XI
Nun war das Pfingstfest vorüber. Vater Huesgen war mit dem Arbeiterzug in aller Frühe um vier schon nach Aachen gefahren; er kam erst nächsten Samstag wieder, aber wenn er dann heimkehrte, fand er die Mutter gewiß ganz munter, denn die Bäreb kehrte ja heut zurück. Darauf hofften sie. Gestern war sie gesprungen zu Echternach, und heute schon glaubte Frau Huesgen die wohltätige Wirkung zu verspüren. Sie fühlte sich frischer; was sie lange nicht getan hatte, sie schürzte ihr Kleid und fing an, den Melkeimer zu scheuern, und dann die Eimerbank und das Fäßchen, in demsie so lange keine Butter mehr gedreht hatte. Wer weiß, wenn das weiter so ging, konnte sie bald Butter machen, ein paar Klütchen hinuntertragen zum Verkauf in die Stadt.
Von dem Sonnenschein des Festes lag noch über Hecken und Halden. Die Kinder zirpten noch lose wie sommerfrohe Spatzen zwischen den Hecken, sie hatten erst morgen Alltag, wenn die Schule anfing. Die kleinen Huesgens waren zur Eisenbahn gerannt, die Schwester zu holen; sie belagerten den Bahnsteig, bis der Zug aus St. Vith ankam. Aber Bäreb war nicht darin. Das war eine Enttäuschung. Ein Teil der Kinder lief heim, um der Mutter zu verkünden, daß die Bäreb nicht gekommen sei; die anderen blieben unten am Bahndamm sitzen, flitschten Steine in den vorüberquirlenden Fluß und warteten geduldig. Es kam ja noch ein Zug von St. Vith, freilich erst gegen Abend. Hei, wer zuerst die Bäreb sah und den Dores, und das der Mutter verkündete, der war König!
Kathrinchen war nicht bei den Geschwistern. Sie hütete. Bartholomäus Adams, der Nachbar am grünen Klee, hatte viel Vieh, und der hatte sie gedungen für den ganzen Sommer. Nun brauchte sie nicht wie sonst in die Schule; das tat ihr eigentlich leid, es war so schön da, und sie lernte gern, aber der reiche Bauer gab fünfundzwanzig Mark für den Sommer und was zu essen, und zum Herbst ein paar neue Schuh. Und schön war’s ja auch draußen, wo die Bienen am Rain summten und die Hirsche, wenn der Abend kam, ganz dreist aus dem Dickicht traten und unterm Vieh grasten.
Der Bauer hatte Kathrinchen die Kühe besonders auf die Seele gebunden, war ihm doch die schöne braune Kuh gestorben, trotz Doktor Dreiborn, und trotzdem man das Kalb in Stücke geschnitten hatte. »Paß op, dat se net zo viel loofe on schlag se net mö’m Stecke! De Dreiborn, de Esel! Verklagen müßt ich de Kerl! Äwer de kümmt jo su wie su in de Höll.Jibst du äwer net Aacht, dat roden ich dir, da krißte de Huck jeschurt!«
Kathrinchen hatte verständnisvoll genickt: ach ja, das war ein Verlust, die braune Kuh, da konnte man wohl drüber weinen. Aber sie würde schon Obacht geben, der ›Uehm‹ konnte ganz ruhig sein, ihr kam keine zu Schaden, der liebe Gott war ja immer bei ihr und den Kühen. Der Bauer hatte geschmunzelt: »Da krißte ooch jet, wann Markt is!«
Kathrinchen hatte sich aufgemacht, als noch der Morgentau lag, und hatte seine sieben Stück vor sich hergetrieben zum Venn hinauf. Die Wiese des Bauern war noch nicht gemäht, drum hütete es so lange hier oben.
Die Marienley war nicht fern, auf dem großen Kreuz blinkerte so hell die Sonne, daß es strahlte wie in einem Glorienschein. Der Eisenbahndamm war von hier oben gesehen ganz niedrig, die Schienen waren nicht dicker als Haare, und der Fluß, der am Damm vorbeilief, war wie ein Faden. Und es war so still hier, gerade noch, als sei es hoher Feiertag. Vom Dorf herüber kam kein Laut, nur vom Truppenübungsplatz hörte man das dumpfe Schießen.
Jetzt sah Kathrinchen auch etwas von den Soldaten: Pferde trabten geschwind – Fähnchen flatterten im Morgenwind – Staubwirbel ballten sich zu Wolken – mächtige Gäule galoppierten, Karren auf hohen Rädern schleppten sie hinter sich her. Das waren die Geschütze. Ei, das war lustig anzusehen hier aus sicherer Entfernung! Kathrinchen setzte sich behaglich auf einen der Felsbrocken unweit der Ley. Sie fühlte sich so wohl hier in der Einsamkeit, von niemandem gesehen und selber die Menschen nur sehend, als seien es Puppen. Kein Gedanke von Furcht beschlich sie, die Mutter Gottes war ja so nah dort im großen Stein, den dunklen Felsspalt erhellend mit ihrer Lieblichkeit. Wer sollte ihr hier wohlwas tun?! Und Wölfe gab’s schon seit vielen Jahren nicht mehr hierzuland; früher, ja früher, wie der Herr Lehrer erzählte, da waren sie aus den Ardennen herübergelaufen gekommen in die Eifel, verhungert und gierig, und hatten Hühner gefressen und Lämmer gewürgt. Weinen hatte Kathrinchen müssen, als der Lehrer das erzählt hatte – so ein Lamm, so ein armes weißes Lämmchen zu Tode gewürgt!
Jetzt zog sie ihr Strickzeug aus der alten Strohtasche, die auch Bäreb schon umgehängt hatte, als sie noch hüten gegangen war. Kathrinchen war immer fleißig, es hatte dem Vater schon ein paar Strümpfe gestrickt und den Brüdern der Reihe nach. Nun war der Dores daran, aber für den brauchten die Strümpfe nicht so lang und weit zu sein; das ging rasch.
Ehe Kathrinchen anfing, mit den groben Nadeln zu rasseln, richtete sie die Augen zum Himmel auf, daß ihre samtige Schwärze sich erhellte vom goldigen Licht, das in sie herniederfloß, und hub ein Morgenlied zu singen an:
»Im Namen Jesu wach ich auf,Im Namen Jesu steh ich aufUnd ziehe sittsam an mein Kleid,Im Namen der Dreifaltigkeit.Hochheiligste Dreifaltigkeit,Gott Vater, Sohn und heilger Geist,Ach schütze mich in aller Not,Vor Feuer, Wasser, schnellem Tod!«
»Im Namen Jesu wach ich auf,Im Namen Jesu steh ich aufUnd ziehe sittsam an mein Kleid,Im Namen der Dreifaltigkeit.Hochheiligste Dreifaltigkeit,Gott Vater, Sohn und heilger Geist,Ach schütze mich in aller Not,Vor Feuer, Wasser, schnellem Tod!«
»Im Namen Jesu wach ich auf,Im Namen Jesu steh ich aufUnd ziehe sittsam an mein Kleid,Im Namen der Dreifaltigkeit.
»Im Namen Jesu wach ich auf,
Im Namen Jesu steh ich auf
Und ziehe sittsam an mein Kleid,
Im Namen der Dreifaltigkeit.
