Ihr Kinderlein kommet,O kommet doch all!Zur Krippe herkommetIn Bethlehems Stall,Und seht, was in dieserHochheiligen NachtDer Vater im HimmelFür Freude uns macht!
Ihr Kinderlein kommet,O kommet doch all!Zur Krippe herkommetIn Bethlehems Stall,Und seht, was in dieserHochheiligen NachtDer Vater im HimmelFür Freude uns macht!
Ihr Kinderlein kommet,O kommet doch all!Zur Krippe herkommetIn Bethlehems Stall,Und seht, was in dieserHochheiligen NachtDer Vater im HimmelFür Freude uns macht!
Ihr Kinderlein kommet,
O kommet doch all!
Zur Krippe herkommet
In Bethlehems Stall,
Und seht, was in dieser
Hochheiligen Nacht
Der Vater im Himmel
Für Freude uns macht!
Dr.Scholz(ist über das Verhalten Roberts immer finsterer geworden. Bei Beginn des Gesanges blickt er scheu — wie Jemand, der einen Angriff fürchtet — umher und sucht einen gewissen Abstand zwischen sich und jedem der Anwesenden möglichst unauffällig festzuhalten).
Frau Scholz(bei Beginn des Gesanges): Ach wie schön!(einen Augenblick lauscht sie hingegeben, dann bricht sie in Schluchzen aus.)
Robert(bewegt sich langsam, macht wie der Gesang anhebt ein Gesicht, wie: na nu hört’s auf, schreitet weiter, lächelt ironisch und schüttelt mehrmals den Kopf. Im Vorübergehen sagt er halblaut etwas zu Auguste).
Auguste(halb und halb gerührt, platzt nun heraus).
Wilhelm(hat bisher, ein Spiel widersprechender Empfindungen, an die Tafel gelehnt — auf der Platte nervös Clavier spielend — gestanden; nun steigt ihm die Röthe der Entrüstung in’s Gesicht.)
Robert(scheint gegen Ende des Gesanges unter den Tönen physisch zu leiden. Die Unmöglichkeit, sich den Eindruck derselben zu entziehen, scheint ihn zu foltern und mehr und mehr zu erbittern. Unmittelbar nach Schluß des Verses entfährt ihm — gleichsam als Trümmerstück eines inneren Monologes — unwillkürlich das Wort): Kinderkomödie,(in einem beißenden und wegwerfenden Tone).
(Alle, auch der Doktor, haben das Wort gehört und starren Robert entsetzt an.)
Frau Scholz:
geschweifte Klammer, rechts
Robert!!!
Auguste:
Dr.Scholz(unterdrückt eine Aufwallung von Jähzorn).
Wilhelm(macht in bleicher Wuth einige Schritte auf Robert zu.)
Frau Scholz(stürzt sich ihm entgegen, umarmt ihn): Wilhelm! — thu mir die einzige Liebe!
Wilhelm: Gut —! Mutter!
(Er geht, sich überwindend, erregt umher. In diesem Augenblick hebt der zweite Vers an. Kaum berühren die ersten Töne sein Ohr, so erzeugt sich in ihm ein Entschluß, in Folge dessen er auf die Thür des Seitengemaches zuschreitet.)
Da liegt es, ach Kinder!Auf Heu und auf Stroh;Maria und JosefBetrachten es froh,Die redlichen HirtenKnieen betend davor,Hoch oben schwebt jubelndDer Englein Chor.
Da liegt es, ach Kinder!Auf Heu und auf Stroh;Maria und JosefBetrachten es froh,Die redlichen HirtenKnieen betend davor,Hoch oben schwebt jubelndDer Englein Chor.
Da liegt es, ach Kinder!Auf Heu und auf Stroh;Maria und JosefBetrachten es froh,Die redlichen HirtenKnieen betend davor,Hoch oben schwebt jubelndDer Englein Chor.
Da liegt es, ach Kinder!
Auf Heu und auf Stroh;
Maria und Josef
Betrachten es froh,
Die redlichen Hirten
Knieen betend davor,
Hoch oben schwebt jubelnd
Der Englein Chor.
Frau Scholz(stellt sich ihm in den Weg): Wilhelm! — was machst Du denn!
Wilhelm(ausbrechend): Sie sollen aufhören zu singen.
Auguste: Du bist wohl nicht bei Trost.
Wilhelm: Laßt mich zufrieden! ich sage sie sollen aufhören.
Frau Scholz: Aber sei doch . . . . Du bist ja wirklich . . . . na gutt, dann siehst Du mich diesen Abend nicht mehr.
