Chapter 16

Das schlafende Heer

Das schlafende Heer

RomanvonC. Viebig,

Preis: geheftet M. 6.—; gebunden M. 7.50

Aus den Besprechungen:

Pfarrer Naumannschreibt in der„Hilfe“: Dieser Roman ist in jeder Richtung eine große Leistung. Er ist zunächst ein Beitrag zur Frauenfrage, denn er ist eine Frauenarbeit, die jedem Manne Hochachtung abzwingt, er ist ein Dichterwerk, denn alles in ihm ist unmittelbar lebendig von einer bewundernswert sicheren Einbildungskraft geschaut, er ist gleichzeitig ein politisches Lehrbuch, denn er zeigt die Polenfrage in ihrer ganzen Wucht und Verworrenheit, besser als eine historisch-politische Untersuchung sie darstellen könnte. Es will uns scheinen, daß nichts, was Clara Viebig bis jetzt geschaffen hat, so voll, so rund, so einheitlich ist als diese Geschichte, die sich zwischen drei Rittergütern, einem polnischen Dorf, einer Kleinstadt und einer Kolonie der Ansiedelungs-Kommission irgendwo bei Lissa oder sonst hinter Posen abspielt. Es ist fabelhaft, daß die Dichterin der Eifelgeschichten und der Wacht am Rhein das polnische Leben so in sich hineingenommen hat, daß man seine Wiedergabe ohne weiteres als einfach wahr empfindet. Der Titel des Buches hängt ein wenig äußerlich an der Geschichte, aber das schadet nicht viel. Es ist der Traum eines alten polnischen Schäfers, daß unter dem Berge polnische Gewappnete ihrer Wiederkunft warten, bis einmal das Volk selbst bereit ist, in seinen Befreiungskampf einzutreten. Diese Gewappneten sind das schlafende Heer, gleichsam die Vertreter aller der gespensterhaften Gedanken, die über die Köpfe der verlorenen Nation hinfahren. Wir sehen als Glieder des wachenden Heeres den Geistlichen, der alle Fäden in seiner Hand hat, den Rittergutsbesitzer, der sich in den Reichstag wählen läßt, den armen kopflosen, verängstigten Schullehrer, den schon erwähnten Schäfer, die Bettelfrau und vor allem die gnädige Frau und ihre Jungfer, die den deutschen Männern die Köpfe verdreht, und daneben ein polnisches Mädchen voll Geduld und Treue. Auf deutscher Seite haben wir den Edelmann, der sich als deutschen Vorposten fühlt und sich und andere durch mangelndes Gefühl für die wirkliche Lage elend macht, seine tapfere, feine Frau, einen alten deutschen Inspektor und eine Kolonistenfamilie vom Rhein, die es unter mancherlei Leid drei Jahre im baum- und berglosen Osten aushält. Die eigentlichen Verderber sind die polnisch gewordenen Deutschen, ein Förster und ein Inspektor. Nicht erhaben, aber auch kein Unhold ist der jüdische Krämer, dessen Karren durch alles dieses Getriebe hin und her fährt. Aber was nützt es, die Personen aufzuzählen? Damit ist ja doch weder die Stimmung noch der Verlauf gekennzeichnet. Die Stimmung ist leidenschaftslose Naturmalerei menschlicher Vorgänge. Man kann nicht sagen, daß die Dichterin irgendwo selbst hervortrete, am ersten noch in der Gattin des deutschen Gutsherrn. In gewisser Art erinnert ihre Art der Darstellung an den „Büttnerbauer“ oder den „Grabenhäger“ von Polenz, aber ihre Kunst ist darin größer, daß sie die Einheitlichkeit eines Vorganges herzustellen weiß, ohne sich an Einzelpersonen zu binden. Der Gegenstand, über den sie schreibt, ist der bewußte und unbewußte Kampf zwischen Polentum und Deutschtum, gerade auch den unbewußten, instinktmäßigen Kampf beschreibt sie gut. Und das Ergebnis ist die Niederlage der Deutschen. Zwar wird uns im Schluß eine neue Generation deutscher Kämpfer verheißen, die den Polen verstehen und zu nehmen wissen, aber für jetzt schließt die Geschichte mit deutschem Tod und Rückzug. Vergeblich, vergeblich! Und niemand sieht, wie es anders werden soll, denn die Kräfte, die hier siegen, werden ja bis zur nächsten deutschen Generation nicht schwächer. Clara Viebig zieht keine politische Lehre aus ihrer Dichtung; es gehört nicht zum Schauen, Vorschläge und Anträge zu bringen. Der Leser aber nimmt ihr Buch in die Hand und denkt an Bismarcks Polenreden, an Caprivi, Hansemann, Delbrück und vieles andere. Was nützt aber alles Politisieren gegenüber dieser Kirche und diesem Gefühlsleben? Kann man die Polen zu preußischen Staatsbürgern machen? Was soll ihnen versprochen werden, welche Phantasie, welches politische Schaustück? Ich weiß es nicht. Die erste Wirkung der Lektüre ist die Vergrößerung der politischen Ratlosigkeit gegenüber der Polenfrage. Aber auch das ist etwas Gutes, wenn es dazu hilft, schnellfertige Programme zu überwinden, wie Germanisierung durch deutschen Unterricht oder Einheit aller Deutschen im Osten. Unter allen Umständen gebührt der Schriftstellerin, die die Dokumente zur Beurteilung der Polenfrage vermehrt hat, der Dank auch der politischen Leute.