Hochheiligste Dreifaltigkeit,Gott Vater, Sohn und heilger Geist,Ach schütze mich in aller Not,Vor Feuer, Wasser, schnellem Tod!«
Hochheiligste Dreifaltigkeit,
Gott Vater, Sohn und heilger Geist,
Ach schütze mich in aller Not,
Vor Feuer, Wasser, schnellem Tod!«
Die klare Stimme klang hell und weit übers Venn. Es war, als ob ihr alles lauschte. Der Morgenwind hatte sein Wehen eingestellt, die Kühe hoben die Köpfe, guckten mit den schönen dummen Augen nach der Hirtin und ließen das kurze, harte Rupfen sein, mit dem sie das zähe Gras vom Boden abrissen.
Immer höher stieg die Kinderstimme in die Luft, immer weiter klang sie hinaus:
»Auch bitt ich dich, o Gott, verleihMir gnädiglich der Engel drei,Die heute mir und jederzeitGeleiter sei’n zur Seligkeit.Der erste mög mir Führer sein,Der zweite Kraft im Kampf verleihn,Der dritte schütz mich immerdar,Daß mir nichts Böses widerfahr!«
»Auch bitt ich dich, o Gott, verleihMir gnädiglich der Engel drei,Die heute mir und jederzeitGeleiter sei’n zur Seligkeit.Der erste mög mir Führer sein,Der zweite Kraft im Kampf verleihn,Der dritte schütz mich immerdar,Daß mir nichts Böses widerfahr!«
»Auch bitt ich dich, o Gott, verleihMir gnädiglich der Engel drei,Die heute mir und jederzeitGeleiter sei’n zur Seligkeit.
»Auch bitt ich dich, o Gott, verleih
Mir gnädiglich der Engel drei,
Die heute mir und jederzeit
Geleiter sei’n zur Seligkeit.
Der erste mög mir Führer sein,Der zweite Kraft im Kampf verleihn,Der dritte schütz mich immerdar,Daß mir nichts Böses widerfahr!«
Der erste mög mir Führer sein,
Der zweite Kraft im Kampf verleihn,
Der dritte schütz mich immerdar,
Daß mir nichts Böses widerfahr!«
Kathrinchen kannte viele solche schönen Lieder, aber dieses Lied liebte sie am meisten. Sie hatte es heute beim Aufstehen, und während sie im Herd das Feuer anblies, schon vor sich hin gesagt, aber der Rauch war ihr in die Kehle geschlagen, sie hatte es nur in sich hineinmurmeln können, schon um die Mutter nicht zu wecken, die sich noch einmal niedergelegt hatte, nachdem der Vater fortgegangen war. Hier aber konnte sie laut nach Herzenslust singen. Hier kamen auch die Geschwister nicht immerfort gerannt, zupften sie hier, zupften sie da, wollten bald dieses, bald jenes. Ach, die Jungens! Kathrinchen schüttelte altklug das Köpfchen, wenn sie daran dachte, daß sich die großen Jungen noch immer nicht selber einen Hosenknopf annähen konnten und ihr das Bein hinstreckten: »Bind mer ens de Rieme!«
O, hier war es gut sein, hier hatte sie Ruh! Die Kühe fingen wieder an zu rupfen, aber es war, als ob sie im Takt rupften und dazu nickten, das machte Kathrinchen Spaß. Sie sang voller Lust und sang immer lauter und heller der Reihe nach alle Lieder, die sie konnte und warf dabei den groben Wollfaden auf dem gestreckten rechten Zeigefinger über die langen eisernen Nadeln, die sie unter die Arme gesteckt hatte,so flink, daß das Strümpfchen zusehends wuchs. Ei, der Dores hatte ja so dünne Bein’, das war ihm bald maß!
Das Strümpfchen vor sich hinhaltend und es freudig anblinzelnd, saß sie sonnenbeschienen auf dem Stein, mit ihren Füßen baumelnd. Man sah ihr Figürchen schon von weit her. Sonst war nichts ragendes auf der Hochfläche, als die Ley mit ihrem Kreuz im schwarzen Dickicht der Tannen.
Simon Bräuer kam von der Strafkolonie her. Deren tiefgehendes neues Ziegeldach schrie wie Blut aus dem Braun des Moorlands; noch blühte das Venn nicht überall, seine Farbe war noch eintönig. Zögernd hatte sich der Aufseher erst noch ein paar Mal nach dem Hause zurückgewendet: würde der Hilfsaufseher auch gut aufpassen? Er war erst kürzlich eingetreten, und die Kerls waren jetzt so renitent; am ersten Pfingstfeiertage war der Süßchenbäcker frech geworden. Der Kerl protzte wohl auf seine Kraft? Hei, den hatte er aber zu Boden geduckt mit einem Blick, daß er sich nicht mehr muckte. Der Rotfuchs, der war auch wie ein Toller gewesen, wollte nicht mit zur Kirche, hörte auf kein Kommando, lief herum wie ein wildes Tier im Käfig, hatte sich auf sein Bett geschmissen, den Kopf gegen die Wand gekehrt, so daß er ihn zum Sich-besinnen mal ins Kaschöttchen hatte führen müssen, in das enge, stockdunkle Käfterchen hinter der schweren Bohlentür mit den eisernen Haspen. Ohne Licht, ohne Beschäftigung, ohne Suppe hatte er darin gesessen, bis er zahm geworden war am andern Tag. Was fiel den Kerlen denn ein, steckte ihnen der Frühling im Blut, der auch aus den elendesten Knorren Schößlinge treibt? Freilich – Simon Bräuer sah sich um, ließ seine Falkenaugen schweifen von Ost nach West, von Süd nach Nord – arme Teufel, jetzt war es lockend! Die Ferne blaute im Duft, aus dem Moorgrund stieg ein kräftigerGeruch; bald würde hier alles rosa blühen von den Glöckchen der Vennheide. Jetzt hieß es aufpassen!
Er setzte die Zähne aufeinander. Aber seine Frau brauchte keine Angst zu haben – sie war gestern hier oben gewesen, er hatte ihr rund ums Haus alles gezeigt – es passierte schon nichts! Was die Weiber so schreckhaft sind! Er hatte mit ihr draußen gestanden, ihr etwas erklärt, sie hatte an seinem Arm gehangen, da hatte sie plötzlich aufgeschrieen und den Kopf an seiner Brust versteckt. Nun, was war denn los? Sie hatte nachher selber darüber gelacht und sich geniert, daß sie so furchtsam gewesen war. An die Gitterstäbe des Schlafsaals hatte der Rotfuchs seine Nase gedrückt – nun ja, schön war der gerade nicht, es gab Schönere, aber zum Fürchten war er doch auch nicht. Aber sie hatte sich immer wieder geschüttelt: buh, sah der einen an! Sie war gar nicht davon abzubringen, immer wieder fing sie an von dem Kerl zu sprechen. Verwünscht! Beinahe hätte der verdammte Kerl ihren ganzen schönen Entschluß wieder über den Haufen geworfen. Auf einmal wollte sie sich nicht mehr recht entschließen, mit den Kindern herzuziehen: es wäre doch gar zu verlassen, zu einsam hier oben. Sie fürchtete sich aufs neue. Und sie hatte doch fest versprochen gehabt, zum ersten August spätestens oben zu sein! Er wollte dann darum einkommen, daß er ein Häuschen für seine Familie gebaut bekam, nicht allzuweit ab, etwa auf halbem Weg zwischen Heckenbroich und der Strafkolonie, sodaß man doch Weib und Kind sehen konnte, wenn es einem gar so gelüstete. Er hatte sich das so schön gedacht – und nun?!
