Und er und die Familie standen in ihren durch mächtige strahlendeKronenerleuchteten Gemächern, und warteten vorn bei der Eingangsthür derGäste, bis sich alle mit Ordensbändern geschmückten Herren, und alle inihren kostbaren Gewändern einherrauschenden Damen eingefunden hatten.
Nur Herr von Klamm fehlte noch. Er fehlte, obschon er die Anordnungen übernommen hatte. Freilich, seine eigentliche Thätigkeit nahm erst ihren Anfang nach dem Abendessen. Aber seine Anwesenheit beim Erscheinen der Gäste, war doch von Herrn Knoop vorausgeht worden, und sein Ausbleiben begann ihn zu beunruhigen.
„Er ist sicher noch im Kontor!“ erklärte Margarete. „Er sagte neulich, er habe grade am Ballabend noch ziemlich spät im Geschäft zu thun, werde sich aber nach Möglichkeit einrichten.“
Als er noch immer nicht erschien, sandte Herr Knoop Adolf zu ihm.
Herr Knoop lasse freundlichst bitten, daß Herr von Klamm sogleich komme.Man wolle zu Tisch gehen.
Indessen war es überflüssig! Grade trat er durch die Mittelthür ein, sprach Herrn Knoop seine Entschuldigung aus und richtete seine scharfbeobachtenden Augen auf seine Umgebung.
„Die Sendung nach Frankfurt an der Oder wäre in der That nicht abgegangen, wenn ich nicht noch nachgetrieben hätte, Herr Knoop,“ erklärte er. „Ich hatte die Absendung unbedingt versprochen; es war eine geschäftliche Pflichtsache. Auch wollte ich gern die Abendpost noch einsehen. Es war viel da und Eiliges. — Eine große Bestellung vom Reichstagbüreau ist eingelaufen.“
So begründete er seine Verspätung, küßte Frau Knoop die Hand, begrüßteMargarete mit warmherziger Vertraulichkeit, und warf einen forschendenBlick zu Ileisa hinüber, die sich nicht weitab mit einem Offizierunterhielt. —
Endlich ging's zu Tisch. Klamm führte die Tochter eines hohen Beamten im Ministerium. Herr Knoop hatte es so gewünscht, und es war auch richtig so. Klamm wußte die Menschen für sich einzunehmen, und es war klug, nichts zu versäumen, sich dieser Familie Gunst zu erwerben. Von dem Wohlwollen des Herrn Ministerialdirektors hing die Entscheidung über die Vergebung sehr umfangreicher Druckaufträge ab.
Bei Tisch warfen zwei Personen wiederholt forschende, von Eifersucht keineswegs freie Blicke zu ihm hinüber: Margarete und Ileisa!
Und Klamm bemerkte es jedesmal, wenn sie hinüberschauten, und jedesmal begegnete er ihnen mit irgend einer Aufmerksamkeit, indem er entweder das Glas erhob und ihnen zutrank, oder einen Ausdruck stillen Einverständnisses in seinen Augen erscheinen ließ.
Als seine Tischnachbarin, Fräulein von Wiedenfuhrt, dies einmal bemerkte, redete sie Klamm auf die beiden Damen an:
„Wie Fräulein Knoop sei? Sie habe sie nur einigemale bei Bazaren, wo sie zusammen gewirkt, gesehen. Ob sie ein liebenswürdiges, junges Mädchen wäre?“
„Fräulein Knoop ist eine jener tadellosen jungen Damen, an denen man nur bemängeln könnte, daß sie etwas kleinbürgerlich sind. Ihre Natürlichkeit, ihre Gradheit, ihr ungemein rechtschaffener Charakter verschmähen es, irgend welche Schminke zu gebrauchen Und doch würde ihre Anziehungskraft durch eine Milderung dieser Hausbackenheit um vieles gewinnen.“
„Also Sentiments haben Sie für die Tochter Ihres Chefs nicht, Herr vonKlamm? Dann ist ja noch Hoffnung für die vielen, die ihr Auge mitSehnsucht auf Sie richten!“ warf das junge Mädchen neckisch hin.
„Glauben Sie wirklich, daß sich jetzt noch jemand aus Ihren Kreisen für mich interessiert?“ gab Klamm auf diese, der verstandesmäßigen Richtung des Fräuleins entsprechende, Rede zurück.
„Ich bin Prokurist in einer Buchdruckerei geworden. Das ist eigentlich so unerhört, daß man die Pflicht hat, von meiner Existenz auf Erden Abstand zu nehmen.“
„Es würde so sein, wenn Sie nicht eben Herr von Klamm wären,“ fiel die Dame mit ehrlicher Anerkennung ein. „Es giebt Ausnahmemenschen, denen alles wohl ansteht, zu denen infolgedessen auch jeder — und wenn er sich noch so sehr sträubt — Stellung nehmen muß. Jüngst wurde Ihr Artikel über gesellschaftliche Arten und Unarten in den Täglichen Nachrichten vielfach besprochen. Ich kann Ihnen verraten, daß er allen ausnehmend gefallen hat, natürlich abgesehen von jenen jungen Zweibeinigen in Frack und Lackschuhen, die alles besser wissen, nur das Allernächstliegende nicht merken, daß sie nämlich recht lächerliche und überflüssige Erscheinungen in der Schöpfung sind.“
„Im übrigen! Wir sind noch nicht am Ende. Sie wollten mir auch noch etwas über das schöne Fräulein von Oderkranz sagen.“
Klamm zuckte die Achseln. „Wenn ich ehrlich sein soll, so läßt mich meine Menschenkenntnis bisher in Stich. Ich weiß nicht sicher, wie sie ist. Ich vermute nur, daß mein Urteil zutrifft. Ich sehe, daß sie sich erstaunlich zu fügen weiß, zu schweigen, ihr eigentliches Wesen zu verbergen versteht. Ganz präzise gefaßt, würde ich sagen:
„Sie besitzt die Kunst, mit ihren Eigenschaften zu ökonomisieren, immer nur das zu geben und zu thun, was am Platz ist. Und doch — und doch —“
„Nun?“
„Ja, und doch gewinnt man keine rechte Beziehung zu ihr, und doch kann man ihr nicht näher kommen.“
„Was vermuten Sie denn?“
„Alles!“ betonte Klamm beinahe feurig. „Ich glaube, daß sich in diesem Mädchen alle jene Eigenschaften finden, die einen Mann in der Ehe glücklich zu machen im stande sind. Sie ist weiblich, sittlich, häuslich, treu und arbeitsam, daneben voll Tiefe und Wärme, und nicht minder voll Begeisterung für alles Schöne und Gute, sofern ihr Gelegenheit geboten wird, es zu bethätigen. Auf ihr ruht aber die Bürde der Abhängigkeit.“
„Ah! Sie schwärmen ja gewaltig, Herr von Klamm. Fast könnte man glauben,Sie legten eine unfreiwillige Beichte ab.“
Die junge Dame sprach die Worte in einem von Eifersucht nicht freiemTone.
„Sie irren durchaus, gnädiges Fräulein! Wenn ich überhaupt meiner Passion nachgeben dürfte — ich werde nämlich sicher niemals heiraten — so würde ich eines Tages ein gewisses Haus betreten, dort nach dem Ministerialdirektor von Wiedenfuhrt fragen, und ihn bitten, bei seiner überaus schönen und überaus klugen Fräulein Tochter Margot ein gutes Wort für mich einzulegen.“
Kaum, nachdem Klamm so gesprochen hatte, erhob das junge Mädchen denKopf und sah Klamm mit einem durchdringenden Blick an.
„Daß auch Sie, Herr von Klamm“ — begann sie steif im Ton — „zu den Leuten gehören, die selbst in ernsten Augenblicken fade Spielereien treiben, hätte ich nicht gedacht. Ich bin heute um eine Erfahrung reicher geworden.“
„Aber mein Fräulein — mein gnädiges Fräulein“ — fiel Klamm nicht wenig überrascht, ja, bestürzt ein. „Ich bitte! Welche Sprache! Wodurch gab ich Ihnen Anlaß, so mit mir ins Gericht zu gehen?“
„Sie werden eher begreifen, wenn ich Ihnen mitteile,“ fuhr sie unbeirrt fort, „daß man allgemein davon spricht, daß Sie verlobt sind und alles daran setzen, diese Verlobung mit einem armen Mädchen rückgängig zu machen, deshalb nämlich, um Fräulein Knoop zu heiraten. So spielen Sie also nun jedenfalls mit dreien: mit Ihrer Braut, mit Fräulein Knoop, mit Fräulein von Oderkranz, und wenn ich natürlich Ihre an mich gerichteten Worte als einen, wenn auch recht ungeschickt gewählten Scherz betrachte — mit mir!“
Klamm erschrak. Unversehens that sich vor ihm ein bisher gar nicht vermuteter Abgrund auf. Aber noch mehr! Ehe er etwas zu entgegnen vermochte, fuhr die junge Dame fort:
„Ich will ganz offen sein! Ich will alles sagen, Herr von Klamm. Neulich hat mein Vater einen anonymen Brief empfangen, in dem er vor Ihnen gewarnt wird.“
„Ah! Die alte Infamie einer mich rachsüchtig verfolgendenPersönlichkeit!“ fiel Klamm, nachlässig verächtlich im Ton, ein.
„Das schreckt mich nicht, gnädiges Fräulein. Ich wäre im stande, Ihnen den Wortlaut dieses Schriftstücks — es hat nämlich immer den gleichen Inhalt — aus dem Kopfe wiederzugeben. Anders aber ist es mit dem, was Sie sonst äußerten. Hier bedarf es dringend der Aufklärung. Ich bitte, daß Sie mir einmal nächstens eine Unterredung gewähren.
