Chapter 4

Wilhelm: Warum — habt Ihr mir das verschwiegen?

Ida: Nichts . . . Du mußt doch nicht gar so schlecht von uns . . . . Wir haben Dir nichts verschwiegen.

Frau Buchner: Wir alle, Ihre Mutter, Ihre Schwester, wir waren alle ahnungslos, — eben so ahnungslos, wie Sie. Vor wenigen Minuten ist er angekommen — ohne sich vorher anzumelden; und, sehen Sie, da dachte ich gleich . . . .

Wilhelm: Wer — hat Ihnendas— mitgetheilt?

Frau Buchner(unter Thränen seine Hand ergreifend): Sie haben furchtbar, furchtbar gefehlt.

Wilhelm: Sie wissen also —?

Frau Buchner: Ja, jetzt . . . .

Wilhelm: Alles?

Frau Buchner: Ja Alles; — und, sehen Sie,daß ich Recht hatte, — daß Sie noch etwas mit sich herumschleppten? daswardas Geheimniß.

Wilhelm: Sie wissen, daß ich . . . .?

Frau Buchner(nickt bejahend).

Wilhelm: Und Ida —? soll sie einem Menschen zum Opfer fallen, wie . . . wie ich bin, — des . . . weiß sie’s? . . . weißt Du’s — Ida — auch?

Ida: Nein Wilhelm — aber — ob ich das weiß oder nicht; — das ist wirklich ganz gleichgültig.

Wilhelm: Nein. — Diese Hand, die Du . . . die Dich oft . . . diese Hand hat . . .(zu Frau Buchner)Ist es das?

Frau Buchner(nickt bejahend).

Wilhelm(zu Ida): Wie schändlich hab’ ich Dich betrogen! — ich bring’s nicht über mich. — Später! . . . . . . .

Frau Buchner: Wilhelm! Ich weiß, was ich verlange, aber ich . . . Siemüssensich vor IhremarmenVater erniedrigen — erst dann werden Sie sich wieder ganz frei fühlen. Rufen Sie ihn an! beten Sie ihn an! ach Wilhelm! das müssen Sie thun! Seine Kniee müssen Sie umklammern — und wenn er Sie mit dem Fuße tritt, wehren Sie sich nicht! reden Sie kein Wort! geduldig wie ein Lamm! glauben Sie mir — einer Frau, die Ihr Bestes will.

Wilhelm: Sie wissennicht. . . Sie wissen doch nicht, was Sie von mir . . . O Sie müssenGott dankbar sein, Frau Buchner, daß er Ihnen Ihre eigene Grausamkeit verborgen hat. Ruchlos mag das sein. Was ich gethan habe, mag ruchlos sein. Aber was ich durchgemacht habe, — da! — innerlich durchgekämpft, durchlitten — diese furchtbaren Peinigungen . . . . Er hat Alles auf mich geladen — und am Ende zu allem noch dieseverfluchteSchuld . . . . . . . . . Aber dennoch . . . . . . . .!(nach einem langen, tiefen Blick, in Ida’s Augen, sich aufringend, bis zu einem festen Entschluß).Vielleicht — gelingt es mir —dennoch!


Back to IndexNext