Chapter 14

Übrigens habe ich den Leuten gegenüber gar keine Konzessionen zu machen brauchen. Dem Louis Blanc sagte ich,que nous étions d’accord avec eux sur toutes les questions pratiques et d’actualité, et que dans les questions purement théoriques nous marchions vers le même but; que les principes énoncées dans son premier volume s’accordaientsous beaucoup de rapports avec les nôtres, et que pour le reste il en trouverait de plus amples développements dans ton livre. Quant à la question religieuse, nous la considérions comme tout-à-fait subordonnée, comme une question qui jamais ne devrait former le prétexte d’une querelle entre les hommes du même parti.[23]Bei alledem sei eine freundschaftliche Diskussion der theoretischen Fragen ganz gut möglich und sogar wünschenswert, womit erparfaitement d’accord[24]war.

Der Lupus hatte mit seiner Vermutung, ich würde die Direktion sehr bald treffen, ganz recht. Kaum drei Tage hier, laufe ich auf dem Boulevard des Italiens dem Seiler in die Arme. Ihr werdet längst wissen, daß er komplett durchgebrannt ist und nicht daran denkt, zurückzukommen. Er läuft bei allerlei französischen Korrespondenzbureaus herum und sucht unterzukommen. Ich habe ihn seitdem stets verfehlt und weiß nicht, wie seine Affären stehen. Mischt er sich bei der Réforme ein, so wird man ihn desavouieren müssen.

Sage doch dem verfluchten Bornstedt, was das heißen soll, daß er mir seine Zeitung nicht schickt. Ich kann nicht immer bei den Straubingern herumlaufen danach. Wenn er vorgibt, meine Adresse nicht zu wissen, gib sie ihm, 5 Rue Neuve Saint-Martin. Ich schicke ihm einige Artikel, sobald es irgend möglich. –

Bei den Straubingern höllische Konfusion. In den letzten Tagen vor meiner Ankunft waren die letzten Grünianer herausgeworfen, eine ganze Gemeinde, von denen aber die Hälfte wiederkommen wird. Wir sind jetzt nur 30 Mann stark. Ich habe gleich eine Propagandagemeinde eingerichtet und laufe fürchterlich herum und pauke. In den Kreis bin ich gleich gewählt und habe die Korrespondenz bekommen. An 20 bis 30 Kandidaten zur Aufnahme sind vorgeschlagen. Wir werden bald wieder stärker sein. Dem Mosi habe ich,ganz unter uns, einen höllischen Streich gespielt. Er hatte richtig ein gottvoll verbessertes Glaubensbekenntnis durchgesetzt. Vorigen Freitag nun nahm ich dies im Kreise vor, Frage für Frage, und war noch nicht an der Hälfte angekommen,als die Leute sich fürsatisfaits[25]erklärten.Ohne alle Oppositionließ ich mich beauftragen, ein neues zu entwerfen, was nun nächsten Freitag im Kreis wird diskutiert undhinter dem Rücken der Ge[...]nnach London geschickt werden. Das darf aber natürlich kein ..... Teufel merken, sonst werden wir alle abgesetzt, und es gibt einen Mordskandal. Der Born wird bei Euch in Brüssel eintreffen, er geht nach London. Vielleicht ist er schon vor diesem Briefe da. Er reist, verwegen genug, den Rhein herunter durch Preußen; wenn sie ihn nur nicht abfassen. Pauke ihn noch etwas ein, wenn er hinkommt, der Kerl ist von allen für unsere Sachen am zugänglichsten und wird auch in London gute Dienste leisten, wenn er noch etwas präpariert wird.