„Ich weiß bestimmt, daß Sie dann anders urteilen werden.“
Da Klamm in einem sehr gemessenen Tone, da er wie ein Mann sprach, der um seine Ehre ficht, so gewann er das Spiel.
Schon begann sich in ihr die Reue zu regen, sich so haben hinreißen zu lassen. Aber es reizte sie auch nicht wenig, von ihm selbst zu erfahren, was Wahrheit, was Geschwätz war; es schmeichelte ihr, daß er sie zu seiner Vertrauten machen wollte.
Aber an diesem Abend geschah noch etwas, das Klamm mindestens ebenso sehr zum Nachdenken Anlaß gab.
Die Tafel war aufgehoben, schon hatte die Musik den Gästen zu einer Reihe von Tänzen aufgespielt. Eben sollte ein Kotillon getanzt werden, den Herr von Klamm einen anwesenden Offizier deshalb zu leiten gebeten hatte, weil er dessen Ehrgeiz: in der Gesellschaft bei solchen Gelegenheiten eine Hauptrolle zu spielen, Rechnung tragen wollte. Aber er hatte auch die Absicht, dadurch Zeit und Gelegenheit zu finden, sich mit Ileisa zu beschäftigen.
Er forderte sie zu diesem Tanz auf, wählte einen entfernteren Eckplatz, woselbst ein ruhiges Plaudern eher möglich war, und sagte, nachdem er eben mit ihr eine Runde gemacht hatte:
„Sie machen alles vortrefflich, gnädiges Fräulein! Auch eben zeigten Sie sich wieder als Meisterin.“
„Das möchte ich, ohne Komplimente, Ihnen sagen, Herr von Klamm —“
„So beschäftigen wir uns also gegenseitig mit einander, ohne daß wir es uns eingestanden haben —“
Er sah sie bei diesen Worten mit einem werbenden Blick an. Er that's, obschon ihm grade die Unterredung mit seiner Tischdame heute hätte eine Zurückhaltung auferlegen sollen. Aber auch ihm geschah's, daß häufig das menschliche Ich grade dann zu einer Auflehnung gegen die bedachte Mutter Vernunft gelangt, wo es am allerwichtigsten ist, auf ihre Stimme zu hören.
Er fand Ileisa heute schöner denn je. Sie war auch an diesem Abend derMittelpunkt. Jedermann drängte sich zu ihr, und auch dadurch wurden desMannes Sinne angefacht.
Bisher war ihm niemand in den Weg getreten. In das stille Knoopsche Haus traten wenige ein, nur bei solchen Gelegenheiten wurden die Staatszimmer geöffnet.
Statt auszuweichen, gab ihm Ileisa einen Blick zurück, der sein Inneres in Aufruhr versetzte. Dann sagte sie kurz, bestimmt:
„Ja, Herr von Klamm!“
Diese Antwort riß Klamm fort.
Er überflog ihre Gestalt mit seinen Augen. Er sah, wie sich unter dem seidenen Ballmieder die Büste hob und senkte. Er umfing mit seinen Blicken all die Reize, die ihr die Natur verschwenderisch verliehen hatte, und forschte noch einmal in ihren Augen, in Augen, in denen eine versteckte Glut loderte.
Dann sprach er entschlossen:
„Wohlan denn, da es so ist, da wir uns verstehen, ja, da wir uns einig sind, so wollen wir Kameraden werden, gemeinsam unser Ziel verfolgen. Es bedarf keiner Erklärung, warum es sich handelt. — Nicht wahr, Fräulein von Oderkranz?“
Und indem er die Stimme dämpfte, dasselbe in einem weichen Tone wiederholte, sich zu ihr drängte mit seinem Ich: „Nicht wahr, Fräulein Ileisa?“
Abermals vernahm er ein festes Ja und fühlte, als er nach ihrer Hand tastete, einen Gegendruck, der ihm das Blut durch die Adern jagte.
„Wann und wo wollen wir uns morgen sprechen?“ ergänzte Klamm, indem er um der Umgebung willen seinen Mienen einen durchaus gleichgültigen Ausdruck verlieh.
„Ich werde bitten, ehestens meine Tante besuchen zu dürfen. Wird mir dies erlaubt, so werde ich an einem Ihnen noch schriftlich mitzuteilenden Tage gegen ein Uhr auf dem Potsdamer Platz am Rundteil sein können.“
Als Herr von Klamm eben antworten wollte, stand Margarete Knoop vor ihnen.
„Darf ich stören?“ fragte sie mit künstlicher Schelmerei im Ton. Sie hatte beide seit langem beobachtet und schon große Qualen empfunden. Auch sie hatte sich vorgenommen, heute einmal mit allem zwischen sich und Klamm aufzuräumen.
„Bitte, kommen Sie nach Beendigung des Kotillons eine Weile in denWintergarten,“ bat sie, während er mit ihr tanzte.
„Sie müssen mir bei der Bowle behilflich sein.“
„Zu Ihrem Befehl, gnädiges Fräulein,“ betätigte Klamm und zog sie unwillkürlich fester an sich.
Er stand zwischen drei Feuern.
Seine Tischnachbarin beargwöhnte ihn, nachdem er sich unvorsichtigerweise in ihre Hand begeben hatte. Ileisa gegenüber hatte er sich von seinen bisher zurückgedrängten Gefühlen fortreißen lassen.
Nun kam ihm Margarete in solcher Weise entgegen! —
Als sie später nebeneinander standen und Moselwein in eine Punschbowle füllten, sagte Klamm:
„Ich stehe unter dem Eindruck, daß Sie auch sonst noch über mich zu befehlen wünschen. Darf ich fragen, womit Ihnen Ihr gehorsamer Diener zu willen sein kann?“
„Ja, Herr von Klamm! Ich muß endlich einmal eine Frage an Sie richten. Es muß um Ihretwillen geschehen, da ich auch heute wiederholt in einer mich ärgernden Weise angesprochen bin:
„Wie heißt Ihr Fräulein Braut? Woher stammt sie? Weshalb führen Sie sie nicht uns und der Gesellschaft zu? Ist sie wirklich krank? Und wollen Sie sich, wie man sagt, wieder entloben?
„Nicht Neugierde treibt mich, ich betone dies. Die angeführten Gründe und das warme Interesse, das ich für Sie empfinde, lassen mich sprechen.“ —
Schon wollte Klamm antworten, er wollte ihr bekennen, wie es stand und wodurch die Unwahrheit hervorgerufen worden war. Aber dann wählte er doch einen anderen Weg, den, zu dem ihn bei Fräulein von Wiedenfuhrt die Umstände getrieben, den er auch Ileisa vorgeschlagen hatte.
„Zuerst meinen aufrichtig empfundenen Dank, gnädiges Fräulein,“ entgegnete er. „Und um alles nach Ihren Wünschen zu erledigen, bitte ich Sie, in eine zeugenlose Unterredung zwischen uns zu willigen. Hier — heute — ist nicht der Ort, Ihnen alles zu erklären. Ich muß weit ausholen.
„Also, ich bitte. — Wann wollen Sie mir diese Vergünstigung gewähren?“
„Sonnabend mittag bin ich allein in unserer Wohnung. Meine Mutter will dann Besuche machen!
„Wohlan! Abgemacht!“ Sie reichten sich die Hand.
„Aber bitte, gehen Sie jetzt, ich sehe verschiedene unserer Gäste kommen,“ betonte sie, und Klamm verneigte und entfernte sich. —
* * * * *
Gegen Mitternacht, während sich die Gäste bei Knoops im vollen Genießen befanden, wurde draußen an der Hausthürklingel der Villa gezogen. Als Adolf öffnete, trat ihm ein hochaufgeschossener, hagerer Mann mit wüsten Augen, krankhaft geröteten, scharf hervortretenden Backenknochen und einem unangenehm wirkenden rotbraunen Halbbackenbart entgegen. Er fragte, im übrigen wie ein Gentleman gekleidet, mit hohem Zylinder und Pelz versehen, in einem kurzen Tone, nach Herrn Knoop. Als Adolf entgegnete, es sei Gesellschaft im Hause — es werde sich Herr Knoop jetzt unter keinen Umständen sprechen lassen, — erwiderte er:
„Sagen Sie nur, daß es sich um höchstens fünf Minuten, daß es sich aber um eine sehr wichtige und eilige Geschäftsangelegenheit handle. Sie können hinzufügen, daß ich noch diese Nacht Berlin verlassen müsse, daß ich deshalb jetzt komme.
„Wo kann ich mich solange aufhalten, bis Herr Knoop kommt?“ schloß er, indem er durch solche Frage ohne Weiteres seinen Willen zur Geltung zu bringen suchte.
„Ist hier nicht ein Gemach, wo ich warten kann?“ Adolf zeigte, durch die Sicherheit, mit der jener austrat, nachgiebig gemacht, auf ein kleines, einfenstriges Kabinett zur Rechten.
In dieses trat dann auch der Fremde ein, während sich Adolf rasch in denTanzsaal begab.
Knoop unterhielt sich eben mit Klamm, sie beredeten noch eine kleineUeberraschung für die Gäste.
„Ein Fremder? Ein Fremder um diese Zeit? Was will er?“
Adolf berichtete, was er wußte.
