The Project Gutenberg eBook ofDas Stunden-BuchThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: Das Stunden-BuchAuthor: Rainer Maria RilkeRelease date: January 15, 2008 [eBook #24288]Language: GermanCredits: Produced by Markus Brenner and the Online DistributedProofreading Team at http://www.pgdp.net*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS STUNDEN-BUCH ***
This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.
Title: Das Stunden-BuchAuthor: Rainer Maria RilkeRelease date: January 15, 2008 [eBook #24288]Language: GermanCredits: Produced by Markus Brenner and the Online DistributedProofreading Team at http://www.pgdp.net
Title: Das Stunden-Buch
Author: Rainer Maria Rilke
Author: Rainer Maria Rilke
Release date: January 15, 2008 [eBook #24288]
Language: German
Credits: Produced by Markus Brenner and the Online DistributedProofreading Team at http://www.pgdp.net
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS STUNDEN-BUCH ***
enthaltend die drei Bücher:
Vom mœnchischen Leben /Von der Pilgerschaft /Von der Armuthund vom Tode
Rainer Maria Rilke
Insel-Verlag / Leipzig / im Jahre 1918
Das 12. bis 16. Tausend
Gelegt in die Hände von Lou
Da neigt sich die Stunde und rührt mich anmit klarem metallenem Schlag:mir zittern die Sinne. Ich fühle: ich kann –und ich fasse den plastischen Tag.Nichts war noch vollendet, eh ich es erschaut,ein jedes Werden stand still.Meine Blicke sind reif, und wie eine Brautkommt jedem das Ding, das er will.Nichts ist mir zu klein, und ich lieb es trotzdemund mal es auf Goldgrund und großund halte es hoch, und ich weiß nicht wemlöst es die Seele los ...
Da neigt sich die Stunde und rührt mich anmit klarem metallenem Schlag:mir zittern die Sinne. Ich fühle: ich kann –und ich fasse den plastischen Tag.Nichts war noch vollendet, eh ich es erschaut,ein jedes Werden stand still.Meine Blicke sind reif, und wie eine Brautkommt jedem das Ding, das er will.Nichts ist mir zu klein, und ich lieb es trotzdemund mal es auf Goldgrund und großund halte es hoch, und ich weiß nicht wemlöst es die Seele los ...
Da neigt sich die Stunde und rührt mich anmit klarem metallenem Schlag:mir zittern die Sinne. Ich fühle: ich kann –und ich fasse den plastischen Tag.
Nichts war noch vollendet, eh ich es erschaut,ein jedes Werden stand still.Meine Blicke sind reif, und wie eine Brautkommt jedem das Ding, das er will.
Nichts ist mir zu klein, und ich lieb es trotzdemund mal es auf Goldgrund und großund halte es hoch, und ich weiß nicht wemlöst es die Seele los ...
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,die sich über die Dinge ziehn.Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,aber versuchen will ich ihn.Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,und ich kreise jahrtausendelang;und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturmoder ein großer Gesang.
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,die sich über die Dinge ziehn.Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,aber versuchen will ich ihn.
Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,und ich kreise jahrtausendelang;und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturmoder ein großer Gesang.
Ich habe viele Brüder in Soutanenim Süden, wo in Klöstern Lorbeer steht.Ich weiß, wie menschlich sie Madonnen planen,und träume oft von jungen Tizianen,durch die der Gott in Gluten geht.Doch wie ich mich auch in mich selber neige:mein Gott ist dunkel und wie ein Gewebevon hundert Wurzeln, welche schweigsam trinken.Nur, daß ich mich aus seiner Wärme hebe,mehr weiß ich nicht, weil alle meine Zweigetief unten ruhn und nur im Winde winken.
Ich habe viele Brüder in Soutanenim Süden, wo in Klöstern Lorbeer steht.Ich weiß, wie menschlich sie Madonnen planen,und träume oft von jungen Tizianen,durch die der Gott in Gluten geht.
Doch wie ich mich auch in mich selber neige:mein Gott ist dunkel und wie ein Gewebevon hundert Wurzeln, welche schweigsam trinken.Nur, daß ich mich aus seiner Wärme hebe,mehr weiß ich nicht, weil alle meine Zweigetief unten ruhn und nur im Winde winken.
Wir dürfen dich nicht eigenmächtig malen,du Dämmernde, aus der der Morgen stieg.Wir holen aus den alten Farbenschalendie gleichen Striche und die gleichen Strahlen,mit denen dich der Heilige verschwieg.Wir bauen Bilder vor dir auf wie Wände;so daß schon tausend Mauern um dich stehn.Denn dich verhüllen unsre frommen Hände,sooft dich unsre Herzen offen sehn.
Wir dürfen dich nicht eigenmächtig malen,du Dämmernde, aus der der Morgen stieg.Wir holen aus den alten Farbenschalendie gleichen Striche und die gleichen Strahlen,mit denen dich der Heilige verschwieg.
Wir bauen Bilder vor dir auf wie Wände;so daß schon tausend Mauern um dich stehn.Denn dich verhüllen unsre frommen Hände,sooft dich unsre Herzen offen sehn.
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,in welchen meine Sinne sich vertiefen;in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,mein täglich Leben schon gelebt gefundenund wie Legende weit und überwunden.Aus ihnen kommt mir Wissen, daß ich Raumzu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.Und manchmal bin ich wie der Baum,der, reif und rauschend, über einem Grabeden Traum erfüllt, den der vergangne Knabe(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)verlor in Traurigkeiten und Gesängen.
Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,in welchen meine Sinne sich vertiefen;in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,mein täglich Leben schon gelebt gefundenund wie Legende weit und überwunden.
Aus ihnen kommt mir Wissen, daß ich Raumzu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.Und manchmal bin ich wie der Baum,der, reif und rauschend, über einem Grabeden Traum erfüllt, den der vergangne Knabe(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)verlor in Traurigkeiten und Gesängen.
Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manches Malin langer Nacht mit hartem Klopfen störe, –so ists, weil ich dich selten atmen höreund weiß: Du bist allein im Saal.Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da,um deinem Tasten einen Trank zu reichen:ich horche immer. Gib ein kleines Zeichen.Ich bin ganz nah.Nur eine schmale Wand ist zwischen uns,durch Zufall; denn es könnte sein:ein Rufen deines oder meines Munds –und sie bricht einganz ohne Lärm und Laut.Aus deinen Bildern ist sie aufgebaut.Und deine Bilder stehn vor dir wie Namen.Und wenn einmal das Licht in mir entbrennt,mit welchem meine Tiefe dich erkennt,vergeudet sichs als Glanz auf ihren Rahmen.Und meine Sinne, welche schnell erlahmen,sind ohne Heimat und von dir getrennt.