Robert: Bleib doch Mutter! laß ihn doch machen! es ist ja seine Privatsache!
Wilhelm: Robert! treib’s nicht zu weit! nimm meinen Rath an! Du hast mir vorhin eine Rührscene vorgemacht, das macht Dich nur noch wiederwärtiger.
Robert: Sehr richtig: — Rührscene. — Bin selbst der Meinung . . . . .
Wilhelm(geht abermals auf das Seitengemach zu.)
Frau Scholz(ihn abermals aufhaltend.)O, Gottogottogott Junge, warum willst Du sie denn? . . . .(der zweite Vers ist beendet).
Wilhelm: Weil Ihr es Alle miteinander nicht werth seit.
Robert(dicht an Wilhelm herantretend, mit einem frechen, vielsagenden Blick in seine Augen): Du, vielleicht?
Frau Scholz: O, Jesis ne, Ihr treibt’s doch wieder so weit(der dritte Vers hebt an).
Manch Hirtenkind trägt wohlMit heiterem SinnMilch, Butter und HonigNach Bethlehem hin,Ein Körbchen voll FrüchteDas purpurroth glänzt,Ein schneeweißes Lämmchen,Mit Blumen bekränzt.
Manch Hirtenkind trägt wohlMit heiterem SinnMilch, Butter und HonigNach Bethlehem hin,Ein Körbchen voll FrüchteDas purpurroth glänzt,Ein schneeweißes Lämmchen,Mit Blumen bekränzt.
Manch Hirtenkind trägt wohlMit heiterem SinnMilch, Butter und HonigNach Bethlehem hin,Ein Körbchen voll FrüchteDas purpurroth glänzt,Ein schneeweißes Lämmchen,Mit Blumen bekränzt.
Manch Hirtenkind trägt wohl
Mit heiterem Sinn
Milch, Butter und Honig
Nach Bethlehem hin,
Ein Körbchen voll Früchte
Das purpurroth glänzt,
Ein schneeweißes Lämmchen,
Mit Blumen bekränzt.
Wilhelm: Sie sollen aufhören!
Frau Scholz(ihn wiederum festhaltend): Junge!!!
Wilhelm: Einfach — unter aller Würde. Es ist Blasphemie! es ist ein Verbrechen an diesen Menschen, wenn wir sie . . . . . . ich . . . . ja auf Ehre ich werde schamroth für Euch alle!
Auguste(pikirt): Na — so ganz besonders schlechtund verächtlich sind wir am Ende doch wohl auch nicht.
Wilhelm: Auguste — mich ekelt’s!
Auguste: Mag’s doch! — ja, ja; nu’ auf einmal ist man hinten runtergerutscht. Nu’ giebt’s auszusetzen an der Schwester an allen Ecken und Enden. Da is’ das nich’ recht, da is’ jen’s nich’ recht. Aber das Fräulein Ida . . . . .
Wilhelm(außer sich, sie unterbrechend): Sprich nicht den Namen aus!!!
Auguste: Na, so ’was! ich werd’ wohl von Ida . . . .
Wilhelm: Laß den Namen aus dem Spiel, sag’ ich Dir.
Auguste: Du bist wohl verrückt geworden, ich werd’ doch . . . . . die is’ doch wahrhaftig auch kein Engel vom Himmel.
Wilhelm(schreiend): Schweig’ still, sag’ ich!
Auguste(wendet ihm den Rücken): Ach, was denn, Du bist einfach verliebt.
Wilhelm(Auguste unsanft an der Schulter packend): Frauenzimmer, ich! . . . . .
Robert(packt Wilhelms Arm, spricht kalt und jedes Wort betonend): Wilhelm! — hast — Du — etwa — wieder Absichten? . . . . . . . . . . .
Wilhelm: Teufel!
Auguste: Das sagst Du? — pfui, Du!? der die Hand gegen seinen eignen Vater erhoben hat.
Dr.Scholz(mit zornbebender Stimme in absolut befehlendem Tone): Auguste! — Du wirst Dich entfernen! — augenblicklich!!
Auguste: Na — ich möchte wissen . . . .
Dr.Scholz: Du wirst Dich augenblicklich entfernen!
Frau Scholz: O Du lieber Gott, warum nimmst Du mich denn nicht zu Dir!(weinerlich)Auguste! Du hörst! — folge dem Vater!
Robert: I, — Mutter! das würd’ ich ihr denn doch sehr verdenken. Sie ist doch kein kleines Kind mehr. Die Zeiten haben sich doch wahrhaft’gen Gott sehr verändert.
