»Ja, lieber Förster! Hier im Bergwald bin ich gesund geworden an Leib und Seele! Glücklich und froh!«
»Hab ich's net gsagt! Unser Wald! Ui jögerl, unser Wald! Wasderalles kann! Duhrlaucht, den müssen wir leben lassen! Unser Wald soll leben!« Lachend hob Kluibenschädl das Glas und stieß mit dem Fürsten an. »Was is denn, Fräulein Lo? Haben S' net ghört? Der Wald soll leben! Wär net ohne, wannSieda net mittäten! Was is denn? Warum sind S' denn so mäuserlstad? Und heiß muß Ihnen sein! Sie brennen ja, wie 's Kerzl vor der Mutter Gottes! Soooo! Schön 's Glaserl nehmen! Schön anstößen! Derrrr Wald soll leben!« Die Gläser klangen zusammen, und das heitere Lachen wandelte sich zu einem frohbelebten Geplauder, das die ganze Mahlzeit begleitete. Der Förster in seiner vergnügten Laune schmauste dazu mit so gesundem Hunger, daß die Platten leer wurden, obwohl ihn seine Tafelgenossen bei diesem »Schönwettermachen« mangelhaft unterstützten. Sie tranken auch kaum einen Tropfen, diese beiden, und dennoch waren sie in einer Stimmung, als wäre ihnen das Feuer eines köstlichen Trankes ins Blut gedrungen.
Immer wieder erhob sich Ettingen, um nach dem kleinen Patienten zu sehen und jeden Teller zu begleiten,den Martin ins weiße Zimmer trug. Nach einem solchen Besuche gab er lachend das Bulletin aus: »Fortschreitende Besserung, der hohe Kranke erfreut sich eines gesegneten Appetits.«
Als das Dessert genommen war, verabschiedete sich der Förster mit einem großen Kompliment und einem kleinen Schwips. Martin brachte die Post, aber Ettingen sagte: »Das hat Zeit, lege nur alles auf den Schreibtisch hinüber!«
»Es ist eine Depesche dabei, Durchlaucht!«
»So gib sie her!« Beim Anblick der sechs engbeschriebenen Blätter sagte Ettingen lachend: »Eine Depesche? Das ist ja ein Brief!« Kaum hatte er zu lesen begonnen, als er in freudiger Erregung aufblickte: »Und das muß heute kommen! Gerade heut!«
»Sie haben eine gute Nachricht erhalten?«
»Eine gute nur? Mehr als das! Eine Nachricht, die mir doppelte Freude macht, weil sie gerade heute kam, jetzt, während Sie bei mir sind! Denn diese Nachricht, Fräulein, ist auch eine Freude für Sie! Eine große Freude! Hören Sie!« In heißem Eifer schob er alles beiseite, was vor ihm auf dem Tische war, und faßte Lolos Hand. »Aber bevor ich lese, muß ich Ihnen sagen, wie ich zu dieser Nachricht komme. Damals, als ich Sie kennenlernte, draußen beim Sebensee, unter dem klingenden Baum, sprachen wir doch soviel von Ihrem Vater.Das weckte meine Teilnahme für sein Schicksal und seine Kunst. Und als ich heimkam, depeschierte ich an einen Freund in Wien, mir alles mitzuteilen, was er über Emmerich Petri erfahren könnte. Und das ist die Antwort!«
Zitternd saß sie vor ihm, mit den Augen in banger Spannung an seinen Lippen hängend.
Ohne ihre Hand zu lassen, begann er zu lesen: »Mein lieber Heinz—«
»Das istIhrName?«
»Ja! — ›Mein lieber Heinz! Der Kunstaugur, dem ich die Nachforschungen nach Deinem Emmerich Petri übertrug, war soeben bei mir. Da Deine Anfrage etwas merkwürdig Dringendes hatte, nehme ich in meiner Freundschaft einen Anlauf zur Verschwendung und depeschiere Dir ein ganzes Kapitel moderner Kunstgeschichte. Dein Petri stammt aus einer Allgäuer Bauernfamilie, verlor als Knabe die Eltern und bekam zum Vormund einen Pfarrer, der den Erlös des kleinen Bauerngutes auf den Acker der Kirche säen wollte und den begabten Jungen in eine geistliche Präparandenschule steckte. Mit neunzehn Jahren lief Petri der frommen Gesellschaft davon, ein Beweis, daß er zu denken und als Mensch zu empfinden verstand. Er wollte Künstler werden und besuchte zwei Jahre die Akademie. Seine Professoren sprachen ihm alles Talent ab und meinten, er hätte klüger getan, Kaplan zu werden. Mit zähem Ehrgeiz stellte er sich auf freie Füße, ging seine eigenen Wege, arbeitete miteisernem Fleiß und begann ein paar Jahre später im Münchener Kunstverein auszustellen, ganz wunderliche Bilder, seltsam in Technik und Farbe, befremdend durch ihre Gedanken, kindlich und kühn zugleich, mit einer Vorliebe für fabulöse und didaktische Stoffe, in denen sich Hellenismus und freidenkendes Christentum eigenartig verschmolzen. Man verstand ihn nicht, schüttelte den Kopf und lachte. Ein Jahrzehnt lang kämpfte der Mann erbittert um Anerkennung. Schließlich scheint ihn die Geduld verlassen zu haben. Vor etwa vierzehn Jahren wanderte er mit seiner Familie aus München davon, niemand weiß, wohin. An seiner Kunst verzweifelnd, scheint er sie aufgegeben zu haben. Man hat seit jener Zeit kein Bild mehr von ihm gesehen. Das ist schade, denn seine Zeit wäre jetzt gekommen.‹«
Ettingen unterbrach sich, drückte Lolos Hand und stammelte in Erregung: »SeineZeit! Hören Sie, Lo!«
Ein Lächeln irrte um ihren Mund; sie konnte nicht sprechen und nickte nur.
Mit fliegender Stimme las er weiter: »›Das ganze Unglück dieses Mannes war, daß er um zwanzig Jahre zu früh geboren wurde und mit den Anfängen seiner eigenartigen Kunst in eine Zeit der ausgetretenen Geleise kam. Die Zeit hat sich geändert, gründlich, und heute verlangt man von der Kunst vor allem Persönlichkeit. Da kommt gerade jener zur stärksten Geltung, der seine eigenen Wege geht und sich vom Gesicht der Durchschnittsmacherunterscheidet. Der Meistertitel wird vor Namen gesetzt, zu denen vor einem Jahrzehnt noch alle Welt den Kopf schüttelte. Einer von diesen spät Erkannten ist Hans Thoma, der auch die Spießrutengasse des Münchener Kunstvereins kennenlernte, und den sie heute mit Ehrfurcht den ›tiefen Träumer‹ nennen. Vor zwei Jahren, in einer kritischen Beleuchtung Thomas, erinnerte sich zum erstenmal ein Münchener Kritikus an einen ›Vorläufer des Meisters‹, an Emmerich Petri. Immer häufiger wurde in der letzten Zeit dieser Name genannt. Von Kunsthändlern wurde das eine und andere seiner Werke ausgegraben und wanderte von Stadt zu Stadt. Im vorigen Sommer erfuhr man, daß ein Frankfurter Kunstfreund, dessen Spezialität das Sammeln künstlerischer Originalitäten ist, im Besitze einer aus 27 Bildern bestehenden Kollektion des neuerkannten Meisters wäre, und im Herbst, Ende September, wurden diese Bilder zu einer ›Separatausstellung von Werken Emmerich Petris' nach Berlin gebracht, um die Kunstwelt in Aufruhr und Begeisterung zu versetzen.‹« Ettingen vermochte nicht weiterzulesen.
Regungslos, wie versteinert saß das Mädchen. Nur in ihren Augen war Leben, und tonlos flüsterte sie vor sich hin. »Im Herbst — Ende September —«
Um diese gleiche Zeit war jener Wolkenbruch in der Leutasch niedergegangen, zwei Tage und Nächte hatte Emmerich Petri gearbeitet, »wie ein Holzknecht«, undhatte die Rettung von ein paar armseligen Hütten mit seinem Leben bezahlt.
»Im Herbst! Ende September!«
Ettingen empfand die Tragik dieses Wortes, und die Kehle war ihm wie zugeschnürt, so daß er mit Gewalt seine Stimme zwingen mußte, um lesen zu können: »›Die Ausstellung war ein Erfolg, so einstimmig, wie er noch selten einem Künstler zuteil wurde. Dem Frankfurter Sammler, der die Bilder vor fünfzehn und zwanzig Jahren um eine Bagatelle erworben hatte, wurden hohe Summen geboten, aber der Mann war stolz auf seinen Besitz und verkaufte nicht ein einziges Bild. Alle Journale brachten ausführliche Besprechungen des Meisters, man bezeichnete ihn als eine an Gedankentiefe mit Böcklin verwandte Natur, als dessen milderen Bruder. Böcklin wäre die strenge Kraft, Petri die träumende Liebe. Und überall die Frage: Wo ist dieser Mann? Wer weiß von ihm? Wo lebt er?‹« Erschrocken legte Ettingen die Blätter nieder. »Fräulein!«
Blaß, an allen Gliedern zitternd, hatte Lo sich erhoben, als wäre es über ihre Kraft gegangen, dieses Wort zu hören. Ein Sturz von Tränen brach ihr aus den Augen, mit einem Schluchzen, das ihren Körper schüttelte wie Frost.
