Fourier war allerdings ein viel zu mathematisch denkender und logisch schließender Kopf, um sich durch eine Phrase, die er bei Andern klar durchschaute, beirren zu lassen, und so folgert er: es giebt keine wie immer zusammengesetzte Freiheit ohne das Minimum; kein Minimum ohne die industrielle Anziehung(attraction); keine industrielle Anziehung in der zerstückelten(morcelé)Arbeit, womit er sagen will, in der auf Privatwirthschaft beruhenden Arbeit. Die industrielle Anziehung kann nur aus den Serien der Triebe geboren werden; also:
Das Minimum, gestützt auf die industrielle Anziehung, ist der einzige Weg zur Freiheit, einen andern giebt es nicht. Aber um in diesen Weg einzutreten, muß man die Zivilisation verlassen, muß man ihre Produktions- und Distributionsform aufheben; und da es hierzu, nach ihm, zwölf Wege giebt, muß man den günstigsten wählen, um zur Assoziation zu gelangen.
Es handelt sich also darum, den neuen Zustand dergestalt zu organisiren, daß folgende sieben Funktionen voll angewendet und ausgeübt werden können: häusliche Arbeiten, ländliche Arbeiten, industrielle Arbeiten, Austausch, Unterricht, Wissenschaften, schöne Künste. Es muß vorhanden sein: Anziehung für alle Beschäftigungen, proportionale Vertheilung des Erzeugten, Gleichgewicht der Bevölkerung, Oekonomie in den Hülfsmitteln.
Die Anziehung an die Arbeiten kann nur vorhanden sein, wenn jede Arbeit angenehmundlukrativ ist. Die Vertheilung findet statt nach den drei industriellen Fähigkeiten: Arbeit, Kapital, Talent. Die Bevölkerungszahl einer Phalanx darf 1800–2000 Personen nicht überschreiten, weil in dieser Zahl, nach Fourier's Berechnung, die verschiedenen Triebe und Charaktereigenschaften voll und zweckmäßig vertheilt enthalten sind und eine größere oder kleinere Zahl die Ausgleichung stören würde. Die Oekonomie der Hülfsmittel ergiebt sich aus dem möglichst zweckmäßigen Zusammenwirken aller mit einander Operirenden, die alle gleichmäßig an der Ersparniß von Materialien, Zeit und Kraft interessirt sind. So wird man in einer Phalanx von 400 Familien nicht 400 Küchenfeuer, 400 Einzelwirthschaften erhalten, sondern man wird nur 4 oder 5 große Küchenfeuer anlegen und die Bewohner in 4 oder 5 Klassen, nach dem Stande ihres Vermögens, eintheilen und sie in einem gemeinsamen Palast wohnen lassen. Der sozietäre Zustand läßt keine Gleichheit zu. Ebenso werden bei dem Ackerbau wie bei der Industrie die Vortheile in positiver Beziehung — Erhöhung der Produkte durch zweckmäßigste Kombinirung und Anwendung der Kräfte und Hülfsmittel — und in negativer Beziehung — Ersparnisse an Kraft, Zeit, Materialien — sehr bedeutende sein. Es entsteht wieder rationelle Waldzucht, Quellenschonung, Klimaverbesserung. Ueber alle diese Vortheile, welche die assoziirte Thätigkeit erzeugen müsse, äußert sich Fourier wie folgt:
„Eine Phalanx, die sich z. B. mit Wein- oder Oelbau befaßt, wird nur einen einzigen Werkraum für die Fertigstellung nöthig haben, statt der vielen, die jetzt in einer Gemeinde von 15–1800 Seelen nöthig sind; statt 300 Bottiche wird sie nur ein Dutzend bedürfen. Man wird ferner für die Reben- und Oelbaumanlagen die Ueberwachung, die Einfriedigungen und Ummauerungen ersparen. Man wird die Lese nicht auf einmal vornehmen, wie dies jetzt der kleine Privatbesitzer, um Kosten und Zeit zu ersparen, thun muß, sondern in dem Maße, wie die Trauben reifen, und damit große Verluste an Quantität oder Qualität verhüten. Statt der 1000 Fässer, welche heute 300 Familien benöthigen, werden 30 große Tonnen genügen. Man wird neun Zehntel der Kosten für die Lagerräume, neunzehn Zwanzigstel für das Faßwerk ersparen. Die richtige Behandlung des Weins ist dem kleinen Besitzer unmöglich, weder kann er ihm die nöthige Lagerung gewähren in trockenen gut gelüfteten nach Norden gelegenen Lagerräumen, noch hat er die Einrichtungen und Vorrichtungen für die tägliche Kühlung der Keller und Fässer. Auch fehlt der Ueberzahl der Besitzer die Möglichkeit, die Weine durch verschiedene Füllungen zu verbessern, leichte mit schweren Qualitäten zu schneiden, oder sich fremde wärmere Weine zu verschaffen. Ferner wird heute der Wein, unmittelbar nach der Ernte, von vielen Eigenthümern zum billigsten Preis verkauft, weil sie ihn verkaufen müssen, sei es, daß sie Geld nöthig haben, der Gläubiger schon wartet, oder daß es ihnen an geeigneten Aufbewahrungsräumen fehlt, und sie der Mittel oder des Verständnisses zur Pflege entbehren. In der Phalanx wird der Wein in Folge guter Aufbewahrung und Pflege schon nach einem Jahre das Fünffache des Preises werth sein und mit dem Alter entsprechend im Preise steigen. Die Phalanx verkauft ihn, wie ihr Interesse gebietet. Und so noch viele andere Vortheile, die aus der Gemeinwirthschaft entspringen, stets Kosten ersparen und die Produkte verbessern. Man wird bessern Saamen, bessere Pflanzen anschaffen, im Ankauf nie betrogen werden; man wird für die verschiedenen Pflanzungen die besten und geeignetsten Bodenarten aussuchen können, Maschinen, Gebäude, Ställe, Lagerräume werden die zweckmäßigsten sein, die verfügbaren Kräfte werden jede Arbeit im richtigen Moment ermöglichen.“
„Eine der glänzendsten Seiten der sozietären Arbeit wird die Einführung der Wahrheit in Handel und Wandel werden. Indem die Assoziation die kooperative, solidarische, sehr vereinfachte, auf Wahrhaftigkeit und Garantie beruhende Konkurrenz an die Stelle der individuellen, unsoliden, lügnerischen, verschlungenen und willkürlichen Konkurrenz der Zivilisation setzt, wird sie nur ein Zwanzigstel der Arme und der Kapitalien benöthigen. Man wird also den heutigen Handel als parasitisch unterdrücken, denn parasitisch ist Alles, was unterdrückt werden kann, ohne daß der Zweck geschädigt wird. Man wird in der Phalanx statt hunderter konkurrirender und gegen einander intriguirender Kaufleute und Krämer mit ihren Verkaufshallen und Läden nur ein großes Waarenlager und verhältnißmäßig sehr wenig Personen brauchen, da alle Käufe und Verkäufe nach außen die Phalanxen unter sich abschließen.“
„In der Zivilisation ist der Mechanismus in jeder Art der ruinöseste und falscheste. So giebt es außer im Handel noch tausende und abertausende von parasitischen Existenzen, z. B. die in der Rechtspflege beschäftigten Personen, eine Institution, die nur auf den Fehlern der zivilisirten Ordnung beruht ... Andererseits fehlen die Mittel für das Nöthigste. So mangeln Frankreich heute einige hundert Millionen Franken für die Verbesserung der Wege und Straßen; im sozietären Zustand, wo Phalanx an Phalanx sich reiht, bestehen die ausgezeichneten Verbindungsmittel, für die jedes Phalanstère (das Phalanstère ist der ganze Bezirk [Kanton] inklusive der Gebäude. Der Kanton soll nach Fourier eine Quadratstunde Flächeninhalt haben) aufzukommen hat, ohne daß es der Staatssteuern dazu bedarf. Ebenso fällt die kostspielige Katastrirung der Grundstücke für den Staat fort. Eine Wahl, die heute unendlich viel Zeit und Geldopfer erfordert, eine Menge der widerlichsten Kabalen erzeugt, wird in der Phalanx dem Einzelnen kaum eine Minute Zeit kosten, eine Reise dazu hat er nicht nöthig zu machen.“ ...
