Wann wird es wirklich Morgen?Wenn goldner StrahlenglanzÜber Firnen hüpft im Tanz,Tief in den Abgrund dringend,BeschwingendDen zum Lichte kletternden Stengel,Daß er sich träumt als seligen Engel.Dann ist es Morgen,Wirklich, wirklich Morgen.Doch wenn’s wettert und sprühtUnd krank mein Gemüt,Kann das Morgen sein?Nein.Wohl ist es wirklich Morgen,Wenn Blümlein im Frühlicht blinken,Und Vöglein Tautropfen trinkenUnd zwitschernd dem Baume zum LohneEine KroneVon jungfrischem Grün versprechen,Vom Meere erzählen den sehnenden Bächen.Dann ist es Morgen,Wirklich, wirklich Morgen.Doch wenn’s wettert und sprühtUnd krank mein Gemüt,Kann das Morgen sein?Nein.Wann wird es wirklich Morgen?Wenn die Kraft, die das Leid durchdringt,Sonne der Seele bringt,Wenn in Deinen ArmenErwarmenAlle die Menschen, groß und klein,Dann gegen alle nur gut zu sein.Dann ist es Morgen,Wirklich, wirklich Morgen.Die gefährliche Kraft,Die das Höchste schafft,Ist sie’s, die Dir nah?Ja.
Wann wird es wirklich Morgen?Wenn goldner StrahlenglanzÜber Firnen hüpft im Tanz,Tief in den Abgrund dringend,BeschwingendDen zum Lichte kletternden Stengel,Daß er sich träumt als seligen Engel.Dann ist es Morgen,Wirklich, wirklich Morgen.Doch wenn’s wettert und sprühtUnd krank mein Gemüt,Kann das Morgen sein?Nein.Wohl ist es wirklich Morgen,Wenn Blümlein im Frühlicht blinken,Und Vöglein Tautropfen trinkenUnd zwitschernd dem Baume zum LohneEine KroneVon jungfrischem Grün versprechen,Vom Meere erzählen den sehnenden Bächen.Dann ist es Morgen,Wirklich, wirklich Morgen.Doch wenn’s wettert und sprühtUnd krank mein Gemüt,Kann das Morgen sein?Nein.Wann wird es wirklich Morgen?Wenn die Kraft, die das Leid durchdringt,Sonne der Seele bringt,Wenn in Deinen ArmenErwarmenAlle die Menschen, groß und klein,Dann gegen alle nur gut zu sein.Dann ist es Morgen,Wirklich, wirklich Morgen.Die gefährliche Kraft,Die das Höchste schafft,Ist sie’s, die Dir nah?Ja.
Wann wird es wirklich Morgen?Wenn goldner StrahlenglanzÜber Firnen hüpft im Tanz,Tief in den Abgrund dringend,BeschwingendDen zum Lichte kletternden Stengel,Daß er sich träumt als seligen Engel.Dann ist es Morgen,Wirklich, wirklich Morgen.Doch wenn’s wettert und sprühtUnd krank mein Gemüt,Kann das Morgen sein?Nein.Wohl ist es wirklich Morgen,Wenn Blümlein im Frühlicht blinken,Und Vöglein Tautropfen trinkenUnd zwitschernd dem Baume zum LohneEine KroneVon jungfrischem Grün versprechen,Vom Meere erzählen den sehnenden Bächen.Dann ist es Morgen,Wirklich, wirklich Morgen.Doch wenn’s wettert und sprühtUnd krank mein Gemüt,Kann das Morgen sein?Nein.Wann wird es wirklich Morgen?Wenn die Kraft, die das Leid durchdringt,Sonne der Seele bringt,Wenn in Deinen ArmenErwarmenAlle die Menschen, groß und klein,Dann gegen alle nur gut zu sein.Dann ist es Morgen,Wirklich, wirklich Morgen.Die gefährliche Kraft,Die das Höchste schafft,Ist sie’s, die Dir nah?Ja.
Wann wird es wirklich Morgen?
Wenn goldner Strahlenglanz
Über Firnen hüpft im Tanz,
Tief in den Abgrund dringend,
Beschwingend
Den zum Lichte kletternden Stengel,
Daß er sich träumt als seligen Engel.
Dann ist es Morgen,
Wirklich, wirklich Morgen.
Doch wenn’s wettert und sprüht
Und krank mein Gemüt,
Kann das Morgen sein?
Nein.
Wohl ist es wirklich Morgen,
Wenn Blümlein im Frühlicht blinken,
Und Vöglein Tautropfen trinken
Und zwitschernd dem Baume zum Lohne
Eine Krone
Von jungfrischem Grün versprechen,
Vom Meere erzählen den sehnenden Bächen.
Dann ist es Morgen,
Wirklich, wirklich Morgen.
Doch wenn’s wettert und sprüht
Und krank mein Gemüt,
Kann das Morgen sein?
Nein.
Wann wird es wirklich Morgen?
Wenn die Kraft, die das Leid durchdringt,
Sonne der Seele bringt,
Wenn in Deinen Armen
Erwarmen
Alle die Menschen, groß und klein,
Dann gegen alle nur gut zu sein.
Dann ist es Morgen,
Wirklich, wirklich Morgen.
Die gefährliche Kraft,
Die das Höchste schafft,
Ist sie’s, die Dir nah?
Ja.
Grüße Griegs vielmals von uns und geh gleich zu ihnen.
Dein Freund Vater.
Liebe Bergliot, ich sitze hier bei Lundes, Sonntag, den 18. Mai, und schreibe ein paar Worte, damit Du nicht vergessen sein sollst. Wir fuhren gestern im herrlichsten Wetter hierher, der Wagen mit grünem Birkenlaub geschmückt, so daß wir in einem Zelt saßen, Erling auf dem Bock, Anna, Kristofersen und ich drinnen. Unsre seidne Flagge voran. Kein Mucks, weil ich dasaß und über meine Rede sann; aber alle, denen wir begegneten, wurden froher Laune, und in der Stadt große Freude. Auf dem Markt ein paar Tausend Menschen und die Stimmung gut. Am ersten Pfingsttag kommen die Rindalsleute, Gustums und einer von Svartum zu uns. Um Johanni soll ich hinunter nach Sarpsborg und dort im liberalen Verein des Smålener Bezirks reden. Vielleicht können wir uns dann auf Torö bei Frau Möller treffen. Du kommst ja diesmal auf dem Landweg und bleibst ein paar Tage bei Hegels? — Mutter will nicht vor dem Herbste hin, sie reist dann mit Dir. Ich wollte, der Teufel holte die Matinee in der Salle Erard! Deinen Brief mit den Montmartre-Schilderungen schicke ich Mutter.Dann ist ein lieber Brief von Ragna Kristensen eingetroffen, die Dagnys Lehrerin werden sollte und am liebsten sofort gekommen wäre; aber nun hat Jenny eine Stellung für sie gefunden als Gesellschaftsdame bei einem reichen Herrn, Dr. Rohde, der eine kranke Frau hat und ein Kind, mit denen er nach Paris will. Kennst Du Ragna? Ihr werdet sehr gute Freunde werden!
Dr. Georg Brandes ist in Kristiania. Sein Zweck ist lediglich, indirekt und direkt mich unmöglich zu machen. Thommessen sein getreuer Helfer. Aber seine Zeit ist vorbei.
