Kapital14 500 000 £Government securities10 000 000 £Rest3 500 000 £Bills under discount14 000 000 £Deposits9 000 000 £Bullion or coin3 000 000 £————————————27 000 000 £27 000 000 £
Folgt hieraus: Sobald derdrainso groß wird, daß die Bullionreserve ihredue proportiongegen die Deposits erreicht hat, erhöht die Bank den Zinsfuß und vermindert diediscounts. Aber dann beginnt dieWirkung auf die Deposits, und infolge ihrer Verminderung vermindert sich die Reserve von Bullion, aber in größerem Verhältnis der Diskont von Bills.[24]DieCurrencywird nicht im geringsten affiziert. Ein Teil der entzogenen Bullion und Depositsfülltdas Vakuum,[25]das die Kontraktion der Bankakkomodation[26]in der inländischen Zirkulation erzeugt, ein anderer wandert ins Ausland.
d. Gesetzt der Import von Korn usw. dauere fort, die Deposits sänken auf 4 500 000, so würde die Bank, um die nötige Reserve gegen ihre Liabilities zu behalten, ihrediscountsum 3 Millionen noch reduzieren, und die Rechnung stünde wie folgt:
Kapital14 500 000 £Government securities10 000 000 £Rest3 500 000 £Bills under discount11 000 000 £Deposits4 500 000 £Bullion or coin1 500 000 £————————————22 500 000 £22 500 000 £
Die Bank hätte unter der Voraussetzung ihrediscountsvon 16 auf 11 Millionen, also um 5 Millionen reduziert. Der nötige Bedarf der Zirkulation ersetzt durch weggenommene Deposits. Aber gleichzeitig Mangel an Kapital, hoher Preis der Rohmaterialien, Abnahme der Nachfrage, also des Geschäftes, alsoschließlichder Zirkulation, der nötigenCurrency. Der überflüssige Teil derselben würde als Bullionins Ausland zur Zahlung des Imports geschickt. Die Currency wirdzuletztberührt, und sie würde erst über ihre notwendige Quantität hinausvermindert, wenn die Bullionreserve vermindert [ist] über das notwendigste Verhältnis zu den Deposits hinaus.
Zu dem Obigen noch zu bemerken:
1. Statt ihrediscountszu vermindern, könnte die Bank ihrepublic securitiesverklopfen, was unter der Voraussetzung unprofitlich wäre. Indes Resultat dasselbe. Statt ihre eigene Reserve unddiscountswürde sie die von Privatpersonen, die ihr Geld inpublic securitiesstecken, vermindern.
2. Ich habe hier einendrainauf die Bank von 6 500 000 Pfund vorausgesetzt. 1839 fand einer von 9 bis 10 Millionen Pfund statt.
3. Der vorausgesetzte Prozeß bei einer reinmetallic currency[27]kann wie beim Papier zum Schlusse mit der Kasse [?] fortgehen, wie dies zweimal in Hamburg im achtzehnten Jahrhundert geschehen.
Schreibe bald.
Dein K. M.
[1]Meine Ehe produktiver ist wie meine Erwerbstätigkeit.
[2]Theorie der Währung [beziehungsweise des Geldsystems].
[3]Allesamt.
[4]Nach Abänderung des zu Ändernden; das heißt gemäß den veränderten Bedingungen.
[5]Metallischen Umlaufsmittel.
[6]Barren Geldmetall.
[7]Vom Staate verbürgte Papiere.
[8]Schatzscheine.
[9]Ein anderes Mal.
[10]Ebenso umgekehrt.
[11]Gemäß den veränderten Bedingungen.
[12]Ersparnisse, Schatzansammlungen.
[13]Brennpunkt.
[14]Einstrom, Zufluß.
[15]Druck, Depression.
[16]Diskonten, Ankauf von Wechseln.
[17]Zahlenbild.
[18]Abzug von Geldmetall.
[19]Zahlungsverpflichtungen.
[20]Richtiges Verhältnis.
[21]Abfluß, Abzug.
[22]Beschränkt ihre Wechselankäufe.
[23]Gedrückte Lage.
[24]Wechsel.
[25]Leere.
[26]Zusammenschrumpfen der Ausgleichmittel der Banken.
[27]Metallische Währung.
Manchester, 5. Februar 1851.
Lieber Marx!
Inliegend das restierende eine Pfund von dem Atlas, das ich Dir leider nicht früher schicken konnte.
Sage Harney, wenn Du ihn siehst, daß er Ende der Woche von mir mindestens die erste Hälfte einer Reihe von Artikeln überContinental Democracy[1]bekommt – die Artikel so eingeteilt, daß jeder einzelne nicht mehr als 2 bis 21/2Kolumnen in seinem Friend of the People ausmacht. Ich werden unter dem obigen Vorwand die gesamte offizielle Demokratie beim Kragen nehmen und sie dem englischen Proletariat dadurch verdächtigen, daß ich sie, inklusive Mazzini, Ledru-Rollin usw., mit denfinancial Reformers[2]auf dieselbe Stufe stelle. Das europäische Komitee wirdcatch it nicely.[3]Die Herren werden einzeln durchgenommen werden, Mazzinis Schriften, Ledru-Rollins famose Heldentaten vom Februar bis Juni 1848, Herrn Ruge natürlich nicht zu vergessen. Den Italienern, Polen und Ungarn werde ich deutlich genug sagen, daß sie in allen modernenFragen den Mund zu halten haben. Das Ding mit dem Humbug, den Harney mit den Bettelbriefen der Mazzini und Konsorten treibt, wird zu arg, und da er sonst nicht zu bessern ist, so werde ich genötigt sein, die Albernheit dieser Kerls in seinem eigenen Blatt aufzudecken und den englischen Chartisten die Mysterien der kontinentalen Demokratie zu enthüllen. Ein ausführlicher polemischer Artikel hilft bei Harney immer mehr als alles Debattieren. Leider habe ich hier verflucht wenig Material.