„Unter die Unproduktiven gehören ferner die Soldaten, die Grenzwächter, die Steuerbeamten; auch sind ein großer Theil der Dienstboten und viele von den in der isolirten Wirthschaft beschäftigten Personen unter die Parasiten zu rechnen. Sobald Männer, Frauen, Kinder, letztere vom dritten Lebensjahre ab, aus Anziehung thätig sind, wenn Trieb, Geschicklichkeit, Wetteifer, der verbesserte Mechanismus der Arbeit, Einheitlichkeit der Handlungen, freier Verkehr, Verbesserungen des Klimas, höhere Kraft und Langlebigkeit der Menschen zusammenwirken, werden die Arbeitsmittel und Kräfte in's Unberechenbare sich steigern und wird das Produkt quantitativ und qualitativ sich dem entsprechend veredeln und vermehren.“
„Am meisten wird das Schicksal der Kinder in der sozietären Organisation sich verbessern. In der meist sehr übel und mangelhaft geleiteten Privatwirthschaft finden die Kinder in ihren Hütten, Hofwerkstellen, Scheuern weder die Hülfsmittel, noch die Belehrung, noch die Beurtheilung, noch den Antrieb, den sie nöthig haben, um sich gehörig zu entwickeln. Dabei sterben sie massenhaft in Folge ihrer ungesunden Wohn- und Lebensweise, oder sie siechen dahin. Im sozietären Zustand wird die Sterblichkeit sich außerordentlich vermindern, die Kinder werden an körperlicher und geistiger Gesundheit in heute ungeahnter Weise zunehmen. Drohende Uebervölkerung wird die sozietäre Organisation auszugleichen wissen.“
Die Zivilisation befindet sich allen diesen Fragen gegenüber in einem falschen Kreisschluß(cercle vicieux)und das erkennt man allmälig. Man ist erstaunt, zu finden, daßin der Zivilisation die Armuth selbst den Ueberfluß erzeugt.Unser Zustand bringt nicht das Glück, sondern das Nichtglück hervor; die Exzesse der Industrie führen zu den größten Uebeln, sie werfen uns von der Scylla in die Charybdis, und warum? Weil wir ohne Leitfaden in einem Labyrinthe wandeln. Das zeigt sich überall. Wählen wir als Beispiel die natürlichen Anlagen des Menschen und die Kunst, sie zum Aufbruch zu bringen. Ein Kärrner fährt Metall in eine Gießerei.14Bei dem Anblick ihrer Einrichtungen erfaßt ihn die Neigung, als Lehrling einzutreten. Er entdeckt bei sich einen Trieb, den bisher weder er, noch seine Eltern kannten; er tritt wirklich als Lehrling ein und macht so erstaunliche Fortschritte, daß er schon nach einem Jahre einen sehr geschickten Arbeiter ersetzte und pro Tag 22 Franken verdiente. Welche Anklage liegt in diesem einen Beispiel gegen unsere Arbeits- und Erziehungsmethoden, gegen unsere Theorie der Vervollkommnung und des Studiums des Menschen. Jedes Kind hat vom jugendlichsten Alter an Anlagen und Triebe verschiedenster Art, aber wie ermöglichen, daß wir sie kennen lernen? Dazu ist die Zivilisation unfähig. Uns mangelt der Kompaß, der Schlüssel, der uns dieses Zauberbuch über die Anziehungen und die industriellen und wissenschaftlichen Anlagen und Triebe entziffert. Das kann nur durch die Anwendung der Serien der Triebe geschehen; sie bilden den Schlüssel zu jedem Zweig des sozialen Mechanismus und hauptsächlich auch für die Erziehung. Das Problem, das es hier zu lösen gilt, ist, nicht nur eine, sondern selbst zwanzig Anlagen zum Aufbruch zu bringen bei einem Kinde, das kaum drei Jahre alt ist. Vom vierten Jahre ab soll es schon spielend in zwanzig verschiedenen Serien industrieller Thätigkeit geschickt sein und mehr gewinnen, als seine Nahrung und sein Unterhalt kosten; es übt abwechselnd alle physischen und intellektuellen Fähigkeiten, Alles mit Eifer ergreifend. Statt zwanzig Anlagen im Alter von vier Jahren finden wir bei dem Zivilisirten oft nicht eine im Alter von zwanzig Jahren, sie wurden unterdrückt, erstickt, weil die Eltern arm waren, oder die Triebe und Anlagen nicht anzuregen verstanden, oder die Gelegenheit fehlte. So steht es ähnlich selbst bei der wohlhabenden Klasse. Unter zwanzig jungen Leuten, die man auf die Universitäten und Hochschulen schickt, ist öfter kaum einer, der die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllt. Die Anlagen zum Aufbruch zu bringen, die Kunst, sie vom niedersten Lebensalter an zu entwickeln, das ist die Klippe, an der unsere Wissenschaften scheitern. Wir verstehen das nicht einmal in der Agrikultur, woher es kommt, daß diese selbst unserer Dorfjugend widerwärtig erscheint. Unsere wissenschaftliche, unsere industrielle Erziehung steht, wie Alles, außerhalb der Natur, außerhalb der Anziehung. Es ist klar, wir brauchen einen Wegweiser, eine neue Wissenschaft und diese ist die Lehre von den Serien der Triebe. Ohne sie werden die Nebel immer größer. Man behauptet, die Menschen seien heute nicht falscher als früher. Indeß vor einem halben Jahrhundert konnte man für wenig Geld noch Stoffe von guter Farbe und Qualität und natürliche, d. h. unverfälschte Nahrungsmittel kaufen; heute herrschen überall Verfälschung und Betrügerei. Der Landmann selbst ist ein Fälscher geworden, wie es der Kaufmann schon vor ihm war. Milch, Oel, Wein, Branntwein, Zucker, Mehl, Kaffee, Alles ist schamlos verfälscht. Die arme Menge kann sich keine natürlichen Lebensmittel mehr verschaffen, man verkauft ihr langsam wirkende Gifte; solche Fortschritte machte der Handelsgeist selbst bis in die entlegensten Dörfer. Seit fünfzig Jahren hat sich die Zahl der Handeltreibenden vervierfacht, ohne daß die Beschäftigung für sie sich entsprechend vermehrte, der Schwindel ist in demselben Maße gewachsen und ebenso die Aufsaugung der Kapitalien.“15„Zu allen Zeiten und an allen Orten wird die Anziehung der Triebe zu drei Zielen zu kommen suchen: Zum Luxus oder zur Befriedigung der fünf Sinne; zu Gruppenbildungen und Serien der Gruppen — Bande der Zuneigung —; zu dem Mechanismus der Triebe, der Charaktere und Instinkte; und durch sie alle drei zur universellen Einheitlichkeit.“