»Fräulein! Allmächtiger Gott! Ich bitte Sie, liebes Fräulein —« Ettingen legte den Arm um ihre Schultern wie ein Bruder, der die Schwester beruhigen will. Sieschien in diesem Sturm von Erregung nichts anderes zu denken als nur das eine: er fühlt mit mir — und da überließ sie sich willenlos seinem Arm, und weinend barg sie das Gesicht an seiner Brust. Aus dem anstoßenden Zimmer klang mit erschrockenem Ton die Stimme des Knaben: »Lo! Ach Gott, Lo! Was hast du? Warum weinst du denn?«
»Sorg dich nicht, Bubi!« rief Ettingen. »Was deine Schwester weinen macht, ist Freude!« Er streichelte mit scheuer Hand ihr schimmerndes Haar, richtete sie auf und sagte leis: »Ich verstehe Ihr schönes, kindliches Gefühl. Ihre Freude mischt sich mit dem schmerzvollen Gedanken, daß Ihr Vater sterben mußte, bevor ihm die Welt den verdienten Lorbeer reichte. Aberwieer starb! Das muß Ihrem Herzen sagen, daß er die Augen nicht geschlossen hat, ohne tief in seinem Innersten zu glauben: ich habe nicht umsonst gewirkt, ich kann nicht sterben, ich werde weiterleben! Sonst hätte er die Welt nicht so verlassen können, mit dieser Ruhe, mit diesem Lächeln, mit diesen letzten Worten: ›Meine Blumen!‹ Das galt nicht nur den Blumen da draußen am See. Dieses Wort hat allem gegolten, was aus der Tiefe seiner Seele heraufblühte und reines, köstliches Leben wurde. Das wird seinen Namen tragen, wird dauern als eine Freude für die Menschen! Ihr Vater ist nicht gestorben: er lebt!— Nein, Lo, Sie dürfen nicht weinen! Sie müssen sich aufrichten und stolz sein auf Ihren Vater, stolz auf denNamen, den er Ihnen gab und dessen Sie würdig sind. Dieser Name ist Adel, wie ich besseren nicht kenne!«
Aus Tränen blickte sie zu ihm auf. Wie schön sie war, bei diesem Lächeln, mit dem sie den Schmerz überwand und schon die Versöhnung fühlte, den Stolz und die Freude! Lange sah sie ihn schweigend an, bevor sie sprechen konnte. »Wie gut Sie mit mir sind! Und ich stehe so arm vor Ihnen, so schwach, in meinem Schmerz zuerst und jetzt in meiner Freude! Fast versteh ich das nicht. Diese Nachricht hätte mich ruhiger finden sollen. Was mein Vater war, hab ich immer schon gewußt. Das hat mir doch nicht die Welt erst sagen müssen. Und nun hat es mich doch so überwältigt — als wär ich eine andere geworden — als wäre etwas in mir, über das ich keinen Willen und keine Macht mehr habe —« Sie hielt seinen Blick nicht aus, und verwirrte Unruhe stammelte in ihren Worten: »Sehen Sie nur, ich weiß kaum, was ich rede, weiß nicht einmal, wie ich dafür danken soll, daß gerade Sie es waren, von dem ich diese Nachricht hören durfte. Und wenn ich Ihnen sagen könnte —« Ihre Stimme erlosch.
»Mir sagen, was Sie fühlen? Die Freude, die Sie empfinden, könnten Sie mir mit hundert Worten nicht besser sagen als mit diesem Schweigen jetzt!«
»Freude! Ja! Das ist Freude, die sich nicht sagen läßt!« Tief atmend hob sie die Augen zu ihm. »Darf ich noch eine Bitte haben?«
»Ob Sie dürfen?« Er drückte ihre Hände.
»Schenken Sie mir diese Blätter!« Nun kamen ihr die Worte immer hastiger, in glühender Erregung. »Ich möchte sie meiner Mutter bringen. Möchte heim, zu meiner Mutter! Jede Minute, um die ich ihr diese Nachricht später bringe, ist eine Sünde an ihr. Ich darf nicht bleiben. Schenken Sie mir diese Blätter und lassen Sie mich gehen! Ich bitte!«
»Ja, Fräulein, ja! Nehmen Sie!« Er reichte ihr die Blätter. »Ich seh es ein, daß Sie nicht bleiben dürfen. Und Ihr Bruder — ich will selbst hinunter und werde sorgen dafür, daß Sie ihn gut und sicher nach Hause bringen und auf dem Heimweg alle Hilfe haben! Bleiben Sie bei ihm — ich komme dann und hol ihn!« Er eilte davon.
Sie stand und lauschte auf seinen Schritt — und lächelte und preßte die Blätter an ihre Brust.
»Lo? Soll ich aufstehen? Ich kann schon!« klang aus dem anderen Zimmer die erregte Stimme des Bruders. Da flog sie zu ihm, umschlang ihn, und wieder kamen ihr die Tränen. »Ach, Lo! Um Gottes willen! Ich bitt dich, was hast du denn?«
»Freude hab ich! Freude! Weil jetzt die Menschen wissen, was unser Vater war!«
Gustl sah die Schwester mit großen Augen an. »Haben denn das die Menschen nicht gewußt? Er hat doch dieBilder gemalt. Ein Bild sieht man doch. Da muß man doch wissen, daß ein Künstler das gemacht hat.«
»Ja, Kind, wer die rechten Augen hat, der sieht es! Aber es gibt auch Menschen, die sehen können und dennoch blind sind. Komm nur, komm, wir müssen heim! Zur Mutter heim!«
Als Gustl angekleidet war — am verbundenen Fuß nur den Strumpf, ohne Schuh —, versuchte er ein paar Schritte zu gehen. Das gelang nicht recht. Da kam auch Ettingen schon zurück, hob den Knaben auf und trug ihn hinunter.
Vor der Tür, im Hof, stand Hansi schon bereit, gesattelt und mit hochgeschnallten Bügeln. Die Treiber hatten das Gepäck der Geschwister in ihre Rucksäcke genommen und die Almrosen darübergebunden. Einer trug das Fischnetz mit den in grünes Reis gehüllten Forellen. Auch die zwei Leutascher Jäger waren zum Abmarsch bereit, und seitwärts an der Mauer stand Pepperl, schweigsam, die Hände hinter dem Rücken, die gerunzelte Stirn umhangen von aufgedröselten Kreuzerschneckerln.
Nur Mazegger fehlte. Drunten in seiner Hütte stand er am Fenster, das aschfahle Gesicht an die Scheibe gedrückt. Als er Lolo Petri und seinen Herrn, der den Knaben trug, aus der Tür kommen sah, trat er mit geballten Fäusten tiefer in die Stube zurück.
Ettingen hob den Knaben in den Sattel und schob ihm die Bügel an die Füße. »Also, Bubi, jetzt mach uns keine Sorgen mehr und schau, daß du gut heimkommst!« Er reichte ihm die Hand.
»Ich dank schön, Herr Fürst! Sie waren so lieb zu mir! Ich dank schön!«
Lachend streichelte ihm Ettingen die Hand. »Dank? Was dir einfällt! Sieh nur, daß du bald wieder springen kannst! Das ist mir der liebste Dank. Und wenn es deine Mutter erlaubt, dann komm ein paar Tage zu mir auf Besuch ins Jagdhaus! Willst du?«
Gustl wurde rot übers ganze Gesicht. »Wenn Sie erlauben, bin ich schon so frei!«
»Also, auf Wiedersehen!«
Ettingen wandte sich zu Lo. Inmitten der vielen Leute, die um sie herstanden, schieden die beiden mit einem Händedruck, mit einem stummen Blick.
Ein Jäger sollte den Grauen führen. Aber Lo überließ diese Sorge keinem anderen, sie nahm den Zügel selbst.
Während Hansi den Knaben über das Almfeld hinuntertrug, umringt von den schwatzenden Treibern und Jägern, stand Ettingen mit den Armen über den Zaun gelehnt und blickte lächelnd dem kleinen Reiter und seiner Schwester nach.
Den beiden folgten noch zwei andere Augen — ausMazeggers Hütte —, mit einem Blick, in dem die Eifersucht mit drohendem Feuer brannte.
Wo der Pfad vom Almfeld einbog in den Wald, bat Lo die Männer, vorauszugehen, damit der Graue in ruhigen Schritt käme. Sie verhielt das Tier eine Weile und sah mit leuchtenden Augen zum Fürstenhaus hinauf. Da hörte sie den Bruder flüstern: »Du, Lo? Weißt du, warum er so lieb war zu mir?«
»Weil er gut ist.«
»Ja, schon — abernochwegen was. Weil erdichliebhat.«
Wie eine Flamme schlug es über ihre Wangen, doch heftig schüttelte sie den Kopf.
»Aber ja!« behauptete Gustl in heißem Eifer. »Hast du denn das nicht gemerkt?«
»Nein, nein, nein!« stammelte sie erschrocken und zog den Grauen in den Wald.
»Nicht? Das hast du nicht gemerkt? Hör, Lo, dann bist du aber auch eine von denen, die sehen können und doch blind sind!«
Längst schon waren die beiden im dunklen Schatten des Waldes verschwunden, und immer noch stand Ettingen über den Zaun gelehnt. Eine Weile hörte er noch die Stimmen der Männer aus dem Tal herauf. Dann verstummten auch die. Nur der Wildbach rauschte dort unten, sanft und heimlich, durch den Wald gedämpft.Stille Sonne über dem Almfeld, über den Hüttendächern und allen Bäumen. Ein paar silberne Fäden flogen, und schwärmende Insekten huschten gleich winzigen Funken durch die blaue Luft.
Plötzlich ging ein Dröhnen durch das Tal hin, wie von einem mächtigen Donnerschlag mit rollendem Echo.
