Siebenter Auftritt.

Siebenter Auftritt.Die Vorigen.Stefan.

Die Vorigen.Stefan.

Die Vorigen.Stefan.

Alexandra.Wie der Wolf in der Fabel … Eben war von dir die Rede. Ljuba sagt, du hättest dich mit dem Vater gezankt.

Stefan.Absolut nicht. Nichts Besonderes. Er sagte mir seine Meinung, ich ihm meine. Ich bin nicht schuld daran, daß unsere Ansichten nicht übereinstimmen. Ljuba versteht gar nichts und will über alles mitsprechen.

Alexandra.Was ist denn nun herausgekommen?

Stefan.Ich weiß nicht, was Papa beschlossen hat; fürchte, er ist sich selbst nicht klar darüber. Ich für meine Person habe beschlossen, als Einjähriger bei der Garde einzutreten. Hier wird aus allem so viel Wesens gemacht; dabei ist die Sache ganz einfach. Mein Studium habe ich beendet und muß nun meiner Dienstpflicht genügen. In der Linie unter betrunkenen, rohen Offizieren ist das kein Vergnügen, deswegen diene ich bei der Garde, wo ich Freunde habe.

Alexandra.Schön. Warum ist denn aber dein Papa dagegen?

Stefan.Ach der! Der steht jetzt ganz im Banne seiner fixen Idee und sieht nur, was er sehen will. Er sagt, der Militärdienst sei der abscheulichste von allen; deshalb dürfe man nicht dienen, und deswegen gibt er mir kein Geld.

Lisa.Stefan, das hat er nicht gesagt! Ich war doch dabei! Er hat gesagt, wenn man schon nicht anders könnte, sollte man wenigstens bis zur Aushebung warten. Durch den Eintritt als Freiwilliger aber zeige man, daß man diesen Dienst selbst wähle.

Stefan.Schließlich soll ich doch dienen und nicht er. Er hat ja selbst gedient.

Lisa.Gewiß. Er sagt aber auch gar nicht, daß er dir kein Geld geben will, sondern, daß er nicht an einer Sache teilnehmen kann, die gegen seine Überzeugung geht.

Stefan.Es handelt sich hier nicht um Überzeugungen, sondern um den Dienst, und damit basta!

Lisa.Und ich sage nur, was ich gehört habe.

Stefan.Ist ja ganz klar, daß du immer auf Papas Seite bist. Tante, du weißt auch, daß Lisa stets Papa die Stange hält.

Lisa.Alles, was recht ist! …

Alexandra.Für mich nichts Neues, daß Lisa stets alle Dummheiten mitmacht. Sie wittert förmlich, wo eine Dummheit aushängt.

Wanja(kommt, von Hunden begleitet, in roter Bluse, ein Telegramm in der Hand schwingend).

Die Vorigen.Wanja.

Die Vorigen.Wanja.

Wanja(zu Ljuba). Rat mal, wer da kommt.

Ljuba.Wie kann ich das raten! Gib her. (Sie streckt die Hand nach dem Telegramm aus. Wanja gibt es ihr nicht.)

Wanja.Ich geb’ es nicht und sage es nicht. Der, bei dem du immer so rot wirst.

Ljuba.Dummheit, von wem ist das Telegramm?

Wanja.O, wie sie rot wird, wie sie rot wird! Tante Aline, ist sie nicht ganz rot geworden?

Ljuba.Ach, laß die Dummheiten. Von wem ist es? Tante Aline, von wem ist das Telegramm?

Alexandra.Von Tscheremschanows.

Ljuba.Ach so!

Wanja.Na, siehst du wohl: ach so! Und bei wem wirst du immer rot?

Ljuba.Tante, zeig bitte. (Sie liest.) »Mit Schnellzug, drei Personen, Tscheremschanows«. Also die Fürstin, Boris und Tonja. Das freut mich aber wirklich.

Wanja.Es freut sie aber wirklich! Stefan, sieh mal, wie sie rot geworden ist.

Stefan.Hör doch endlich auf; immer ein und dasselbe.

Wanja.Jawohl, das sagst du nur, weil du selbst in Tonja verkeilt bist. Da müßt ihr beide schon losen, denn das geht doch nicht, daß die Schwester den Bruder nimmt und der Bruder die Schwester.

Stefan.Laß dein dummes Geschwätz. Wie oft hat man dir gesagt, du sollst nicht überall deinen Senf dazu geben!

Lisa.Mit dem Schnellzug müssen sie bald hier sein.

Ljuba.Gewiß. Also gehen wir nicht zum Pilzsammeln.

Semjonowitsch(kommt mit Zigaretten).

Die VorigenundPeter Semjonowitsch.

Die VorigenundPeter Semjonowitsch.

Ljuba.Onkel Peter, wir gehen nicht.

Semjonowitsch.Was ist denn los?

Ljuba.Tscheremschanows kommen bald. Laß uns lieber eine Partie Tennis spielen. Stefan, machst du mit?

Stefan.Meinetwegen.