Bräuer zog die Stirn zusammen, sein Gesicht wurde streng: siemußteherauf. Sie waren Mann und Weib, und das Weib hatte dem Mann zu folgen. Das wollte er ihr heut sagen zum Abschied.
Er zog die Uhr und sah finster darauf: elf Uhr. Nur noch eine Stunde, und Thereschen war fort! Dann rollte sie da unten hin in dem schwarzen Zuge über die Geleise, und er hatte das Nachsehen. Er seufzte auf. Unwillkürlich beschleunigte er seine Schritte: je früher er zum Bahnhof kam, desto länger hatte er noch was von ihr. Er lief fast Trab, und dabei grübelte er in sich hinein: wie sollte er’s nur anstellen, sie sobald als möglich wieder hier oben zu haben? Es dünkte ihn jetzt viel unmöglicher, ohne sie zu sein, als da er das erste Mal von ihr geschieden war.
Eine bittende Stimme schreckte ihn auf. »Könt Ihr mir saone, wie vill Uhr et is?« Die kleine Hirtin saß auf einem Stein, nicht weit von den Tannen. Jetzt rutschte sie von ihrem Sitz herab, legte ihr Strickzeug sorglich nieder und kam mit trippelnden Schrittchen lächelnd auf ihn zu.
Sein finsteres Gesicht wurde ein wenig freundlicher: so würde sein Töchterchen vielleicht auch einmal aussehen, nur daß es Flachszöpfchen hatte, nicht so dunkele Haare wie die hier. Er antwortete: »Elf Uhr!«
»Merci. Da moß ich baal no hem driwe. Dä Küh weiden äwer noch esu jot!« Sie nickte und wollte wieder zu ihrem Sitz zurück, zierlich durch das Heidekraut trippelnd trotz der plumpen, schwergenagelten Schuhe, die aufs Wachstum berechnet, viel zu weit um ihre zarten Knöchel schlorrten.
Er sah sie flüchtig an, dann betrachtete er sie interessierter; das ernsthafte Gesichtchen unter dem weißen, rot-gepunkteten Kopftüchelchen gefiel ihm wohl. Daß die Eltern dies junge Kind so ganz allein in die Einsamkeit schickten! Er vergaß ganz, daß er selbst einst auch draußen im Venn, noch viel weiter draußen, noch viel ferner von jedem Menschen, das Vieh gehütet hatte. Aber er war ein Junge gewesen,dies hier war ein Mädchen. »Biste nit bang?« fragte er.
Sie sah ihn groß an und schüttelte, ganz verwundert, verneinend den Kopf.
»Wem biste?«
»Huesgens – ich bin jo dat Kathrinche!« Sie nahm es als ganz selbstverständlich an, daß er sie nun kannte; jeder im Dorfe kannte sie ja.
Aber er sagte: »Huesgen – Huesgen?«
»Huesgen-Jörres, am jrünen Klee, wo dir immer vorbeijeht, wenn dir nor Kirch jeht!«
»Kennste mich denn?«
»Oh, ich kennen Uech siehr jot, dir sed der Herr Bräuer von dem Huhs do!« Sie nickte nach dem roten Dach hin, das über eine Erdwelle hervorleuchtete. »Dat sieht mer jo esu wiet. On wann dir möt Uehre Leut vorbeikott, da kieken ich ömmer hinger der Heck eruhs.«
»Schmeißt du auch mit Steinen oder streckste de Zung eraus?«
Sie wurde ganz dunkelrot und sagte kein Wort.
»No, dann adjüs,« sagte er gutmütig und streckte ihr die Hand hin.
Aber sie gab ihm die ihre nicht. »Adjüs,« sagte sie nur und nickte; sie war gekränkt: wie konnte er nur denken, sie würde die armen Leute mit Steinen schmeißen?!
Er sah noch einmal nach ihr zurück, ehe er in die Senkung zur Bahn hinabstieg. Ein Trupp seiner Strafgefangenen näherte sich jetzt der Ley, die Schaufeln geschultert; sie fingen nicht weit von dem Platz der Hirtin zu arbeiten an. Bräuer krauste die Stirn: er mußte doch wirklich den Huesgens mal sagen, daß die ihr Mädchen wo anders zum Hütenhinschickten. Es gab ja noch Plätze genug. Warum denn gerade hier, so nahe der Kolonie?!
Aber er dachte nicht mehr weiter daran, als er jetzt an der Station stand und sein Thereschen im Arm hielt. Die Frau weinte bitterlich, viel heftiger, als da er fortgezogen war im Februar. Jetzt war ihr Herz geteilt: sie hatte ihn ja so lieb und fürchtete sich doch so sehr. Ihr schöner, stattlicher Mann – ach, würde sein starker Arm sie doch bald wieder umfassen! Und doch – der Rotfuchs, die Kerle alle! Und dann das Venn!
Er sprach kein Wort von ihrer Übersiedlung hierher. Er stieß nur heraus: »Jrüß die Kinder, jrüß die Kinder,« und preßte ihr die Hand dabei so fest, daß sich ihr der Trauring schmerzhaft ins weiche Fleisch drückte. Als sie schon im Coupé saß, stand er noch auf dem Trittbrett und drückte ihr die Hand. Er sprang erst ab, als der Zug schon in Bewegung war. »Jrüß die Kinder!« Ein Ruf, ein Winken, ein lautes Aufschluchzen im Coupé – fort war die Frau, und der Aufseher Simon Bräuer wieder allein mit seinen Vierzig auf einsamem Venn.
Festen Schritts, aber den Kopf gesenkt, verließ der Mann den Bahnhof. Nun fiel es ihm ein, nun, da es zu spät war, was er ihr hatte sagen wollen: siemußteherkommen, siemußte. Spätestens zum ersten August! Er machte eine Handbewegung: egal, es gab ja auch Feder und Papier, er würde es ihr sofort schreiben. Und er glaubte auch zu fühlen – ja, er hatte es gefühlt an ihrem letzten Kuß – daß er sie kaum zu treiben brauchte. Sie kam her, sie kam bald her, so schwer es ihr auch wurde!
Die Traurigkeit abschüttelnd, überlegte Simon Bräuer, daß, nun er den Hilfsaufseher doch einmal bestellt hatte, es ganz gut wäre, wenn der sich schon mit den Kerls ein wenigeinlebte. Wenn die Frau erst da war, würde er doch öfter fort sein; und auch nachts. Er beschloß, auf einem anderen Wege, in einem Bogen durchs Dorf, nach der Kolonie zurückzugehen. Bei dieser Gelegenheit konnte er sich gleich einmal nach einer Wohnung für Thereschen umsehen. Bis das Häuschen für sie gebaut war, würde es doch zu lange dauern.