Erstaunt sah Ettingen zum wolkenlosen Himmel auf. Da gewahrte er, daß über dem Wildbach drüben, am Fuß der steilen Hochwand, brauner Staub in dichten Wolken aufwirbelte. Ein Stück der Felswand hatte sich gelöst und hatte eine Zunge des sonnigen Waldes unter Schutt begraben.
»Wie das kommen kann? Die Zerstörung, mitten in der Stille, in friedlicher Sonne?« Ernst nickte Ettingen vor sich hin, während da drüben der Staub verdampfte. »Das Schweigen im Walde!— Ja! So redet dieses Bild. Sie hat recht gesehen.«
Die Küchenmagd, der Lakai und die Köchin kamen aus dem Haus gerannt, um zu sehen, was es gegeben hätte. Nur drunten bei der Sennhütte und bei dem Jägerhäuschen zeigte sich niemand. Da trieb die Neugier oder die Sorge keinen vor die Tür. Die waren es gewöhnt, daß das so kommt, so plötzlich. Drum hörten sie es kaum.
Kluibenschädl, der sich auf die Matratze gestreckt hatte, um seinen Schwips zu verschlafen, fragte gähnend: »So? Hat's wieder kracht?«
»'s wird halt a Trümml abigfallen sein!« meinte Pepperl in seinem Trauerwinkel und fügte mit philosophischem Seufzer bei: »Auf d' Letzt muß alles abi!«
Praxmaler machte sich, als der Abend kam, zu einem Pirschgang fertig. Dabei erwachte der Förster, dessen gut ausgeschlafene Laune recht auffällig abstach gegen die trübe Kummermiene des Jägers. »Machst noch allweil a Gsicht wie die Katz, wann's dunnert? Tu dich wegen die drei Hirschen doch net gar so abikränken! Es is ja schön, wenn sich a Jager über 's Jagdpech von seim Herrn betrübt. Aber Maß und Ziel muß der Mensch in allem halten! Sei gscheit, Pepperl! Der Herr Fürst schießt schon wieder an guten Hirsch!«
»Ja, wollen wir's hoffen!« seufzte Pepperl und trollte zur Tür hinaus. Die Augen steif in das Blau des Himmels bohrend, ging er an der Sennhütte vorüber.
In der Almstube nahm Burgi gerade Abschied von ihrem nüchtern gewordenen Vater. Sie hatte die Kleider des Alten leidlich wieder instand gesetzt, in dem mürben Zeug alle Löcher geflickt und gab nun dem Vater ein Binkerl guter Lehren mit auf den Weg, wie die Mutter einem Kind, das zum erstenmal wallfahren geht. »Seizfrieden, Vater! Dein Essen und alles hast ja! Und tu mir d' Fremdenleut net anbetteln auf der Straß. Da hat kein Mensch mehr an Rischpekt vor dir! Und schenkt dir wer an Kreuzer aus Gutigkeit, den muß man doch net stantipeh in d' Wirtsstuben einitragen! Spar dir die paar Nedscherln lieber zamm aufs Gwand! Ja? Tust mir's versprechen, Vater?«
»Ja, ja, ja! Alls versprich ich! Alls!« Der Alte schnaufte, als er die Predigt überstanden hatte und sich endlich drücken konnte. Während er über das Almfeld hinunterwackelte, schielte er zu den Fenstern des Jagdhauses hinauf und murmelte kauend: »Dem Herrn Fürsten — so a Nobliger, ja — dem hätt ich gern was verexpliziert.«
Burgi blieb auf der Schwelle stehen, bis sie den Vater im Wald verschwinden sah. Dann kehrte sie in die Stube zurück und machte sich an die Arbeit, still und verdrossen. Als es Abend wurde und die Kühe gemolken waren, mußte sie von der frischen Milch eine Kanne voll hinauftragen in die Küche des Fürstenhauses. Während sie droben um die Ecke verschwand, kam Martin mit dem Förster, den er zum Abendtisch gerufen hatte. Kluibenschädl trat ins Haus, Martin blieb vor der Tür stehen und lauschte gegen den Hof. Schmunzelnd schlich er auf den Zehen an der Mauer hin.
Da kam die Sennerin mit der leeren Kanne zurück.
»Mein schönes Kind?« Und da hatte er sie schon umdie Hüfte genommen und wollte sie küssen. Erschrocken gab sie ihm einen Stoß vor die Brust, und dann kam noch was anderes nach. Das klatschte, daß es an der Mauer ein Echo gab wie von einem Peitschenknall. »Sielassen mich in Ruh! Gelten S'! Und wann S' Jagdverwalter werden, können S' Ihnere Küh selber melchen! Sie!« Ruhig wischte Burgi am Rock die Hand ab und ging ihrer Wege.
Martin kühlte in seiner Stube das Gesicht mit kaltem Wasser. Aber die Wange brannte ihm noch feuerrot, als er bei der Tafel die Bouillon servierte.
»Martin?« fragte der Fürst. »Was hast du im Gesicht?«
»Es scheint, Durchlaucht, daß ich mir eine Verkühlung zuzog. Ich habe Zahnweh.«
»Gegen Zähntweh weiß ich a Mittel!« fiel der Förster ein. »Da machen S' aus Baumwoll a Kügerl. Dös spießen S' an a Hölzl und nacher zünden S' es an. Wann's halb verbrennt is, löschen S' es aus, und den Rauchen, der aufgeht, den schnupfen S' ins rechte Nasenloch auffi — weil Ihnen der Zahn auf derlinkenSeit wehtut, wissen S'! Ja, dös hilft!«
Ettingen lachte. »Versuchen kannst du es ja! Aber ich meine, es wird besser sein, du gehst an die Hausapotheke und legst dir etwas Chloroform auf den Zahn.«
Ob Martin das eine oder das andere Mittel versuchte,geholfen hat keines. Bis spät in die Nacht ging er noch immer mit der geschwollenen Backe herum.
Funkelnd standen am tiefblauen Himmel schon die Sterne, als Pepperl nach Hause kam. Die Glieder waren ihm wie zerschlagen, und ohne ans Nachtmahl zu denken, streckte er sich auf die Matratze, auf welcher Kluibenschädl in seinem sorglosen Bärenschlummer schon fleißig die Säge zog. Rücken an Rücken lagen die beiden, und schlaflos seufzte der Jäger nach links in die finstere Stube, während der Förster nach rechts herum gegen die Holzwand schnarchte. Die Bretter tönten wie ein Geigenboden, wenn die tiefste Saite gestrichen wird.
Am anderen Morgen brachen die beiden zusammen auf, um bei den Steigarbeiten Nachschau zu halten. Als sie gegen Mittag heimkehrten, hörte der Förster von Martin, daß die Durchlaucht ganz allein einen Ausflug zum Sebenwald unternommen hätte und vor Abend nicht heimkommen würde. Zu dieser Nachricht schüttelte der Förster verwundert den Kopf. »Wie kann er denn pirschen? Jetzt in der Sonn? Er wird doch net denken, daß ihm einer von die drei Hirschen ums Mittagläuten übern Weg lauft?« Sein Staunen wuchs bei der Nachricht, daß der Fürst die Büchse gar nicht mitgenommen hätte. »Was tut er denn nacher draußen?«
Martin lächelte. »Träumen!« Aber das Lächeln gelang ihm nicht — seine Wange war noch immer ein bißchen gespannt, vom Zahnweh.
Förster Kluibenschädl, um den schönen Hunger, den er heimgebracht hatte, für den guten Abendtisch im Fürstenhaus zu sparen, ging in die Sennhütte hinunter und ließ sich, nur für den Durst, eine Schüssel Milch reichen. Er tat ein paar lange Züge, wobei er an Burgi die Mahnung richtete: »Jetzt könntst amal wieder an anders Gsicht hermachen! Oder hast so a mitleidigs Herz? Tut's dich kränken, daß der Herr Kammerdiener Zähntweh hat?«
Burgi runzelte die Stirn. »Washat er?«
»Zähntweh.«
»Auf der linken Seit?«
»Ja, ich glaub!«
»So? Dös is ihm gsund. So a Zähntweh treibt die überflüssigen Hitzen aus.« Mit trockenem Lachen trat sie in die Kammer, während der Förster die Büchse nahm und davonwanderte.
Schwüle Mittagshitze lag über dem Almfeld. Kein Laut, nur das Brunnengemurmel; keine Bewegung, nur über den Dächern das blaue Gekräusel des Rauches.
Auch Pepperl hatte Feuer in seinem Herd gemacht, hatte aber dann aufs Kochen vergessen. Mit aufgezogenen Knien saß er neben dem Schürloch auf den Dielen. So »sinnierte« er eine Stunde lang vor sich hin. Da hörte er Peitschenknall und das Rollen eines Wagens. Mißmutig erhob er sich und trat unter die Tür.
