Chapter 22

Diese Glossen, wie Du siehst, beschränken sich rein auf Deinenmodus illustrandi;[11]die Sache selbst ist vollständig in Ordnung.

Dein F. E.

[1]Denen, wie Du weißt, alle gebührende Beachtung zuteil geworden wäre.

[2]Currency = Umlaufsmittel, Geldwährung.

[3]Grundlegende Tatsachen.

[4]Periode des [Geschäfts-]Drucks.

[5]Einlagen, Einzahlungen.

[6]Bullion = ungemünztes Geldmetall, Coin = Metallgeld.

[7]Gezogenen.

[8]Abfluß von Geldmetall.

[9]Ansturm.

[10]Verdrängung.

[11]Art der Veranschaulichung.

Mittwoch, 26. Februar 1851.

Lieber Marx!

Dein Brief vom 23., gestempelt 25., kam mir heute morgen zu. Adressiere in Zukunft immer an mich,care of Messrs.Ermen & Engels, Manchester. Die Briefe kommen mir sicherer zu und rascher, da ich oft unregelmäßig nach Hause komme und die Postbeamten ohnehin zuweilen die nach meiner Wohnung adressierten Briefe mir ins Comptoir zuschicken,wo ich jedenfalls einmal per Tag bin. Benutze womöglich die erste Londoner Abendpost – bis 6 von Charing Croß, oder bis1/26 in den kleinen Bureaus, die Briefe sind dann sicher den nächsten Morgen um 10 Uhr auf dem Comptoir.

Den Brief von Dronke hast Du vergessen beizuschließen. Schicke ihn mir bald, ich möchte ihm schreiben, speziell um die Korrespondenz mit Lupus wieder anzuknüpfen, von dem ich gar nicht mehr weiß, wo er ist, da ich auf alle meine Briefe keine Antwort erhalte. Wenn Du vorziehen solltest, das Porto für auswärtige Briefe sowie die Frankatur nicht zu tragen, so schicke sie mir zu oder lasse sie an mich adressieren, ich werde es der Firma zuschieben.

Der Constitutionnel sagt, D’Ester sei aus der Schweiz ausgewiesen und habe sie bereits verlassen –en sais-tu quelque chose?[1]

Dein Atlas ist gerettet. Ich habe mich schließlich geweigert, ihn zu verkaufen, und behalte ihn einstweilen hier, da ich ihn sehr brauche, ich lese jetzt die Geschichte des Consulats und Empire in französischen und englischen Historikern, speziell militärisch. Das Beste, was ich bis jetzt in dieserline[2]gefunden habe, ist W. P. Napiers (jetzt General)History of the war in the Peninsula.[3]Der Kerl hat seine Marotten wie alle Napiers, aber daneben enorm vielcommon sense[4]und, was mehr ist, einen sehr richtigen Blick in Beurteilung des militärischen und administrativen Genies Napoleons. Ein Franzose wäre rein inkapabel, so ein Buch zu schreiben. Der Thiers steht, was historische Zuverlässigkeit und selbst richtige Beurteilung angeht, nicht die Laus höher als der elende Tory Southey,poet laureate[5]selig, der auch eine Schimpf- und Rodomontiergeschichte des spanischen Kriegs geschrieben hat. Napier streicht nur seinen Obergeneral Wellington zu sehr heraus, doch bin ich noch nicht weit genug in der Darstellung avanciert, um definitiv darüber urteilen zu können.