Oben auf dem Venn hatten sich die Strafgefangenen zerstreut. Heute waren sie nicht unter so strenger Hut. Der Roßschlächter und der Schuster hatten sich zusammengefunden. Sie arbeiteten nebeneinander, stachen aber nur blindlings mit ihren Spaten drauf los; ihre Augen funkelten, sie wisperten hastig miteinander.
»Los, los, lassen mir jetzt auf und davonrennen!« flüsterte der Süßchenbäcker. Pah, der Hilfsaufseher war nur ein schwacher Kerl, den schlug er mit einem Spatenhieb nieder!
Der andere wurde blaß und rot. Auch seine Nüstern blähten sich, er witterte schon die Freiheit. Frei, frei! Er stöhnte, seine Hände umklammerten den Spaten wie eine Waffe; aber er erhob ihn noch nicht, er stürmte noch nicht los wie ein Wilder. Er traute sich doch nicht.
»Los, los!« hetzte der andere. »So jut treffen wir dat nie mehr wieder. Der Bräuer is sein Frau fortbringen – voran, – voran – bald kömmt de retour!«
Sein Flüstern hatte etwas Anfeuerndes. Und etwas Betörendes hatte die Luft, die heute so selten warm, so lind wehte, als wollte sie Wangen und Stirnen umschmeicheln. Und es war alles hell, man konnte sehen, wohin man trat, man brauchte nicht die Sumpflöcher zu fürchten. Ehe es dunkelte, war man bereits über die Grenze. Da – da – sah man sie denn nicht?!
Der Süßchenbäcker machte »Pst!« und winkte dem Genossen mit den Augen, kaum merklich mit dem Kopfe hinnickend:da, wo das Venn und der Himmel zusammenflossen, als wären sie eins, – alles wie blaue Luft – da, wo der winzige Würfel in der blauen Luft sich abzeichnete und daneben drei Strichelchen standen, wie Haare so dünn, da war das Grenzhaus, die Baraque mit den drei Bäumen! Daran mußten sie sich vorbeischleichen. Vorsicht, Grenzjäger patrouillierten da herum, um alles Zollpflichtige aufzuschnappen. Haha! Heimliches Lachen stieß den starken Mann: wofür war er denn ein Schlächter? Einen Knüttel hatte er sich unterwegs aufgelesen, mit dem gab er dem Störenfried, der ihnen in den Weg trat, eins vor die Stirn, daß er betäubt zu Boden fiel. Und dann eins, zwei, drei über die Grenze weg! Da, da! Er puffte den Kameraden in die Seite und sagte fast laut: »Da is Belligen, da sind wir frei!«
Niemand hatte es gehört. Der Hilfsaufseher hatte nicht so scharfe Ohren wie Bräuer und auch nicht so scharfe Augen. Er hatte genug zu tun mit dem Rotfuchs; der arbeitete nicht, wie sich’s gehörte.
Der Roßschlächter lachte: »Dat is jut, dat is jut, der Rotkopp kriegt de Huck voll! Los, Kamerad, nu lasse mir käpernicken!« Er hob den Spaten, er wollte davonstürmen, er öffnete den Mund, als wollte er ›Hurra‹ schreien, da hemmte ihn ein unterdrückter Fluch des anderen.
Ohligs hatte den Kopf gehoben – frei sein, nur frei, schon atmete er die Freiheit – aber der Strahl in seinen Augen erlosch jäh. Ein unterdrückter Schrei der Wut und der Enttäuschung entfuhr ihm: da kribbelte es ja plötzlich in der Weite des Venns wie ein Bienenschwarm. Es schwärmte dahin, es schwärmte dorthin – Fähnchen wimpelten – Lanzenspitzen blinkerten – Pferdebeine trappelten und stampften Staub aus dem Heidegrund – Kommandos schallten, scharf und schneidig – der Trupp schwenkte ab.Aber andere Trupps tauchten auf, tauchten unter: woher, wohin? Und Fußvolk marschierte in einer Kolonne heran, man hörte aus der Ferne das dumpfe Stampfen; schnell formierte sich eine lange Linie: Seitengewehre vor – bum, ein Kanonenschuß von irgendwo her – und nun Geknatter. Kleingewehrfeuer. Eine Gefechtsübung.
»Verflucht!« Der Süßchenbäcker schleuderte den Spaten hin, daß er vom Stiel abflog: nun war nichts mehr zu wollen! Mit einem Wutgebrüll schmiß er sich auf den zerbrochenen Spaten nieder und rührte sich nicht.
Der Hilfsaufseher kam eilig herbeigelaufen: was ging denn hier vor? Nun hatte er doch etwas gehört. Aber er war kein Simon Bräuer; wenn er auch die Flinte umfaßt hielt, ganz umsonst gebot er, der Sträfling stand nicht vom Boden auf, gehorchte auch keinem Fußtritt und keinem Rippenstoß. Vergebens fluchte er und schrie, der Süßchenbäcker wälzte sich am Boden und heulte wie ein Besessener. Verzweifelt blickte der Hilfsaufseher aus: wenn doch Bräuer zurückkäme! Aber der war noch nirgend zu sehen. Es blieb ihm nichts übrig, als den sich Wälzenden von ein paar stämmigen Genossen an Armen und Beinen packen und nach dem Hause hinschleifen zu lassen.
Der Sträfling widersetzte sich nicht mehr; wie ein Toter ließ er sich abschleifen und ins Kaschöttchen werfen. Dabei lachte er heimlich in sich hinein: wenn er auch jetzt bei Wasser und Brot im Dunkeln sitzen mußte, der Kerl, der Hampelmann, die Bangbüx von Hilfsaufseher, kam erst recht in des Teufels Küche! Dies auszudenken machte ihm Spaß, soviel Spaß, daß ihm fast die Wut verging über die vereitelte Flucht.
Während der Hilfsaufseher drinnen im Haus zu schaffen hatte, die schwere Bohlentür vor dem dunklen Loche zuschlugund die Riegel vorlegte, irrte draußen die übrige Herde führerlos.
Viele arbeiteten nach wie vor, stumpfsinnig, als sei nichts geschehen. Sie hatten bei dem Lärm nicht einmal die Blicke erhoben; wie Lasttiere, das Joch auf dem Nacken, trotteten sie Schritt für Schritt weiter, stachen die viereckigen Ausschnitte aus dem Boden und stülpten sie auf. Was ging es sie an, wenn einer revoltierte?! Das verbesserte ihre Lage doch nicht; höchstens wurde der Bräuer noch strenger.
