1851
6. Januar 1851.
Lieber Engels!
Du wirst mich sehr verpflichten,s’il est possible,[1]das Geld umgehend zu schicken. Meine Wirtin istvery poor;[2]sie ist jetzt die zweite Woche nicht bezahlt und tritt mit schrecklicher Energie.
Gestern in der Kreissitzung erschien Wolff; nicht aber Liebknecht und Schramm. Die neuen Statuten angenommen, habe ich das Ding aufs Unbestimmte vertagt.
Dein K. M.
Unsere Revue wird wahrscheinlich in der Schweiz neu erscheinen. Arbeite alsosomething,[3]damit ich das Manuskript im Notfallready[4]habe.
[1]Wenn es möglich ist.
[2]Sehr arm.
[3]Etwas.
[4]Fertig.
London, 7. Januar 1851.
Lieber Engels!
Ich schreibe Dir heute, um Dir einequestiuncula theoretica[1]vorzulegen, natürlichnaturae politico-economicae.[2]
Du weißt, umab ovo[3]zu beginnen, daß nach der Ricardoschen Theorie der Rente sie nichts anderes ist, als der Unterschied zwischen den Produktionskosten und dem Preise des Bodenproduktes, oder wie er das auch ausdrückt, der Unterschied des Preises, wozu das schlechteste Land verkaufen muß, um seine Kosten herauszubringen (immer den Profit und Zinsen des Pächters eingerechnet in die Kosten), und wozu das beste Land verkaufen kann. Das Steigen der Rente beweist nach ihm, wie er selbst seine Theorie auslegt:
1. Es wird zu immer schlechteren Erdarten Zuflucht genommen, oder dasselbe Quantum Kapital, sukzessive auf denselben Boden angewandt, bringt nicht dasselbe Produkt. Mit einem Worte: die Erde verschlechtert sich in demselben Maße, als die Bevölkerung ihr mehr abverlangen muß. Sie wird relativ unfruchtbarer. Worin dann Malthus den realen Boden seiner Populationstheorie gefunden hat und worin seine Schüler jetzt ihren letzten Notanker suchen.
2. Die Rente kann nur steigen, wenn der Getreidepreis steigt (wenigstensökonomisch legal); sie muß fallen, wenn er fällt.
3. Wenn dasRental eines ganzen Landessteigt, so ist dies nur erklärlich dadurch, daß eine sehr große Masse relativ schlechteren Bodens in Bebauung gesetzt worden ist.
Diesen dreiPropositions[4]widerspricht nun überall die Geschichte.
1. Kein Zweifel, daß immer schlechtere Erdarten in Bebauung gesetzt werden mit dem Fortschritt der Zivilisation. Aber ebensowenig Zweifel, daß diese schlechteren Erdarten relativ gut sind gegen die früher guten, infolge des Fortschritts der Wissenschaft und Industrie.
2. Seit 1815 ist der Getreidepreis von 90 auf 50 Schilling gefallen und darunter – vor der Abschaffung der Korngesetze, unregelmäßig aber beständig. Die Rente ist beständig gestiegen. So in England.Mutatis mutandisüberall auf dem Kontinent.
3. In allen Ländern finden wir, wie schon Petty bemerkte, daß, wenn der Preis des Getreides abnahm, das Gesamtrental des Landes stieg.
Die Hauptsache bei alledem bleibt, das Gesetz der Rente mit dem Fortschritt der Fruchtbarkeit der Agrikultur im allgemeinen auszugleichen, wodurch einmal die historischen Tatsachen allein erklärt werden können, andererseits die Malthussche Verschlechterungstheorie nicht nur der Hände, sondern auch der Erde allein beseitigt wird.
Ich glaube, daß die Sache einfach zu erklären ist wie folgt.
Gesetzt, in einem gegebenen Zustand der Agrikultur sei der Preis des Quarter Weizens 7 Schilling und ein Acre Land der besten Qualität, das eine Rente von 10 Schilling zahlt, produziere 20 Bushel.[5]Der Ertrag des Acre also = 20 × 7 oder = 140 Schilling. Die Produktionskosten betragen in diesem Falle 130 Schilling. 130 Schilling ist also der Preis des Produktes des schlechtesten in Bebauung gesetzten Landes.
