Deine Briefe und Beylagen habe ich erhalten. Hier schicke ich dir einige neue treffliche Bogen von Hamann. Ich weiß nicht ob dich die Sache interessirt; auf alle Fälle wirds viel Vergnügen machen.
Deine Albrechts sind nunmehr schön geordnet, Bertuch hat sie aufgetragen und numerirt. Auf der Leipziger Messe hat dir der Herzog noch einige Kupfer von deinen fehlenden gekauft, worunter Marienbilder sind die dir fast ganz abgehen.
Suche du übrigens durch das Treiben Jehu so viel du kannst von dieser Sammlung zusammen zu bringen; wenn du sie auch schon hättest, so schadets nichts, es ist vielleicht ein besserer Abdruck, und auf alle Fälle kann mansie vertauschen. Denn das versichere ich dir, ie mehr man sich damit abgiebt, und beym Handel auf Kopie und Original acht geben muß, desto größere Ehrfurcht kriegt man für diesem Künstler. Er hat nicht seines Gleichen.
Das Manuskript das beiliegt sind einzelne flüchtige Bemerkungen des Statthalters von Dalberg. Schreib doch wenn du Muse hast, deine Gedanken auf den Rand, und schick mirs wieder zurück. Ermuntere ihn und gieb ihm einige Wincke, wo du es nöthig glaubst — er ist sehr für die Phisiognomick passionirt, kommt viel in der Welt herum, und kann, wie mirs vorkommt, auch von seiner Seite dir einigermaßen nüzlich seyn. Er wird das was er bey seinem Umgang mit der Welt zu bemerken glaubt, nach und nach aufzeichnen.
Wenn ich an deiner Statt die lateinische Oration halten müßte, ich gäbe mir nicht dieMühe die du dir giebst; ich machte den Entwurf dazu, lies mir sie machen, und läs sie ab — und hielts gar nicht geheim, denn am Ende ists doch nur ein Talent, und ich sehe nicht ein wie man von mir prätendiren könnte bey einer Feierlichkeit die pedantische Prätension auszuhängen, und auf einem InstrumentSolozu spielen, das ich in zwölf Jahren nicht in die Hand genommen hätte.
Von dem Herzog schick mir Abdrücke so viel du willst, das Kupfer ist nun schon wieder etliche Schritte weiter vom Original in einen ganz fremden Charackter hinein.
Halte doch ja das was du für den Herzog und mich auslegst in Ordnung. Meine Auslagen für dich sind auch aufgeschrieben; Laß uns etwa Johanni abrechnen, und auch so wieder ein neues Hembd anziehen.
Grüse deine Frau und Kinder, und wenndein Knabe gelegentlich schreibseliger wird, so laß mir ihn manchmal etwas von euerer Haushaltung schreiben, wie’s ihm vor die Feder kömmt.
An Bäben gieb Inliegendes, vielleicht erhält sie einen Brief mit der reitenden Post noch eh’r als du dieses.
G.
Weimar den 1. May 1780.
Haben so vieleKriegerimKupferin der linken Faust das Schwert, mag wohl unser Engel denSternauf der rechten Brust haben.
Du bist immer braver als man denkt, weil du doch immer das Aeußerste thust — aber deßwegen noch kein Poet.
Laß mich bald hören daß du wieder wohl bist. Ein Geistlicher auf dem Harz hat geweisagt daß ihr alle untergehn sollt vom Gotthart bis an den Mayn.
Der Fürst v. Dessau der dir selbst sagen will, daß er dich liebt und schäzt, ist auch einer von denen die sich jezo verwundern daß man sich von dem falschen Propheten die Eingeweide konnte bewegen lassen. Alle auf die der Kerl gewirkt hat, kommen mir vor wie vernünftige Menschen, die einmal des Nachts vom Alp beschwert worden sind, und bey Tage sich davon keine Rechenschafft zu geben wissen.
Vielleicht schick ich dir ehstens ein Portrait von dem Herzog Bernhardt aus dem hiesigen Hause, um mirs von Lipsen stechen zu lassen. Wenn er aber, wie du schreibst, balde verreist, so muß ich damit einen andern Weeg nehmen. Ich scharre nach meiner Art Vorrath zu einer Lebensgeschichte dieses als Helden und Herrschers wirklich sehr merckwürdigen Mannes, der in seiner kurzen Laufbahn ein Liebling des Schicksaals und der Menschen gewesen ist, zusammen und erwarte die Zeit wo mirs vielleicht glüken wird ein Feuerwerk draus zu machen. Seine Jahre fallen in den dreissigjährigen Krieg. Sein und seiner Brüder Familien-Gemälde interessirt mich noch am meisten da ich ihren Urenkeln, in denen so manche Züge leibhaftig wieder kommen, so nahe bin. Uebrigens versuche ich allerley Beschwörungen undHocus pocusum die Gestaltengleichzeitiger Helden und Lumpen in Nachahmung der Hexe zu Endor wenigstens bis an den Gürtel aus dem Grabe steigen zu lassen, und allenfalls irgend einen König, der an Zeichen und Wunder glaubt, in’s Bockshorn zu jagen.
Das Kupfer nach Juel’s[4]Bild ist sehr fatal. Nicht eben an der Physiognomie, aber mir kommts vor, als wenn ein Geist hätte wollen eines guten Freundes Gestalt anziehen, und hätte damit nicht zurecht kommen können, und guckte einen aus bekannten Augen mit einem fremden Blick an, so daß man zwischen Bekanntschaft und Fremdheit in einer unangenehmen Bewegung hin und wieder gezogen wird.
Die apokalyptischenVignettensind sehr kleinlich gegen den grosen Innhalt und deine grose Manier.
In weniger Zeit wird Herr v. Knebel der bey dem Prinzen Constantin ist, und nun eine kleine Reise für sich macht, zu dir kommen; du wirst viel Vergnügen in seinem Umgange haben, und begegne ihm wohl.
G.
Weimar d. 5. Juny 1780.
[4]Juel war ein dänischer Maler, der sich um diese Zeit in der Schweiz aufhielt. Der Name ist aber in der Handschrift nicht ganz deutlich.
Mit Verlangen erwart’ ich die Fortsezung deiner Briefe über Wasern. Biß iezt sind nur die zwei ersten angekommen. Es geht mit dieser Sache, wie mit allen wichtigen Begebenheiten, iedermann spricht davon und urtheilt drüber und niemand ist davon unterrichtet. Lipsen erwarten wir. Du wirst wohl thun mir etwas von dem Plane zu schreiben, den du mit ihm hast, worauf er ausgeht und wohin er geht.
Mochels Urne hab’ ich auch gelesen, oder vielmehr etlichemal hin und her geblättert, denn durchzulesen war ich’s nicht im Stande. Dein Lob ist übertrieben. Wie kannst du sagen: Vortreflich geschrieben? da der Verfasser weder Freiheit im Begriff noch im Stil hat, es sind Seiten wo die Perioden so ineinander geknüttet sind, dass man sie etliche mal lesen muß um zu rathen, was er will. Ich will nicht sagen daß es schlecht geschrieben, aber es ist doch so eng! und an den Hauptpunkten sind ihm die Gedanken wie weggeschnitten. Die Armseeligkeit sieht, wie einzelne Felsgen aus einem grossen See, hier aus der weitläuftigen Märte von Stuben-Experimental-Psychologie heraus, daß man gar wohl schliessen kann, auf was vor einem Grund und Boden das Gewässer ruht. Kaufmannen hätte man noch weit treffender schildern können, und was von dir und seinen übrigen Freunden gesagt ist läßt sich noch sehr halten, ich wollte allenfalls den Spargel schon tiefer aus der Erde herausgehoben haben, dieser Ehrenmann ist billig genug, ihn nur so weit er grün ist und hervorgukt abzuschneiden.