Ljuba.Ich spiele mit Wanja gegen dich und Lisa. Wollt ihr? Also ich hole die Bälle und die Jungens. (Sie geht ab.)

Die Vorigenohne Ljuba.

Die Vorigenohne Ljuba.

Semjonowitsch.Das nennt man: versetzt.

Priester(will gehen). Ich habe die Ehre.

Alexandra.Nein, warten Sie, Batjuschka; ich möchte mit Ihnen sprechen. Auch muß Nikolai Iwanowitsch gleich kommen.

Priester(setzt sich wieder und zündet sich eine Zigarette an). Es dauert vielleicht noch lange.

Alexandra.Eben kommt jemand angefahren – das muß er sein.

Semjonowitsch.Was für eine Tscheremschanow ist das eigentlich? Die geborene Golizyn?

Alexandra.Nun ja, die mit ihrer Tante in Rom lebte.

Semjonowitsch.Wird mir ein Vergnügen sein. Haben uns seit Rom nicht wiedergesehen. Ach, die schönen Duette! Wie reizend sie sang! Hat ja wohl zwei Kinder, nicht wahr?

Alexandra.Ja; mit denen kommt sie.

Semjonowitsch.Ich wußte gar nicht, daß sie und Sarynzews so intim sind.

Alexandra.Intim nicht. Sie waren voriges Jahr zusammen im Ausland; und es kommt mir vor, als ob die Fürstin für ihren Sohn Absichten auf Ljuba hat. Sie ist eine ganz Gerissene. Spekuliert auf eine große Mitgift.

Semjonowitsch.Tscheremschanows waren doch selbst reich?

Alexandra.Das war einmal. Der Fürst lebt ja noch, hat aber alles durchgebracht und vertrunken. Sie hat dann an höchster Stelle eine Eingabe gemacht und wenigstens den Rest des Vermögens gerettet. Der Mann hat sie verlassen, dafür aber den Kindern eine ausgezeichnete Erziehung gegeben. Die Gerechtigkeit muß man ihm lassen. Die Tochterist sehr musikalisch; der Sohn hat die Universität absolviert und ist ein lieber Bursche. Ich fürchte nur, unsere Hausfrau wird von den Gästen jetzt nicht sehr erbaut sein. Aber da ist ja Nikolai!

Nikolai(tritt auf).

Die VorigenmitNikolai Iwanowitsch.

Die VorigenmitNikolai Iwanowitsch.

Nikolai.Guten Tag, Aline und Peter Semjonowitsch. (Zum Priester.) Ach, Wassili Nikanorowitsch! (Er begrüßt ihn.)

Alexandra.Kaffee ist noch da. Soll ich dir eingießen? Er ist etwas abgekühlt, aber man kann ihn wärmen. (Sie klingelt.)

Nikolai.Nein, danke. Ich habe schon getrunken. Wo ist meine Frau?

Alexandra.Sie nährt das Kind.

Nikolai.Fühlt sie sich wohl?

Alexandra.Es geht. Na, hast du deine Angelegenheiten erledigt?

Nikolai.Ja. Übrigens, wenn noch Tee oder Kaffee da ist, gib her. (Zum Priester.) Haben Sie das Buch mitgebracht? Es gelesen? Ich habe während der ganzen Reise an Sie gedacht.

Ein Diener(tritt ein).

Die Vorigenund einDiener, der Nikolai Iwanowitsch begrüßt. Dieser reicht ihm die Hand. Alexandra Iwanowna tauscht achselzuckend mit ihrem Manne Blicke.

Die Vorigenund einDiener, der Nikolai Iwanowitsch begrüßt. Dieser reicht ihm die Hand. Alexandra Iwanowna tauscht achselzuckend mit ihrem Manne Blicke.

Alexandra.Wärmen Sie bitte den Samowar.

Nikolai.Ach das ist nicht nötig, Aline. Wenn ich trinken will, trinke ich so.

Die Vorigen.Missi.

Die Vorigen.Missi.

Missi(die den Vater vom Krocketplatz erblickt hat, kommt auf ihn zugelaufen und wirft sich ihm um den Hals). Papa, du sollst mitkommen!

Nikolai(sie streichelnd). Sofort, sofort, laß mich nur erst trinken. Geh spielen, ich komme sofort.

Missi(geht ab).

Die Vorigenohne Missi.

Die Vorigenohne Missi.

Alexandra.Nun, sind die Bauern schuldig?

Nikolai(setzt sich an den Tisch, trinkt hastig Tee und ißt etwas dazu).

Alexandra.Sind sie verurteilt?

Nikolai.Gewiß sind sie verurteilt; haben ja alles zugegeben. (Zum Priester.) Ich habe mir gedacht, daß Renan Sie nicht überzeugen würde …

Alexandra.Du bist aber mit dem Urteil nicht einverstanden?

Nikolai(ärgerlich). Natürlich nicht. (Zum Priester.) Für Sie handelt es sich nicht um die Gottheit Christi und nicht um die Geschichte des Christentums, sondern um die Kirche …

Alexandra.Was heißt das: die Bauern geben ihre Schuld zu, und du widerlegst ihre Aussagen? Sie haben das Holz wohl nicht gestohlen, sondern einfach genommen?