Gesetzt, es trete nun eine allgemeine Verbesserung der Agrikultur ein. Setzen wir diese voraus, so nehmen wir an, gleichzeitig, daß Wissenschaft, Industrie und Bevölkerung im Zunehmen begriffen sind. Eine durch Verbesserung allgemein vermehrte Fruchtbarkeit des Bodens setzt diese Bedingungen voraus, im Unterschied der bloß vom Zufall einer günstigen Jahreszeit hervorgebrachten Fruchtbarkeit.
Der Weizenpreis falle von 7 auf 5 Schilling per Quarter. Das beste Land, Nr. 1, das früher 20 Bushel hervorbrachte, bringe nun 30 Bushel hervor. Bringt also jetzt ein, statt 20 × 7 oder 140 Schilling, 30 × 5oder 150 Schilling. Das heißt eine Rente von 20 Schilling statt früher von 10. Der schlechteste Boden, der keine Rente trägt, muß produzieren 26 Bushel, denn nach unserer obigen Annahme ist der notwendige Preis desselben 130 Schilling und 26 × 5 = 130. Ist die Verbesserung nicht so allgemein, das heißt der allgemeine Fortschritt der Wissenschaft, der mit dem Gesamtfortschritt der Gesellschaft, Population usw. Hand in Hand geht, daß der schlechteste Boden, der in Bebauung gesetzt werden muß, 26 Bushel hervorbringen kann, so kann der Getreidepreis nicht auf 5 Schilling per Quarter fallen.
Die 20 Schilling Rente drücken nach wie vor den Unterschied zwischen den Produktionskosten und dem Getreidepreis auf dem besten Boden oder zwischen den Produktionskosten des schlechtesten und denen des besten Bodens aus. Relativ bleibt das eine Land immer ebenso unfruchtbar gegen das andere wie vorher. Aber dieallgemeine Fruchtbarkeithat sich gehoben.
Vorausgesetzt wird nur, daß, wenn der Getreidepreis von 7 auf 5 Schilling fällt, die Konsumtion in demselben Maße zunimmt, [das heißt] die Nachfrage, oder daß die Produktivität nicht die Nachfrage übersteigt, die zu dem Preise von 5 Schilling erwartet werden kann. So sehr diese Voraussetzung falsch wäre, wenn der Preis von 7 auf 5 Schilling gefallen wäre durch einen ausnahmsweise üppigen Herbst, so notwendig ist sie bei einer graduellen und durch die Produzenten selbst bewirkten Steigerung der Fruchtbarkeit. In allen Fällen handelt es sich hier nur um die ökonomische Möglichkeit dieser Hypothese.
Es folgt hieraus:
1. Die Rente kann steigen, obgleich der Preis des Bodenproduktes fällt, und dochbleibt Ricardos Gesetz richtig.
2. Das Gesetz der Rente, wie Ricardo es in einfachster These, abgesehen von seiner Ausführung, hinstellt, setzt nicht die abnehmende Fruchtbarkeit des Bodens voraus, sondern nur,trotz der mit der Entwicklung der Gesellschaft allgemein zunehmenden Fruchtbarkeit des Bodens, verschiedeneFruchtbarkeit der Ländereien oder verschiedenes Resultat des sukzessiv auf demselben Boden angewandten Kapitals.
3. Je allgemeiner die Verbesserung des Bodens ist, desto mehr Sorten von Ländereien wird sie umfassen, und das Rental des ganzen Landes kann steigen, obgleich der Getreidepreis im allgemeinen sinkt. Gesetztzum Beispiel das obige Beispiel, so kommt es nur darauf an, wie groß die Anzahl der Ländereien ist, die mehr als 26 Bushel zu 5 Schilling produzieren, ohne gerade deren 30 produzieren zu müssen, das heißt um wie mannigfaltiger die Qualität des Landes ist, das zwischen dem besten und dem schlechtesten liegt. Es geht dies dieratio[6]der Rente des besten Landes nichts an. Es geht überhaupt dieratioder Rente nicht direkt an.