„Bitte, begleiten Sie mich, Herr von Klamm,“ entschied Knoop rasch entschlossen. „Da es sich um Geschäftliches handelt, sind Sie ja ebenso sehr interessiert —“
Unter solchen Worten schritt Knoop voran, und wenige Augenblicke später traten sie in das erwähnte Kabinett.
„Ah! du!“ stieß Knoop ebenso enttäuscht wie zornig heraus. „Nun dringst du gar nachts unter einer Lüge in mein Haus! Nein, nein — gieb dir keine Mühe! Ich habe nichts zu hören —“
„Du erregst dich zu deinem eigenen Nachteil, Friedrich,“ fiel TheodorKnoop mit eiserner Ruhe ein.
„Ich frage, da ich Berlin verlassen muß, da ich eine Antwort auf meine Zeilen nicht empfing, ob du meiner Bitte entsprechen willst? Ich erkläre mit meinem Ehrenwort, daß ich dich nie wieder belästigen werde. Ich will dir einen schriftlichen Verzicht ausstellen.“
„Sehr gnädig! Du thust wirklich, als ob du Ansprüche zu erheben hättest, während du ganz dasselbe jedesmal beschworen hast. Was nach solchen Erfahrungen ein Ehrenwort aus deinem Munde bedeutet —“
„Ah,“ preßte Theodor Knoop in ergrimmtem Tone heraus, und seine Augen funkelten.
„Immer bleibst du doch derselbe eingebildete Hochhinaus, der du schon als Knabe warst, hältst dich für hundertfach besser, als andere, giebst schöne Lehren und teilst weise Sprüche aus, während du — —“
„Nun, ja — ja — ja — es mag sein, daß du vieles mit Recht an mir auszusetzen hast. Wir geben uns eben darin nichts nach; und weil dem so ist, habe ich ja schon seit langen Jahren vorgeschlagen, daß wir auseinander bleiben. Du aber kommst immer wieder, und natürlich immer dann, wenn du Geld von mir erpressen willst —
„Ich aber erkläre dir, daß ich mich auf nichts mehr einlasse! EinVermögen, das ich dir nach und nach hingab, ist zwecklos verschleudert.Es würden die Tausende auch in den Sand geworfen sein, die du heuteverlangst. —
„So das ist mein letztes Wort; wir haben nichts mehr miteinander zu sprechen. — Ich muß dich ersuchen, mich nicht ferner mehr zu belästigen. Es ist höchste Zeit, daß ich zu meinen Gästen zurückkehre.“ —
Theodor Knoop, ein Mann mit einem tückischen Auge und kaltem Ausdruck in den Zügen, überlegte, was er thun sollte.
Er hatte diesen Weg eingeschlagen, weil er dadurch die ihm einzig noch bleibende Möglichkeit erkannte, von seinem Bruder etwas zu erreichen. Nun hatte er aber, statt den Bittenden zu spielen, seinem Bruder Beleidigungen ins Gesicht geschleudert. Ungeschickter hätte er es nicht anfangen können, ihn zur Hergabe von Geld zu bewegen.
Und da griff er zu dem letzten Mittel. Indem er rasch seines BrudersBegleiter musterte und zu diesem, zu Klamm, sich wendete, sagte er:
„Ich bitte Sie, mein Herr, ein gutes Wort für mich einzulegen. Ich wiederhole, daß ich durch dieses Geld zu einer dauernd soliden Existenz gelange. Bisher verfolgte mich das Unglück; — mein Bruder rechnet niemals dieses hinein, er spricht immer nur von meinem Leichtsinn, weil er nie die Verhältnisse geprüft hat. Soll ich denn wirklich zu einem Verzweiflungsakt getrieben werden? Ich frage: Ist derjenige, der sich durch seine Schuld in einer schweren Lebensbedrängnis befindet, weniger bemitleidenswert, als der unschuldig Leidende? Und wenn, ist nicht ein Unterschied zwischen Fremden und Brüdern?“
Und wieder zu seinem ungeduldig nach der Thürklinke greifenden Bruder:
„Gewiß! Ich war wiederholt ausfallend gegen dich, Friedrich. Es war aber Verzweiflung — es war nicht persönlich. Dir ist alles geglückt, du bist von der Natur anders veranlagt, so wurde es dir leichter, den glatten Weg zu gehen. Ich bitte, ich flehe dich an: Gieb mir das erbetene Geld! Sage, daß ich es mir morgen holen lassen darf. — Helfen Sie, mein Herr, diese Sache zwischen uns zu einem friedlichen Abschluß zu bringen!“
Herr von Klamm hatte bisher nur den stummen Zuhörer gespielt. Es war um so mehr geschehen, weil er in dem Manne, der hier nächtlich eingedrungen war, einen nach der Beschreibung seiner Mutter nicht zu verkennenden Komplizen derjenigen Geschäftsleute zu erkennen glaubte, durch die seine Mutter, während seines Aufenthaltes im Ausland um ihr Hab' und Gut gekommen war. Es war eine ganze Bande gewesen, die es in der raffinierteren Weise verstanden hatte, sie auszurauben.
So zog er nun die Achseln und sagte:
„Ich wurde von Herrn Knoop ersucht, ihn zu begleiten. Er nahm an, daß es sich um Geschäfte handle. In Herrn Knoops Privatangelegenheiten habe ich kein Recht einzugreifen; es würde, wie ich vermute, auch durchaus gegen seinen Willen sein.“
„Ich gebe aber nochmals zu bedenken, daß ich Ihnen allen für alle Zeiten entrückt werde. Ich will mich nach Südamerika einschiffen. Ohne Geld vermag ich es nicht, ich weiß es mir nicht anders zu verschaffen —“
„Wohlan, so will ich das Billet für dich kaufen,“ sprach Herr Knoop plötzlich entschlossen. „Herr von Klamm wird dich auf das Schiff begleiten, und dir auch noch etwas Zehrungsgeld einhändigen. Ein Schriftstück unterzeichnest du vorher, daß du mir so und so viel schuldig geworden.
„Bist du damit einverstanden, so melde dich morgen vormittag elf Uhr zur näheren Rücksprache bei mir.“
„Und wie viel würdest du mir bewilligen, Friedrich?“ forschte der Mann lauernd.
„Ich sagte es ja schon. Den Betrag für die Ueberfahrt und eine Summe in angemessener Höhe für den Anfang, keinen Pfennig mehr, und auch nur dann, wenn das Geld dafür verwendet wird. Und nun nochmals. — Adieu! Ich kann und will hier nicht länger verweilen —“
„Gieb mir 3000 Mark ohne Bedingung, ich wiederhole mit meinem Eidschwur, daß ich nicht wiederkommen will, Friedrich. Weise es mir zu der angegebenen Zeit an.“
„Nein, es bleibt, wie ich angab! Ich lasse mich nur nochmals bewegen, etwas zu thun, wenn du Deutschland verläßt. Es geschieht vorzugsweise auch um meiner Damen willen, die endlich Ruhe für mich herbeiwünschen.“
Noch einen Augenblick schwankte Theodor Knoop. Dann sprach er einen rauhen Dank, nickte kurz, griff nach seinem Hut und entfernte sich unter der nochmaligen Wiederholung der Zeitstunde, die für den folgenden Tag zwischen ihnen verabredet war.
Mit äußerlich sorglosen Mienen traten dann auch die beiden Herren wieder unter die Gäste. Niemand sah ihren Gesichtern an, was sich eben hinter den Thüren vollzogen hatte.
Man hatte sie bisher auch kaum vermißt, nur von Ileisa war bemerkt worden, daß sie sich mit beschäftigten Mienen beide plötzlich entfernt hatten.
* * * * *
Als Klamm am nächsten Morgen erwachte, hatte er es schwer, seine Gedanken zu ordnen, insbesondere das Für und Wider, das sich ihm nüchtern aufdrängte, vernunftgemäß zu scheiden.
Nun war der Augenblick gekommen, wo er eine bündige Erklärung abgeben mußte. Sollte er eingestehen, daß er gar nicht verlobt sei? Und wenn, welche Gründe für seine Behauptung sollte er angeben? Die wirklichen!? Er sah Herrn Knoops Miene und stand davon ab. Andererseits widerstrebte es ihm, an einer Lüge festzuhalten und gar noch eine neue auszusprechen. Fräulein von Wiedenfuhrt konnte er die Wahrheit bekennen, sie, die Fernerstehende, würde seine Handlungsweise eher begreiflich finden. Gab er Margarete zu, daß er Falsches berichtet, so konnte er ihr wenigstens nicht eröffnen, weshalb er so gehandelt hatte. Er mußte ein anderes Motiv angeben. Und wiederum, wenn er das that, mußte er auch Fräulein von Wiedenfuhrt ein gleiches sagen. Der Zufall konnte spielen. Wie würde er dastehen, wenn er der einen diesen, der anderen einen völlig anderen Grund mitteilte, und sie davon erführen?
Es gab, sagte sich Klamm, Zeiten, in denen den Himmel für den einzelnen voll klaffender Spalten war.
So erging es jetzt ihm, und nur einen Ort gab es, wo er vielleicht Rat und Trost finden konnte, bei ihr, seiner weisen, voll inniger Liebe für ihn erfüllten Mutter. Ihr beschloß er sich anzuvertrauen. Ihr wollte er alles mitteilen, wollte hören, wie sie entschied, und danach zu handeln suchen.