„Der Luxus umfaßt alle sinnlichen Vergnügungen. Indem sich die Triebe nach Befriedigung sehnen, wünschen wir uns implicite Gesundheit und Reichthum als Mittel der Befriedigung; wir wünschen uns inneren Luxus oder körperliche Kraft, Verfeinerung und Stärke der Sinne, und äußeren Luxus oder Reichthum. Man muß diese beiden Mittel besitzen, um den ersten Zweck der Anziehung der Triebe zu erreichen. Wir müssen also befriedigen: Geschmack, Gefühl, Gesicht, Gehör, Geruch. Für das zweite Ziel sucht die Anziehung Gruppen zu bilden und zwar in der Zahl von vier: Gruppe der Freundschaft, des Ehrgeizes, als höhere; der Liebe, der Elternschaft oder der Familie, als niedere Ziele. Alle Gruppen, die sich in voller Freiheit und nach Neigung bilden, beziehen sich auf eins dieser vier Ziele. Wird eine Gruppe zahlreich, so theilt sie sich in Untergruppen, indem sie eine Serie von Theilen bildet, abgestuft in Nuancen nach Neigungen und Geschmack. Alle Gruppen suchen eine Serie (Reihe) oder Stufenleiter zu bilden, verschieden in Gattung und Art. Die Serien der Gruppen sind also zweites Ziel der Anziehung, indem sie sich für alle Funktionen der Sinne und der Seele bilden. Das dritte Ziel ist der Mechanismus der Triebe oder der Serien von Gruppen. Es ist das Bestreben der fünf sinnlichen Triebe (1. Geschmack, 2. Gefühl, 3. Geruch, 4. Gesicht, 5. Gehör) mit den vier affektiven: 6. Freundschaft, 7. Ehrgeiz, 8. Liebe, 9. Elternschaft, in Uebereinstimmung zu bringen. Diese Uebereinstimmung vollzieht sich durch Vermittelung der drei wenig bekannten und viel verkannten Triebe. 10. der Kabalist, Trieb durch Intrigue nach Vereinigung der Gleichstrebenden; 11. der Papillon, Trieb nach Abwechslung, nach Kontrasten; 12. der Komposit, Trieb der Aneiferung, der Begeisterung, des Strebens nach Vervollkommnung.“
„Diese zwölf zusammenwirkenden Triebe stellen die Harmonie der Triebe her. Ein Jeder wünscht im Spiel seiner Triebe eine solche Ausgleichung sich zu verschaffen, daß der Aufschwung des einen Triebes den Aufschwung aller übrigen begünstigt. Z. B. Liebe, Ehrgeiz wollen ihr Ziel erreichen und nicht enttäuscht sein; die Gourmandis hat die Absicht, die Gesundheit zu verbessern, und nicht zu schädigen ... Gegenwärtig ist der Mensch im Kriege mit sich selbst. Seine Triebe gerathen aneinander. Der Ehrgeiz wirkt der Liebe, die Elternschaft der Freundschaft entgegen, und so befinden sich alle Triebe beständig in Disharmonie. Aus diesem Kampf der Triebe entstand die Wissenschaft der Moral, die verlangt, man solle die Triebe unterdrücken; aber unterdrücken heißt nicht organisiren, harmoniren. Unser Zweck ist, den freiwillig ineinander greifenden Mechanismus der Triebe zu schaffen,ohne einen zu unterdrücken. Dies geschieht, wenn jedes Individuum, indem es sein persönliches Interesse verfolgt, damit auch dem Allgemeininteresse beständig dient. Heute ist das Gegentheil der Fall. Die Zivilisation ist ein Krieg des Einen gegen Alle und Aller gegen Einen; eine Ordnung, wo Jeder sein Interesse dabei findet, alle Anderen zu täuschen, sie ist ein den Trieben fremder Diskord; aber das Ziel der Triebe muß sein, zur inneren und äußeren Harmonie zu kommen.“
„Die Kunst zu assoziiren, besteht darin, eine Phalanx von Serien der Triebe in voller Uebereinstimmung bilden und entwickeln zu können, die vollkommen frei nur durch Anziehung bewegt sein sollen und angewendet werden auf die sieben bereits erwähnten industriellen Funktionen. Hauswirthschaft, Ackerbau, Industrie, Handel und Verkehr, Unterricht, Wissenschaften, schöne Künste ... Eine Serie der Triebe ist eine Verbindung verschiedener in auf- und absteigender Stufenfolge verbundener Gruppen, die vereinigt sind durch Uebereinstimmung des Geschmacks für irgend eine Thätigkeit, wie den Anbau einer Frucht, und in welcher für jeden Zweig der Arbeit hierbei eine spezielle Gruppe sich bildet. Wenn die Serie Hyazinthen oder Kartoffeln baut, muß sie eben so viel Gruppen bilden, als Arten von Hyazinthen oder Kartoffeln kultivirt werden sollen. Jede Gruppe bildet sich aus Gliedern der Serie, die für eine bestimmte Art inkliniren. Es sind mindestens 45–50 Serien nothwendig, wenn einigermaßen die nöthige Abwechslung und Ausgleichung herbeigeführt werden soll. Die Serien benutzen die Verschiedenheiten der Charaktere, des Geschmacks, der Instinkte, der Vermögen, der Ansprüche, der Bildungsstufen. Jede Serie setzt sich aus kontrastirenden und abgestuften Ungleichheiten zusammen, sie erheischt ebensoviel Gegensätze oder Antipathien als Uebereinstimmungen oder Sympathien, wie ja auch in der Musik ein Akkord dadurch sich herstellt, daß man ebensoviel Noten ausfallen läßt, als man zusetzt. Die Kontraste der Töne erzeugen den Akkord. Eine Vereinigung von Serien der Triebe hat für die soziale Harmonie glänzende Eigenschaften, sie erzeugt Bewegung, Wahrheit, Gerechtigkeit, direkte und indirekte Uebereinstimmung, Einheitlichkeit. Die Zivilisation hat alle entgegengesetzten Eigenschaften: Entkräftung, Ungerechtigkeit, Betrug, Mißstimmung, Zweideutigkeit. Aber die Serie der Triebe würde nicht richtig funktioniren, wenn sie nicht drei Eigenschaften besäße. Die verschiedenen Gruppen müssen miteinander rivalisiren oder gegeneinander in Bewegung gerathen; das ist nur möglich, wenn die Gruppen nicht grundverschiedene Leistungen vollziehen, sondern nur gradweise verschiedene, also z. B. nicht verschiedene Arten von Obst, sondern verschiedene Sorten einer Art bauen. Ferner müssen die einzelnen Sitzungen kurz sein, sie dürfen sich nicht über zwei Stunden ausdehnen, weil sonst die Ermüdung eintritt. Soll eine Arbeit anziehend sein, so muß sie kurzzeitig sein und man muß dann zu einer andern kontrastirenden Thätigkeit übergehen können. Endlich muß Jedes in der Gruppe eine bestimmte Arbeit haben, die es im Wetteifer mit den Uebrigen am besten zu machen sucht. So kommen die Kabalist, die Papillon, die Komposit in Anwendung. Eine Gruppe genügt, wenn sie sieben Mitglieder zählt; sie ist vollkommen, wenn sie neun hat; sie theilt sich dann unwillkürlich wieder in Untergruppen, in die beiden Flügel und das Zentrum. Vierundzwanzig Gruppen ist die niedrigste Anzahl für eine Serie.“