Auszüge aus Besprechungen.

„Neue Freie Presse“, Wien: Das starke und ausgeprägte nationale Bewußtsein der Dichterin trübt nicht die Klarheit ihres Urteils über die Germanisierungspolitik der Reichsregierung in Preußisch-Polen und benimmt ihr nicht das schöne, edle Verständnis für die träumerische Sehnsucht eines besiegten Volkes...Sie ist in ihrem jüngsten Werke über sich selbst hinausgewachsen und hat sich in die erste Reihe deutscher Sittenschilderer geschoben.Robert Jafféin der„Neuen Hamburger Zeitung“: Zu der erstaunlichen Schärfe der Charakteristik und der Stimmungskraft kommt noch ein goldener Dämmer hinzu, der über den Landschaften und Menschen dieses Buches liegt. Etwas von der Lieblichkeit und Reife, welche die Lektüre eines Fontaneschen Romans für manche geradezu zu einem glückseligen Ereignis macht, haftet auch an den Romanen von Clara Viebig, undes findet sich unter den deutschen Romandichtern der Gegenwart wohl kaum einer, der mit dieser ungewöhnlichen Kraft der Darstellung noch so viel Anmut und Schönheit verbände.Paul Rachéim„Hamburger Fremdenblatt“: Es ist ein Kunstwerk in der einfachen Kraft der Sprache, in der Anschaulichkeit der Darstellung, in der wunderbaren Klarheit des Schauens von Personen, Verhältnissen, Gegenständen. Und es ist das Werk einer Dichterin.„Hamburgischer Correspondent“: Wir können den Roman als ein bedeutsames Kunstwerk, zugleich aber als packende Darstellung eines der wichtigsten Gebiete deutscher Kulturarbeit zu Anfang des 20. Jahrhunderts unsern Lesern aufs lebhafteste empfehlen.„Kölnische Volkszeitung“: Alle die Gestalten erstehen in Fleisch und Bein vor dem Leser. Von bedeutender Wirkung sind auch die Naturschilderungen, und in der Darstellung einzelner Szenen von dramatischer Kraft und stimmungsvoller Weichheit bekundet die Verfasserin ihre gewohnte Meisterschaft. Alles in allem ein bedeutsames Werk.„Prager Tageblatt“: Wenn wir das Buch zuschlagen, stehen wir — fern von jedem national-politischen Raisonnement — ganz und gar im Bann einer rein menschlichen Erschütterung, die wir über die Schicksale der fesselnden, uns lieb gewordenen Gestalten des Romans empfinden. Und Clara Viebig hat in der Tat Menschen vor uns hingezaubert, die wir nie mehr vergessen können.„Leipziger Neueste Nachrichten“: Clara Viebig hat sicherlich nicht die Absicht gehabt, einen Beitrag zur Lösung des deutschen Ostmarken-Problems zu geben, aber sie hat uns das Land und die Menschen dort mit packender Energie vor Augen geführt. Man sieht das wirklich vor sich, den Lysa Góra, das Treiben auf den Feldern, die Hütten der Komorniks, die Herrenhäuser mit ihren Höfen, Treppen und Salons, die Dinergesellschaft auf Chawilorczyce, das Volksleben an Mariä Verkündigung und hunderterlei sonst. Eine feine und feinste Beobachtungsgabe geht Hand in Hand mit einem treffsicheren, prägnanten und sachlich erschöpfenden Stil.Ferdinand Svendsenin der„Nation“:Ein echter Epenstoff: der Kampf der in die Provinz Posen eindringenden deutschen Landbebauer mit den ihren Grund und Boden und ihre Nationalität gleichzeitig verteidigenden Polen. Es ist etwas ungemein Kraftvolles in ihrer Darstellung. Ihre Romangestalten sind Menschen von Fleisch und Blut, und was sie uns schildert, ist wert, geschildert zu werden.Ernst Kreowskiim„Vorwärts“:Der Roman besitzt unbestreitbare Vorzüge. Alles ist mit realistischer Kraft gestaltet und voll dichterischer, wenn auch schwer atmender Stimmung. So etwas wie Erdgeruch entströmt dem Ganzen. Desgleichen entspricht es nur der „poetischen Gerechtigkeit“, wenn Clara Viebig ihr Werk mit der zuversichtlichen Hoffnung auf das Erwachen einer neuen Aera des Deutschtums, welche die Sünden der Väter wieder gut zu machen, dem Land und dem Volke Glück und Frieden zurückzugeben berufen sein werde, frohgemut beendigt.Fritz Engelim„Berliner Tageblatt“: Kein Tendenzroman! Die deutsche Feder wollte dem deutschen Pfluge zu Hilfe kommen. Aber an Ort und Stelle — und das macht der Dichterin in ihr alle Ehre — wurde nur noch ihre künstlerische Teilnahme rege. Nicht mehr die Parteien, nur noch die Menschen interessierten sie. Sie sah und lauschte. Daraus gestaltete sich dann wie von selbst das weitumfassende Gemälde, das seine Lichter und seine Schatten nicht mehr von der Willkür nationalen Eifers erhält.