Eine vierspännige Kutsche fuhr an ihm vorüber, undim Wagen saß eine junge Dame — Herrgott, dös muß ebbes Fürnehms sein! dachte Pepperl, denn sie trug auf dem Hut einen Vogel, wie er seiner Lebtag noch keinen gesehen hatte. Neben der Dame saß ein Herr mit einem Jägerhütl, wie Pepperl auch noch keines gesehen hatte, mit handbreitem, grasgrünem Seidenband und mit einem wahren Ungetüm von Gemsbart. Aber dieser Gemsbart war echt, ohne Zweifel. Darauf verstand sich Pepperl. »Der is seine hundert Gulden wert, ehnder noch mehr!«
Jetzt kam ein Zweispänner. Drin saß ein Diener in Jägerlivree, deren reiche Verschnürung in Pepperl die Vermutung weckte: »Dös muß der Oberlandesschützenmeister von Tirol sein!« An der Seite dieses hohen Würdenträgers saß ein zierliches, bildhübsches Persönchen mit verschmitztem Gesicht und koketten Feueraugen, der Mustertypus einer französischen Kammerjungfer. Beim Anblick des Jägers mit seiner offenen Brust und seinen nackten Knien geriet das kleine Dämchen in einen Aufruhr von Entzücken, kniff ihren Reisegefährten in den Arm und zwitscherte: »Ah, Jean! Voilà un chasseur du prince! Ah! Ah! Un superbe colosse! Ah! N'est-ce pas qu'il est le vrai tyrolien? Un type de la race, et assez joli, pour faire se retourner les femmes dans les rues[1]!«
Sie guckte nach allen Seiten, klatschte wie ein Kind in die Hände und blitzte mit ihren Schwarzaugen wieder den Jäger an.
»Ah! Ah! C'est charmant! C'est drôle, tout ça! Jean! Jean! Nous ferons un tas de bêtise à la campagne[2]« Und während der Wagen an der Hütte vorüberfuhr, grüßte sie lachend mit dem Handschuh. »Bon jour, monsieur! Bon jour!«
Pepperl riß die Augen auf und wurde rot. Französisch hatte er wohl in der Leutascher Dorfschule nicht gelernt, nicht einmal ordentlich Deutsch. Aber soviel hatte er doch verstanden, um zu merken, was von dieser »Auslandrischen« zu denken war. »Teufi, Teufi, Teufi! Die geht scharf ins Zeug!« Mit dieser Erkenntnis war die Sache für ihn erledigt. Er sah noch den dritten, mit großen Koffern beladenen Wagen vorüberfahren, dann kehrte er seufzend in die Stube zurück, um die Pfanne auf den Herd zu stellen. Dann war's mit seiner Kocherei wieder zu Ende. Die Wagen kamen vom Jagdhaus zurück, die Kutscher fragten nach der Stallung, und Pepperl mußte sie führen, mußte ihnen helfen. Während er wortkarg das Geschwatz der Kutscher anhörte, kam Mazegger über die Lichtung herauf. Vor der Remise blieb er stehen, erregt, und musterte die Wagen.
Pepperl sah ihn an und fragte: »Toni? Was hast denn? Bist denn krank? Du schaust ja aus wie a Gspenst!«
»So?« Mazegger atmete schwer. »Und die Wagen da? Sind die Damen, die ich gesehen hab, zum Fürsten gekommen?«
»Natürlich, zu wem denn sonst?«
»Und die schöne Frau, die im Vierspänner war? Wer ist denn die?«
»Was weiß denn ich?« brummte Pepperl.
Mazegger stand noch eine Weile und lauschte auf das Gespräch, das die Kutscher im Stall miteinander führten. Sie sprachen von einer »lustigen Französin«, von einem »Kasperl mit Haxen« und von einer »Frau Baronin«, über die der Postillon des Vierspänners das Urteil fällte: »A säuberers Frauenzimmer hab ich meiner Lebtag noch net gsehen. Was die für Augen hat! Kruzitürken! So eine hätt der Teufi schicken müssen, wie er den heiligen Antoni hat versuchen lassen!«
Mazegger lächelte und spähte gegen das Fürstenhaus hinauf. Als er in seine Hütte trat, warf er die Büchse auf das Bett, verriegelte die Tür und riß mit zitternden Händen das kleine Fenster auf. In der dunklen Stubenecke setzte er sich rittlings auf einen Sessel und legte neben sich das Fernrohr auf den Herd. Durch das offene Fenster konnte er das Fürstenhaus und den ganzen Weg überblicken,der von droben herunterführte zum Fremdenhaus. Er sah den Praxmaler-Pepperl mit einem Kutscher drei rotlederne Koffer ins Fremdenhaus hinuntertragen. Martin erschien mit jenem Herrn, dem der »unsinnige Gamsbart« wie ein Generalsbusch auf dem Spitzhut schwankte. Um die Schultern hatte er einen leichten Staubmantel hängen, offen, so daß man den grün und rehbraun karierten Jagdanzug sehen konnte, dessen Kniehosen sich mit handbreiten Hirschlederborten um die moosgrünen Strümpfe schlossen. In der Hand trug er ein Lederetui, das sich ansah wie eine plattgedrückte Pfanne. Er war von mittelgroßer Gestalt, rund genährt und dennoch von unruhiger Beweglichkeit, mit eigentümlich wiegendem Gang.
Mazegger richtete das Fernrohr und sah durch das Glas ein nicht mehr junges, aber rosiges, vergnügt zufriedenes Gesicht mit großen wasserblauen Augen. Das aschblonde Haar war wellig in die Schläfen gekämmt, eine dicke Locke stahl sich an der Stirne unter dem Hutrand hervor, und auf den roten Lippen saß ein kunstvoll dressiertes Schnurrbärtchen, das sich kräuselte wie eine zierliche Arabeske.
Martin schien die Gegend zu erklären, und bei allem, was er sagte, ließ der Fremde ein wunderliches Lachen hören, hoch und kichernd, wie das Hämmern eines Spechtes.
Nun kamen die beiden über den Weg herunter.
»Ah ja, die Gegend ist wirklich großartig! So was von Beag! Was? Und schaugn S' den Wald an, Moatin, so was von Grrrünitätt!« sagte der Fremde zwischen Lachen und Getänzel in einer Sprache, die an den Jargon der Wiener Fiaker anklang und manchmal an den Ton der Börse erinnerte. »Aber Aufenthalt und Verpflegsqualitätt? Schlechte Zensur? Was? Ainigermaaasen prrrimitifff, scheint mir? Nuuuhr für Natuuuhr, fescher Walzer mit Variationen in Moll für Geißtaler Jagdhausgebrauch. Nna, die Jagd, hoff ich, rrreißt alles heraus! Prima? Was?«
»Ja, Herr von Sensburg, die Jagd soll vorzüglich sein. Durchlaucht haben zwar die Pirsche noch wenig frequentiert, aber es ist Durchlaucht doch gelungen, gleich auf dem ersten Pirschgang einen schönen Hirsch —«
»GutenHirsch!«
»— einen guten Hirsch und bei der nächsten Pirsche zwei kapitale Gemsböcke zur Strecke zu bringen.«
»Aber! Moatin! Sie schröcklicher Keal!Gamsböckhaaßt's! Schenieren Sie sich! Ainigermaaasen mangelhafte Weidmannsbüldung? Was? Hehehehe!«
»Verzeihen Herr von Sensburg — und bitte, wollen Sie mir nicht das Racket zu tragen geben?«
»Sssss! Zucker! Nicht anrühren! So was will getragen sein! Hehehehe! Nna alsdann, zwaa Gamsböck?A la bonheur! Da sind ja die Aussichten großoatig! Sie,Moatin, da mach ich gleich muagen die easte Piasch! Aber einen feschen Jager bitt ich mir aus. Bei mir wird schoaf gestiegen! Schoarrfff! Und wann ich am Abend den Gams hambring, bitt ich mir aus, daß a bißl aufgmischt wird in diesem sterilen k. k. Landeswinkel! Hehehehe! Wissen S', was ich haben möcht? So eine zwanglosefête champêtre! Stilvoll mit Erdgeruch! Jager, Holzknecht, Sennerinnen, stramm gwaxene Diandln, Ziederngspüll und Natuajodler, kuaz, was man sagt: eine Hetz! Aber ächt, das bitt ich mir aus! Kan Salontiroler! Den Wein zahl ich!Crédit en blanc! Wenn's nur eine Hetz wiad! Die Baronin soll sich amusieren! Hehehehe! Und ich hab eine volkstümliche Ader, ich mische mich gean unter die haiteren Öllemente derer, die dort unten wohnen! Aber sagen S', Moatin, ich hab schon immer da beim Herauffahren diese bucklige Gegend beaugenwinkelt — wo wird sich denn da für ein zivilisiertes Menschenkind ein nur ainigermaaasen brauchbarer Lawn fürs Tennis finden?«
»Ich glaube, dort unten auf der Lichtung, da ist eine ziemlich ebene Stelle.«
»Anschauen!«
Die beiden Stimmen verhallten hinter der Jägerhütte.
Mazegger legte das Fernrohr auf den Herd. Eine Weile saß er regungslos und starrte zum Jagdhaus hinauf. Dann lehnte er sich müd an die Wand zurück und preßte die Handballen in die Augenhöhlen, wie einer, derseit Nächten keinen Schlaf gefunden und den die Augen schmerzen.
Eine Stunde verging. Martin, der grünverschnürte Leibjäger und Praxmaler liefen immer hin und her zwischen der Fürstenvilla und dem Fremdenhaus. Droben in der Haustür erschien ein paarmal die kleine Französin, guckte neugierig nach den Jägerhütten oder schwatzte eine Minute mit den beiden Dienern.
Eben standen die drei wieder beisammen, als der Förster über das Almfeld heraufgestiegen kam. Er gewahrte die fremden Leute, schlug ein flinkeres Tempo an und trat an das offene Fenster der Jägerhütte.
»He! Toni!«
Mazegger stand am Tisch und reinigte mit einem Lappen den Lauf seiner Büchse.