Vorläufig bestand aber die nächste, ernste Tagesaufgabe darin, mitTheodor Knoop zu konferieren. Da zu diesem Zweck noch eine vorherigeRücksprache zwischen ihm und dem Chef verabredet worden war, beeiltesich Klamm, baldmöglichst von seiner in der Kurfürstenstraße belegenenWohnung nach den in der Zimmerstraße befindlichen KnoopschenGeschäftsräumen zu gelangen. —
Klamm fand Herrn Knoop allerdings nicht in der gewohnten, guten Laune, Feste lassen nur zu häufig einen schlechten Geschmack auf der Zunge zurück. So erging's dem Chef. Er sollte nun wieder für seinen Bruder Theodor, den unverbesserlichen Taugenichts, in die Tasche greifen. Auch beschäftigte seine Gedanken ein Brief, den er von seinem Sohne Arthur erhalten hatte. Der wollte durchaus jetzt schon nach Berlin zurück. Er mochte im Auslande nicht mehr bleiben. Und wenn er wiederkehrte, wie würde sich das Verhältnis zu Klamm stellen? Das ging Herrn Knoop nicht minder durch den Kopf.
Von all dem gelangte, während der Unterredung mit Klamm, etwas zumAusdruck.
Natürlich! Gehandelt mußte deshalb doch werden! Das gegebene Wort mußte eingelöst werden. Die Reise nach Chile kostete, das hatte Herr Knoop schon nachgesehen, etwa 1000 Mark. Dieser Summe wollte er noch 1500 hinzufügen.
Am nächsten Tage sollte Klamm mit Theodor nach Hamburg reisen. — DasDampfschiff ging von dort abends ab.
„Wenn Sie, verehrter Herr von Klamm, den Eindruck gewinnen, daß mein Bruder die Reise nur vorgiebt, daß es lediglich darauf abgesehen ist, mir wieder Geld abzunehmen,“ erörterte Knoop, „so lösen Sie kein Bildet, sondern händigen ihm die Hälfte, nämlich 1250 Mark unter der Bedingung aus, daß er vorher das hier von mir schon heute morgen ausgefertigte Schriftstück unterschreibt.
„Dann bringe ich eben dieses Opfer noch ein- und zum letztenmal.
„Und nun noch zu etwas anderem, bester Herr von Klamm! Es muß das einmal zwischen uns erörtert werden,“ fuhr Herr Knoop ernst geschäftig fort, und seine Mienen und seine dann folgenden Worte versetzten Klamm in eine starke Unruhe:
„Als Sie mir damals näher traten, erklärten Sie, daß Sie — ich habe Sie nicht danach gefragt, Herr von Klamm — verlobt seien.
„Es wird nun von allen Seiten darüber gesprochen, daß Sie Ihr Fräulein Braut mit einem sehr auffallenden Geheimnis umgeben, nie von ihr reden, sie nicht zeigen. Einige behaupten, Sie wollten die Verbindung wieder lösen, Sie hätten sie sogar schon wieder gelöst.
„Es ist mir sehr peinlich, uns allen, daß wir immer wieder auf diese Angelegenheit angeredet werden. Ich möchte Sie daher freundschaftlich bitten, mir Ihr Vertrauen zu schenken, mir offen und ehrlich zu erklären, wie die Dinge stehen.
„Ich hoffe, Sie erkennen darin keine unbescheidene Zudringlichkeit, sondern nur den wohl begreiflichen Wunsch, Klarheit zu gewinnen.
„Also ich bitte: Sprechen Sie, und seien Sie versichert, daß ich Ihre Erklärungen so entgegennehmen werde, wie es unseren Beziehungen entspricht!“
Was ging nicht alles durch Klamms Inneres bei dieser Rede! —
So völlig unerwartet kam ihm diese Aufforderung. Während er noch vor einer Stunde hatte die Dinge nach seinen Gedanken lenken wollen, wurde er nun plötzlich durch die Umstände zu einer Entscheidung gedrängt. Es galt jetzt: Wahrheit oder fernere Verschleierung, volle oder halbe Wahrheit!
Klamm entschied sich ohne Besinnen für die Wahrheit, jedoch für diese mit einer Einschränkung.
Zufolgedessen sagte er:
„Wohlan, Herr Knoop! Da Sie mich fragen, da Sie mich Ihrer Freundschaft versichern, mit anderen Worten, Ihrer Nachsicht und Ihrer ferneren guten Gesinnungen, so sei es bekannt:
„Ich bin gar nicht verlobt!“
Nur das sprach Klamm vorläufig, und richtete einen ruhigen Blick auf seinen Chef.
Zu Klamms sehr starker Enttäuschung erschien aber nicht der erwartete Ausdruck in den Zügen des Herrn Knoop, sondern es malte sich darin eine ganz gewaltige Befremdung. Ja, noch mehr! Es erschien ein Zug von äußerstem Unbehagen und einer beinahe mit Entrüstung vermochten Strenge.
„Wie? Was? Sie waren und sind gar nicht verlobt? Und dabei geben Sie uns seit dreiviertel Jahren fortwährend Antwort auf unsere Fragen, befördern Grüße und gar Einladungsbriefe an Ihre Braut? Ich muß gestehen, Herr von Klamm, daß diese Erklärung mich äußerst befremdet, und ich werde mich nicht eher beruhigen können, als bis Sie mir nähere, mich hoffentlich befriedigende Aufklärung gen zu geben vermögen. —
„Was in aller Welt gab Ihnen Anlaß, mir ohne Not das vorzusprechen, und die Unwahrheit bis zum heutigen Tage fortzusetzen?“
„Ich vermag Ihnen den Grund nicht zu sagen, Herr Knoop. Ich kann Ihnen nur erklären, daß ganz bestimmte Verhältnisse mich dazu drängten, Umstände, deren Zwang Sie, könnte ich reden, anerkennen würden. Möge Ihnen das genügen, und seien Sie, ich bitte, statt Richter, wie Sie es versprachen: mein nachsichtiger Freund!
„Es wäre ja ein Leichtes für mich gewesen, Ihre Frage so zu beantworten, daß mich gar kein Vorwurf getroffen hätte. Ich hätte Ihnen ja nur sagen können, daß ich die Verlobung wieder aufgehoben habe. Ich hasse aber die Lüge, und sie ohne Not noch einmal anzuwenden, wäre eine verwerfliche Handlung gewesen!“
„Hm — hm — Das klingt sehr ehrenfest, Herr von Klamm! Aber es befriedigt mich, offen gestanden, nicht. Ich muß sogar in Anbetracht des Verhältnisses, in dem wir zu einander stehen, die Bedingung für ein ferneres Zusammenbleiben stellen, daß Sie sich mir rückhaltlos eröffnen. Es geht nicht anders. Es ist absolut erforderlich!
„Bedenken Sie, daß ich vor Ihnen gewarnt wurde. Versetzen Sie sich in meine Lage und fragen Sie sich, ob ich anders handeln kann.
„Und wenn doch — ist jetzt einmal mein Vertrauen erschüttert worden — und es liegt Ihnen die Aufgabe ob, es wieder herzustellen.“ —
„Ist die Sache wirklich so tragisch zu nehmen, Herr Knoop?
„Was liegt vor? Ich habe erwähnt, daß ich verlobt sei! — Ich hatte einen Grund dafür! Ich habe dann nie wieder darüber gesprochen, bin aber, obschon ich auswich, obschon ich immer deutlich an den Tag legte, daß ich der Fragen gern entgehen möge, unzählige Male von Ihrer Umgebung darauf angeredet worden. Ja, aus Ihrem Hause ist die Sache auch in die Oeffentlichkeit gebracht. Ich habe mit niemandem als mit Ihnen das einzige Mal gesprochen. Nun erkläre ich auf Ihre Frage, daß ich nicht verlobt bin, daß ich seinerzeit einen wichtigen Grund hatte, mich als gebunden auszugeben.
„Gewiß, damit wird die Unwahrheit nicht beseitigt, aber es ist wohl anzunehmen, daß ich wirklich unter einem Zwange handelte. An diesen, bitte ich Sie, nun zu glauben.
„Aber Sie wollen nicht! Sie erklären, mich sogar fallen lassen zu müssen, wenn ich nicht mein Geheimnis preisgebe. Aber noch mehr, Herr Knoop! Sie führen sogar jenen ruchlosen Brief an! Obschon Sie mich nun fast ein Jahr geprüft haben, wollen Sie nicht nach Ihren Erfahrungen in einem für mich günstigen, sondern ungünstigen Sinne entscheiden!“
„Ich kann nicht anders, Herr von Klamm, soviel Sie auch zu Ihrer Entlastung anführen. Ich muß darauf begehen, daß Sie meine Frage beantworten:
„Aus welchem Grunde erklärten Sie mir unaufgefordert, daß Sie verlobt seien, während dies eine bewußte Unwahrheit war?“
„Ich vermag dennoch Ihrem Ersuchen nicht nachzukommen, Herr Knoop. Ich darf Sie nochmals bitten, sich mit meiner Erklärung zu begnügen und Nachsicht zu üben!
„Wenn aber nicht — so muß ich mich, so unendlich schmerzlich es mir ist — Ihrem Willen fügen und das wieder verlassen, was ich mit auszubauen redlich bestrebt war, von dem ich gehofft hatte, — daß ich dadurch einen neuen dauernden Lebensinhalt finden werde.
„Ich darf und will mich auch nicht beklagen. Ich beging ein Unrecht und muß dafür büßen! Wann wünschen Sie, daß ich aus dem Geschäft austrete!?“
„Ich werde Ihnen darüber noch Mitteilung zukommen lassen, Herr vonKlamm! Zunächst richte ich die Frage an Sie, ob Sie auch jetzt noch dieAngelegenheit mit meinem Bruder zu übernehmen, die Güte haben wollen?“
„Jawohl! Ich bin dazu bereit, Herr Knoop!“
„Ich danke Ihnen! Weiteres dann nachher bei seinem Besuch! Guten Morgen,Herr von Klamm.“
„Guten Morgen, Herr Knoop!“
Als Klamm in sein Kontor getreten, war es sein erstes, ein Briefchen anMargarete Knoop zu schreiben.