Ich habe jetzt hierSarraus jeune, Lafayette et la révolution de Juillet.[4]Wüßte ich noch ein paar andere Quellen aufzutreiben, so könnte ich für unsere Revue einen Artikel über die Julirevolution nebst Fortsetzung bis zur Februarrevolution machen und dabei dieHistoire des dix ans[5]einer freundschaftlichen Kritik unterwerfen. DieseDix ans[6]stehen noch immer von den Weitergehenden unangegriffen da und bilden in Deutschland wie in Frankreich ein sehr bedeutendes Bildungselement in der ganzen revolutionären Partei. Ich glaube, es könnte gar nicht schaden, den Einfluß dieses Buches auf die gebührenden Grenzen zurückzuführen; bis jetzt ist es unattackierte Autorität.
Herr Russell, der feige Patron, hat sich wieder einmal glänzend blamiert. Erst speit er Feuer und Flammen gegen diepapal aggression.[7]Dann sieht er, daß die Manchestermen[8]sich absolut nicht in die Schmiere mischen wollen und accouchiert nun mit seiner heroischen Maßregel, den katholischen Bischöfen das Tragen englischer Titel verbieten zu wollen. Und dann die schöne Andeutung, die er durch Herrn Peto machen läßt, es sei zwar sehr wünschenswert gewesen, in dieser Session schon das Stimmrecht auszudehnen, aber da die Law-Reform diesmal vorkomme, so müsse man das Stimmrecht bis nächstes Jahr verschieben. Echte Whig-Musterlogik. Übrigens sind diemembres[9]sehr krittlig und unsicher, die Wahlen rücken heran, sie müssen liberale oder protektionistischeflourishes[10]machen, und wenn die Exhibition nicht gerade in die belebteste Zeit der sessionalengrande politique[11]fiele, so könnte es dem kleinen Männchen schlecht gehen. Und auch so –qui sait?[12]
Das tägliche politische Brot wird überhaupt immer trockener. Die schöne Position, in der sichla belle France[13]jetzt wohlgefällt, ist aucherbaulich. Es läßt sich übrigens nicht leugnen, daß die Herren Burggrafen mehr und mehr aufhören, die Repräsentanten der Bourgeoisfraktionen zu sein, oder besser, daß die Bourgeois sich von ihren alten legitimistischen und orleanistischen Chefs mehr und mehr trennen. Erstens die bedeutende Minorität für Baroche in der Sitzung, wo die Koalition ihn stürzte, und die auch aus sehr vielen Nichtbonapartisten, ehemaligen Orleanisten usw. bestand; dann die offenbare Stimmung der konservativen Bourgeoisieen masse,[14]die weit günstiger für den Napoleon ist wie früher. Die Masse dieser Kerls will jetzt unbedingt weder orleanistische noch legitimistische Restaurations-Intrigen;les solutions les embêtent,[15]und was sie wollen, ist der Schlendrian der präsidentiellen Gegenwart. Die Kerls sind weder royalistisch, noch republikanisch, noch imperialistisch, sondern präsidentiell; das schönste aber dabei ist, daß diese süße Unbestimmtheit nur möglich ist bei der Masse selbst, und daß jeder, der sich als offizieller Repräsentant dieser Richtung geltend machen wollte, doch binnen sechs Monaten wieder aus der Neutralität und in eine bestimmte royalistische oder imperialistische Fraktion getrieben würde. Übrigens habe ich hier von französischen Blättern nur die Débats und den Charivari, der einem indes hier wieder leider Gottes witzig vorzukommen anfängt,grâce à l’esprit exquis du peuple dans ces parages.[16]
Von einem stupiden ungarischen Flüchtling, der mir hier dieser Tage zwischen die Beine lief, hörte ich, daß diese edle Sorte wieder von Mordkonspirationen und Emeuten bei Gelegenheit dergreat Exhibition[17]faselt. Mir schien es fast, als vernähme ich aus diesem Gepolter die heroische Stimmung der Stürmer von London, Willich und Barthélemy. Man entrinnt übrigens den Geistern nicht: neulich redet mich ein Kerl auf der Straße an, und siehe, es war ein Greatwindmillstreet-Flüchtling, der in Liverpool eine Stelle hat. „Und nähme ich Flügel der Morgenröte und flöge ans äußerste Meer“, so würde ich der Bande nicht entrinnen.
Die hiesigen Freetrader benutzen die Prosperität oder Halbprosperität, um das Proletariat zu kaufen, und John Watts ist der Makler dabei. Du kennst den neuen Cobdenschen Plan: eine National Free School Association, um eine Bill durchzusetzen, wodurch dietownships[18]bevollmächtigt werden sollen, sich Lokalsteuern aufzulegen zur Errichtung von Schulen. Das Ding wird famos poussiert. In Salford ist außerdemschon eine Free Library und ein Museum eingerichtet – Leihbibliothek und Lesezimmer gratis. In Manchester ist die Hall of Science – und hier war Watts, wie der Herr Mayor von Manchester gnädigst anerkannte, wirklich der Makler – von einem Komitee aus dem Ertrag öffentlicher Sammlungen (zirka 7000 Pfund Sterling sind zusammen) aufgekauft und wird ebenfalls in eine Free Library verwandelt. Ende Juli soll die Geschichte – mit 14 000 Bändento begin with[19]– eröffnet werden. Alle Meetings und Versammlungen zu diesem Zwecke erschallen vom Lobe der Arbeiter, und speziell von dem des braven, bescheidenen, nützlichen Watts, der mit dem Bischof von Manchester jetzt auf dem besten Fuße steht. Ich freue mich schon auf den Ausbruch der Entrüstung über den Undank der Arbeiter, der beim erstenshock[20]von allen Seiten losplatzen wird.