Herder hat wieder einen Preiß in Berlin gewonnen, wie du wohl schon aus den Zeitungen wissen wirst. Ich hab die Abhandlung noch nicht gelesen. Es war zu gleicher Zeit in einem andern Fach einer aufgestellt den er auch hätte gewinnen können wenn er nur gewollt hätte.
Wieland ist gegen dich sehr gut gesinnt. Er hat seine Launen und bedenkt, sonderlich in Prosa, nicht immer alles was er schreibt. Ich weis es zwar nicht, aber es ist möglich, daß dir zu Ohren gekommen ist, er habe in einer und der andern Stelle dich zu necken geschienen, es ist aber gewiß nichts als höchstens eine Art von humoristischem Leichtsinn, der sich dieses und ienes ohne Consequenz erlaubt. Ich habe ihn geradezu selbst drüber gefragt und er hat mich versichert daß er sich keiner als guter Gesinnungen gegen dich bewußt sey.
Sein Oberon wird, so lang Poesie Poesie, Gold Gold und Crystall Crystall bleiben wird, als ein Meisterstück poetischer Kunst geliebt und bewundert werden.
Daß der alte Bodmer, der einen grosen Theil des zurückgelegten 18ten Jahrhunderts durchgedichtet hat, ohne Dichter zu sein, über eine solche Erscheinung wie der Schuhu über eine Fakel sich entsezt, will ich wohl glauben. Der arme Alte, der sich bei seinem ewigen Geschreibe nicht Einmal durch den Beifall des Publici hat anerkannt gesehen, was doch weit geringern als ihm passirt ist, muß freilich bei allen solchen Produktionen einen unüberwindlichen Ekel empfinden. Ob Oberon dir etwas sein wird glaub ich nicht, davon ist aber auch die Rede nicht. Von Hirzeln hab’ ich den zweiten Theil seines philosophischen Weltweisen nicht erhalten, sag ihm daßich darüber betrübt bin, es ist aber eine Lüge, denn es ist mir scheuslich, was dieser Mensch von sich giebt.[5]
Der Prophet der euch den Untergang drohet heißtZiehenwar Pfarrer zu Zellerfeldt auf dem Harz. Er ist vor kurzem gestorben. Die Erdbeben die er vorausgesagt hat sind eingetroffen. Was ich noch von ihm gesehen habe daraus scheint mir ein tiefes Gefühl, aber eine kurzsinnige, durch ausgebreitete Belesenheit nicht aufgeheiterte Combinationsart hervorzuscheinen. Er hängt alles an einander, und citirt die Bibel wie die Evangelisten das alte Testament.
Grüs deine Frau und Kinder. Ich wünsche dir herzlich wieder ein bleibendes Geschöpf mehrins Haus, und ihr Gesundheit und guten Muth zur Schwangerschafft.
Schicke die Zeichnung der Dörrmaschine. Einandermal laß uns akkordiren eh wir bestellen. Ich dächte wir könnten das gelernt haben.
Grüs Bäben. Sie mag mir ia die Composition von Kaysern auf meine Wassertropfen schicken. Laß dir Wasers Nachrichten angelegen seyn, auch eine Silhouette von ihm. Knebeln gönnst du gewiß was du von Zeit entübrigen kannst.
Wären wir nur um 100 Stunden näher. Schreibe mir oft daß man sich lebendig bleibt.
Passe ia auf die Dürers auf.
Die Genci ist angekommen leider ein wenig verschoben, laß künftig die Packer aufmerksamerseyn. Die Kupfer meist verwischt. Auch an den Füslis. Wofür ich dir danke. Lebe aber und abermal wohl, und laß uns einander stärken im Edlen, und erhalten im Licht, denn des lumpigen und dämmrigen ist gar zu viel in der Welt.
d. 3. Juli 80.
G.
NB.Ich bin Freimaurer geworden! Was sagt ihr dazu?
[5]Hans Caspar Hirzel† 1803, bekannt durch seine Schriften: „Wirthschaft eines philosophischen Bauers (Kleinjogg)“ und „Hirzel an Gleim über Sulzer den Weltweisen.“
Mir ist herzlich lieb, daß du uns durch Kn. näher kommst. Gewiß ist, daß an so einem kleinen Orte, wo eine Anzahl wunderbarer moralischer Existenzen sich an einander reiben, eine Art von Gährung entstehen müsse, die einen lieblich säuerlichen Geruch hat, nur gehts uns manchmal wie einem der den Sauerteig selbst essen sollte. Es ist eine böse Kost. Aber wenn es in kleiner Portion zu anderem Maal gebracht wird, gar schmackhaft und heilsam.
Daß du Freude an meiner Iphigenie gehabt hast, ist mir ein außerordentlich Geschenk. Da wir mit unsern Existenzen so nah stehen, und mit unsern Gedanken und Imaginationen so weit aus einander gehn,und wie zwey Schützen, die mit dem Rücken an einander lehnend, nach ganz verschiedenen Zielen schießen; so erlaub ich mir niemals den Wunsch, daß meine Sachen dir etwas werden könnten. Ich freue mich deswegen recht herzlich, daß ich auch mit diesem wieder ans Herz gekommen bin.
Adieu. Die Dürers schick ich gleich wenn die, die du dazu schicken willst, einrangirt sind. Du hast recht ich treibe die Sachen, als wenn wir ewig auf Erden leben sollten.
Knebeln inliegendes.
Ich bin neugierig, ob du an der Apokalypse nichts verdorben hast. Mir ists neulich so gegangen, daß ich habe aus einem Stück ein Duzzend Verse heraus korrigirt, die ich, da es der Herzog zu sehen kriegte, wieder restituiren mußte.
Grüse Bäben. Schicke von Wasern bald. Adieu Bester. Der Herzog grüßt.
d. 24. Jul. 80.
G.
Wir werden zwar in unserm Leben keine grosse Phisiognomen werden, doch thust du wohl, wenn du uns auch etwas mittheilest. Bei Gelegenheit von Wielands Oberon brauchst du das WortTalentals wenn es der Gegensatz von Genie wäre, wo nicht gar, doch wenigstens etwas sehr subordinirtes; wir sollten aber bedenken, daß das eigentliche Talent nichts sein kann als die Sprache des Genies. Ich will nicht schikaniren, denn ich weiß wohl, was du im Durchschnitt damit sagen willst, und zupfe dich nur beym Ermel. Denn wir sind oft gar zu freigebig mit allgemeinen Worten, und schneiden, wenn wir ein Buch gelesen haben, das uns von Seite zu Seite Freudegemacht, und aller Ehren werth vorgekommen ist, endlich gern mit der Scheere so grade durch, wie durch einen weisen Bogen Papier. Denn wenn ich ein solches Werk auch bloß als ein Schnitzbildgen ansehe, so wird doch der feinsten Scheere unmöglich, alle kleinen Formenzüge und Linien, worinn der Werth liegt, heraus zu sondern. Es ist nachher noch eins, was man nicht leicht an so einem Werke schäzt, weil es so selten ist; daß nemlich der Autor nichts hat machen wollen und gemacht hat als was eben da steht. Für das Gefühl, die Kunst und Feinheit so vieles wegzulassen gebührt ihm freilich der größte Dank, den ihm aber auch nur der Künstler und Mitgenosse giebt.