Nikolai(beginnt wieder mit dem Geistlichen zu reden, wendet sich dann aber energisch an Alexandra Iwanowna). Liebe Aline, laß mich endlich mit deinen Sticheleien und Anspielungen in Ruhe.

Alexandra.Aber ich habe doch gar nicht …

Nikolai.Wenn du ernstlich wissen willst, weshalb ich wegen des Holzes, das sie nötig hatten, mit den Bauern nicht prozessieren kann …

Alexandra.Vielleicht haben sie diesen Samowar auch nötig …

Nikolai.Also, wenn du wirklich wissen willst, weshalb ich es nicht zulassen kann, daß diese Leute ins Gefängnis wandern, weil sie in dem Walde, der als meiner gilt, zehn Bäume gefällt haben …

Alexandra.Ergiltnicht als deiner, eristes!

Semjonowitsch.Schon wieder Streit!

Nikolai.Ja, selbst wenn es, was ich nie zugeben kann, mein von allen anerkanntes Eigentum ist, so besitze ich neunhundert Morgen Wald, auf jeden Morgen kommen zirka fünfhundert Bäume, macht vierhundertfünfzigtausend Bäume, nicht wahr? Zehn von diesen, das heißt ein Fünfundvierzigtausendstel, haben sie gefällt. Nun frage ich: lohnt es sich, darf man wegen solcher Lappalie jemanden von seiner Familie losreißen und ins Gefängnis werfen?

Stefan.Ja; wenn sie aber wegen dieses einen Fünfundvierzigtausendstel nicht bestraft werden, hauen sie die übrigen vierundvierzigtausendneunhundertneunundneunzig Fünfundvierzigtausendstel auch bald um!

Nikolai.Ich sage das nur der Tante. Tatsächlich habe ich gar kein Recht auf diesen Wald. Der Grund und Boden gehört allen gemeinsam, kann also nicht Eigentum eines einzelnen sein. Wir haben auf diesen Grund und Boden keine Arbeit verwandt.

Stefan.Du hast ihn doch aber in Stand gehalten, bewachen lassen …

Nikolai.Wie habe ich denn das gemacht? Hab’ doch nicht selbst die Arbeit getan … Aber das läßt sich nicht beweisen. Wenn jemand nicht fühlt, wie schändlich es ist, einen andern zu ruinieren …

Stefan.Das tut ja niemand.

Nikolai.Genau so, wie man jemandem, der sich nicht schämt, ohne eigene Tätigkeit die Arbeit anderer zu benutzen, das nicht beweisen kann. Und die ganze Nationalökonomie, die du auf der Universität studiert hast, ist nur dazu da, um die sozialen Zustände, in denen wir leben, zu rechtfertigen.

Stefan.Im Gegenteil: die Wissenschaft beseitigt alle vorgefaßten Meinungen.

Nikolai.Übrigens lege ich darauf nicht viel Wert. Für mich ist wichtig, zu wissen, daß ich an Stelle der Bauern genau so gehandelt hätte und verzweifeln würde, wenn man mich dafür ins Gefängnis würfe. Da ich nun gegen andere so handeln muß, wie ich selbst behandelt werdenmöchte, kann ich sie unmöglich schuldig sprechen, sondern muß alles tun, was ich kann, um sie frei zu bekommen.

Semjonowitsch.Wenn das richtig ist, darf man überhaupt nichts besitzen.

Alexandra.Dann ist Stehlen weit vorteilhafter als Arbeiten.

Stefan.Du gehst nie auf meine Argumente ein. Ich sage, wer Aufwendungen für einen Gegenstand macht, erwirkt dadurch ein Anrecht auf seine Benutzung.

Nikolai(lächelnd). Ich weiß nicht, wem ich zuerst antworten soll. (Zu Peter Semjonowitsch.) Man darf auch nichts besitzen.

Alexandra.Wenn man nichts besitzen darf, darf man auch keine Kleidung, kein Brot haben, sondern muß alles hingeben und darf überhaupt nicht leben.

Nikolai.Man darf auch nicht so leben wie wir jetzt.

Stefan.Das heißt, den Tod vorziehen. Folglich taugt diese Lehre nicht für das Leben.

Nikolai.Im Gegenteil: sie gilt nur für das Leben. Ja, man muß alles hingeben. Das heißt, nicht den Wald, den man nicht benutzt und niemals sieht, sondern Kleidung und Nahrung muß man hingeben.

Alexandra.Auch die der Kinder?

Nikolai.Auch die. Und nicht nur Kleidung und Nahrung muß man hingeben, sondern sich selbst. Darin besteht die ganze Lehre Christi. Alle Kraft muß man darauf verwenden, sich völlig hinzugeben.

Stefan.Das heißt mit anderen Worten: sterben.