Du weißt, daß der Hauptwitz bei der Rente der ist, daß sie erzeugt ist durch die Ausgleichung des Preises für die Resultate verschiedener Produktionskosten, daß aber dies Gesetz des Marktpreises nichts als ein Gesetz der bürgerlichen Konkurrenz ist. Indessen bliebe, selbst nach Abschaffung der bürgerlichen Produktion, der Haken, daß die Erde relativ unfruchtbarer würde, daß mit derselben Arbeit weniger sukzessiv geschaffen würde, obgleich nicht mehr, wie im bürgerlichen Regime, der beste Boden so teures Produkt lieferte wie der schlechteste. Dieses Bedenken fiele mit dem Obigen fort.
Ich bitte Dich um Deine Ansicht über die Sache.
Weil ich Dich mit dieser Sauce gelangweilt, schicke ich Dir zur Erheiterung folgendes Pack Briefe von Dr.Magnus Groß(doppelt großer Groß! Allergrößter Groß!) aus Cincinnati. Du wirst finden, daß, wenn Monsieur Groß nichtgrand,[7]er jedenfallsgros[8]ist. Tellering II.in nuce.[9]Gleichen sich doch alle Koblenzer. Schicke mir die Sache zurück, und wenn Du willst und Zeit und Lust hast, mit einer Zeile für Dronke.
Dein K. M.
[1]Kleine theoretische Frage.
[2]Politisch-ökonomischer Natur.
[3]Vom Ei an.
[4]Sätze.
[5]Buschel = englischer Scheffel, der 36,3 Liter faßt.
[6]Hier: Höhe, Satz.
[7]Groß.
[8]Ungeschlacht [unübersetzbares Wortspiel in bezug auf den Namen Groß].
[9]In der Nußschale [das heißt: zusammengefaßt].
Manchester, 8. Januar 1851.
Lieber Marx!
Inliegend Post Office Ordre[1]für ein Pfund, die Particulars wie früher. Mein Käufer – unser Kommis – scheint in der letzten Zeit viel ausgegeben zu haben und nicht zu viel Geld auf einmal von der Firma nehmen zu wollen. Er will nicht recht eingehen – ich presse ihn nicht zu viel,cela se conçoit.[2]Ich selbst bin durch unsere LondonerReiseexpensen sehr stark in Auslagen geraten, sonst würde ich Dir mit Vergnügen den ganzen Betrag schicken; so muß ich mich für heute darauf beschränken, die Pflicht eines gewöhnlichen Warenempfängers zu erfüllen und Dir ein Halb des Wertes auf Abschlag zuschicken. Die andere Hälfte erfolgt spätestens in den ersten Tagen des Februar, vielleicht früher, sobald nämlich ein Brief der Firma an meinen Alten, der die an mich gemachten Zahlungen enthält, abgegangen sein wird.
[Ernest] Jones war hier und trat seinen Feinden inpublic meeting[3]in ihrem eigenen Lokal entgegen. Leach und Donovan opponierten ihm. Die Debatte war nicht ganz, was ich erwartete. Kleine Kriegslisten auf beiden Seiten, vielchronique scandaleuse,[4]die über manche Londoner Annehmlichkeiten tröstete. Auf Jones’ Seite die Überlegenheit des deklamatorischen Talents. Leach dagegen enorm impertubabel, aber stellenweise greulich absurd. Donovan eine kommune intrigierende Lokalgröße. Jones war übrigens durch die Neue Rheinische Zeitung und meine Anwesenheit gezwungen, sich alsred republican[5]und Anhänger der Nationalisationof landed property[6]zu erklären, wogegen Leach als vollständiger Vertreter dercooperative societies[7]auftrat, und zwar auch insofern sie die politische Agitation repudiieren.[8]Diese Gesellschaften scheinen übrigens jetzt in Lancashire sehr zahlreich zu sein, und Jones und seine Freunde fürchten, daß sie bei irgend einer Allianz zwischen ihnen und den Chartisten das Chartist Movement in ihre Hände bekommen würden. Dieser Umstand erklärt manche der Konzessionen, die Harney ihnen zu machen für gut hielt.