Was deine dickhirnschaaligen Wissenschaftsgenossen in Zürich betrift und was sie von Menschen die unter einem anderen Himmelgebohren sind, reden, bitt ich dich, ia nicht zu achten. Die größten Menschen die ich gekannt habe, und die Himmel und Erde vor ihrem Blick frei hatten, waren demüthig und wußten, was sie Stufenweis zu schäzen hatten. Solches Kandidaten und Klostergesindel ziert allein der Hochmuth. Man lasse sie in der Schellenkappe ihres Eigendünkels sich ein wechselseitiges Conzert vorrasseln. Unter dem republikanischen Druck und in der Atmosphäre durchschmauchter Wochenschriften und gelehrter Zeitungen würde ieder vernünftiger Mensch auf der Stelle toll. Nur die Einbildung, Beschränkung und Albernheit erhält solche Menschen gesund und behaglich.
G.
Sage Kaysern, daß ich indeß auf 12 Exemplare subscribire. Grüse B.
Weimar den 8. August 1780.
Die Kiste ist wirklich angekommen, und ich finde den Riß sehr schön und gut. Er ist just nicht wohlfeil, aber der Preis ist so ungeheuer nicht, wie du ihn machst. Deswegen wirst du künftig hin so gut sein und immer gleich schreiben, was eine Sache kostet, damit man nicht inzwischen denke es gelte Haut und Haar. Nun aber bitte ich dich, denn es fehlt noch die Hauptsache, der Proceß wie es gemacht wird, wie viel Zeit man braucht, wie viel Leute dabey angestellt sind u. s. w.
Mit grosem Verlangen sehe ich dem Waserischen Ende entgegen, nimm dich zusammen so bald möglich, und schick mirs.
Unter den neuen Kupfern die du geschickt hast waren vier bis fünf Albrecht Dürers diedu noch nicht besasest, und einige bessere Abdrücke, ich hab sie schon eingeordnet, und du erhältst sie nächstens. Der Holzschnitte sind noch zu wenig. Unterdeß habe ich auch von Martin Schön und Luckas von Leiden sehr gute Sachen die dein gehören, diese sollen nach und nach auch zierlich zusammengebracht werden, und folgen.
Ferner schicke ich dir mit der fahrenden Post das Manuskript das der alte Bodmer verlangt hat; der Herzog hat sich dafür bey dem Herzog von Gotha verbürgt, und es kommt ihm hauptsächlich darauf an daß du eine Sicherheit zu erhalten suchst, das Buch wenn der Alte stirbt ohne Umstände aus dem Nachlasse heraus nehmen zu können. Ueberleg es, und händige es ihm nicht anders als gegen einen Schein aus.
Knebeln ist es im Ursern Thale ganzwohl geworden, ich glaube er blieb drey Tage drinn.
Mit dem zweyten Portrait des Herzogs ist es wieder ein Unglück; man verkauft doch sonst die grosen Herrn in den schändlichsten Karikaturen. Das Unglück bey diesem ist aber, daß es mit Geist in eine ganz fremdes Wesen übergetragen ist. Die ganze Welt wünscht nichts mehr als ein Bild vom Herrn, und wenn ich diese iemand anbiete, so ist als wenn sie Brod verlangten, und ich gäb Ihnen einen Stein.
Schreibe mir was vom Befinden deiner Frau. Adieu Lieber!
G.
Ostheim vor d. Rhön, August 1780.
Erst heute erhalte ich deine Briefe vom 2ten und 9ten dieses Monats, wir sind in einigen entfernten Aemtern gewesen des Fürstenthums Isenach, und sahen verschiedene neue, gute und nüzliche Veranstaltungen in der Nähe, die seit vergangenem Frühjahr im Werck sind.
Das Tagewerck das mir aufgetragen ist, das mir täglich leichter und schwerer wird, erfordert wachend und träumend meine Gegenwart, diese Pflicht wird mir täglich theurer, und darinn wünscht ich’s den größten Menschen gleich zu thun, und in nichtsgrößerm. Diese Begierde, die Pyramide meines Daseyns, deren Basis mir angegeben und gegründet ist, so hoch als möglich in die Luft zu spizzen, überwigt alles andere, und läßt kaum augenblicklichesVergessen zu. Ich darf mich nicht säumen, ich bin schon weit in den Jahren vor, und vielleicht bricht mich das Schicksaal in der Mitte, und der Babylonische Thurm bleibt stumpf unvollendet. Wenigstens soll man sagen es war kühn entworfen, und wenn ich lebe, sollen wills Gott die Kräffte bis hinauf reichen.
Auch thut der Talismann einer schönen Liebe womit die St. mein Leben würzt sehr viel. Sie hat meine Mutter, Schwester, und Geliebten nach und nach geerbt, und es hat sich ein Band geflochten wie die Bande der Natur sind.
Adieu Liebster, bleibe mir nah im Geist. Mit den Dürers die langsam gehen, kommen Blumen und Kräuterbüschel die ich am Weg sammle. Laß sie nur wenige sehen, und nur keinen prätendirenden Schriftsteller, die Bubenhaben mich von ieherausundnachgeschrieben, und meine Manier vor dem Publiko lächerlich und stinckend gemacht.
Schicke mir was dich däucht.
Auf deine Offenbarung wart ich, deine Veränderungen sollen mir Unterhaltung mit dir und ein Studium ächter Kritik seyn.
Herder fährt fort sich und andern das Leben sauer zu machen.
Der Herzog ist sehr gut und brav. Wenn ich nur noch einigen Raum für ihn von den Göttern erhalten kann. Die Fesseln an denen uns die Geister führen, liegen ihm an einigen Gliedern gar zu enge an, da er an andern die schönste Freiheit hat.
Seitdem ich keine Phisiognomische Prätension mehr mache, wird mein Sinn sehr scharf und lieblich, ich weiß fast in der ersten Minute wie ich mit den Leuten dran bin.
Im Phisiognomischen sind mir einige Hauptpunkte deutlich geworden, die dir wohl längst nichts neues sind, mir aber von Wichtigkeit wegen der Folgen.
Hab ich dir das Wort
Individuum est ineffabile
Woraus ich eine Welt ableite, schon geschrieben?
Wegen des Bodm. Manuscripts ist es gut. Grüße B. und deine Frau.
G.
Bestelle beyliegenden Brief an Knebeln sorgfältig, es ist Geldswerth drinn. Ich bin dir immer nah und mir ists wohler daß du uns näher und näher geworden bist.
Brankoni ist so artig gewesen und ist auf ihrem Rückweg über Weimar gegangen. Ich habe sie anderthalb Tage bewirthet, und herum geführt, u. s. w. Sie ist liebenswürdig wie immer, und grüßt dich herzlich.
Wie ist die Gesundheit deiner Frau? Leb wohl und schreib mir bald, es sey was es wolle. Grüs alles. Adieu lieber Mensch!
W. an meinem 31. Geburtstag,den 25. Aug. 80.
G.