Nikolai.Wenn du für deine Freunde stirbst, so ist das schön für dich wie für sie. Freilich ist der Mensch nicht nur Geist, sondern Geist im Fleische. Das Fleisch aber, der Körper, trachtet danach, für sich zu leben, während der aufgeklärte Geist für Gott, für andere lebt. Unser aller Leben ist kein tierisches, sondern es liegt auf der Mittellinie, und je näher es dem göttlichen kommt, um so besser ist es. Deswegen müssen wir möglichst nach Gott trachten; der Leib sorgt schon für sich selbst.

Stefan.Wozu denn aber die Mittellinie? Wenn schon solches Leben gut ist, muß man eben alles hingeben und sterben.

Nikolai.Gewiß; das ist sehr schön. Bemüh dich, trachte danach, so wird dir wohl sein und andern.

Alexandra. Nein, das ist unklar, durchaus nicht einfach, sondern an den Haaren herbeigezogen.

Nikolai.Was soll ich dazu sagen. Mit Worten läßt sich das nicht erklären. Übrigens – genug davon.

Stefan.Ja, wirklich genug. Ich verstehe es auch nicht. (Er geht ab.)

Die Vorigenohne Stefan.

Die Vorigenohne Stefan.

Nikolai(zum Priester). Also, welchen Eindruck hat das Buch auf Sie gemacht?

Priester(erregt). Wie soll ich sagen: die historische Seite ist genügend berücksichtigt, aber ganz zuverlässig, völlig überzeugend wirkt das Ganze nicht, weil das Material nicht genügt. Die Göttlichkeit oder Nichtgöttlichkeit Christi kann man historisch nicht beweisen; es gibt nur einen unwiderleglichen Beweis …

(Während der Unterhaltung entfernen sich zunächst die Damen, dann auch Peter Semjonowitsch. Es bleiben nur der Priester und Nikolai Iwanowitsch.)

(Während der Unterhaltung entfernen sich zunächst die Damen, dann auch Peter Semjonowitsch. Es bleiben nur der Priester und Nikolai Iwanowitsch.)

Nikolai.Sie meinen die Kirche?

Priester.Nun gewiß doch, die Kirche, das Zeugnis zuverlässiger, heiliger Männer.

Nikolai.Allerdings wäre es schön, wenn solch eine sündlose Gemeinschaft existierte, der man glauben könnte. Sogar sehr wünschenswert. Daß etwas wünschenswert ist, beweist aber noch nicht, daß es existiert.

Priester.Ich denke doch, gerade das beweist es. Gott konnte seine Gebote nicht der Möglichkeit aussetzen, daß sie verdreht, entstellt, falsch gedeutet wurden, sondern mußte eine Hüterin seiner Wahrheiten einsetzen, die dafür sorgte, daß sie rein erhalten blieben.

Nikolai.Schön. In diesem Falle müssen Sie aber nicht nur die Wahrheiten selbst, sondern auch die Daseinsberechtigung ihrer Hüterin beweisen.

Priester.Daran muß man eben glauben.

Nikolai.Gewiß muß man glauben; ohne Glauben kommt man nicht aus. Aber nicht an das muß man glauben, was andere einem sagen, sondern an das, was die eigenen Gedanken, die eigene Vernunft einem zeigen … Dahin gehört der Glaube an Gott, an ein wahres, ewiges Leben.

Priester.Die Vernunft kann trügerisch sein; jeder hat seine eigene Vernunft.

Nikolai(leidenschaftlich). Das ist eine schreckliche Gotteslästerung! Nur dieses eine heilige Werkzeug zur Erkenntnis der Wahrheit, das einzige, das uns alle vereinigen kann, hat Gott uns gegeben. Und dabei glauben wir nicht daran!

Priester.Wie kann man auch, wo so viele Meinungsverschiedenheiten existieren.

Nikolai.Wo sind die! Daß zweimal zwei vier ist; daß man einem anderen nicht zufügen darf, was man sich selbst nicht wünscht; daß alles in der Welt eine Ursache hat und ähnliche Wahrheiten anerkennen wir alle, weil sie mit unserer Vernunft übereinstimmen. Daß aber Gott sich auf dem Berge Sinai Moses geoffenbart, daß Buddha auf einem Sonnenstrahl davongeflogen, oder Mohammed gen Himmel gefahren und Christus ebenfalls – in diesen und ähnlichen Dingen sind wir alle verschiedener Meinung.

Priester.Nein, die in der Wahrheit sind, sind nicht verschiedener Meinung. Wir sind alle eins in dem einen Glauben an Gott, Christus.

Nikolai.Nicht einmal darin sind wir einig. Und dann: warum soll ich Euch mehr glauben als einem buddhistischen Lama? Nur, weil ich in Eurem Glauben geboren bin?

(Streit zwischen den Tennisspielern. Eine Stimme ruft: »Out!« – »Nein, nichtout!«Wanja: »Ich hab’ es gesehen!« – Während der Unterhaltung räumt ein Diener den Tisch auf und bringt wieder Tee und Kaffee.)

(Streit zwischen den Tennisspielern. Eine Stimme ruft: »Out!« – »Nein, nichtout!«Wanja: »Ich hab’ es gesehen!« – Während der Unterhaltung räumt ein Diener den Tisch auf und bringt wieder Tee und Kaffee.)

