Chapter 10

Du sitzest auf weichem Loden,Der Hof ist Dir bereit;Du springst auf harten Boden,O Junge, Du bist nicht gescheidt.

Du sitzest auf weichem Loden,Der Hof ist Dir bereit;Du springst auf harten Boden,O Junge, Du bist nicht gescheidt.

Du sitzest auf weichem Loden,Der Hof ist Dir bereit;Du springst auf harten Boden,O Junge, Du bist nicht gescheidt.

Du sitzest auf weichem Loden,Der Hof ist Dir bereit;Du springst auf harten Boden,O Junge, Du bist nicht gescheidt.

Du sitzest auf weichem Loden,

Der Hof ist Dir bereit;

Du springst auf harten Boden,

O Junge, Du bist nicht gescheidt.

Am nächsten Morgen sprach die Bäuerin zum Altknecht: „Jetzt will ich Dir eins sagen, wenn ich Dir nicht zwei sag’.“

„Ja,“ antwortete der Knecht.

„Der Bub’, den ich vom Unterviertel mitgebracht hab’, ist ein Geschwisterkind von mir. Der wird dableiben, und wenn er sich heut’ die Wirthschaft ansehen will, so geh’ ihm zu Handen. – Jetzt weißt es, und jetzt rühr’ Dich wieder vom Fleck, Du alter Scherben.“

Der Knecht aber blieb vor ihr noch stehen, pfusterte mit der Nase und sagte dann mit ganz gutmüthiger Stimme die Worte:

„Bäuerin, zu Neujahr hab’ ich gesagt, wenn ich mir die Grobheiten gefallen lassen muß, die seit des Bauers Tod im Hof herumfliegen wie die Gelsen, so verlang’ ich um zehn Gulden mehr Jahrlohn. Heut’ sag’ ich, um zehn Gulden thu’ ich’s nicht und die Bäuerin soll sich für nächst Jahr um einen andern Altknecht schauen.“

Dann ging er langsam davon und war schier um ein paar Zoll länger als sonst.

Die Ländhoferin war nicht einmal erbost. Sie dachte an einen jungen Altknecht.

Felix ging am selben Tag zu seiner eigenen Ueberraschung auf der grünen Länd’ um, wie der Gutsherr selber. Die Arbeiter grüßten ihn höflich, munkelten aber allerlei Ungereimtes, sobald er wieder davon war.

Er ging in den Wald, sah dem Baumfällen, Brennholzbereiten und Streusammeln zu. Er ging auf die Wiesen,wo Herbstmahd war; er ging auf die Felder, in die Gärten, wo die Spätfrüchte eingethan wurden. Er ließ sich über den Fluß führen, um die jenseitigen Flachsarbeiten zu sehen. Dort wurde der auf freier Au gebleichte Flachs gehoben und in Büschel zusammengebunden.

Felix verstand von Allem nichts – er verstand nur, wie man die Reben zieht und die Trauben preßt. Eine Magd aber war doch so dienstbar, ihn zu fragen: „Bauer, wird der Haar (Flachs) auch heuer wieder mit Strohbändern gebunden?“

„Ja freilich,“ gab der Winzerssohn zur Antwort; er sah nicht ein, warum gerade heuer die Regel unterbrochen werden sollte.

Das Mißliche war, daß – wenn man ihn so hoch hielt – er den Würdevollen spielen mußte und nicht in seiner kecken, lustigen Weise jauchzen und singen durfte. Er ließ es gar so hart. Die Lustigkeit steckte in seinem Blute, wie der Geist im Weine. Aber wenn es schon ist oder werden wird, wie es aussieht, so –

Kurz, der Ländhofer muß ein gesetzter, ernsthafter Mann sein. Beim hellen Tag sah ja Alles anders aus, als in der Nacht – wer wollt’ nicht Großbauer sein!

Als Felix von seinen Besichtigungsgängen in den Hof zurückkehrte, harrte seiner der Schneider. Für den jungen Mann ein neuer Anzug war bestellt. Die Bäuerin stand dabei und leitete das Beginnen, als der Meister das Maß nahm. Das Maß um den Oberkörper des Burschen, die Breite der Brust, der Achseln, die Länge der Arme; dann die Weite der Hüfte, die Höhe vom Stiefelabsatz bis zur ersten Rippe und die Höhe der Schenkel.

„Ist mir nicht bald Einer vorgekommen, so bildsauber gewachsen, als der da!“ murmelte der Schneider in den Maßfaden hinein, den er zwischen die Zähne genommen hatte. Die schönheitssinnige Ländhoferin nicht minder freute sich der Wohlgestalt.