Ach, mein Gott, da hätte ich ja bald ganz die Drecklawine vergessen, die der große Heinzen von den Höhen der Alpen über mich losgelassen hat. Es ist ein wahres Glück, daß das in einer Nummer dicht hintereinander steht; kein Mensch arbeitet sich durch, ich selbst habe mehrere Male pausieren müssen. Solch ein Rindvieh! Habe ich erst behauptet, er könnte nicht schreiben, so muß ich jetzt hinzufügen, daß er auch nicht lesen kann, und in den vier Spezies scheint er auch nicht fest zu sein. Der Esel sollte doch den Brief von F. O’Connor im letzten Star an die radikalen Blätter lesen, der anfängt:You ruffiansund schließtyou ruffians,[26]da kann er sehen, was er für ein elender Stümper im Schimpfen ist. Nun, Du wirst diesem gemeinen dummen Rüpel gehörig aufs Dach steigen. Es ist sehr gut, daß Du ganzkurzantworten wirst. Ich könnte auf so einen Angriff gar nicht antworten, das ginge absolut nicht – höchstens durch Ohrfeigen.

Dienstag.Mein Artikel steht in der Réforme. Sonderbarerweise hat Flocon keine Silbe daran verändert, was mich sehr wundert.

Beipère[27]Heine bin ich noch nicht gewesen. Du kannst leicht denken, daß ich mit all diesen Geschichten höllisch viel zu tun habe und furchtbar laufen und schreiben muß. – Nach Elberfeld habe ich geschrieben wegen derfree trade[28]– Schutzzollgeschichte und erwarte täglich Antwort. Schreibe bald wieder. Grüße Deine Frau und Kinder.

Dein Engels.

Lies doch ja den Artikel O’Connors im letzten Star gegen die sechs radikalen Blätter, es ist ein Meisterstück genialer Schimpferei, oft besser als Cobbett und an Shakespeare grenzend.

Quelle mouche a donc piqué ce pauvre Moses qu’il ne cesse pas d’exposer dans le journal ses fantaisies sur les suites d’une révolution du prolétariat?[29]

[1]Formgerechtes Mandat.

[2]Agent der Chartisten.

[3]Sie können Herrn Marx als den Chef unserer Partei (das heißt des vorgeschrittensten Flügels der deutschen Demokratie, den ich ihm gegenüber vertrete) und sein kürzlich erschienenes Buch gegen Herrn Proudhon als unser Programm betrachten.

[4]Unterirdische Bewegung.

[5]Organisation der Arbeit.

[6]Wenn ich Dinge sehe, wie dieses neue Programm des Herrn de Lamartine, macht es mich lachen! Um den gegenwärtigen Zustand gut beurteilen zu können, muß man in einer Lage sein, die einem erlaubt, etwas von allem zu sehen, des Morgens zu einem Minister, des Nachmittags zu einem Geschäftsmann, des Abends zu einem Arbeiter zu gehen.

[7]Dummheit.

[8]Alles in Ordnung, er hat die besten Dispositionen von der Welt.

[9]Kühl.

[10]Er hat sich zum Lobredner des [vereinigten] preußischen Landtags gemacht, und das sogar, nachdem der Landtag resultatlos auseinandergegangen ist. – Er hat also einen Schritt nach rückwärts gemacht?

[11]Aus vollem Herzen.

[12]Wörtlich.

[13]Ein Pferd und ein Kabriolett.

[14]Die Herzogin, [sondern] der Herzog.

[15]Als wir in Brüssel die Frage diskutierten, an welche Fraktion der französischen Demokratie sich zu wenden, kamen wir einmütig überein, gleich zuerst mit der Réforme in Verbindung zu treten; denn im Ausland bestehen starke und wohlbegründete Abneigungen gegen den National. Zunächst verhindern die nationalen Vorurteile jede Annäherung. – Ja, ja, das ist wahr, sagte Flocon, und das war gerade der Grund, weshalb die Réforme gegründet wurde; wir haben vom ersten Tage an erklärt, daß wir keine Eroberungen wollen – und dann, fuhr ich fort, wenn ich meinen Vorgängern glauben darf, denn ich bin niemals selbst beim National gewesen, geben sich diese Herren stets die Miene, die Ausländer begönnern zu wollen, was übrigens vollständig ihren nationalen Vorurteilen entspricht; wir aber brauchen ihre Begönnerung nicht, wir wollen keine Beschützer, wir wollen Verbündete. – Ganz recht, aber mit uns ist es ganz etwas anderes, wir denken nicht daran. – Das stimmt, ich kann mich über das Verhalten der Herren von der Réforme nur lobend aussprechen.

