß es eine gute Gelegenheit wäre, in der Inhaltsanzeige auf die Erscheinung des Ofterdingen aufmerksam zu machen.
Friedrich hat geschickt: 1)Die Abendröthe, 2)Romanze vom Licht, 3)Hymnen. Wenn ich mich nicht sehr irre, so kennst Du schon alles, außer die 3te unter den Hymnen, das Sonett auf die Isis. Ich habe indessen Nr. 2 und 3 abschreiben lassen, und schicke es Dir mit. Die Abendröthe ist lang, ich glaubte nicht, daß es wegen der Veränderungen, die Fr. etwa darin vorgenommen, nöthig wäre, Dir eine Abschrift vorzulegen.
Ferner wird uns beiliegendes Gedicht in Stanzen angeboten. Wenn es Dir gefällt, so könnte es neben dem Schwank vom neuen Jahrhundert am Ende zu stehen kommen. — —
Wenn Du gründliche und wichtige Studien machst, mein Freund, so ist es mir sehr erfreulich, nur ist Deine Art, sie mir in dem Postscript vorzurechnen, eben nicht geeignet, mich davon zu überzeugen. Ich hatte Dich dazu angemahnt, weil ich nach der Beobachtung Deiner hiesigen Lebensart, nach Deinem eignen Bericht von verlornen Wochen in Dr.... glauben mußte, daß Du Dich darin vernachlässigtest! Wenn ich mich irrte, so hattest Du am wenigsten Ursache, es übel zu nehmen, Du durftest es mir nur schreiben, so war die Beschämung auf meiner Seite. Soll man sich immerfort Complimente machen, sollen sich Freunde über ihr Thun und Treiben nicht gegenseitig ihre Meinung offen sagen dürfen, so ist die Freundschaft überhaupt nur ein unbedeutender Name. Ich bin weit entfernt, mir über meine Freunde eine Vormundschaft oder Aufsicht anmaßen zu wollen; allein eben so wenig will ich mich von ihnen tyrannisiren und mir unwürdig begegnen lassen.
Ich bin ein freier Mensch, der am Ende keiner Freunde bedarf; ich bin es mehr, als mancher Andre, weil ich meineeigne Thätigkeit mehr beherrsche. Dir habe ich meine Freundschaft zuerst entgegen gebracht, ich bin mir bewußt, mit dem uneigennützigsten Wohlwollen, mit reinem Wohlgefallen an Deinem Geist und Deinen Talenten, auch da, wo ich Deine Ueberlegenheit am meisten anerkennen mußte, und mir nicht schmeichelte, Dich je zu erreichen.
Meinem Ehrgeiz konnte Deine Unthätigkeit willkommen sein; wenn ich mit Eifer dagegen gesprochen habe, so ist es doch wahrlich nicht meinetwegen geschehn. Und nun muß ich eine solche Erwiderung von Dir erfahren! —
Ich beschwöre Dich, setze diesen Ton und dieses Benehmen nicht fort; ich könnte nichts weiter darauf thun, als schweigen, und beklagen, daß ich mich in Dir geirrt. Laß es dahin nicht kommen. Dieser Mißklang gehört nicht in Dein Wesen, er gehört sich nicht zwischen uns. Mit freundschaftlichen Gesinnungen unveränderlich der Deinige.
A. W. Schlegel.
A. W. Schlegel.
Die erste Nachricht von der glücklichen Niederkunft Deiner Schwester wirst Du durch Deine Verwandten erfahren haben. Sie ist auch heute recht wohl, und hofft Dir nächstens schreiben zu können. Bernhardi wird Deine Aufträge ausrichten und schreibt mit nächster Post. Viele Grüße an Deine Frau.
DenTraumschicke sogleich wieder mit zurück.
B., d. 8. Aug. 1801.
Liebster Tieck!
Du erhältst hier das kleine Gedicht von Fichte in Abschrift.