„Die Zivilisirten treffen überall instinktiv das Falsche, sie ziehen immer das Falsche dem Wahren vor und so ist auch der Angelpunkt ihres Systems eine falsche Gruppe, die sie auf die kleinste Zahl, auf zwei beschränkten. Diese Gruppe ist das Ehepaar. Diese Gruppe ist falsch durch die Beschränkung der Zahl, falsch durch das Fehlen der Freiheit, falsch durch das Auseinandergehen und die Spaltungen des Geschmacks. Diese Differenzen machen sich schon nach den ersten Tagen fühlbar; man differirt bezüglich der Gerichte, der ehelichen Besuche, der Ausgaben, der Unterhaltung, und wegen hundert anderer Dinge. Nun, wenn die Zivilisirten nicht einmal die ursprünglichste ihrer Gruppen harmonisiren können, dann können sie dies noch weniger mit dem Ganzen.Der Mensch ist aus Instinkt Feind des Zwanges und der Gleichheit, er strebt in jeder Beziehung beständig nach Veränderung.“
Da nach Fourier also der Mensch in jeder Beziehung Feind der Gleichheit ist, weshalb auch die Vermögensunterschiede bestehen bleiben müssen, giebt es in der Phalanx eine hierarchische Ordnung, die freilich, bei Lichte besehen, sehr harmlos ist, und sich auch nur zum Besten des Ganzen bethätigen kann. Freund militärischer Einrichtungen, die ihm durch ihre strenge Ordnung und ihre regelmäßige Funktionirung imponiren — er soll mit großer Vorliebe bis an sein Lebensende den militärischen Uebungen und Paraden beigewohnt haben —, giebt er seiner phalansteren Hierarchie einen militärisch-monarchischen Anstrich, obgleich ihr Grundtypus ein rein demokratischer ist. Die Leiter der Serien und Gruppen werden Offiziere genannt und haben militärische Grade. Es sind Hauptleute, Lieutenants, Fahnenjunker; es giebt ganze Stäbe in der Phalanx und werden alle Würden ohne Rücksicht auf das Geschlecht erworben. Sind in einer Gruppe oder Serie hauptsächlich Frauen, so werden die Offiziersstellen hauptsächlich Frauen bekleiden. Dasselbe gilt von den Kindern, Knaben wie Mädchen. Die Mitglieder der Serien und Gruppen wählen zu ihren Leitern Diejenigen, die sich innerhalb ihres Kreises am meisten auszeichnen und dadurch die Sympathien der Uebrigen erwerben. Fourier ist ferner der Ansicht, daß die Menschen, mit sehr wenig Ausnahmen, an äußeren Auszeichnungen, an schönen Farbenzusammenstellungen in ihrer Kleidung, an Uniformen, glänzenden Schaustellungen und Festen, opulenten Einrichtungen, prächtigen Denkmälern und Bauten ihre Freude haben. Nach all diesen Richtungen soll die Phalanx das Höchste bieten.
Zur Leitung werden zweierlei Arten von Offizieren gewählt; die Einen, welche die eigentliche geschäftliche Leitung haben, und die Andern, welche den sogenannten äußeren Dienst versehen, die für den Glanz und das würdige Auftreten der Gruppen und Serien bei Festen, Aufzügen, Schaustellungen und für die Ausschmückung sorgen. Auch in letzterer Beziehung wird ein lebhafter Wetteifer zwischen den einzelnen Serien und Gruppen entstehen. Man wird für die zuletzt erwähnten Funktionen hauptsächlich solche Personen zu Offizieren erwählen, die größeren Reichthum besitzen. Denn da in der Phalanx das Kapital fünf- und sechsfach höhere Zinsen erlangt, als in der Zivilisation, ohne daß Arbeit und Talent dabei zu kurz kommen, und die reichen Leute in der Phalanx sehr bedeutend billiger und doch viel besser leben, als in unserer gegenwärtigen sozialen Ordnung, werden sie eine Ehre darein setzen, ihren eigentlich sonst gar nicht unterzubringenden Ueberfluß zum Besten des Ganzen anzuwenden. Sie werden also öfter für ihre Serien- und Gruppengenossen besonders opulente Mahlzeiten veranstalten, die ihnen gar nicht so außergewöhnlich theuer kommen, weil sie nur das Plus des Preises über die regelmäßige Mahlzeit, deren Kosten Jedem Tag für Tag von der Phalanx angerechnet werden, zu bezahlen haben; ferner werden sie den Bau prächtiger Pavillons, die Aufstellung von Statuen, Altären und dergleichen in dem Theile des Kantons, in dem die Serie oder Gruppe, in welcher sie die hervorragende Rolle spielen, beschäftigt ist, auf ihre Kosten betreiben.
Alle Arten von Serien und Gruppen, gebildet in Uebereinstimmung mit den Trieben, deren Ordnung und Mechanismus der Zivilisation als ein undurchdringliches Geheimniß erscheint, sind nach Fourier das Ergebniß geometrischer Berechnungen auf Grund der Anziehungen und der Bestimmungen. Die Richtigkeit dieser von ihm unternommenen Berechnungen ist nach seiner Meinung unzweifelhaft. Er kennt das Geheimniß des ganzen Mechanismus der Gesellschaft und von einem guten Theil des Weltalls; Alles organisirt sich nach bestimmten mathematischen Zahlenverhältnissen, die zunächst nur ihm bekannt sind.
Wenn einmal Jemand sich im Besitz eines solchen Geheimnisses und solcher Kenntnisse wähnt, so ist natürlich, daß jede andere Theorie, die auf dasselbe Ziel hinaus läuft, ihm als eine Art Profanation seiner eigenen Ideen, als eine Art Sakrilegium erscheint, und daß er die fremden Theorien dementsprechend als Charlatanerie behandelt und verurtheilt. Da nun um dieselbe Zeit, als Fourier mit seinen Theorien vor die Oeffentlichkeit trat, Owen in England mit seinen Assoziationsversuchen ebenfalls hervortrat und großes Aufsehen erregte, später auch schriftstellerisch und persönlich agitatorisch für dieselben wirkte, konnten diese Bestrebungen Fourier nicht unbekannt bleiben. Er griff Owen heftig an, als einen Mann, der vom Mechanismus der Assoziation nichts verstehe, nur Sophismen verbreite und mit seinem Kommunismus und Atheismus das größte Unheil anstifte. In ähnlicher Weise wandte er sich später auch gegen die Saint Simonisten, die er mit ihrer neuen Religionsgründung lächerlich machte. Unbegreiflich war ihm nur, daß Beide, Owen und Saint Simon, mehr Beachtung und Anhang fanden, als er.