Mein guter, lieber Schatz, Dein letzter Brief atmete Zuversicht und Freude, und es tat mir wohl, das zu lesen. Wärst Du nur bald bei uns! Ach, wie schön es jetzt hier ist! Nach einem starken Regen hat alles starke Fortschritte gemacht; ein Duft gestern von Vogelkirsche und Birke ohne Unterlaß, und die Sturzbäche dampften. Aller Frühling ist ein Bild des Starken. Ich schloß meine Rede gestern mit einem Bild von zwei Staren, die an der Südecke unsres Hauses sich ihr Nest gebaut haben. Das Männchen sitzt auf dem Knauf der Flaggenstange und singt ihr vor und spielt und unterhält sie, während sie sitzt und brütet. Und sein Spielen und Singen deute ich als die Festtage zwischen denArbeitstagen; sie sangen und spielten auf für die Frühlingsarbeit im Land. — Aber komm nun auch Du und singe und spiele auf für die Frühlingsarbeit, die Zukunftssaat — erst in Deinem Vaterhaus und später für das ganze Land. So alt wir sind, wir haben den Glauben, daß es derFrühlingist, dem wir dienen, und die Arbeit ihr neues Lied verdient.
Dein Freund Vater.
Du Liebe, Liebe, um 11 Uhr gestern abend (denk Dir, erst um 11!) kamen Frau Karoline Björnson und John Lund (die sich unerwartet getroffen hatten) hier an, am Pfingstabend also, und heute, am Pfingstsonntag, habe ich die schöne Zeit verplaudert; vollständig vergessen, daß wir eine Bergliot in Paris haben; also dieser Brief wird nichts als eine Wurst sein. Aber fressen mußt Du sie doch, von einem Zipfel zum andern.
Du Liebe, Süße, wie hübsch Dein letzter Brief zu lesen war! Wenn Du Dich nur nicht in zu viel Geselligkeit verzettelst! Aber Du hast den Leuten gegenüber ja keine Verpflichtungen; Du kannst in Gesellschaft gehen und es lassen. Enfin! So wenig davon wie möglich. Und zugleich viel Freude und Vergnügen dazu! — Kein Mensch auf der Welt brächte mich dazu, in einer Matinee oder sonst wo etwas anderes zu singen, als was mir selber paßte.Kein Mensch!Ich würde diese Bedingung stellen und mich um keinen, keinen Preis davon abbringen lassen. — Hier ist das allerwundersamste Frühlingswetter, ein paar Tage lauterSonnenschein, den nächsten Tag Regen, und das abwechselnd Wochen hindurch. Dieses Jahr muß, falls es lange so anhält, großartig werden. Gestern ließen wir die Kühe heraus. Einen so schmucken Viehbestand, wie unserer jetzt ist, haben wir noch nie gehabt. Es war ein schöner Anblick. Hansens und Kristofersens teilten ihn. Gestern badete ich auch zum erstenmal im Freien. Prächtig! — Mutter ist recht müde. Die Ärzte in Kopenhagen sind einstimmig der Ansicht, daß ihre Taubheit von Nervosität herrührt, und daß sie nur dann abnehmen oder wenigstens nicht weiterschreiten könnte, wenn ihre Nerven sich besserten.
Ich glaube, das ist anders; ich glaube, die Heilkunde muß hierin erst Fortschritte machen. Der Hypnotismus spielt unter anderm da eine große Rolle. Ferner müssen Instrumente erfunden werden, vermittelst derer schwache Ohren hören, wie vermittelst der Brillen schwache Augen sehen.
Lund und Mutter kommen mit den widerlichsten Erzählungen über die Bohêmerei heim, und ich muß schon sagen, solche Kerle sind nicht gefährlich.
Heute habe ich 13 — sage: dreizehn — Bauern zu Tisch und Mutter und John Lund als Extragäste. Karen ist rein aus dem Häuschen. Frau Hansen hat uns Fisch geschickt, so daß wir wohl über dasSchlimmste wegkommen. — Gestern war ich oben und sah mir ein Fohlen von „Spellet“ an; Erling kaufte es auf dem Fleck, so entzückend war es. Nun warten wir auf „Musmärra“, auch bei ihr ist es bestimmt sehr bald soweit. In diesen warmen Tagen haben wir voll Mitleid an Dich gedacht; ich glaub’ es noch nicht recht, wenn Du sagst, Du seist gesund; es kann ein Umschlag kommen. — Das Haus ist nun fertig in Mädchenkammer und Küche und Speisekammer; alles andre mehr oder weniger unfertig, und dann fehlt die Holzverkleidung außen. Die Leute hatten mit der Frühjahrsbestellung zu tun, deshalb geht es so langsam mit dem Bau. — Schön wird es, wenn es fertig ist, und einen großen, flotten Hofraum gibt es rundum! — Anna ist ein prächtiges Mädchen; nie etwas Unangenehmes los mit ihr; sie hat es eigentlich früher nie in ihrem Leben recht gut gehabt, bis jetzt; das trägt auch dazu bei, daß sie so fröhlich ist. — Mutter erzählt, „Das neue System“ werde in Kopenhagen beständig vor vollen Häusern gegeben. „König Midas“ dagegen ist unwiderruflich abgetan. „Das neue System“ bezahlt ein gut Teilfür Dich.
Sonst nichts zu berichten. Ich freue mich, daß Thaulows (und nicht Tauwlows) freundlich zu Dir sind. Ich halte große Stücke auf ihn; aber ineinigen wesentlichen Punkten ist er nicht so, wie ich ihn haben möchte. Ich gehe indessen davon aus, daß eine solche Naturkraft so sein muß, wie er ist. Im Verhältnis zu mir fordere ichTreue, und die, denke ich, hat er. Ich meinte, er sei ein Freund von Chr. Krohg; aber seitdem ich hörte, daß er das nicht ist, ist alles andre mir gleichgültig, z. B. daß er michRamsethgenannt hatte. Er ist ja ein großes Schwatzmaul. — John Lund sitzt hier und wartet auf mich, ichmußschließen.
Dein Freund Vater.
Ich meine, Du solltest über Kopenhagen fahren, um Hegel zu danken, der so gut gegen Dich ist. Dort haben wir gute Freunde, und die soll man festhalten. „Auf dem Wege zu Deinem Freund soll kein Gras wachsen.“
Süße Bergliot, die Sache mit dem Gelde mußt Du nicht so tragisch nehmen. Du kannst Dir doch denken, daß Mutter und ich immer genug zum Leben haben werden, und könnt Ihr uns etwas wiedergeben, so ist es gut; könnt Ihr nicht, so ist es auch gut. Dafür leben wir doch nicht. Und am allerwenigsten ich, der den größten Teil seines Lebens für andere gelebt hat. Das ist ja die einzige Freude, die ich habe.
Deine Stimme läßt Dich noch immer bisweilen im Stich; — ich bin sicher, sie wird Dir eine Lebensfreude werden, wie sie in ihren guten Stunden die unsre ist. Wenige Menschen können so hell ins Leben schauen wie Du, die zweifellos großen Aufgaben und mancher schönen Tat entgegengeht.
Wir müssen unsern Lebensmut hüten, er ist unser höchster Schatz. Gut essen, gut schlafen, das Rechte tun, gute Menschen in unser Herz schließen und die Zerstörungslust der anderen hindern, das erhält den Mut in uns. So ausgerüstet und begabt und geliebt, wie Du bist, — — Bergliot!
Du kannst überzeugt sein, ich leuchte Jonas Lieheim; denn ich habe Briefe gefunden, die alles bestätigen, was ich gesagt habe. Ich glaube nicht einmal, daß er es selbst erlebt haben kann; dazu war der Konflikt in Rom wegen der gleichen Angelegenheit zu heftig.
