Siebenundvierzigster Brief.

Siebenundvierzigster Brief.

Frankfurt a. M., den 11. August 1848.

Die heutige Sitzung begann damit: daß die Linke 17 Beschwerdepunkte gegen den Vicepräsidenten von Soiron, in Bezug auf die letzten stürmischen Sitzungen aufstellte. Ohne Zweifel haben sichalleTheile und Parteien mancherlei zu Schulden kommen lassen; da es aber wenig Anklang fand, die Sachen mit dem Mantel der Liebe zuzudecken, die Thatsachen so wenig feststanden und die Aufregung noch so groß war, daß man wahrscheinlich neue Ungebühr erlebt hätte, so wurden alle Beschwerden und Anträge an den Ausschuß über die Geschäftsführung verwiesen, um den Unrath genau zu untersuchen, und ihn uns dann mit neuer Brühe versehen, aufzutischen.

Nun folgte die Berathung über Hecker’s Aufnahme, wobei viel Verkehrtes und Sophistisches vorgebracht, am besten aber von Simson aus Königsberg gesprochen wurde. Ihr kennt den Ausschußbericht und damit den wesentlichen Inhalt der Sache. Von 466 stimmten 116 für, 350 gegen Hecker’s Aufnahme; und so ist denn die widerwärtige Sache (wenigstens innerhalb der Versammlung) abgethan; gebe der Himmel, daß sie sich nicht außerhalb wiederhole. N. und andere preußische Radikale stimmten für Hecker.

Den 12. August.

Gestern Abend saß ich mit mehren Personen an einem kleinen runden Tische im Schwan. Der Eine, neben ihm seine Frau, wunderte sich, daß die Preußen Brentano’s Schmähung auf den Prinzen von Preußen so übel genommen hätten. — Herr, erwiderte ich, wenn Jemand Ihre Frau schmähte, würden Sie es ruhig dulden und sagen, was geht es mich an? Wir sind in Preußen noch nicht auf der neuen modigen Höhe des Tages angelangt, den König und das königliche Haus, welches wir noch haben und noch haben wollen, ungerügt beleidigen zu lassen. Die Anarchisten sollen durch unsere Erklärung, „daspreußische Volksei beleidigt“, erfahren, daß sie es mitdiesem, von seiner Regierung nicht gelöseten, zu thun bekommen. — —

— — — Doch billige ich sehr, daß der König nach Köln geht; es ist ein wesentlicher Schritt zu der, schlechterdings nothwendigen Versöhnung. Hier erklärt dieLinke: die Preußen hätten solchen Lärm nur erhoben, weil sie den König absetzen und den Prinzen von Preußen auf den Thron erheben wollten. Dies Gewäsch ist zu dumm, als daß es Glauben finden könnte.

Gestern sah ich im Schauspiele: das Tagebuch und Hr. Hampelmann der eine Wohnung sucht. In jenem spielten Alle gut und Fräulein Hausmann ausgezeichnet; in diesem ruht das Ganze auf der Titelrolle des Hrn. Hassel. Es war ungemein ergötzlich, obgleich ich dem frankfurter Dialekte nicht überall folgen konnte.

Von der heutigen Sitzung ist nicht viel zu berichten. Bei der Frage: über das künftige Gehalt des Präsidenten der Reichsversammlung, stimmte die Linke (um sich als sparend beim Volke beliebt zu machen), für monatlich 1000 hiesige Gulden (zu etwa 14 Groschen Courant); die Übrigen bedachten 1) Posten und Gehalt sei nur auf Monate, nicht auf Lebenszeit; 2) man bedürfe eines mit Ausgaben verknüpften Aufwandes, als Bereinigungsmittels der Parteien, und stimmten daher für monatlich 2000 Gulden; dieser Antrag ward angenommen.

Hierauf die Frage über den dänischen Krieg, und insbesondere dieEntschädigungfür unverschuldeten Kriegsverlust. Die Mehrzahl wolltenichtaussprechen, daß ganz Deutschland dazu verpflichtet sei;was man an der Ostsee sehr übel aufnehmen, und was von Neuem gegen Frankfurt aufreizen wird. — Als R. anfing zu sprechen, verließ eine Schar von Abgeordneten den Saal, um frische Luft zu schöpfen, oder zu frühstücken. — Da kommt man natürlich auf den Gedanken: es sei besser zu schweigen und auch zu frühstücken. Hiebei wiederum eine Karikatur, bezüglich auf die stürmische Sitzung: Vincke, Rösler, Soiron und Herrmann.


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