Fourier fährt nun weiter fort:
„Das Bedürfniß nach periodischer Verschiedenheit, kontrastirenden Situationen, Szenenveränderungen, nach pikanten Zufällen, nach Neuigkeiten, welche die Illusion erregen, ist dem Menschen eingeboren. Dieser Trieb ist die Papillon. Das Bedürfniß nach Abwechslung macht sich bei dem Menschen von Stunde zu Stunde, lebhaft von zwei zu zwei Stunden bemerkbar. Wird es nicht befriedigt, so verfällt er der Lauheit und Langeweile. Auf der Befriedigung dieses Triebes nach Veränderung beruht das Glück der Pariser Sybariten. Es ist die Kunst, „gut und rasch zu leben“. Verschiedenheit und Verkettung der Vergnügungen, Raschheit der Bewegung ist nothwendig.“
Indem nun im sozietären Zustand alle Beschäftigung in kurzen Sitzungen von etwa einundeinhalbstündiger Dauer sich vollzieht, kann Jeder im Laufe des Tages acht bis zehn ihn anziehende und seine Triebe befriedigende verschiedene Thätigkeiten ausüben, die durch die Art ihrer Ausübung ihm nur Vergnügen bereiten. Den nächsten Tag besucht er Gruppen und Serien, die von denen des vorhergehenden Tages in ihrer Zusammensetzung wie in ihrer Thätigkeit verschieden sind. So eilt der Mensch, entsprechend seinen Trieben, selbst indem er nützlich thätig ist, von Vergnügen zu Vergnügen,ohne in Exzesse zu verfallen,denen der Zivilisirte nicht entgeht. Denn dieser widmet einer Arbeit sechs Stunden und mehr, einem Fest sechs Stunden, einem Ball die ganze Nacht auf Kosten seines Schlafes und seiner Gesundheit. Dann sind auch die Vergnügungen der Zivilisirten immer unproduktiv, während im sozietären Zustand die Arbeiten selbst zu Vergnügen und also produktiv werden. Sehen wir zu, wie ein Unbemittelter und wie ein Reicher in der Phalanx ihren Tag verbringen. Wir nehmen den Monat Juni als Beispiel der Lebensweise für den Unbemittelten.
„Früh 3½ Uhr erheben und ankleiden; 4 Uhr Sitzung16in einer Gruppe für die Pflege der Thiere in den Stallungen; 5 Uhr Sitzung in einer Gruppe der Gärtner; 7 Uhr Frühstück; 7½ Uhr Sitzung der Mäher; 9½ Uhr Sitzung der Gemüsebauer, und zwar werden diese Gartenarbeiten bei größerer Wärme unter künstlich konstruirten transportablen Zelten vorgenommen; 11 Uhr zweite Sitzung in den Stallungen; um 1 Uhr Mittagstisch; 2 Uhr Waldarbeiten; 4 Uhr Beschäftigung in einer Manufaktur; 6 Uhr Bewässerung; 8 Uhr Börse; 8½ Uhr Abendessen; 9 Uhr Unterhaltungen; 10 Uhr Schlafengehen.
Die Börse der Phalanx beschäftigt sich nicht mit dem Handel von Papieren und dem Schacher der Lebensmittel, sondern es werden hier die Abmachungen für den nächsten Tag getroffen; es bilden sich neue Gruppen und Serien. Auch wird später, wenn die Phalanx in voller Wirksamkeit ist, die Zahl der Ruhepausen und Mahlzeiten sich auf fünf erhöhen und werden die Sitzungen kürzer. Der Reiche, dessen Tagesbeschäftigung wir nun folgen lassen, ist ein Gutsbesitzer, der probeweise in die Phalanx trat.
Früh 3½ Uhr erheben und ankleiden; 4 Uhr Zusammenkunft im Morgensaal, Unterhaltungen über die Nachterlebnisse; 4½ Uhr erste Erholung, gefolgt von der industriellen Parade — Kinder und Erwachsene, Männer und Frauen ziehen mit Fahnen und Emblemen unter Musik in ihren Gruppen und Serien auf das Feld —; 5½ Uhr Jagd; 7 Uhr Fischfang; 8 Uhr Frühstück; Zeitungen; 9 Uhr Gartenkultur unter Zelten; 10½ Uhr Fasanerie; 11½ Uhr Bibliothek; 1 Uhr Mittagessen; 2½ Uhr Gewächshäuser; 4 Uhr Pflege exotischer Pflanzen; 5 Uhr Pflege der Fischteiche; 6 Uhr Vesperbrot auf dem Felde; 6½ Uhr Schafzucht; 8 Uhr Börse; 8½ Uhr Abendessen; 9½ Uhr Schaustellungen; 10½ Uhr Schlafengehen.
Die kurze Schlafzeit — sechs Stunden — erklärt Fourier damit, daß die Harmonisten in Folge ihrer vernünftigen und angenehmen Lebensweise, die Niemand überanstrenge, weniger Schlaf brauchten, als die Zivilisirten, auch würden sie von Kindheit an an diese Lebensweise gewöhnt. Bei der minutiösen Ausarbeitung, die Fourier allen Einrichtungen seiner Phalanx zu Theil werden läßt, hat er sich auch ausführlich mit den baulichen Einrichtungen befaßt und die entsprechenden Pläne seinen Werken einverleibt. Die Phalanx ist eben ein Uhrwerk, das nach den Plänen seines Erfinders konstruirt werden muß, wenn es den beabsichtigten Zweck erreichen soll. Das Gebäude der Phalanx, das Phalanstère, besitzt ringsum Gallerien, die im Winter gleichmäßig durchwärmt, im Sommer von erfrischender Kühle sind. Der Länge nach laufen durch das mächtige Gebäude, in dem die 1800–2000 Angehörigen der Phalanx wohnen, Säulenhallen, die nach allen Theilen führen, nach den Sälen, den Wohnungen, der Börse. Verdeckte Gänge stellen bequeme Verbindungen nach den Ateliers, Werkstätten und Stallungen her. Man behaupte, meint F., durch die kurzen Sitzungen werde viel Zeit verbraucht, um von einem Ort zum andern zu kommen. Das sei indeß falsch, da das Gebäude mitten im Bezirk liege und von allen Seiten in 5–10, höchstens 15 Minuten zu erreichen sei. Auch kämen die Kosten des Baues nicht in Betracht, da die Arbeitsweise in der Phalanx gegen diejenige in der Zivilisation immense Vortheile biete, und der Eifer, mit dem Jedermann sich betheilige, herbeiführe, daß in einer Stunde geleistet werde, was in der Zivilisation kaum in drei Stunden geleistet werden könne. Man betrachte nur einmal unsere Arbeiter auf dem Felde, die, wenn ein Vogel vorüber fliege, sich hinstellten und ihm nachsähen, die Hände auf die Hacke gestützt. Das komme daher, weil unsere Arbeiten Ueberdruß erweckten und ermüdeten und jeden Reizes entbehrten.