Der alte Kunde, der Paternoller, hatte sich an Jakobs herangemacht; seit der Rotkopf neulich so gestöhnt hatte, war es dem Alten, als müsse er dem Jungen etwas zugute tun. »Ruh dich aus, ruh dich wat aus,« mahnte er. »Jetzt sieht dich niemand. Jung, du kannst ja nit mehr!«
Der Blasse hatte bis jetzt fortgearbeitet; Schweiß troff ihm von der Stirn, seine Brust zitterte unter angestrengtem Atmen. Nun, da der Alte ihn anredete, schreckte er auf: »Laß mich in Ruh!« Aber dann stöhnte er: ja, er konnte nicht mehr! Scheu sah er sich um – niemand beobachtete ihn – und der Alte hier würde ihn nicht verraten! Mit ein paar Sätzen war er hinter dem nächsten Gebüsch, warf sich da lang hin und keuchte sich aus. Aber bald, nun er ruhte, ließ das Arbeiten in seiner Brust nach, er fühlte etwas wie Wohlbehagen. Ah, die Luft war heut schön! Der Duft der großen Tannen an der Ley kam herüber und mischte sich mit dem strengen und doch wohltuenden Geruch des Heidekrauts. Blaßrosa Glöckchen in niedrigen kleinen Büschelchen blühten zwischen dem anderen höheren Kraut. Der Sträfling riß ein paar Stengelchen davon ab und steckte sie zwischen die Lippen. Er saugte daran; harzig und bitter schmeckte das, aber es tat seinem immer trockenen Munde doch wohl. Er schloß die Augen.
Um ihn summte es –Bienenim Wind – oder war es der Wind selber in den Ästen der Tannen? Sonst nichts. Nicht die harte Stimme des Aufsehers. Da, plötzlich ein Singen! Er erschrak; ein Anruf des Aufsehers hätte ihn kaum so erschreckt.
»Der dritte schütz’ mich immerdar,Daß mir nichts Böses widerfahr’!«
»Der dritte schütz’ mich immerdar,Daß mir nichts Böses widerfahr’!«
»Der dritte schütz’ mich immerdar,Daß mir nichts Böses widerfahr’!«
»Der dritte schütz’ mich immerdar,
Daß mir nichts Böses widerfahr’!«
Da stand ein kleines Mädchen nicht weit von ihm in der Heide, bückte sich und pflückte von den rosa Glöckchen. Einen dicken Strauß hielt es schon in den Händen. Er glotzte.
Das Kathrinchen war gar nicht erschrocken über den Mann, der da plötzlich hinter einem Brombeergestrüpp vor ihm lag: ei, der war müd, der ruhte sich aus! Emsig pflückte es weiter: hier blühten die Glöckchen am allerschönsten, ein Kranz davon mußte die Mutter Gottes in der Ley herrlich kleiden!
Es war Kathrinchen plötzlich eingefallen, der Maria im Stein einen Kranz zu binden, als sie so still dagesessen und gestrickt hatte. Die Kühe waren ja brav, die liefen nicht weg, sie konnte sich schon getrauen um den großen Felsen und um die schwarzen Tannen herumzuwandern und Blumen zu pflücken, da, wo sie am schönsten blühten.
Sie lächelte den Mann an.
Er sagte nicht ›Guten Tag‹, er wies nur mit ausgestrecktem Finger auf ihren Rocksaum.
Sie guckte an sich herunter. O weh! Mit Schrecken sah sie, was sie angerichtet hatte: ihr Strickzeug, Jesus, ihr Strickzeug! Sie schleifte es hinter sich her, der Wollfaden hakte an den scharfen Pinken ihrer Schuhe fest; er war nicht gerissen, aber ganz verwirrt, vom Knäuel abgewickelt und mit Strümpfchen und Nadeln und allerlei dürrem Kraut unentwirrbar zusammengedreht. Sie stieß einen Jammerruf aus,ließ ihren Strauß fallen und faßte mit beiden Händen nach dem Strickzeug. Der Faden hatte sich ihr wohl zehnmal ums Bein geschlungen, sie saß wie in einer Fessel, sie kam nicht heraus.
Der Mann lag auf dem Bauche, das Gesicht zwischen die Hände gestemmt, und beobachtete sie. Er rührte sich nicht: war die niedlich! Die blassen Lippen seines mageren Gesichts verzogen sich, er zeigte in einem stummen Lachen das ganze Gebiß. Solch niedliches kleines Dingelchen hatte er wahrhaftig noch nie zu sehen gekriegt! Das Wasser lief ihm im Munde zusammen. Aber das Dingelchen kriegte den Faden nicht los vom Bein, es verzog das Gesicht zum Weinen. Da fletschte er die Zähne: »Wart, ich helf dir!«
Geschmeidig kroch er heran, immer auf dem Bauch rutschend; kroch immer näher an sie heran und nahm ihr Beinchen in die Hand. Der Strumpf war heruntergerutscht, er fühlte das nackte Fleisch, warm und weich. Ein Schauer durchrieselte ihn; er stieß einen zittrigen Seufzer aus. Langsam begann er, den Faden vor dem Beinchen abzuwinden.
»Merci,« sagte Kathrinchen jetzt erleichtert. Aber dann schlug sie die Hände zusammen: oh weh, wie sah das Strickzeug aus, die Maschen waren von den Nadeln gerutscht, alles kaputt! Geschwind kauerte sie sich nieder: schnell, schnell, daß nur nicht noch mehr Maschen herunterfielen! Sie wurde blutrot, ihre Hände fingen an zu schwitzen, Tränen schossen ihr in die Augen; sie kam nicht mit der Arbeit zustande.
»Heul nicht,« sagte der Sträfling und nahm ihr das Gestrick aus den Händen. Das Stricken hatte er gelernt, als er das erste Mal gesessen hatte; nun kam es ihm zu paß.
Sie sah ihm zu mit großen Augen, ganz hingenommen von seiner Geschicklichkeit. Er raffte die Maschen auf und strickte ein paar Male herum. Sie sprang auf und wolltehell jubeln. Er aber riß sie heftig am Rock wieder nieder: »Halts Maul!« und nickte mit den scheuen Augen aufs Venn hinaus zum Hause mit dem roten Dach hinüber.
Da sah Kathrinchen erst, daß er Sträflingskleidung trug. Aber auch jetzt war sie nicht bange: der war ja so gut! Verständnisvoll nickte sie: er wollte sich wohl hier ausruhen von seiner schweren Arbeit, und nun mußte sie still sein, sonst kam der Aufseher und holte ihn! Sie duckte sich ganz geschwind wieder nieder zu ihm hinter den dichten Busch. St, ganz still!
So blieben sie noch eine Weile zusammen. Er lag auf dem Bauche, die Ellenbogen aufgestemmt, das Gesicht zwischen den Händen und betrachtete sie immerwährend. Sie hatte ihre Kühe ganz vergessen, strickte eifrig, das Versäumte wieder einzubringen. Und dabei unterhielten sie sich, ganz leise, flüsternd, damit niemand sie höre. So scheu sonst Kathrinchen vor Fremden war, so gesprächig war sie jetzt; sie erzählte von der Schule, von den Eltern, von den Geschwistern und von der Maiblum daheim. Sie hatte ja den ganzen Tag so still sein müssen.
Er hörte ihr zu mit offenem Munde und verschlang sie fast mit den Blicken. Plötzlich schreckte er auf, eine Stimme hallte laut. Der Bräuer, kam der schon wieder?! Nun hieß es, sich davonmachen. »Bis auf ein andermal,« flüsterte er heiser. Ob sie ihm wohl die Hand geben würde?
Sie gab ihm freiwillig die Hand.