Du, Nachbar Gott, wenn ich dich manches Malin langer Nacht mit hartem Klopfen störe, –so ists, weil ich dich selten atmen höreund weiß: Du bist allein im Saal.Und wenn du etwas brauchst, ist keiner da,um deinem Tasten einen Trank zu reichen:ich horche immer. Gib ein kleines Zeichen.Ich bin ganz nah.
Nur eine schmale Wand ist zwischen uns,durch Zufall; denn es könnte sein:ein Rufen deines oder meines Munds –und sie bricht einganz ohne Lärm und Laut.
Aus deinen Bildern ist sie aufgebaut.
Und deine Bilder stehn vor dir wie Namen.Und wenn einmal das Licht in mir entbrennt,mit welchem meine Tiefe dich erkennt,vergeudet sichs als Glanz auf ihren Rahmen.
Und meine Sinne, welche schnell erlahmen,sind ohne Heimat und von dir getrennt.
Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.Wenn das Zufällige und Ungefähreverstummte und das nachbarliche Lachen,wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,mich nicht so sehr verhinderte am Wachen –Dann könnte ich in einem tausendfachenGedanken bis an deinen Rand dich denkenund dich besitzen (nur ein Lächeln lang),um dich an alles Leben zu verschenkenwie einen Dank.
Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.Wenn das Zufällige und Ungefähreverstummte und das nachbarliche Lachen,wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,mich nicht so sehr verhinderte am Wachen –
Dann könnte ich in einem tausendfachenGedanken bis an deinen Rand dich denkenund dich besitzen (nur ein Lächeln lang),um dich an alles Leben zu verschenkenwie einen Dank.
Ich lebe grad, da das Jahrhundert geht.Man fühlt den Wind von einem großen Blatt,das Gott und du und ich beschrieben hatund das sich hoch in fremden Händen dreht.Man fühlt den Glanz von einer neuen Seite,auf der noch alles werden kann.Die stillen Kräfte prüfen ihre Breiteund sehn einander dunkel an.
Ich lebe grad, da das Jahrhundert geht.Man fühlt den Wind von einem großen Blatt,das Gott und du und ich beschrieben hatund das sich hoch in fremden Händen dreht.
Man fühlt den Glanz von einer neuen Seite,auf der noch alles werden kann.
Die stillen Kräfte prüfen ihre Breiteund sehn einander dunkel an.
Ich lese es heraus aus deinem Wort,aus der Geschichte der Gebärden,mit welchen deine Hände um das Werdensich ründeten, begrenzend, warm und weise.Du sagtest leben laut und sterben leiseund wiederholtest immer wieder: Sein.Doch vor dem ersten Tode kam der Mord.Da ging ein Riß durch deine reifen Kreiseund ging ein Schreinund riß die Stimmen fort,die eben erst sich sammelten,um dich zu sagen,um dich zu tragen,alles Abgrunds Brücke –Und was sie seither stammelten,sind Stückedeines alten Namens.
Ich lese es heraus aus deinem Wort,aus der Geschichte der Gebärden,mit welchen deine Hände um das Werdensich ründeten, begrenzend, warm und weise.Du sagtest leben laut und sterben leiseund wiederholtest immer wieder: Sein.Doch vor dem ersten Tode kam der Mord.Da ging ein Riß durch deine reifen Kreiseund ging ein Schreinund riß die Stimmen fort,die eben erst sich sammelten,um dich zu sagen,um dich zu tragen,alles Abgrunds Brücke –
Und was sie seither stammelten,sind Stückedeines alten Namens.
Der blasse Abelknabe spricht:Ich bin nicht. Der Bruder hat mir was getan,was meine Augen nicht sahn.Er hat mir das Licht verhängt.Er hat mein Gesicht verdrängtmit seinem Gesicht.Er ist jetzt allein.Ich denke, er muß noch sein.Denn ihm tut niemand, wie er mir getan.Es gingen alle meine Bahn,kommen alle vor seinen Zorn,gehen alle an ihm verlorn.Ich glaube, mein großer Bruder wachtwie ein Gericht.An mich hat die Nacht gedacht;an ihn nicht.
Der blasse Abelknabe spricht:
Ich bin nicht. Der Bruder hat mir was getan,was meine Augen nicht sahn.Er hat mir das Licht verhängt.Er hat mein Gesicht verdrängtmit seinem Gesicht.Er ist jetzt allein.Ich denke, er muß noch sein.Denn ihm tut niemand, wie er mir getan.Es gingen alle meine Bahn,kommen alle vor seinen Zorn,gehen alle an ihm verlorn.
Ich glaube, mein großer Bruder wachtwie ein Gericht.An mich hat die Nacht gedacht;an ihn nicht.
Du Dunkelheit, aus der ich stamme,ich liebe dich mehr als die Flamme,welche die Welt begrenzt,indem sie glänztfür irgendeinen Kreis,aus dem heraus kein Wesen von ihr weiß.Aber die Dunkelheit hält alles an sich:Gestalten und Flammen, Tiere und mich,wie sie’s errafft,Menschen und Mächte –Und es kann sein: eine große Kraftrührt sich in meiner Nachbarschaft.Ich glaube an Nächte.
Du Dunkelheit, aus der ich stamme,ich liebe dich mehr als die Flamme,welche die Welt begrenzt,indem sie glänztfür irgendeinen Kreis,aus dem heraus kein Wesen von ihr weiß.
Aber die Dunkelheit hält alles an sich:Gestalten und Flammen, Tiere und mich,wie sie’s errafft,Menschen und Mächte –
Und es kann sein: eine große Kraftrührt sich in meiner Nachbarschaft.
Ich glaube an Nächte.