[16]Wie es scheint.

[17]Warum, wie, wann.

[18]Durchaus einverstanden.

[19]Einen Haufen Anekdoten.

[20]Freihandelsbewegung.

[21]Nationale Arbeit.

[22]Welche heroische Hingabe.

[23]Daß wir mit ihnen über alle praktischen und Tagesfragen einverstanden seien und in den rein theoretischen Fragen demselben Ziele zustrebten; daß die in seinem ersten Bande verkündeten Grundsätze in vielen Punkten mit den unseren übereinstimmten, und daß er für den Rest umfassendere Entwicklungen in Deinem Buch finden würde. Was die Frage der Religion anbetrifft, so betrachteten wir sie als durchaus untergeordnet, als eine Frage, die niemals zwischen Leuten ein und derselben Partei den Vorwand zu einem Streite bieten dürfe.

[24]Völlig einverstanden.

[25]Befriedigt.

[26]Ihr Wegelagerer!

[27]Vater.

[28]Freihandel.

[29]Welche Fliege hat denn diesen armen Moses [Heß] gestochen, daß er nicht aufhört, im Blatt [die Brüsseler deutsche Zeitung] seine Phantasien über die Folgen einer Revolution des Proletariats zum besten zu geben?

15. November 1847.

Lieber Marx!

Gestern erfahre ich plötzlich und endlich, nachdem ich den pp. Reinhardt mehrere Male wegen Deines Buches zu Frank geschickt, daß Frank im Anfang mehrere Freiexemplare an Franzosen geschickt, überall 15 Sous Kosten gefordert und überall die Exemplare zurückbekommen [hat]. Darauf habe er sowohl die zurückbekommenen wie die anderen, noch gar nicht abgeschicktenruhig bei sich liegen lassen, und sie erst jetzt, vor ein paar Tagen, an die Adressaten geschickt, ohne 15 Sous zu verlangen. DieConspiration de silence[1]war also von seiten des Herrn Frank! Ich lief gleich zu Louis Blanc, den ich ein paar Tage vorher wieder nicht getroffen, weil eren garde[2]war (le petit bonhomme en bonnet à poil[3]); diesmal traf ich ihn, unddas Exemplar war noch nicht angekommen! Mein eigenes Exemplar habe ich endlich zurück, das kann im Notfall helfen. Heute, Sonntag, ist nichts zu machen. Dem Reinhardt habe ich morgen Rendezvous gegeben, er soll gleich mit mir zu Frank, was schon früher geschehen sollte, aber nur durch Nachlässigkeit dieses Reinhardt nicht geschehen. Er muß mich bei dem Frank introduzieren, weil ich sonst gar keine Legitimation bei dem Kerl habe. Ich werde mir das Exemplar für Louis Blanc geben lassen und es gleich hinbringen. Der Louis Blanc sagte mir gestern, Flocon habe gegen Deinenlibre échange[4]Artikel einzuwenden gehabtqu’il était unpeu confus!!!![5]Ich sprach natürlich dagegen. „Oh,“ sagte der Kleine, „ce n’est pas moi qui ai trouvé cela, tout au contraire, l’article m’a beaucoup plu, et en effet, je ne sais pas ce que M. Flocon ... mais enfin(mit etwas zweideutiger Grimasse für Flocon)c’est ce qu’il a m’a dit.“[6]Überhaupt ist die Redaktion der Réformetout ce qu’il y a de plus[7]schlecht komponiert. Die Artikel über die englische Krisis und alle ökonomischen Sachenen général[8]werden von einem unglücklichen würdigenpenny-a-liner[9]fabriziert, der seine Studien bei den Börsenartikeln eines Korrespondenzbureaus gemacht zu haben scheint und alles mit den Augen eines Pariser Kommis dritten Ranges bei einem Bankier vierten Ranges ansieht und mit der Unfehlbarkeit so eines „empiric“[10], wie die Engländer sagen, aburteilt. Flocon versteht nichts davon.C’est tout au plus un homme de bonne volonté.[11]