»Was sind dös für Leut da droben? Is wer kommen? A Bsuch zum Herrn Fürsten?«
»Ja, mir scheint.«
»Wer denn?«
»Ein Herr Sensburg. Und eine Baronin.« Mazegger wandte das Gesicht über die Schulter. »Die Kutscher sagen: die wär so schön wie der selbig Engel, der grad noch rechtzeitig vom Himmel gefallen wär, um dem heiligen Antoni aus der Versuchung zu helfen.« Die Fäuste des Jägers umklammerten die Büchse. »Sonst wär vielleicht der Teufel Herr über ihn worden!«
»Geh, du Narr, was redst denn da für a Zeug daher!« brummte der Förster. Dann sah er zum Jagdhaus hinauf und kraute sich hinter den Ohren. »So, schön! Jetzt is d' Überraschung da, und der Herr Fürst is net daheim!« Er ging zu seiner Hütte und traf mit Pepperl zusammen, der in gereizter Stimmung war.
»Grüß Gott, Herr Förstner! Und gut, daß S' da sind!« Pepperl trat in die Hütte und griff nach der Büchse. »Ich muß auf d' Abendpirsch!«
»No, no, no! Was hast denn?«
»Schwarze Mucken im Schädel. Die muß ich ausfliegen lassen.«
»Du tust ja grad wie a verliebter Kaplan, der net heiraten därf.«
»So?« Brennende Röte flog über das Gesicht des Jägers. »Kunnt schon sein, daß ich weiß, wie dem z'mut is!«
Kopfschüttelnd sah ihm der Förster nach. Dann ging er zum Stall hinunter. Noch hatte er den Platz nicht erreicht, wo die Wagen standen, als er auf dem Weg, der von der Ache über die Lichtung heraufführte, zwei Reiter auf abgehetzten Pferden kommen sah. Den einen erkannte Kluibenschädl auf den ersten Blick — das war Graf Goni Sternfeldt. Den Hut schwingend, in Freude, lief der Förster ihm entgegen. »Herr Graf! Ja, grüß Ihnen Gott, Herr Graf! Wie kommen denn Sie daher?«
Sternfeldt winkte mit der Reitpeitsche und versetzte dem Pferd einen Hieb. Das Tier war ausgepumpt und konnte nicht mehr; es machte nur ein paar kurze Galoppsprünge und fiel wieder in müden Schritt. Der Reiter saß ohne Spur von Ermüdung im Sattel, trotz des schweren vierstündigen Rittes und trotz seiner fünfzig Jahre. Er trug einen flachen Strohhut, einen lichtbraunen Sommeranzug von modischem Schnitt und Lackschuhe, alles grau verstaubt — ein Anzug, der eher für einen behaglichen Bummel auf dem Bürgersteig der Großstadt passen mochte als für einen Ritt, der dem Pferde den weißen Schaum aus Hals und Flanken getrieben hatte.
Der lebhaften Gestalt nach hätte man den Grafen für einen Dreißiger nehmen können. Aber Haar und Bart — ein glattgeschnittener Spitzbart, der das schmale Gesicht verlängerte — waren schon völlig ergraut, beinahe weiß. Die klugen grauen Augen waren von wulstigen Brauen überschattet, das einzig Derbe in diesem vornehm gezeichneten Rassegesicht. Die Anstrengung des Rittes hatte das Gesicht gerötet, dessen ernste Erregung die sarkastischen Linien nicht verwischen konnte, die tief um den feingeschnittenen Spöttermund und um die Augenwinkel gezogen waren.
Ehe das Pferd noch anhielt, sprang er aus dem Sattel und warf die Zügel dem Reitknecht zu, der ihm folgte. »Grüß Sie Gott, lieber Förster!«
»Grüß Gott, Herr Graf!« Kluibenschädl quetschte die Hand, die ihm Sternfeldt gereicht hatte. »Weil S' nur wieder da sind, Herr Graf! Und die Freud, die der Herr Fürst haben wird! An Zwölfender hat er auch schon! Und zwei sakrische Gamsböck!«
Dieser weidmännische Erfolg schien den Grafen nicht sonderlich zu interessieren. Er fragte hastig und erregt: »Der Fürst hat heute Besuch bekommen? Natürlich, da stehen ja die Wagen. Aber sagen Sie mir —« Sternfeldt zog den Förster aus der Hörweite des Reitknechtes. »Wie hat der Fürst diesen Besuch empfangen?«
»Der Herr Fürst weiß noch gar nix von der Überraschung, die heut eintroffen is. Er is net daheim!«
»Nicht daheim? Und daß sie heute kommt? Das wußte er nicht?«
»Net a Wörtl! Na!«
»Gott sei Dank! Und wo ist er?«
»Draußen im Sebenwald. Aber jeden Augenblick muß er heimkommen.«
»Ich muß ihn sprechen, bevor er nach Hause kommt. Welchen Weg müssen wir nehmen?«
»Da über d' Lichtung aussi, durch'n Tillfußer Wald.«
»Und er hat keinen anderen Heimweg? Wir müssen ihn treffen? Sicher?«
»Vom Sebenwald eini, da gibt's kein andern Weg.«
Der Graf wandte sich an den Reitknecht. »FührenSie die Pferde in den Stall!« Er reichte ihm eine Banknote. »Das gehört Ihnen für die halbe Stunde, die wir gewonnen haben. Aber jetzt sorgen Sie für die Tiere so gut wie möglich! Sie sollen frottiert werden, bis sie völlig trocken sind, und sollen kein Futter und keinen Trunk bekommen, bevor sie nicht ruhige Lungen haben! — Kommen Sie, Herr Förster!«
Während Graf Sternfeldt über die Lichtung hinausschritt gegen den Wald, klopfte er mit der Reitpeitsche den Staub von den Beinkleidern. Und Förster Kluibenschädl murrte: »Sakra! Da muß was los sein! Mir scheint, die Gschicht mit der Überraschung stimmt net ganz!«
Fußnoten:[1]Ach, Jean, sehen Sie doch, ein fürstlicher Jäger! Und solch ein prachtvoller Riese! Ein echter Tiroler, nicht wahr? Ein Typus der Rasse! Und so hübsch, daß sich die Weiber auf der Straße nach ihm umdrehen müssen.[2]Ach, wie reizend! Wie drollig das alles ist, Jean, Jean, wir wollen lustige Streiche nach dem Dutzend machen, hier in der Sommerfrische!
[1]Ach, Jean, sehen Sie doch, ein fürstlicher Jäger! Und solch ein prachtvoller Riese! Ein echter Tiroler, nicht wahr? Ein Typus der Rasse! Und so hübsch, daß sich die Weiber auf der Straße nach ihm umdrehen müssen.
[1]Ach, Jean, sehen Sie doch, ein fürstlicher Jäger! Und solch ein prachtvoller Riese! Ein echter Tiroler, nicht wahr? Ein Typus der Rasse! Und so hübsch, daß sich die Weiber auf der Straße nach ihm umdrehen müssen.
[2]Ach, wie reizend! Wie drollig das alles ist, Jean, Jean, wir wollen lustige Streiche nach dem Dutzend machen, hier in der Sommerfrische!
[2]Ach, wie reizend! Wie drollig das alles ist, Jean, Jean, wir wollen lustige Streiche nach dem Dutzend machen, hier in der Sommerfrische!
In lautloser Stille lag der Tillfußer Wald. Unter den Bäumen war tiefer Schatten, doch um die Wipfel glühte noch der Glanz der Sonne, die sinken wollte. Wie goldfunkelnde Riesenmauern, von purpurnen Schattenlinien durchzogen, standen die grellbeleuchteten Berge hinter den Lücken des Waldes.
Auf einem Baum, den der Sturm geworfen hatte, saßen Graf Sternfeldt und der Förster. Nicht weit von ihnen zweigte sich der Pfad — der eine Weg führte zurJagdhütte im Sebenwald, der andere zur Sebenalpe und zum See. Diesen letzteren Pfad konnte man auf eine weite Strecke übersehen.
Je länger die beiden warten mußten, desto ungeduldiger wurde Sternfeldt.
»Endlich! Da kommt er!« Der Graf erhob sich. »Bleiben Sie, Herr Förster, ich geh ihm entgegen!«
In Gedanken versunken, behaglich schlendernden Ganges, kam Ettingen über den Pfad heruntergeschritten. Sein Hut war rings um die Krempe mit Blüten besteckt, mit Edelrosen vom Sebensee.
