„Erinnerungen eines weimarischen Veteranen,“ heißt das Buch, welches Herr Heinrich Schmidt — ebenfalls ein Theaterdirektor, wie der vorhergehende F. L. — als sehr bejahrter Mann und von Geschäften zurückgezogen in Wien lebend — erscheinen ließ. Aus diesem Buche erfahren wir, daß er bei Goethe, Herder, Schiller u. s. w. aus- und einging; daß diese Männer ihm Berather waren, da er „zum Theater laufen wollte;“ daß er längere Zeit hindurch die Fürstl. Esterhazysche Bühne in Eisenstadtgeleitet; daß er nach mannigfachen Versuchen und Hindernissen zuletzt die Theaterdirektion in Mährens Hauptstadt übernommen.Worüber in jenem Buche nichts geschrieben steht, wovon man jedoch in der Theaterwelt unterrichtet war, ist der günstige Erfolg, den auchdieserSchmidt errungen, was seine Kasse betrifft. DerBrünnerwie derHamburgerSchmidt wurdenwohlhabendeUnternehmer; mithin beachtenswerthe Ausnahmen von der Regel; und jedenfalls auch achtenswerthe. Denn wer bei’m Theater reich wird, muß seine Sache verstehen; mag er’s nun so, oder so angreifen; er muß nothwendigerweiserechtlichhandeln. Ob höheren künstlerischen Interessen folgend?... das steht auf einem anderen Blatte.Heinrich Schmidt, in ökonomischer Verwaltung seiner „Entreprise“ die trockene Prosa, liebte und pflegte als Mensch die Poesie, und erholte sich gern vomRechnendurchDichten. Er hat viele Dramen geschrieben, deren jedoch nur wenige den Weg auf die Bretter fanden. Fast alle trugen das Gebrechen, welches er an den ihm eingesendeten Arbeiten Anderer unerbittlich rügte: sie waren zupoetischund nicht bühnengerecht.
„Erinnerungen eines weimarischen Veteranen,“ heißt das Buch, welches Herr Heinrich Schmidt — ebenfalls ein Theaterdirektor, wie der vorhergehende F. L. — als sehr bejahrter Mann und von Geschäften zurückgezogen in Wien lebend — erscheinen ließ. Aus diesem Buche erfahren wir, daß er bei Goethe, Herder, Schiller u. s. w. aus- und einging; daß diese Männer ihm Berather waren, da er „zum Theater laufen wollte;“ daß er längere Zeit hindurch die Fürstl. Esterhazysche Bühne in Eisenstadtgeleitet; daß er nach mannigfachen Versuchen und Hindernissen zuletzt die Theaterdirektion in Mährens Hauptstadt übernommen.
Worüber in jenem Buche nichts geschrieben steht, wovon man jedoch in der Theaterwelt unterrichtet war, ist der günstige Erfolg, den auchdieserSchmidt errungen, was seine Kasse betrifft. DerBrünnerwie derHamburgerSchmidt wurdenwohlhabendeUnternehmer; mithin beachtenswerthe Ausnahmen von der Regel; und jedenfalls auch achtenswerthe. Denn wer bei’m Theater reich wird, muß seine Sache verstehen; mag er’s nun so, oder so angreifen; er muß nothwendigerweiserechtlichhandeln. Ob höheren künstlerischen Interessen folgend?... das steht auf einem anderen Blatte.
Heinrich Schmidt, in ökonomischer Verwaltung seiner „Entreprise“ die trockene Prosa, liebte und pflegte als Mensch die Poesie, und erholte sich gern vomRechnendurchDichten. Er hat viele Dramen geschrieben, deren jedoch nur wenige den Weg auf die Bretter fanden. Fast alle trugen das Gebrechen, welches er an den ihm eingesendeten Arbeiten Anderer unerbittlich rügte: sie waren zupoetischund nicht bühnengerecht.
Brünn, 27ten Aug. 1830.