Ich glaube an alles noch nie Gesagte.Ich will meine frömmsten Gefühle befrein.Was noch keiner zu wollen wagte,wird mir einmal unwillkürlich sein.Ist das vermessen, mein Gott, vergib.Aber ich will dir damit nur sagen:Meine beste Kraft soll sein wie ein Trieb,so ohne Zürnen und ohne Zagen;so haben dich ja die Kinder lieb.Mit diesem Hinfluten, mit diesem Mündenin breiten Armen ins offene Meer,mit dieser wachsenden Wiederkehrwill ich dich bekennen, will ich dich verkündenwie keiner vorher.Und ist das Hoffart, so laß mich hoffärtig seinfür mein Gebet,das so ernst und alleinvor deiner wolkigen Stirne steht.
Ich glaube an alles noch nie Gesagte.Ich will meine frömmsten Gefühle befrein.Was noch keiner zu wollen wagte,wird mir einmal unwillkürlich sein.
Ist das vermessen, mein Gott, vergib.Aber ich will dir damit nur sagen:Meine beste Kraft soll sein wie ein Trieb,so ohne Zürnen und ohne Zagen;so haben dich ja die Kinder lieb.
Mit diesem Hinfluten, mit diesem Mündenin breiten Armen ins offene Meer,mit dieser wachsenden Wiederkehrwill ich dich bekennen, will ich dich verkündenwie keiner vorher.
Und ist das Hoffart, so laß mich hoffärtig seinfür mein Gebet,das so ernst und alleinvor deiner wolkigen Stirne steht.
Ich bin auf der Welt zu allein und doch nicht allein genug,um jede Stunde zu weihn.Ich bin auf der Welt zu gering und doch nicht klein genug,um vor dir zu sein wie ein Ding,dunkel und klug.Ich will meinen Willen und will meinen Willen begleitendie Wege zur Tat;und will in stillen, irgendwie zögernden Zeiten,wenn etwas naht,unter den Wissenden seinoder allein.Ich will dich immer spiegeln in ganzer Gestaltund will niemals blind sein oder zu alt,um dein schweres schwankendes Bild zu halten.Ich will mich entfalten.Nirgends will ich gebogen bleiben,denn dort bin ich gelogen, wo ich gebogen bin.Und ich will meinen Sinnwahr vor dir. Ich will mich beschreibenwie ein Bild, das ich sahlange und nah,wie ein Wort, das ich begriff,wie meinen täglichen Krug,wie meiner Mutter Gesicht,wie ein Schiff,das mich trugdurch den tödlichsten Sturm.
Ich bin auf der Welt zu allein und doch nicht allein genug,um jede Stunde zu weihn.Ich bin auf der Welt zu gering und doch nicht klein genug,um vor dir zu sein wie ein Ding,dunkel und klug.Ich will meinen Willen und will meinen Willen begleitendie Wege zur Tat;und will in stillen, irgendwie zögernden Zeiten,wenn etwas naht,unter den Wissenden seinoder allein.Ich will dich immer spiegeln in ganzer Gestaltund will niemals blind sein oder zu alt,um dein schweres schwankendes Bild zu halten.Ich will mich entfalten.Nirgends will ich gebogen bleiben,denn dort bin ich gelogen, wo ich gebogen bin.Und ich will meinen Sinnwahr vor dir. Ich will mich beschreibenwie ein Bild, das ich sahlange und nah,wie ein Wort, das ich begriff,wie meinen täglichen Krug,wie meiner Mutter Gesicht,wie ein Schiff,das mich trugdurch den tödlichsten Sturm.
Du siehst, ich will viel.Vielleicht will ich alles:das Dunkel jedes unendlichen Fallesund jedes Steigens lichtzitterndes Spiel.Es leben so viele und wollen nichtsund sind durch ihres leichten Gerichtsglatte Gefühle gefürstet.Aber du freust dich jedes Gesichts,das dient und dürstet.Du freust dich aller, die dich gebrauchenwie ein Gerät.Noch bist du nicht kalt, und es ist nicht zu spät,in deine werdenden Tiefen zu tauchen,wo sich das Leben ruhig verrät.
Du siehst, ich will viel.Vielleicht will ich alles:das Dunkel jedes unendlichen Fallesund jedes Steigens lichtzitterndes Spiel.
Es leben so viele und wollen nichtsund sind durch ihres leichten Gerichtsglatte Gefühle gefürstet.
Aber du freust dich jedes Gesichts,das dient und dürstet.
Du freust dich aller, die dich gebrauchenwie ein Gerät.
Noch bist du nicht kalt, und es ist nicht zu spät,in deine werdenden Tiefen zu tauchen,wo sich das Leben ruhig verrät.
Wir bauen an dir mit zitternden Händen,und wir türmen Atom auf Atom.Aber wer kann dich vollenden,du Dom.Was ist Rom?Es zerfällt.Was ist die Welt?Sie wird zerschlagen,eh deine Türme Kuppeln tragen,eh aus Meilen von Mosaikdeine strahlende Stirne stieg.Aber manchmal im Traumkann ich deinen Raumüberschauntief vom Beginnebis zu des Daches goldenem Grate.Und ich seh: meine Sinnebilden und baundie letzten Zierate.
Wir bauen an dir mit zitternden Händen,und wir türmen Atom auf Atom.Aber wer kann dich vollenden,du Dom.
Was ist Rom?Es zerfällt.Was ist die Welt?Sie wird zerschlagen,eh deine Türme Kuppeln tragen,eh aus Meilen von Mosaikdeine strahlende Stirne stieg.Aber manchmal im Traumkann ich deinen Raumüberschauntief vom Beginnebis zu des Daches goldenem Grate.Und ich seh: meine Sinnebilden und baundie letzten Zierate.
Daraus, daß einer dich einmal gewollt hat,weiß ich, daß wir dich wollen dürfen.Wenn wir auch alle Tiefen verwürfen:wenn ein Gebirge Gold hatund keiner mehr es ergraben mag,trägt es einmal der Fluß zutag,der in die Stille der Steine greift,der vollen.Auch wenn wir nicht wollen:Gott reift.
Daraus, daß einer dich einmal gewollt hat,weiß ich, daß wir dich wollen dürfen.Wenn wir auch alle Tiefen verwürfen:wenn ein Gebirge Gold hatund keiner mehr es ergraben mag,trägt es einmal der Fluß zutag,der in die Stille der Steine greift,der vollen.
Auch wenn wir nicht wollen:Gott reift.
