Achtundneunzigster Brief.

Achtundneunzigster Brief.

Frankfurt a. M., den 20. Januar 1849.

Gestern sah ich zuerst die schöne Müllerin, Lustspiel in einem Akte, worin Hr. Meinhold (Thisbe im Sommernachtstraum) und die Hausmann sehr ergötzlich spielten. Hierauf die Ouverture zur Euryanthe, bei deren Anhören mir immer wieder der Zweifel aufsteigt: ob es rathsam sei,verschiedeneMotive aus dernachfolgendenOper aneinander zu reihen, umeineOuverture daraus zu bilden. Zuletzt: Häuslicher Zwist und Frieden, von H. v. Putlitz, worin die politische Heftigkeit, Eigensinn und Übertreibung in heiterer Weise verspottet werden.

Ihr seht, daß ich es mit dem Abendbesuche der Klubs oder des Casino (aus den schon mitgetheilten Gründen) nicht übertreibe. Ich erinnere wiederholt an das übermäßige Tabackrauchen (was Augen, Nase und Lungen gleich wenig zusagt), an meine Abneigung, mich in der Politik zu übernehmen und meine Unabhängigkeit preiszugeben. Doch stehe ich auf freundschaftlichem Fuße, und nach dem Wunsche vieler Mitglieder hat mir Einer seine Sprechnummer in der Oberhauptsfrage abgetreten. Dies ist (da ich mich beim Mangel aller Aussicht, daran zu kommen, gar nicht gemeldet hatte) allerdings ein großes Avancement; — dennoch wird die Verhandlung höchst wahrscheinlich geschlossen, ehe ich an die Reihe komme. — Wenn ich sehe, wie wenige Redner (auch nur getheilten) Beifall erhalten, ist dies wohl für ein Glück zu achten. Jeden Falls wird Das, was ich sagen will, Vielen nicht gefallen.


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