„Die Beschäftigung in der Phalanx erzeugt das die Gesundheit fördernde körperliche Gleichgewicht. Die Gesundheit muß nothwendig geschädigt werden, wenn der Mensch sich zwölf Stunden einer gleichmäßigen Arbeit überlassen muß, die, welcher Art sie immer ist, die verschiedenen Glieder des Körpers und seinen Geist nicht genügend beschäftigt. Dies wird noch schlimmer, wenn dieselbe Arbeit Tag für Tag das ganze Jahr hindurch sich wiederholt. Daraus entstehen neben dem allgemeinen Widerwillen an der Arbeit die vielen Berufskrankheiten; so sind gewisse chemische Fabriken wahre Mördergruben, in denen eine Beschäftigung von zweistündigen Sitzungen, zwei- oder dreimal die Woche für den Einzelnen, ohne jeden Nachtheil ertragen wird. Die reiche Klasse verfällt wieder andern Krankheiten, der Gicht, der Apoplexie, dem Podagra, Krankheiten, die dem Landmann fremd sind. Die Fettleibigkeit, bei den Reichen so gewöhnlich, ist ein Zustand, der körperliches Gleichgewicht und Wohlbefinden gröblich stört. Fast alle Beschäftigungen und Vergnügungen der Reichen stehen mit der Natur im Widerspruch. Die sanitäre Bestimmung schreibt dem Menschen beständige Abwechslung in der Thätigkeit sowohl für den Körper als für den Geist vor, diese hält allein die Aktivität und das Gleichgewicht aufrecht.“
„Was vorzugsweise das körperliche Wohlbefinden fördert, wird auch das seelische fördern. Vereinigt in der Zivilisation das Interesse Freunde, so vereinigt es im sozietären Zustand sogar die Feinde, es söhnt die antipathischen Charaktere durch indirekte Kooperation aus, und zwar, weil in einer großen Reihe von Serien und Gruppen, in die jeder Einzelne nach der Verschiedenheit seiner Neigungen und Triebe nach und nach eintritt, er durch die Berührung findet, daß Diejenigen, die ihm auf dem einen Gebiet antipathisch waren, ihm auf anderen sympathisch sind. Auch wird das Nebeneinanderarbeiten nach demselben Ziel unwiderstehlich seine aussöhnende Wirkung üben.“
„Die seelischen Triebe verlangen so gut wie die sensuellen Abwechslung, um befriedigt zu werden; es sind also auch die Herzen der großen Mehrheit der beiden Geschlechter dem Bedürfniß nach Veränderung und Abwechslung unterworfen. Der Mann wie die Frau wünschte sich ein Serail, wenn Abhängigkeit, Sitte und Gesetz sich dem nicht widersetzten. Die ernsten Holländer, die in Amsterdam so hoch moralisch scheinen, haben in Batavia ihre Serails, gefüllt mit Frauen aller Hautfarben. Da haben wir das Geheimniß unserer Moral; sie wird zur Heuchlerin, wenn die Umstände es gebieten, und sie wirft die Maske ab, wenn sie dies ungestraft thun kann.“
„Pflanzen und Thiere haben das Bedürfniß nach Wechsel und Kreuzung. Mangels eines solchen Wechsels arten sie aus. Ebenso hat der Magen das Bedürfniß nach Wechsel; entsprechende Veränderung in den Speisen erleichtert die Verdauung und erhöht das Behagen und die Befriedigung; aber man gebe dem Magen dieselbe ausgesuchteste Speise täglich und er wird sie mit Widerwillen zurückweisen. Geist und Seele sind von dem Trieb nach Veränderung beherrscht; oft wirken zwei und drei Triebe gleichzeitig; so Liebe und Ehrgeiz.“
„Die Erde selbst hat ihre internirenden Zeiten, die der Besaamung, der Erzeugung. Der Boden bedarf alternirender Anwendung der Pflanzen; die ganze Natur verlangt nach Wechsel. In der ganzen Welt existiren nur die Moralisten und die Chinesen, welche die Einförmigkeit, die Uniformität verlangen; aber die Chinesen sind auch die falschesten, der Natur am meisten widerstrebenden Wesen.“
Fourier, der, wie wiederholt hervorgehoben wurde, Alles haßte, was mit dem Handel zu thun hatte, haßte die Chinesen besonders, weil sie, nach dem Vorurtheil seiner Zeit, die größten Diebe und Betrüger im Handel seien. Wir wissen heute, daß dies eine falsche Ansicht ist, obgleich die Vorurtheile gegen die Chinesen noch sehr stark in Europa sind. Ebenso wie die Chinesen waren Fourier als hauptsächlich handeltreibendes Volk die Juden verhaßt, die er unmittelbar den Chinesen in der Rangordnung folgen ließ. Er war sehr unglücklich, als man in Frankreich den Juden die vollen bürgerlichen Rechte einräumte, was ihn freilich nicht abhielt, wie wir sahen, Herrn von Rothschild unter die Kandidaten für seine Versuchsphalanx zu reihen und ihm ein Königreich Jerusalem in Aussicht zu stellen.
„Die Moral“, führt Fourier weiter aus, „welche die drei Triebe: Kabalist, Papillone, Komposit, am heftigsten kritisirt, ist selbst im stärksten Widerspruch mit der Natur. Diese drei Triebe spielen eine große Rolle im sozialen Mechanismus, wie die Natur es will; sie haben die Herrschaft, denn sie dirigiren die Serien der Triebe; jede Serie ist in ihrem Mechanismus gefälscht, wenn sie nicht den kombinirten Schwung dieser drei Triebe begünstigt; sie bilden die neutrale Gattung in der Tonleiter der zwölf Triebe.“
„Aktiver Gattung sind die vier Triebe der Seele: Freundschaft, Ehrgeiz, Liebe, Elternschaft; passiver Gattung die fünf sensuellen Triebe: Gehör, Geruch, Geschmack, Gesicht, Gefühl. Die neutrale Gattung — die mechanisirenden Triebe — macht sich besonders bemerklich bei den Kindern, denen die zwei affektiven Triebe — Geschlechtsliebe und Elternschaft — noch fehlen; sie überlassen sich den mechanisirenden Trieben in ihren Spielen am meisten, welche sie sehr selten über zwei Stunden ausüben, ohne zu wechseln.
Diese Disposition wird man für sie bei der Organisation ihrer Erziehung und Beschäftigung besonders in Anwendung bringen.“
„Die Anziehung kann dreierlei Art sein: direkt oder übereinstimmend; indirekt oder gemischt; verkehrt oder abweichend, d. h. gefälscht. Direkt ist sie, wenn sie aus Freude an dem Gegenstand selbst die Thätigkeit ausübt. So haben Archimedes in der Geometrie, Linné in der Botanik, Lavoisier in der Chemie nicht des Gewinnes wegen, sondern aus heißer Liebe zur Wissenschaft gearbeitet. So kann ein Fürst aus Liebe an dem Gegenstand Orangen- oder Nelkenzucht treiben, oder wie Ludwig XVI. die Schlosserei; kann eine Fürstin Zeisige oder Fasanen pflegen. Hier herrscht direkte Anziehung zur bestimmten Beschäftigung, und so werden in der sozietären Gesellschaft sieben Achtel der Arbeiten beschaffen sein.“
„Die indirekte Anziehung ist vorhanden, wenn Jemand eine Thätigkeit mehr des Gewinnes wegen, oder der Resultate seiner Arbeit als des Gegenstandes selbst wegen ausübt. Zum Beispiel ein Naturforscher, der widerliche Reptile oder Giftpflanzen unterhält. Er liebt weder das Eine, noch das Andere an sich, aber er überwindet seinen Widerwillen durch den Eifer, den die in Aussicht stehenden wissenschaftlichen Resultate in ihm erwecken. Solche indirekte Anziehung wird sozietäre Funktionen erregen, die einer besonderen Anziehung beraubt sind, aber größeren Gewinn oder größere Anerkennung finden. Dieser Art Arbeiten wird es ein Achtel geben.“
„Die verkehrte oder gefälschte Anziehung herrscht dort, wo die Arbeit den Trieben Verstimmung erzeugt. Das ist der Fall, wo der Arbeiter nur dem Zwang gehorcht, wo seine Arbeitskraft gekauft ist, wo moralische Erwägungen ihn treiben, aber weder Freudigkeit für, noch Geschmack an der Thätigkeit vorhanden ist. Diese Nichtattraktion kann in der Phalanx nicht existiren, sie herrscht aber in sieben Achteln der Arbeiten der Zivilisation vor. Diese Zivilisirten hassen ihre Thätigkeit, sie üben sie entweder aus Hunger oder Langeweile, sie erscheint ihnen eine Strafe, zu der sie trägen Schrittes, mit trübsinnigem, niedergedrücktem Aussehen gehen.“