Ferner hat Mnioch mir eineperJohann Ballhorn verbesserte Abschrift seiner Hellenik und Romantik zugeschickt.Zugleich entdeckten wir, daß er sie in eine Sammlung, betitelt:Analekten über Kunst und Religion, wofür Schütze einen Verleger suchen soll, mit aufgenommen hat. (Auch die Dir zugeschickten Reimspiele stehen darin.)
Da dies nun keine Manier ist, so hat ihm Schütze in meinem Namen geschrieben, wenn wir das Stück in den Almanach nehmen sollten, so müßten wir sicher sein, daß es wenigstens in einem Jahre noch nicht anderswo abgedruckt erschiene. Ferner wären wir in jedem Fall für die erste Edition.
Die VerbesserungperJohann Ballhorn besteht in zwei ungeheuer langen zugesetzten Partien: „Bilder des Lebens;“ in schlecht erzählten und eigentlich abgeschmackten Geschichten. Ich hätte Dir die neue Abschrift zugeschickt: allein es finden sich darin in den ursprünglichen Partieen veränderte Lesearten, die in den Text wohl allerdings aufzunehmen sind, und ich hatte keine Zeit und fand es zu weitläuftig, alles kopiren zu lassen.
Ich habe Dir eine Menge Sachen, den Almanach betreffend, anheim gestellt, da Du aber gar keine Antwort von Dir hören läßt, so werde ich so frei sein, Deine Genehmigung meiner Vorschläge zu fingiren, da nun keine Zeitversäumniß mehr gilt.
Du hast wichtige Gedichte über die Religionen versprochen, und ich weiß nicht, was sonst noch alles, und lieferst nun gar nichts. Schreibe und schicke, aber nach Jena, da ich in diesem Augenblicke dahin abgehe. Leb wohl, viele Grüße.
DeinA. W. Schlegel.
Dein
A. W. Schlegel.
Schreib und schick baldigst, sonst hilft es nichts, der Druck ist in vollem Gange.
Jena, d. 17. Sept. 1801.
Liebster Freund!
Es ist mir sehr angenehm, daß Du einmal wieder ein Zeichen des Lebens giebst. Dein Bruder ist vor beinahe 14 Tagen in Weimar angekommen. Am Dienstage vor acht Tagen fuhr er mit Catel (der in Weimar am Schlosse Arbeit hat, und bei dem er wohnt) nach Jena herüber, ich war aber gerade denselben Tag nach W. geritten, um ihn aufzusuchen, und verfehlte ihn also dort. Das schlechte Wetter hielt mich ab, den Abend noch wieder zurück zu reiten, ich brachte also den Tag bei Goethe zu, und kam am andern Morgen nach Jena zurück. Glücklicher Weise hatte mich Dein Bruder abgewartet, und blieb nun ein paar Tage bei uns. Ich habe ihn gleich sehr lieb gewonnen, wir sind wie alte Bekannte.
Dein eingeschloßnes Blatt an ihn habe ich gleich mit der ersten Post nach W. geschickt, er wird es nun aber doch noch nicht erhalten haben, denn ich erhielt gleich Morgens darauf ein Billet von ihm hier aus dem Wirthshause, er sei mit Catel wieder hier durchgekommen, aber ohne sich aufzuhalten; sie gingen nach Schwarzburg, und würden den 18ten oder 19ten wieder hier eintreffen. Da werde ich ihm alsdann den Inhalt Deines Blattes mündlich sagen. Er verläßt W. noch nicht sogleich, weil er Goethes Büste machen wird, wozu dieser ihm 8 Tage sitzen muß; doch er wird Dir das nächstens genauer schreiben.
Hier sind wiederum Aushängebogen vom Almanach. Es wird rasch fortgedruckt, in 14 Tagen ist alles fertig. Du versprichst noch Beiträge: sie müßten sehr bald ankommen, um noch mit hinein geordnet zu werden. Deine Schwester meldetmir von einem Gedichte für den Almanach, das sie an Dich geschickt; ich hoffe, Du wirst es nicht aufgehalten haben, es würde noch sehr willkommen sein.