„Die Zeit“, Wien: Es ist vorauszusehen, daß dieser neue Roman eine erregte Debatte in deutschen und polnischen Blättern entfesseln wird. Um seinen künstlerischen Wert wird man erst in zweiter Reihe fragen. Und doch muß auch von diesem die Rede sein. Es ist ein Kulturbild voll jener warmen, pulsierenden Lebendigkeit und frischen Farbe, die alle Bücher der Viebig auszeichnen. Und ein feiner Schimmer jener Sentimentalität liegt oft auf diesen Blättern, wie er in Clara Viebigs „Wacht am Rhein“ am hellsten war.K. v. Perfallin der„Kölnischen Zeitung“: In diesen Volksfiguren bietet sie wieder ein ganz hervorragend Lebendiges und zeigt sich als eine Menschengestalterin ersten Ranges, die frisch und unbefangen ins Leben hineingreift.... Wir möchten behaupten, „Das schlafende Heer“ sei das bedeutendste Werk, das Clara Viebig bisher geschaffen hat. Es bringt ein bedeutungsvolleres Kulturbild, als „Das Weiberdorf“ und „Das tägliche Brot“ oder der „Müllerhannes“ es waren, und der künstlerische Aufbau ist reiner, fester gefügt als in der „Wacht am Rhein“.„The Academy and Literature“(London): Clara Viebig’s work bears many of the characteristics of that of George Eliot, Thomas Hardy and George Moore. She sees into the human heart, and describe what she sees with an ease and sureness that lend her books a charm not always to be found in novels that from the choice of their subject contain events spreading over a long space of years and deal with a wide field of locality.J. Nordenin der„Magdeburgischen Zeitung“: So ist es kein politischer Tendenzroman geworden, obschon politische Verhältnisse und persönliche Schicksale der jüngsten Vergangenheit unserer Ostmark hineinspielen. Es ist gut, daß im Vordergrund die Kunst steht, die einen packenden und ergreifenden Kulturroman zu erschaffen vermochte.Arthur Eloesserin der„Vossischen Zeitung“, Berlin:Clara Viebigs Buch ist gut deutsch, aber es schmettert keine chauvinistische Fanfare so wenig, wie es entmutigt zum Rückzug bläst, es ist ein Buch der Sorge, und in diesem Gefühl wird es die meisten einigen, die nicht nur die Erhaltung der politischen Herrschaft, sondern auch die Existenz unserer deutschen Kultur an der Grenze des Slaventums gesichert wissen wollen.A. Traegerim„Berl. Börsen-Courier“: Ueberreich schier ist des Buches Inhalt, und mit staunender Bewunderung erfüllt uns aufs Neue die überwältigende Treue und Kraft der Schilderung, diese Belebung des Leblosen, überall nimmt die Dekoration mitwirkend teil an der Aktion, gehören Land und Leute unlösbar zusammen.Clara Viebigsieht mit dem Verstand und schreibt mit dem Herzen, das voll tiefen Gefühls und unerschrockenen Mutes.Harry Mayncin der„Deutschen Litteraturzeitung“: Ueber alle herbe Wahrheit ist leicht der Schleier der Dichtung geworfen. Bezogen auf die großen kulturgeschichtlichen Zusammenhänge kommt überall das Menschliche rein zur Entfaltung. Wohl heben sich dramatische Gruppenszenen packend aus der Breite des langsamen, ereignislosen Dahinlebens heraus, aber im allgemeinen sind die Mittel dieser Darstellung ganz schlicht und einfach. Ohne Beredsamkeit und Schwung, aber mit sicherem Realismus und runder Schilderung sagt unsClara Viebig, was sie uns zu sagen hat, und das ist nicht wenig.