„Der Gewinnanreiz, der bei den für Lohn oder Gehalt Arbeitenden nur eine divergirende Anziehung ausübt, kann in der Assoziation oft ein edles Hülfsmittel sein. Zum Beispiel es handele sich um eine Erfindung wie die, die Rauchverbrennung herbeizuführen. Hier handelt es sich um Gewinn und Ruhm. Wer das Mittel entdeckt, empfängt von der Phalanx fünf Franken, da aber eine Million Phalanxen auf dem Erdboden bei dieser Erfindung interessirt sind, so erhält er fünf Millionen Franken und empfängt außerdem als Erfinder das Diplom als einer der Magnaten des Erdballs, wodurch er auf der ganzen Erde die diesem Rang zugebilligten Ehrenbezeugungen empfängt.“
„Durch diese Form der Belohnung für allgemein nützlich oder angenehm erkannte Leistungen wird selbst in den kleinsten Dingen der Gewinn enorm sein. Wird für eine Ode oder Symphonie eine Belohnung von zwei Sous gewährt und erklären sich bei der Abstimmung 500.000 Phalanxen für dieselbe, so werden dem Dichter oder Komponisten 50.000 Franken ausgezahlt. Er empfängt zu diesem Zweck die entsprechende Anzeige von dem Weltkongreß, und wird diese Summe ihm in Konstantinopel, der Hauptstadt der Welt, ausgehändigt. So wird Jeder für außergewöhnliche Leistungen in demselben Verhältniß Belohnungen und Ehren empfangen, als diese Anerkennung finden. Denn nur diejenigen Phalanxen steuern, die sich zu Gunsten einer Leistung aussprachen, sie also für würdig erachteten und werthvoll fanden.“
„Die indirekte Anziehung wird man in der Zivilisation selten finden, sie kann nur durch einen mächtigen Anstoß angeregt werden. Ein Beispiel. Im Jahre 1810 gerieth bei Lüttich eine Kohlenmine in Brand und wurden achtzig Arbeiter, ohne Nahrungsmittel zu haben, darin eingeschlossen. Um sie zu befreien, mußte in wenig Tagen ein bedeutender Durchstich fertiggestellt werden. Alle Kameraden der Eingeschlossenen gingen mit Feuereifer an die Arbeit, Jeder setzte eine Ehre darein, das Höchste zu leisten, und nach vier Tagen war eine Arbeit vollbracht, zu der man sonst mindestens zwanzig gebraucht hätte. Es war nicht der Geldgewinn, der sie trieb, denn die Arbeiter wiesen jede Belohnung als eine Beleidigung zurück, es war der Drang, ihre Genossen um jeden Preis zu retten. So kann also die widerlichste unangenehmste Arbeit indirekt anziehend werden, wenn edle Impulse ihr zu Hülfe kommen.“
Fourier erläutert nun weiter die innere Organisation und Verwaltung der Phalanx. „In der Zivilisation kennt man keine andere Rangordnung, als die nach Stand und Vermögen; die sozietäre Ordnung dagegen wendet eine uns heute gänzlich unbekannte Klassifikation an, diejenige der Charaktere nach dem Lebensalter und nach Temperamenten. Die verschiedenen Alter vom dritten Lebensjahre an bis zum Greisenalter theilen sich in sechzehn Stämme(tribus)und, den beiden Geschlechtern entsprechend, in zweiunddreißig Chöre.“ Die Kinder vom frühesten Lebensalter — bis zu einem Jahre Säuglinge, bis zum zweiten Poupons und bis zum dritten Lutins genannt — zählen als unentwickelt noch nicht mit. Jeder der sechzehn Stämme hat seine besondere Bezeichnung. Stamm Nr. 1, 3–4½ Jahre zählend, umfaßt die Bambins; Nr. 2, 4½–6½ Jahre, die Cherubins; Nr. 3, 6½–9 Jahre, die Seraphins; Nr. 4, 9–12 Jahre, die Lyzeisten; Nr. 5, 12–15½ Jahre, die Gymnasiasten; Nr. 6, 15½–20 Jahre, die Jugendlichen. Die weiter folgenden Stämme sind nicht streng nach den Lebensaltern geregelt; die drei letzten, aus den höchsten Lebensaltern gebildet, heißen: die Ehrwürdigen, die Verehrten, die Patriarchen. Abgesehen von den sechs ersten Stämmen, für die eine besondere Organisation und ein besonderes Erziehungssystem besteht, wobei beim Aufsteigen von einem Stamm in den andern besondere Prüfungen verlangt werden, hat diese Stammeseintheilung kaum einen praktischen Zweck, wenigstens ist er nicht zu erkennen. Nur die ältesten Stämme haben gewisse Ehrenposten in der Phalanx inne, sie sind aber ohne wesentlichen Einfluß.
Die werthvollste Anwendung von dieser Stufenleiter wird bei den Kindern gemacht, sie soll die natürliche Erziehung erleichtern und den Korpsgeist erzeugen, mit Hülfe dessen sie mit Eifer zu den Studien und zu den Arbeiten hingezogen werden. Sobald die Kinder in das Reifealter übergetreten sind, besuchen sie wie die älteren Lebensalter täglich die Börse, wo alle Abmachungen für die Arbeiten und die Vergnügungen des nächsten Tages besprochen und geordnet werden.
Die oberste Leitung der Phalanx liegt in den Händen der Regentschaft. Diese wird aus den Mitgliedern des Areopags gewählt, der sich zusammensetzt: 1. aus den Chefs aller Serien; 2. aus den drei ältesten Stämmen: den Ehrwürdigen, Verehrten und Patriarchen; 3. aus den Aktionären und 4. aus den Magnaten und Magnatinnen der Phalanx. Der Areopag hat wenig zu thun, da sich Alles durch Anziehung und den Korpsgeist der Stämme, Chöre und Serien regelt; er giebt nur über wichtige Geschäfte, wie die beste Erntezeit, die Weinlese, Neubauten etc., seine Meinung kund, doch ist diese Meinung nicht verpflichtend. „Weder sind der Areopag noch die Regentschaft mit lächerlichen Verantwortlichkeiten belastet, wie z. B. ein Finanzminister in der Zivilisation.“ Das Rechnungswesen ist Sache einer besonderen Serie, welche die Bücher führt, die jedes Mitglied der Phalanx einsehen kann. Ueberdies ist das Rechnungswesen so einfach wie möglich. Tägliche Zahlungen giebt es nicht, jedes Mitglied hat, entsprechend seinem Vermögensantheil und dem voraussichtlichen Arbeitsertrag, Kredit. Ebenso rechnen die verschiedenen Phalanxen auf Grund ihrer Bucheintragungen von Zeit zu Zeit miteinander ab. Die Rechnung für die Einzelnen wird am Ende des Jahres, wenn die Bilanz gezogen ist und die Vertheilungen vorgenommen werden, beglichen. Dasselbe Verfahren wird seitens der Phalanxen dem Fiskus gegenüber beobachtet, der vierteljährlich seine Steuern für die Gesammtheit der Mitglieder einer Phalanx pünktlich, und bei dem viel ergiebigeren Ertrag aller Arbeit auch in entsprechend höheren Beträgen, abgeführt erhält. Herr Fiskus erspart also seine gesammten Steuerbeamten, Exekutoren und die für diesen Zweck in Thätigkeit zu setzenden Gerichtsbeamten. Ebenso geben die industriellen Armeen, worunter diejenigen Abordnungen der Phalanxen verstanden werden, welche sich in einem mehr oder weniger entfernten Lande oder in einer Provinz mit Abordnungen anderer Phalanxen zu gemeinsamen, besonders gearteten größeren Arbeitsleistungen zusammenfinden, auf ihrer Reise einfache Schuldverschreibungen ab, die der betreffenden Phalanx präsentirt und von dieser berichtigt werden. Da nun solche industriellen Armeen ziemlich oft zusammentreten und Reisen unternehmen, ist jedes Phalansterium mit den entsprechenden Unterkunftsräumen für Menschen und Thiere versehen. Ferner haben die Kinder keinen Vormund mehr nöthig, das große Buch der Phalanx hat für jedes derselben sein Konto und verwaltet seinen Besitzstand und sein Einkommen. Die Kinder können sogar vom fünften Lebensjahre ab schon über ihr Einkommen verfügen.