Der Erfolg von Jones’ Auftreten hier war alles, was zu erwarten stand; er schlug als Punkt der Entscheidung zwischen ihm und dem Manchester Chartist Council die Frage der Anerkennung der Exekutive in London vor. Die Stimmen waren gleich geteilt, obwohl Leach und Komp. zirka drei Stunden Zeit gehabt hatten, ihre Leute ins Meeting zu bringen und eine gehörige Masse gekommen war. Am Anfang, wo die Gesellschaft eine rein zufällige war (Leach hatte kalkuliert, daß Jones nicht vor 9 Uhr da sein könne, er war aber schon um 8 da, was Leach ihm sehr übelnahm), wurde Jones enthusiastisch empfangen.
Jones in Gesellschaft von Chartisten, die er gewinnen oder sich mehr attachieren will, ist keineswegs so naiv, als wenn er unter uns ist.He isvery wide awake.[9]Vielleicht etwas zu sehr – unsereins wenigstens „merkt die Absicht“.
Von Harneys Freunden hier ist der eine ein langweiliger Schotte mit unendlichen Gefühlen und daher endlosen Reden, der zweite ein kleiner, resoluter und auffahrender Bursche, über dessen intellektuelle Kapazitäten ich noch nicht im klaren bin; ein dritter, von dem Harney mir nicht sprach, Robertson, scheint mir bei weitem der Verständigste zu sein. Ich werde sehen, daß ich mit den Kerls einen kleinen Klub oder regelmäßige Zusammenkunft organisiere und mit ihnen das Manifest diskutiere. Harney und Jones haben hier eine Masse Freunde, und O’Connor eine Masse versteckter Feinde, aber ehe er nicht einen Akt großartiger öffentlicher Blamage begangen hat, wird er – offiziell – hier nicht zu stürzen sein. Jones sprach übrigens von ihm und Reynolds im Meeting mit möglichst wenig Respekt.
Eine gute Nachricht, die mich betrifft, teilte mir mein Schwager dieser Tage mit: mein proponierter amerikanischer Associé war in London, und nach einer Unterhaltung zwischen beiden stellte sich heraus, daß ich nicht der Mann bin, der in seinem Geschäft brauchbar ist. Amerika ist also auf unbestimmte Zeit vertagt, da sich jetzt ohne meine Einwilligung kein neues Projekt formieren kann.
Grüße Deine Frau und Kinder bestens.
Dein F. E.
[1]Postanweisung [deren Betrag sich der Empfänger der Anweisung von der Post abholen mußte und nur gegen Nennung des Auftraggebers erhielt. Hierauf bezieht sich das Wort Particulars = Einzelheiten].
[2]Das ist zu verstehen.
[3]Öffentliche Versammlung.
[4]Skandalchronik, Klatsch.
[5]Roter Republikaner.
[6]Des Bodeneigentums.
[7][Konsum-]Genossenschaft.
[8]Von sich abweisen.
[9]Er paßt sehr auf [kennt sich sehr aus].
22. Januar 1851.
Lieber Engels!
Du bisttaciturne comme la mort.[1]
Ich habe noch keine Nachricht, weder von Schabelitz, der die Fortsetzung unserer Revue übernehmen wollte, noch von Becker, der die Herausgabe meiner Aufsätze besorgen wollte. Bei Herrn Schuberth haben alle meine Schritte bisher nichts genützt. Wenn Haupt einen Advokaten finden kann, der die Sache übernimmt, so wird er prozessualisch gegen ihn verfahren.
Was macht Mary und Lizzy? Und vor allem, was machst Du? Harney war einen Abend hier bei mir mit Pieper, Eccarius usw. und sehr fidel, bis seine „teure Gattin“ ihn halb gewaltsam, halb zog sie ihn, halb sank er hin, von hier wegbrachte.
Dein K. M.
[1]Schweigsam wie der Tod.
Mittwoch abend, 29. Januar [1851].