„Neue Freie Presse“, Wien: Das starke und ausgeprägte nationale Bewußtsein der Dichterin trübt nicht die Klarheit ihres Urteils über die Germanisierungspolitik der Reichsregierung in Preußisch-Polen und benimmt ihr nicht das schöne, edle Verständnis für die träumerische Sehnsucht eines besiegten Volkes...Sie ist in ihrem jüngsten Werke über sich selbst hinausgewachsen und hat sich in die erste Reihe deutscher Sittenschilderer geschoben.

Robert Jafféin der„Neuen Hamburger Zeitung“: Zu der erstaunlichen Schärfe der Charakteristik und der Stimmungskraft kommt noch ein goldener Dämmer hinzu, der über den Landschaften und Menschen dieses Buches liegt. Etwas von der Lieblichkeit und Reife, welche die Lektüre eines Fontaneschen Romans für manche geradezu zu einem glückseligen Ereignis macht, haftet auch an den Romanen von Clara Viebig, undes findet sich unter den deutschen Romandichtern der Gegenwart wohl kaum einer, der mit dieser ungewöhnlichen Kraft der Darstellung noch so viel Anmut und Schönheit verbände.

Paul Rachéim„Hamburger Fremdenblatt“: Es ist ein Kunstwerk in der einfachen Kraft der Sprache, in der Anschaulichkeit der Darstellung, in der wunderbaren Klarheit des Schauens von Personen, Verhältnissen, Gegenständen. Und es ist das Werk einer Dichterin.

„Hamburgischer Correspondent“: Wir können den Roman als ein bedeutsames Kunstwerk, zugleich aber als packende Darstellung eines der wichtigsten Gebiete deutscher Kulturarbeit zu Anfang des 20. Jahrhunderts unsern Lesern aufs lebhafteste empfehlen.

„Kölnische Volkszeitung“: Alle die Gestalten erstehen in Fleisch und Bein vor dem Leser. Von bedeutender Wirkung sind auch die Naturschilderungen, und in der Darstellung einzelner Szenen von dramatischer Kraft und stimmungsvoller Weichheit bekundet die Verfasserin ihre gewohnte Meisterschaft. Alles in allem ein bedeutsames Werk.

„Prager Tageblatt“: Wenn wir das Buch zuschlagen, stehen wir — fern von jedem national-politischen Raisonnement — ganz und gar im Bann einer rein menschlichen Erschütterung, die wir über die Schicksale der fesselnden, uns lieb gewordenen Gestalten des Romans empfinden. Und Clara Viebig hat in der Tat Menschen vor uns hingezaubert, die wir nie mehr vergessen können.

„Leipziger Neueste Nachrichten“: Clara Viebig hat sicherlich nicht die Absicht gehabt, einen Beitrag zur Lösung des deutschen Ostmarken-Problems zu geben, aber sie hat uns das Land und die Menschen dort mit packender Energie vor Augen geführt. Man sieht das wirklich vor sich, den Lysa Góra, das Treiben auf den Feldern, die Hütten der Komorniks, die Herrenhäuser mit ihren Höfen, Treppen und Salons, die Dinergesellschaft auf Chawilorczyce, das Volksleben an Mariä Verkündigung und hunderterlei sonst. Eine feine und feinste Beobachtungsgabe geht Hand in Hand mit einem treffsicheren, prägnanten und sachlich erschöpfenden Stil.

Ferdinand Svendsenin der„Nation“:Ein echter Epenstoff: der Kampf der in die Provinz Posen eindringenden deutschen Landbebauer mit den ihren Grund und Boden und ihre Nationalität gleichzeitig verteidigenden Polen. Es ist etwas ungemein Kraftvolles in ihrer Darstellung. Ihre Romangestalten sind Menschen von Fleisch und Blut, und was sie uns schildert, ist wert, geschildert zu werden.

Ernst Kreowskiim„Vorwärts“:Der Roman besitzt unbestreitbare Vorzüge. Alles ist mit realistischer Kraft gestaltet und voll dichterischer, wenn auch schwer atmender Stimmung. So etwas wie Erdgeruch entströmt dem Ganzen. Desgleichen entspricht es nur der „poetischen Gerechtigkeit“, wenn Clara Viebig ihr Werk mit der zuversichtlichen Hoffnung auf das Erwachen einer neuen Aera des Deutschtums, welche die Sünden der Väter wieder gut zu machen, dem Land und dem Volke Glück und Frieden zurückzugeben berufen sein werde, frohgemut beendigt.

