Herrschaft – Knechtschaft.
Herrschaft – Knechtschaft.
Herrschaft – Knechtschaft.
Herrschaft – Knechtschaft.
Herrschaft – Knechtschaft.
Mit in die Seiten gespreizten Armen stand die Ländhoferin vor Constanze: „Dirn’, es ist aus der Weis mit Dir, Du gehst vom Hof!“
„Warum soll ich denn vom Hof gehen, Mutter?“ sagte das Mädchen, die Bäuerin traurig anblickend.
„Weißt Dich nicht schuldig? Natürlich nicht,“ höhnte die Herrin, „bist allerweil die brave, fromme, folgsame Dirn’, Du – Schau, wie Du Dich verstellen kannst, Du Schlange! Heimtückisch bist! Stiftest die Leut’ auf! Der Altknecht geht! Weißt es schon, daß er geht? Deinetweg’ geht er! Den Anderen ist die Kost zu schlecht. Bist ’leicht Du die Erst’, die ihnen in die Ohren pfeift, früherer Zeit wär’ sie besser gewesen? Beim Tisch flink und bei der Arbeit faul,das ist Dein Gaul! Und andere Leut’ ziehst damit von ihren Geschäften und Pflichten weg!“
„Ich, Mutter?“ wagte Constanze einzuwenden.
„Werdennstaßt (stolzirt) leer voraus, wie eine Prinzessin und läßt sich die etlichen Aepfel nach in den Schüttboden tragen? – Und nachhernochein Wörtel, meine Gnädige!“ Die Bäuerin that einen Schritt vor und stemmte die Arme noch fester in die Seiten: „Wer stiehlt sich denn des Nachts aus dem Hause und läßt den Dieben das Thor offen und streicht in den Büschen um und macht Zusammverlaß mit lüderlichen Lottern –?“
„Mutter!“ schrie Constanze auf.
„Leugnen willst!“ rief die Bäuerin, „bist gesehen worden, Du Saubere, mit dem Liebsten in der Kugelbahnlauben. Möcht’ ich ihn gern kennen, den Lumpen!“
Der Felix, der zufällig des Weges gekommen – es war in dem Hausflur – und ein wenig abseits stehen geblieben war, um nicht durch sein Erscheinen die Verlegenheit des Mädchens noch zu steigern, trat jetzt, da der „Lump“ aufmarschirt kam, vor und sagte: „Bäuerin, da red’ ich auch was mit.“
„Du!? – weißt was? Geht Dir heut’ einmal der Mund auf?“
„Auf der Kugelbahn – Unrechtes ist nichts geschehen.“
„Wer kann’s denn sagen, bist etwa dabeigestanden, Felix?“
„Freilich, Bäuerin,“ lachte der Bursche, „ich bin ja der Lump selber gewesen! – Na, Bäuerin, meinetweg’ macht’s nichts. Mag nur über die Constanze nichts aufkommen lassen.“
„Was kümmert denn Dich die Dirn’?“ fuhr ihn die Ländhoferin an, „Du sei still! – und die Dirn’ geht!“
Constanze schlich weinend davon. Felix ging seiner Wege. Er ging dem Schachen zu und sang ein Vierzeiliges:
„Schatzerl klein,Mußt nit traurig sein,Eh’ das Jahr vergehtBist Du mein.Eh’ das Jahr vergehtGrünt der Rosmarin,Sagt der Pfarrer laut:Nehmt’s Euch hin.Grünt der Rosmarin,Grünt der Myrtenstrauß,Und der NagerlstockBlüht im Haus.“
„Schatzerl klein,Mußt nit traurig sein,Eh’ das Jahr vergehtBist Du mein.Eh’ das Jahr vergehtGrünt der Rosmarin,Sagt der Pfarrer laut:Nehmt’s Euch hin.Grünt der Rosmarin,Grünt der Myrtenstrauß,Und der NagerlstockBlüht im Haus.“
„Schatzerl klein,Mußt nit traurig sein,Eh’ das Jahr vergehtBist Du mein.
„Schatzerl klein,
Mußt nit traurig sein,
Eh’ das Jahr vergeht
Bist Du mein.
Eh’ das Jahr vergehtGrünt der Rosmarin,Sagt der Pfarrer laut:Nehmt’s Euch hin.
Eh’ das Jahr vergeht
Grünt der Rosmarin,
Sagt der Pfarrer laut:
Nehmt’s Euch hin.