Es war sehr kurz gefaßt und lautete:
„Hochverehrtes Fräulein!
Verzeihen Sie, wenn ich Sie bitte, von einer Unterredung in meinenAngelegenheiten abzugehen. Zufolge einer zwischen Ihrem Herrn Vaterund mir eben stattgehabten Auseinandersetzung würde eine solche nurPeinlichkeiten für uns beide mit sich führen.
Nehmen Sie im voraus meinen verbindlichsten Dank für die guteGesinnung entgegen, die ich trotzdem ferner von Ihnen und Ihrer FrauMutter zu erbitten wage.
Ihr sehr ergebener
Alfred, Freiherr von Klamm.“
Klamm geriet noch einmal ins Zögern, bevor er diesen Brief von Adolf hinübertragen ließ. Wer ihm das diesen Morgen gesagt hätte! Und doch ging es nicht anders, und doch war es nun das Richtige, reine Bahn zu schaffen. Es waren einmal die Dinge aus dem Gleis geraten. Wo das Vertrauen verloren gegangen war, so sagte sich Klamm, da gab's keine Nadeln und keinen Zwirn zum wiederzusammenheften. Höchstens konnte die Zeit, die alles klärte, auch darin einstmals eine Aenderung wieder herbeiführen.
Und einen Gewinn trug er davon, wenn er Knoops verließ: er konnte sich unter weit günstigeren Umständen Ileisa nähern, sie, wie er nach den gestrigen Vorgängen annehmen zu können glaubte, für sich gewinnen. —
Grade ihre Art und ihr Wesen hatten ihn noch mehr bestrickt, hatten dieFunken, die in ihm glühten, angefacht. Einmal wieder den Geschäftenabgewendet, war das frühere, lebendige Interesse für Frauen undFrauenschönheit wieder in ihm wach geworden.
Oft enttäuscht, fand er — wie er hoffte — in ihr endlich das Ideal seiner Vorstellungen. Er konnte es nicht erwarten, in ihre Nähe zu gelangen. — Auch an Fräulein von Wiedenfuhrt richtete er — infolge der veränderten Sachlage — noch an diesem Morgen einen Brief:
„Erlauben Sie, mein hochverehrtes Fräulein!“ — schrieb er — „daß ich einmal später um die Erlaubnis bitte, Ihnen in der zwischen uns beredeten Angelegenheit nähere Aufklärungen zu geben. Es hat sich unerwartet etwas zwischen mein Wollen und Können gestellt. Nur so viel heute von Ihrem Ihnen aufrichtig ergebenen
Alfred, Freiherrn von Klamm.“
Eben hatte die Rücksprache mit Theodor Knoop stattgefunden. Es war die Abrede getroffen, daß die Herren am nächsten Morgen nach Hamburg reisen sollten. Im legten Augenblick hatte sich Herr Knoop bereit gefunden, seinem Bruder außer den Ueberfahrtskosten die Summe von zweitausend Mark, also einen größeren Betrag, als er ursprünglich beabsichtigt, zu bewilligen. Er war dem geschmeidigen Wesen Theodors, seinen Versicherungen und Schwüren, daß er nie wieder etwas von sich hören lassen, daß er nie aus Chile zurückkehren werde, erlegen.
Bevor sie sich zum Fortgehen anschickten, ersuchte aber Klamm noch HerrnKnoop um eine Unterredung.
Zu diesem Zweck traten sie in Klamms Arbeitszimmer, und hier begann letzterer:
„Ich muß Ihnen eine Eröffnung machen, Herr Knoop. Ich muß Sie dennoch bitten, daß Sie mich von meiner Zusage entbinden, mit Ihrem Herrn Bruder nach Hamburg zu reisen, überhaupt mit ihm in Berührung zu treten.
„Es hat sich mir nämlich als unzweifelhaft ergeben, daß Ihr Herr Bruder zu einer Gruppe von Personen gehört, die vor Jahren meine Mutter durch falsche Vorspiegelungen um ihr ganzes Vermögen gebracht haben. Wir haben den Gaunern, die sich falsche Namen beigelegt hatten, bisher nicht auf die Spur kommen können. Nun ist einer entdeckt.
„Meine Mutter hat ihn mir so oft beschrieben, daß ich schon gestern gleich stutzig wurde, als ich ihn sah. Eine Unterredung, die ich heute morgen mit ihr hatte, und der eben stattgehabte abermalige Vergleich erhärten die Gewißheit seiner Identität.
„Wenn ich Ihnen nicht den Eklat ersparen möchte, würde ich sogleich seine Verhaftung veranlagen. Ich sehe davon ab, aber Sie werden begreifen, daß ich mit ihm nicht in Berührung treten will! Es thut mir außerordentlich leid, aber ich kann nicht anders handeln!“
„Hm — hm,“ stieß Herr Knoop enttäuscht und höchst unangenehm berührt, heraus. „Das ist ja sehr fatal!
„Sollten Sie sich aber nicht doch irren! Sollte wirklich mein Bruder Sie geschädigt haben? Sie stehen doch bisher nur unter einer Vermutung. Und ich bitte, noch etwas sagen zu dürfen: Sie erklärten mir doch bei unserer ersten Konferenz damals, daß Ihre Frau Mutter vermögend sei. Wie habe ich es zu verstehen, daß nun mein Bruder sie um ihr ganzes Vermögen gebracht haben soll?“
Klamm fühlte sich stark betroffen. Das war abermals eine Folge seiner damaligen Äußerungen.
Was sollte er darauf entgegnen? Da ihm aber zum Besinnen keine Zeit gegeben war, sagte er rasch und ohne äußere Verlegenheit:
„Sie scheinen zu glauben, daß ich nur nach einem Vorwande suche, mich meiner Zusage zu entziehen, Herr Knoop. Ich versichere Sie, daß ich mich in der Person Ihres Herrn Bruders nicht irre. Schon fiel es mir gestern abend auf, wie er gleich bei der Nennung meines Namens zusammenzuckte. Was ferner den Widerspruch zwischen meinen damaligen und heutigen Erklärungen anbetrifft, so hängen sie mit jenem Umstande zusammen, über den ich nicht sprechen kann, und um dessen willen Sie wünschen, daß ich Ihr Geschäft wieder verlasse. Ich vermag mich auch jetzt nicht zu erklären.“
„Mir aber werden Sie es nachfühlen, Herr von Klamm, daß mich alle dieseDinge äußerst stutzig machen müssen.
„Wenn auch alles günstig für Sie liegt, ich habe — ich wiederhole es — das Vertrauen verloren, und da Sie abermals verweigern, Erklärungen zu geben, so meine ich allerdings, daß eine Trennung zwischen uns nicht mehr zu umgehen ist.“
„Und was soll mit Ihrem Herrn Bruder geschehen?“ wandte Klamm, nachdem er eine resignierende Miene angenommen hatte, ein.
„Ja — ja — das weiß ich nicht,“ ging's zaudernd aus des Mannes Munde. „Ich — ich kann's Ihnen ja nicht verdenken, wenn Sie wirklich einen Schuldigen zur Rechenschaft ziehen wollen! Ich befinde mich in einer sehr bösen Lage. Immerhin ist's doch mein Bruder; immerhin handelt es sich doch um die Ehre und das Ansehen meines Hauses. — Seine völlige Entfernung aus Deutschland wäre also die glücklichste Lösung.“ —
Klamm bewegte den Kopf mit einem bitteren Ausdruck. Dann sagte er:
„Nun, da es sich um Ihre Angelegenheit handelt, Herr Knoop, wünschenSie, daß Nachsicht geübt wird. Es liegt ein Gaunerstreich vor, dereiner Familie das Vermögen kostete, der mich gezwungen hat, aus meinenLebensbahnen herauszutreten, ja, ich kann es sagen, der ein indirekterGrund ist, daß ich Ihnen etwas Unzutreffendes sagte, — daß ich an einMädchen gebunden sei!
„Aber diese Sache wollen Sie im Sande verlaufen lassen? Mich wollen Sie um eines ungünstigen Scheines willen — wollen mich trotz Ihrer anderweitigen Erfahrungen — abthun!“
„Sie haben doch selbst das Anerbieten gemacht, Herr von Klamm! Sie haben erklärt, Sie wollten um meinetwillen den Eklat vermeiden.“
„Gewiß, ich wurde von meiner anständigen Gesinnung geleitet. Nachdem Sie mich aber interpellierten, wie es geschehen ist, entzogen Sie mir eine gleiche Rücksicht. Die Dinge dieser Welt müssen, sollen sie einen Ausgleich finden, auf Gegenseitigkeit beruhen.“
„Sie haben recht und unrecht, Herr von Klamm! Aber jedenfalls hat — ich wiederhole Gesagtes — das gute Einvernehmen zwischen uns durch die Umstände einen Bruch erlitten.