Wer seines Lebens viele Widersinneversöhnt und dankbar in ein Sinnbild faßt,der drängtdie Lärmenden aus dem Palast,wird anders festlich, und du bist der Gast,den er an sanften Abenden empfängt.Du bist der zweite seiner Einsamkeit,die ruhige Mitte seinen Monologen;und jeder Kreis, um dich gezogen,spannt ihm den Zirkel aus der Zeit.
Wer seines Lebens viele Widersinneversöhnt und dankbar in ein Sinnbild faßt,der drängtdie Lärmenden aus dem Palast,wird anders festlich, und du bist der Gast,den er an sanften Abenden empfängt.
Du bist der zweite seiner Einsamkeit,die ruhige Mitte seinen Monologen;und jeder Kreis, um dich gezogen,spannt ihm den Zirkel aus der Zeit.
Was irren meine Hände in den Pinseln?Wenn ich dichmale,Gott, du merkst es kaum.Ichfühledich. An meiner Sinne Saumbeginnst du zögernd, wie mit vielen Inseln,und deinen Augen, welche niemals blinzeln,bin ich der Raum.Du bist nicht mehr inmitten deines Glanzes,wo alle Linien des Engeltanzesdie Fernen dir verbrauchen mit Musik, –du wohnst in deinem allerletzten Haus.Dein ganzer Himmel horcht in mich hinaus,weil ich mich sinnend dir verschwieg.
Was irren meine Hände in den Pinseln?Wenn ich dichmale,Gott, du merkst es kaum.Ichfühledich. An meiner Sinne Saumbeginnst du zögernd, wie mit vielen Inseln,und deinen Augen, welche niemals blinzeln,bin ich der Raum.
Du bist nicht mehr inmitten deines Glanzes,wo alle Linien des Engeltanzesdie Fernen dir verbrauchen mit Musik, –du wohnst in deinem allerletzten Haus.Dein ganzer Himmel horcht in mich hinaus,weil ich mich sinnend dir verschwieg.
Ich bin, du Ängstlicher. Hörst du mich nichtmit allen meinen Sinnen an dir branden?Meine Gefühle, welche Flügel fanden,umkreisen weiß dein Angesicht.Siehst du nicht meine Seele, wie sie dichtvor dir in einem Kleid aus Stille steht?Reift nicht mein mailiches Gebetan deinem Blicke wie an einem Baum?Wenn du der Träumer bist, bin ich dein Traum.Doch wenn du wachen willst, bin ich dein Willeund werde mächtig aller Herrlichkeitund ründe mich wie eine Sternenstilleüber der wunderlichen Stadt der Zeit.
Ich bin, du Ängstlicher. Hörst du mich nichtmit allen meinen Sinnen an dir branden?Meine Gefühle, welche Flügel fanden,umkreisen weiß dein Angesicht.Siehst du nicht meine Seele, wie sie dichtvor dir in einem Kleid aus Stille steht?Reift nicht mein mailiches Gebetan deinem Blicke wie an einem Baum?
Wenn du der Träumer bist, bin ich dein Traum.Doch wenn du wachen willst, bin ich dein Willeund werde mächtig aller Herrlichkeitund ründe mich wie eine Sternenstilleüber der wunderlichen Stadt der Zeit.
Mein Leben ist nicht diese steile Stunde,darin du mich so eilen siehst.Ich bin ein Baum vor meinem Hintergrunde,ich bin nur einer meiner vielen Mundeund jener, welcher sich am frühsten schließt.Ich bin die Ruhe zwischen zweien Tönen,die sich nur schlecht aneinander gewöhnen:denn der Ton Tod will sich erhöhn –Aber im dunklen Intervall versöhnensich beide zitternd.Und das Lied bleibt schön.
Mein Leben ist nicht diese steile Stunde,darin du mich so eilen siehst.Ich bin ein Baum vor meinem Hintergrunde,ich bin nur einer meiner vielen Mundeund jener, welcher sich am frühsten schließt.
Ich bin die Ruhe zwischen zweien Tönen,die sich nur schlecht aneinander gewöhnen:denn der Ton Tod will sich erhöhn –
Aber im dunklen Intervall versöhnensich beide zitternd.Und das Lied bleibt schön.
Wenn ich gewachsen wäre irgendwo,wo leichtere Tage sind und schlanke Stunden,ich hätte dir ein großes Fest erfunden,und meine Hände hielten dich nicht so,wie sie dich manchmal halten, bang und hart.Dort hätte ich gewagt, dich zu vergeuden,du grenzenlose Gegenwart.Wie einen Ballhätt ich dich in alle wogenden Freudenhineingeschleudert, daß einer dich fingeund deinem Fallmit hohen Händen entgegenspringe,du Ding der Dinge.Ich hätte dich wie eine Klingeblitzen lassen.Vom goldensten Ringeließ ich dein Feuer umfassen,und er müßte mirs haltenüber die weißeste Hand.Gemalt hätte ich dich: nicht an die Wand,an den Himmel selber von Rand zu Rand,und hätt dich gebildet, wie ein Gigantdich bilden würde: als Berg, als Brand,als Samum, wachsend aus Wüstensand –oderes kann auch sein: ich fanddich einmal ...Meine Freunde sind weit,ich höre kaum noch ihr Lachen schallen;und du: du bist aus dem Nest gefallen,bist ein junger Vogel mit gelben Krallenund großen Augen und tust mir leid.(Meine Hand ist dir viel zu breit.)Und ich heb mit dem Finger vom Quell einen Tropfenund lausche, ob du ihn lechzend langst,und ich fühle dein Herz und meines klopfenund beide aus Angst.
Wenn ich gewachsen wäre irgendwo,wo leichtere Tage sind und schlanke Stunden,ich hätte dir ein großes Fest erfunden,und meine Hände hielten dich nicht so,wie sie dich manchmal halten, bang und hart.
Dort hätte ich gewagt, dich zu vergeuden,du grenzenlose Gegenwart.Wie einen Ballhätt ich dich in alle wogenden Freudenhineingeschleudert, daß einer dich fingeund deinem Fallmit hohen Händen entgegenspringe,du Ding der Dinge.
Ich hätte dich wie eine Klingeblitzen lassen.Vom goldensten Ringeließ ich dein Feuer umfassen,und er müßte mirs haltenüber die weißeste Hand.