Deine Schrift über Wasern ist nunmehro ganz bey mir angekommen, und ich danke dir in meinem und in vieler Menschen Namen daß du dir diese Mühe geben wollen. Es ist ein Meisterstück von Geschichte und ich darf dir wohl sagen, daß du, als Mensch, Bürger und Schriftsteller mich mehr dabey interessirt hast, als der Held selbst. Ich meine noch nie soviel Wahrheit der Handlung, solchen psychologischen und politischen Gang ohne Abstraktion beysammen gesehen zu haben; und eins von den größten Kunststücken, das dich aber die Natur und der Ernst bey der Sache gelehrt hat, ist iene anscheinende Unparteylichkeit, die sogar widrige Fakta mit der größten Naiveté erzählt, iedem seine Meinung undsein Urteil frey zu lassen scheint, da sich doch am Ende jeder gezwungen fühlt, der Meinung des Erzählers zu seyn. Du hast in allem Sinne sehr wohl gethan in dieser Sache auch ein Wort mit zu reden, es ist ein schön Monument für die Nachkommenschaft und dein Vaterland hat dafür Dank zu sagen. Was das große Publikum betrift, so hätte es um dessentwillen weniger bedurft, alle honnette Leute, die außerordentlichfürWasern portirt sind, haben gleichkreuzige!geschrien, so bald ich ihnen versicherte, er habe noch neben hergestohlenundfalsche Obligationengemacht, auf dieses hat man ihn ohne weiters dem Henker übergeben und die Herren von Zürich völligentschuldigetund so thu’ ich deinen Willen indem ich den Besten das Manuscript vorlese, und den andern einen Auszug erzähle, der nach ihremSinne ist. Ueber den Menschen selbst ist nichts zu sagen. Ich wenigstens habe mit der Beschreibung davon genug, und ergötze mich am Anschauen desselben wie an der Beschreibung und Abbildung eines andern Meerwunders ohne ihn klassifiziren oder drüber pragmatisiren zu wollen. Schlözer spielt eine scheußliche Figur im Roman, und ich erlaube mir eine herzliche Schadenfreude, weil doch sein ganzer Briefwechsel die Unternehmung eines schlechten Menschen ist.
Ich danke dir für den Thomas Morus, er ist ganz vortrefflich gezeichnet. Wollte Gott Lips hätte bey seinem schönen Talent auch einen solchen Sinn an der Natur. Meine Iphigenie mag ich nicht gern, wie sie jezo ist, mehrmals abschreiben lassen, und unter die Leute geben, weil ich beschäftigt bin, ihr noch mehr Harmonie im Stil zu verschaffenund also hier und da dran ändere. Sei so gut und sag das denenienigen zur Entschuldigung, die eine Abschrift davon verlangten. Ich habe es schon öfters abgeschlagen.
Lebe wohl lieber Mensch und fahre fort mit uns zu leben. Knebel ist angekommen, und hat dich wieder recht lebhaft zu uns gebracht. Adieu. Schreib mir auch einmahl wieder einen ausführlichen Brief.
d. 13. Oktbr. 80.
G.
Eben erhalt ich deinen Brief vom 30. 7br. Für die Schöne und dich ist mir’s leid daß ihr euch nicht gesehen habt. Es ist eine schöne Sache ums sehn. Wollte Gott ich wäre dir die Hälfte näher und könnte alle Jahr dich einmal acht Tage haben.
Daß du über michglaubenmagst ohnezu sehn ist mir sehr lieb. Du wirst auch wenig sehn. Gewiß auch hast du recht daß der Gedanke im Menschen das Beste ist von dem Capital, das er doch hat und wie mit wuchern möchte, um es aufs tausendfältige zu treiben, es entstehe draus Gewinnst oder Verlust.
Den guten Lands und Hausvater würdest dunäher,mehrbedauern. Was da auszustehen ist spricht keine Zunge aus.Herrschaftwird niemand angebohren, und der sie ererbte, muß sie so bitter gewinnen als der Eroberer, wenn er sie haben will, und bitterer.
Es versteht dieß kein Mensch der seinen Würkungskreis aus sich geschaffen und ausgetrieben hat.
Danke für die SilhouettenAuslegung,hier ist wieder eine. Du thust mir eine Wohlthat, ich schicke dir wenn du mir antwortest manchmal solch ein Gesicht. Ich hab ohne Bestimmtheit unendlich ähnlich Gefühl zu dem deinen.
Auch wieder lieber Bruder einige Worte nach dem A. B. C.
a) Die Kupfer die noch hier sind, wäre mir lieb wenn du sie dem Herzog überliesest, er sammlet iezt und hat schöne Freude und Sinn dran. Für dich sind unter der ganzen Menge höchstens ein halb Duzzend Lukas von Leyden schäzbaar. Dagegen will ich dir die Albrecht Dürer was mir in die Hände kommt ausantworten.
b) Gott seegne dich für deine Freude an meiner Künsteley. Ich kanns nicht lassen ich muß immer bildeln.
c) Deine Waserische Geschichte gehört eben recht dir, weil sie so aus Noth dem innersten entrissen ist.
d) Lies doch wo du Zeit findest dasDiarium der Revolution in Neapel durch Masaniello; wenn du es noch nicht kennst. Dir gewiß wie mir unschäzbar.
e) Das von Herdern kenn ich nicht.
f) Hast du denn selbst eine Iphigenie?
g) Laß mir wo möglich durch Bäben ein näher Wort sagen wie dir ist. L. Br. laß uns immer näher zusammenrücken. Die Zeit kommt doch bald wo wir zerstreut werden, in die Elemente zurückkehren aus denen wir genommen sind.
h) Täglich wächst der Herzog und ist mein bester Trost.
i) Was thust du fürGera? Du Treiber.
k) Ich sammle neuerdings zur Mineralogie, will mir dein Bruder Docktor etwas von seinem Ueberfluß zukommen lassen, so macht mirs viel Vergnügen. Kannst du mir sonst so was ohne viel Umstände verschaffen,so thus. Es müßte wohl eingepackt nach Frankfurt an meine Mutter mit einemFuhrmanngeschickt werden, daß das Porto nicht so hoch käme.
l) Dank für die Worte über die Silhouette. Es ist eine edle Seele und liebt dich wie man lieben kann. Schick mir doch dein Bild für sie, ich hab ihr meins geborgt.
m) Grüße Frau und Kinder und alles.
n) Schreib mir immer es sey was es wolle.
o) Gieb meine Sachen der Bäben, die weiß womit hin.
Adieu!Goethe.
d. 3. Nov. 80.
1781.
Du hast deinen Husten wieder? wie gehts —
Ich bin auch zeither kranck, meist ohne es zu sagen, daß niemand frage, und der Credit aufrecht bleibe. Ich halt es offt mit den Zähnen wenn die Hände versagen. Sonst geht alles recht gut, die Herzoginn giebt uns Hoffnung zu einem Prinzen, der Herzog wächst schnell, und ist sich sehr treu.
Ich lade fast zu viel auf mich, und wieder kan ich nicht anders. Staatssachen sollte der Mensch der drein versezt ist sich ganz wiedmen, und ich möchte doch so viel anders auch nicht fallen lassen.
Den 19. Febr.
Soweit war ich als dein Brief kam. Du hast den C. gesehen laß mir doch durch Bäbenwenigstens etwas ausführliches sagen, es ist dächt ich der Mühe werth.