Die Mitteilungen über diecitoyens[6]Louis Blanc und Harney werde ich mirad notamnehmen. Von letzterem habe ich noch nichts gehört. Er muß es übrigens jedenfalls zu fühlen bekommen, wenn er sich wieder meldet. Was den kleinen Blanc angeht, so könnte es nicht schaden, wenn wir bei nächster Gelegenheit einmal seineœuvres complètes[7]vornähmen – Du dieOrganisationdu travailund dieHistoire de la Révolution,[8]ich dieDix ans, sauf à critiquer ensemble l’Association du travail mise en pratique après Février, et les „Pages d’histoire“.[9]Ostern komme ich nach London, und da ließe sich schon einiges machen. Die Sachen selbst wären in belgischem Nachdruck hier wohlfeil zu haben. Da mir mein Manöver mit meinem Alten vollständig gelungen ist, wenigstens bis jetzt, so kann ich mich hier definitiv häuslich niederlassen und werde mir ohnehin von Brüssel meine Bücher kommen lassen. Wenn Du Dir vielleicht von Köln einiges kommen zu lassen hast, so lasse mich’s wissen, ich schreibe dieser Tage an Daniels wegen meiner Sachen, und wir können es dann in einem Paket machen lassen.NB.Alles, nur keine englischen, auf dem Kontinent nachgedruckten Bücher. Die Entwicklung der Geschichte mit meinem Alten und das neue Manöver, das ich anspinnen mußte, einerseits, um meine Unentbehrlichkeit hier zu verlängern, und zweitens, um mich vor zu großer Überbeschäftigung auf dem Comptoir zu schützen, erzähle ich Dir mündlich, in sechs Wochen ist ohnehin Ostern, und die Sache ist umständlich. So viel ist gewiß, daß mein Alter mir das alles schon in bar bezahlen soll, besonders wenn er erst hier gewesen ist und ich ihn noch mehr hereingeritten habe. Die Schwierigkeit ist die: eine offizielle Stellung als Repräsentant meines Alten den Ermens gegenüber zu bekommen und doch innerhalb der hiesigen Firmakeineoffizielle Stellung mit Verpflichtung zum Arbeiten und mit Salär von der Firma zu haben. Ich hoffe es aber durchzuführen, meine Geschäftsbriefe haben meinen Altenenchantiert,[10]und er rechnet mir mein Hierbleiben als ein großes Opfer an.Ceci me vaut, ou me vaudra sous peu, £ 5 additionnelles par mois, sauf additions futures.[11]

Dein F. E.

Vergiß nicht, mir zur Ergötzung in meiner Einsamkeit die Kölner Witze zu schicken, sobald Du sie hast und gelesen hast.

[1]Weißt Du etwas darüber?

[2]Richtung, Gebiet.

[3]Geschichte des Krieges auf der Halbinsel [Spanien und Portugal].

[4]Gesunden Menschenverstand.

[5]Preisgekrönter Dichter [Hofdichter].

[6]Bürger.

[7]Sämtliche Werke.

[8]„Organisation der Arbeit“ und „Geschichte der [großen französischen] Revolution“.

[9][Geschichte der] „Zehn Jahre“, neben gemeinschaftlicher Kritik der [Art, wie die] „Organisation der Arbeit“ nach dem Februar [1848] in die Praxis übersetzt wurde, und der [Schrift] „Seiten aus der Geschichte“.

[10]Entzückt.

[11]Das bedeutet für mich oder wird in kurzem für mich bedeuten fünf Pfund Zulage den Monat, vorbehaltlich späterer Zulagen.

26. Februar 1851.

Lieber Engels!

Ich habe Dir in den Briefen von Pieper und Schramm die Tatsachen von den Beteiligten selbst erzählen lassen. Du wirst Dir so am bestenein eigenes Urteil bilden. Unbegreiflichelâcheté[1]von seiten der 200fraternal murderers, die ihren revolutionären Tatendrang an zwei einzelnen auslassen, unbegreiflichelâchetédes Dear, des Landolphe, des Louis Blanc usw., ruhig zuzusehen und ihre fraternellen Phrasen zu memorieren.

Eins noch aus der Unterredung Schramms mit Harney: Harney hob hervor, daß Schapper ein „langjähriger Bekannter“ von ihm sei und, während wir in Brüssel gewesen, in sehr intimem Verhältnis mit ihm gestanden.

Apropos. Denganzen Rapportüber das Meeting hatten die Herren Louis Blanc und Konsortenschon den Tag vorheran ein Pariser Blatt abgeschickt.