Grüß’ Ingeborg, an die ich niemals wieder schreiben darf, und Björn, der bereits seine Sommergage erhoben hat — wozu? Hier ist alles wohl; meine Herzbeschwerden gänzlich vorüber.
Dein Freund Vater.
Ihr solltet uns in Schwaz treffen und mit uns weiter gehen nach Italien. — Ihr werdet nie Italien sehen, wenn Ihr es nicht jetzt seht. Das „nie“ meine ich nicht so bitter ernst; denn sicher kommt Ihr einmal hin. Aber nichtjetzt, nicht in Eurer Jugend, nicht zusammen mit so vielen guten Freunden, wie die, die wir hier um Euch versammeln, und dann zusammen mit Ejnar und uns; denn Ejnar kommt zum Herbst heim, wir hatten kürzlich einen Brief! Ihr solltet das unbedingt tun! Erst nach Tirol, dann nach Rom; — was sollten das für Tage werden! Und wie Ihr Euch nach einer Veränderung sehnen müßt! Selbst die alten Ibsens müssen Eure Sehnsucht verstehen — und auch unser Recht, Euch und den kleinen Buben einmal zu genießen. Und der Gedanke, den Du verlauten ließest, über Dagnys Gesang die Führung zu übernehmen, hat sich in mir festgesetzt. Sie hat Anlage für Musik; ich sehe das an ihren Fortschritten auf dem Klavier, obwohl sie kaum spielt. Und dann bedarf sie eines Anhalts.Sie zerfließt reineweg in bloßer Konversation. Ihre schwache Gesundheit hat bisher jede Regel und Anstrengung unmöglich gemacht; aber jetzt ist das anders; sie wird kräftiger. Sie macht hier großes Glück und ist selbst glücklich. Sie ist auch in allen Stücken ein braves, kluges Ding, und hübsch. Aber siemußnun ein festes Interesse haben. Ich denke, es ist keinerlei Opfer für Euch, ihr dieses zu verschaffen; aber selbst wenn es das wäre, so ist sie es wohl wert. —
Der MalerRoss ist uns ein guter Freund. Er hat sich zu einem gutartigen (obwohl etwas scharfzüngigen) Weltmann entwickelt, ohne jede Spur von Unarten oder Snobismus; er gehört zu den angenehmsten und gefälligsten Bekanntschaften, die man haben kann; — und uns ist er außerdem, und ist es stets gewesen, der beste Freund.Ihr werdet beide Eure helle Freude an ihm haben.Seine Freunde hier sind auch die meinen, und edlere, natürlichere, gebildetere Männer und Damen hat das europäische Gesellschaftsleben nicht aufzuweisen — außer etwa in Kreisen, die ich nicht kenne. — Wir erfuhren gestern zu unserer Überraschung, daß „Die Neuvermählten“ am Montag, den 23. im Valle-Theater aufgeführt werden sollen! Man fragte mich, ob ich nicht derGeneralprobe beiwohnen wolle, morgen — Sonntag —! Die genieren sich nicht. „Ein Fallissement“ geht über ganz Italien und hat großartigen Erfolg. Nun sollen auch „Die Neuvermählten“ und „Geographie und Liebe“ folgen. Aber ich bekomme nicht einen Schilling. Das einzige, was ich davon habe, ist die Freundschaft des Übersetzers, eines vortrefflichen, liebenswürdigen Mannes. Ich habe auch in Rumänien einen liebenswürdigen Übersetzer gefunden; aber, wie gesagt, ihre Liebenswürdigkeit ist der ganze Gewinn. Ich hatte jetzt Gelegenheit, meine neue kleine Erzählung (sie ist in den Zeitungen angekündigt worden) ins Deutsche, Französische, Englische, Russische, Italienische, Ungarische, Rumänische, Tschechische, Littauische und Kroatische übersetzen zu lassen!! Ich habe laut aufgelacht über alle die Nein, die ich in die Welt hinaussenden mußte (außer an den Engländer), weil Hegel das ganze Buch, in dem die Erzählung stehen sollte, vertrödelt hat! Er hat es seit November, und hat jetzt vier — sage: vier — Bogen fertig gedruckt. — Mir ist solche Geschäftsordnung unbegreiflich.
Wir sind alle bei vorzüglicher Laune. Meine Krankheit unterbrach sie eine Weile; aber wir sind darüber weg, seitdem wir die nötige Vorsicht gelernthaben. Ich habe Schwindelanfälle, und ich vertrage nicht viel, ohne daß ich müde werde. Aber es geht gut vorwärts. Im übrigen stecke ich mitten in der größten Arbeit, die ich je vorhatte, und bin ungeduldig. Mutter sieht vorzüglich aus und erregt großes Aufsehen in den Gesellschaften, so hübsch ist sie; sie ist ungemein munter — außer wenn sie Briefe schreibt.
Entwirf nun einen klugen Kriegsplan, wonach Ihr ein Jahr lang mit uns hier unten zusammen sein könnt! Oder wenn es nur ein Besuch wird, bis Sigurd nach Hause berufen wird ... Er und Du habt dann auf alle Fälle den Sommer in Tirol und den Oktober in Rom, die schönste Zeit für Italien! Küsse den kleinen Tankred, grüss’ Deinen Herzensmann und die alten Ibsens und andre Freunde von
Deinem Freund Vater.
Besonders Sörensens!
Bitte Sörensen, daß er mir noch eins von Utheims Büchern schickt, ich habe das erste zu Agitationszwecken weggegeben. Er verschickt sie wohl an Zeitungen und Reichstagsabgeordnete in Schweden?
Ich wäre ihm sehr dankbar, wenn er Sars’ Abhandlung und Utheims Buch an Prof. Fridtjof Holmgren in Upsala senden wollte. Er war neulichhier (auf dem Ärztekongreß), und ihm fehlten die Beweise für das Recht unsrer Sache. Einem Mann wie ihm dürfen sie nicht fehlen.
Dein Freund Vater.
Wie ich den Brief zusammenfalten will, erhalte ich folgendes Telegramm von L’Arronge, Direktor des „Deutschen Theaters“: „Außerordentlich beifällige Aufnahme. Habe mehrmals für Sie danken können. Alle großen Zeitungen voll Lob. Gruß, Glückwünsche. L’Arronge!“ Hurra, hurra;das bedeutet nämlich ganz Deutschland! Und für mich folglich ein ganzes Kapital.
Liebe Bergliot, Du kannst Dir denken, wie uns Deine Schilderung des 17. Mai ergötzt hat! Und daß ich einen Vertreter von meinem Fleisch und Blut und Temperament hatte, machte mir nicht am wenigsten Spaß.