Gemalt hätte ich dich: nicht an die Wand,an den Himmel selber von Rand zu Rand,und hätt dich gebildet, wie ein Gigantdich bilden würde: als Berg, als Brand,als Samum, wachsend aus Wüstensand –oderes kann auch sein: ich fanddich einmal ...Meine Freunde sind weit,ich höre kaum noch ihr Lachen schallen;und du: du bist aus dem Nest gefallen,bist ein junger Vogel mit gelben Krallenund großen Augen und tust mir leid.(Meine Hand ist dir viel zu breit.)Und ich heb mit dem Finger vom Quell einen Tropfenund lausche, ob du ihn lechzend langst,und ich fühle dein Herz und meines klopfenund beide aus Angst.
Ich finde dich in allen diesen Dingen,denen ich gut und wie ein Bruder bin;als Samen sonnst du dich in den geringen,und in den großen gibst du groß dich hin.Das ist das wundersame Spiel der Kräfte,daß sie so dienend durch die Dinge gehn:in Wurzeln wachsend, schwindend in die Schäfteund in den Wipfeln wie ein Auferstehn.
Ich finde dich in allen diesen Dingen,denen ich gut und wie ein Bruder bin;als Samen sonnst du dich in den geringen,und in den großen gibst du groß dich hin.
Das ist das wundersame Spiel der Kräfte,daß sie so dienend durch die Dinge gehn:in Wurzeln wachsend, schwindend in die Schäfteund in den Wipfeln wie ein Auferstehn.
Stimme eines jungen Bruders.Ich verrinne, ich verrinnewie Sand, der durch Finger rinnt.Ich habe auf einmal so viele Sinne,die alle anders durstig sind.Ich fühle mich an hundert Stellenschwellen und schmerzen.Aber am meisten mitten im Herzen.Ich möchte sterben. Laß mich allein.Ich glaube, es wird mir gelingen,so bange zu sein,daß mir die Pulse zerspringen.
Stimme eines jungen Bruders.
Ich verrinne, ich verrinnewie Sand, der durch Finger rinnt.Ich habe auf einmal so viele Sinne,die alle anders durstig sind.Ich fühle mich an hundert Stellenschwellen und schmerzen.Aber am meisten mitten im Herzen.
Ich möchte sterben. Laß mich allein.Ich glaube, es wird mir gelingen,so bange zu sein,daß mir die Pulse zerspringen.
Sieh, Gott, es kommt ein Neuer an dir bauen,der gestern noch ein Knabe war; von Frauensind seine Hände noch zusammgefügtzu einem Falten, welches halb schon lügt.Denn seine Rechte will schon von der Linken,um sich zu wehren oder um zu winkenund um am Arm allein zu sein.Noch gestern war die Stirne wie ein Steinim Bach, geründet von den Tagen,die nichts bedeuten als ein Wellenschlagenund nichts verlangen, als ein Bild zu tragenvon Himmeln, die der Zufall drüberhängt;heut drängtauf ihr sich eine Weltgeschichtevor einem unerbittlichen Gerichte,und sie versinkt in seinem Urteilsspruch.Raum wird auf einem neuen Angesichte.Es war kein Licht vor diesem Lichte,und wie noch nie beginnt dein Buch.
Sieh, Gott, es kommt ein Neuer an dir bauen,der gestern noch ein Knabe war; von Frauensind seine Hände noch zusammgefügtzu einem Falten, welches halb schon lügt.Denn seine Rechte will schon von der Linken,um sich zu wehren oder um zu winkenund um am Arm allein zu sein.
Noch gestern war die Stirne wie ein Steinim Bach, geründet von den Tagen,die nichts bedeuten als ein Wellenschlagenund nichts verlangen, als ein Bild zu tragenvon Himmeln, die der Zufall drüberhängt;heut drängtauf ihr sich eine Weltgeschichtevor einem unerbittlichen Gerichte,und sie versinkt in seinem Urteilsspruch.
Raum wird auf einem neuen Angesichte.Es war kein Licht vor diesem Lichte,und wie noch nie beginnt dein Buch.
Ich liebe dich, du sanftestes Gesetz,an dem wir reiften, da wir mit ihm rangen;du großes Heimweh, das wir nicht bezwangen,du Wald, aus dem wir nie hinausgegangen,du Lied, das wir mit jedem Schweigen sangen,du dunkles Netz,darin sich flüchtend die Gefühle fangen.Du hast dich so unendlich groß begonnenan jenem Tage, da du uns begannst, –und wir sind so gereift in deinen Sonnen,so breit geworden und so tief gepflanzt,daß du in Menschen, Engeln und Madonnendich ruhend jetzt vollenden kannst.Laß deine Hand am Hang der Himmel ruhnund dulde stumm, was wir dir dunkel tun.
Ich liebe dich, du sanftestes Gesetz,an dem wir reiften, da wir mit ihm rangen;du großes Heimweh, das wir nicht bezwangen,du Wald, aus dem wir nie hinausgegangen,du Lied, das wir mit jedem Schweigen sangen,du dunkles Netz,darin sich flüchtend die Gefühle fangen.
Du hast dich so unendlich groß begonnenan jenem Tage, da du uns begannst, –und wir sind so gereift in deinen Sonnen,so breit geworden und so tief gepflanzt,daß du in Menschen, Engeln und Madonnendich ruhend jetzt vollenden kannst.
Laß deine Hand am Hang der Himmel ruhnund dulde stumm, was wir dir dunkel tun.
Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister,und bauen dich, du hohes Mittelschiff.Und manchmal kommt ein ernster Hergereister,geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geisterund zeigt uns zitternd einen neuen Griff.Wir steigen in die wiegenden Gerüste,in unsern Händen hängt der Hammer schwer,bis eine Stunde uns die Stirnen küßte,die strahlend und als ob sie alles wüßtevon dir kommt wie der Wind vom Meer.Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern,und durch die Berge geht es Stoß um Stoß.Erst wenn es dunkelt, lassen wir dich los:Und deine kommenden Konturen dämmern.Gott, du bist groß.
Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister,und bauen dich, du hohes Mittelschiff.Und manchmal kommt ein ernster Hergereister,geht wie ein Glanz durch unsre hundert Geisterund zeigt uns zitternd einen neuen Griff.
Wir steigen in die wiegenden Gerüste,in unsern Händen hängt der Hammer schwer,bis eine Stunde uns die Stirnen küßte,die strahlend und als ob sie alles wüßtevon dir kommt wie der Wind vom Meer.