Mein Herr Alter hat mir dieser Tage einen angenehmen Brief geschrieben, worin er den Wunsch ausspricht, daß ich auf unbestimmte Zeit, das heißt solange der Tuck mit den Ermens dauert (und das kann bis 1854 sein), hier bleibe. Mir natürlich sehr angenehm,s’il me paie bien mon ennui.[21]Ich lasse mir das natürlich nicht merken, bringe dem „Geschäft“ dies „Opfer“ und erkläre mich bereit, „die Entwicklung der Verhältnisse hier vorderhand abzuwarten“. Nächsten Sommer kommt er her, und ich werde ihm dann mich so unentbehrlich zu machen suchen, daß er auf alles eingehen muß.
Grüße Deine Frau und Kinder herzlich.
Dein F. E.
Particulars bei der Post Office Ordre[22]wie früher.
[1]Die festländische Demokratie.
[2]Finanzreformer. [So nannten sich die radikalen Freihändler, die neben den Schutzzöllen auch die meisten Finanzzölle abschaffen und durch Steuern auf Bodenwerte, Erbschaften usw. ersetzen wollten.]
[3]Es schön abbekommen.
[4]Lafayette und die Julirevolution.
[5]Geschichte der zehn Jahre. [Louis Blancs Buch über die Julirevolution und die ersten Regierungsjahre Louis Philipps.]
[6]Zehn Jahre.
[7]Angriffe des Papstes.
[8]Männer, Leute.
[9][Parlaments-]Mitglieder.
[10]Fahnenschwenken, Aufputzerei.
[11]Hohe Politik.
[12]Wer weiß?
[13]Das schöne Frankreich.
[14]In der Masse.
[15]Die Lösungen sind ihnen unbequem.
[16]Dank dem feinen Geiste des Volkes in diesem Landstrich.
[17]Große Ausstellung.
[18]Städteverwaltungen.
[19]Zum Anfang.
[20]Stoß, Auflehnung.
[21]Wenn er mir meine Langeweile gut bezahlt.
[22]Einzelheiten bei der Postanweisung.
10. Februar 1851.
Lieber Engels!
Als Du schriebst, es sei bald Zeit, den Louis Blanc anzugreifen, warst Du mindestens einclairvoyant.[1]
Nun horche auf folgende Geschichtserzählung:
Vor einigen Tagen, ungefähr einer Woche, begegnet mir Landolphe, und ich merkte an der verlegenen Art, worin er mich und meine Frau grüßte, daß etwas „faul“ war im Zustand unseresami chevaleresque, unseres Bayard von der Montagne.Eh bien![2]Landolphe und Louis Blanchaben sich mit dem KomiteeWillich-Schappervereint, ausdem Herr Adam ausgetreten ist! Und vierzehn Tage vorher schimpfte Landolphe noch weidlich über Barthélemy und erzählte ich ihm die Affäre der Herren Willich und Schapper.Qu’en dis-tu?[3]Mit keinem Worte haben die Biedermänner mich vorher unterrichtet.
Du stellst Dir leicht vor, wie Willich und Schapper in ihrer Vorstellung gewachsen sind und wie sie uns geschlagen wähnen!
Aber wir werden sie anders schlagen. Wir sind auf dem kürzesten Wege, den Unteroffizier und Zimmermann Willichverrückt,literaliter[4]verrückt zu machen.
Du erinnerst Dich des Briefes, den Schramm im Namen von Becker [in Köln] an Willich schrieb, worin er ihm die Militärdiktatur anbot, die Presse abschaffte und leichte Schlagschatten auf Schappers Moralität warf.
Eh bien!Willich ist in die Falle gegangen. Er hat Becker bombardiert mit Briefen, er hat auch schon einen Emissär zur Absendung bereit, hat sich ganz schon das herrische Wesen eines Cromwell II. angeeignet, ist auffahrend geworden, duldet keinen Widerspruch mehr und hat dem Becker den Auftrag gegeben, eine Revolution in Köln zu machen, wonach er sich bereit erklärt, die oberste Leitung zu übernehmen. Ich werde von Becker in einigen Tagen die Briefe von Willich erhalten und dann die Minen springen lassen.
Hier ganzer Schwarm von neuem demokratischen Gesindel, aus Brüssel vertriebene Franzosen, Heise aus Kassel, Oppenheim aus Brüssel, Günther aus Frankfurt usw. Von letzteren jedoch habe ich glücklicherweise keinen gesehen.
Du hast doch meinen letzten Brief erhalten?
Dein K. M.
[1]Hellseher.
[2]Ritterlicher Freund ... Bayard der Bergpartei. Wohlan.
[3]Was sagst Du dazu?
[4]Wörtlich.
[Ohne Monats- und Jahresangabe.] Mittwoch [undatiert].
Lieber Marx!
Ich finde eben Deinen Brief zu Hause und benutze gleich die heutige Post, Dir anzuzeigen, daß ich es Ende dieser oder spätestens Anfang nächster Woche möglich machen werde, Dir die 1 Pfund 10 Schilling für Landolphe zu schicken, damit diese jetzt nicht länger fortzuziehende Geschichte aus der Welt kommt.Notre ami[1]Landolphe hat sich abermals als ein altes Weib bewiesen, und die alberne Zwergseitelkeit dessuperklugen Louis Blanc entwickelt sich in einer Weise, die den erhabenen Knirps wirklich zum reinen Narren stempelt.C’est bien.[2]Man sieht mehr und mehr ein, daß die Emigration ein Institut ist, worin jeder notwendig ein Narr, ein Esel und ein gemeiner Schurke wird, der sich nicht ganz von ihr zurückzieht und dem die Stellung des unabhängigen Schriftstellers, der auch nach der sogenannten revolutionären Partei den Teufel fragt, nicht genügt. Es ist eine reineschool of scandal and of meanness,[3]worin der letzte Esel zum ersten Vaterlandsretter wird.