»Heinz!«
Ettingen blickte auf, als könnte er dem Klang dieser Stimme nicht glauben. Da leuchtete ihm die Freude aus den Augen. »Goni! Du?« Er stieß den Bergstock in die Erde und streckte dem Freund die Hände entgegen. »Du? Wahrhaftig? Goni, die Freude, die ich habe! Sagen kann ich das nicht — aber sieh mich an, und du mußt es fühlen!«
»Ja, Heinz!« Tiefe Bewegung klang aus der Stimme des Grafen. »So deutlich wie in diesem Augenblick hab ich es noch nie empfunden, daß du mir gut bist!«
»Goni? Hast du je daran gezweifelt?«
»Nein. Aber wer Geld besitzt, will auch wissen, wieviel es wert ist, und freut sich der Stunde, die ihn zählen läßt. Solch eine Zählstunde war jetzt der Blick in deineAugen! Aber dich so sehen zu dürfen, das hat noch eine andere Freude für mich. Heinz? Was ist aus dir geworden?«
»Ein gesunder, froher Mensch. Das hab ich dem Wald zu danken. Und dir! Du warst es, der diesen herrlichen Fleck Erde für mich aussuchte. Und du weißt nicht, was du da alles für mich gefunden hast! Ich danke dir, Goni! Aber was machst du denn für Augen?« Lachend beugte Ettingen das Gesicht bis dicht vor die Nase des Freundes. »Ich bin es schon! Wirklich! Ja, ja, ja!«
»Daß du so gesund vor mir stehst, so sonnverbrannt, so lachend? Das allein ist es nicht! An dir ist was Neues. Wär ich dir so in der Stadt begegnet, ohne zu ahnen, daß du das bist, ich glaube, ich hätte dich auf den ersten Blick gar nicht erkannt. Wie ein ganz anderer stehst du da! Und der neue Heinz gefällt mir! Aus deinen Augen redet Leben und Wille zur Freude — nein, jetzt habe ich keine Sorge mehr um dich. Jetzt kann ich dir sagen, warum ich kam. Ich bringe dir eine Nachricht, Heinz! Denk dir — sie ist da!«
»Wer?«
»Aber Heinz! Errätst du denn nicht?«
»Nein! Wer ist da?«
»Diese Frage begreif ich nicht. Aber du hättest mir kein Wort sagen können, das ich lieber gehört hätte, als dieses ahnungslose: ›Wer?‹ — Die Pranckha ist da. Draußen im Jagdhaus.«
Der Fürst erblaßte. So standen sie eine Weile schweigend voreinander. Dann stammelte Ettingen: »Das ist stark!«
Sternfeldt lachte. »Du weißt doch aus Erfahrung: in Dingen, die stark sind, ist sie groß!«
»Sie kam allein?«
»Gott bewahre! Sie muß den Schein wahren. Um so mehr, da sie ›ehrbare‹ Absichten zu haben scheint.«
»Sie ist mit dir gekommen?«
»Heinz! Das ist eine Frage, die mich verdrießen könnte!«
»Sei mir nicht bös! Ich weiß in meiner Empörung nicht mehr, was ich rede.«
»Empörung? Wirklich? Was dich blaß machte und dir das Blut wieder ins Gesicht treibt? Ist das nur Empörung?«
»Was sonst? Aber ja, Goni, ich will ehrlich sein, es ist noch etwas anderes!« sagte Ettingen mit bebender Stimme. »Was ich jetzt empfinde, ist wie Schmerz. Dieses Vergangene, dieses Häßliche — vor einer Stunde noch war es so ganz vergessen, als wär es nie gewesen. Nun steht es plötzlich da vor mir! Ich hatte das Gefühl wie nach einem Bad, als wär ich reingewaschen an Leib und Seele. Und jetzt? — Mir ekelt!— Aber wenn sie nicht allein kam? Mit wem kam sie?«
»Mit dem kleinen süßen Mucki.«
»Den soll ich auch noch ertragen?« Ettingen lachte in Zorn. »Die Geschichte fängt an, mich zu erheitern. Aber du? Daßdumit ihnen kamst?«
»Mitihnen? Nein!Nachihnen! Gestern mittag brachte mir der biedere Mann, von dem ich in meiner ahnungsvollen Vorsicht ihre Villa überwachen ließ, die Nachricht: mit dem Frühzug sind sie abgereist, Salonwagen nach Innsbruck. Am Abend saß ich im Coupé, kam heute mittag in Innsbruck an. Drei Stunden früher waren sie vom Hotel Europe abgefahren. Ich erinnerte mich an Shakespeare: ein Königreich für ein Pferd. Und da bin ich! Und bin neugierig, was du tun wirst?— Nun?«
»Ich bin ratlos, Goni!«
»Ich wüßte dir einen Rat. Aber du befolgst ihn nicht.«
»Ja, Goni! Jeden, den du mir gibst!«
»Dort steht der Förster. Laß dich von ihm nach Ehrwald führen, jetzt gleich! Drunten nimm dir einen Wagen, fahre nach Garmisch, nach München! Oder bleibe in Ehrwald, bis ich dich wieder rufe. Was du brauchst, schick ich dir noch heute hinunter, durch einen Jäger, nicht durch Martin!« Sternfeldt lachte. »So schmerzlich es für dich sein wird, aber von diesem Ehrenmann wirst du dich trennen müssen. Er ist ihr Helfer gewesen.«
»Martin?«
»Ja! Er hat dich neulich auf die Jagd geschickt, und während du fort warst, wurde meine Stube in ein Boudoir für die Pranckha verwandelt! Also? Soll ich den Förster rufen? Und willst du noch ein übriges tun, so schreib mir auf eine Visitenkarte: ›Mache mein Haus rein, Goni, und ich werde dir dankbar sein!‹ — Willst du?«
»Nein!«
»Siehst du, wie ich dich kenne?«
»Sie ist unter meinem Dach, sie ist mein Gast. Und ich habe diese Frau geliebt. Eine Roheit an ihr begehen, um sie abzuschütteln? Nein! Das kann ich nicht.«
»Roheit? Ich danke für das Kompliment. Aber ich bin nicht gekränkt. Ich vermute sogar, daß du schon morgen für meinen Rat empfänglicher sein wirst. Du hast sie geliebt, ja! Und daß du von dieser Liebe geheilt bist, das glaub ich auch. Nur die Blindheit ist dir geblieben. Aber ich, Heinz, ich habe diese Person gehaßt. Um deinetwillen! Und der Haß hat Augen. Ich kenne sie. Besser als du. Ohne Gewaltstreich wirst du mit der nicht fertig. Sei vornehm, wohlerzogen, höflich, und in drei Tagen hat sie dich wieder eingefangen.«
»Da irrst du dich.«
»Beweis es mir, und ich leiste dir Abbitte. Aber nun weißt du, daß die beiden unter deinem Dach sind, und deiner vornehmen Seele muß es als Unhöflichkeit erscheinen: liebe Gäste so lange warten zu lassen. Komm!« Lachend ging Sternfeldt auf Kluibenschädl zu. »Na also,lieber Förster, fertig zum Heimweg! Unsere gute Durchlaucht hat über ernste Dinge nachzudenken. Aber wir beide plaudern? Ja? Was macht die Jagd? Und wo ist der Zwölfender gefallen?«
»Droben beim Sebensee, Herr Graf! Und wann S' dös Gweih sehen —«
Sie waren noch nicht weit gegangen, als sie laute Stimmen im Wald vernahmen. Über den Weg, der zur bayerischen Grenze, zur Knorrhütte und zur Zugspitze führte, kam mit Lachen, Schwatzen und Singen eine lustige Touristengesellschaft herunter, vier junge Leute mit dick angepackten Rucksäcken, und zwei hübsche Mädchen, zu deren runden, vergnügten Grübchengesichtern die Maskerade des ländlichen Kostüms nicht übel paßte. Pfundweis trugen sie die Blumen auf Hüten und Bergstöcken.
Ob das der richtige Weg nach der Tillfuß-Alpe wäre? fragten sie den Förster.
Nur immer gradaus, und sie könnten nicht fehlen.
Und ob in der Sennhütte für sechs Leute Platz zum Übernachten wäre?
»Natürlich! Auf'm Heuboden halt! Da liegen S' gut!«
Das wirkte auf die heitere Gesellschaft, als hätte man ihr eine köstliche Sache in Aussicht gestellt. Lachend und singend wanderten die jungen Leute davon und begrüßtendas Ziel ihres Marsches mit Jauchzern und Jodelrufen, von denen mancher etwas zweifelhaft ausfiel. Das gab Anlaß zu neuer Heiterkeit. Schwatzend musterten sie die Wagen, guckten in den Stall und grüßten einen Kutscher: »Guten Abend, Herr Vetter!« Als sie an Mazeggers Hütte vorüberkamen, blickte eines der Mädchen neugierig durch das offene Fenster in die Stube. Kichernd fuhr die Kleine zurück, winkte ihrer Freundin und flüsterte: »Du, da mußt hineinschauen, da sitzt einer drin, der macht ein Gesicht wie der Hamlet nach dem Monolog: Sein oder Nichtsein!« Als die andere mit lachenden Augen in die Stube spähte, fuhr Mazegger auf: »Was wollen Sie? Machen Sie, daß Sie weiterkommen!« Die Folge war, daß von den jungen Touristen einer nach dem anderen ans Fenster trat und sich höflich verbeugte: »Habe die Ehre!« Und dann ging's mit Gelächter hinunter zur Sennhütte.
Mazegger hatte im ersten Zorn das Fenster zugeschlagen. Als die lustigen Stimmen verklangen, öffnete er die Scheiben wieder und kehrte zu seinem Lauerposten neben dem Herd zurück.
Rittlings saß er auf dem Holzstuhl. Seine Augen schienen nichts anderes zu sehen als Tür und Fenster des Fürstenhauses.
Da schoß ihm das Blut ins Gesicht, und hastig griff er nach dem Fernrohr.