Dann ist ein Hallen von dem vielen Hämmern,und durch die Berge geht es Stoß um Stoß.Erst wenn es dunkelt, lassen wir dich los:Und deine kommenden Konturen dämmern.
Gott, du bist groß.
Du bist so groß, daß ich schon nicht mehr bin,wenn ich mich nur in deine Nähe stelle.Du bist so dunkel; meine kleine Hellean deinem Saum hat keinen Sinn.Dein Wille geht wie eine Welle,und jeder Tag ertrinkt darin.Nur meine Sehnsucht ragt dir bis ans Kinnund steht vor dir wie aller Engel größter:ein fremder, bleicher und noch unerlöster,und hält dir seine Flügel hin.Er will nicht mehr den uferlosen Flug,an dem die Monde blaß vorüberschwammen,und von den Welten weiß er längst genug.Mit seinen Flügeln will er wie mit Flammenvor deinem schattigen Gesichte stehnund will bei ihrem weißen Scheine sehn,ob deine grauen Brauen ihn verdammen.
Du bist so groß, daß ich schon nicht mehr bin,wenn ich mich nur in deine Nähe stelle.Du bist so dunkel; meine kleine Hellean deinem Saum hat keinen Sinn.Dein Wille geht wie eine Welle,und jeder Tag ertrinkt darin.
Nur meine Sehnsucht ragt dir bis ans Kinnund steht vor dir wie aller Engel größter:ein fremder, bleicher und noch unerlöster,und hält dir seine Flügel hin.
Er will nicht mehr den uferlosen Flug,an dem die Monde blaß vorüberschwammen,und von den Welten weiß er längst genug.Mit seinen Flügeln will er wie mit Flammenvor deinem schattigen Gesichte stehnund will bei ihrem weißen Scheine sehn,ob deine grauen Brauen ihn verdammen.
So viele Engel suchen dich im Lichteund stoßen mit den Stirnen nach den Sternenund wollen dich aus jedem Glanze lernen.Mir aber ist, sooft ich von dir dichte,daß sie mit abgewendetem Gesichtevon deines Mantels Falten sich entfernen.Denn du warst selber nur ein Gast des Golds.Nur einer Zeit zuliebe, die dich flehtein ihre klaren marmornen Gebete,erschienst du wie der König der Komete,auf deiner Stirne Strahlenströme stolz.Du kehrtest heim, da jene Zeit zerschmolz.Ganz dunkel ist dein Mund, von dem ich wehte,und deine Hände sind von Ebenholz.
So viele Engel suchen dich im Lichteund stoßen mit den Stirnen nach den Sternenund wollen dich aus jedem Glanze lernen.Mir aber ist, sooft ich von dir dichte,daß sie mit abgewendetem Gesichtevon deines Mantels Falten sich entfernen.
Denn du warst selber nur ein Gast des Golds.Nur einer Zeit zuliebe, die dich flehtein ihre klaren marmornen Gebete,erschienst du wie der König der Komete,auf deiner Stirne Strahlenströme stolz.
Du kehrtest heim, da jene Zeit zerschmolz.
Ganz dunkel ist dein Mund, von dem ich wehte,und deine Hände sind von Ebenholz.
Das waren Tage Michelangelos,von denen ich in fremden Büchern las.Das war der Mann, der über einem Maß,gigantengroß,die Unermeßlichkeit vergaß.Das war der Mann, der immer wiederkehrt,wenn eine Zeit noch einmal ihren Wert,da sie sich enden will, zusammenfaßt.Da hebt noch einer ihre ganze Lastund wirft sie in den Abgrund seiner Brust.Die vor ihm hatten Leid und Lust;er aber fühlt nur noch des Lebens Masseund daß er alles wie ein Ding umfasse, –nur Gott bleibt über seinem Willen weit:da liebt er ihn mit seinem hohen Hassefür diese Unerreichbarkeit.
Das waren Tage Michelangelos,von denen ich in fremden Büchern las.Das war der Mann, der über einem Maß,gigantengroß,die Unermeßlichkeit vergaß.
Das war der Mann, der immer wiederkehrt,wenn eine Zeit noch einmal ihren Wert,da sie sich enden will, zusammenfaßt.Da hebt noch einer ihre ganze Lastund wirft sie in den Abgrund seiner Brust.Die vor ihm hatten Leid und Lust;er aber fühlt nur noch des Lebens Masseund daß er alles wie ein Ding umfasse, –nur Gott bleibt über seinem Willen weit:da liebt er ihn mit seinem hohen Hassefür diese Unerreichbarkeit.
Der Ast vom Baume Gott, der über Italien reicht,hat schon geblüht.Er hätte vielleichtsich schon gerne, mit Früchten gefüllt, verfrüht,doch er wurde mitten im Blühen müd,und er wird keine Früchte haben.Nur der Frühling Gottes war dort,nur sein Sohn, das Wort,vollendete sich.Es wendete sichalle Kraft zu dem strahlenden Knaben.Alle kamen mit Gabenzu ihm;alle sangen wie Cherubimseinen Preis.Und er duftete leisals Rose der Rosen.Er war ein Kreisum die Heimatlosen.Er ging in Mänteln und Metamorphosendurch alle steigenden Stimmen der Zeit.
Der Ast vom Baume Gott, der über Italien reicht,hat schon geblüht.Er hätte vielleichtsich schon gerne, mit Früchten gefüllt, verfrüht,doch er wurde mitten im Blühen müd,und er wird keine Früchte haben.
Nur der Frühling Gottes war dort,nur sein Sohn, das Wort,vollendete sich.Es wendete sichalle Kraft zu dem strahlenden Knaben.Alle kamen mit Gabenzu ihm;alle sangen wie Cherubimseinen Preis.
Und er duftete leisals Rose der Rosen.Er war ein Kreisum die Heimatlosen.Er ging in Mänteln und Metamorphosendurch alle steigenden Stimmen der Zeit.
Da ward auch die zur Frucht Erweckte,die schüchterne und schönerschreckte,die heimgesuchte Magd geliebt.Die Blühende, die Unentdeckte,in der es hundert Wege gibt.Da ließen sie sie gehn und schwebenund treiben mit dem jungen Jahr;ihr dienendes Marien-Lebenward königlich und wunderbar.Wie feiertägliches Geläuteging es durch alle Häuser groß;und die einst mädchenhaft Zerstreutewar so versenkt in ihren Schoßund so erfüllt von jenem Einenund so für Tausende genug,daß alles schien, sie zu bescheinen,die wie ein Weinberg war und trug.