Nikolai.Sie sagen: die Kirche führt die Einigung herbei. Im Gegenteil: die schrecklichste Zwietracht ist stets von derKirche ausgegangen. »Wie oft wollte ich euch sammeln, wie eine Henne die Küchlein …«

Priester.Das war vor Christus; Christus aber hat alle versammelt.

Nikolai.Wohl hat Christus alle versammelt, wir aber haben sie wieder zerstreut, weil wir ihn verkehrt verstanden haben. Er hat alle Kirchen zerstört.

Priester.Wie stimmt dazu das: »Sag es der Kirche.«

Nikolai.Es kommt nicht auf Worte an. Diese Worte sagen übrigens gar nichts über die Kirche. Ausschlaggebend ist der Geist einer Lehre. Die Lehre Christi ist für die ganze Welt bestimmt, schließt alle Bekenntnisse in sich und läßt keine Sonderheiten, nichts Ausschließliches zu; keine Auferstehung, keine Gottheit Christi, keine Sakramente – nichts, was die Menschen voneinander trennt.

Priester.Das ist denn doch wohl nur Ihre Auslegung der christlichen Lehre. Diese Lehre selbst aber fußt durchaus auf der Gottheit und Auferstehung.

Nikolai.Das ist ja gerade das Schreckliche an den Kirchen. Eben dadurch säen sie Zwietracht, daß sie im Besitz der vollen, unzweifelhaften, unfehlbaren Wahrheit zu sein behaupten. »Uns und dem Heiligen Geist hat es gefallen« … Das begann schon bei der ersten Versammlung der Apostel. Seit der Zeit trat man mit der Behauptung auf, im Besitz der völligen, ausschließlichen Wahrheit zu sein. Wenn ich nämlich sage, es gibt einen Gott, einen Ursprung der Welt, werden alle mir beipflichten. Dieses Bekenntnis vereint uns. Wenn ich aber sage, es gibt einen Gott Brahma, oder einen Gott der Juden, oder eine Dreieinigkeit – so bewirkt eine solche Gottheit Zwietracht. Die Menschen trachten nach Vereinigung und gebrauchen, um sie herbeizuführen, alle möglichen Mittel. Vergessen aber das eine, Unzweifelhafte: Streben nach Wahrheit. In der Art, wie wenn Menschen, die in einem ungeheuren Gebäude, in das das Licht von oben in die Mitte fällt, sich vereinigen wollen, und nun in den Ecken sich versammeln, anstatt allezusammen zum Licht zu wandeln, wo sie ohne viel Nachdenken vereint werden.

Priester.Wie kann man aber das Volk ohne ganz bestimmte – nun sagen wir: Wahrheiten leiten?

Nikolai.Das ist wieder das Schreckliche. Wir, jeder von uns muß selbst seine Seele retten, selbst Gottes Werk tun; statt dessen bemühen wir uns, andere zu retten und zu unterweisen. Und was bringen wir ihnen bei? Es ist fürchterlich, daran zu denken. Jetzt, am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, lehren wir, Gott hätte die Welt in sechs Tagen geschaffen, dann die Sintflut geschickt, alle Tiere in die Arche gesperrt, und alle Dummheiten und Garstigkeiten des Alten Testamentes. Dann, Christus habe geboten, alle mit Wasser zu taufen oder an den Unsinn und das Abscheuliche einer Erlösung zu glauben, ohne die niemand selig werden könne, und sei dann in den Himmel geflogen und säße dort, im Himmel, der nicht existiert, zur Rechten des Vaters. Wir haben uns an all diese Dinge gewöhnt, sie sind aber schrecklich. Ein frisches, für alles Gute und die Wahrheit empfängliches Kind fragt uns, was die Welt sei und welche Gesetze sie regierten? und anstatt ihm die überlieferte Lehre der Liebe und Wahrheit mitzuteilen, geben wir uns alle erdenkliche Mühe, den schrecklichsten Unsinn einzutrichtern. Das ist fürchterlich. Das ist das schlimmste Verbrechen, das es gibt. Und wir und Sie, samt Ihrer Kirche, begehen ununterbrochen dieses Verbrechen. Verzeihen Sie.

Priester.Ja, wenn man die christliche Lehre so, sagen wir: rationalistisch auffaßt, mag das der Fall sein.

Nikolai.Wie man sie auch auffaßt, es ist und bleibt so.

(Schweigen.)

(Schweigen.)

Alexandra(tritt ein).

Die Vorigen.Alexandra Iwanowna.

Die Vorigen.Alexandra Iwanowna.

Alexandra.Leben Sie wohl, Batjuschka. Er macht Sie ganz konfus; hören Sie nicht auf ihn.

Priester.Nein, lesen Sie die Heilige Schrift. Die Sache ist zu wichtig, um sie so leicht abzutun. (Er zieht sich zurück.)

Die Vorigenohne Priester.

Die Vorigenohne Priester.

