Funfzigster Brief.

Funfzigster Brief.

Brüssel, den 23. August 1848.

Die Frage,obich nach Paris gehe, ist nunmehr freilich entschieden; nicht aber die Frage nach dem Umfange und den Gränzen meiner Geschäfte. Siekönnensehr einfach sein, aber auch sehr verwickelt werden, und ich habe deshalb ernste Sorge über das Gelingen oder Mißlingen meiner Sendung. Nur der Gedanke: daß ich nach besten Kräften meine Pflicht erfüllen werde, und mich nicht füglich zurückziehen konnte, hält mich aufrecht. In einer deutschen Zeitung stand mit Recht: mir sei dieschwierigsteMission zu Theil geworden, und imJournal des débatssagt ein wohlmeinender Artikel: nach P. kommel’éminent Historien d. R.

Neben allem Ernste habe ich Gelegenheit genug mich selbst zu parodiren und meine 1001 Nachtstellung lächerlich zu finden: wenn Thürsteher und Kellner (meine Sendung war ausgeplaudert) michMr. le Ministrenennen, ein Kerl vor mir (mit dem Hute in der Hand) herläuft, ein anderer nachfolgt, ich im ersten Stock wohnen soll, und zwischen den Schlafkammern für mich und B. eine Stube, genannt Salon, liegenmuß. Als ich gestern Abendhier ankam, bestellte ich Abendbrot (da ich in Aachen nur gefrühstückt hatte) und aß sehr preislich, während Engländer und Engländerinnen blos Thee tranken. Gleich nachher fiel ich aber sehr aus meiner neuen Rolle: denn als ich einehalbeBouteille Wein forderte, erhielt ich die Antwort:on ne vend pas ici dedemibouteilles!

Ein Engländer fragte mich: ob ich mich nichtfürchte, nach Paris zu gehen? er und seine Dame trügen Bedenken. — Antwort: Man soll sich nie fürchten, auch habe ich in Paris schon einmal Barrikaden erlebt u. s. w.

Soviel als letztes Lebenszeichen aus Deutschland und dem ruhigen Belgien. Hoffentlich ist in Paris kein neuer großer Skandal im Anzuge. Wolken stehen freilich genug am babylonischen Himmel.

Lebt wohl und fleht den Himmel an, daß er mich auf rechtem Wege erhalte und ich nichts begehe, was man alssottiseundbêtisebezeichnen könnte. Händel kann freilich Jeder an Jedem suchen. Nun, so werde ich mich wehren und auch die Zähne zeigen; — wie die Preußen nach Erschöpfung ihrer Geduld. Allen Grüße.


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