Montag. Den verfluchten Reinhardt habe ich nicht getroffen. Ich gehe heute abend noch einmal hin. Bis morgen muß ich diese ganze Geschichte ins reine gebracht haben, mag’s gehen wie’s will. Wenn ich Dir nicht gleich wieder schreibe, ist alles in Ordnung. Gestern abend war Deputiertenwahl. Nach einer höchst konfusen Sitzung wurde ich [für den Kommunistenkongreß in London] mit zwei Drittel gewählt. Ich hatte diesmal gar nicht intrigiert, war auch wenig Gelegenheit dazu. Die Opposition war bloß scheinbar: ein Arbeiter wurde zum Schein vorgeschlagen, aber die ihn vorschlugen, stimmten für mich. – Das Geld kommt zusammen. Schreibe nun, ob Du und Tedesco hingehst. Wenn das nicht möglich wäre, so kann ich doch nicht allein sein und kongressieren, das wäre ja Unsinn. Könnt ihr beide nicht, so fällt die Geschichte ins Wasser und muß ein paar Monate aufgeschoben werden. Schreibe also in diesem Fall nach London, daß noch zur rechten Zeit dies überall hin angezeigt wird.

Flocon hatte dem Louis Blanc auch gesagt, man werde an Deinem Artikel, um ihn aufzunehmen, eine Kleinigkeit ändern müssen, eben um ihn „klarer“ zu machen. Louis Blanc hat mich, den Floconde sa part[12]an den Artikel nochmals zu erinnern; unter diesen Umständen aber halte ich es für viel besser, die Sache fallen zu lassen. Flocon den Artikel klarer machen, das fehlte noch! Aber was soll man da machen! Ich werde den Flocon tun lassen, was er will, ihm wenig zusprechen und mich hauptsächlich mit dem Louis Blanc einlassen, der ist doch der Vernünftigste von allen. Beim National ist vollends nichts zu machen, der wird täglich bornierter und alliiert sich mehr und mehr mit Barrot und Thiers,witness the Lille Banquet[13].

Der Seiler wird Dir geschrieben haben, Dein Buch ginge sehr schlecht hier. Das ist nicht wahr. Der Frank hat dem Reinhardt gesagt, er sei mit dem Verkauf ziemlich gut zufrieden. Trotz seines abgeschmackten Benehmens hat er, glaube ich, zirka 40 Exemplare abgesetzt. Nächstens Genaueres darüber. Der Seiler behauptet – er war neulich bei mir, wo er sehr kühle anlief, auch nicht wieder kam –, er habe Bett, Mobiliar und Papier dort [in Brüssel] gelassen, hinreichend, um Wolff und Heilberg zu decken. Sieh,si cela est,[14]daß der Lupus dabei wenigstens nicht noch von Heilberg bemogelt wird. Aber das werden auch Renommagen sein.

Rothschild hat bei dem neuen Anlehen 10 Millionen Franken verdient – 4 Prozent netto.

Auf meiner Reise nach London werde ich nicht über Brüssel kommen, die Gelder sind zu knapp. Wir werden uns in Ostende Rendezvous geben müssen – am 27. (Samstag), abends, und Sonntag herüberfahren, damit wir Montag anfangen können. Vielleicht ist Montag den 29. Polenanniversaire,[15]irgend etwasfraternally[16]Demokratisches los, wo wir dann werden hin müssen. Das wäre ganz gut. Du hältst in London eine französische Rede, die setzen wir dann in die Réforme. Die Deutschen müssen absolut etwastun, um bei den Franzosen auftreten zu können. Eine einzige Rede wird mehr helfen als zehn Artikel und hundert Besuche.

Du wirst im Northern Star, 2. Oktober, die Aufforderung Harneys und derfraternals[17]zu einem demokratischen Kongreß gelesen haben. Unterstütze das. Ich werde es bei den Franzosen unterstützen. Man kann ihn womöglich nächstes Jahr in London abzuhalten versuchen, vielleicht gleichzeitig mit dem unsrigen. Kommt’s zustande, so wird das auf die Franzosen einen sehr heilsamen Effekt ausüben und sie etwas demütigen. Kommt’s nicht zusammen, so scheitert’s an den Franzosen, und sie werden wenigstens gezwungen, sich zu erklären. Wenn’s in Brüssel ginge, wär’s noch besser; in London könnte Feargus [O’Connor] doch einigen Unsinn anrichten.