Hierher kam an dem Tage — ohne an den Tag zu denken! — Z. mit Frau. Wir tranken „Vöslauer Schaumwein“, und vielleicht waren es Zeit und Ort und Stimmung, die es bewirkten; aber der beste Champagner behagt mir nicht so wie dieser. Es ist ein süßes Singen darin, ein Preislied auf Tirol an einem klaren Tag und das Echo dazu. Ihr müßt ihn, falls er aufzutreiben ist, kosten und ihn auf den Tiroler Sommer trinken, obwohl er ein Stück weit von Tirol geboren und gewachsen ist, aber doch in derselben Art Natur, wie man sagt. Z. war völlig der Alte, nur fand ich ihn noch häßlicher, schiefbeinig, buckelrückig, langarmig, und die fette Zunge immer vorne zwischen den Zähnen. Aber wie klug und anhänglich und treu er ist! Seine Frau hat ihn vom Vegetarianismus abgebracht; sie hat die Hosen an. Aber sie ist eine brave Personund so innig anhänglich an ihn, wie bloß eine erlöste Gouvernante es sein kann. Sie ist hübsch, „besonders wenn sie einen Schleier um hat“, fügen Dagny und Mutter hinzu. Für die, die besser sehen als ich, soll sie etwas Angejahrtes haben, wenn sie ihn heruntertut. Sie ist groß, schlank, dunkelhaarig, mit schönen Augen. Nun habe ich es so weit gebracht, daß ich französisch (mangelhaft) sprechen kann über Gott weiß was alles, und bis ich wieder nach Italien zurückkomme, werde ich es ebensoweit im Italienischen gebracht haben. In Rom mußte ich eine ganze Menge der neuesten Belletristik lesen, um mein Urteil abzugeben. Die italienische Jugend ist so naiv, frisch, poetisch, es ist eine Freude, mit ihr zu verkehren. Ich begreife vorläufig nicht, was der Grund ist, daß ihre sozialen und politischen Verhältnisse so bedauerlich im Rückstand sind. Daß kein großer Reformator ersteht. Ich glaube, Italien gibt zum drittenmal der Welt einen neuen Anfang, oder vielleicht besser: zumviertenMale, wenn das Papsttum ebenfalls als solcher gerechnet wird. Die Römerherrschaft, das Papsttum, die Renaissance. Kein andres Volk hat solchen Reichtum besessen, und wenn ich unter der Jugend bin, so habe ich den Eindruck, als sei er noch immer da.
Du mußt Sigurd erzählen, daß sein ganzer Vergleich zwischen Leo dem Dreizehnten und Gladstone in die „Review of Reviews“ aufgenommen ist. Aber sage ihm auch, daß ichnichtgemeint habe, er müsse in einer Berliner Zeitung dem entgegentreten, was sie über mich oder den Kampf in Norwegen gesagt haben; ich schere mich den Teufel um ihre Niedertracht; nein, eine kurze Darstellung dessen geben, um was es sich handelte; denn darüber herrschen nachgerade irrige Anschauungen. Die Schweden sind sehr fleißig gewesen. So schlecht, wie es mit dem Parlamentarismus steht in Europa, und so fest, wie sich der Satz eingebürgert hat, daß die Norweger Wirrköpfe sind, ein Haufen Abnormer — ist die Lage nicht ohne Gefahr.
Die Mutter ist von einem Magenübel geplagt, wozu mitunter starke Rückenschmerzen kommen. Gegen diese gebraucht sie Salicyl, und mit gutem Erfolg, aber die Magenbeschwerden kommen häufig wieder. Heute weint sie vor Schmerzen. Bis dato ist es nichts Ernsteres; Malthe untersuchte sie in Rom; aber es muß ja ernst werden, wenn nichts dafür getan wird. Dann ist es wieder acht bis vierzehn Tage gut, aber kaum länger. Das schlägt auf die Stimmung. Es wäre eigentlich ganz gut, wenn Du eines Tages zu Malthe hingingst. — BitteSigurd, mir zu sagen, waserüber die Wahlen denkt.Jetztist also die Zeit gekommen, da, wie ich erwartete, das Ministerium Steen Kopf oder Schrift spielen würde mit dem schwedischen König, der gleichzeitig der unsre sein soll.Jetzthätten die Bewilligungen für Konsuln und Diplomaten, die schon in der vorigen Session vorbereitet und angekündigt wurden,abgelehnt werden müssen. Und die Regierung müßte vor die Alternative gestellt sein, entweder zu gehen oder die Wahlen über am Ruder zu bleiben. Dann hätten wir unser Ministerium bis jetzt gehabt und ständen zehnmal besser da in den Wahlen.
Dagny spielt wirklich recht gut. Sie macht im ganzen große Fortschritte.
Peter hat uns alten Käse geschickt, Dikka geräucherten Lachs, wir sind jeden Tag „auf den Fischbrücken des Westlands“ und im Vorratshaus und haben ein so echtes Konterfei von Norwegen, wie kein Gedicht es stärker oder wahrer geben kann. Siehst Du Peter, so umarme ihn, Dikka ebenfalls! —
Erzähl’ auch von Cato! Wir müssen doch von Cato hören! Ihr dürft Cato niemals weggeben, finde ich. Er war Euer erster Hausgenosse, und Zuschauer von Anbeginn des Anbeginns und Zuhörer von Tankreds erstem endlosen Geplärre.Wenn Dagny davon erzählt mit dazupassenden Bildern von Sigurds mannhaftem Zorn, Deiner Verzweiflung und Catos Verzweiflung am ganzen Leben, lachen wir, daß wir uns den Bauch halten.
Mit meiner Arbeit geht es gut jetzt. Björns und Ingeborgs Triumphe in Kopenhagen haben uns furchtbar gefreut. Grüße Sigurd und Tankred, Peters und die alten Ibsens vielmals von
Deinem Freund Vater.
Liebe Bergliot, Mutter soll nach Innsbruck; wir warten nur auf Geld. Dort ist ein Arzt, der berühmt ist wegen seiner Kuren für Magengeschichten. Es kommen viele von weither zu ihm.
Es freute mich, daßDukein Hase warst. „Absalons Haar“ ist das Stärkste, was ich geschrieben habe, weil es die teuerste Erfahrung meines Lebens ist. Wer Dichter ist, und das auf meine Weise ist, und etwas so Fürchterliches erlebt, und dann nicht das Seine tut, um zu warnen und die Wiederholung im großen und kleinen zu verhindern, der wird seiner Aufgabe untreu. Rücksichten wie: dann sagen die Leutedas, und dann denken siesovon Dir, nehme ich nicht. Ich gehe drauf los, und dafür sollten alle einstimmig mir danken und mich ehren. So habe ich ja mein ganzes Leben lang gehandelt, und das wollen die Leute nie sehen, und es mir nie lohnen.Denn Aufopferung wird ihren Lohn und ihren Ruhm haben, wenn die Zeit gekommen ist. Sie ist nämlich ein Vorschuß, den starke und gesunde Menschen auf das Ganze nehmen.
Rache? — NichteinWort der Rache, nicht ein Wort der Bosheit findet sich in der Schilderung, um die es sich hier handelt. Derartiges verdunstet mir, wenn ich vor dem Ernst der Aufgabe stehe. Ja, mehr noch: ich wehre mich dagegen, ganz entschieden. Um sicher zu gehen, lasse ich mindestens ein Drittel von dem, was das Bild verschlimmern könnte, weg und rücke den Rest in das Licht des Verstehens vom psychologischen Gesichtspunkte aus.Ihr, die Ihr das Modell kennt, wißt alle, daß ich auch diesmal so verfahren bin. Ich werde später darüber öffentlich etwas schreiben, falls kein anderer es kann oder will.
Tausend Grüße an Euch alle!
Euer Freund Vater.
Liebe Bergliot, was ist denn das für ein Unsinn, daß Du uns etwas von dem Gelde, das wir für Deinen Gesang ausgelegt haben, zurückbezahlen willst! Das ist doch Deine Mitgift. Es wird sich mit der Zeit schon zeigen, daß diese Mitgift sehr bedeutend ist. Es freut uns sehr, daß Du glaubst, diese Zeit sei bereits gekommen.