„Ich schlage Ihnen vor: Trennen wir uns in Frieden! Verschärfen wir den Riß nicht durch eine Fortsetzung solcher Gespräche. Ich mache Ihnen den Vorschlag, daß Sie noch einige Zeit bleiben, um alles abzuwickeln, und daß wir dann von einander scheiden. Es trifft sich, daß mein Sohn aus dem Ausland zurückkehren will! So kann er an Ihre Stelle treten!“
„Ah —“ ging's langgedehnt über die Lippen Klamms, und er wollte hinzufügen: „Nun ist mir alles verständlich!“
Aber er sprach nicht mehr. Nur noch eine Verneigung erfolgte, aus der hervorging, daß er sich mit Herrn Knoops Vorschlägen einverstanden erklärte. —
Er erfuhr auch nicht, in welcher Weise sich Herr Knoop mit seinem Bruder auseinandergesetzt hatte. Er sah nur nach einer geraumen Weile Theodor Knoop aus dem Hause treten und die Straße hinabschreiten.
* * * * *
Klamm und Ileisa, die sich an einer von ihnen schriftlich vereinbartenStelle in der Bellevuestraße getroffen hatten, wanderten durch denTiergarten und nahmen die Richtung nach Charlottenburg.
Anfänglich stockte das Gespräch. Ileisa legte eine starke Befangenheit, aber auch eine auffallende Unpersönlichkeit in ihrem Wesen an den Tag. Sie sah sich wiederholt scheu um, ob man sie auch beobachte, und betonte zu Klamms Enttäuschung, daß sie nur ihr Wort nicht habe brechen wollen, daß sie sich eigentlich anders entschlossen habe. Von jener versteckten Hingabe, mit der sie ihm an jenem Abend das Herz heiß gemacht und in ihm so berechtigte Hoffnungen erweckt hatte, trat nichts zu Tage. Sie war offenbar durch die letzten Geschehnisse völlig beeinflußt. Sie nickte nur mit ernst stummer Miene, als sie Klamm fragte, ob sie schon wisse, daß er das Knoopsche Geschäft verlassen werde, und löste ihre Zunge erst auf seine eindringlich zuredenden Worte.
Sie erklärte, daß sich Herr Knoop sehr scharf geäußert, daß er alles ausführlich erörtert und auch die vollständige Beipflichtung der Damen gefunden hätte.
Er habe gesagt, daß die Unwahrheiten, die Klamm gesprochen, deshalb so unentschuldbar seien, weil zu deren Aeußerung keine Nötigung vorgelegen habe. Es sei sicher doch etwas mit seiner Vergangenheit nicht in Ordnung. Der anonyme Briefschreiber habe ein Recht gehabt, vor ihm zu warnen. Sein ganzer Lebensgang sei sehr abenteuerlich gewesen, und nicht mit vollendeter Verstellungskunst freimütig hervorgebrachte Worte, sondern Thatsachen wären in solchen Fällen entscheidend. Theodor Knoop habe Klamms Beschuldigungen mit Entrüstung zurückgewiesen. Aber noch mehr! Er habe geäußert: nicht er habe Klamm zu fürchten, sondern Klamm ihn! Er meine in ihm einen früheren bekannten, übel beleumdeten Gelegenheitsmacher entdeckt zu haben, der schon wiederholt wegen sehr bedenklicher Affären von sich reden gemacht habe.
Und nach diesen Mitteilungen geschah auch das, wovor Klamm schon gefürchtet hatte, vor dem er zitterte:
Als er einen versteckteren Weg mit Ileisa beschritt und nun an das letzte Gespräch auf dem Knoopschen Ball anknüpfte, als er weich und eindringlich auf sie einsprach, lösten sich schwere, langsam niedertropfende Thränen aus ihren Augen, die zwar auch ihm, aber ebensosehr ihrer Enttäuschung zu gelten schienen.
Und als sie sich endlich zu fassen wußte, als sie auf sein Zureden dieSprache wieder gewann, erklärte sie, daß sich in ihr trotz schwersterKämpfe ein Mißtrauen gegen ihn eingeschlichen habe, und daß sie es auchnicht abzustreichen vermöge.
Klamm trafen diese Worte gradezu niederschmetternd. Die Welt um ihn verdüsterte sich. Er sah sich als ein Opfer der Verhältnisse niedergeworfen.
Es wirkte auch nicht, daß er nun Ileisa ein Geständnis über die Hergänge ablegte.
Immer wieder las er in ihrem Angesicht: „Darf ich dir trauen? Bist du nicht trotz deiner Worte doch der, als welchen dich der Briefschreiber und Theodor geschildert haben?“
Namentlich schien auch Margarete auf sie gewirkt zu haben. Sie nahm an, daß er sich nicht zu verteidigen vermöge, und sie sah, daß er für sie für immer verloren war.
Klamm empfing sonst aber auch heute die günstigen Eindrücke, die er während der wiederholten Begegnungen im Knoopschen Hause von Ileisa erhalten hatte.
„Wir lebten,“ berichtete sie auf seine Bitte, ihm von ihrer Jugend und Vergangenheit näheres zu erzählen, „in sehr reichlichen Verhältnissen auf einem meinem Vater gehörigen Gute in Schlesien. Bei einem gelegentlichen, längeren Aufenthalt in Berlin, machte er die Bekanntschaft einer adeligen Abenteuerin, die ihn dermaßen zu umstricken wußte, daß er sich in der Folge oft wochenlang dort aufhielt, und ihr auch, nachdem meine Mutter inzwischen vor Gram über sein Verhalten gestorben war, zuletzt fast sein ganzes Vermögen verschrieb. Nach seinem, in meinem dreizehnten Lebensjahre erfolgten Tode strengte meine, seit meinen Kinderjahren bei uns lebende, nunmehr Mutterstelle bei mir vertretende Tante einen Prozeß gegen die Erbschleicherin an, der aber nur den Ausgang hatte, daß der uns verbliebene Kapitalrest noch mehr geschmälert wurde.
„Dazu traten erhebliche Verluste, die durch Kursrückgänge an Papieren entstanden, sodaß meine Tante nur so viel übrig behielt, um mir eine Erziehung geben und selbst unter den allerbescheidensten Ansprüchen existieren zu können. Meine, durch solche Vorgänge beeinträchtigte Jugend hat mich früh ernst gemacht. Während meines späteren Aufenthaltes in einem Mädchen-Seminar kannte ich nur Arbeit, Einschränkungen und Pflichterfüllung. Vergnügen, Abwechslungen gab es nicht. Aus dem einst frohen, lebenslustigen Kinde wurde ein schwermütig bedrücktes Wesen, das früh zu resignieren lernte, das sein ursprünglich starkes Temperament zu zügeln gezwungen wurde.
„Ich habe zufolge solcher frühen Erlebnisse einen wahren Abscheu vor allem Unsittlichen, vor allem Abweichenden und Extravaganten erhalten. Ich habe erkannt, daß nur die Hingabe an die idealen Dinge dieser Welt einen Menschen glücklich machen kann, daß nur weises Maß und Beschränkungsfähigkeit die Möglichkeit eröffnen, den Konflikten mit dem eigenen Ich und der Außenwelt erfolgreich zu begegnen.
„Meine Tante ist mir darin ein Vorbild. Wenn Sie einen Einblick in diese gute, gerechte, selbstlose Natur empfingen, würden Sie sagen, daß es doch noch Ausnahmemenschen giebt. Ihr will ich nachstreben; um ihr meinen Dank an den Tag zu legen für alles, was sie für mich voll Aufopferung gethan hat. Ich will alles vermeiden, was mich aus den ruhigen Geleisen heraus in ein unstätes, mit Reue und Kämpfen verbundenes Leben hineintreibt. Und sehen Sie! Das mag meine Haltung und meine Entschlüsse auch Ihnen gegenüber rechtfertigen!“
Während sie noch so sprach, waren sie an die Ecke des Salzufers gelangt, und grade wurde der nach dem Brandenburger Thor fahrende Pferdebahnwagen sichtbar. Infolgedessen beschleunigte Ileisa ihren Schritt, äußerte durch Miene und sonstiges Benehmen, daß sie die Gelegenheit zur Rückkehr benutzen wolle und bot Klamm unter hastigen Worten die Hand.
„Verzeihen Sie, wenn ich mich von Ihnen verabschiede. Ich muß zurück; schon ist's über die Zeit. Haben Sie Dank für Ihr Vertrauen; ich werde es Ihnen nicht vergessen! Und möge es Ihnen gut gehen: ich wünsche es von ganzem Herzen! Adieu — Adieu!“
Zu einer Einrede, zu einer neuen Abrede, zu einer Bitte vermochte Klamm überhaupt nicht mehr zu gelangen. Sie that ihn ab für immer. Und so rasch entglitt sie ihm unter einem nochmaligen fast unpersönlichen Kopfneigen, daß er gar nicht zu der Ueberlegung gelangte, daß er den Wagen ebenfalls besteigen und dadurch noch in ihrer Nähe bleiben konnte.
Langsam, mit zerstreuten Gedanken, nahm er den Weg in der Richtung desBrandenburger Thors zurück.
* * * * *
Herr Knoop war in keineswegs guter Stimmung. Wenn er ehrlich mit sich zu Rate ging, mußte er einräumen, daß er Herrn von Klamm trotz alledem nicht hätte gehen lassen, wenn nicht das unerwartet frühe Zurückkehren seines Sohnes auf seine Entschließung mitgewirkt, ja, daß dieser Umstand den Ausschlag gegeben habe.
Auch wurden ihm seine Aussichten, den Kommerzienrattitel zu erhalten, sehr geschmälert. Er hatte mit Klamm darüber gesprochen und dieser hatte ihm — mit solchen Dingen vertraut — seine Beihilfe zugesagt.
Er kannte Peinlichkeiten, mit denen er, ohne Gefahr mißverstanden oder abgewiesen zu werden, sprechen, und bei denen er die Sache bereden und Interesse dafür erwecken konnte.