Am Nachmittage nahm die Bäuerin den jungen Günstling in die Vorrathskammer mit. Korn und Obst, Gemüse und Fleisch, Speck und Fett in unerhörter Fülle. Der Sohn des armen Winzers that den Mund auf – aber nicht vor Hunger heute, sondern vor Staunen. Die Bäuerin hielt ihn fest am Arm und zerrte ihn weiter und jener Kammer zu, wo riesige Ballen von Flachs und Leinwand, Wolle und Lodentuch aufgeschichtet waren.

„Da such’ Dir einmal Eins aus,“ sagte die Ländhoferin, „’s ist lauter Winterstoff; ich denk’, Du nimmst dunkelgrau, das wird mit grün fein ausgeschlagen und steht gut! – Ei, setzen wir uns ein wenig nieder, da können wir’s bequemer überlegen.“

Sie setzten sich auf ein braunes Lodenbündel.

„Nun,“ fragte sie hierauf lächelnd, „Felix, was sagst Du zum Ländhof?“

„Da kann man gar nichts sagen, als: den möcht’ ich haben,“ versetzte der Bursche.

Die Bäuerin wartete eine Weile auf ein weiteres Wort, aber Felix befühlte das grobe Schafwollentuch, wie dick es sei und wie weich und dachte: Das wär’ mir schon recht für den Winter.

„Mit dem Ländhofe wärst zufrieden?“ fragte die Bäuerin lauernd.

„Wollt schier mit ihm zufrieden sein.“

„Und – die Ländhoferin, meinst, wär’ nicht vonnöthen?“

„Gehört freilich auch dazu,“ versetzte der Bursche und zupfte am Lodentuch.

Dann schwiegen sie Beide – schwiegen so lange, daß sich ein Mäuschen versucht fand, aus seinem Versteck zu lugen. Hastig schreckte das Thierchen zurück, denn es hatte plötzlich die glühenden Augen des Weibes gesehen.

„Felix,“ sagte nun die Ländhoferin unter einem seltsam schweren Athem, „Felix –Felix, weißt Du, daß ich Dich unbändig gern hab’?“

Der Unterviertler sah sie an mit großem, klarem Auge. Ohne ein Lächeln und ohne ein Erröthen sah er ihr in’s Antlitz und – schwieg.

Da haschte sie nach seinen Händen, zog dieselben hastig an sich: „Herzensbub! Du bist mir angethan, und bei meiner Seel’, ich mach’ Dich zum Ländhofer! DulieberBub, Du Herzensbub!“

Beide Arme schlang sie um seinen Nacken, mit heißer Leidenschaft küßte sie seine Stirne, seine Locken, seine Augen, seinen Mund.

Er ließ es geschehen, bis sie vor Liebkosung wie erschöpft war. Dann zog er sein rothes Sacktuch hervor und wischte sich damit das Angesicht ab. Sie meinte, es wäre ihm so heiß.

Wieder ein Weilchen verstrich.

„So rede auch Du was!“ rief plötzlich die Bäuerin fast zu laut, „Du sitzest da wie ein hölzerner Heiliger, gerade, daß Du noch keinen Schein hast. Weißt nicht, daß ich Dich um was gefragt hab’?“

„Gefragt hat mich die Bäuerin um was?“ entgegnete verwundert der junge Unterviertler.

„Magst denn nicht der Ländhofer sein?“

„Wohl, wohl,“ sagte er, „wenn’s Euer Ernst ist, Bäuerin.“

„So sag’ doch Du zu mir, Du langweiliger Mensch.Und muß ich Dich denn geradeausfragen, Felix:magst mich?“

„Ei – wohl, wohl, Bäuerin,“ entgegnete der Bursche zerstreut, „aber schau doch, wie sie sich plagen muß.“

Er blickte durch das nahe Fenster hinab in den Hof, wo Constanze bei einem Obstwagen bemüht war, einen vollen Aepfelsack abzuladen. Die Kraftanstrengung des Mädchens schien vergeblich. Da sprang Felix vom Lodenballen auf, schrie: „Wart’, ich helf’ Dir!“ schwang sich zum Fenster hinaus und sprang auf die Erde hinab. Mit einem kräftigen Ruck warf er den Sack auf seine Schulter: „Wohin damit?“

Constanze ging voraus auf die Obstschütte; Felix folgte ihr mit den Aepfeln.

Und die Bäuerin in der dunklen Kammer schleuderte wüthend die Wollen- und Leinwandbündel durcheinander.

Und dem Mäuschen war beklommen in seinem Neste.


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