Liebster Freund, die Correcturen kosten mir sehr viel Zeit und Mühe; ich bin dafür bekannt, ein genauer Abschreiber und Corrector zu sein, wenn Du aber Deine Gedichte ganz fehlerfrei gedruckt haben willst, mußt Du für bessere Handschriften sorgen. Ich hätte Dich die Romanze nur sollen abschreiben lassen, sagst Du; als wenn ich Dir nicht täglich darum angelegen hätte, so lange Du in Berlin warst, ich predigte aber tauben Ohren. Nachher reistest Du weg und vergaßest sie; man fand das Manuscript unter weggeworfenen Papieren, so daß es überhaupt nur durch einen Zufall gerettet ist. Ich fand es mißlich, Dir es zu überschicken, ohne vorher eine Abschrift zu nehmen; es konnte verloren gehen, und wer war im Stande zu weissagen, wann Du einmal die Abschrift schicken würdest? Ich nahm also die Mühe über mich, ich bin doch sonst ziemlich geübt, Deine Hand zu lesen, diesmal überstieg ihre Schlechtigkeit aber allen Begriff, und wenn bei der Enträthselung dieser seltsamen Chiffern nicht mehr Versehen vorgefallen sind, so ist es immer ein Glück.
Das eine, was Du anders wünschest, ist eine völlig veränderte Leseart, die Du erst jetzt bestimmt angiebst; was Du mir darüber nach Berlin schriebst, war so, daß ich nichts daraus zu nehmen wußte. Daß die ausgelassene Strophe wirklich im Manuscripte steht, davon kann ich mich kaum überzeugen.
Was die andern Fehler betrifft, so habe ich die Aushängebogen nicht hier, um nachzusehen: ich habe sie Goethe’n gelassen. Die eine Stelle habe ich so konstruirt: „Wir sind Sünder, daß (damit) wir in den Tod die Lilienblume lieben.“
Wie Du die Lilienblume construiren willst, wenn Dulebenschreibst, kann ich mir aus dem Gedächtnisse gar nicht vorstellen.
Kurz, Du wirst künftig wohl mehr Sorge anwenden müssen. Es ist keine Billigkeit darin, daß Du selbst Deine Produkte so straußenähnlich verwahrlosest und dann willst, daß dies andre nachholen sollen.
Durch die Art, wie Du unsre bisherigen Mißverständnisse erwähnst, ist natürlich alles beseitigt. Es ist aber doch besser, wenn man Ursachen der Unzufriedenheit zu haben glaubt, daß man sie an den Tag legt, so ist nachher alles weggeräumt. Ich habe immer noch über Deinen Laconismus zu klagen.
Wie es nun eigentlich mit der Herausgabe von Hardenbergs Nachlaß steht, darüber schreibst Du nicht eine Sylbe. So habe ich es auch erst von Friedrich erfahren müssen, daß eine große Anzahl von geistlichen Liedern von ihm vorhanden ist. In der That, dies sieht nicht freundschaftlich aus. — Da in dem Inhaltsverzeichnisse bei dem Namen Novalis etwas von seinem Tode erwähnt werden muß, so gebe ich Dir anheim, dies aufzusetzen, und dabei die zu erwartende Herausgabe des Nachlasses anzukündigen. Du müßtest es aber unverzüglich mit der ersten Post schicken, sonst ist es zu spät.
Schütze hat mir keine Vollmacht gegeben, seinen Namen auszudrucken, sondern die Abkürzung verlangt. Viele Grüße an Deine Frau.
DeinA. W. S.
Dein
A. W. S.
Jena, d. 10. Oct. 1801.
Aus dem beigelegten Billet von Frommann wirst Du sehen, daß es mit ihm nichts ist. Da mir die Hauptsache war,ob er es nähme oder nicht, so weiß ich in der That seine Gründe nicht recht mehr. Ich glaube aber, es war, daß er schon etwas andres zu ähnliches von Dir auf Ostern verlege. Ich bin auf Vieweg gefallen, weil dieser völlige Censurfreiheit hat; wie er sonst ist, weißt Du. Frommann nannte Cotta, der mir aber eben schreibt, er sei schon überhäuft.