Endlich aber hatten die Vorfälle auch sehr störend auf die Pläne eingewirkt, die ihn in den Angelegenheiten seines Bruders geleitet hatten. Da ihm niemand zur Verfügung gewesen war, der Theodor begleiten konnte, war die Unterredung vorläufig ergebnislos verlaufen.
Er hatte ihm einstweilen auf seine Bitten einige hundert Mark gegeben und ihm erklärt, er solle wegen des weiteren noch von ihm beschieden werden. So war die Ausführung in der Schwebe geblieben, und Theodor so bald wie möglich zu beseitigen, war doch mehr als je erforderlich.
Im Geschäft befand sich niemand, mit dem Herr Knoop jemals über seinen Bruder gesprochen hatte. Er war in allen privaten Angelegenheiten sehr verschwiegen. Er neigte gegen Theodor immer wieder zur Nachsicht, weil der Familiensinn sehr stark in ihm ausgeprägt war. Theodor Knoop besaß zudem eine ungewöhnliche Verstellungskunst. Er wußte durch das freimütige Eingeständnis seiner Fehler zu versöhnen, und war sich der Wirkung bewußt.
Im übrigen war noch allerlei, was der Erledigung harrte, und daß Klamm seinen Verstand und sein Nachdenken zu gebrauchen und seinen Vorteil zu nutzen wußte, trat zur Erhärtung der nun einmal eingerissenen Entfremdung noch vor dessen Fortgange zu Tage. —
Er ließ sich durch Adolf am folgenden Vormittag bei Herrn Knoop melden und begann nach gegenseitiger künstlich unbefangener Begrüßung:
„Ich erachte es als zweckmäßig für beide Teile, daß unsere Trennung sobald wie möglich stattfindet, Herr Knoop. Bevor sie jedoch nach unsern übereinstimmenden Wünschen in freundschaftlicher Weise erfolgt, möchte ich Ihnen etwas vortragen, das Sie sicher als berechtigt anerkennen werden.“
„Zuerst darf ich wohl voraussetzen, daß Sie Ihrer Kundschaft und Bekanntschaft meinen Austritt mit einem Zeugnis zur Kenntnis bringen, wie es gerecht ist. Ich habe Ihrem Geschäft die erwarteten Vorteile zugeführt, ich war von morgens bis abends in Ihrem Interesse thätig.
„Ich darf das Verlangen stellen, daß die Motive, die Sie zur Kündigung leiteten, unbedingt zwischen uns bleiben. Wenn Sie sie auch als berechtigte erachten und ich, weil der Schein gegen mich spricht, ihren Entschluß vergehe, so versteckt sich doch thatsächlich hinter ihnen nichts, was den geringsten Tadel gegen mich erwecken könnte. Sie mögen bedenken, daß es so ist, wenn ich Sie auch nicht zu überzeugen vermochte.
„Und ferner: Ich darf von Ihrer bisherigen Kulanz erwarten, daß Sie mir mein volles Gehalt auszahlen!“
„Ich weiß nicht, ob ich mir in einem Viertel- oder Halbjahr schon wieder einen Erwerb werde verschaffen können.“
„Dann noch etwas, Herr Knoop:
„Ich werde Ihnen vielleicht, ja sicher, Konkurrenz machen. Ich spreche das gleich offen aus, damit Sie mich nicht später einer unkorrekten Handlungsweise zeihen!“
Und Knoop erwiderte:
„Gegen Ihren sofortigen Austritt habe ich nichts einzuwenden, Herr von Klamm. Auch bin ich bereit, Ihnen ein ganzes Vierteljahrhonorar und die Hälfte einer weiteren Quartalrate bei meiner Kasse anzuweisen. Mehr bedaure ich nicht bewilligen zu können. Es hätte in Ihrer Hand gelegen, in meinem Geschäft zu bleiben, wenn Sie meiner Bitte um offene Darlegungen Ihrer Handlungsweise entsprochen haben würden. Da Sie es verweigerten, waren Sie — nicht ich — schuld an unserer Trennung. Ueber die inneren Vorgänge, die Ihren Austritt veranlaßten, werde ich nicht sprechen. Das gewünschte Zeugnis werde ich Ihnen ausstellen.“
„Konkurrenz muß sich jeder gefallen lassen. Ich hätte lieber gesehen, Sie hätten auf solche Pläne verzichtet — natürlich — ich bedaure sogar, daß ich Sie nicht in dem Vertrage zwischen uns, dazu verpflichtet habe — aber ich vermag nichts einzuwenden.“
Die Gegenrede war sehr kühl gehalten. Sichtlich kostete es Knoop Mühe, auch nur so zu sprechen.
Und so blieb und wurde dann auch alles.
Schon am folgenden Vormittag machte Klamm den Damen seinenAbschiedsbesuch, und die Damen ließen sich verleugnen.
Den Redaktionsmitgliedern, die ihm, wie er wußte, meist feindselig gesinnt waren, sandte Klamm nur seine Karte. Von denen im Geschäft, die ihm wohlwollten, die seinen Fortgang bedauerten, verabschiedete er sich persönlich.
Als er am vierten Tage nach der erwähnten Unterredung bei Herrn Knoop nach vorangegangenem Klopfen und „Herein“ eintrat, fand er Theodor Knoop dort, und die Blicke der beiden Männer trafen sich, ohne daß sie einen Gruß wechselten, mit einem Ausdruck von Feindseligkeit.
Klamm ging bei dieser letzten Verabschiedung mit dem Gefühl von dannen, daß er fortan nicht nur in dem Bruder Theodor, den er bisher noch geschont hatte, einen unerbittlichen Gegner haben werde, sondern, daß er sich auch das Wohlwollen des Herrn Knoop vollständig verscherzt habe.
* * * * *
Den ersten Schritt, den Klamm nach seiner Entfernung aus dem KnoopschenGeschäft unternahm, richtete er ins Polizeipräsidium. Er hatte sichvorher erkundigt, an wen er sich wenden mußte, und fand auch bei demAbteilungschef eine sehr höfliche Aufnahme und ein bereitwilliges Ohr.
Nach eingehender Darlegung der Umstände empfing er die Zusage, daß ihm vorläufig für die nächsten acht Tage ein Geheimpolizist zur Verfügung gestellt werden sollte, der gegen Personen, welche sich bei Klamms Ausgängen durch Verfolgung seiner Schritte verdächtig machen sollten, vorzugehen haben würde.
Aber Klamm traf auch Maßnahmen, um sich über Theodor KnoopsPersönlichkeit eine Gewißheit zu verschaffen.
Da er bei der ersten Konferenz erfahren hatte, daß jener in einem Hotel in der Jägerstraße wohne, fuhr er mit seiner Mutter am nächsten Morgen dorthin, ließ die Droschke in angemessener Entfernung halten und zog bei dem Portier Erkundigung ein, wann Herr Knoop auszugehen pflege.
Er empfing die Antwort, daß ein Herr Knoop dort überhaupt nicht wohne, aber allerdings ein Herr, der zu der von Klamm gemachten Betreibung passe, und sich Ulmer nenne.
Er sei noch auf seinem Zimmer; er wäre während der Zeit, in der er imHotel wohne, meist morgens zwischen neun und zehn fortgegangen.
Nach diesen Auskünften begab sich Klamm zu seiner Mutter zurück, um ihr zunächst das Ergebnis dieser Unterredung mitzuteilen.
Ulmer hatte sich Knoop damals nicht genannt. Also in dieser Beziehung gewährte die angestellte Ermittlung keinen Anhalt. Frau von Klamm betätigte wiederholt, daß Knoop bei den damaligen Verkaufsverhandlungen als Agent aufgetreten sei, daß er die Sache in die Wege geleitet, die ungeheuren Vorteile gerühmt und den Wert der statt Geld zu zahlenden Papiere in den Himmel gehoben habe.
Später waren zwei andere Herren, die sich Malch und Wendt genannt, in Aktion getreten. Der große Preis hatte die arglose Dame verführt, sehr rasch ohne mit ihrem damals im Ausland befindlichen Sohne in Verbindung zu treten, abzuschließen. Sie hatte ihn durch den glücklichen Erfolg überraschen wollen, ein Erfolg, der sich allerdings als ein äußerst trauriger Irrtum insofern herausgestellt hatte, als sich die Industriepapiere, die sie neben der kleinen Auszahlungssumme von den Käufern in barem Gelde empfangen, als völlig unverkäuflich, also wertlos herausgestellt hatten.
Reue, Scham und Schmerz hatten sie nach der Entdeckung abgehalten, ihrem Alfred — nunmehr aus diesen andern Gründen, — Mitteilung zu machen, bis er dann aus dem Ausland zurückgekehrt und nichts mehr zu verschleiern gewesen war. Das Gut war seit dem damaligen Verkauf schon wieder dreimal in andere Hände übergegangen. Die als Käufer um jene Zeit genannten Personen waren, da sie sich falscher Namen bedient, nicht mehr zu ermitteln gewesen, und nur ihr Aussehen hatte Frau von Klamm ihrem Sohne immer wieder beschreiben, nur die Namen ihm mitteilen können.
Der Verdacht, der in Klamm aufgestiegen war, hatte sich zur Gewißheit verstärkt, weil Theodor, wie erwähnt, ein äußerst unsicheres Wesen bei der Nennung des Namens Klamm an den Tag gelegt hatte. —
Das Ergebnis dieser an diesem Morgen angestellten Untersuchung verlief völlig nach Voraussetzung. Es gelang Klamm und seiner Mutter, Theodor Knoop, als er aus dem Hotel trat, genügend in Augenschein zu nehmen, und Frau von Klamm vermochte mit unbedingter Sicherheit festzustellen, daß er mit jenem Agenten identisch sei.