In der Tür des Jagdhauses war Baronin Pranckhaerschienen. Während sie über die Stufen herunterstieg in den Hof, stützte sie sich auf die Goldkrücke ihres Spitzenschirmes. Sie trug eine Sportmütze aus schottischer Seide und ein weißes Lodenkleid mit breitem Ledergürtel von schillerndem Kupferglanz. Faltenlos, wie angegossen, umschmiegte der linde Stoff den schönen Frauenkörper, der bei aller Grazie leicht zur Fülle neigte. Der langsame Gang war von weichlicher Geschmeidigkeit; bei jedem Schritt, bei jeder leisen Bewegung der Arme, bei jedem Wenden und Neigen des Kopfes schien der ganze Körper mitbewegt. Und wie dieses Haar in der Sonne schimmerte! Es war nicht blond, nicht rot, es hatte den dunklen Farbenglanz, den sterbende Blätter an einem schönen Herbsttag haben. In seiner kapriziösen Modefrisur, in dem lockeren Gewell, das sich über die Schläfe hinauslegte, umschloß dieses Haar gleich einer leuchtenden Goldhaube ein rundes Gesichtchen, wie von Watteau gemalt, weiß und rot, mit zarten Grübchen und bläulichen Schatten, mit den klar gezeichneten Sicheln der dunklen Brauen und mit heißen Lippen. Diese Farben wirkten wie Natur. Waren sie Kunst, dann verstand sich diese Frau wie eine Meisterin auf dascorriger la beauté. Bei der rosigen Frische dieser Farben hatte das Gesichtchen etwas jugendlich Unreifes, fast Kindliches. Dem widersprachen aber die feinen, wie mit der Nadelspitze gezogenen Linien an den Mundwinkeln. Und die Augen! Ihre Farbe war ein erloschenes Blau. Doch in der matten Iris branntendie großen Pupillen schwarz und feurig wie die Beeren der Tollkirsche.
Und wie diese Augen in nervöser Ungeduld flackerten, während sie beim Hoftor stand, mit der Schirmspitze im Sand wühlte und immer hinunterspähte über den Weg! Dann plötzlich lachte sie, mit perlender Stimme, vergnügt wie ein Kind, das in gereizter Laune mit einem Spielzeug überrascht wird.
Sensburg kam über den Weg herauf, »jagerisch« maskiert, mit Joppe, grüner Weste und kurzer Lederhose, mit genagelten Schuhen und mit Wadenstrümpfen, die mit dicker Wolle unternäht waren, um hinter den Knien den »echten« Buckel zu machen. An der Joppe trug er Hirschhornknöpfe, die ein spannenlanges Knopfloch brauchten, und an der Uhrkette baumelten silbergefaßte Adlerklauen, Hirschgranen und Murmeltierzähne. Die Knie mußte er mit irgendeiner Tinktur gefärbt haben; sie waren wie Kastanien so braun. Er ging nach der Art eines Holzknechtes, breitspurig und die Arme schlenkernd.
Mazegger konnte das heitere Lachen der schönen Frau und ihre Stimme hören, als sie in einer fremden Sprache — es war Englisch — dem anderen etwas sagte. Das mußte ein Kompliment gewesen sein, denn der »Jagerische« verbeugte sich geschmeichelt, und um seiner Rolle recht getreu zu werden, versuchte er das Wortkauen eines steirischen Kretins nachzuahmen. Dann fiel er, nach einpaar englischen Floskeln, wieder in den Wiener Fiakerton und lachte: »So ein Gstell? Was? Is ein Gstell! Eisssen! Und echter man kann nicht! Aber Sie, Baronin? Ausschauen tun S' heint wieder, ich sag Ihnen, Baroninderl, großoatig! Zucker!« Galant umtänzelte Sensburg die schöne Frau und begann mit gustiöser Ausführlichkeit ihre Reize zu preisen. »Und denken, daß diese heazige Schennheit für einen anderen blütt? Das ist schmeazhaft, Baronin, wiaklich schmeazhaft!« Er verdrehte die Augen und seufzte. Um die schöne Frau wieder lachen zu machen, spielte er eine drollige Pantomime als hoffnungslos schmachtender Seladon. Es schien in dieser Posse auch ein Funke von Ernst zu glimmen: die ohnmächtige Sehnsucht eines verliebten Narren, der begehrt, was unerreichbar ist.
Sah sie dieses Flämmchen brennen, und hatte sie Ursache, zu wünschen, daß es nicht erlosch? Lächelnd reichte sie ihm die Hand, an der in der Sonne die Ringe blitzten, und ließ sie küssen. Plaudernd und lachend wanderten sie im Hof des Jagdhauses auf und nieder, und sooft sie kehrtmachten, tänzelte Sensburg auf die linke Seite der Baronin.
Da sah Mazegger durch das Fernrohr, daß die schöne Frau verstummte. Ihre Züge veränderten und spannten sich, ihre Augen wurden größer. Diese Erregung löste sich in ein bezauberndes Lächeln, als sie mit Sensburg zum Hoftor ging. Im gleichen Augenblick hörte Mazegger dieStimme des Fürsten, der mit Sternfeldt an der Hütte vorüberkam.
Mazegger huschte zum Fenster, kniete auf den Boden nieder und stützte das Fernrohr, damit es in seinen unruhigen Händen nicht zittern konnte. Schwer atmend richtete er das Glas auf das Gesicht der schönen Frau und belauerte jeden Blick ihrer Augen.
Den Grafen schien sie nicht gern zu sehen; als er sich lächelnd vor ihr verbeugte, nagte sie mit den kleinen blinkenden Zähnen an der Lippe. Ganz verwandelt schien sie, als sie auf den Fürsten zutrat, dem Sensburg schwatzend entgegengegangen war. Wie sie da lächelte, wie alles lebte und sprühte in ihrem Gesicht! Und dieser Blick! Wie eine Bitte, welche schenkt, demütig und sieghaft — ein Blick, der zu sagen schien: »Ich will dich, darum bist du mein!«
Da verfinsterte sich das Glas, Mazegger sah nichts mehr, und als er aufblickte, stand der Förster vor dem Fenster.
Kluibenschädl machte verblüffte Augen. »Was treibst du denn da? Unsere Herrenleut ausspionieren? So was laß bleiben, gelt! Und Uhr hast wohl keine? Sechse is's! Schau, daß in Dienst kommst!«
Wortlos erhob sich Mazegger, schob das Glas zusammen, richtete sich für den Pirschgang und schritt über das Almfeld hinunter. Als er den Wald erreichte, blieb erstehen und blickte nach dem Jagdhaus hinauf. Der Hof war leer, der Fürst und seine Gäste waren ins Haus getreten.
Mazegger nahm den Hut ab und fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Es schien, als wäre er ein anderer geworden. Sein Gesicht brannte, und er atmete wie einer, dem eine Kette von den Gliedern fiel. »Die erlöst mich von ihm! Wenndieihm ihre Augen hinmacht,mußer vergessen! Alles!« Hastig schritt er hinein in den Schatten des Waldes.
Der Förster war zu seiner Hütte gegangen und schürte im Herd ein Feuer an. Er schien zu denken, daß man ihn heute nicht zur Tafel rufen würde. »Schad um den gsparten Hunger!« Aber als er die Pfanne von der Wand herunternahm, erschien Martin in seiner schwarzen Gala: »Durchlaucht lassen zur Tafel bitten!« Während die beiden hinaufgingen zum Jagdhaus, sagte der Förster: »Sie, Herr Kammerdiener! Ihnen hab ich an ernstlichen Vorhalt z' machen. Einige Andeutigungen des Herrn Grafen Sternfeldt lassen mich vermuten, daß Sie mich, wie man zu sagen pflegt, über den Löffel balbiert haben — mit derselbigen ›Überraschung‹! Ich muß mir so was für die Zukunft entschieden verbitten! Solchene Sachen mag ich net.«
Martin erwiderte kein Wort. Er warf nur einen scheuen Blick zu den offenen Fenstern des Speisezimmers hinauf, wie in Sorge, daß irgend jemand die geharnischteErklärung des Försters gehört haben könnte. Es war überhaupt in seinem Wesen etwas Ängstliches, als hätte er die Ahnung, daß ihm heute noch eine Unbehaglichkeit bevorstünde.
Sie traten ins Haus.
Von den Stimmen bei der Tafel drang nur ein undeutlicher Hall in den Hof herunter. Am besten unterschied man die Stimme des Edlen von Sensburg, der das große Wort zu führen schien. Häufig hörte man auch ein helles, perlendes Lachen. Die Fiakerspäße des »kleinen süßen Mucki« schienen die schöne Frau in heitere Laune zu versetzen.—
Je ruhiger der schöne Abend um die Mauern des Jagdhauses dämmerte, desto lauter ging es drunten in der Sennhütte zu, in der sich die junge Touristengesellschaft gemütlich eingerichtet hatte. Vergnügtes Schwatzen wechselte mit Gesang, lustiges Kreischen mit lautem Gelächter, und dazu klimperte und klang eine Zither.
Als es dunkel wurde, kehrte Pepperl von der Pirsche zurück. Lange stand er vor der Tür des Försterhäuschens und lauschte zur Sennhütte hinunter, bis er wütend vor sich hin brummte: »So a Madl! Daß die doch allweil ihr Gaudi haben muß! Mit ander Leut!« Seufzend trat er in die Hütte, legte sein Jagdzeug ab und setzte sich vor die Tür.
Wenn in der Sennhütte die jungen Stimmen rechtübermütig durcheinanderschrien, drückte Pepperl die Hände über die Ohren.
Es war finstere Nacht geworden, als Martin mit einer Laterne über den Weg herunterkam, um Herrn von Sensburg zum Fremdenhaus zu führen.