Grünt der Rosmarin,Grünt der Myrtenstrauß,Und der NagerlstockBlüht im Haus.“
Grünt der Rosmarin,
Grünt der Myrtenstrauß,
Und der Nagerlstock
Blüht im Haus.“
Und bald darauf folgendes:
„Ich hab’ a liab Dirndl,Just reich is ’s nit;Was brauch’ ih a Reiche?’s Geld hals’ ih nit.’s Geld hals’ ih nit’is mir all’s z’kalt;Will ih Eine, nimmDie mir g’fallt!“
„Ich hab’ a liab Dirndl,Just reich is ’s nit;Was brauch’ ih a Reiche?’s Geld hals’ ih nit.’s Geld hals’ ih nit’is mir all’s z’kalt;Will ih Eine, nimmDie mir g’fallt!“
„Ich hab’ a liab Dirndl,Just reich is ’s nit;Was brauch’ ih a Reiche?’s Geld hals’ ih nit.
„Ich hab’ a liab Dirndl,
Just reich is ’s nit;
Was brauch’ ih a Reiche?
’s Geld hals’ ih nit.
’s Geld hals’ ih nit’is mir all’s z’kalt;Will ih Eine, nimmDie mir g’fallt!“
’s Geld hals’ ih nit
’is mir all’s z’kalt;
Will ih Eine, nimm
Die mir g’fallt!“
Und lebendig, alllebendig war’s in ihm. Es war ihm heiß – und doch war der Sommer schon vorbei; es war ihm kalt – und doch der Winter noch nicht da. Wo kommt das Fieber her?
Jetzt wußte er’s gewiß, der Unterviertler, die Ländhoferin war ihm nicht gleichgiltig. Sein Puls ging rascher, wenn er an sie dachte. Er haßte sie. – Und sie will ihnin die Schürze fangen wie einen jungen Gimpel, der aus dem Nest gefallen ist?
„Oho, vornehme Ländhofbäuerin,“ trillerte er vor sich hin, „so gut soll’s Dir nicht gehen – Dir schon lange nicht. Du hast einen großen Hof, aber ich bin dafür nicht feil. Deinen Hof, den mag ich nicht – mag ihn nicht. Und bei Dir bleib’ ich nicht. Mit der Constanz’ geh’ ich weg und die laß’ ich nicht.“
Der Schneidermeister trippelte des Weges: „Je, schönen Tag, Bauer, morgen bring’ ich Hosen und Rock.“
„Brauch’ sie nicht!“ sagte Felix trotzig und schritt weiter und pfiff und sang und brummte, und lachte laut mit sich selber.
Das Lachen verging ihm bald.
Vom Walde heran schleppten zwei Landwächter einen gefesselten Bauernburschen. Dieser wehrte sich nach allen Kräften, stemmte sich, stieß und biß – und er war schon über und über blutig geschlagen.
„Na, mit Verlaub schön, der hat sicher wen umgebracht?“ fragte Felix einen am Feldraine stehenden Knecht.
„Bei Leib’ nicht,“ antwortete dieser, „umbringen thut der Keinen, das weiß ich. Ich kenn’ ihn. Ein Soldatenflüchtling ist es, hat Vater und Mutter daheim und ’leicht auch sein Mädel nicht vergessen mögen; ist dem Regiment durchgegangen. Nun, jetzt haben ihn die Sakra wieder in den Krallen. Ist verteufelt, so was! Dem geht’s nicht gut, der muß gassenlaufen. Wird geschlagen wie ein Hund. Dem hängt übermorgen das Fleisch vom Rücken. – Ist verteufelt, so was!“
Kein Wörtel sagte Felix. Er blickte noch lange der widerlichen Gruppe nach, dann schritt er weiter und hatte schwere Gedanken.
Winzerssohn, so wie diesem kann’s dir auch ergehen. Bleibst mit der Bäuerin nicht gut Freund, so bist auf’s Jahr um diese Zeit beim Soldatenleben, bist im fremden Land, mußt dich mißhandeln lassen von harten Menschen. Sollt’ ein Ehrendienst sein, der Soldatendienst; wolltest dich davor ja nicht fürchten. Das liebe Heimatsland muß seine Wächter haben – aber ’s ist ein Hundedienst. – Und Vater und Mutter daheim! Und thät dir gar der Gedanke an’s arme verlassene Mägdlein kommen! – Felix, so wie diesem kann’s Dir auch gehen.
„Meinetweg geht’s wie’s will!“ rief der Bursche laut, „die Ländhoferin mag ich nicht.“
Mag ich nicht! stimmte der Wald bei. Und zum Trotze einen hellen Juchschrei stieß Felix aus. Der Juchschrei gellte hin über die grüne Länd, hin über die blinkenden Dächer des Hofes und über die Seim.