Ew. Wohlgebohren.
Kaum darf ich hoffen, daß Ew. Wohlgeb. sich meiner noch erinnern werden, wiewohl es kaum 18 Monate sind, daß ich Ihrer Güte das Glück verdanke, an zwey der interessantesten Abenden meiner damaligen Reise Ihren Vorlesungen in Dresden beywohnen zu können. Doch Sie breiten mit wahrhaft dichterischer Munifizenz diese schöne Gottesgabe über so viele Reisende aus, daß sich der Einzelne kaum schmeicheln darf mit der Hoffnung, in Ihrem Andenken eine kleine Spur zurückzulassen. Und doch wag’ ich es, dem Ueberbringer diese Zeilen mitzugeben? — Eben dieß Wohlwollen nicht allein, das ich aus eigener Erfahrung kennen gelernt, sondern auch die Ueberzeugung, die ich gewonnen habe, daß Ueberbringer, Herr von Wekherlin, Sohn des verstorbenen Finanz-Ministers in Stuttgard, ein gebildeter Mann, der im Auftrag des Staats eine wissenschaftliche Reise unternimmt, ein eben so großer und inniger Verehrer von Ihnen ist, wie ich selbst, haben mich dazuermuthigt. — Herr von Wekherlin hat keinen weitern und innigern Wunsch für seinen Aufenthalt in Dresden, als des Glückes Ihrer Bekanntschaft theilhaftig zu werden. — Sollte Sie dieß nicht diesem Wunsch geneigt machen? — O gewiß! Der Dichter des Oktavians, des Fortunats, der Genofeva — deren Lektüre ich jetzt eben wieder einen so herrlichen Genuß verdanke — einen Genuß, den ich dem Dichter selbst als beßten Lohn für diese reiche Spenden seiner Muse gönnte — ist nicht bloß in seinen Werken so überschwenglich theilhaftig für seine Mitwelt! — Diese Werke liegen eben um mich her. — Besonders merkwürdig ist mir Genofeva. An sie knüpfen sich die lebendigsten und tiefsten Erinnerungen aus meiner Jugend, als ich noch in Jena studirte. — Wie wir da, einige 20 Bursche, unter Vorsitz eines gewissen Burkhardt, der bey Professor Mereau wohnte — dieses treffliche Gedicht — das wohl damals gerade erschienen war — in den Mitternachtsstunden zusammen andächtig lasen, welche Freuden, welcher Jubel! — An die Rolle des Golo mit seinen wiederkehrenden Erinnerungen an das stille — dann ernste — Thal schloß ich mich innig an; ich betrachtete sie als die schönste Aufgabe für den jugendlichen Schauspieler. — Wie viel Ehrfurcht hegten wir für die nicht unempfindliche und doch heilige Genofeva! — Und wie trat alles dieß mahnend auf mich zu, als ich auf jener Reise in Weimar das Skandal erlebte, die Raupachische aufführen zu sehn — eine preußisch protestantischleichtfertige— der zu Liebe und zum Triumpf des Unsinns doch auch Wunder über Wunder geschehn, die selbst Golo — wiewohl er gleich in voller Leidenschaft auftritt — von der Begleitung Siegfrieds abhalten &c. Doch ich fürchte ins Schwatzen zu kommen, worein der Glückliche so gern fällt und der Genuß, den mir Ihre Dichtungen jetzt wieder verschafft haben, hat mich ganz glücklich gemacht. — Empfangen Sie demnach zugleich meineninnigsten Dank dafür. — Es ist der reinste für die schönsten Freuden dieses sublunarischen curiosen Lebens.
Mit tiefster innigster Verehrung
Ew. WohlgeborenErgebenster DienerHeinrich Schmidt, Direktor,in Brünn No. 64 in eigenem Hause.
Ew. Wohlgeboren
Ergebenster Diener
Heinrich Schmidt, Direktor,
in Brünn No. 64 in eigenem Hause.