Fritz Engelim„Berliner Tageblatt“: Kein Tendenzroman! Die deutsche Feder wollte dem deutschen Pfluge zu Hilfe kommen. Aber an Ort und Stelle — und das macht der Dichterin in ihr alle Ehre — wurde nur noch ihre künstlerische Teilnahme rege. Nicht mehr die Parteien, nur noch die Menschen interessierten sie. Sie sah und lauschte. Daraus gestaltete sich dann wie von selbst das weitumfassende Gemälde, das seine Lichter und seine Schatten nicht mehr von der Willkür nationalen Eifers erhält.

„Die Zeit“, Wien: Es ist vorauszusehen, daß dieser neue Roman eine erregte Debatte in deutschen und polnischen Blättern entfesseln wird. Um seinen künstlerischen Wert wird man erst in zweiter Reihe fragen. Und doch muß auch von diesem die Rede sein. Es ist ein Kulturbild voll jener warmen, pulsierenden Lebendigkeit und frischen Farbe, die alle Bücher der Viebig auszeichnen. Und ein feiner Schimmer jener Sentimentalität liegt oft auf diesen Blättern, wie er in Clara Viebigs „Wacht am Rhein“ am hellsten war.

K. v. Perfallin der„Kölnischen Zeitung“: In diesen Volksfiguren bietet sie wieder ein ganz hervorragend Lebendiges und zeigt sich als eine Menschengestalterin ersten Ranges, die frisch und unbefangen ins Leben hineingreift.... Wir möchten behaupten, „Das schlafende Heer“ sei das bedeutendste Werk, das Clara Viebig bisher geschaffen hat. Es bringt ein bedeutungsvolleres Kulturbild, als „Das Weiberdorf“ und „Das tägliche Brot“ oder der „Müllerhannes“ es waren, und der künstlerische Aufbau ist reiner, fester gefügt als in der „Wacht am Rhein“.

„The Academy and Literature“(London): Clara Viebig’s work bears many of the characteristics of that of George Eliot, Thomas Hardy and George Moore. She sees into the human heart, and describe what she sees with an ease and sureness that lend her books a charm not always to be found in novels that from the choice of their subject contain events spreading over a long space of years and deal with a wide field of locality.

J. Nordenin der„Magdeburgischen Zeitung“: So ist es kein politischer Tendenzroman geworden, obschon politische Verhältnisse und persönliche Schicksale der jüngsten Vergangenheit unserer Ostmark hineinspielen. Es ist gut, daß im Vordergrund die Kunst steht, die einen packenden und ergreifenden Kulturroman zu erschaffen vermochte.

Arthur Eloesserin der„Vossischen Zeitung“, Berlin:Clara Viebigs Buch ist gut deutsch, aber es schmettert keine chauvinistische Fanfare so wenig, wie es entmutigt zum Rückzug bläst, es ist ein Buch der Sorge, und in diesem Gefühl wird es die meisten einigen, die nicht nur die Erhaltung der politischen Herrschaft, sondern auch die Existenz unserer deutschen Kultur an der Grenze des Slaventums gesichert wissen wollen.

A. Traegerim„Berl. Börsen-Courier“: Ueberreich schier ist des Buches Inhalt, und mit staunender Bewunderung erfüllt uns aufs Neue die überwältigende Treue und Kraft der Schilderung, diese Belebung des Leblosen, überall nimmt die Dekoration mitwirkend teil an der Aktion, gehören Land und Leute unlösbar zusammen.Clara Viebigsieht mit dem Verstand und schreibt mit dem Herzen, das voll tiefen Gefühls und unerschrockenen Mutes.

Harry Mayncin der„Deutschen Litteraturzeitung“: Ueber alle herbe Wahrheit ist leicht der Schleier der Dichtung geworfen. Bezogen auf die großen kulturgeschichtlichen Zusammenhänge kommt überall das Menschliche rein zur Entfaltung. Wohl heben sich dramatische Gruppenszenen packend aus der Breite des langsamen, ereignislosen Dahinlebens heraus, aber im allgemeinen sind die Mittel dieser Darstellung ganz schlicht und einfach. Ohne Beredsamkeit und Schwung, aber mit sicherem Realismus und runder Schilderung sagt unsClara Viebig, was sie uns zu sagen hat, und das ist nicht wenig.


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