Varnhagen von Ense, Karl August.

Geb. am 21. Febr. 1785 zu Düsseldorf, gest. 1859 in Berlin.Biographische Denkmale, 5 Bde (1824–30.) — Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften, 8 Bde. (1843–59.) — Leben des Generals Seydlitz (1835.) — Leben des Generals Winterfeld (1836.) — Leben des Feldmarschalls Grafen Schwerin (1841.) — Leben des Feldmarschalls Keith (1844.) — Leben des Grafen Bülow von Dennewitz (1853) u. A. m.undRahel von Varnhagen,dessen Gemahlin.

Geb. am 21. Febr. 1785 zu Düsseldorf, gest. 1859 in Berlin.

Biographische Denkmale, 5 Bde (1824–30.) — Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften, 8 Bde. (1843–59.) — Leben des Generals Seydlitz (1835.) — Leben des Generals Winterfeld (1836.) — Leben des Feldmarschalls Grafen Schwerin (1841.) — Leben des Feldmarschalls Keith (1844.) — Leben des Grafen Bülow von Dennewitz (1853) u. A. m.

und

Rahel von Varnhagen,

dessen Gemahlin.

Berlin, den 16. Juli 1833.

Empfangen Sie, Hochverehrter, mit meinen besten Grüßen dies hiebeifolgende Buch. Sein Entstehen, sein Sinn, sein Inhalt bedürfen bei Ihnen keiner Rechtfertigung; ich kann Ihnen aber auch noch sagen, daß die Beschäftigung, welche ich in dieser Herausgabe fand, mir während der letzten vier Monate das Leben erhalten half, das man ja gewohnt ist, unter allen Bedingungen als einen Gewinn zu rechnen! Ich empfehle mich angelegentlichst Ihrem ganzen Hause, und verharre mit innigster Hochachtung und Ergebenheit

IhrgehorsamsterK. A. Varnhagen von Ense.

Ihr

gehorsamster

K. A. Varnhagen von Ense.

Berlin, den 1. Juli 1836.

Durch Ihre freundliche Zuschrift, und durch die Art, wie Sie darin von Rahel sprechen, haben Sie, Hochverehrter, mir die Seele wunderbar angeregt! Denn ich bin wohl unempfindlich und hart genug gegen Mißkennung und Tadel, aber darum nicht minder gerührt und erfreut durch jede Gunst und Zustimmung, welche meinem Andenken an die geliebte Freundin sich vereinbaren. Die Freundschaft und Achtung, welche Sie für Rahel bekennen, ist mir wohlthuend; auf bedingte Einzelheiten der Ansicht und des Urtheils kommt es hier nicht an. Lassen Sie mich auch sogleich ausdrücken, daß Sie mich nicht umsonst als „verständigen Freund“ sollen angeredet haben; ich darf Ihnen versichern, daß Antrieb und Zweck wie Stimmung und Sinn Ihres Briefes mir ganz erklärlich sind, und dieser bei mir eine gute Stätte findet. Möge davon das Nachstehende, was ich, im Gedränge zwischen Unwohlsein und Abreise, nur eben rasch zusammenfasse, Ihnen vorläufiges Zeugniß sein!

Zuvörderst eine Entschuldigung. Ich sandte Ihnen die erste Sammlung der Rahel’schen Briefe, weil sie nicht im Buchhandel war, und ich sie in Ihren Händen zu wissen wünschte. Die zweite Ausgabe, so gut wie mein neustes Buch, bei denen zwar jener Umstand wegfiel, hätte ich Ihnen nicht minder zugesandt; allein Frau von Arnim sagte mir damals bei ihrer Rückkunft von Dresden, Sie hätten sich mißliebig und feindlich über Rahel geäußert, und so fand ich es nicht gehörig, mit solchen Zusendungen fortzufahren, die Ihnen unangenehm sein konnten. Mißverstehen Sie, Hochverehrter, ich bitte Sie, dieses nicht! Ich mache nicht den Anspruch, irgend ein Urtheil in seiner Freiheit zu beschränken, ich kannjede Art und Ansicht und Meinung, die sich mir nicht aufdrängt, vertragen, und wenn mich etwas in Aeußerungen verletzt, so ist es eher das Allgemeine, als das nur Persönliche. Ich gebe meine eignen Bücher nicht anders der Oeffentlichkeit hin, als wie man die Geburts-, Heiraths- und Todesanzeigen in die Zeitungen wirft; Tausende müssen diese Meldungen gelesen oder ungelesen hinnehmen, die vielleicht nur sechs oder sieben Personen angehen, für diese aber sind sie. Mancher findet vielleicht bei einer Todesanzeige nur Scherz und Lachen. Immerhin! Jeder muß nach seinem Antheil und Sinne sich benehmen. Ich habe Ihnen deshalb, weil ich Sie feindlich gegen Rahel glaubte, keineswegs gegrollt, nur bisweilen mir die Bewandtniß zu erklären gesucht. Mit inniger Freude erfahre ich nun von Ihnen, daß ich einen Irrthum aufgenommen hatte, und bedaure nur, dadurch Ihnen abgewendeter, als ich es wirklich war, erschienen zu sein.