Harney kriegt heute drei Artikel, einleitungsweise, etwas weitläufig, hier und da mit einer gelinden Andeutung besäet. Was bei der Sache fatal ist, ist dies, daß man für die englischen Proletarier und das Publikum Harneys schwerlich den Ledru-Rollin und Komp. angreifen kann, ohne sich mit der Clique Willich-Barth[élemy] wenigstens zum Teil zu identifizieren. Es wird nichts übrigbleiben, als dieser Clique schließlich einige besondere Artikel zu widmen. Diese ersten drei Artikel enthalten noch nichts, sie sind mehr geschrieben um Harneys willen,to put him in the right track,[4]als zu irgend einem anderen Zwecke.
Die Geschichte mit Willich istimpayable.[5]Sorge nur, daß Du die Briefe erhältst.Ich möchte die sittliche Entrüstung sehen, wenn die Bombe platzt. Ihr scheint seit einiger Zeit wieder gute Kundschafter in der G. W. [Great Windmillstreet] zu haben,cela ne fait pas de mal[6]und verschafft wenigstens Erheiterung. Ich gestehe, ich hätte den Kerl kaum für so dumm gehalten. Er wird übrigens jetzt erst recht in hellen Flammen sein, seit die preußischen Ministerialblätter den Krieg gegen die Schweiz in Aussicht stellen, und die Gardereserven, wie ihnen auf der Parade mitgeteilt, gerade deswegen unter den Waffen erhalten werden. Die Regierungen der heiligen Allianz arbeiten wirklich diesen phantastischen Eseln in unverantwortlicher Weise in die Hände, und wenn Palmerston nicht wäre, so könnte die nächste „Emanzipation der allgemeinen Dummheit“ wirklich sechs Monate zu früh zur Welt kommen.
Deine neueste ökonomische Entdeckung unterliegt gegenwärtig meiner ernstlichsten Erwägung. Ich habe heute keine Zeit, mich weiter darauf einzulassen, die Sache scheint mir aber ganz richtig zu sein. Aber mit Zahlen ist nicht zu spaßen, und deshalb überlege ich das Ding genau.
Quelle bête que ce Louis Napoléon![7]Verkauft seine Wahlgesetzzweifel an die Versammlung und sich selbst an Montalembert für 1 800 000 Franken, die er schließlich doch nicht kriegt. Mit so einem Abenteurer ist doch gar nichts anzufangen. Läßt er sich vier Wochen von gescheiten Intriganten dirigieren, so muß er ganz gewiß in der fünften Woche alles Durchgesetzte auf die albernste Weise wieder zuschanden machen.Aut Caesar aut Clichy![8]
Neulich stifteten wir hier eine neueChartist Locality.[9]Diese Engländer sind innerhalb der demokratischen Formen viel gewissenloser als wir redlichen timiden Deutschen. Unser waren dreizehn, und es wurde sogleich beschlossen, einencouncil[10]zu wählen aus dreizehn Mitgliedern, nämlich den Anwesenden. Darauf schlug jeder einen der Anwesenden vor, und da ich natürlich dankte, jemand an meiner Stelle einen Abwesenden, und in weniger als fünf Minuten hatten sich die privaten Gentlemen in einencouncilverwandelt, und doch war jeder gewählt, und dies ergötzlicheproceeding passed off very seriously and as a matter of course.[11]Was aus der Geschichte wird, werde ich nächstens sehen. Für heute prosit
Dein F. E.
[1]Unser Freund.
[2]Das ist gut.
[3]Schule des Klatsches und der Niedertracht.
[4]Um ihn auf die rechte Fährte zu bringen.
[5]Unbezahlbar.
[6]Das schadet nichts.
[7]Was für ein [dummes] Tier, dieser Louis Napoleon.
[8]Entweder Cäsar [das heißt Kaiser] oder [ins Schuldgefängnis zu] Clichy.
[9]Chartistischer Ortsverein.
[10]Rat, Vorstand.
[11]Prozedur verlief in vollem Ernst und als eine selbstverständliche Geschichte.
11. Februar 1851.
Lieber Engels!
Iterum Crispinus![1]
Soeben erfahre ich, daß heute abend ein Meeting stattfand in Tottenham Court Road für den TodBems. Auf der Tribüne saßenPräsidentSchapper usw., Louis Blanc und die übrigen Mitglieder des neuen Völkerbundkomitees. Unter den vordersten Reihen des Auditoriums saß Harney mit Frau. Das Hauptgros desselben bildete die Great Windmillstreet. Schapper hielt mit Beifall, in englischer Sprache, seine unvermeidliche Rede:war to the knife![2]Louis Blanc sprach nicht besser.Vive la guerre![3]Tausenau auch zugegen, sprach über Bem. Harney hielt eine lange und, wie man sagt, gute Pauke, worin er schließlich Blanqui, Barbès und zu guter Letzt Louis Blanc als den sozialistischen Messias leben ließ.
Qu’en dis-tu?[4]
Wenn Du in einem Meeting, präsidiert von Th. Clark Esq., aufträtest und durch Deine Gegenwart und Deine Rede das Gewicht des Meetings eigentlich erst machtest, würde Freund Harney das für loyal halten?
Es genügt also nicht, daß er in seinem Friend of the People den Ruge poussiert, er muß indirekt auch noch die Schapper-Willich poussieren.