Ein paar Minuten später erschien der Förster und hörte von der Sennhütte her das Singen und Jodeln. Fast wäre er in der Finsternis über Pepperls Beine gestolpert. »Geh, du Leimsieder! Was hockst denn da in der Nacht? Wo's so lustig zugeht bei der Burgi drunt? Mach weiter, geh a wengerl abi und tu dich unterhalten. Brauchen kannst es, du mit deiner maulhenkolischen Traurigkeit allweil!«
Pepperl war ein allzu gehorsamer Jäger, als daß er einem so klaren Befehl seines Vorgesetzten hätte widersprechen können. »No ja, wenn S' meinen, es muß sein, in Gottsnamen, geh ich halt abi!«
»Aber bleib net z'lang! Morgen in der Fruh um fünfe mußt mit'm Herrn von Sensburg zur Gamspirsch auffi!«
»Mit dem? Da dank ich schön! Vor dem laufen die Gamsböck auf tausend Schritt davon! Wo soll ich denn hin mit ihm? Zum Sebensee?«
»Na, na! Grad hat's der Herr Fürst gsagt: überall kann er hingehn, bloß net zum Sebensee. Gehst halt hin, wo d' meinst, er verdirbt nix. Und schießen kannst ihnlassen, auf was er mag. Treffen tut er eh nix, der! Aber jetzt geh, Pepperl, und sei vergnügt!«
»No ja! Meintwegen!« Pepperl seufzte, als wäre für ihn der Weg zur lustigen Sennhütte eine »viel härtere Sach« als die Gemspirsche, die ihm für den kommenden Morgen drohte. Stolpernd verschwand er in der Nacht.
Der Förster zündete in der Hütte die Lampe an. Da hörte er einen Wagen kommen. Es war ein Einspänner aus Innsbruck, der das Gepäck des Grafen brachte. Kluibenschädl lief zum Jagdhaus hinauf. Am Wohnzimmer des Fürsten mußte er ein paarmal pochen, bis man ihn hörte — so erregt, wenn auch mit gedämpften Stimmen, wurde da drin gesprochen.
Als der Förster den von einer großen Lampe erleuchteten Raum betrat, saß Graf Sternfeldt in einem Fauteuil, und Ettingen stand mitten im Zimmer. So hatte Kluibenschädl seinen Herrn noch nie gesehen: mit dieser Zornader auf der Stirn, mit diesen blitzenden Augen. »Ich bitt um Vergebung, Duhrlaucht, aber ich hab nur dem Herrn Grafen melden wollen, daß seine Sachen eintroffen sind.«
Ettingen nickte, als hätte er nicht recht gehört. Und zum Fenster tretend, preßte er die Hand an seine glühende Stirn.
»Ja, lieber Förster, ich danke Ihnen«, sagte Sternfeldt und erhob sich, »lassen Sie drunten im Fremdenhausdie Sachen einstweilen in mein Zimmer schaffen, ich komme gleich. Es ist Zeit für mich, daß ich mich aufs Ohr lege. Ich bin müd und merke, daß ich meinen alten Knochen mit diesem Ritt mehr zugemutet habe, als ihnen lieb ist. Na, hoffentlich schlafe ich heut in meinem delogierten Bett so gut, als ob es noch an seinem alten Platz stünde.« Lachend trat er zum Schreibtisch und brannte eine Zigarre an. »Also, lieber Förster, ich komme gleich.«
Kluibenschädl streifte zum Abschied seinen Herrn mit einem scheu besorgten Blick.
Eine Weile war's still im Zimmer. Ettingen blickte durch das Fenster in die sternhelle Nacht hinaus. Obwohl die Scheiben geschlossen waren, konnte er den heiteren Spektakel hören, den die junge Gesellschaft drunten in der Sennhütte trieb.
Sternfeldt blies den Rauch seiner Zigarre vor sich hin und betrachtete das erlöschende Zündholz, als wäre er neugierig, wie lang der kleine Funke, der von der Flamme zurückgeblieben, noch glimmen würde.
Ettingen, an die Auseinandersetzung anknüpfend, in der sie durch den Eintritt des Försters unterbrochen wurden, sagte: »Von allem, was du mir vorgehalten, kann ich kein Wort widerlegen. Aber versetze dich in meine Lage, Goni! Sie sind meine Gäste. Das bindet mir die Hände. Auch wenn ich mir hundertmal sage: ich habe sie nicht gerufen. Das Zusammenleben mit diesen beiden empfinde ich selbst wie etwas Unerträgliches. Und duhast recht, am leichtesten wäre da mit einem rücksichtslosen Wort ein Ende gemacht. Aber das bring ich nicht fertig. Ich kann meine Natur nicht auf den Kopf stellen. Damit mußt du rechnen.«
»Ja, ich habe in meiner Rechnung einen Fehler gemacht. Während ich da heraufritt, daß mir und dem Pferd der Atem ausging, hab ich mit jeder Eigenschaft in dir gerechnet, nur nicht mit deiner Höflichkeit. Die ist zu klassischer Vollendung ausgebildet. Wäre ich ein Dieb, ich würde beidireinbrechen. Da wär ich eines liebenswürdigen Empfanges sicher. Sollte dir der unhöfliche Gedanke kommen, mich aus dem Haus werfen zu lassen, dann dürfte ich nur sagen: Mein Herr, ich bin unter Ihrem Dach und fühle mich als Gast! Tableau! Und ich würde an deiner Tafel sitzen und bekäme von dir die Schüssel gereicht wie heut die Pranckha.«
»Du marterst mich! Laß diese Scherze!«
»Ich? Scherzen? Mir ist so ernst, wie einem Menschen nur sein kann, der einen Freund in Gefahr weiß.«
»Gefahr? Ach, geh doch!« erwiderte Ettingen fast unwillig. »Ich fühle mich an Leib und Seele so frei, als hätte mich nie ein Wunsch meiner Sinne an diese Frau gefesselt. Sie ist mir so völlig fremd geworden, daß ich sie ansehen und mich erschrocken fragen kann: Wie war's nur möglich, daß ich sie geliebt habe?— Was fürchtest du also?«
»Ihre Schönheit! Denn schön ist sie. Das muß ich ihr lassen. Und noch etwas anderes macht mich unruhig: deine Erregung. Wenn du deiner so sicher bist, weshalb diese Erregung? Das versteh ich nicht.«
Ettingen antwortete nicht gleich. »Ja, du hast recht! Ich könnte doch wirklich die Posse, die mir diese beiden Menschen ins Haus brachten, mit kalter Ruhe an mir vorüberspielen lassen! Und doch ist ein Aufruhr in mir —«
»Ja, Heinz, in dir ist etwas, das sich meinem Blick verschließt. Und das beunruhigt mich. Es ist da noch etwas anderes als nur dein Widerwille, den du übrigens bei Tisch zur Genüge hast merken lassen, trotz deiner Höflichkeit als Wirt. Der süße Mucki war blind dafür. Dem geht nicht so leicht was durch die dicke Haut. Abersiehat gemerkt, wie sie dran ist. Der erste, lächelnde Empfang, den sie dir bereitete, ließ mich vermuten, daß sie dich in aller Liebenswürdigkeit ein paar Wochen blockieren will, um dich im Anblick ihrer Reize knusperig zu rösten. Nun wird sie ihre Taktik ändern. Sie weiß, daß deine Höflichkeit mit dem Ekel kämpft, und da ist sie klug genug, um diese Stimmung in dir nicht wachsen zu lassen. Sie wird die gründliche Aussprache, die du bei deiner vornehmen Gastlichkeit gerne vermeiden möchtest, so rasch wie möglich herbeiführen.« Ein sarkastisches Lächeln. »Vielleicht schneller, als du denkst! Mit einem Gewaltstreich, den ich ihr zutraue.«
»Was meinst du damit?«
»Das soll ich dir noch erzählen?« Sternfeldt lachte. »Nein, lieber Heinz!« Er zerdrückte die Zigarre in der Aschenschale und trat vor Ettingen hin. Jeder spottende Zug war ausgelöscht in seinem Gesicht. »Dubisterregt! Mach draußen in der kühlen Nacht noch einen Bummel! Oder — auf deinem Schreibtisch liegt der Quartalbericht deines Verwalters — setz dich heute noch drüber, Heinz! Da hast du drei, vier Stunden nüchterne Arbeit. Das wird dich beruhigen.« Wieder lächelte er. »Dann geht's ja auch auf den Morgen zu. Ja, Heinz? Willst du das?«
Ettingen reichte dem Freunde die Hand, ohne ein Wort zu sagen.
»Na also, ruhige Nacht!«
Dunkle Röte war dem Fürsten ins Gesicht gestiegen, als hätte er jetzt verstanden, wie der Rat des Freundes gemeint war.
»Goni? Du denkst nicht gut von mir!«
»Von dir? Doch, Heinz!« Sternfeldt lächelte. »Aber vonihrnicht.« Er wollte schon die Tür öffnen. Der Ausdruck seiner Züge verriet, daß er mit einem Entschluß kämpfte, der ihm nicht leicht wurde. Und dann erwachte in seinen ernsten Augen ein Blick von so mildem Feuer, daß Ettingen betroffen zu ihm aufsah.
Sternfeldt hob den linken Arm und streifte die Manschette zurück. »Sieh her, Heinz, was ich habe!« Er trug am Handgelenk eine Goldkette mit kleinem Medaillon.»Ein Talisman, den ich seit fünfzehn Jahren trage! Es hat eine Zeit gegeben, in der ich ein Spielzeug jeder Stunde war, die mir das Blut heiß machte. Dann kam eine Wandlung über mich, es ist rein in mir geworden, klar und still. Seit damals trag ich diese Kette. Der Talisman, den die Kapsel enthält, hat mich seit fünfzehn Jahren vor aller Häßlichkeit des Lebens bewahrt. Und dieser Talisman hätte auch Macht überdich. Ich möchte ihn dir geben. Aber ich kann die Kette nicht abnehmen, sie ist angeschmiedet an meinem Arm — weißt du, ich will sie mitnehmen auf meinen letzten Weg. Aber willst du nicht sehen, was die Kapsel enthält?« Er trat zum Schreibtisch und hielt den Arm in das Licht der Lampe. »Komm her, Heinz!«