Lieber Marx!
Dein Schweigen und Dein Verwundern über mein Schweigen wird mir allerdings plötzlich erklärlich, nachdem meine alte Hexe von Hauswirtin mir heute,after some sharp cross examination,[1]aus einem Haufen Bücher in meinem Zimmer Deinen Brief vom 7. ds. herausgesucht hat, wo er seit dem 8. Januar ruhig schlummerte. Ich war nämlich die Nacht nicht zu Hause gewesen, und die Person hatte den Brief einfach auf die Bücher gelegt; nachher beim Aufräumen legte sie in der Eile ein anderes Buch obendrauf, und da dieser Haufen Bücher die ganze Zeit unangerührt blieb, so hätte ohne Deine Anzeige der Brief dort bis zum jüngsten Tage schlummern können. Hätte ich in diesem Monat statt Physiologie Russisch getrieben, so wäre das nicht vorgekommen.
Jedenfalls ist Deine neue Geschichte mit der Grundrente vollständig richtig. Die mit der Bevölkerung immer steigende Unfruchtbarkeit des Bodens bei Ricardo hat mir nie einleuchten wollen, und auch für seinen immer steigenden Getreidepreis habe ich nie die Belege finden können, aber bei meiner bekannten Trägheiten fait de théorie[2]habe ich mich bei dem inneren Knurren meines besseren Ich beruhigt und bin der Sache nie auf den Grund gegangen. Es ist außer Zweifel, daß Deine Lösung die richtige ist, und Du hast Dir so einen neuen Titel auf den Titel des Ökonomen der Grundrente erworben. Gäbe es noch Recht und Gerechtigkeit auf Erden, so würde die Gesamtgrundrente wenigstens für ein Jahr jetzt Dir gehören, und das wäre noch das wenigste, worauf Du Anspruch machen könntest.
Es hat mir nie in den Kopf gewollt, daß Ricardo in seinem einfachen Satz die Grundrente als Differenz der Produktivität der verschiedenen Bodengattungen hinstellt und im Beweis dieses Satzes 1. kein anderes Moment kennt als die Hereinbringung stets schlechterer Erdarten, 2. die Fortschritte der Agrikultur vollständig ignoriert und 3. die Hereinbringung der schlechteren Erdarten schließlich fast ganz fallen läßt und dafür stets mit der Behauptung operiert, daß das Kapital, das sukzessive auf ein bestimmtes Feld verwandt wird, immer weniger zur Vermehrung des Ertrags beitrage. So einleuchtend der zu beweisendeSatz war, so fremd waren die im Beweis angeführten Motive diesem selben Satze, und Du wirst Dich erinnern, daß ich schon in den Deutsch-französischen Jahrbüchern gegenüber der Theorie der steigenden Unfruchtbarkeit auf die Fortschritte der wissenschaftlichen Agrikultur provozierte – natürlich sehrcrude[3]und ohne alle zusammenhängende Durchführung. Du hast jetzt die Sache ins Reine gebracht, und das ist ein Grund mehr, weshalb Du eilen solltest mit der Vollendung und Publizierung der Ökonomie. Wenn man einen Artikel von Dir über die Grundrente überhaupt in eine englische Review bringen könnte, das würde enormes Aufsehen machen. Denk darüber nach,je me charge de la traduction.[4]
Inliegend Herr Groß-Groß zurück. Ich werde Dir nächstens ein paar Zeilen für den süßen Dronke schicken, heute abend bin ich zu schläfrig, noch weitere Arbeiten zu übernehmen. Eine schöne Bande Lumpaci, Groß, Wilhelmi und der Fortschrittspamphletär von Cincinnati! Die Kerle müssen wirklich glauben, man pfiffe physisch, moralisch und intellektuell auf dem letzten Loch, um einem solche Zumutungen zu machen.C’est amusant, cependant,[5]und ich habe redlich gelacht über diese hinterwäldlerischen Gesellschaftsretter und ihre Anerbietungen, mit Honorar für Dronke. Das „spitz und gesalzen“ des Dr. Siegfried Weiß istoutdone[6]durch das „Rot, pikant, sarkastisch und mehrseitig“ des „Adonis einer längst vergessenen Schönen“.Que Dieu le bénisse![7]