Fourier geht nun über zur Kostenberechnung für die Gründung einer Phalanx. Diese veranschlagt er auf fünfzehn Millionen Franken. Das Hauptgebäude, ungefähr 500 Fuß lang und 250 Fuß tief, bilden zwei hintereinander liegende, durch Gallerien verbundene parallel laufende Bauten und besteht aus Parterre, Entresol und vier Etagen. Das Zentrum des Gebäudes tritt nach hinten zurück, wodurch ein großer freier Platz zwischen den Flügeln entsteht, der als Paradeplatz Verwendung findet. Der Raum zwischen den beiden parallel laufenden Bauten ist mit Blumenparterren, Orangerien, Springbrunnen ausgefüllt. Der große Mitteleingang führt in eine mächtige Säulenhalle, von wo Gallerien und Treppen nach allen Theilen des Gebäudes fuhren. Im Parterre des Mittelraums befindet sich der große Wintergarten. Die Alten wohnen in den Parterreräumen, die Kinder im Entresol. In den Flügeln der ersten Etage logiren die reichen Phalansterianer, in der Mitte der ersten Etage befindet sich der Börsensaal, die Speise- und Vergnügungssäle. Außerdem giebt es eine Menge Räume für kleine Gesellschaften. Die oberste Etage bleibt für die Fremden und die Besucher reservirt. Küchen und Bäder befinden sich im Souterrain. Die Werkstätten, Waaren- und Getreidelager und Stallungen liegen symmetrisch geordnet dem Hauptgebäude gegenüber, getrennt durch eine breite mit Bäumen und Blumenbosquets bepflanzte Straße. Alle Passagen und Uebergänge sind gegen die Unbilden der Witterung geschützt und im Winter erwärmt. Hinter den beiden Flügeln des Hauptgebäudes liegen rechts und links die Kirche und das Theater, beide ebenfalls durch verdeckte Gänge mit dem Wohngebäude in Verbindung stehend.
Die Thätigkeit der Phalanx wird sich besonders erstrecken auf die Vieh- und Geflügelzucht, eine Thätigkeit, die namentlich in der ungünstigsten Jahreszeit ausgenutzt werden kann. Garten- und Feldbau wird im ausgedehnteren Maßstab betrieben, und wird während der milden Jahreszeit die meisten Hände in Anspruch nehmen. Die Küchenarbeiten mit ihren umfänglichen Vorarbeiten erfordern Tag für Tag eine große Anzahl verschiedener Kräfte. Der Küche werden die Phalansterianer eine besondere Sorgfalt schenken, denn gut zu essen betrachten sie als eine ihrer vornehmsten Pflichten, und daher wird allen Thätigkeitszweigen, die mit der Küche in Verbindung stehen, eine besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Dazu gehören also insbesondere Gemüse und Obstzucht, Vieh- und Geflügelzucht, Fischzucht, Wildpflege, Konservenbereitung. Manufakturen und Gewerbe sollen nach Bedürfniß eingerichtet und hauptsächlich im Winter betrieben werden.
Die Phalanx richtet ihre ganze Thätigkeit und ihr Bestreben dahin, daß Alles, was sie leistet, sich durch Solidität wie durch Schönheit und Geschmack auszeichnet, sie sucht mir einem Wort in Allem das Vollendete zu liefern. Dadurch wird sie im Vergleich zu der Zivilisation in vielen Dingen geringere Quantitäten an Produkten verbrauchen, z. B. an Tuchen, Kleidungsstoffen, Möbeln, Werkzeugen.
In einer gut und voll eingerichteten Phalanx werden nach Fourier's Berechnung nöthig sein: für Thier- und Geflügelzucht 30 Serien; für Garten- und Landwirthschaft, inklusive Wiesenbau und Waldbewirthschaftung, 50 Serien; für die Manufakturen 20 Serien; für Hauswirthschaft und Erziehung 40 Serien; für Küche und Kellerei 60 Serien; im Ganzen also 200.
In der Manufaktur wird man wieder diejenigen Beschäftigungen, die täglich in Anspruch genommen werden, wie: Schneiderei, Schuhmacherei, Tischlerei, Schlosserei, Sattlerei u. s. w., von denen unterscheiden, in denen eigentliche Massenfabrikation, wie die Anfertigung der Halbfabrikate, Wäschefabrikation u. s. w., betrieben wird. Diese Massenfabrikation läßt sich auf bestimmte Zeiten beschränken. Die Anwendung in den verschiedenen Thätigkeiten bleibt der freien Wahl der Geschlechter überlassen, auch werden die rivalisirenden Serien nach den verschiedensten Methoden thätig sein und immer neue Methoden zu erfinden suchen. Manche Gewerbe werden besonderen Anklang finden, wie die Kunsttischlerei, die Parfumerie — letztere hauptsächlich bei den Frauen —, die Konditorei. Die Geschlechter werden sich dabei die ihrer Natur besonders zusagenden Thätigkeiten ganz von selbst auswählen. So wird in der Konditorei das Anmachen des Teigs hauptsächlich Männerarbeit sein, die Frauen werden sich mit der Herrichtung der Früchte und Materialien beschäftigen, die Kinder werden bei dem Formen, dem Auslesen und Einlegen in Anspruch genommen sein. Auch wird, weil alle Einrichtungen auf das Beste und Zweckmäßigste getroffen sind, die peinlichste Reinlichkeit in den Werkstätten und Arbeitsräumen aufrecht erhalten werden können. Ist Butter- und Käsefabrikation vorzugsweise Frauen- und Kinderbeschäftigung, so die Fleischerei Männerarbeit. Fourier führt dies Alles sehr im Detail aus, um zu zeigen, wie alle Geschlechter in zweckmäßiger Weise ihrem Charakter und ihren Anlagen entsprechend ihre Beschäftigungen zu finden vermöchten. Der ganze Mechanismus der industriellen Anziehung würde umgestürzt und die Phalanx unmöglich werden, wenn man in der Assoziation, sowie heute in der Zivilisation, keine Rücksicht auf die verschiedenen Triebe nehmen und die Arbeitssitzungen über das zulässige Maß ausdehnen wollte.
Die Fabriken werden aus den Städten allmälig auf das Land verlegt, damit der Arbeiter die volle Abwechslung der Beschäftigung, wie die Vortheile und Annehmlichkeiten des Landlebens und der ländlichen Beschäftigung genießen kann.