Was nun Genelli betrifft, so habe ich ihn nie gesehen; nur von ihm gehört durch Rahel’s, Marwitzens und Bernhardi’s von einander unabhängige Erzählungen. Aber alles, was Sie von ihm sagen, ist mir mit der Erscheinung, die er sich für jene zu geben gewußt, gar wohl vereinbar. Hat er geschmäht und gelästert, wo er früher angebetet, — es sei ihm verziehen! Wie ich es auch Gutzkow’n verzeihe, daß er das mir theuerste Andenken auf brutale Weise berührt hat. Es thut mir nur leid um ihn. Ich bin für Rahel, wie auch für mich selbst, in diesem Betracht fest und sicher, und was die Leute sagen, kann ich sehr leicht beruhen lassen. Lebte Rahel, so hätte ich allerdings die leiseste Empfindlichkeit für sie, und ich würde manches nicht aussagen, andres ernstlicher aufnehmen; aber so...! Die Lebenden will ich überhaupt geschont wissen, und ich glaube, daß ich es meinerseits nur allzu sehr gethan habe; in welchem Maße, könnte nur der beurtheilen, der einsähe, was alles in meinen unendlichen Papieren ichzum Schweigen gebracht habe! — Freilich läßt sich im Druck nicht alles sagen, noch jedem Mißverstand ausweichen; aber das läßt sich nirgends thun, und ist auch kaum nöthig, wie die Welt nun grade einmal gemischt ist, wo alles durcheinander keimt und blüht, und sich die Frucht oft da ansetzt, wo man sie am wenigsten erwartete.

Die Möglichkeit, welche Sie mir zeigen, daß Sie mir noch einige Briefe von Rahel hervorsuchen könnten, ist mir ein lieblicher Sonnenstrahl aus Ihren Zeilen! Mir kann keine werthere Gabe zukommen. Ich beklage sehr, daß von den Briefen Rahel’s an Burgsdorf und an Finkenstein keine mehr zu finden sind; ich gäbe viel darum, grade diese zu haben, oder auch nur zu lesen! Bleiben Sie, hinsichtlich der von Ihnen noch aufzufindenden erstern, wenigstens meines eifrigsten Wunsches gütigst eingedenk! Auch die Gelegenheit, welche Sie als möglich andeuten, zu Rahel’s Briefen einmal mannigfache Erläuterungen und Berichtigungen zu geben, würde ich gern herbeirufen, und das gewiß gewinnreiche Ergebniß mit Freuden aufnehmen, wiewohl ich doch anmerken muß, das vieles auch in meinen Papieren noch ganz andre Gestalt hat, als jetzt im Gedruckten, und daß ich selber manches berichtigen, andres aber auch umständlich belegen und erhärten kann, was Rücksichten nur obenhin oder eingehüllt mitzutheilen geboten. Führt mich ein guter Stern einmal in Ihre Nähe, so werde ich Sie hoffentlich überzeugen, daß mein Vertrauen in diesen Dingen zu Ihnen ganz rückhaltlos sein kann, und ich würde mich wahrhaft freuen, Ihre Prüfung zu bestehen und Ihren Rath zu empfangen!

Verzeihen Sie dies eilige Blatt! Ich reise in acht Tagen nach Holland, um Seebäder zu gebrauchen, und bin gestört und verwirrt durch die Vorbereitungen, und durch die Uebel selbst, die ich bekämpfen soll! Ich danke Ihnen wiederholt für Ihr werthvolles Schreiben, und wünsche und erbitte eifrigstdie Fortdauer Ihrer Wohlmeinung. Verleihe der Himmel Ihnen die beste Sommerstärkung und jede Fülle des Guten. Mit aufrichtigster Hochachtung und Ergebenheit verharr’ ich treulichst

IhrgehorsamsterVarnhagen von Ense.