Die hiesige O’Connor-Konferenz ist auf reinen Humbug hinausgelaufen. Sie besteht, die angebliche Repräsentation des gesamten englischen Chartismus, aus acht Mann, die vier Städte repräsentieren: Manchester, Bradford, Warrington und Sowerby. Davon sind Warrington und Bradford in der Opposition und mit der Exekutive einverstanden. Mantle, der Warrington repräsentiert, treibt den größten Spott mit der Majorität, eröffnete dieproceedings[8]mit der Motion, daß die Konferenz,seeing their utter insignificance and contemptibility,[9]beschließen solle, sofort nach Hause zu gehen, und wird ihnen morgen ein Vertrauensvotum für die Exekutive, also für Harney und Jones, abnötigen, für das O’Connor auch stimmen muß. Bei der Frage: ob man sich denfinancial reformersanschließen solle, stimmten 3 für und 2 gegen, 3 enthielten sich, unterihnen O’Connor, den Mantle durch freches Auftreten leider intimidiert hatte; der Kerl hätte sonst dafür gestimmt und sich kolossal und unrettbar blamiert. Die Majorität der Konferenz sind O’Connor, Leach, Mac Grath, Clark und ein gewisser Hurst. Herr Thomas Clark brachte bei einem für O’Connor am Montag gegebenen Diner folgenden Toast aus.The queen: her rights and no more; the people: their rights and no less.[10]Mantle, ein petillanter,[11]undiplomatischer Hitzkopf verhinderte auch hier O’Connor, für den Toast aufzustehen und ihn zu trinken.
Der Brief an Weerth ist fort und wird in ein paar Tagen in seinen Händen sein müssen, wenn er nicht gar zu tief in Marokko sitzt.
„Ohne Mehreres für heute.“
Dein F. E.
[1]Nach etlichem scharfen Kreuzverhör.
[2]In bezug auf die Theorie.
[3]Roh, unbearbeitet.
[4]Ich nehme das Übersetzen auf mich.
[5]Es ist jedoch erheiternd.
[6]Übertroffen.
[7]Gott segne ihn.
[8]Verhandlungen.
[9]Da sie ihre äußerste Unbedeutendheit und Verächtlichkeit ersieht.
[10]Die Königin: ihre Rechte und nicht mehr; das Volk: seine Rechte und nicht weniger.
[11]Übersprudelnder.
3. Februar 1851.
Lieber Engels!
Studierst Du Physiologie an der Mary oder anderswo?
Einstweilen hat mir meine neue Rententheorie nur das brave Bewußtsein eingebracht, wonach jeder Biedermann notwendig strebt. Indes bin ich jedenfalls zufrieden, daß Du damit zufrieden bist. Das umgekehrte Verhältnis der Fruchtbarkeit der Erde zu der menschlichen Fruchtbarkeit mußte einen Familienvater wie mich tief affizieren, um so mehr, damon mariage est plus productif que mon industrie.[1]
Jetzt lege ich Dir nur eine Illustration zur Currencytheorie[2]vor, deren Studium bei mir von Hegelianern als Studium des „Andersseins“, des „Fremden“, kurz des „Heiligen“ charakterisiert werden dürfte.
Die Theorie des Herrn Loyd undtutti frutti[3]von Ricardo an besteht in folgendem:
Gesetzt, wir hätten eine rein metallische Currency. Wäre sie zu voll hier, so würden die Preise steigen, also der Export von Waren abnehmen. Ihr Import vom Ausland hierhin würde zunehmen. Die Imports über die Exports würden so steigen. Also ungünstige Handelsbilanz. Ungünstiger Wechselkurs. Klingende Münze würde ausgeführt werden, die Currency würde sich zusammenziehen, die Preise der Ware würden fallen, die Imports abnehmen, Geld wieder herfließen, kurz, die Situation in das alte Gleichgewicht kommen.