Er hatte mich vorigen Sonntag rufen lassen. Der Zweck war, Jones zu Annahme des Titels „Friend of the People“ zu bewegen. Ich bin nicht gegangen. Er mag sich zu diesem Zwecke an Louis Blanc, Landolphe, Schapper oder Willich wenden. Ich binfatigué[5]von diesem öffentlichen Weihrauch, womit Harney nicht müde wirdles petits grands hommes[6]einzuräuchern.
Abgesehen von diesem Inzidenz, daß auch DuBrute(Harney), wenn nicht Partei gegen uns nimmst, wenigstens den Unparteiischen spielst, während Engels für Dich in Manchester wirkt, Eccarius an Deinem Blatt schreibt, und ich gelegentlich den Jones für Dich bearbeite – abgesehen davon, gefällt mir sehr die öffentliche, authentische Isolation, worin wir zwei, Du [Engels] und ich, uns jetzt befinden. Sie entspricht ganz unserer Stellung und unseren Prinzipien. Das System wechselseitiger Konzessionen, aus Anstand geduldeter Halbheiten, und die Pflicht, vor dem Publikum seinen Teil Lächerlichkeit in der Partei mit all diesen Eseln [auf sich] zu nehmen, das hat jetzt aufgehört. Nun, auch auf diese Zeilen bitte ich Dich bald zu antworten. Ich komme hier fast nur mit Pieper zusammen und lebe ganz zurückgezogen. Du begreifst also, wie ich Dich um so mehr hier vermisse und das Bedürfnis habe, mich mit Dir auszusprechen.
Dein K. M.
[1]Krispin aufs neue.
[2]Kampf bis aufs Messer.
[3]Es lebe der Krieg.
[4]Was sagst Du dazu.
[5]Müde, satt.
[6]Kleinen Großhanse.
Donnerstag, 13. Februar 1851.
Lieber Marx!
Ich erwartete diese Geschichte wegen Harney ziemlich sicher. Ich fand die Anzeige des Bem-Meetings im Friend of the People, worin es hieß, daß sich die Deutschen, Franzosen, Polen und Ungarn, sowie diefraternal Democrats[1]dabei beteiligen würden, und daß die W(indmill)street und Komp. sein mußte, war klar. Ich vergaß, Dich früher auf diese Annonce aufmerksam zu machen. Es ist mir heute nicht möglich, etwasWeiteres in der Sache zu tun. Morgen aber schreibe ich einen Brief an Harney, der ihm anzeigt, daß er das Manuskript, das ich ihm geschickt habe, nicht drucken soll, da ich es nicht fortsetzen werde, und worin ich ihm zu gleicher Zeit die ganze Geschichte ausführlich auseinandersetze. Wenn dieser Brief nicht hilft, so muß man die ganze Sauce fallen lassen, bis Herr Harney von selbst wiederkommt, was sehr bald geschehen wird. Ich vermute sehr stark, daß er in kurzem herkommen wird, wo ich ihn gehörig zwischen nehmen werde. Er soll endlich merken, daß man auch mit ihm Ernst macht. Jedenfalls, um Zeit und doppeltes Schreiben zu ersparen, werde ich Dir den Brief schicken, und wenn Du ihn gelesen hast, laß ihn ihm so rasch wie möglich zukommen.
Persönlichärgert mich diese Albernheit und Taktlosigkeit von Harney mehr als irgend etwas anderes.Au fond[2]kommt auch darauf nichts an.
Wir haben jetzt endlich wieder einmal – seit langer Zeit zum erstenmal – Gelegenheit, zu zeigen, daß wir keine Popularität, keinensupport[3]von irgend einer Partei irgend welches Landes brauchen, und daß unsere Position von dergleichen Lumpereien total unabhängig ist. Wir sind von jetzt an nur noch für uns selbst verantwortlich, und wenn der Moment kommt, wo die Herren uns nötig haben, sind wir in der Lage, unsere eigenen Bedingungen diktieren zu können. Bis dahin haben wir wenigstens Ruhe. Freilich auch eine gewisse Einsamkeit –mon Dieu,[4]die habe ich hier in Manchester seit drei Monaten bereits genossen und mich daran gewöhnt, und dazu als reiner Junggeselle, was jedenfalls hier sehr langweilig ist. Wir können uns übrigens im Grunde nicht einmal sehr beklagen, daß diepetits grands hommes[5]uns scheuen; haben wir nicht seit soundso viel Jahren getan, als wären Krethi und Plethi unsere Partei, wo wir gar keine Partei hatten, und wo die Leute, die wir als zu unserer Partei gehörig rechneten, wenigstens offiziell, auch nicht die Anfangsgründe unserer Sachen verstanden? Wie passen Leute wie wir, die offizielle Stellungen fliehen wie die Pest, in eine „Partei“? Was soll uns, die wir auf die Popularität spucken, die wir an uns selbst irre werden, wenn wir populär zu werden anfangen, eine „Partei“? Wahrhaftig, es ist kein Verlust, wenn wir nicht mehr für den „richtigen und adäquaten Ausdruck“ der Bornierten gelten, mit denen uns die letzten Jahre zusammengeworfen hatten.
Eine Revolution ist ein reines Naturphänomen, das mehr nach physikalischen Gesetzen geleitet wird, als nach den Regeln, die in ordinären Zeiten die Entwicklung der Gesellschaft bestimmen. Oder vielmehr, diese Regeln nehmen in der Revolution einen viel physikalischeren Charakter an, die materielle Gewalt der Notwendigkeit tritt heftiger hervor. Und sowie man als der Repräsentant einer Partei auftritt, wird man in diesen Strudel der unaufhaltsamen Naturnotwendigkeit hineingerissen. Bloß dadurch, daß man sich independent hält, indem man derSachenach revolutionärer ist als die anderen, kann man wenigstens eine Zeitlang seine Selbständigkeit gegenüber diesem Strudel behalten, schließlich wird man freilich auch hineingerissen.