Sonst nichts Neues. Gib Inliegendes an Bornstedt und schreibe mir bald, ob Du nach London gehst.

Dein E.

Schreibe an die Adresse des Malers, wenn Du sie noch hast. Es ist besser.

Heine läßt grüßen. Ist äußerst schwach und etwas matt. Wer hat Deinen Artikel eigentlich an Louis Blanc geschickt? Er sagt, es hätte unter dem Brief ein wildfremder Name gestanden. Das war auch wohl der Grund, warum er die Geschichte liegen ließ.

[1]Totschweigeverschwörung.

[2]Auf Posten.

[3]Das kleine Männchen mit der Bärenmütze.

[4]Freihandel.

[5]Daß er etwas konfus sei.

[6]Nicht ich habe es gefunden, ganz im Gegenteil, der Artikel hat mir sehr gefallen, und ich weiß wirklich nicht, was ... aber schließlich (mit usw.) das hatte er mir gesagt.

[7]Im höchsten Grade.

[8]Im allgemeinen.

[9]Zeilenreißer [Journalisten, die nach der Zeile bezahlt werden].

[10]Empiriker [Mensch, der sich an die platte Erfahrung hält].

[11]Er ist bestenfalls ein Mensch, der den guten Willen hat.

[12]Von ihm aus.

[13]Wie das [Wahlreform-]Bankett von Lille beweist.

[14]Wenn dies der Fall.

[15]Jahrestag.

[16]Brüderlich.

[17]Brüderliche [Demokraten].

24. November 1847.

Lieber Marx!

Erst heute abend hat sich’s entschieden, daß ich komme. Also Samstag abend in Ostende, Hotel de la Couronne, gleich der Eisenbahnstation gegenüber am Bassin,and Sunday Morning across the water[1]. Wenn Ihr mit dem Zuge kommt, der zwischen 4 und 5 fährt, werdet Ihr ungefähr zu gleicher Zeit mit mir ankommen.

Sollte Sonntags wider Erwarten kein Postdampfschiff nach Dover fahren, so schreibe mir’s umgehend. Das heißt, da Du diesen Brief Donnerstag morgen bekommst, mußt Du Dich gleich erkundigen und, falls zu schreiben ist, den Brief noch denselben Abend – ich glaube vor 5 Uhr – auf die große Post besorgen. Hast Du also an dem Rendezvous etwas zu ändern, so ist noch Zeit. Habe ich Freitag morgen keinen Brief, so rechne ich darauf, Dich und Tedesco Samstag abend in der Couronne zu treffen. Es bleibt uns dann Zeit genug, uns zu besprechen; dieser Kongreß muß entscheidend sein,as this time we shall have it all our own way[2].

Ich habe schon lange absolut nicht begreifen können, warum Du dem Moses seinen Klatsch nicht untersagt hast. Hier richtet mir das eine Teufelskonfusion und die langwierigsten Gegenreden bei den Arbeitern an. Ganze Kreissitzungen sind darüber verloren gegangen, und in den Gemeinden ist nicht einmal gegen diesen „flauen“ Kohl durchzugreifen möglich, namentlich vor der Wahl war daran nicht zu denken.

Den Louis Blanc denke ich morgen noch zu treffen. Wo nicht, sehe ich ihn übermorgen jedenfalls. Kann ich nicht schon am Fuße etwas mitteilen, so hörst Du das Weitere Samstag.

Übrigens hatte der Reinhardt mir dummes Zeug gesagt über die Anzahl der verkauften Exemplare – nicht 37, sondern 96 waren heute vor acht Tagen verkauft. An demselben Tage noch habe ich dem Louis Blanc Dein Buch selbst hingebracht. Alle Exemplare waren besorgt, nurLamartine (nicht hier), Louis Blanc und Vidal nicht, dessen Adresse nicht zu finden. Ich hab’s auf die Presse bringen lassen. – Übrigens ist die Besorgung bei dem Frank wirklich schauderhaft gewesen.