Oh, wie tat ihm das wohl, daß das Kind sich nicht vor ihm fürchtete! Starr, unverwandt hingen seine Blicke an ihr. Die Furcht saß hinter ihm – da war ja schon der Bräuer – aber er konnte sich gar nicht trennen. Ein heißes Verlangen kam ihm plötzlich, die Kleine zu küssen. Kaum bezähmte er sich: nur nicht sie erschrecken! Wenn er das tat, sie in seine Armepackte, dann kam sie vielleicht nicht wieder, nie wieder – und sie sollte, sie mußte wiederkommen. Er mußte sie noch einmal antreffen hier hinter dem Busch!
Als Kathrinchen diesen Abend nach Hause trieb, war sie glücklich; der Tag war ihr gar nicht lang geworden. Ihre sieben Stück waren auch brav gewesen, hatten sich so satt gefressen, daß sie keine Seitensprünge mehr machten, sondern bedächtig hintereinander gingen mit wackelnden Bäuchen. Es bedurfte keines Knalls und keines Schlages mit der langen Peitsche, die noch einmal so lang war, wie die Hirtin selber. Der Bauer hatte Kathrinchen einen Hund mitgeben wollen, aber sie hatte keinen gewollt; sie hatte ein bißchen Angst vor Hunden, die bellten so laut.
Die Hirtin sang leise vor sich hin während des ganzen Weges. Um das Kreuz der Ley verglühte das Abendrot; es hüllte auch sie mit in seinen Schimmer. Das Rot des Himmels strahlte weit; der Fluß im Talgrund, drunten das weiße Bahnhofsgebäude und die Gleise, oben das einsame Haus auf dem Venn, das Dorf, an Mattenhängen sich langziehend, seine Hecken und der überragende Kirchturm, alles war rosig bestrahlt.
Holzarbeiter kehrten heim aus den Wäldern, ein Angler kam vom Forellenfang, die Torfstecher kamen zurück, ein Bauer trieb seinen Ochsen zum Schmied weiter ins Dorf hinein, um ihn beschlagen zu lassen, und durch die Heckenausschnitte sah man die Frauen auf den Türschwellen sitzen und Kartoffeln schälen. Kathrinchen grüßte, manch freundlicher Gegengruß wurde dem Hütekind.
An der Hecke beim Adams stand schon die Bäuerin und nahm die Kühe in Empfang; sie gab Kathrinchen ein Schmierchenbrot. Gern hätte Kathrinchen das selber gegessen, ganzverstohlen leckte sie einmal daran im Schutz der Hecke – ha, wie lecker! – aber sie gönnte es sich nicht. Das sollte die Mutter haben oder die Bäreb.
Aber Bäreb war noch nicht daheim. Den Geschwistern war es zu lang geworden, auf den letzten Zug unten am Bahndamm zu lauern: wer weiß, am Ende kam die Bäreb auch mit dem Zuge noch nicht! Frau Huesgen war in einiger Unruh: die Bäreb hatte doch so bestimmt gesagt, daß sie heute wiederkommen würde. Und morgen mußte sie ja wieder in die Fabrik. Und nun war es schon so spät!
Den Kindern, die um den Tisch saßen, glänzten die Augen: ha, Milchsuppe mit Brotbrocken drin, wie lange hatte es keine solch gute Suppe gegeben! Die liebe Maiblum! Wenn doch die Bäreb käme, was würde die dazu sagen! Sie platzten fast vor Begier, der Schwester etwas zu verkünden.
Es war dunkel in der niedrigen Küche, ein Lämpchen wurde jetzt nicht mehr angezündet wie im Winter, das sparte man. Man sah fast nichts mehr, nur mitunter glitzerten beim Fallen von Funken im Aschenloch die hurtig sich drehenden Augäpfel der Kinder. Der Suppennapf war geleert, die Blechlöffel auf den Tisch gesunken, müde gähnten die Kleineren. Wie spät mochte es wohl sein? Sie konnten den Himmel nicht sehen, hatten keine Uhr im Haus, und auch keine schlug von der Kirche. Ob die Bäreb nun noch kommen konnte?! Unruhig ging dieMutterzur Tür hinaus und kam ebenso unruhig wieder zurück. Es half nichts, man mußte ohne Bäreb den Rosenkranz beten. Frau Huesgen kniete nieder, ihre Kinder knieten um sie her. Ein Ave reihte sich an das andere.
Obgleich das Fenster geschlossen blieb und draußen die Hecke hoch ragte, hörte man doch das betende Murmeln bis auf die Straße hinaus. So hört man’s um diese Zeit, da Nacht sich senken will und die Hecken schwarz ragen, fast aus jedemHause von Heckenbroich. Die Mutter betete vor mit einigen Kindern: »Gegrüßet seist du, Maria,« und im Zusatze: »der uns den heiligen Geist gesandt hat!« Die anderen antworteten: »Heilige Maria, bitte für uns Sünder!«
In Frau Huesgens Seele zog Ruhe ein: was hatte sie denn, daß sie sich so aufregte? Ihre Kinder standen ja unter der Heiligen Schutz! Sie bekreuzigte sich fromm.
Da wurde die Tür hastig aufgerissen – ein wohlbekannter Tritt – da stand die Bäreb. Ja, sie war’s, obgleich man sie im Dunkeln kaum erkennen konnte. Der Dores greinte.
DieMutterriß ihn in ihre Arme und küßte das übermüdete, weinende Kind: Dores, ihr Doreschen, nun war er wieder da, und war so viel besser!
»’n Abend zusammen,« sagte Bäreb. Aber ihre Stimme klang gedrückt; es war nichts von der Freude darin, wieder daheim zu sein.
Die Geschwister umringten sie, Kathrinchen schmiegte sich an sie, die Jungen rissen ihr fast den Rock vom Bund; jeder wollte sie anfühlen, jeder wollte ihr die Wangen patschen, und jeder ihr gleich ins Gesicht schreien: »Oß Maiblum, oß Maiblum! De hat e Kalev krigge, esu e fing Kalev!«
Bäreb war zusammengezuckt, sie sagte kein Wort, sie lachte auch nicht mit den Geschwistern. Langsam, schwer tappte sie hin zum Tisch und setzte sich auf die Bank. Sie stützte den Kopf, und dann brach sie plötzlich in ein heftiges, schluchzendes Weinen aus.
Die Kinder standen verdutzt: die Bäreb weinte, weil die Maiblum ein Kalb gekriegt hatte? Was fiel der denn ein?! Aber Frau Huesgen nahm’s nur als Freude, sie wußte, wie Bäreb an der Maiblum hing. Und konnte sie denn nicht auch vor Freuden weinen, daß ihre Wallfahrt so gut geholfen hatte?! Sie strich der Tochter übers Haar, von dem dasKopftuch heruntergeglitten war. Rauh und verwahrlost lagen die Haare an den Schläfen, und als Kathrinchen jetzt doch eine Lampe angezündet hatte, sah die Mutter, wie blaß und verstört die Bäreb aussah, gar nicht zum Kennen, förmlich alt und herabgekommen vor übergroßer Müdigkeit. Ja, es war eine harte Tour gewesen, noch dazu mit dem Dores! Aber der Herrgott im Himmel würde es der Bäreb schon lohnen, was die aus Liebe zu den Ihren getan hatte. Und nun, wie war’s denn gewesen, wollte sie denn gar nichts erzählen von Echternach?! Sie brannten alle darauf.