Da ward auch die zur Frucht Erweckte,die schüchterne und schönerschreckte,die heimgesuchte Magd geliebt.Die Blühende, die Unentdeckte,in der es hundert Wege gibt.
Da ließen sie sie gehn und schwebenund treiben mit dem jungen Jahr;ihr dienendes Marien-Lebenward königlich und wunderbar.
Wie feiertägliches Geläuteging es durch alle Häuser groß;und die einst mädchenhaft Zerstreutewar so versenkt in ihren Schoßund so erfüllt von jenem Einenund so für Tausende genug,daß alles schien, sie zu bescheinen,die wie ein Weinberg war und trug.
Aber als hätte die Last der Fruchtgehängeund der Verfall der Säulen und Bogengängeund der Abgesang der Gesängesie beschwert,hat die Jungfrau sich in anderen Stunden,wie von Größerem noch unentbunden,kommenden Wundenzugekehrt.Ihre Hände, die sich lautlos lösten,liegen leer.Wehe, sie gebar noch nicht den Größten.Und die Engel, die nicht trösten,stehen fremd und furchtbar um sie her.
Aber als hätte die Last der Fruchtgehängeund der Verfall der Säulen und Bogengängeund der Abgesang der Gesängesie beschwert,hat die Jungfrau sich in anderen Stunden,wie von Größerem noch unentbunden,kommenden Wundenzugekehrt.
Ihre Hände, die sich lautlos lösten,liegen leer.Wehe, sie gebar noch nicht den Größten.Und die Engel, die nicht trösten,stehen fremd und furchtbar um sie her.
So hat man sie gemalt; vor allem einer,der seine Sehnsucht aus der Sonne trug.Ihm reifte sie aus allen Rätseln reiner,aber im Leiden immer allgemeiner:sein ganzes Leben war er wie ein Weiner,dem sich das Weinen in die Hände schlug.Er ist der schönste Schleier ihrer Schmerzen,der sich an ihre wehen Lippen schmiegt,sich über ihnen fast zum Lächeln biegt –und von dem Licht aus sieben Engelskerzenwird sein Geheimnis nicht besiegt.
So hat man sie gemalt; vor allem einer,der seine Sehnsucht aus der Sonne trug.Ihm reifte sie aus allen Rätseln reiner,aber im Leiden immer allgemeiner:sein ganzes Leben war er wie ein Weiner,dem sich das Weinen in die Hände schlug.
Er ist der schönste Schleier ihrer Schmerzen,der sich an ihre wehen Lippen schmiegt,sich über ihnen fast zum Lächeln biegt –und von dem Licht aus sieben Engelskerzenwird sein Geheimnis nicht besiegt.
Mit einem Ast, der jenem niemals glich,wird Gott, der Baum, auch einmal sommerlichverkündend werden und aus Reife rauschen;in einem Lande, wo die Menschen lauschen,wo jeder ähnlich einsam ist wie ich.Denn nur dem Einsamen wird offenbart,und vielen Einsamen der gleichen Artwird mehr gegeben als dem schmalen Einen.Denn jedem wird ein andrer Gott erscheinen,bis sie erkennen, nah am Weinen,daß durch ihr meilenweites Meinen,durch ihr Vernehmen und Verneinenverschieden nur in hundert Seinenein Gott wie eine Welle geht.Das ist das endlichste Gebet,das dann die Sehenden sich sagen:die Wurzel Gott hat Frucht getragen,geht hin, die Glocken zu zerschlagen;wir kommen zu den stillern Tagen,in denen reif die Stunde steht.Die Wurzel Gott hat Frucht getragen.Seid ernst und seht.
Mit einem Ast, der jenem niemals glich,wird Gott, der Baum, auch einmal sommerlichverkündend werden und aus Reife rauschen;in einem Lande, wo die Menschen lauschen,wo jeder ähnlich einsam ist wie ich.
Denn nur dem Einsamen wird offenbart,und vielen Einsamen der gleichen Artwird mehr gegeben als dem schmalen Einen.Denn jedem wird ein andrer Gott erscheinen,bis sie erkennen, nah am Weinen,daß durch ihr meilenweites Meinen,durch ihr Vernehmen und Verneinenverschieden nur in hundert Seinenein Gott wie eine Welle geht.
Das ist das endlichste Gebet,das dann die Sehenden sich sagen:die Wurzel Gott hat Frucht getragen,geht hin, die Glocken zu zerschlagen;wir kommen zu den stillern Tagen,in denen reif die Stunde steht.Die Wurzel Gott hat Frucht getragen.Seid ernst und seht.
Ich kann nicht glauben, daß der kleine Tod,dem wir doch täglich übern Scheitel schauen,uns eine Sorge bleibt und eine Not.Ich kann nicht glauben, daß er ernsthaft droht;ich lebe noch, ich habe Zeit zu bauen:mein Blut ist länger als die Rosen rot.Mein Sinn ist tiefer als das witzige Spielmit unsrer Furcht, darin er sich gefällt.Ich bin die Welt,aus der er irrend fiel.Wie erkreisende Mönche wandern so umher;man fürchtet sich vor ihrer Wiederkehr,man weiß nicht: ist es jedesmal derselbe,sind’s zwei, sind’s zehn, sind’s tausend oder mehr?Man kennt nur diese fremde gelbe Hand,die sich ausstreckt so nackt und nah –da da:als käm sie aus dem eigenen Gewand.
Ich kann nicht glauben, daß der kleine Tod,dem wir doch täglich übern Scheitel schauen,uns eine Sorge bleibt und eine Not.
Ich kann nicht glauben, daß er ernsthaft droht;ich lebe noch, ich habe Zeit zu bauen:mein Blut ist länger als die Rosen rot.
Mein Sinn ist tiefer als das witzige Spielmit unsrer Furcht, darin er sich gefällt.Ich bin die Welt,aus der er irrend fiel.
Wie erkreisende Mönche wandern so umher;man fürchtet sich vor ihrer Wiederkehr,man weiß nicht: ist es jedesmal derselbe,sind’s zwei, sind’s zehn, sind’s tausend oder mehr?Man kennt nur diese fremde gelbe Hand,die sich ausstreckt so nackt und nah –da da:als käm sie aus dem eigenen Gewand.