Alexandra.Wirklich, Nikolai, du nimmst keine Rücksicht. Trotz seines geistlichen Standes ist er doch noch so jung, kann noch keine festen Überzeugungen haben …

Nikolai.Man soll ihm wohl Zeit lassen, in seinen verkehrten Ansichten fest und sicher zu werden. Nein, wozu das? So ein braver, aufrichtiger Mensch!

Alexandra.Was würde aus ihm, wenn er dir glaubte?

Nikolai.Mir zu glauben braucht er nicht; es wäre aber gut für ihn, wie für alle anderen, wenn er die Wahrheit einsähe.

Alexandra.Wenn das gut wäre, würden alle dir glauben; dir glaubt aber niemand – deine Frau am allerwenigsten. Sie kann einfach nicht.

Nikolai.Wer hat dir das gesagt?

Alexandra.Du magst ihr alles noch so deutlich erklären – sie wird dich nie begreifen, wie ich nicht, und wie die ganze Welt nicht begreift, daß man sich um fremde Leute kümmern und seine eigenen Kinder im Stich lassen muß. Das mach mal deiner Frau begreiflich!

Nikolai.Auch Mascha wird mich sicher einst verstehen. Und, nimm es mir nicht übel, Aline, aber wenn hier keine fremden Einflüsse mitwirkten, denen sie sehr leicht unterliegt, würde sie mich schon verstehen und mit mir gehen.

Alexandra.Um ihre Kinder zugunsten des trunkenen Jefim und Konsorten zu verstoßen? Niemals! Du wirst mir deswegen böse sein, aber verzeih mir, ich kann nicht anders, ich muß dir das sagen.

Nikolai.Ich bin dir nicht böse. Im Gegenteil, ich freue mich, daß du alles ausgesprochen hast und mir dadurch Veranlassung gibst, ihr unumwunden meine Meinung zu sagen. Ich habe unterwegs alles überlegt und werde esihr sofort sagen, und du sollst sehen, daß sie mir beistimmt, weil sie gut und verständig ist.

Alexandra.Das möchte ich doch bezweifeln.

Nikolai.Nein, es ist ganz sicher. Es handelt sich doch nicht um etwas, das ich mir ausgedacht habe, sondern um das, was wir alle wissen, was Christus uns geoffenbart hat.

Alexandra.Ja, deiner Auffassung nach hat Christusdasgeoffenbart, meiner Meinung nach etwas anderes.

Nikolai.Das kann nicht sein.

(Geschrei bei den Tennisspielern.Ljuba: »Out!«Wanja: »Nein, wir haben nichts gesehen.«Lisa: »Ich hab’s gesehen, dort ist der Ball niedergefallen.«Ljuba: »Out! Out! Out!«Wanja: »Ist nicht wahr!«Ljuba: »Erstens ist es nicht fein, zu sagen: es ist nicht wahr.«Wanja: »Und erst recht nicht fein, die Unwahrheit zu sagen.«)

(Geschrei bei den Tennisspielern.Ljuba: »Out!«Wanja: »Nein, wir haben nichts gesehen.«Lisa: »Ich hab’s gesehen, dort ist der Ball niedergefallen.«Ljuba: »Out! Out! Out!«Wanja: »Ist nicht wahr!«Ljuba: »Erstens ist es nicht fein, zu sagen: es ist nicht wahr.«Wanja: »Und erst recht nicht fein, die Unwahrheit zu sagen.«)

Nikolai(fortfahrend). Wart einen Augenblick; sag einmal nichts dagegen, sondern hör mich an.

Alexandra.Schön. Ich höre.

Nikolai.Es ist doch wahr, daß wir alle jede Minute sterben können und entweder in das Nichts eingehen oder zu Gott, der von uns ein Leben nach seinem Willen verlangt.

Alexandra.Nun?

Nikolai.Was kann ich also in diesem Leben anderes tun, als nur das, was der oberste Richter in meiner Seele, mein Gewissen, Gott verlangt? Und dieses Gewissen, Gott, verlangt, daß ich alle Menschen für gleich halte, allen diene, alle liebe.

Alexandra.Also auch die eigenen Kinder.

Nikolai.Gewiß, auch sie; aber dabei alles tue, was mir mein Gewissen befiehlt. Die Hauptsache ist, daß ich begreife, daß mein Leben nicht mir, deins nicht dir, sondern Gott gehört, der uns in dieses Leben gesandt hat und verlangt, daß wir seinen Willen tun. Sein Wille aber …

Alexandra.Davon willst du Mascha überzeugen?

Nikolai.Sicherlich.

Alexandra.So daß sie aufhört, ihre Kinder zu erziehen, wie es sich gehört, und sie im Stich läßt? Niemals!

Nikolai.Nicht nur sie, auch du wirst es begreifen, wirst begreifen, daß dir nichts anderes übrig bleibt.

Alexandra.Nie! Niemals!

Maria Iwanowna(tritt ein).

Die Vorigen.Maria Iwanowna.

Die Vorigen.Maria Iwanowna.

Nikolai.Nun, Mascha, ich habe dich heute morgen doch nicht geweckt?