Die lezten Tage der vorigen Woche habe ich im Dienste der Eitelkeit zugebracht. Man übertäubt mit Maskeraden und glänzenden Erfindungen offt eigne und fremde Noth. Ich tracktire diese Sachen als Künstler und so gehts noch. Reime, bey dieser Gelegenheit gemacht, schickt dir vielleicht Kayser. Wie du die Feste der Gottseligkeit ausschmückst, so schmück ich die Aufzüge der Thorheit.
Kayser läßt sich gut an, ich hoffe sein Leben hier soll ihn geschmeidiger machen. Er hat Gelegenheit in seiner Kunst manches zu sehen und zu hören.
Uebrigens wollte Gott daß wir nicht so weit auseinander wären! Adieu lieber Bruder antworte mir bald. Grüse Frau undKinder und Pfenningern. Bäben schreib und schick ich nächstens, sie soll mir meine Sachen wieder schicken, es sind die einzigen Abschriften.
G.
Den 18. März 1781.
Die Stille von Sonntagsfrüh will ich benutzen um mich mit dir mein Lieber zu unterhalten.
Was du mir in dem Brutus schenktest hast du wohl gewußt. Ich danke dir tausendmal. In der Mäßigkeit und Mittelmäßigkeit des Lebens tritt eine solche Erscheinung ungeheuer würkend auf. Wir legens aus, daß es der Moment sey wo er den Geist sieht. Ist’s so gemeynt? Deine Auslage ersez ich mit Freuden.
Auf die überschickten Gemählde wart ich mit Schmerzen, das Grose ist so selten. Halten wir die Trümmer der Statuen so wehrt, klauben wir sie aus dem Greuel der Verwüstung und der Restauration so ängstlich hervor, warum nicht Gemählde.
Es ist mir leid daß dir in meinem didacktischen Briefe etwas mißfallen hat. Ich habe die Art wenn eine Sache auseinander zu sezzen ist grade mit dem Schwerdt drein zu gehn, es offt zu scharf, und nicht immer fein genug zu nehmen. Zu diesem Fehler bekenn ich mich im allgemeinen, ziehe auch in diesem Falle das ab, und zweifle nicht an meinem Glauben andich Ganzen.
Du machst mir wohl da du sagst daß du gesund seyst. Erhalt uns Gott lange auf dieser schönen Welt, und in Kraft ihr zu dienen und sie zu nutzen. Mit mir stehts auch gut. Besonders innerlich. In weltlichen Dingen erwerb ich täglich mehr Gewandtheit, und vom Geiste fallen mir täglich Schuppen und Nebel daß ich denke er müßte zulezt ganz nackend dastehn, und doch bleiben ihm noch Hüllen genug.
Die Mannssilhouette will mir verständig, wohl einsehend, fest, fein, und kältlich scheinen. Sag mir mehr und recktifizire, fern von dir und deinem Einfluß lern ich täglich zurück.
Calliostro ist immer ein merkwürdiger Mensch. Und doch Stock Narr mit Kraft, und Lump so nah verwandt. Ich darf nichts drüber fragen. Ich bin über diesen Fleck unbeweglich. Doch lassen solche Menschen Seiten der Menschheit sehen, die im gemeinen Gange unbemerkt blieben.
Daß du meiner mit Br. im Guten gedacht hast erfreut mich. Das gewisse Andenken guter Menschen hat einen grösern Einfluß auf unser Leben, Charackter und Schicksaal als man sonst den Sternen zuschreibt.
Ueber Peter im Baumgarten ein besonderesBlätgen das du an Tscharner schicken kannst.
Hast du des alten Königs Schrift über die D. Litteratur gelesen und was sagst du dazu? Lessings Tod hat mich sehr zurückgesezt, ich hatte viel Freude an ihm, und viel Hoffnung auf ihn.
Nun weis ich bald nichts mehr.
Kayser ist recht gut hier, er hört und sieht viel Musick und Menschen. Ich habe Absichten mit ihm, davon mehr wenn sie reifer sind.
Grüs Bäben! Ihr bin ich lange einen Brief schuldig. Leb wohl. Grüs Frau und Kinder und sage mir etwas von ihnen.
Nun fang ich wieder an zu leben da um mich herum alle Knospen sich zu regen anfangen. Adieu. Nochmals Dank für den Brutus.
G.
Zum Morgengruß erhalt ich deinen Brief vom 31. März.
In dem Buchedes Erreurs et de la véritédas ich angefangen habe, welche Wahrheit! und welcher Irrthum! Die tiefsten Geheimnisse der wahrsten Menschheit mit Strohseilen des Wahns und der Beschränktheit zusamen gehängt.
In der Silhouette hätt ich so vielinnerlichesnicht gesucht, mehrsinnliches.
Wenn ich vom alten König höre ist mirs als wenn michder Predigerauf einen hohen Berg führte, und mich dort einen Trauerblick auf die Menschen und ihre Herrlichkeitthun hiese. Dem Kayser gönne ich allen Seegen. Gieb acht! gieb acht! sein Kopf steht gut. Irr ich nicht sehr, so fehlts am Herzen, das zum grosen Menschen, zur That wie zur Kraft, unentbehrlich ist, und durch Vernunft nicht zu ersezzen ist.
Die nächsten Wochen des Frühlings sind mir sehr geseegnet, ieden Morgen empfängt mich eine neue Blume und Knospe. Die stille, reine, immer wiederkehrende Leidenlose Vegetation tröstet mich oft über der Menschen Noth, ihre moralischen noch mehr phisischen Uebel.
Hast du bey deiner Reise durch Colmar auf einen jungen Grafen Wartensleben geachtet, seine Mutter schrieb dir einmal über ihn? Sag mir etwas was du dich von ihm erinnerst.
Die Gemählde erwart ich also stündlich von Leipzig und freue mich sehr darauf. Grüß Frau und Kinder.
den 9. Apr. 81.
G.
Wenn ich ein Quartblat von dir sehe, ergözze ich mich iederzeit, Dank für deine beyden Briefe.
Ueber die Gemählde möcht ich wohl gegenwärtig mit dir sprechen wie über vieles! Warum sind wir so ferne.
Daß dir meine Büste lieb war macht mir grose Freude um meinet und des Künstlers willen. Der Herzog schickt sie dir, wie auch den crayonirten Kopf — sag ihm etwas über Beydes.
Ja lieber Bruder du könntest mich schon von manchem fliegenden Fieber des Grimms reinigen, was könnte nicht dieLiebe des Allswenn es lieben kann wiewirlieben. In mir reinigt sichs unendlich, und doch gesteh ich gerne, Gott und Satan, Höll’ undHimmel, die du so schön bezeichnest, in mir Einem. Oder vielmehr, mein lieber, mögt ich das Element woraus des Menschen Seele gebildet ist, und worin sie lebt, einFeegfeuernennen, worinn alle höllischen und himmlischen Kräfte durcheinander gehn und würcken.
Ueber Woldemars Kreuzerhöhungsgeschichte kann ich dir nichts sagen, dasFacktumist wahr. Eigentlich ists eine verlegene und verjährte Geschichte, eine Albernheit, die du am besten ignorirst. Wenn ich Papier und Zeit verderben möchte, so könnt ich dir wohl das nähere sagen, es ist aber nicht der Mühe werth. Sehn wir uns wieder und es fällt dir ein, so frage. Da du mich kennst, solltest du dir’s inAhndungerklären können. Der leichtsinnig trunkne Grimm, die muthwillige Herbigkeit, die dashalb guteverfolgen, und besonders gegen den Geruch vonPrätensionwüthen, sind dir in mir zu wohl bekannt. Und die nicht schonenden launigen Momente voriger Zeiten weist du auch.