Beim umgekehrten Falle ebenso,mutatis mutandis.[4]
Moral davon: Da das Papiergeld die Bewegungen der metallischen Currency[5]nachahmen muß, da hier eine künstliche Regulation an die Stelle dessen treten muß, was im anderen Falle natürliches Gesetz ist, muß die Bank of England ihre Papier-[Noten-]Ausgaben vermehren, wenn das Bullion[6]einströmt (zum Beispiel durch Ankauf vongovernment securities,[7]Exchequer bills[8]usw.), und vermindern, wenn das Bullion abnimmt, durch Verminderung ihrer Diskontos oder Verkauf von Regierungspapieren. Ich behaupte nun, daß die Bank umgekehrt handeln muß, ihre Diskontenvermehren, wenn das Bullionabnimmt, und sie ihren gewöhnlichen Gang gehen muß, wenn es zunimmt. Unter Strafe, die Handelskrise, die im Anzug ist, unnötig zu intensieren. Indes darüberune autre fois.[9]
Was ich hier auseinandersetzen will, geht auf die Elementargrundlagen der Sache. Ich behaupte nämlich:Auch unter einer rein metallischen Currency hat das Quantum derselben, ihre Extension und Kontraktion nichts zu tun mit dem Aus- und Einfluß der edlen Metalle, mit der günstigen oder ungünstigen Handelsbilanz, mit dem günstigen oder ungünstigen Wechselkurs, außer in äußersten Fällen, die praktisch nie eintreten, aber theoretisch bestimmbar sind. Tooke stellt dieselbe Behauptung auf; ich habe aber keinen Beweis gefunden in seinerHistory of Pricesfür 1843 bis 1847.
Du siehst, die Sache ist wichtig. Erstens wird die ganze Zirkulationstheorie in ihrer Grundlage geleugnet. Zweitens wird gezeigt, wie der Verlauf von Krisen, so sehr dasKreditsystemeine Bedingung desselben ist, mit derCurrencynur insofern zu schaffen hat, als verrückte Einmischungen der Staatsgewalt in ihre Regelung die vorhandene Krise erschweren können, wie 1847.
Bei der folgenden Illustration zu bemerken, daß hier angenommen [ist]: DerEinflußvon Bullion hängt zusammen mit flottem Geschäft, noch nicht hohen, sondern steigenden Preisen, Überfluß von Kapital, Überschuß der Exports über die Imports. Der Ausfluß von Goldvice versa,[10]mutatis mutandis.[11]Nun, diese Voraussetzung haben die Leute, gegendie die Polemik gerichtet ist. Sie können nichts dagegen sagen. In der Wirklichkeit können 1001 Fälle eintreten, wo Gold ausfließt, obgleich in dem Lande, das es ausführt, die Preise der übrigen Waren weit niedriger stehen als in denen, wohin es Gold führt. Zum Beispiel dies der Fall für England 1809 bis 1811 und 1812 usw. Indes dieallgemeine Voraussetzungerstensin abstractorichtig, zweitens von den Currencykerls angenommen. Also hier einstweilen nicht zu debattieren.
Vorausgesetzt also, es herrscherein metallische Currency in England. Damit aber nicht vorausgesetzt, daß dasKreditsystemaufgehört hat. Die Bank von England würde sich vielmehr in eineDepositen- und Leihbankzugleich verwandeln. Nur würden ihre Ausleihen bloß in barem Gelde bestehen. Wollte man diese Voraussetzung nicht, so würde, was hier alsDepositen der Bank of Englanderscheint, alshoards[12]der Privatenerscheinen, und was als Ausleihe derselben, als Ausleihe der Privaten.Was hier also von den Deposits der Bank of Englandgesagt wird, [ist] nurEine Abkürzung, um den Prozeß nicht zersplittert, sondern auf Einenfocus[13]zusammengefaßt darzustellen.