Mit andern hiesigen Buchhändlern ist schwerlich etwas zu machen. Für den Moment konnte ich also nichts weiter thun, da ich vermuthlich erst nach gänzlichem Ende der Messe nach Leipzig komme. Ich habe daher geglaubt, Deinen Absichten gemäß zu handeln, wenn ich Frommann das Manuscript mit nach Leipzig anvertraute, damit es dort ist, wenn Du etwa sogleich während der Messe Aufträge giebst. Kannst Du dergleichen nicht durch Frommann selbst besorgen lassen, oder durch Mahlmann?
Mit vielem Ergötzen habe ich den Anti-Faust von neuem gelesen. Friedrich hat nach diesem Anfange große Erwartungen vom Folgenden, und meint, es werde etwas gänzlich Verschiednes vom Zerbino werden, und die Aehnlichkeit läge bloß in Aeußerlichkeiten. Die classischen Grobheiten im Aristophanes haben ihm besonders gefallen. Ich bin im ganzen mit ihm einig. Die einzelnen Einfälle, das göttliche Böttiger Lied u. s. w. das versteht sich von selbst.
So sehr ich indessen Deine Darstellungen des prosaischen Zeitgeistes in mancherlei komödischen Allegorien bewundere, könnte ich doch wohl wünschen, Dich mit der Komödie im Felde des nackten und baaren Lebens erscheinen zu sehen. Hast Du noch keine Anmuthungen dieser Art gehabt?
Daß man sich mit solchen Gesellen wie Böttiger und Falk einlassen muß, ist ein nothwendiges Uebel, oder auch nicht, denn sie werden durch ihre Erbärmlichkeit wieder klassisch und symbolisch.
Lebe recht wohl, ich bin die Zeit her fleißig gewesen, undwerde hoffentlich bald mit der letzthin erwähnten Arbeit fertig sein. Fr. ebenfalls: er hat einen höchst wunderbaren zweiten Akt eines Schauspiels, welches nicht mehre haben soll, beendigt.
Den Tristan und die letzten Bogen vom Almanach wirst Du hoffentlich richtig erhalten haben. Das Geld von Cotta habe ich noch nicht, sonst hätte ich natürlich sogleich Deinen Antheil übersandt.
Leb nochmals wohl.
DeinA. W. S.
Dein
A. W. S.
Jena, d. 2. Nov. 1801.
Endlich ist das Geld von Cotta gekommen, und ich versäume keine Post, um Dir Deinen Antheil zu schicken. Ich lege die Berechnung bey. Das aus Nürnberg geschickte Geld war nur bis Coburg frankirt und hat mir noch 1 Thl. 12 Gr. Unkosten gemacht. Die Hälfte hievon abgezogen von Deinen 101 Thlr. bleiben: 100 Thl. 6 Gr. Ich habe das Geld in Laubthalern erhalten, an welchen Du dort beträchtlich verlieren würdest, das vortheilhafteste für Dich war, sie hier in Lsdr. umzusetzen, welches ich denn auch gethan habe. Allein wenn man Lsd’or braucht, so bekömmt man sie nicht so niedrig, als wenn man sie ausgiebt. Ich habe 5 Thl. 16 Gr. 6 Pf. in hiesigem Gelde für das Stück bezahlen müssen, also 6 Pf. mehr, als Cotta sie uns verrechnet. Darauf gehen die 6 Gr. und noch einige Groschen mehr, die ich Dir nicht in Anschlag bringe, und so erhältst Du Netto: 20Lsd’or.
Der Himmel gebe nun, daß über Tausend Exemplare abgesetzt werden, so hat jeder von uns noch 20 Lsd. zu erwarten.
Da ich morgen nach Berlin reise, so will ich, um Dir möglichst das Postgeld zu sparen, das Packet erst in Leipzig auf die Post geben.