Ich freue mich über die Drontheimer Wahl; aber wenn ich das Wachsen der Rechten in Akershus und im Westland sehe, dann merke ich wohl, daß die Wahlen im ganzen nicht nach Wunsch ausfallen. Leider! Eine falsche Taktik wird von den besten Reden nicht aufgewogen. Es sieht ja aus, als könnten wir in einem ganzen Menschenalter diese Bezirke nicht gewinnen. — Das ganze Ausland ist gegen uns. Ich glaube auch nicht, daß wir dem Ausland das Verständnis beibringen können, ehe wir unserer Unabhängigkeit ein Ziel stellen, das alle fassen. Dieses kann einzig sein: Schiedsgerichte für alle vorkommenden Fälle, und ein Ansuchen deswegen in allererster Linie bei Rußland. Wenn das Ausland einsieht, daß esdasist, dem die Schweden sichwidersetzen, werden ihm die Augen aufgehen. Wie lange soll ich diese Weise herleiern, ehe ich die Leute mitkriege?
Dein Freund Vater.
Liebe Bergliot, schon jetzt kann ich aus den Wahlen sehen, daß die Rechte sich behauptet. Die Linke bringt es zu keiner Zweidrittel-Majorität; und dann begreife ich nicht, was Ihr daheim wollt, besonders wenn auch Ibsens reisen. Ich werde die Reise nach dem Süden für Euch bezahlen, falls sie jetzt stattfindet, d. h. diesen Herbst. — Nimm Dich in acht vor Arlbergs allzu offnen Vokalen; im übrigen hat er selbst eine brillante Gesangsmethode gehabt. Ob er irgendeinen hervorragenden Schüler hat, weiß ich nicht. Ich glaube, das einzige, was Deiner Stimme fehlte, wäre mehr Kraft in den Stimmbändern, und die käme durch Elektrisieren und bei größerer körperlicher Gesundheit. — Aber Ihr versteht das ja besser, weil Ihr kundige Leute zu Rate ziehen könnt.
Ich stimme im wesentlichen mit Sigurd in der Beurteilung Bismarcks überein. Nur schwärme ich nicht, wie er, für das Große, bloß weil es groß, für das Interessante, bloß weil es interessant ist. Dafür bezahle icheinmal Entree oder zweimal und bin fertig damit. Napoleon ist für mich um vieles bedeutsamer geworden, seit seine Psychologieso offenkundig vor allen liegt, daß wir den tiefen menschlichen Zusammenhang sehen, den Zusammenhang des Herzens, des Charakters mit den gärenden, schaffenden Mächten der Zeit nach allen Seiten hin. Etwas Ähnliches ist es mit Bismarck;dasist es, was ihm immer Bewunderung sichern wird.
Dein B. B.
Liebe Bergliot! Ich schrieb gerade an Graf Prozor: daß der Phantast Lugné-Poë und die ganze französische Komödie mit norwegischen Stücken zu uns kommen, ist eigentlich zum Lachen. Ich ahnte, daß sie nicht einmal gut spielen. — Eine Affektation ist das, die mir so zuwider ist, daß ich mich einfach abwende. Und nun folgt eine Reaktion, daß es in allen Fugen kracht. — Aber das Ärgerlichste ist, daßwireine Rolle dabei spielen sollen; das müßte schon eine ganz andere sein! Nun ja, ich will nicht weiter darüber reden; es wird genug geredet. Ich verfolge das inallenLiteraturen und sehe den Umschlag kommen. Die Geschäftigkeit derJudenund ihre Begeisterung bei all dem hätte uns mißtrauisch machen müssen. Nun — die Abrechnung wird schon kommen. —
Wir ziehen also südwärts — zum letztenmal. Noch einmal mag ich nicht. Aber solange wollen wir draußen leben, als die Verhältnisse daheim keine Gefahr bergen, oder klar sind. Es würde mich nur stören; ich habe Hemmungen genug. Mit meiner Arbeit geht es gut.
Unsere innigsten Glückwünsche zu Eurem Hochzeitstage! Möge es Euch alles in allem so wohl ergehen, wie es doch Summa Summarum uns gegangen ist! Es ist eine fruchtbare Lebensreise, die hinter uns liegt; etwas lebt nach uns — und mehr wird noch kommen.
Ja, das ist wahr, immer habe ich vergessen, von dem Ringe zu erzählen. Ich entdeckte ihn durch einen Zufall unter Mutters merkwürdigem Krimskrams und war ganz erschrocken, daß sie ihn mitgenommen hatte. Denn ein solcher Gegenstand war zu verlockend zum Stehlen; ich bat sie, entweder ihn nach Hause zu schicken oder ihn zu tragen. Sie wollte beides nicht, und so nahm ich ihn an mich, lediglich, um ihn aufzubewahren. Freude hatte ich keine daran;ichkann ja nicht sehen, daß er leuchtet; das können bloß die anderen. Allmählich ist er mir vertraut geworden einfach dadurch, daß ich morgens und abends an ihn denke, so daß er ein Teil meines täglichen Lebens geworden ist. Aber Du kannst ihn wiederhaben, sobald Du willst. Es ist buchstäblich nur Vergeßlichkeit, daß ich nicht eher davon geschrieben habe. — Mildes, herrliches Herbstwetter, wie der Spätsommer bei uns daheim. Grüße Sörensen!
Dein Freund Vater.
Liebe Bergliot, so oft schon wollte ich Dir von Deinem alten Freund Dr. N. N. erzählen.
Äußerlich gänzlich unverändert. Nur kann man jetzt überhaupt nicht mehr mit ihm reden, ohne daß er wie zufällig hinwirft, er sei neulich nach S.... zur Königin berufen worden, die ihn nicht habe wieder weglassen wollen; er mußte den Vorwand gebrauchen, daß er nach London zu einer Konsultation müsse, und merkwürdig genug, als er abreisen wollte, bekam er wirklich ein Telegramm von Lord Dufferin. Dieser Lord Dufferin segelte mit ihm den Sommer über im Golf von Neapel; aber N. N. mußte ihn auf Capri absetzen, weil er zur Fürstin Ruspoli nach Rom berufen wurde. Als ich wieder einmal mit N. N. sprach, war gerade einer von Amerikas jungen Milliardärsöhnen zum erstenmal nach Rom gekommen, lediglich, um Dr. N. N. zu konsultieren; er litt an Trunksucht und wollte keinem andern folgen als Dr. N. N., und jetzt folgt er sogar seiner Mutter, weil Dr. N. N. ihm das befohlen hat; N. N. erwartet 10000 Dollars Honorar.