Was wirst du tun, Gott, wenn ich sterbe?Ich bin dein Krug (wenn ich zerscherbe?)Ich bin dein Trank (wenn ich verderbe?)Bin dein Gewand und dein Gewerbe,mit mir verlierst du deinen Sinn.Nach mir hast du kein Haus, darindich Worte, nah und warm, begrüßen.Es fällt von deinen müden Füßendie Samtsandale, die ich bin.Dein großer Mantel läßt dich los.Dein Blick, den ich mit meiner Wangewarm, wie mit einem Pfühl, empfange,wird kommen, wird mich suchen, lange –und legt beim Sonnenuntergangesich fremden Steinen in den Schoß.Was wirst du tun, Gott? Ich bin bange.
Was wirst du tun, Gott, wenn ich sterbe?Ich bin dein Krug (wenn ich zerscherbe?)Ich bin dein Trank (wenn ich verderbe?)Bin dein Gewand und dein Gewerbe,mit mir verlierst du deinen Sinn.
Nach mir hast du kein Haus, darindich Worte, nah und warm, begrüßen.Es fällt von deinen müden Füßendie Samtsandale, die ich bin.Dein großer Mantel läßt dich los.Dein Blick, den ich mit meiner Wangewarm, wie mit einem Pfühl, empfange,wird kommen, wird mich suchen, lange –und legt beim Sonnenuntergangesich fremden Steinen in den Schoß.
Was wirst du tun, Gott? Ich bin bange.
Du bist der raunende Verrußte,auf allen Öfen schläfst du breit.Das Wissen ist nur in der Zeit.Du bist der dunkle Unbewußtevon Ewigkeit zu Ewigkeit.Du bist der Bittende und Bange,der aller Dinge Sinn beschwert.Du bist die Silbe im Gesange,die immer zitternder im Zwangeder starken Stimmen wiederkehrt.Du hast dich anders nie gelehrt:Denn du bist nicht der Schönumscharte,um welchen sich der Reichtum reiht.Du bist der Schlichte, welcher sparte.Du bist der Bauer mit dem Bartevon Ewigkeit zu Ewigkeit.
Du bist der raunende Verrußte,auf allen Öfen schläfst du breit.Das Wissen ist nur in der Zeit.Du bist der dunkle Unbewußtevon Ewigkeit zu Ewigkeit.Du bist der Bittende und Bange,der aller Dinge Sinn beschwert.Du bist die Silbe im Gesange,die immer zitternder im Zwangeder starken Stimmen wiederkehrt.
Du hast dich anders nie gelehrt:
Denn du bist nicht der Schönumscharte,um welchen sich der Reichtum reiht.Du bist der Schlichte, welcher sparte.Du bist der Bauer mit dem Bartevon Ewigkeit zu Ewigkeit.
An den jungen Bruder.Du, gestern Knabe, dem die Wirrnis kam:daß sich dein Blut in Blindheit nicht vergeude.Du meinst nicht den Genuß, du meinst die Freude;du bist gebildet als ein Bräutigam,und deine Braut soll werden: deine Scham.Die große Lust hat auch nach dir Verlangen,und alle Arme sind auf einmal nackt.Auf frommen Bildern sind die bleichen Wangenvon fremden Feuern überflackt;und deine Sinne sind wie viele Schlangen,die, von des Tones Rot umfangen,sich spannen in der Tamburine Takt.Und plötzlich bist du ganz allein gelassenmit deinen Händen, die dich hassen –und wenn dein Wille nicht ein Wunder tut:Aber da gehen wie durch dunkle Gassenvon Gott Gerüchte durch dein dunkles Blut.
An den jungen Bruder.
Du, gestern Knabe, dem die Wirrnis kam:daß sich dein Blut in Blindheit nicht vergeude.Du meinst nicht den Genuß, du meinst die Freude;du bist gebildet als ein Bräutigam,und deine Braut soll werden: deine Scham.
Die große Lust hat auch nach dir Verlangen,und alle Arme sind auf einmal nackt.Auf frommen Bildern sind die bleichen Wangenvon fremden Feuern überflackt;und deine Sinne sind wie viele Schlangen,die, von des Tones Rot umfangen,sich spannen in der Tamburine Takt.
Und plötzlich bist du ganz allein gelassenmit deinen Händen, die dich hassen –und wenn dein Wille nicht ein Wunder tut:Aber da gehen wie durch dunkle Gassenvon Gott Gerüchte durch dein dunkles Blut.
An den jungen Bruder.Dann bete du, wie es dich dieser lehrt,der selber aus der Wirrnis wiederkehrtund so, daß er zu heiligen Gestalten,die alle ihres Wesens Würde halten,in einer Kirche und auf goldnen Smaltendie Schönheit malte, und sie hielt ein Schwert.Er lehrt dich sagen:Du mein tiefer Sinn,vertraue mir, daß ich dich nicht enttäusche;in meinem Blute sind so viel Geräusche,ich aber weiß, daß ich aus Sehnsucht bin.Ein großer Ernst bricht über mich herein.In seinem Schatten ist das Leben kühl.Ich bin zum erstenmal mit dir allein,du, mein Gefühl.Du bist so mädchenhaft.Es war ein Weib in meiner Nachbarschaftund winkte mir aus welkenden Gewändern.Du aber sprichst mir von so fernen Ländern.Und meine Kraftschaut nach den Hügelrändern.
An den jungen Bruder.
Dann bete du, wie es dich dieser lehrt,der selber aus der Wirrnis wiederkehrtund so, daß er zu heiligen Gestalten,die alle ihres Wesens Würde halten,in einer Kirche und auf goldnen Smaltendie Schönheit malte, und sie hielt ein Schwert.
Er lehrt dich sagen:Du mein tiefer Sinn,vertraue mir, daß ich dich nicht enttäusche;in meinem Blute sind so viel Geräusche,ich aber weiß, daß ich aus Sehnsucht bin.
Ein großer Ernst bricht über mich herein.In seinem Schatten ist das Leben kühl.Ich bin zum erstenmal mit dir allein,du, mein Gefühl.Du bist so mädchenhaft.
Es war ein Weib in meiner Nachbarschaftund winkte mir aus welkenden Gewändern.Du aber sprichst mir von so fernen Ländern.Und meine Kraftschaut nach den Hügelrändern.