Maria.Nein, ich schlief nicht. Nun, ist deine Reise glücklich verlaufen?

Nikolai.Ja, sehr glücklich.

Maria.Du trinkst ja alles kalt? Aber jetzt muß man an die Gäste denken. Du weißt, daß Tscheremschanows mit Sohn und Tochter kommen.

Nikolai.Freut mich, wenn sie dir angenehm sind.

Maria.Ich hab’ sie gern, und die jungen Leute ebenfalls. Nur kommen sie nicht sehr gelegen.

Alexandra(sich erhebend). Sprich dich nur mit ihm aus; ich sehe beim Spiel ein wenig zu.

Die Vorigenohne Alexandra Iwanowna. Schweigen. Dann beginnen beide auf einmal zu sprechen.

Die Vorigenohne Alexandra Iwanowna. Schweigen. Dann beginnen beide auf einmal zu sprechen.

Maria.Sie kommen ungelegen, weil wir uns aussprechen müssen.

Nikolai.Diesen Augenblick sagte ich zu Aline …

Maria.Was denn?

Nikolai.Nein, sprich du nur.

Maria.Ich wollte über Stefan mit dir reden. Da muß endlich eine Entscheidung getroffen werden. Der arme Junge quält sich, weiß nicht, was aus ihm wird. Er kommt zu mir, aber ich kann nichts entscheiden.

Nikolai.Was ist denn da zu entscheiden. Mag er doch selbst seinen Entschluß fassen.

Maria.Du weißt, daß er als Freiwilliger bei der Garde eintreten will. Dazu braucht er eine Bescheinigung von dir und die Mittel zum Unterhalt; und die willst du ihm nicht geben! (Sie spricht erregt.)

Nikolai.Reg dich um Gottes willen nicht auf, Mascha. Hör mich an. Weder will ich etwas geben noch nicht geben. Ich halte den freiwilligen Eintritt beim Militär für dumm, sinnlos, für ein Zeichen von geringer Bildung, wenn jemand das Abscheuliche des Berufes nicht kennt; oder aber für niederträchtig, wenn Berechnung im Spiele ist …

Maria.Fürdichist jetzt alles dumm oder niederträchtig. Stefan muß doch aber leben.Duhast auch gelebt.

Nikolai(sich ereifernd). Das war, als ich noch nichts verstand und niemand mich aufklärte. Hier handelt es sich aber nicht um mich, sondern um ihn.

Maria.Wieso? Du bist doch der, der ihm kein Geld geben will.

Nikolai.Ich kann nicht geben, was mir nicht gehört.

Maria.Wieso nicht gehört?

Nikolai.Mir gehört nicht das, was andere Leute erarbeitet haben. Das Geld, das ich ihm gebe, muß ich anderen abnehmen. Dazu habe ich kein Recht, das kann ich nicht. Solange ich die Verfügung über das Gut habe, kann ich nicht anders darüber verfügen, als mir mein Gewissen befiehlt. Ich bringe es nicht fertig, die sauer erarbeiteten letzten Groschen der Bauern für Leibhusarenzechen herzugeben. Nehmt mir das Besitztum, dann bin ich nicht mehr verantwortlich.

Maria.Du weißt doch, daß ich das nicht will, nicht kann. Ich soll die Kinder gebären, nähren, erziehen – das ist zu viel! …

Nikolai.Mascha, Liebling! Darum handelt es sich ja gar nicht. Als du zu reden anfingst, fing ich auch an – ich wollte einmal so recht von Herzen mit dir sprechen. So geht es nicht weiter. Wir leben zusammen und verstehen uns nicht. Es macht bisweilen den Eindruck, als sei das Absicht.

Maria.Ich gebe mir alle erdenkliche Mühe, bringe es aber nicht fertig. Ich verstehe dich nicht, verstehe nicht, was mit dir vorgegangen ist.

Nikolai.Nun, dann will ich dir etwas sagen. Es ist zwar jetzt nicht die Zeit dazu, aber Gott weiß, wann die ist. Bemüh dich weniger, mich zu verstehen, als dich selbst, dein Leben. Man kann nicht so leben, ohne zu wissen, wozu.

Maria.Wir haben es aber doch bislang getan und uns sehr wohl dabei gefühlt. (Den ärgerlichen Ausdruck in seinem Gesicht bemerkend.) Nun gut, ich höre schon.

Nikolai.Auch ich habe so dahingelebt, ohne nachzudenken, warum ich lebe. Aber dann kam die Zeit, wo ich erschrak. Schön: wir leben von der Arbeit anderer, zwingen andere, für uns zu arbeiten, setzen Kinder in die Welt und erziehen sie zu ebensolchem Leben. Dann kommt das Alter, der Tod, und ich frage mich: wozu habe ich gelebt? Um die Zahl solcher menschlichen Parasiten wie ich zu vermehren? Was aber die Hauptsache: solch ein Leben macht kein Vergnügen. Es ist noch erträglich, wenn, wie bei Wanja, die Lebensenergie in einem überschäumt …

Maria.Dabei leben doch alle so…

Nikolai.Und sind alle unglücklich.