Diese Stellung können und müssen wir bei der nächsten Geschichte einnehmen. Nicht nur keine offizielleStaatsstellung, auch solange wie möglich keine offizielleParteistellung, kein Sitz in Komitees usw., keine Verantwortlichkeit für Esel, unbarmherzige Kritik für alle, und dazu jene Heiterkeit, die sämtliche Konspirationen von Schafsköpfen uns doch nicht nehmen werden. Und das können wir. Wir können der Sache nach immer revolutionärer sein als die Phrasenmacher, weil wir etwas gelernt haben und sie nicht, weil wir wissen, was wir wollen und sie nicht, undbecause, after what we have seen for the last three years, we shall take it a great deal more coolly than any one who has an interest in the business.[6]
Die Hauptsache für den Moment ist: die Möglichkeit, unsere Sachen zum Druck zu bringen; entweder in einer Vierteljahrsschrift, wo wir direkt attackieren und uns denPersonengegenüber unsere Position sichern; oder in dicken Büchern, wo wir dasselbe tun, ohne nötig zu haben, irgend eine dieser Spinnen auch nur zu erwähnen. Mir ist beides recht; auf die Dauer und bei der zunehmenden Reaktion scheint mir die Möglichkeit für ersteres abzunehmen und letzteres mehr und mehr unsere Ressource zu werden, worauf wir uns werfen müssen. Was wird aus allem Klatsch und Tratsch, den der gesamte Emigrationspöbel auf Deine Rechnung machen kann, wenn Du mit der Ökonomie darauf antwortest?
Morgen den Brief für Harney.En attendant salut.[7]
Dein F. E.
[1]Brüderliche Demokraten.
[2]Im Grunde.
[3]Unterstützung.
[4]Mein Gott.
[5]Die kleinen großen Leute [beziehungsweise Gernegroße].
[6]Weil wir nach dem, was wir in den letzten drei Jahren gesehen haben, die Sache viel kühler hinnehmen werden als irgend jemand, der bei der Geschichte persönlich interessiert ist.
[7]Inzwischen Gruß.
London, 23. Februar 1851.
Lieber Engels!
Du hast seit einer Woche keine Nachricht von mir erhalten, einmal weil ich die Dokumente von Köln erwartete und sie Dir mitteilen wollte, dann weil ich nähere Details über unseren „Exfriend“ abwarten mußte. Die ersteren sind noch nicht gekommen. Über letzteren bin ich jetzt näher instruiert.
Harney hat Deinen Brief richtig erhalten.
Nun zu unserem Dear [Harney]!
Er hat sich keineswegs begnügt, am Meeting der Leute teilzunehmen. Nein. Er hat ihr Bankett vom 24. Februar, was ohne ihn vollständig in den Sumpf gefallen wäre, zu einemLondoner Ereignisgemacht. Es sind schon tausend Karten verkauft zu dem Bankett, das in der City stattfindet. Harney hat dengrößten Teil der Kartenvertrieben, wie Jones mir vorgestern sagte. O’Connor, Reynolds, Hunderte von Chartisten nehmen teil. Harney hat sie zusammengetrieben. Er ist den ganzen Tagen route,[1]um die Orders von Louis Blanc auszuführen, wie Jones mir ebenfalls sagte.
Er hat sogar eine kleine Perfidie gegen Jones begangen, indem er ihn das Manifest von Louis Blanc und Komp. übersetzen ließ und ihn dann fragte, ob er etwas dagegen habe, daß er als Übersetzer genannt werde? Es war dies am Mittwoch. Er hatte also schon Deinen Brief, von dem er kein Wort gegen Jones fallen ließ. Jones sah in seiner Frage also bloß einen Appell an seine eigene „sozialistische“ Gesinnung – und sagte natürlich, er habe nichts dagegen.
Jones erklärte mir, auf meine Erörterungen hin werde er wahrscheinlich, er könne es nicht gewiß sagen, sich von dem Bankett enthalten. Was seine Entscheidung schwankend machte, ist sehr rationell. Kommt er nicht, so verliert er an Popularität, da, dank dem Dear, dies Bankett zu einer Chartistenangelegenheit geworden ist. Er fürchtet zugleich, Reynolds möge hinter seinem Rücken intrigieren.
Jones mißbilligt das Betragen des Dear, den ich nicht „wiedergesehen“. Er suchte es damit zu entschuldigen, daß die Chartisten, wenn sie an keinem der beiden Banketts teilnehmen, der politischen Apathie oder Antipathiegegen die ausländischen Revolutionäre beschuldigt würden. Ich habe ihm geantwortet: so hätte[n] Harney usw. ein Chartistenmeeting zur Feier des unvermeidlichen 24. Februar abhalten sollen, statt sich zum Piedestal für einen Zwerg zu machen und für ein Halbdutzend Kamele, einen Zwerg, der den Harney nie anders als „bravegarçon“[2]tituliert, und der, wenn morgen eine Bewegung in London ausbricht, nach einem Jahre oder nach zwanzig Jahren aktenstücklich beweisen wird, daß er diesepauvres Anglais dans la route du progrès[3]geworfen hat, und dies [?] liegt zwischen 1688 und dem 24. Februar 1851, wo Louis Blanc ganz London ebenso nach sich rufen hörte, wie damals die 50 000 Arbeiter im Hofe der Réforme, der nicht 50 Mann faßt. Und wieviel falsche Tränen wird er zu Papier bringen über dies noch nie dagewesene Ereignis!