Fall I.Influx[14]von Bullion. Hier die Sache sehr einfach. Viel unbeschäftigtes Kapital, also Zunehmen der Deposita. Um sie zu verwenden, würde die Bank ihrenZinsfußherabsetzen. Also Ausdehnung des Geschäftes im Lande. DieZirkulationwürde nur steigen, wenn das Geschäft so stiege, um vermehrte Currency zu seiner Führung nötig zu machen. Sonst würde die überflüssig ausgegebene Currency wieder in die Bank zurückströmen durch den Verfall der Wechsel usw. als Deposits usw. DieCurrencywirkt hier also nicht alsUrsache. Ihre Vermehrung schließlichFolgedes größeren in Aktion gesetzten Kapitals, nicht umgekehrt. (In dem angegebenen Falle würde also dienächsteFolgeWachsen der Deposits, das heißt des unbeschäftigten Kapitals sein, nicht der Zirkulation.)
Fall II. Hier fängt eigentlich die Sache an.Export von Bullionwird vorausgesetzt. Anfang einer Periode derpressure.[15]Wechselkurs ungünstig. Dabei mache schlechte Ernte usw. (oder auch Verteuerung der Rohmaterialien der Industrie) beständig größere Wareneinfuhr nötig.Gesetzt, die Rechnung der Bank of England stehe beim Beginn einer solchen Periode wie folgt:
a. Kapital14 500 000 £Government securities10 000 000 £Rest [Reserven]3 500 000 £Bills of Exchange12 000 000 £Deposits12 000 000 £Bullion or coin8 000 000 £————————————30 000 000 £30 000 000 £
Die Bank schuldet, da unter derVoraussetzungkeineNotenexistieren, nur die 12 MillionenDeposits. Nach ihrem Prinzip (die Deposits in Zirkulationsbanken [... unlesbar], nur den dritten Teil ihrer Zahlungsverpflichtungen in bar liegen haben zu müssen) ist ihr Bullion von 8 Millionen um die Hälfte zu groß. Um mehr Gewinn zu machen, setzt sie denZinsfuß herabund steigert ihrediscounts[16]zum Beispiel um 4 Millionen, die für Korn usw. ausgeführt werden. Die Rechnung der Bank steht dann so:
b. Kapital14 500 000 £Government securities10 000 000 £Rest3 500 000 £Bills of Exchange16 000 000 £Deposits12 000 000 £Bullion or coin4 000 000 £————————————30 000 000 £30 000 000 £
Aus dieserfigure[17]folgt:
Die Kaufleute agierenzuerstauf dieBullionreserve der Bank, sobald sieGoldausführen müssen. Dieses exportierte Goldvermindertihre Reserve (die der Bank), ohne im mindesten auf dieCurrencyzu wirken. Ob die 4 Millionen in ihren Kellern oder in einem Schiffe nach Hamburg liegen, istdasselbefür die Currency. Es zeigt sich endlich, daß ein bedeutenderdrainvon Bullion,[18]hier von 4 Millionen Pfund Sterling, stattfinden kann, der nicht im geringsten weder dieCurrencynoch das Geschäft des Landes im allgemeinen affiziert. Nämlich während der ganzen Periode, wo dieBullionreserve, diezu großgegen die Liabilities[19]war, nur auf ihredue proportion[20]zu denselben reduziert wird.
c. Nehmen wir aber an, daß die Umstände, die dendrain[21]der 4 Millionen nötig gemacht, fortdauern: Kornmangel, Steigen des Preises der Rohbaumwolle usw. Die Bank wird besorgt für ihre Sicherheit. Sieerhöht den Zinsfußund limitiert ihrediscounts.[22]Daherpressure[23]in der Handelswelt. Wie wirkt diesepressure? Es wirdauf dieDepositsder Bank gezogen, ihr Bullion sinkt verhältnismäßig. Sinken dieDepositsauf 9 Millionen, das heißt vermindern sie sich um 3 Millionen, so müßten dann 3 abgehen von der Bullionreserve der Bank. Diese würde also fallen (4 Millionen bis 3 Millionen) auf 1 Million gegen Deposits von 9 Millionen, Verhältnis, das gefährlich für die Bank würde. Will sie also ihre Bullionreserve auf dem dritten Teil der Deposits halten, so wird sie ihrediscountsum 2 Millionen verringern.
Die Rechnung wird dann so stehen: