X.

Königl. Kammermusikus in Berlin. — Wir unterdrücken denNamendes Mannes, dem wir zwar den Muth zutrauen, daß er frei vor seinen Kollegen vertrete, was er muthig gegen Ludwig Tieck ausgesprochen; demwirjedoch eine ganze Schaar von Widersachern nicht auf den Hals hetzen wollen. Wir können ja, da er uns völlig fremd ist, gar nicht wissen, ob ihm nicht Verdrüßlichkeiten daraus erwüchsen? Dennoch durften Aeußerungen nicht unterschlagen werden, die so selbstständig, und für einen „Musiker vom Fach“ unerhört klingen, aber eben deshalb um so schätzbarer sind.

Königl. Kammermusikus in Berlin. — Wir unterdrücken denNamendes Mannes, dem wir zwar den Muth zutrauen, daß er frei vor seinen Kollegen vertrete, was er muthig gegen Ludwig Tieck ausgesprochen; demwirjedoch eine ganze Schaar von Widersachern nicht auf den Hals hetzen wollen. Wir können ja, da er uns völlig fremd ist, gar nicht wissen, ob ihm nicht Verdrüßlichkeiten daraus erwüchsen? Dennoch durften Aeußerungen nicht unterschlagen werden, die so selbstständig, und für einen „Musiker vom Fach“ unerhört klingen, aber eben deshalb um so schätzbarer sind.

Berlin, den 7ten Juli 1841.

Zuerst, hochgeehrter Herr Hofrath, muß ich um Verzeihung bitten, daß ich nicht noch vor meiner Abreise erschien, aber das Gewitter verhinderte mein zeitiges Zurückkommen in die Stadt. Es erfüllte mich mit Unzufriedenheit und Unruhe, Sie nicht noch gesehen zu haben, und doppelt fühlte ich mich getroffen, da nach meiner Rückkunft mich Mad. K. mit den Worten empfing: Sie haben mir einen Brief mitgebracht! — wobei sie in jugendliche Verzückung gerieth.

Wir haben jetzt einen hohen Genuß durch die Darstellungen der Pasta. Sie hat einzelne Scenen aus Semiramis gegeben und den dritten Akt des Othello; — im königstädter Theater: Anna Bolena. Hier fand ich vorgeführt — nicht was man um sich sieht, noch sich vorstellen kann, — sondern eine Welt, erschaffen voll wahrer Empfindungen. Sie gab in einzelnen recitirten Worten die ganzen Verhältnisse, nicht nur subjectiv, vielmehr in Beziehung zu allen Uebrigen, unverkennbar kund. Das war so groß, daß man nicht allein erblickte z. B. Stolz — Verachtung — Mitleid u. s. w. in bestimmten Scenen;... nein, daß man überhaupt mächtigergriffen fühlt und empfindet: wasistStolz, wasistMitleid, wasistVerachtung! Daß man es durch sielernt!

Die Musiker vom Fach, und Andere so ihnen nachbeten und sich ein Ansehn geben möchten, sprechen nur von den „unreinen Tönen,“ und daß es „ihren Ohren weh thäte!“ — Oder sie betonen ihr Alter und ihren Bart!

Es ist wahr, sie singt zuweilen schneidend unrein; doch soll man sich zumSklavenseines Ohres machen? Und die Höhe ist glockenrein, in voller Lieblichkeit und Fülle.

Auch hier erinnerte ich mich Ihrer Worte, daß die Berliner im Theater stets kritteln, einst auch ihrenFlecknicht anerkennen wollten. Die Kritik hat schon manchen Genuß verdorben. So viel ist gewiß: die Pasta ist die schönste Ruine, die jemals bewundert werden konnte.

Da eben ein bedeutender Bücherkatalog erschienen, bin ich so frei, Ihnen Hochgeehrtester denselben zu senden. Hoffentlich trifft er sie noch an, und ich denke Sie haben jetzt mehr Muße, dergleichen zu durchblättern, als in Sanssouci.

Ich lebe in der Hoffnung, Sie alsbald in Ihrer Vaterstadt zu sehen.

Ihr Sie hochverehrenderX. X.

Ihr Sie hochverehrender

X. X.


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