Harney hat sich in diese Geschichte hereingeritten einmal aus dem Bewunderungstrieb für offizielle große Männer, den wir schon früher oft verlacht haben. Dann liebt er die theatralischen Effektstücke. Er ist unbedingt gefallsüchtig, ich will nicht sagenvaniteux.[4]Er ist selbst unstreitig tief von der Phrase beherrscht und entwickelt sehr reichhaltige pathetische Gase. Steht tiefer im demokratischen Dreck, als er Wort haben will. Er hat einen doppeltenspirit[5], einen, den ihm Friedrich Engels gemacht hat, und einen, der ihm leibeigen ist. Der erstere ist eine Art Zwangsjacke für ihn. Der letztere ist er selbstin puris naturalibus.[6]
Was diesem Meeting noch besonderes Gewicht gibt, ist die Aufregung, die in London herrscht infolge Abtritts deslittleJohnny[7]und desavènementvon Stanley-d’Israeli.[8]
Die Frenchmen[9]fürchten nichts mehr als eine allgemeine Amnestie. Sie würde sämtlichen hiesigen Bretterhelden den Nimbus rauben.
A. Ruge hat versucht, mit Struve, Kinkel, Schramm, Bucher usw. einen „Volksfreund“ oder, wie unser Gustav [Struve] wollte, einen „Deutschen Zuschauer“ zustande zu bringen. In den Sumpf gefallen. Teils wollten die anderen das Protektorat Winkelrieds [Ruges] nicht, teils, wie der „gemütliche“ Kinkel, verlangten sie bare Zahlung,ce qui ne fait pas le compte de Mr. Ruge.[10]
K. Heinzen ist Chefredakteur der bankrotten New Yorker Schnellpost und hat eine schaurige Polemik mit Weitling eröffnet.
Du wirst sehr wohltun, einmal und bald an den Nathan [Roten] Becker in New York zu schreiben und ihnsur l’état actuel des choses[11]zu unterrichten.
Einliegend ein Brief von Dronke. Schicke ihn mir umgehend zurück; wenn Du selbst dazu schreiben willst,tant mieux.[12]
Durch Deine Sendung hast Du mir einen großen Dienst getan.
Einiges über die französische Literatur von 1830 bis 1848 in meinem nächsten Briefe.
Schreibe mir auch, ob meine Rechnung richtig ist.
Dein K. M.
Übrigens muß man jetzt – denn der Dear wird wiederzukommen suchen, sobald er die Haupt- und Staatsaktion hinter sich hat – ihn sehr vornehm traktieren und ihn fühlen lassen, daß er „verloren“ hat.
Apropos. Harney hat sich in eine Chartistendeputation nach der Churchstreet wählen lassen, wo er zuerst sein Entree machen wird, um dann nach der City zu gehen, wo er sich häuslich niederlassen wird. Daß er übrigens die Sache nicht aus Naivität getan, geht schon daraus hervor, daß er alleshinter meinem Rückenmit dem„bel“ hommebetrieb undDirebenfallsnichtsmitgeteilt [hat].
[1]Unterwegs.
[2]Braver Junge.
[3]In die Bahn des Fortschritts.
[4]Eingebildet.
[5]Geist.
[6]In reiner Nacktheit.
[7]Kleiner John [Russell].
[8]Aufrücken von Stanley-d’Israeli.
[9]Franzosen.
[10]Was nicht in die Rechnung des Herrn Ruge paßt.
[11]Gegenwärtiger Stand der Dinge.
[12]Um so besser.
28 Deanstreet, Soho, 24. Februar 1851.
Lieber Engels!
Es ist jetzt ein Uhr nachts. Vor einer Stunde ungefähr stürzt Pieper hier herein, ohne Hut, zerzaust, zerrissen. Die Sache verhält sich wie folgt.
Heute abend fand das Meeting oder Bankett in der City statt.Willich präsidierte. Jones war seinem Versprechen gemäß nicht hingegangen. Unser Dear trug ein rotes Bändchen. Anwesend an 700 Mann, 150 Franzosen ungefähr, 250 Deutsche, 200 Chartisten und der Rest Polen und Ungarn. Blanc las die ihm von seinen Gebrüdern [?] aus Paris zugekommenen Adressen ab. Willich eine aus La Chaux de Fonds. Aus Deutschland hatten sie keine. Außerdem wurde eine Adresse von Polen aus Paris verlesen.
Die Reden sollen spottschlecht gewesen sein, überhaupt trotz allerfraternitéder Tau der Langeweile auf den Gesichtern und an den Zungen geklebt haben.
Schramm und Pieper hatten Karten gelöst, um sich den Ulk anzusehen. Sie wurden von vornherein molestiert. Schramm ging zu einem der Ordnungshalter, dem braven chevaleresken Landolphe, und ersuchte ihn, ihnen für ihr Geld wenigstens Ruhe zu verschaffen. Der Brave erwiderte, es sei nicht der Ort, hier auf Auseinandersetzungen einzugehen.
By and by[1]dauerte es den Great Windmillstreetern zu lange. Sie riefen: „spy, spy“,[2][unlesbar] und nun wurden Schramm und Pieper aus dem Saale herausgeprügelt, ihre Hüte zerrissen und vor dem Saale im Hofe mit Füßen getreten, gestampft, geohrfeigt, beinahe in Stücke zerrissen, Haarbüschel ihnen ausgerissen usw. Barthélemy kommt hinzu und sagt von Schramm:C’est un infâme! Il faut l’écraser.[3]Schramm erwidert:Vous êtes un forçat libéré.[4]
An der Keilerei nahmen an 200 Subjekte teil, Deutsche, Franzosen und die Herrenfraternalsnicht minder „tapfer“ gegen zwei Unbewaffnete.
Post festumläßt sich der Dear [Harney] sehen, und statt energisch aufzutreten, wie es sich gebührte, stottert er, daß er die Leute kennt und will sich auf lange Expositionen einlassen. Natürlich schönes Mittel in solchem Moment.
Die beiden haben sich löwenmütig verteidigt.
Die Windmiller schrien: Der hat unserer Kasse 19 Schilling gestohlen.
