Achter Brief.

Achter Brief.

Mittwochs des Morgens.

Ich wende noch die Augenblicke, die ich vor dem Antritte meiner Reise übrig habe, dazu an, an Sie zu denken, und das, was ich gedacht habe, niederzuschreiben. Ich weiß, daß sich Ihre freundschaftliche Neubegierde nicht bloß damit beruhigen wird, zu wissen wo ich bin. Sie werden auch wissen wollen, was ich da mache. —

Wenn ich mich nicht irre, so müssen Sie schon Herrn Ringeltauben, in dessen Hause ich seyn werde, aus meinen Beschreibungen kennen. Ich verehre ihn als meinen Lehrer; und ich liebe ihn als meinen Freund und meinen Bruder. Hochachtung und Dankbarkeit sind gewiß die festesten Bande, die die Natur hat, zwey nicht ganz unedle Seelen mit einander zu verbinden. Sein Haus soll sehr bequem,und die Gegend vortrefflich seyn. Meine Mutter, die das Land über alles, und den Herrn Ringeltauben als ihren Sohn liebt, wird sich dort wieder erholen, und das wird auf mich zurück wirken. Endlich werde ich Bücher genug haben, um die leeren Stunden auszufüllen. Der Herr Oberforstmeister, mit dem ich reise, ist lange im Kriege mit dem General Wobersnow in Leipzig gewesen. Er ist ein Mann von sehr vielem Verstande, von einer großen Erfahrung, (da er lange Zeit mit den Vornehmsten der Armee und einige Zeit auch mit dem Könige selbst umgegangen ist;) und der Mann einer Frau, die beynahe meine Gespielin gewesen ist. Der Weg heraus geht an der Oder, in einer sehr angenehmen Gegend. Ihre Briefe dürfen Sie nicht anders als bisher addressiren. Ich habe gemessene Ordre gestellt, sie mir gleich nachzuschicken.

Erwarten Sie also ins künftige Briefe, die voll von ländlicher Unschuld und Einfalt, aber auch voll von ländlichem Vergnügen sind.


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