Vorrede.
Die Schwierigkeit eine Geschichte der Gegenwart unparteiisch und allseitig zu schreiben, ist mit Recht so oft hervorgehoben worden, daß auch der Kühnste und durch seine Verhältnisse am meisten Begünstigte, von solch einem Unternehmen abgeschreckt werden kann. Wer hingegen Gelegenheit hat, einzelne Steine zu dem künftigen Bau einer allgemeinen Geschichte darzubieten, ist behufs rascher Förderung der Wahrheit, hiezu gewissermaßen verpflichtet.
Als einen solchen, wenn auch unwichtigen Beitrag, betrachte ich die folgenden Briefe. Sehr Vieles ist als unanziehend aus denselben weggelassen,nichts aber (mit Ausnahme einzelner Ausdrücke) geändert, oder gar hintennach im Wesentlichen anders dargestellt worden. Denn diese wohlfeile Weisheit eines vom Rathhause Kommenden hat gar keinen Werth; wohl aber wird selbst der, unverhohlen mitgetheilte, Irrthum lehrreich zur Erklärung der jedesmaligen (aber nach Maßgabe der fortschreitenden Verhältnisse und Ereignisse natürlich wechselnden) Eindrücke, Stimmungen und Beschlüsse. Wenn ich, dieser Rücksicht halber, nicht alles scharf oder herbe Ausgedrückte milderte, oder ganz abschwächte, so hoffe ich (sofern sich Jemand dadurch irgendwie verletzt fühlen sollte) Entschuldigung zu finden.
Den Vorschlag: diese Briefsammlung erst nach vielen Jahren dem Publikum vorzulegen, wies ich zurück. Sie würde bis dahin wesentlich an Interesse verlieren und eine Berichtigung derselben, mit dem Ablaufe der Zeit immer schwieriger werden.
Trotz aller Aufmerksamkeit sind manche Wiederholungen stehen geblieben; eine Folge des Umstandes, daß alle diese Mittheilungen eigentlich nur Variationen über dasselbe Thema sind.
Endlich hoffe ich, man werde es nicht als Eitelkeit bezeichnen, daß ein Briefschreiber seine (in anderer Beziehung unbedeutende) Person oft erwähnt und erwähnen muß.
Berlin, 15. August 1849.