Aber Bäreb schüttelte stumm-verneinend den Kopf.
Nun morgen, bis morgen würde man sich ja noch gedulden, da würde man schon alles zu hören kriegen, jetzt war die Bäreb zu müde! Frau Huesgen trieb die Kinder zu Bett. Gleich darauf lag auch Bäreb neben Kathrinchen und schlief wie eine Tote. –
So müde auch Bäreb gewesen war, am Morgen war sie doch schon wieder früh auf, so früh, daß sie bereits zur Fabrik gegangen war, als die Mutter erwachte. Und am Abend kam sie so spät wieder, daß es schon dunkel war in der Hütte, als sie eintrat. Und so ging es Tag für Tag, Woche um Woche; immer war’s so.
Und es war, als sei Bäreb nie fortgewesen, als sei kein Echternach in ihr Leben getreten. Nur am Sonntag, wenn auch der Vater daheim war, dann hatte Bäreb Zeit, an Echternach zu denken; dann erzählte sie wohl auch – Wunderdinge – ihre blassen Wangen röteten sich dabei, und Eltern und Geschwister lauschten, die Augen aufgerissen, in einer andächtigen Scheu.
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Der Juli war auf seiner Höhe, die Matten um Heckenbroich in die Halme geschossen; zartes Reihgras mit tausenden von Blumen durchsetzt, stand in leuchtenden Farben. Bunten Teppichen gleich, in allen Schattierungen von rot und blau, von gelb und weiß, säumten die Wiesen den Fluß-Grund und stiegen an den Hängen hinauf, bis hoch zum Venn.
Das dörrte jetzt schweigend im Sonnenbrand. Wo sonst grünes Gras aus feuchtem Grund gewuchert hatte, war es jetzt trocken und das harte Sauergras war gelb und schilfig geworden. Die Rinnsale alle, die das Venn durchschleichen, die Bächlein, schmal, zweihandbreit, die man kaum sieht im buschigen Grund, unterm Grün der Preißelbeere zwischen den Moospolstern, wollten jetzt versiegen. Nur der Fluß im Tal und der Bach in der Au hatten noch Wasser; aber auch sie rauschten und sprangen nicht mehr in sprudelnder Frische über die Steine, langsamer zogen sie hinab, wie müde geworden.
Das Venn tat sein Maul auf. Der moorige Grund schrumpelte ein in unzählige Falten und Fältchen, wie ein runzliges, altes Gesicht; und dann riß die Erde in handbreite Spalten. Stundenweit konnte man jetzt trockenen Fußes gehen, wo man sonst hatte waten müssen; nur die ganz tiefen Löcher hatten noch Wasser, aber es war von einer trügerischen Grasnarbe zugedeckt. Die ganze Fläche war besetzt mit den schwarzen Haufen der Torfstücke, die die Torfstecher aufgesetzt hatten zum Dörren; Totenhügeln glichen sie nach einer mordenden Schlacht.
Ab und zu ragte ein Kreuz, verwittert, kohlschwarz, schief auf die Seite gesunken, einem Toten zum Gedächtnis gesetzt in dieser schattenlosen, angeprallten, atem-anhaltenden Einsamkeit.
Regungslos standen die Grenzen der Tannenwälder. Das Wild trat heraus am hellichten Tage, es wartete nicht mehrden Abend ab; in Rudeln kam es bis dicht vors Dorf, um in den beblümten Matten zu äsen. Es hatte Hunger, denn die zarten Farrenwedel, die unter den Tannen grünen, waren längst geknickt von der Hitze, Moos und Gras versengt von den Strahlenschwertern, die an den nackten Tannenstämmen niederfuhren bis zum Grund. Erbarmungslos war jeder Stengel geköpft. Die Preißelbeere zeigte die Notreife, und die Heckenbroicher besprachen schon die Aussichten dieser Beerenernte. Aber vorerst hatten sie noch ihre erste Ernte einzubringen: das Heu.
Überall wurden die Wiesen gemäht, überall duftete es nach Heu. Zu rasch fast trocknete es, wie Pulver zerrieb es sich zwischen den Fingern, man konnte nicht eilends genug es wenden; das war ein jähes Dörren, fast dem Verkohlen gleich. In der glühenden Luft ging aller Saft verloren, alle Kraft, die doch darin bleiben muß, soll das Vieh sich gut nähren. Und es wurde noch heißer, immer noch heißer. Jeden Tag die gleiche eintönige Bläue, die nicht vom kleinsten Wölkchen durchsegelt ward; ein Himmel von eherner Monotonie. Die Augen sehnten sich nach Grau, nach trüber Beleuchtung; es tat ihnen weh, immer in diese blinkernde, blendende Weite zu sehen.
Balthasar Adams vom grünen Klee kratzte sich bedenklich den Kopf. Er hatte die meisten und besten Wiesen, aber auch er hatte dies Jahr zu klagen: das Heu hatte gar keinen Gehalt. Und noch immer keine Aussicht auf andere Witterung. Sonst hatte man den Regen in der Heuernte immer gefürchtet, jetzt hätte man ihn gern haben mögen; acht Tage hintereinander, das wäre nicht zuviel gewesen. Was sollte man machen, wenn das Wetter so blieb?! Dann verbrannte auf den gemähten Wiesen die Grasstaude bis in die Wurzel, sie trieb nicht mehr aus; es gab eine erbärmliche Weide fürs Vieh diesen Herbst.Und man hatte selber bald kein Wasser mehr; tief, tief mußte man jetzt schon den Eimer hinablassen in den Brunnen, so tief als die Kette reichte, und brachte dann doch nur trübes und grundiges Wasser herauf. Eine Dummheit war’s von dem Leykuhlen gewesen, fast eine Fahrlässigkeit war’s zu nennen, daß er, anstatt den Kirchenbau so zu betreiben, nicht lieber eine Wasserleitung gebaut hatte! Er war Bürgermeister – der geistliche Herr war schon alt – er, er mußte es doch wissen, was der Gemeinde am nötigsten tat. Wie lange würde es noch dauern, und man hatte, wenn das Wasser so schlecht wurde, die Krankheit hier, die wie ein Gespenst sich zuzeiten immer wieder sehen ließ im Land.
Der Bauer Adams trank längst wieder aus seinem Brunnen. Was kümmerte es ihn, daß es verboten war?! Sein Nachbar Zumstädtchen tat es ja auch. Aber ein gutes Gewissen hatte er doch nicht dabei. Ja, hätte man nun eine Wasserleitung, wie man sie hätte haben können, vom reinen Wasser des Aubachs, man wäre aller Unruh und allen Ärgers ledig gewesen. Der Leykuhlen, der Leykuhlen mit seiner Kirch, der Teufel sollte ihn holen mitsamt seinem Frommsein!
Ein grimmiger Zorn gegen den Bürgermeister faßte den Bauer. Ein um so größerer, als er klug war, um sich nicht selber auch einen Teil Schuld beizumessen. Er war die gewichtigste Stimme, hatte die meisten Weiden, das meiste Vieh, warum hatte er denn nicht das Maul aufgetan und dagegen gesprochen, als sie alle schrieen: En neue Kirch, en neue Kirch, und dem Bürgermeister zustimmten?!