Viel von diesem allem wird verschlungen in thätiger Liebe. Vielleicht von denErreurs de la véritéein andermal mehr. Möchtest du mir auch von deinem innern etwas entdecken!
Tobler ist gar lieb, ich kann offen gegen ihn seyn. Knebel hat ihm Quartier gegeben. Es wird dir auch wohl thun durch ihn von uns zu hören. Er erinnert mich in Momenten recht lebhafft an dich. Besonders wenn er munter und scherzhaft wird.
Ists wahr, was ich in den Zeitungen lese, daß der Abbt Raynal den drey ersten Eidgenossen auf der Imgrütlins Wiese ein Monument will aufrichten lassen? Der 30. Fushohe Obelisk wird sich armselig ausnehmen zwischen der ungeheuren Natur. Was sich der Mensch doch mit seiner Nadelspizze von Marmor einbildet, ich hoffe es soll nicht zu Stande kommen. Ihr Monument ist eure Constitution.
Adieu liebster der Menschen. Spreche manchmal einen Seegen auf meine Büste, daß ich auch das geniese. Schreibe mir viel, und stihl dir eine Viertelstunde für mich. Ich heise Legion, du thust vielen wohl wenn du mir wohl thust.
den 7. May 1781.
G.
Ehe ich auf einige Zeit von hier weggehe, muß ich dir noch einmahl schreiben. Zuförderst danke ich dir, du Menschlichster, für deine gedruckten Briefe. Es ist natürlich daß sie das Beste von allen deinen Schrifften seyn müssen. Wie du vorausgesehen hast, nehmen dir viele, und auch gute Menschen, diesen Schritt übel, doch du weist am besten was du thun kannst, und fühlst wohl daß dir erlaubt ist was keinem. Das Menschliche und dein Betragen gegen Menschen darinnen ist höchst liebenswürdig, und mich macht es recht glücklich, daß ich keine Zeile anders lese als du sie geschrieben hast, daß ich den inneren Zusammenhang der manichfaltigen Aeuserungen erkenne. Denn für den eigentlichen Menschenverstand, was man gewöhnlich so nennet,und worauf eine gewisse Gattung von Köpfen die andere modelt, ist und bleibt auch hierinn wie in allen deinen Sachen, manches unverständlich. Selbst deinen Christus hab ich noch niemals so gern als in diesen Briefen angesehen und bewundert. Dein 122. Brief über dich selbst ist vortrefflich, und du verfehlst deines Endzweckes nicht, dich durch diese Aeuserungen deinen Freunden und Liebsten immer näher zu bringen, vor ihnen immer wahrer und ganzer zu erscheinen.
Deine Poesien, davon mir Reich ein Ex. verehrt hat, sind auch mir als Aufschluß deines Innersten, und als Bild deines äusern Lebens sehr willkommen. Mit gutem Vorbedacht hast du sie deinen Freunden gewidmet, denn sie schließen sich so an deine Individualität an, daß niemand der dich nicht liebt, und nicht kennt, eigentlich was damit zu machen weiß.
Unser Bildhauer hat eine vortreffliche Büste von Herder gemacht, davon dir auch ein Abguß zugeschickt werden soll. Du wirst, auch ohne ihn zu kennen, an ihrer wahren Unwahrheit wieder deine grose Freude haben.
Was die geheimen Künste des Caliostro betrifft, bin ich sehr mistrauisch gegen alte Geschichten. Glaube mir, unsere moralische und politische Welt ist mit unterirdischen Gängen, Kellern und Cloacken miniret wie eine grose Stadt zu seyn pflegt, an deren Zusammenhang, und ihrer Bewohnenden Verhältnisse wohl niemand denckt und sinnt, nur wird es dem, der davon einige Kundschafft hat, viel begreiflicher, wenn da einmal der Erdboden einstürzt, dort einmal ein Rauch aufgeht aus einer Schlucht, und hier wunderbare Stimmen gehört werden.
Ich habe der Schultheß den Anfang einesneuen Dramas geschickt, lies es auch wenn du Zeit findest, und zeigt mir es sonst niemand. Tobler wird dir geschrieben haben seitdem er von uns weg ist, wir haben ihn gar lieb gewonnen, und es ist ihm bey uns so wohl gewesen, als unter seinen Umständen möglich war.
Grüse deine Frau, und gedenckt meiner am braunen Tische. Grüse auch Pfenninger und die Orells.
Schließlich bitte ich dich fortzufahren, mir mit deinem Geiste und deiner Art wohl zu thun und nüzlich zu seyn, und mir, wenn du etwas über, vor, oder wider mich weist, es nicht zu verheelen, sondern wie bisher, und wo möglich noch mehr, eine gute und lebendige Wirckung unter uns zu erhalten.
Weimar den 22. Juny1784.
G.
Arbeiten und Zerstreuungen haben mich abgehalten dir früher für deinen Brief zu danken.
Ich bin geneigter als iemand noch eine Welt außer der sichtbaren zu glauben und ich habe Dichtungs- und Lebenskraft genug, sogar mein eigenes beschränktes Selbst zu einem Schwedenborgischen Geisteruniversum erweitert zu fühlen. Alsdann mag ich aber gern, daß das alberne und eckelhafte menschlicher Exkremente durch eine feine Gährung abgesondert und der reinlichste Zustand in den wir versezt werden können, empfunden werde.
Das mir überschickte Portrait gefällt mir ausnehmend wohl, und zeigt von einem männlichen Mahler. Es ist wohlgesehen und wohl angelegt, Schade daß er nicht Zeit gehabt hat es weiter auszuführen.Der Charackter scheint mir sprechend und die Stellung gut gemahlt zu seyn. Nur hat es mich wundern müßen, daß einige unbefangene Personen, und besonders ein Kind, das sehr wohl organisirt, und in allen seinen Urtheilen über sinnliche Dinge höchst zuverläßig ist, es nicht erkannt haben. Ich machte darüber meine Betrachtungen, besonders da der Knabe auf einige verwandte Gesichter rieth, und ich glaube es liegt vorzüglich in der Farbe und in der mehreren Männlichkeit und Stärke der Züge die das Original freilich nicht hat. Genug es gefällt mir so wohl, daß ich es für mich behalten werde und danke dir also auf das Beste dafür.
Knebel ist hier weg und wird sich diesen Winter bey den Seinigen aufhalten. Er ist die Ursache daß Tobler so lange gezögert hat. Dieser wird nun bey dir angelangt seyn unddir mehr von uns erzählen können und mögen als in vielen Briefen ichs nicht thun könnte, und dürfte. Ich wünsche daß es ihm bey euch wohl gehen möge, welches, da er durch den Genuß der weitern Welt ziemlich verwöhnt seyn mag, vielleicht im Anfange schwerer halten wird.
Mit dem nächsten Postwagen geht an B. der vollendete zweyte Ackt meines Taßo ab. Ich wünsche daß er auch für dich geschrieben seyn möge.
Die Unruhe in der ich lebe läßt mich nicht über dergleichen vergnüglichen Arbeiten bleiben, und so sehe ich auch noch nicht den Raum vor mir die übrigen Ackte zu enden. Es geht mir übrigens wie es den Verschwendern geht, die in dem Augenblicke, wenn über Mangel an Einnahme, überspannte Schulden und Ausgaben geklagt wird, gleichsamvon einem Geiste des Widerspruches außer sich gesezt, sich in neue Verbindungen von Unkosten zu stürzen pflegen.
Auf deinen Pilatus bin ich sehr begierig, schicke wenn du kannst und willst ein Stück davon.
Die Frau von der Lühe habe ich in Gotha gesehen. Sie findet sich nach ihrer Art daselbst wohl.Erist eine sehr gute Art Menschen, verständig und gewißenhafft. Man legt ihm keine Hinderniße bey seiner Erziehung in den Weg, und der Herzog beträgt sich auf das Beste gegen ihn.
Auf unserer Zeichnungsakademie habe ich mir diesen Winter vorgenommen mit den Lehrern und Schülern den Knochenbau des menschlichen Körpers durchzugehen, sowohl um ihnen als mir zu nuzen, sie auf dasmerckwürdige dieser einzigen Gestalt zu führen und sie dadurch auf die erste Stufe zu stellen, das bedeutende in der Nachahmung sichtlicher Dinge zu erkennen und zu suchen. Zugleich behandle ich die Knochen als einen Text, woran sich alles Leben und alles menschliche anhängen läßt, habe dabey den Vortheil zweimal die Woche öffentlich zu reden, und mich über Dinge die mir werth sind mit aufmerksamen Menschen zu unterhalten. Ein Vergnügen welchem man in unserm gewöhnlichen Welt-, Geschäfts- und Hofleben gänzlich entsagen muß. Diejenigen Theile die abgehandelt werden, zeichnet alsdenn ein ieder und macht sie sich zu eigen. Dabey habe ich mir vorgenommen das Wort Phisiognomik und Phisiognomie gar nicht zu brauchen, vielmehr die Ueberzeugung davon durch die ganze Reihe des Vortrages einem jeden einleuchten zu laßen.
Vielleicht kann dir etwas von dem was ich bey näherer Betrachtung der thierischen Oekonomie bemerke, zu deinen Arbeiten in der Folge einen nüzlichen Beytrag geben.
Weimar den 14. Nov. 1781.
G.
Du hattest l. Bruder eine Abschrifft meinerIphigenifür den General Koch verlangt, ich schlug es ab, weil ich sie noch einmal durchgehn wollte, dieß ist, zwar leider nach meinen Umständen nur flüchtig geschehen.
Gegen Weynachten kann eine Abschrifft fertig seyn. Willst du sie nun an den General schicken? oder soll ich es thun?
Im lezten Fall schreibe mir wo er sich aufhält, seinen Tittel, ob er die Exzellenz hat &c. daß man mit einem solchen Fremden inCurialibusnicht anstose. Lebe wohl, schreibe mir bald und liebe mich. Mit meinem Leben rückt es starck vor, und ich fangenun baldan zu begreifen warum wir, sobald wir uns hienieden einzurichten angefangen haben, wieder weiters müssen. Tausendmal Adieu.
d. 26. Nov. 81.
G.
Deinen Brief erhalte ich so eben, und da ich daraus sehe, daß deine französische Phisiognomick bald fertig werden wird, bewegt mich dies, dir gleich wieder zu schreiben. Habe die Güte mir zwölf von den ersten Exemplaren zuschicken zu lassen, ich getraue mir diese, vielleicht noch mehrere abzusezzen. Nur wünsche ich freilich sie gleich zu Anfang zu haben wenn das Buch herauskommt und Sensation macht.
Tobler wird dich näher zu uns bringen als viele Briefe nicht thun würden. Man ist niemals im Stande, dem Freunde das von sich zu schreiben, was ihme am intereßantesten wäre, weil man eigentlich selbst nicht weiß, was an einem intereßant ist.
Grüße Toblern und Pfennigern recht herzlich.
Den Taßo werdet ihr nun haben.
Von Knebels Hegire hat wohl Tobler gesprochen.
Lebe wohl, schreibe und schicke bald.
Weimar den 3. Dez. 1781.
G.
Der Fürst Dessau, der uns heute sehr angenehm überraschte, hat sich wie ich hoffte sehr gut mit dir gefunden, ich gönne dir, daß du diesen merkwürdigen Sterblichen auch hast kennen lernen. Da die Nachricht kam du seyst in Frankfurt sagte die Herzoginn er kommt gewiß, der H. er wird wohl kommen, und ich sagte ich glaub es nicht. Leider war meine Divination die richtigste. Schön, sehr schön wäre es gewesen. Nun es konnte wohl nicht seyn.
Du verwendest und verthust manchen Augenblick, gönne mir auch über Menschen und Sachen, die du auf dieser Reise gesehen hast, ein Wort, ich verdiens und brauch es. Ich muß wieder eine Anmuthung von dir haben wie mir der Fürst heute gegeben hat.
Da ich zwar kein Widerkrist, kein Unkrist, aber doch ein dezidirter Nichtkrist bin, so haben mir dein Pilatus und so weiter widrige Eindrücke gemacht, weil du dich gar zu ungebärdig gegen den alten Gott und seine Kinder stellst. Deinen Pilatus habe ich sogar zu parodiren angefangen, ich habe dich aber zu lieb um mich länger als eine Stunde damit amüsiren zu können.
Darum laß mich deine Menschenstimme hören, damit wir von der Seite verbunden bleiben, da es von der andern nicht geht.
Von mir hab ich nichts zu sagen als daß ich mich meinem Beruf aufopfere, indem ich nichts suche, als wenn es das Ziel meiner Begriffe wäre.
Damit du einen Faden habest, so bitt ich dich um Worte über
Prinz Ferdinand.Erbprinz von Hanau.Marckgraf v. Baden.Marckgräfinn.Edelsheim.Fürst v. Dessau vor allen.Seinen Sohn.Waltersee.Pfeffel.Lersé.Caliostro.Brankoni.Bode.Frau von Diede.Etwa iemand neues &c.
Treibe Tischbein daß er mir balde näher antwortet. Der Herzog von Gotha ist ungeduldig zu wissen wie und wann er nach Italien gehn will.
Segne ihn noch recht ein auf Treue und Wahrheit, Reinheit und Reinlichkeit.
Ich möchte gerne das Portrait das er von dir gemacht hat, behalten.
Lebe wohl und gedenke meiner in Liebe.
W. d. 29. Jul. 82
G.
Lieber Bruder. Knebel liebt dich so zärtlich als man kan, und nimmt weit nähern Antheil an den zartgesponnenen Saiten deines Wesens als mir selbst, bey meiner rohern Natur nicht gegeben ist. Er hat mir zuerst nach seiner Rückkunft mit sehr treffender Wahrheit verschiedene Dinge an dir, mit denen ich nicht recht stimmen kan, so schön zurecht gelegt, daß ich seit der Zeit inniger mit dir bin als iemals — und seine theilnehmende Seele hat mir zu Beobachtung vieler Schattirungen in dir geholfen; der ich mir selbst überlassen gewisse Strahlenbrechungen zu starck und andere zuwenig sehe.
Wenn dir recht ist was ich dir hier sende, so fahr ich fort; ich muß meinen Ton halten, unsre beyde zu vermischen geht nicht, aber sonach einander mags seine Würkung thun. Gott erhalte dich.