Dr.Scholz: Aber, ich habe mich nicht verändert. Ich bin der Herr im Hause. Ich werde Euch das beweisen.
Robert: . . . . lachhaft!
Dr.Scholz(schreiend): Räu — ber — und — Mör — der —!!! — — — ich — — — — — enterbe Euch!!! ich werfe Euch auf die Straße!
Robert: Das ist ja direkt komisch.
Dr.Scholz:(bemeistert einen furchtbaren Zornausbruch und spricht mit unheimlicher Ruhe und Festigkeit): Du, oder ich, einer von uns verläßt das Haus — augenblicklich.
Robert: Ich natürlich — mit Herzensfreude.
Frau Scholz(halb befehlend, halb bittend): Robert, Du bleibst!
Dr.Scholz: Er geht.
Frau Scholz: Fritz! hör’ mir zu! er ist der einzige . . . . . in den langen, einsamen Jahren hat er uns nicht vergessen, er . . . . .
Dr.Scholz: Er, oder ich —!
Frau Scholz: Gieb nach, Fritz, thu’ mir die Liebe!
Dr.Scholz: Laß mich zufrieden! er, oder ich!
Frau Scholz: Ach, — Ihr braucht ja meinswegen einander nicht begegnen, es geht ja ganz gut einzurichten . . . aber . . .
Dr.Scholz: Gut, ich weiche. — Dir und Deiner Meute weiche ich! — Du und Deine Meute, Ihr habt von jeher den Sieg behalten!
Wilhelm: Bleib’, Vaterchen! oder wenn Du gehst, laß mich diesmal mit Dir gehen.
Dr.Scholz(unwillkürlich zurückfahrend, zwischen Zorn und Entsetzen): Laß mich zufrieden, — Taugenichts!(gedankenlos nach seinen Sachen suchend): Banditen und Tagediebe! — Taugenichtse!
Wilhelm(aufwallend): Vater! — so nennst Du uns . . . und bist es doch gewesen, der uns . . . . Ach Väterchen nein, nein, das will ich ja garnicht sagen! laß mich mit Dir gehn, ich will bei Dir bleiben, laß mich Alles wieder gut machen, was ich(er hat seine Hand auf des Vaters Arm gelegt.)
Dr.Scholz(vor Schreck und Entsetzen wie gelähmt, retiriert): Laß los! ich sage Dir — die Ränke der Verfolger werden zufällig . . . . . werden zuverlässig — zu Schanden werden. Sind das diese Leute, —diese Mächtigen, — und diese mächtigen Menschen sind das Männer? einen Mann der, wie ich, einige Schuld hat, aber im Uebrigen dennoch ganz und gar — und — durch und durch — und kurz und gut.
Wilhelm: Vater! Vater! Väterchen! komm zu Dir, komm doch zu Dir!
Dr.Scholz(sich im Rythmus der Worte bewegend, halblaut): Und kurz und gut und . . . ganz und gar . . . .
Wilhelm:(ihn umarmend, mit der instinctiven Absicht, seinen Actionsdrang zu hemmen): Faß Dich! nimm Dich zusammen!
Dr.Scholz(sich wehrend, wie ein kleines Kind flehend): Ach, schlag mich nicht! ach straf mich nicht!
Wilhelm: Aber um Gottes Himmels . . . . .
Dr.Scholz: Nicht schlagen! nicht — wieder — schlagen!(er macht krampfhafte Anstrengungen sich aus Wilhelms Umarmung zu befreien).
Wilhelm: Abfaulen soll mir die Hand — Väterchen glaub doch nicht, . . . . Väterchen denk doch nicht . . . . . .!
Dr.Scholz(hat sich befreit, flieht hülferufend von Wilhelm gefolgt).
Wilhelm: Schlag mich Du! schlag Du mich!
Dr.Scholz: Bitte, bitte, bitte, — . . . . Hülfe.
Ida(aus der Thür des Seitengemaches, todtenbleich).
Wilhelm(ereilt den Vater, umarmt ihn auf’s neue):. Schlag Du mich . . . .
Dr.Scholz(unter Wilhelms Umarmung auf einenStuhl zusammenbrechend): Ich . . . a . . . ah! a — ah! . . . ich — glaube — es — geht — zu Ende — mit — mir.
Wilhelm: Vater!!!
(Frau Scholz und Auguste sind einander entsetzt in die Arme gesunken. Robert todtenbleich, hat sich nicht von der Stelle bewegt; sein Gesicht hat den Ausdruck unerschütterlicher Festigkeit.)