Maria.Durchaus nicht.

Nikolai.Ich wenigstens habe eingesehen, daß ich sehr unglücklich bin und dich und die Kinder ebenfalls unglücklich mache. Und da fragte ich mich: Hat Gott uns wirklich dazu geschaffen? Und sobald ich darüber nachdachte, fühlte ich, daß das nicht der Fall sei. Darauf fragte ich mich: Wozu hat Gott uns eigentlich geschaffen?

Ein Diener(kommt).

Die Vorigenund derDiener.

Die Vorigenund derDiener.

Maria(hört nicht auf ihren Gatten, sondern wendet sich dem Diener zu). Bringen Sie etwas gekochte Sahne.

Diener(geht ab).

Nikolai.Und im Evangelium fand ich die Antwort, daß wir nicht um unserer selbst willen leben. Das wurde mir klar, als ich einmal über das Gleichnis von den Weingärtnern nachdachte. Kennst du es?

Maria.Ja, das von den Arbeitern.

Nikolai.Nun, dieses Gleichnis zeigte mir ganz klar, worin mein Irrtum bestand. Wie die Weingärtner den Garten für ihr Eigentum hielten, glaubte ich, mein Leben sei – mein. Da war denn alles schrecklich. Sobald ich aber begriff, daß mein Leben nicht mir gehöre, sondern daß ich in die Welt gesandt sei, um das Werk Gottes zu verrichten …

Maria.Nun ja, das wissen wir alle.

Nikolai.Wenn das der Fall ist, können wir unmöglich derart weiter leben, daß unser ganzes Leben nicht nur keine Erfüllung des Willens Gottes, sondern im Gegenteil seine ununterbrochene Übertretung bedeutet.

Maria.Wie ist das möglich, wenn wir niemandem Böses tun?

Nikolai.Was heißt: niemandem Böses tun? Das ist ja genau die Lebensauffassung der Weingärtner. Wir müssen doch …

Maria.Ich kenne das Gleichnis. Er gab allen gleichen Lohn.

Nikolai(nach kurzem Schweigen). Nein, das ist nicht das Wesentliche. Bedenk doch, Mascha, daß wir nureinLeben besitzen, das wir entweder heiligen oder zugrunde richten können.

Maria.Ich bin nicht imstande, so viel zu denken und zu überlegen. Nachts schlafe ich nicht, nähre das Kind, besorge den ganzen Haushalt, und anstatt mir zu helfen, redest du mir Dinge vor, die ich nicht verstehe.

Nikolai.Mascha!

Maria.Dazu nun noch der Besuch.

Nikolai.Schon gut. Wir werden uns schon verständigen. (Er küßt sie.) Nicht wahr?

Maria.Ja; wenn du nur so bist, wie früher.

Nikolai.Das kann ich nicht; du mußt auf mich hören.

(Es ertönt Schellengeläut und Wagenrollen.)

(Es ertönt Schellengeläut und Wagenrollen.)

Maria.Jetzt ist keine Zeit. Die Gäste sind da. Ich muß zu ihnen. (Sie geht um die Hausecke.)

LjubaundStefan(gehen auch dorthin).

Wanja(springt über eine Bank). Ich höre nicht auf, wir spielen die Partie zu Ende. Ljuba! Na, also?

Ljuba(ernst). Bitte, mach keine Dummheiten.

Alexandra Iwanownamit ihrem Gatten undLisa(kommen auf die Veranda).

Nikolai Iwanowitsch(geht nachdenklich auf und ab).

Nikolai Iwanowitsch.Alexandra Iwanowna.Peter SemjonowitschundLisa.

Nikolai Iwanowitsch.Alexandra Iwanowna.Peter SemjonowitschundLisa.

Alexandra.Nun, hast du sie bekehrt?

Nikolai.Aline! Was zwischen uns vorgeht, ist etwas Großes, Bedeutendes! Scherze sind hier nicht angebracht. Nicht ich bekehre sie, sondern das Leben, die Wahrheit, Gott. Deswegen muß sie sich überzeugen lassen, wenn nicht heute, so morgen, und wenn nicht morgen, dann … Schrecklich, daß nie jemand Zeit hat. Wer ist denn da gekommen?

Semjonowitsch.Tscheremschanows, Katja Tscheremschanowa, die ich achtzehn Jahre nicht gesehen habe. Das letztemal sang sie mit mir:Là ci darem la mano.(Singt.)

Alexandra(zu ihrem Gatten). Bitte, fall mir nicht ins Wort. Glaub’ nicht, daß ich mit Nikolai zanke. Ich sage die Wahrheit. (Zu Nikolai.) Ich mache durchaus keinen Scherz, aber es kam mir sonderbar vor, daß du Mascha gerade in dem Augenblick bekehren wolltest, als sie daran ging, mit dir zu sprechen.

Nikolai.Schon gut, schon gut. Da kommen sie. Sag Mascha, daß ich in meinem Zimmer bin. (Ab.)


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