Ich bin dein immer bewegter, im höchsten und niedrigsten, in Weisheit und Thorheit umgetriebener
den 23. Aug. 82.
G.
Weimar den 4. Oktober 1782.
Vor das viele Gute was du zeither an uns gethan hast, habe ich dir noch nicht danken können, und auch iezo habe ich nicht so viel Sammlung um dir etwas dagegen von dem meinigen zu geben, denn daß man immer von dir empfängt bist du gewohnt.
Die kurze Schilderung der Personen die du auf deiner Reise im Fluge berührtest, hat mir viele alte Bekanndtschaften neu und mich auf unbekante aufmerksam gemacht. Was du von dem Fürsten von Dessau sagst bestätigt mein Verhältniß zu diesem würdigen Manne noch mehr. Zwar sind wir bisher einander noch nichts geworden, und ich bin alle Tage auch gegen gute und trefliche Menschenweniger andringend, genug wenn man weiß daß eine schöne und große Natur irgendwo existirt, und daß man sie, wie es so tausendfältig geschieht, nicht verkennt.
Der erste Theil deiner Bekenntniße, wie ich sie nennen will, hat mir großes Vergnügen gemacht. Es ist immer sehr intereßant dergleichen zu lesen, ob ich gleich wieder dabey die Bemerkung gemacht habe, daß wenn ich so sagen darf, der Leser eine eigene psychologische Rechnungsoperation zu machen hat um aus solchen Datis ein wahres Facit heraus zu ziehen. Ich kann meine Idee iezo nicht auseinander legen, nur so viel davon: Das was der Mensch an sich bemerkt und fühlt, scheint mir der geringste Theil seines Daseyns. Es fällt ihm mehr auf was ihm fehlt, als das was er besizt, er bemerktmehr was ihn ängstiget, als das was ihn ergözt und seine Seele erweitert; denn in allen angenehmen und guten Zuständen verliert die Seele das Bewußtseyn ihrer selbst, wie der Körper auch und wird nur durch unangenehme Empfindungen wieder an sich erinnert; und so wird meistentheils, der über sich selbst und seinen vergangenen Zustand schreibt, das enge und schmerzliche aufzeichnen, dadurch denn eine Person, wenn ich so sagen darf, zusammenschrumpft. Hierzu muß erst wieder das, was wir von seinen Handlungen gesehen, was wir von seinen Schriften gelesen haben chymisch hinzugethan werden und alsdann entsteht erst wieder ein Bild des Menschen, wie er etwa mag seyn oder gewesen seyn. Dieß von vielen tausend Betrachtungen Eine.
Daß du mir in deinem Briefe noch einmahlden innern Zusammenhang deiner Religion vorlegen wolltest, war mir sehr willkommen, wir werden ia nun wohl bald einmal einander über diesen Punkt kennen und in Ruhe laßen. Großen Dank verdient die Natur, daß sie in die Existenz eines ieden lebenden Wesens auch so viel Heilungskraft gelegt hat, daß es sich, wenn es an dem einen oder dem andern Ende zerrissen wird, selbst wieder zusammenfliken kann; und was sind die tausendfältigen Religionen anders als tausendfache Aeußerungen dieser Heilungskraft. Mein Pflaster schlägt bey dir nicht an, deins nicht bey mir, in unsers Vaters Apotheke sind viel Recepte. So habe ich auf deinen Brief nicht zu antworten, nichts zu widerlegen, aber dagegen zu stellen habe ich vieles. Wir sollten einmahl unsere Glaubensbekenntniße in zwey Colummen nebeneinander sezen und darauf einen Friedens- und Toleranzbund errichten.
An Tischbeinen habe ich heute geschrieben und ihn an dich gewiesen. Du wirst meinen Brief wohl verstehen, aber er nicht ganz; ich kann ihm weder gewähren noch verschaffen, was er gerne mögte, denn der Herzog von Gotha siehts anders an und hat seine festgesezten Begriffe über die Sache, auf die ich weiter nicht wirken kann. Rede ihm ia zu, daß er sich besonders gegen Reifensteinen leidlich beträgt, denn dieser Mann hat Einfluß auf die Großen. Freylich mag dem guten Tischbein, der Gott sey Dank in weltlichen Dingen noch nicht geübt ist, so ein Verhältniß ganz und gar fatal und unerträglich scheinen; indeß ist immer besser er weiß so etwas voraus, und richtet sich einigermaßen darnach, als daß er in seinem Wesen hingeht und wirin einem Jahr den Lärmen haben. Es wird ohnedies nicht ganz ohne alles abgehen; du weißt es am besten lieber Bruder, daß wo Menschen zusammen zu schaffen haben, es mehr oder weniger Friktion giebt. Je älter man wird desto gewißer sieht man das wie und wo voraus und kann sie doch weder bey sich selbst noch andern immer, so gerne man wollte verhüten. Besonders treib ihn daß er fortkommt, denn der Herzog ist schon über das Zaudern und über meine Vorstellungen, die ich nicht gespart habe, verdrießlich. Wenn wir unter einander etwas haben, so können wir herüber hinüber markten, ein großer Herr will gehorcht seyn. Sie sind nicht alle wie der Herzog von Weimar, der ieden gerne auf seine Weise das Gute thun läßt und doch daran Theil nimmt. Adieu Bruder! Ohne Berührung sagst du ist keine Religion;ohne Berührung ist keine Freundschaft. Lebe herzlich wohl alter Christe und grüße Bäben.
G.
Sag mir doch gelegentlich ein Wort über das Portrait Karls des fünften von Albrecht Dürer, das du bey Merck gesehen hast, wir haben es gegenwärtig hier. Es ist ganz herrlich, ich mögte auch dich drüber hören.
Frau von Langefeld mit ihren beyden Töchtern und Hr. v. Beulwiz aus Rudolstadt werden dir l. Bruder Kraft dieses empfohlen, und das Maas des Guten was du ihnen geben willst und kannst, deinem Gefühle und den Umständen überlassen in denen sie dich antreffen werden.
Weimar d. 7. Apr. 83.
G.
Ohne Datum.
Sonntag Nachts. Ich will wenigstens wieder einmal einen Brief an dich anfangen, daß wir uns nur einmal wieder berühren. Eine herrliche Mondennacht! ich bin über die Wiese nach meinem Garten eben herausgegangen, habe mich in Nachtdämmer gelezt und denke an dich. — Lieber Br. daß du just so geplagt seyn mußt zur Zeit da ich so glücklich bin, da mir das Schicksal einen ganz reinen Moment bereitet, daß ich nicht müßig sey, eine würkende Entfaltung für die Zukunft. Gute Nacht.
Montag d. 26. heut ist deine Büste von Frankfurt angekommen glücklich, hat mir viel Freude gemacht. Hier hast du einen Schatten vom Herzog. — Ich fühl’ erst iezo wieweit wir aus einander kommen sind, ich kann dir nichts schreiben. Resultate und Abstraktionen mag ich nicht, Geschichten und Einzelnheiten kann ich nicht.
Freytag d. 30. Ich will dir nur das grade schicken. Denn mehr kann ich doch jezt nicht sagen. Grüs Bäben, Dank der Herzlichen für ihren Brief. Hier ein paar Zeilen meines Gefühls auf dem Türinger Walde geschrieben d. 3. Aug. Morgends unter dem Zeichnen.
Dem Schicksaal.