Wie wollt’ ich gern ein Lied Euch singenVon holder Minne süßen Dingen.
Wie wollt’ ich gern ein Lied Euch singenVon holder Minne süßen Dingen.
Wie wollt’ ich gern ein Lied Euch singenVon holder Minne süßen Dingen.
Wie wollt’ ich gern ein Lied Euch singenVon holder Minne süßen Dingen.
Wie wollt’ ich gern ein Lied Euch singen
Von holder Minne süßen Dingen.
Hinter dem Hofe, wo die weißen Steine lagen und die weißen Birken standen, war die Schaftränke. Constanze saß auf dem Kopf des Wassertroges und sprach in menschlichen Worten zu den Lämmern.
Nicht in allen Fällen ist es Einfalt, wenn der Mensch menschlich mit den Thieren redet. Dichter thun es in ihrer Art, und man nennt sie deswegen gerade nicht einfältig. Jäger unterhalten sich mit ihren Hunden; alte, oft sehr geistreiche Jungfrauen mit ihren Katzen. – Ah, hast angebissen, Kerlchen! ruft selbst der Angler der gefangenen Forelle zu, und er muß es doch wissen, daß sie stocktaub ist.
Um wie viel erklärlicher ist es, wenn ein armes, einsames Menschenkind seine Zuflucht nimmt zu irgend einem Wesen, das ihm nie etwas Böses zugefügt hat, das es – wenn auch durch kein Menschenauge – treuherzig anblickt zu jeder Stunde – recht ergeben und recht vertrauend! Was Wunder, wenn das von seinem Geschlechte verlassene Menschenkind, das mittheilsame, sein volles Herz aufthut und sich ausspricht, ausweint vor dem guten Thiere, das so theilnehmend, so verständnißvoll zuzuhören scheint und gerade dadurch richtig das zu geben im Stande ist, was der Mensch sucht: Erleichterung und Trost.
Und wie viele Lebenslagen giebt es nicht, in welchen das vernunftarme Thier uns gerade so wesentlich zu trösten weiß, als der vernunftstolze Mensch! Und wenn man keinen Freund zu haben glaubt unter dem „gottbegnadeten Geschlechte“ – dann wendet man sich nicht allzu selten an den treuen Hund, an die geschmeidige Katze, an das gute Schaf.
Constanze saß am Troge, hielt ein fünf Wochen altes schwarzes Lämmchen auf dem Schoße und sagte zu diesem: „Heut’ und morgen kann ich dich noch lieb haben – heut’ und morgen noch.“ Sie küßte das Thier auf das Schnäuzchen. „Uebermorgen geh’ ich davon. – Es schmerzt mich hart, daß ich vom Heimatshaus muß fort. Aber denk’ dir selber, was hilft mir das Heimatshaus, wenn keine Mutter und kein Vater darin ist, und kein Bruder und keine Schwester. – Die Obermagd giebt mir den Rath, ich sollt’ streiten um meine Sach’. Das mag ich nicht. Ehvor ich streit’, eh’ lass’ ich Alles. Gut und Geld macht nicht glücklich. Wie geht’s mit dir? Du hast keinen Groschen und wirst dein Lebtag keinen kriegen; Du hast kein eigen Dach, und wächst dir eine Wolle, wirst es sehen, so scheeren sie dir die Leute ab.Und schau, ich hab’ noch Keines so lustig und froh herumhüpfen gesehen auf der grünen Länd, als gerade dich. Das will ich mir fort bedenken und so wie du recht zufrieden sein. Das Wünschen hab’ ich schon lang’ verlernt auf dem Ländhof und bin froh, wenn mich die Leut’ nicht spotten und schmähen. – Dich möcht’ ich wohl gern’ mitnehmen, mein feines, gutes Lämmchen.“ Wieder küßte sie das traute Thier, und dieses leckte ihre zarten, rosig angehauchten Lippen. – „Dich, Lämmlein, und den jungen Buben auch; der ist gar lieb mit mir und kennt mich doch erst seit ein paar Tagen. Ja du, den hab’ ich gern – wollt’ ihn halsen wie dich.“ Und zärtlich schmiegte sie den Kopf des Lämmchens an ihre erglühenden Wangen und herzte und küßte es mit solcher Hast, daß ihr die Locken über die Stirne glitten und sie den Mann nicht sah, der ganz nahe am Brunnentroge stand.