Soviel für heute.Qu’en dis-tu, mon cher?[5]Wenn morgen eine Revolution in London ausbricht, werden Willich-Barthélemy unfehlbar zur Herrschaft kommen.
Dein K. M.
[1]Nach und nach, mit der Zeit.
[2]Spion, Spion.
[3]Das ist ein Schandbube, man muß ihn zertreten.
[4]Sie sind ein entlassener Sträfling.
[5]Was sagst Du dazu, mein Lieber.
[Ohne Jahresangabe.] Dienstag, 25. Februar [1851].
Lieber Marx!
Gestern vor acht Tagen schickte ich Dir einen Brief für Harney und habe seitdem keine Antwort von Dir, was mich einigermaßen in Verlegenheit setzen könnte, wenn ein Brief von Harney, der jeden Tag ankommen kann, rasche Beantwortung erfordern sollte, oder wenn die Unterhandlungen der hiesigen neuen Chartistenclique, wegen eines Besuchs Harneys hier, zum Ziele führten und er mir eines schönen Morgens auf die Kneipe gerückt käme. Ich hoffe, daß Du alles richtig erhalten hast und daß es nicht Unwohlsein ist, was Dich vom Schreiben abhält.Vielleicht sagt Dir der Brief nicht zu oder die Manier, mit der ich ohne weitere Beratung mit Dir sofort auf eigene Faust handelte. Aber gerade deswegen schickte ich ihn Dir ja, und hattest Du etwas auszusetzen, so war nichts einfacher, als dem Harney einfach sagen zu lassen, er solle vorderhand meinen Artikel nicht drucken lassen, und mir den Brief zurückzuschicken nebst Glossen,which you know would have had all due attention.[1]
Jedenfalls bin ich Dir noch seit längerer Zeit die Antwort auf die Currency-Geschichte[2]schuldig. Die Sache selbst ist meiner Ansicht nach ganz richtig und wird sehr dazu beitragen, die verrückte Zirkulationstheorie auf einfache und klarefundamental facts[3]zu reduzieren. Über die Ausführung in Deinem Brief finde ich nur folgendes zu bemerken:
1. Gesetzt, im Anfang derperiod of pressure[4]stände die Rechnung der Bank of England, wie Du sagst, 12 000 000 Pfund Deposits[5]und 8 Millionen Bullion oder Coin.[6]Um die überflüssigen 4 Millionen Bullion loszuwerden, läßt Du sie den Diskontosatz herabsetzen. Ich glaube, daß sie das nicht zu tun brauchte, und soviel ich mich erinnere, ist die Herabsetzung des Diskontosatzes im Anfang derpressurebisher nie vorgekommen. Meiner Ansicht nach würde diepressuresofort auf die Deposits wirken und sehr bald nicht nur das Gleichgewicht zwischen Bullion und Deposits herstellen, sondern die Bank zwingen, den Diskontosatz zu erhöhen, damit das Bullion nicht unter ein Drittel der Deposits sinkt. In demselben Maße, wie diepressurezunimmt, stockt auch die Zirkulation des Kapitals, der Umsatz der Waren. Die einmal trassierten[7]Wechsel verfallen aber und wollen bezahlt sein. Daher muß das Reservekapital – die Deposits – in Bewegung gesetzt werden – Du verstehst, nichtquaCurrency, sondernquaKapital, und so wird der einfacheDrain of Bullion[8]nebst derpressurevon selbst hinreichen, die Bank von ihrem überflüssigen Bullion zu befreien. Dazu ist nicht nötig, daß die Bank ihren Zinsfuß unter Verhältnissen herabsetzt, die den allgemeinen Zinsfuß im ganzen Lande gleichzeitig steigern.
2. In einer Periode der wachsendenpressurewürde, wie ich glaube, die Bank in demselben Maße das Verhältnis des Bullion zu den Depositssteigern müssen (um nicht in Verlegenheit zu kommen), in welchem diepressurezunimmt. Die vier überzähligen Millionen würden ihr ein gefundenes Fressen sein, und sie würde sie so langsam ausgeben wie nur möglich. Bei steigenderpressurewürde, unter Deinen Voraussetzungen, ein Verhältnis des Bullion zu den Deposits wie2/5: 1,1/2: 1 und selbst3/5: 1 durchaus nicht übertrieben sein, und um so leichter durchzuführen, als mit der Abnahme der Deposits auch die Bullionreserve absolut abnehmen, wenn auch relativ zunehmen würde. Derrun[9]auf die Bank ist hier ebenso möglich wie beim Papiergeld und kann durch ganz gewöhnliche Handelsverhältnisse herbeigeführt werden, ohne daß der Kredit der Bank erschüttert wäre.
3. „Die Currency wirdzuletztberührt,“ sagst Du. Deine eigenen Voraussetzungen, daß sie infolge des stockenden Geschäftes berührt wird und dann natürlich weniger Currency nötig ist, führen zu dem Schlusse, daß die Currency sich gleichzeitig mit der Aktivität des Commerces vermindert und ein Teil derselben überflüssig wird in dem Maße, wie diepressuresteigt.Fühlbarwird sie freilich erst am Ende, bei hoherpressure, vermindert; aber im ganzen geht doch dieser Prozeß vom Beginn derpressurean vor sich, wenn er sich auch nicht tatsächlich im einzelnen nachweisen läßt. Aber insofern, als diessuperseding[10]eines Teiles der CurrencyFolgeder übrigen kommerziellen Verhältnisse, der von der Currency unabhängigenpressureist, und alle anderen Waren und Handelsverhältnissevorihr davon betroffen werden, und ebenfalls insofern diese Abnahme bei der Currency zuletztpraktischfühlbar wird, insofern wird sie allerdings zuletzt von der Krise berührt.