Du erhältst zugleich Bücher mit. In Friedrichs und meinem Namen,die Charakteristiken, von mirFichte’s Nicolai, der schon lange auf eine Gelegenheit wartete, und 3 Exempl. des Almanachs auf Schreibpapier. Ein viertes habe ich an den Conducteur Heine adressirt für den Ungenannten, von dem das Sonett herrührt. Sey so gut und schicke es hin.
Die Velin-Exemplare sind immer noch nicht fertig, und es wird wohl noch 14 Tage damit dauern. Ich werde Auftrag zurücklassen, Dir 2 davon zu schicken. So viel bleiben jedem von uns, nach Abzug derer an die Hauptmitarbeiter und an Goethe und Schiller, denen wir doch gemeinschaftlich geben. Wenn Du eins von denen auf Schreibpapier übrig hast meiner Schwester zu geben, so wirst Du ihr gewiß eine Freude damit machen. Deinem Bruder habe ich in Deinem Namen ein Exemplar gegeben.
Das Mspt. vomAntifaustnehme ich mit nach Berlin, um Deine Schwester und Bernhardi damit zu ergötzen. Da ich nicht auf die Messe gekommen bin, so habe ich nichts thun können, um es gut an einen Verleger zu bringen. Du könntest es immerhin mit Cotta noch versuchen. Er läßt sich Dir empfehlen und klagt, daß Du gar nichts von Dir hören ließest. Von Vieweg schrieb ich schon einmal, wie ich glaube. Thu recht mit Eifer dazu, damit es auf Ostern noch das Licht der Welt erblickt. Schick auch die Abschrift der folgenden Akte wo möglich nach Berlin.
Meine Sendung mit dem Tristan hast Du gewiß richtig erhalten. Wenn der Druck von Hardenbergs Nachlaß in Berlin anfängt (wovon ich durch Friedrich jetzt das erste Wort erfahre) so erbiete ich mich zur Correctur, und Du kannst dieß anUnger bei Uebersendung des Mspts. schreiben. Meine (weggerissen, wahrscheinlich: Begegnung) mit ihm steht dabey gar nicht im Wege, ich habe seitdem schon viel in seiner Druckerey corrigirt.
Den 8ten Band des Shakspeare erhältst Du von Berlin aus, er ist fertig, aber ich habe ihn nicht hieher bekommen.
Schreib doch von dem Fortschritt Deiner sonstigen Arbeiten, ich erwarte mit Sehnsucht wieder etwas von Dir. Was ich nunmehr fertig gemacht, verspare ich auf unser nächstes Wiedersehen, welches uns ja hoffentlich bald erfreuen wird. Ich denke den Winter auch sehr fleißig zu seyn.
Dein Bruder ist seit beynah einer Woche wieder bey mir, er benutzt die Zeit hier allerley zu arbeiten, während in Weimar die Form zu seinem Goethe verfertigt wird.
Lebe recht wohl und gesund. Ich grüße aufs herzlichste Deine liebe Frau, und meine Schwester und ihren Mann. Schreibe bald nach Berlin und addressire bey Bernhardi, Du wirst auch nächstens wieder von mir hören.
Berlin, d. 1. März 1802.
Diese Zeilen hat Deine Schwester Dir selbst schreiben wollen, wiewohl ich sie sehr bat, das traurige Geschäft dieser Nachricht Deinem Bruder oder mir zu überlassen. Der Kleine ist am Zahnen gestorben, das Uebel nahm sehr plötzlich überhand, die Zähne wollten alle auf einmal durchbrechen.
Es war ein schönes, munteres, starkes Kind mit herrlichen großen Augen, wir hatten ihn alle sehr lieb, und sind voller Jammer über seinen Tod.
Ich hoffe, Du sollst Dich über die Gesundheit Deiner Schwester nicht zu beunruhigen haben, wiewohl sie jetzt sehr angegriffen ist. Nächstens erhältst Du wieder Nachricht. Bernhardi ist sehr erschüttert und Dein Bruderäußerst betrübt. Lebe recht wohl, grüße Deine liebe Frau, ich kann heute unmöglich mehr schreiben.