Seitdem man dem Adams seinen Brunnen verschlossen hatte – seinen eigenen Brunnen, auf seinem eigenen Grund und Boden, so daß er nur nächtens daraus schöpfen konnte, heimlich daraus stehlen mußte wie ein Dieb! – seitdem hatte sich seine Meinung völlig geändert. Eine Wasserleitung mußtesein, eine Wasserleitung hätte längst sein müssen, daß man nicht solchen Unannehmlichkeiten ausgesetzt war! Seine Hände, die er in beiden Taschen der Buckskinhose stecken hatte, ballten sich unwillkürlich zu Fäusten. Er sah den Leykuhlen da hinten durch die Wiesen schreiten – aha, der sah nach seinen Knechten, die dort mähten – der kam ihm gerade recht!
»Hela!« Er schrie ihn an, und als der andere nicht gleich hörte, weil selbst die starke Männerstimme in der großen Weite verflatterte wie ein schwacher Kinderruf, legte er die beiden Hände als Schallrohr an den Mund und brüllte hinein mit Aufbietung aller Kräfte: »Hela!«
Da stutzte Leykuhlen und sah sich um.
Jetzt hatten sie sich ins Auge gefaßt. Der dürre Adams schwenkte die Arme und gestikulierte. Sie kamen aufeinander zu.
»Burjermeester,« sagte der Bauer, »da ’s jot, dat ich Uech ens treff! Wie is et dann mit der Wasserleitung? Solle mir noch lang dat Wasser saufe uhs oß Pötze? De Frösch springen drin!« Er sah den andern blinzelnd an: das war ja ein bißchen übertrieben, aber das schadete nichts, der Bürgermeister sollte merken, daß es ihnen nun Ernst war, daß sie nicht damit einverstanden waren, daß das Geld, das schöne Geld der Gemeinde so verbaut worden war! Er knurrte grimmig: »Hm, is dat en Trockenheit – Jeses, en Hitz! – und wann mir keen Wasser mieh hant, wat dann?«
Leykuhlen war blaß, aber eine heiße Röte trat ihm jetzt auf die Stirn. »Bin ich der liebe Herrjott? Kann ich rejnen lassen über Nacht und am Tag die Sonn scheinen? Akkurat esu, wie et Uech passend wär?!« Er zuckte die Achseln und sah niedergeschlagen und abgespannt aus.
»Davon is jo keen Red!« Adams brauste auf: was stellte der Bürgermeister sich denn so dumm? »En Wasserleitunghätt’r baue solle, dozumal, wie m’r esu jot bei Kass’ wore! Wat fange mir mit der jruße Kirch an? Die alt war noch lang jot. Do bruchte mir keen Angst ze han, dat oß Pötze zu End jonn. Der Zumstädtchen hat heut nühst wie Schlamm eropjehollt!« Mit bösen Augen sah er dem Bürgermeister ins Gesicht.
Leykuhlen hielt den Blick ruhig aus. »Wat regt Ihr Uech esu op, Adams,« sagte er dann. »Et is wahr, et is en schlimm Zeit, äwer de Sonn hat oß noch nie jeschadt!« Er legte dem Bauern die Hand auf die Schulter und versuchte ein Lächeln. »Ihr seid doch ’ne kloge Mann, laßt doch nit jlich der Mut falle! Et hat noch immer, immer jot jejange. Wenn et esu bleibt, müsse wir uns eben Wasser fahren, aus dem Aubach erop, in Fässern. Dat is dann nit angersch!«
»So?« Zornsprühend sah ihn der sonst so ruhige und gehaltene Bauer an. »So, un wer soll dann in dieser Zeit oß Heu einfahre? Et hat nit jeder esu vill Ochse, wie Ihr habt. Un noch zwei Perd. En halev Stund erunter, en Stund erup – wat sollen die Leut dann maache, die kee Fuhrwerk han?«
»Wir werden ihnen aushelfen, dafür sind wir Heckenbroicher. Mer soll von uns nit sagen, dat wir Brüder im Stich jelassen hätten!«
»Jo woll, jo woll,« höhnte Adams, »predigt Ihr nur esu weiter, dat hört sich alles siehr schön an. Ihr hätt oß nur früher nit im Stich losse solle. Jo, Ihr, Ihr!« Er fuchtelte dem andern mit seinem Finger immer vor der Nase herum. »Et is jot fromm sein in anger Leuts Tasch. So’n Dommheit, so’n Unsinn, esu en jruße Kirch zu baue, wenn et Nötigste im Dorf fehlt!« Er räusperte sich zornig und spuckte aus in großem Bogen.
Sie standen in der Prallsonne, die Hecke, die hinter ihnen die Weide abschloß, gab nur einen schmalen Streifen Schatten.Die Röte, die der Bürgermeister vordem nur auf der Stirn gehabt hatte, zog sich immer tiefer herab über sein ganzes Gesicht. Er schwitzte und dabei fror ihn. Der starke Mann schüttelte sich wie in innerem Frost: der Bauer hatte so unrecht nicht, ja, es war schlimm, sehr schlimm jetzt, daß sie keine Wasserleitung hatten!
Unbarmherzig fuhr Adams fort: »So, un wenn mir nu de Krankheit kriege – mer soll doch dat Wasser nit trinke, et wär unjesund – die is doch nit et erschte Mol he. Wenn se nu wiederkömmt?!« Er sah dem Bürgermeister mit einem gewissen Triumph ins Gesicht: »Wenn se nu wiederkömmt, he?«
»Se is schon da,« sagte der andere erbleichend.
Es war so. Bürgermeister Leykuhlen mußte es ja wissen, und er wußte es bereits seit zwei Tagen: drei Fälle von Typhus waren im Lager. Man hatte erst Hitzschlag angenommen; die Leute waren bei einer Gefechtsübung gewesen, die Sonne hatte geprallt, als schösse sie mit mörderischen Pfeilen. Aber nun schüttelten die Ärzte die Köpfe: wo hatten sich die Kerls den Typhus geholt?! Jedenfalls außerhalb des Lagers. Es war ja bekannt, diese Gegend war verseucht; es gab ein Dorf hier, nicht allzu weit, dort hatte der Typhus in einem Jahre so gemäht, daß der Kirchhof zu klein geworden war, und man flugs einen neuen anlegen mußte. Und Tage waren es jetzt, so heiß wie unterm Äquator, und die Nächte trotzdem eisig kalt. Eine Gegend wie Sibirien! Dazu die ablehnende Verschlossenheit der Bevölkerung gegen alle Neuerungen. Wer weiß, wo die Soldaten sich herumgetrieben hatten?!
Die strengsten Absperrungsmaßregeln wurden auf dem Platz durchgeführt. Urlaub gab’s nicht, kein Soldat durftedas Lager verlassen, die Posten wurden verdoppelt. Auch das Sitzen abends vor den Baracken, unter deren Wellblech keiner gern hineinging, wurde den Leuten nicht mehr gestattet. Es war die einzige Annehmlichkeit gewesen, abends wenn die Dämmerung aufs rote Heidekraut sank und die Nebel vom Moorland aufstiegen, sich draußen abzukühlen. Weit, weit bis ins Venn hinein war der Gesang der Soldaten erklungen.