Er wohnt an der spanischen Treppe „in der Wohnung, in der der englische Dichter Keats starb; obendrüber wohnte Shelley“. Wenn man zu N. N. kommt, liegen Keats und Shelleys Gedichte ganz zufällig aufgeschlagen da; beides Prachtbände von höchster Eleganz. Eine ungeheure Schale mit Visitenkarten begrüßt einen im Vorzimmer; zu oberst die Gladstones, — man sollte glauben, er sei erst gestern bei N. N. gewesen. Dr. N. N. fährt entweder mit zwei Staatspferden oder mit zwei Ponys aus. Neben ihm sitzen entweder die Kronprinzessin von X. oder seine zwei Hunde, ein kleiner und ein großer von Englands edelstem Blut, der kleine auf dem Rücksitz, der große auf dem Vordersitz. Ein Groom sitzt auf dem Bock beim Kutscher, beide in Livree. N. N. selbst dagegen so einfach gekleidet wie Napoleon. Nie sieht man ihn einen Orden tragen, selten Handschuhe. Ganz zufällig, man kann sagen unversehens, erwähnt er, was er der Königin, der Kronprinzessin, der Fürstin Ruspoli, dem amerikanischen Milliardärsohn gewesen ist, oder er streift die Konsultation, die dem Tode des englischen Gesandten voriges Jahr hier vorausging, bei der Dr. N. N. Recht behielt und alle die anderen im Unrecht waren. So was kommt ebenganz ungewollt heraus, wie wir mitunter etwa erzählen, daß wir schon Mittag gegessen oder schon Kaffee getrunken haben. Für einen Besuch erhält er 50-100 Lire oder mehr. Das Geld liegt im ganzen Zimmer herum, zum Teil zusammengeknüllt. Oft nimmt er auch kein Honorar. Was hat er denn weiter getan als seine Pflicht?! —
Er hat drei Mädchen, die alle einer Familie in A. angehören, deren sämtliche Mitglieder er gerettet hat. Der übrige Teil der Familie wohnt jetzt in seiner Villa dort. In A. kennt man nureinenNamen, und das ist der seine. (Neulich war ein Norweger dort und konnte niemand finden, der wußte, wo Dr. N. N.s Villa läge.) —
Ich bin einmal — sage:einmal bei N. N. gewesen; somit hat er nun auch meine Visitenkarte in seiner Schale; später hatte er keine Verwendung mehr für mich und ich auch keine für ihn.
Lebe wohl, liebe Bergliot. Gott behüte Dich!
Dein Freund Vater.
Liebe Bergliot, ich meine, Du solltest jetzt die Bekanntschaft einer Dame suchen, die Dich begleiten und mit Dir hierher kommen könnte und überhaupt sich an Dich und uns so anschlösse, daß sich daraus eine Tournee entwickeln ließe, wenn die Zeit kommt. Am liebsten möchte ich ja, sie wäre einigermaßen hübsch, daß ich mich so ein bißchen in sie verlieben könnte, denn das ist zu nett; aber da solche Damen meistens häßlich sind, mußt Du wenigstens dafür sorgen, daß sie in dieser Hinsicht nicht geradezu den ersten Preis verdient. Ihr Spiel muß Seele haben, sonst taugt es nichts; aber sie selber muß diskret und umgänglich sein, sonst ist sie nichts für uns, weißt Du. Wenn Du es darauf anlegst, mußt Du schon eine finden können.
Liebe Bergliot, ich soll von Tankred grüßen. Ich machte ihn auf der Herreise für den Mjösen verantwortlich. Jedesmal, wenn er verschwand, war das Tankreds Schuld, und er bekam Prügel dafür, und jedesmal, wenn der Fluß wieder zum Vorschein kam, war er nur schnell um den Wald herumgelaufen, um ihn vor den Prügeln zu retten. Tankred wurde natürlich dieses Spiels nicht müde. Besonders spannend war es jedesmal, wenn die Bäume anfingen, die Aussicht aufs Wasser zu versperren, und ganz entsetzlich wurden die Prügel, wenn wir durch einen Tunnel kamen; dann hatte er den Mjösen nämlich weggeworfen. Kaum waren wir in Aulestad, so war Tankred auch bereits verschwunden. Um halb 10 kam er wieder herein — wir hatten ihn nämlich total vergessen, wir hatten so vielerlei zu ordnen — und da war ihm schlecht und er war sehr blaß. So müde war er! Heute um 6 Uhr hörte ich, wie ein Rouleaux in die Höhe gezogen wurde. Was meinst Du wohl? Das war er! Um 8 Uhr gelang es uns endlich, ihn zum Frühstück einzufangen. Aber er hatte nur gerade Zeit, einen Bissen zuessen! Die Kühe sollen auf die Alm, und Gott weiß, was alles ihn jetzt in Anspruch nimmt. Wir denken so: er mag den ersten Rausch austoben. Jörgen und Else traben mit. Er freute sich, als er Arne in Jungenskleidern sah und gab sich eine Weile mit ihm ab. Aber weil Arne glaubte, Tankreds Ball sei lebendig und deshalb sich nicht mitzuspielen getraute, war Tankred dieses zu dummen Verwandten bald überdrüssig.
Ja, weiter wäre nichts zu berichten. Grüße Sigurd!
Liebe Bergliot, Dank für neulich; — ich habe oft Deines Mannes Gewissenhaftigkeit bewundert, aber niemals wie jetzt, da ich sehe, daß die Verhandlungen, die ihn verhinderten, am 6. mit Dir hierher zu kommen, erst am 15. eröffnet werden sollten.
Hier sitze ich und beantworte die allernötigsten Briefe; sie sind (bis auf einen, von den Professoren an der Hochschule in Göteborg) alle aus Kristiania. Telegramme sind es 727, sagt Mutter; ich möchte wissen, wie viele darunter von Gesellschaften und Vereinen. Die Briefe sind Legion; ich muß ja einmal daran.
Vorläufig arbeite ich für Alexander Kielland. Die 40000 geerbt haben pro Kopf, sind seine Geschwisterkinder, und die haben ein paar Verwandten zu helfen, die höchst bedürftig sind. Alexander Kielland hat in allen diesen Jahren mit einem Einkommen von 4000 Kronen dagesessen und hat davon bis zu 600 Kronen Steuern zahlen müssen. Ich glaube nicht, daß er so sehr zu tadeln ist. Er hätte wohl etwas tun sollen, ehe die Schuldenbis 10000 angewachsen waren. Aber nun sind sie es, und wir müssen helfen.
Ich habeeine Bitte an Dich: geh zum Großkaufmann Sörensen. Der biedere Mann wird mir vielleicht helfen, wenn er hört, daß ich nicht vom Flecke komme, bis ich die 10000 beieinander habe, die in diesen Zeiten sehr schwer aufzutreiben sind — auch aus dem Grunde, weil wir mit einer gewissen Diskretion vorgehen müssen. Ich wende mich am liebsten an reiche Norweger außerhalb Norwegens. Leg’ ihm ans Herz, daß Alexander Kiellands Konkurs jetzt ihn um seine Stellung bringen würde und eine Schande für das ganze Land wäre. Dafür arbeite und arbeite ich. Sag’ ihm, daß ich ein gewisses Recht habe, andere um Hilfe zu bitten, weil ich selbst Kielland mehrere Male geholfen habe; so zahlte ich ihm damals, als er seinen Dichtersold verlor, diesen Betrag das erste Jahr ganz allein aus.
Uns geht es gut nach der Reise. Hier ist es herrlich! Aber ganz Gausdal und ganz Gudbrandsdal sind ohne Wasser. Unter dem Blachfrost sind alle Quellen ausgegangen. Die Gausa ist fast wasserleer; die Fabrik steht still. Unsere Wasserleitungen auf dem Hofe laufen auch bald nicht mehr; bloß das Wasser, daswiraufgespeichert haben, der Neversee, gibt noch was her. Wäre nicht im Herbst in den Dammein Loch gekommen (durch eine tiefe Sandader, die durchbrach), so hätten wir bis zum April Wasser gehabt. Jetzt haben wir kaum bis Mitte Januar. Wir haben eine schwedische Mühle, die Tag und Nacht geht; im ganzen Kirchspiel ist nur die eine. Wenn das Wasser ausgeht, bringen wir den Motor an, also mahlen wir den ganzen Winter für andere. Wenn doch die Mühlen erst fertig wären; jetzt meinen alle, wir müßten versuchen, sie aufzustellen, was höchstens 5000 Kronen kosten könnte. Aber die habe ich ebennicht.
