Hundertfunfzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 11. Mai 1849.
Sie wissen bereits aus den Zeitungen, daß gestern ein Antrag des Hrn. v. Reden von der Reichsversammlung angenommen ward, welcher zu Gewaltschritten berechtigt oder doch verführt, und eine offene Fehde gegen Preußen ankündigt.
Obgleich ich noch immer glaube, daß die scheinbar kluge und gerechte Politik der preußischen Regierung, in Wahrheit Preußen um den höchsten Ruhm gebracht und verhaßt gemacht hat, daß vermeidliche Übel dadurch über ganz Deutschland herbeigezogen wurden; — widerstrebt es doch meinem Gefühle und meinem Gewissen, die Bahn der Gewalt zu betreten, und die Teufel auszutreiben durch Belzebub, den obersten der Teufel. Daher bin ich gestern aus der Reichsversammlung ausgetreten, und mehrere Abgeordnete faßten denselben Beschluß.
Ich trete in diesen Tagen eine kleine Reise an, um mich körperlich und geistig von übergroßen Anstrengungen wo möglich zu erholen; später kehre ich nach Berlin zurück, in der Hoffnung, als ein treu Gläubiger von Ihnen empfangen, und schon dadurch für manches andere Leiden getröstet zu werden.
Nachmittags.
Die Abgeordneten (insbesondere die preußischen) berathen hin und her: ob, wenneher, mit welchen Erklärungenu. s. w.sie ausscheiden wollen. Sie können sich darüber nicht einigen, sondern warten, und warten auf entscheidende Ereignisse.
Wir Ausgeschiedenen glauben noch immer, denrechtenZeitpunkt ergriffen und getroffen zu haben; während Andersgesinnte uns feige, verrätherisch, treulos u. dgl. schelten. Ich will über Die, welche andere Wege als wir einschlagen, den Stab nicht brechen, nicht mit ähnlicher Leidenschaft Vorwürfe zurückgeben; kann mir aber auch Pflicht und Gewissen nicht von Anderen zuschneiden und mich zu Gelübden verführen lassen.