Sorge wenigstens, daß Moses während unserer Abwesenheit keinen Unsinn macht! Alsoau revoir![3]

Dein E.

Dienstag abends. Überlege Dir doch das Glaubensbekenntnis etwas. Ich glaube, wir tun am besten, wir lassen die Katechismusform weg und titulieren das Ding: KommunistischesManifest. Da darin mehr oder weniger Geschichte erzählt werden muß, paßt die bisherige Form gar nicht. Ich bringe das hiesige mit, das ich gemacht habe, es ist einfach erzählend, aber miserabel redigiert, in fürchterlicher Eile. Ich fange an: Was ist der Kommunismus? und dann gleich das Proletariat – Entstehungsgeschichte, Unterschied von früheren Arbeitern, Entwicklung des Gegensatzes des Proletariats und der Bourgeoisie, Krisen, Folgerungen. Dazwischen allerlei Nebensachen und schließlich die Parteipolitik der Kommunisten, soweit sie vors Publikum gehört. Das hiesige ist noch nicht ganz zur Bestätigung vorgelegt, aber ich denke, bis auf einige ganz kleine Kleinigkeiten, es so durchzusetzen, daß wenigstens nichts gegen unsere Ansichten drin steht.

Mittwoch morgen. Soeben erhalte ich Deinen in obigem beantworteten Brief. Bei Louis Blanc war ich. Mit dem habe ich merkwürdiges Pech –il est en voyage; il reviendrapeut-êtreaujourd’hui.[4]Morgen und nötigenfalls übermorgen gehe ich wieder hin. – Freitag abend kann ich noch nicht in Ostende sein, weil das Geld erst bis Freitag zusammenkommt.

Dein Vetter Philipps war heute morgen bei mir.

Der Born wird die Rede ganz gut machen, wenn Du ihn etwas einpaukst. Es ist gut, daß die Deutschen durch einen Arbeiter repräsentiert sind. Aber dem Lupus muß die übertriebene Bescheidenheit absolut ausgetrieben werden. Der brave Kerl ist einer der Wenigen, die man in den Vordergrundpoussierenmuß. Weerth um Gottes willen nicht als Repräsentanten! Einer, der immer zu faul war, bis ihn der Kongreß-succès d’un jour[5]hineinlancierte! Und der obendrein nochan independent member[6]sein will.Il faut le retenir dans sa sphère.[7]

[1]Und Sonntag morgen [geht es] übers Wasser.

[2]Da wir es diesmals ganz nach unserem Willen haben werden.

[3]Auf Wiedersehen.

[4]Er ist auf Reisen, er wirdvielleichtheute zurückkommen.

[5]Erfolg eines Tages.

[6]Ein unabhängiges Mitglied.

[7]Man muß ihn in seiner Sphäre zurückhalten.

Paris, Freitag abend, 26. November 1847.

Lieber Marx!

Endlich bin ich des Louis Blanc habhaft geworden und zugleich des Grundes, weshalb ich ihn nie fassen konnte.Écoute plutôt – ce petit grand Seigneur littéraire ne reçoit que les jeudis! et encore l’après-midi seulement.[1]Was er mir nie zu wissen getan hatte, weder direkt noch durch seinen Portier. Natürlich waren eine Masse Esel bei ihm, unter anderen Ramon de la Sagra, der mir eine Broschüre gab, welche beifolgt. Ich habe sie noch nicht gelesen. Schließlich konnte ich indes noch ein paar Minuten mit ihm über unsere Angelegenheit sprechen. Er gestand zögernd, er habe noch nicht die Zeit gehabt, Dein Buch zu lesen ....Je l’ai feuilleté et j’ai vu que M. Proudhon y est assez vivement attaqué .... Eh bien, frug ich,alors serez vous en mesure de faire l’article pour la Réforme que vous m’aviez promis? – Un article, ah, mon Dieu, non, je suis si obsédé par mes éditeurs – mais voilà ce qu’il faut faire: faites l’article vous-même et je le ferai passer à la Réforme.[2]Das wurde denn abgemacht.Au fond[3]verlierst Du nichts dabei. Wenigstens werd’ ich unsere Ansichten richtiger darstellen, als er es getan haben würde. Ich werde sie direkt mit den seinigen in Parallele stellen – das ist alles, was durchzubringen ist, die Konklusiongegendie Réforme kann man natürlich nicht in der Réforme selbst ziehen. Ich mache ihn gleich.