Das nötige Wasser für Haus, Viehstall und Pferdestall muß den ganzen Winter über angefahren werden! Eine herrliche Aussicht! Wahrscheinlich aus dem Fluß, — falls überhaupt so viel da ist, wenn die Zeit kommt! Grüß’ Sigurd und Deine Kinder von uns.
Dein Freund Vater.
Liebe Bergliot, in diesem Augenblick schickt Midling inHudiksvall (ein Mann, den Treschow törichterweise verabschiedet hat, und der nun Millionär ist) 1000 Kronen für Alexander Kielland. Ich darf hoffen, ich habe in diesem Augenblick 9000 Kronen. Auf jeden Fall habe ich 7000.
Und ich finde, Ihr beide, Du und Sörensen, müßtet elende Patrioten und Waschlappen sein, wenn Ihr mich nicht mit einer gleichen Summe überrascht. Midling sandte das Geld ineinemSchein. Konsul Fredrik Hansen ist Kassierer, aber Ihr müßt den Schein an mich schicken. Ich muß ihn in der Hand halten, weil er für Alexander Kielland ist,den ich liebe.
Also: Tankred war zu Ball; dort verliebte er sich. Er sah „sie“ tanzen; er ließ sie nicht aus den Augen, er legte seinen Kopf in Lizzies Schoß und flüsterte: „Ist sie nicht entzückend?“ Gleich darauf fügte er hinzu: „Jetzt willich auchtanzen lernen.“ Als sie ihn mit nach Hause nehmen wollten, während sie noch dablieb, weinte er. Erling, der sehr erfahren ist in Liebessachen und deshalb Mitleidhatte, nahm sich seiner an, und er durfte bleiben. Als ihn Erling später in seinen Pelz wickelte und ihn so mit ins Hotel nahm, war er so müde, daß man ihn ausziehen mußte, und er flehte, man möge ihm das Waschen erlassen, was Erling — immer voll Mitleid — auch bewilligte, zum tugendsamen Entsetzen der beiden Dienstmädchen, seiner Vormünder.
Ach so, — also die Unionssache sollte zuerst am achten behandelt werden und wurde dann auf den fünfzehnten verschoben. Verzeihung!
Dagny hat ihren Koffer bekommen.
Euer Freund Vater.
Du Vöglein, wenn der Lenz begann,Mit all den Deinen pflegst du dannZum alten Hof zu eilenUnd schwelgst in anmutvollem Sang,Voll Jugend und voll Jubelklang,Hier wieder zu verweilen.Verleih’ das Glück dir Heil und Kraft,Daß sich zum Himmel unerschlafftDie hohen Töne schwingen,Die deinem Überfluß entsprühnAls Zeugen, daß du grad so kühnIm Handeln wie im Singen.
Du Vöglein, wenn der Lenz begann,Mit all den Deinen pflegst du dannZum alten Hof zu eilenUnd schwelgst in anmutvollem Sang,Voll Jugend und voll Jubelklang,Hier wieder zu verweilen.Verleih’ das Glück dir Heil und Kraft,Daß sich zum Himmel unerschlafftDie hohen Töne schwingen,Die deinem Überfluß entsprühnAls Zeugen, daß du grad so kühnIm Handeln wie im Singen.
Du Vöglein, wenn der Lenz begann,Mit all den Deinen pflegst du dannZum alten Hof zu eilenUnd schwelgst in anmutvollem Sang,Voll Jugend und voll Jubelklang,Hier wieder zu verweilen.
Du Vöglein, wenn der Lenz begann,
Mit all den Deinen pflegst du dann
Zum alten Hof zu eilen
Und schwelgst in anmutvollem Sang,
Voll Jugend und voll Jubelklang,
Hier wieder zu verweilen.
Verleih’ das Glück dir Heil und Kraft,Daß sich zum Himmel unerschlafftDie hohen Töne schwingen,Die deinem Überfluß entsprühnAls Zeugen, daß du grad so kühnIm Handeln wie im Singen.
Verleih’ das Glück dir Heil und Kraft,
Daß sich zum Himmel unerschlafft
Die hohen Töne schwingen,
Die deinem Überfluß entsprühn
Als Zeugen, daß du grad so kühn
Im Handeln wie im Singen.
Björnstjerne Björnson.
Ich befinde mich so wohl in Rom, daß, wenn bloß auch die Arbeit sich in das Klima und die Natur schicken will, man mich nicht wieder nach Hause kriegt.
Herrgott, wie schmutzig mir von hier aus die norwegische Politik vorkommt, wie ich das stolze herrische Wort im Storthing vermisse! Ich fange an, mich nach größeren Staatswesen zu sehnen.
Dieser Brief ist eben so sehr für Dagny wie für Dich. Ich sehne mich so nach ihrem klaren, offenen Charakter, dem alles Kleine klein ist. Und so schrecklich nach ihren Jungens. Ich habe die feste Überzeugung, daß wir uns bald sehen werden. Aber es freut mich, daß die Jungens Aulestad wieder lieb gewonnen haben dank ihrem Winteraufenthalt. Es wird ihnen unvergeßlich bleiben, was sie jetzt erlebt haben.
Eine große, schwere Arbeit habe ich jetzt vor. Gelingt sie, dann wird sie einem großen Gedanken, einem gewaltigen Gegensatz Gehör schaffen. Aber ich kann nicht sagen, daß es schnell vorwärtsgeht. — Mutter ist hier ganz flott und frisch geworden; gedeiht und schläft und schwatzt, als wäre sie wieder jung. Wir haben viele gute Freunde, und mir ist sogar der Rom-Geruch lieb wie Wein. Bald ist die Luft so mild, daß wir in ganzen Karawanen in die Kneipen vor die Stadt ziehen, Speckeierkuchen und Artischocken essen und Landwein trinken. Marias Makkaroni duften aus der Küche. Wir wollen essen.
Euer Freund Vater.
Liebe Bergliot, mit dem Buche habe ich Euch nicht vergessen, sondern die Sache verhielt sich so: Collin und Naerup, besonders der erstere, teilweise auch Björn, wollten nicht, daß ich es herausgeben solle, „ehe es fertig sei“.Sowar es zu schlecht. Besonders Collin war rein verzweifelt. Nun wußte ich ja, daß sie falsch sahen; aber ich bekam es doch so satt, daß ich es lange Zeit niemandem schickte. Auch habe ich nicht ein einziges Wort in einer Zeitung darüber gelesen. So ist es zugegangen.
Nach und nach habe ich dann so viele Telegramme und Briefe darüber bekommen, daß ich meine gute Laune wiedergewonnen habe; aber ganz überwunden habe ich es noch nicht. Ich habe seitdem nicht wieder an Collin schreiben können, und bringe es gewiß auch noch lange nicht fertig. In diesem Augenblick sind 9000 Exemplare von dem Buche verkauft. Bis zu Weihnachten werde ich also über 10000 verkauft haben, und damit ist unsre ganze Reise nach Italien bezahlt.
Wir sorgen uns so um Irenes Operation, ja wir sorgen uns so seit Deinem heutigen Brief, der die Nachricht brachte, so daß ich nicht arbeiten kann. Schreib, schreib!