Schon drei- oder viermal während der wenigen Tage auf der grünen Länd ist unser Felix ganz verdächtig genau zu rechter Zeit am Platz gestanden. Es könnte das uns, seine Freunde, gewissermaßen in Verlegenheit setzen. Aber die Bäuerin hatte dem Burschen doch förmlich aufgetragen, er solle fleißig Umschau halten in allen Weiten und Winkeln des Hofes und unter den Leuten, daß er die Dinge und Zustände baldigst kennen lerne. Und so war Felix denn auch hinter dem Hofe, wo die weißen Steine lagen und die weißen Birken standen und wo das Mädchen am Troge das schwarze Lämmchen koste.
Er hatte die letzten Worte vom „jungen Buben“ gehört. Nicht weiter überlegte er – über ihre Achsel neigte er sachte sein Lockenhaupt vor, und Constanze schmiegte und koste und herzte – und jählings, aber zu spät wurde sie gewahr, eswar nicht mehr das Lämmlein allein, das sie geherzt – es war auch der schöne, lächelnde Kopf des „jungen Buben“ dabei gewesen.
Sofort wollte sie sich in den Wassertrog stürzen, aber Felix hielt sie fest umschlungen und sagte: „Constanze, jetzt ist alle Rederei nicht mehr vonnöthen, wir haben uns gern und wir gehören zusammen.“
Es brauchte aber Zeit, bis sie sich von ihrem Schreck erholt hatte. Es war gut, daß die Schaftränke so dicht mit Erlen und Birken umgeben war.
Schließlich – das Lämmchen war längst aus dem Arm gesprungen – ließ Constanze es gelten: sie hätten sich gern und gehörten zusammen.
„Und jetzt merk’ wohl, Mädel!“ sprach Felix mit Nachdruck, „jetzt wird Dir im Hof kein ungeschaffen Wörtel mehr gesagt, oder die Leut’ kriegen es mit mir zu thun! Auch die Bäuerin schreckt mich nicht! – Ich möcht’ nur wissen, was sie gegen Dich hat!“
„Das kann ich Dir jetzt wohl sagen, Felix,“ versetzte sie. „Da hab’ ich eine Schrift, die ist an Allem Schuld.“
„Das muß ein höllischer Wisch sein!“ rief der Bursche, „verbrennst ihn denn nicht?“
„Ja,“ entgegnete Constanze, „gottswahrhaftig, das thät ich am liebsten. Aber das Papier hat mein Vormund und mein Vormund ist in Breitenschlag drüben.“
„Jetzt möcht’ ich doch beim Himmelherrgottskreuz wissen, was auf dem Papier Sauberes steht!“
„Es ist das Testament von meinem seligen Vater,“ sprach das Mädchen traurig, „mein Vormund hat es mir einmal vorlesen wollen; ich kann’s nicht hören, ’s thut mir mein Herz weh, denk’ ich an den armen Vater.“
An Felix’ Brust brach sie in ein krampfiges Schluchzen aus.
„Constanze, mein lieb’ Dirndl,“ versetzte der junge Mann, „Du bist allzu weichherzig. Schau, das soll man nicht sein auf der Welt.“
„Den Vater hat sie so hart behandelt, auf dem Todbette noch. ’s ist nicht zu sagen, was er neben ihr hat leiden müssen.“
„Kann mir’s jetzt wohl denken,“ entgegnete Felix, „aber schau, Constanze, so weinen mußt nicht. Wenn Eins da auch noch einmal leiden wollt’, was Andere schon gelitten haben – Dirndl, wohin thät Eins da kommen! – Fest auf die Füß’ stellen muß man sich und der Welt die Zähn’ zeigen! – Mußt mit dem Vormundreden, Constanze.“
„Das will ich thun; in der Sonntagsfrüh will ich nach Breitenschlag hinübergehen.“
„Warum erst in der Sonntagsfrüh, warum nicht morgen?“
„Ja, der Vormund ist Waldmeister und Werktags selten daheim. Und morgen möcht’ ich noch den Flachs einbringen helfen.“
„Daß sie Dich vom Haus jagen kann, steht gewiß nicht im Testament!“ sagte der Unterviertler.
„Ganz was Anderes soll darin zu lesen sein, wie mir der Vormund zu verstehen gegeben hat,“ entgegnete das Mädchen, „was auch der Will’, es bleibt eine böse Sach’, weil so viel Unfried’ daraus wird. – Nur den lieben Frieden wünsch’ ich mir, und ein wenig gern haben sollten mich die braveren Leut’ – sonst brauch’ ich nichts.“
„Gern haben,“ sagte hierauf der Winzerssohn in frischer Schalkheit, „gern haben, Constanze, will ich Dich schon sakrisch; doch ob ich Dich immer in Fried’ laß’, das kann ich Dir nicht versprechen.“
Hierauf wollte das Mädchen sein Lämmlein wieder, da dieses aber nicht mehr zu erwischen war, so mußte es sich bescheiden und den Burschen kosen.