Achtundvierzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 13. August 1848.
Ein höchst unerwartetes Intermezzo.
Der Reichsverweser und seine Räthe haben mich erwählt, um seine Wahl u.s.w. — zu notificiren — inParis!
Obs dabei bleibt, entscheidet sichmorgen Vormittag. Dann schreibe ich mehr. — Höchstens dürfte meine Abwesenheit 14 Tage dauern.
Den 14. August.
Ich fand gestern Hrn. P. noch voller Begeisterung. Er kannte zufällig meine Reden, war davon entzücktund sagte zuletzt: ich sei derJeffersonDeutschlands, oder müsse es eiligst werden. Da ich nun J. für einen der größten Männer halte, die je auf Erden lebten, und mich zusammengehutzeltes Gerstenkorn damitbonnementverglichen sah, stand mir der Verstand völlig still, über P—s beispiellos vergrößerndes Glas.
Der Antrag nach Paris zu gehen, ist ohne Zweifel und um so mehr eine Auszeichnung, da ich mich überall (wie ihr wißt) nirgends vorgedrängt, und noch weniger um ein Geschäft beworben habe, wo man sich so leichtblamirenkann. Indessen glaubte ich zuletzt im Stande zu sein, einen Brief zu übergeben und einige Gespräche über die hiesigen Verhältnisse zu führen.
Den 15. August.
Das Geschäft: ein Schreiben des Erzherzogs an den General Cavaignac zu übergeben und dabei eine sehr kurze Rede zu halten, wäre einfach und leicht genug. In der weiteren Instruktion kommen aber die allerwichtigsten Fragen zur Sprache, über welche zuunterhandelnmir eigentlichnichtobliegt, über welche zu —plaudernaber schon viele Vorsicht, Kenntniß und — viele Zeit kostet. Wenn ich darauf dringe, daßsehr baldein Gesandter für Paris ernannt werden müsse, erhalte ich keine Antwort;wahrscheinlich, weil man nicht weiß, wen man senden soll. Ich habe aber gar keine Lust mir von Posttag zu Posttag Galgenfristen setzen zu lassen, und mich in Sorgen abzuquälen. Andererseits ist es lehrreich und vielleicht wichtiger in Paris für Deutschland zu sprechen, — als in der Paulskirche. So gehen mir die Gedanken auf und ab. — Nun, kommt Zeit, kommt Rath.