Nun konnte Klamm Friedrich Knoops Anstandsgefühl anrufen, wenigstens einen Teil der Veruntreuungen, die sein Bruder an seiner Mutter und an ihm verübt, zurückzuerstatten.
Bei näherer Ueberlegung hatte er sich gesagt, daß es ein übertriebenes Zartgefühl sei, nicht wenigstens den Versuch zu machen, das Ehrgefühl des Bruders anzusprechen.
Im übrigen war Klamms Sinn schwer verdüstert. Ileisas Verhalten hatte — abgesehen von der ungeheuren Enttäuschung — einen gewaltigen Aufruhr in ihm hervorgerufen. Immer wieder hefteten sich die Folgen der Verleumdung an seine Fersen!
Der Austritt aus dem Knoopschen Geschäft würde ihm — wie anderweitigeErfahrung in solchen Fällen lehrte, — überall zu seinen Ungunstenausgelegt werden, und endlich stand er wiederum vor einer leerenLuftschicht und sollte sich aus dem Nichts Neues herausholen.
Das Selbstvertrauen, das er seiner Mutter und Knoop gegenüber an den Tag gelegt, war in Wirklichkeit stark beeinträchtigt, und erst allmählich entwickelte sich aus dem Unmut, dem Schmerz, der Verbitterung und Enttäuschung, der Entschluß, seinerseits jeden Gedanken an das spröde Mädchen völlig von sich abzuthun und in Zukunft nur seinen Zielen und Erfolgen zu leben!
Zunächst nahm er sich vor, gleich am nächsten Tage nach Dresden zu reisen, bei der Frau, die er einst geliebt, einen Eingang zu ermöglichen und sie auszuforschen. Es hatte sich seiner ein solches Gefühl trotziger Auflehnung bemächtigt, daß er die Ermittlungen der Berliner Polizei nicht abwarten wollte. Vielleicht vermochte er die Maßnahmen der Behörde zu unterstützen, vielleicht ohne sie zum Ziele zu gelangen. Jedenfalls wollte er aus dem bisherigen Zustande des Abwartens heraus! — — —
* * * * *
Am Tage der Ankunft Klamms in Dresden saß in einer reizvoll zurückgelegenen Villa in der Neustadt vormittags eine Dame der vornehmen Gesellschaft in ihrem Kabinett.
In einen seidenen Morgenrock gehüllt, umgeben von Pariser Möbeln und kostbaren Kunstgegenständen, lehnte sie sich in einen weichgepolsterten, mit Damast bezogenen Stuhl zurück, putzte an den Nägeln ihrer weißen, zierlichen Hände und horchte auf den Bericht eines vor ihr gehenden Mannes.
Er war nach Art jener die herrschenden Moden beobachtenden Persönlichkeiten gekleidet, die zwar ein Auge dafür besitzen, was den Leuten der bevorzugten Gesellschaftsklassen gefällt, die aber bei der Wahl der Stoffe und des Schnittes wegen ihres eigenen Mangels an gutem Geschmack für sich selbst allezeit fehlgreifen. Auch besaß er die grobe Gesichtsfarbe und jenen gewissen unsicheren Ausdruck in den Zügen, der dem gewöhnlichen Mann schon Mißtrauen einflößt, die Erfahrenen aber abhält, sich mit ihnen, sofern sie sie nicht für ihre Zwecke durchaus brauchen, überhaupt einzulassen.
„Ich bin hergekommen, um mir fernere Verhaltungsmaßregeln zu erbitten, meine Allergnädigste!“ hub er an. „Es war das von Ihnen befohlen, sobald in Herrn von Klamms Lebenslage eine Aenderung eintreten würde.
„Ich habe zu melden, daß er das Knoopsche Geschäft schon wieder verlassen hat.
„Auch ist allerlei Auffallendes in diesen Tagen geschehen. Er hat mit seiner Mutter zusammen einen Fremden, der in einem Hotel in der Jägerstraße wohnt, versteckt beobachtet. Dieser Fremde ist, wie ich weiß, weil ich ihn persönlich kenne, der Bruder seines bisherigen Chefs. Was aber die gnädige Frau besonders interessieren wird, ist die Nachricht, daß er offenbar mit der Gesellschafterin im Knoopschen Hause ein Verhältnis angeknüpft hat.
„Ich bin ihm gefolgt, während er mit ihr ein Rendezvous im Tiergarten hatte, und schließe aus diesem Umstand wohl nicht mit Unrecht, daß seine Entlassung damit im Zusammenhange steht.“
„Ah — ah! Das sind ja interessante Neuigkeiten, Herr Numick. — Ich muß Näheres, Ausführlicheres hören,“ fiel Frau von Krätz mit lebhaftem Ausblick ein, nötigte ihren Agenten nunmehr zum Sitzen und ließ sich von ihm erzählen. Und er gab zum Besten, was Wirklichkeit war und was er, um den Wert seiner Dienste zu erhöhen und sich dadurch einen größeren Anspruch auf Belohnung zu sichern, ohne Skrupel aus seiner Phantasie hinzufügte.
„Was Sie ferner thun sollen?“ bemerkte dann am Schluß seines Berichtes die Dame.
„Sie sollen mir melden, was Herr von Klamm Neues beginnt oder einleitet, welchen Verkehr er fürder pflegt, besonders aber, ob sich Ihr Verdacht bestätigt, daß er mit dem Fräulein eine ernstliche Beziehung angeknüpft hat.“
Der Ehrenmann verbeugte sich ehrerbietigst. Dann sagte er:
„Und sollen die Briefe wieder abgesandt werden, in denen vor ihm gewarnt wird? Sollen sie denselben Inhalt haben?“
„Nein,“ entgegnete die Dame in einem raschen Ton und ließ einen versöhnlichen Ausdruck in ihren Zügen erscheinen.
„Das will ich überhaupt nicht mehr fortsetzen! Ich bedaure eigentlich sogar, daß es geschehen ist. — Ich bin Ihnen da gefolgt, aber es ist im Grunde nicht mein Geschmack, es ist auch trotz der vorsichtig gehaltenen Fassung sicherlich bei einer Entdeckung keineswegs ohne Gefahr.
„Daß ich diesem Manne eine Strafe für seine Treulosigkeit gegen mich gewünscht habe, ist menschlich, — begreiflich. Er hat mehr als unrecht gegen mich gehandelt. Aber enfin — Was hat mein Vorgehen genützt? Er hat doch seine Zwecke erreicht. Er ist eben einer, dem niemand widersteht. — Nein, nein, das nicht, das will ich unter keinen Umständen fortsetzen! Ich will nur ferner wissen, was er thut und treibt. Hören Sie, Herr Numick?“
Nachdem sie ihn für seine Dienste belohnt, ihm noch etwas hinzugefügt, auf dessen Anwartschaft er in ausführlicher Rede hingewiesen hatte, verließ sie ihn. —
* * * * *
Am Abend eines der nächstfolgenden Tage gab Frau von Krätz ein Fest, einen Maskenball. Alles, was Dresden an bevorzugten Persönlichkeiten besaß, alles, was zur Gesellschaft gehörte, war geladen. Seit einer halben Stunde wogte schon eine buntgekleidete Menschenmenge in den weitläufigen, strahlend erleuchteten Räumen der Villa auf und ab, schwatzte, lachte und trieb jenen lustigen Schabernack, der zu der ausgelassenen Fröhlichkeit einer Karnevalsstimmung gehört. Wundervolle und auch sehr eigenartige, das Auge fesselnde Kostüme waren von den Gästen gewählt.
Da fehlte von bekannten Masken weder ein Pierrot, noch eine Colombine, weder der Tanzbär, noch der Briefträger, weder das Baby, noch die Königin der Nacht.
Aber man sah auch eine besponnene Eau de Cologne-Flasche, die fortwährend ihren duftenden Inhalt spendete, und einen indischen Fürsten, dessen Seidengewand mit Edelsteinen bedeckt war, aus denen fortwährend elektrische Funken sprühten.
Ein Gast trug ein Gewand, das ein Gesicht darstellte, dessen Züge einen unerbittlich kalten Ausdruck besaßen. Auf seinem Rücken war ein Schild befestigt, auf dem geschrieben stand: „Ich bin die öffentliche Meinung.“ Auch erregte eine schlanke Dame Aufsehen, die in weiße Seide gekleidet war und nur ein einziges, großes dunkles Auge, statt deren zwei, und zwar mitten auf der Stirn hatte.
Sie erklärte, daß sie der letzte Nachkomme des Riesen Polyphem sei, mit dem einst Ulysses ein Tänzchen habe bestehen müssen.
Und so fort. Immer war etwas Neues zu sehen. Die Geladenen hatten es anAnstrengungen ihrer Phantasie und an kräftigen Griffen in ihreGeldbörsen nicht fehlen lassen.
Die Wirtin, Frau von Krätz, hatte beim Empfang der Gäste keine Maske vorgesteckt, es hing ihr jedoch eine, sichtbar und erkennbar, am Gürtel. Nicht aber mit dieser bedeckte sie — zur besseren Täuschung der sie Ansprechenden — später ihr Angesicht, sondern mit einer anderen, zarten. Auch das Gewand hatte sie rasch in ihrem Ankleidegemach abgestreift und war in ein für diesen Abend nach ihren Ideen angefertigtes Kostüm geschlüpft.