Du unsre liebe Bergliot, niemals hast Du uns einen Brief geschrieben, der uns weher getan hat. Es ist ja zu dumm, denn jetzt ist es vorüber. Aber der Gedanke, wie fürchterlich es gewesen ist, reibt uns ganz auf. Wir sind eben alt geworden, und wir haben nicht mehr die Spannkraft, die uns nach diesem Eindruck wieder aufrichtet. Wir konnten nicht davon los. Oh, wie grauenvoll ist das gewesen! Ich erlebe das Ganze immer wieder von neuem. Ich komme nicht wieder heraus aus diesem Zimmer. Und der Tag im Bett und die Nacht, und die nächste: ja, Du bist schwer geprüft, bei all Deiner Jugend. Du, die eigentlich immer fröhlich sein müßte! Grüße und küsse Irene von uns! —
Was Du von Boström erzählst, kam überaus unerwartet. In dem Brief von Michelsen, den ich kürzlich erhielt, war eine Andeutung; aber ich ahnte nicht, daß sie auf Boström ging.
Ist denn kein schwedischer Mann da von Ansehen, der uns das Wort redete? Der sich einsetzte für ein gutes Verhältnis? Haben wir immernoch kein Verständnis gefunden bei den leitenden Mächten! Ich glaubte, das sei jetzt vorbei.
Aber Irene, die kleine Irene, sie jagt alle diese Kümmernisse in den Wind. Sie nimmt sie alle in Anspruch im Verein mit Dir.
Dein Freund Vater.
Liebe Bergliot, ich denke so viel an Euch. Sigurd seinerseits und Du Deinerseits, müht Euch so schrecklich ab. Und die Kinder halten Euch so in Atem.
Ich bitte um etwas fleißigere Nachrichten. Es bedarf nicht vieler Worte; aber ein bißchen öfter, so lange diese Spannung andauert. Auch die politische.
Über Boström sagte ich zu Blehr, er sei wie Frau Wolf. Er weint vor Rührung, und im nächsten Augenblick ist es vergessen. Er ist zwei verschiedene Menschen in einer und derselben Stunde. Der Charakter und Staatsmann ist Lagerheim. Jetzt, da er geht, wird dies gewiß allgemeiner verstanden. Das merke ich an Tor Hedberg, der hier ist.
Um eins möchte ich Dich bitten, und zwar recht herzlich. Ich habe Sigurd Ibsen nicht dazu bringen können, Adolf Hedin zu besuchen. Ich finde das politisch unrichtig, ich finde es anstößig. Keiner ist für Norwegen so eingetreten wie er, und zwar seit seiner frühsten Jugend. Ich bin sicher, Sigurdwürde nach einer halbstündigen Unterredung mit ihm sagen: das ist der begabteste und interessanteste Mensch in Schweden.
Aber Adolf Hedin hat unter seinen menschlichen Eigenschaften auch die, daß er mein ältester und bester Freund in Schweden ist. Deshalb sollstDuzu ihm gehen, Bergliot. Du hast Deinen eignen Kopf und Dein eignes Herz, und beide sind ein bißchen verwandt mit meinen. Geh Du zu ihm und plaudre eine halbe Stunde mit ihm. Nimm etwas Obst mit oder ein paar Blumen und grüße ihn von mir, wenn Du ein liebes Mädel sein willst.
Ich habe viel Ärger und großen Zeitverlust gehabt durch die Finnländer: sie haben L’Européen zu einer Tageszeitung umschaffen wollen!!! Da der Redakteur keine Bestimmung in den Statuten durchsetzen konnte, die diese Art Überraschungen verhinderte, stiftete er einen neuen L’Européen. Mir will sein Vorgehen nicht gefallen; aber zwei L’Européen sind schlimmer als gar keiner, deshalb hätten die Finnländer einen Ausgleich suchen müssen. Nein, die wollen Kampf und Sieg —! Und verlieren dabei so ungeheuer viel. Ich kann sie nicht soweit bringen, das einzusehen. Sie stehen von vornherein nicht gut in der öffentlichen Meinung;nunmehr wird das noch schlimmer. Je eher dieser Zwist aus der Welt kommt, desto besser. Ja, ja, nichts als Spektakel und Rechthaberei! Grüße Tankred und Irene.
Dein B. B.
Liebe Bergliot, Mutters Geburtstag; sie liegt noch im Bett mit einer großen goldenen Kette um den Hals und eine Uhr daran. Mein Geschenk.
Wir sind beide so unglücklich über die kleine Irene. Das einzige, was ich mir zum Troste sagen kann, ist, daß bei einem energischen und begabten Menschen ein Schönheitsfehler die Folge haben kann, daß sein Wille stärker und sein Dünkel geringer wird. Vielleicht ist es eine Gabe für ihre Zukunft — und ein Schutz. Einer vollendeten und bewußten Schönheit drohen viele Gefahren, vor allem in ihrem eigenen Seelenleben; ich sitze gerade über der Schilderung einer solchen. Denkt darüber nach, Ihr beide.
Dein Freund Vater.
Mein lieber, lieber Singvogel, am elften September kommen alle Kinder hierher, auch Björn. Aber nicht Du, die mehr Fest mitbringt, als alle die anderen zusammen.
Hier ist es so wundervoll jetzt, daß ich mich einer ähnlichen Fruchtbarkeit nicht entsinnen kann, oder einer Reihe von so gleichmäßigen, leuchtenden Tagen. Hier ist neu gestrichen und aufgefrischt außen und innen. Es mag ein Selbstbetrug sein, aber nirgends findet sich herzlichere, traulichere Gemütlichkeit. Unten bei Thekla ist auch alles wie neu, und jedem, der dort eintritt jetzt, macht der Besuch reiche Freude. Sie ist so fröhlich, gleichmäßig, gut, klug, daß Erling imstande ist, der Mann zu werden, den das Beste in ihm ahnen ließ, ohne daß er früher vermocht hätte, es zu entwickeln.
Dann Dagny! In ihrem Salon mußte ich mich sofort hinsetzen und schreiben; ich habe nie Ähnliches gesehen. Entworfen von dem großen Maler Ingres zu Beginn des vorigen Jahrhunderts und eingerichtet mit Dagnys Möbeln und mit ihrem Farbensinn. Ein Balkon die ganze Front entlang,auf den Hauptweg auf Longchamps zu, mit seinen baumreichen Alleen, und die Festungswälle und das Boulogner Wäldchen ganz nahe, so daß sie eigentlich in einem Walde wohnt und auf dem Lande. — Bei Thöres in Hamburg hatten wir es großartig. So gesunde, klare Menschen in üppigen Verhältnissen. (Vier Automobile!) Hegels waren ganz besonders liebenswürdig. Wir waren ihre Gäste im Hotel. Am letzten Tag Schriftstellerdiner bei Vilh. Andersen. Alle auf dem Bahnhof mit Hurra. Dasselbe Hurrawesen mit Musik dazu in Fredriksstad. Dort hielt ich eine meiner besten Reden, gut aufgelegt und vorbereitet. Bei Dikka diesmal über alle Maßen herzlich und warm, und das Zusammensein mit der Verwandtschaft das denkbar Beste für uns beide. Die Rede auf sie wurde mit einer Dankbarkeit aufgenommen, die echt war. Sie war auch selbst echt, innig und scherzhaft, so daß wir alle durcheinander weinten und lachten. Ejnars Kinder sind hier. Prachtkinder. Gott, wie ist es hier schön und beseligend! Karoline schläft und kommandiert und legt Patiencen, aber ißt kein Fleisch. Heute abend Doktors und die Böleute.
Dein Freund Vater.