Ihr

gehorsamster

Varnhagen von Ense.

Berlin, den 12. April 1844.

Hochverehrtester Herr Geheimrath!

Beifolgende Einlage für Sie, von Herrn Lewes in London, empfing ich soeben in einem Bücherpaket von Herrn Asher, und säume keinen Augenblick, Ihnen dieselbe ergebenst zu überreichen; ich erhielt sie aufgeschnitten, ebenso wie mein Brief es war, und das ganze Paket. — Herr Lewes, mir durch Thomas Carlyle empfohlen, ist ein junger Litterator von schönen Kenntnissen und gutem Willen, der eine Sammlung von Dichtern herauszugeben beabsichtigt, und zu diesem Zwecke kurze Biographieen und kritische Würdigungen wünscht. Ich selbst bin zwar nicht im Stande, irgend einen Beitrag zu liefern, würde mich aber freuen, dem Werke sonst förderlich sein zu können. —

Mit den eifrigsten Wünschen für Ihre uns Allen theures Wohlsein und mit dem innigsten Ausdruck der Verehrung und Ergebenheit

IhrgehorsamsterVarnhagen von Ense.

Ihr

gehorsamster

Varnhagen von Ense.

Berlin, den 19. März 1847.

Hochverehrtester Herr Geheimrath!

Das Buch, von welchem Carlyle’s Brief allzu günstige Worte sprach, wurde dadurch der Gegenstand Ihrer freundlichen Nachfrage, und ich darf wohl entschuldigt sein, wenn ich nicht dem Zufall überlassen will, dasselbe vor Ihre Augen zu bringen! Gönnen Sie dem beifolgenden neusten Band einen gütigen Blick, und wenn darin Einiges Ihrer Theilnahme würdig erscheinen mag, so wird mir dies die größte Befriedigung sein! —

Mit Verehrung und Ergebenheit

IhrgehorsamsterVarnhagen von Ense.

Ihr

gehorsamster

Varnhagen von Ense.

Berlin, d. 30ten Juni 1847.

Hochverehrtester Herr Geheimrath!

Den von Ihnen gewünschten Brief Carlyle’s bin ich so frei hiebei ergebenst zu überreichen; meine Nichte hat die Abschrift angefertigt, ungemein erfreut, daß ihre Dankbarkeit Gelegenheit fände, sich mit etwas zu beschäftigen, das Ihnen bestimmt wäre. Sollten Sie jedoch wünschen, Carlyle´s eigne Handschrift daneben einzusehen, so steht auch diese gern zu Diensten. Ueber Carlyle schrieb mir dieser Tage eine Freundin aus England: „Of the Carlyles I have seen more, and like them the better after every visit; he ist the only original talker I know now in England, — he is more likethinking aloudthan discoursing for the benefit ofothers, and the apparently unconscious manner in which he rambles from one subject to another without the least troubling his head about the fitness of it, — is very curious to listen to.“ Dies stimmt mit allem, was ich sonst von ihm gehört, bestens überein. —

Ich bin neulich sehr ungern von Ihnen weggegangen, — ich mußte leider, — aber mit bewegter Seele und dankerfülltem Herzen! Ich hatte Sie so lange nicht lesen hören, und mich dünkte ganz Neues und Ungehörtes zu vernehmen. Das artige Lustspiel Goethe’s ist mir in Ihrem Vortrag erst recht lebendig und klar geworden, und der Eindruck wird mir davon nie wieder vergehen. Dieses sanfte Feuer, diese Stärke ohne Heftigkeit, diese Macht des Maßes, wirken auf das Gemüth so wohlthuend wie die edle reine Stimme lieblich auf das Ohr! —

Möge der Sommer Ihnen alle Annehmlichkeiten des Gartenlebens und jedes frische Gedeihen gewähren! —

Mit größter Verehrung und dankbarster Ergebenheit

IhrgehorsamsterVarnhagen von Ense.

Ihr

gehorsamster

Varnhagen von Ense.

Wegen der Handschriften von Rahel — wenn sie künftig erledigt werden, — eines Blattes von Frau von Knorring, und sonstiger gelegentlichen Gaben — „ohne der Wohlthätigkeit Schranken zu setzen“ ist in Berlin ein gebräuchlicher Ausdruck — will ich mich bestens zu Gnaden empfohlen haben!


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