Warum hast Du dem Bornstedt nicht gesagt,ersollnichtan die Réforme wegen Deiner Geschichte schreiben? Mein Artikel war fertig, als dem Bornstedt seiner in der Réforme zugleich mit den Chartistengeschichten erschien, aus deren Abdruck ich gewartet hatte, um ihn hinzubringen. Er war bedeutend länger als die kurze Notiz, wo noch dazu Dein Name entstellt [ist]. Ich hab’s dem Flocon gesagt, er soll den Druckfehler ändern, gestern hat er’s nicht getan, und heute habe ich die Réforme nicht gesehen. Das macht auch wenig. Wenn Deine [Freihandels-]Redeerscheint, schicke mir gleich vier bis fünf Exemplare für die Réforme, Louis Blanc, de la Sagra (für die Démocratie pacifique), usw. usw. Ich kann jetzt einen längeren Artikel daraus machen, da die Notiz so schimpflich kurz.

Was den Louis Blanc angeht, so verdient der gezüchtigt zu werden. Schreibe eine Kritik seiner Revolution für die Deutsche Brüsseler Zeitung und weise ihm praktisch nach, wie sehr wir über ihm stehen; freundschaftlich in der Form, aber unsere Superiorität entschieden festhaltend im Inhalt.On lui fera parvenir cela.[4]Man muß dem kleinen Sultan etwas bange machen. Die theoretische Seite ist leider Gottes einstweilen unsere einzigeforce[5], aber das gilt bei diesen Lanzenbrethern von derscience sociale[6], von derloi de la production suffisante[7]usw. viel. Gottvoll mit ihrem Jagen nach dieser unbekanntenloisind die Kerls. Sie wollen ein Gesetz finden, womit sie die Produktion verzehnfachen. Sie suchen, wie der Fuhrmann der Fabel, den Herkules, der ihnen den sozialen Karren aus dem Dreck holen soll. Der Herkules liegt in ihren eigenen Armen. Dieloi de la production suffisante[8]besteht darin, daß mansuffisamment[9]produziert. Können sie das nicht, [Lücke] ... hilft ihnen kein Zauberspruch. Diebreveté...[10][Lücke] den Erfinder tun mehr für dieproduction suffisanteals der ganze Louis Blanc mit seinem tiefsinnigen, überfliegenden Trachten nachla science[11].

Dem Bernays hatte ich auf sein Letztes einen sehr ironischen Brief geschrieben und bedauert, daß seine Unparteilichkeit mir den letzten Trost raube, den, eine verkannte schöne Seele zu sein –à laPraslin. Mit schmerzlichem Blick nach oben schickt er mir dies Billet zurück und bemerkt, hiermit habe unsere Korrespondenz ihr Ende erreicht.Sela.

Sonst nichts Neues. Schreibe bald.

Dein E.

[1]Höre nur – dieser kleine große Herr empfängt nur Donnerstags, und auch dann nur am Nachmittag.

[2]„Ich habe es durchblättert und habe gesehen, daß Herr Proudhon da ziemlich scharf angegriffen wird.“ ... Nun wohl, frug ich, werden Sie also in der Lage sein, den Artikel für die Réforme zu schreiben, den Sie mir versprochen hatten? – Einen Artikel? Ach, mein Gott, ich werde so von meinen Verlegern belagert – aber halt, das ist zu machen: schreiben Sie den Artikel selbst, und ich werde ihn in die Réforme bringen.

[3]Im Grunde.

[4]Man wird ihm das zukommen lassen.

[5]Stärke.

[6]Sozialwissenschaft.

[7][und]

[8]Gesetz der ausreichenden Produktion.

[9]Ausreichend.

[10]Patent.

[11]Wissenschaft.


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