Die gerichtliche Prozedur würde Louis Blanc ruinieren. Du denkst Dir, welches Fressen für die Times, namentlich daBarthélemy, dergalérien, dermeurtrier[2]usw., als Angeklagter undprovocateur à l’assassinat[3]erscheinen würde. Barthélemy sagte nämlich mitten in der Keilszene, auf Schramm zeigend: „C’est un infâme, il faut l’écraser.“[4]– Das Gerichtliche hat nurdenschlimmen Effekt: Harneys und Jones’ projektiertes Blatt ist Klatsch, Harney und die Fraternals sind Klatsch, die Times wird jubilieren, Pieper wird seine Stelle verlieren (er ist nobel genug, nichts danach zu fragen) und Schramm usw. werden schließlich doch die gesamten Chartisten auf den Hals brechen.Que faire?[5]Ich werde morgen mit Jones darüber sprechen. Freund Harney scheint sich mit Schapper darauf zu verlassen, daß die Sache ruhig vorübergeht. Er hat es daher nicht der Mühe wert gehalten, die nötigensteps[6]uns gegenüber zu tun und die nötigen Konzessionen zu machen. Der Esel erschwert so die Situation. Ungerochen kann man diesen Dreck doch nicht vorübergehen lassen.

Wenn Harney Dir schreibt, nimm Dich nur vor einem in acht. Du hast in Deinem Brief zu sehr verweilt auf der theoretischen Kritik Ledru-Rollins und Louis Blancs. Harney macht jetzt, als verlangten wir, daß er unserequeue[7]bilden solle. Es ist ihm vor allem vorzuhalten:

1. daß es sichganz alleinhandelt um sein Verhältnis zu Schapper und Willich, indem er unseren direkten persönlichen hundskommunen Feindensich alsAnhangkonstituiert hat und, so viel Gewicht er hat, für sie gegen uns in die Wagschale vor Deutschland geworfen. Und hatte er nichtmit uns schriftlichdie Verbindung mit Vidil, mit Barthélemy und mit Willich abgebrochen? Und wie konnte er sie aufnehmen ohne uns,hinter unserem Rückenundwiderunseren Willen! Wenn das fair ist, so begreife ich es nicht.

2. Er hatuns verleugnet, indem ernachdem Vorfall mit Schramm und Pieper nicht sofort öffentlich in dem Meeting eine Revanche gab und dann sich sofort zurückzog. Statt dessen tut er bei seinen Freunden alles, um die Sache irrelevant darzustellen.

Einliegend den Brief von Dronke. Du wirst ihm ausführlich die ganze Schmiere, das Neueste eingeschlossen, schreiben. Ich habe eine Masse nach Köln, Hamburg usw. zu schreiben.

Wenn heute der Brief nicht frankiert ist, mußt Du entschuldigen. Es ist zu spät, nachstamps[8]auszugehen, und es ist notwendig, daß der Brief noch heute abend auf die Post kommt.

Dein K. Marx.

[1]Feigheit.

[2]Der Galeerensträfling, der Mörder.

[3]Aufreizer zum Mord.

[4]Das ist ein Schandbube, man muß ihn zertreten.

[5]Was ist zu tun?

[6]Schritte.

[7]Schwanz, Anhang.

[8]Briefmarken.

[Undatiert, jedenfalls 26. Februar 1851.]

Lieber Marx!

Soeben finde ich Deinen zweiten Brief vor. Ich habe sofort einen zweiten an Harney geschrieben; wenn Du ihn billigst, laß ihn ihm gleich zukommen. Diese Schweinerei ist zu arg, und er muß es fühlen. Wenn er sich mit den anderen assoziiert,tant pis pour lui, I care the devil.[1]

Nachts 1 Uhr. Mittwoch.

Dein F. E.

Ich habe keinestamps,[2]und da ich den Brief jetzt noch zur Post trage, kann ich ihn nicht mehr frankieren.

[1]Um so schlimmer für ihn, ich frage den Teufel nach ihm.

[2]Briefmarken.

Donnerstag, 27. Februar 1851.

Lieber Marx!

Gestern abend 12 Uhr, als ich nach Hause kam und Deinen Brief mit der Erzählung der Infamie gegen Schramm und Pieper vorfand, schickte ich Dir sofort einen Brief für Harney. Du wirst diesem Brief, der unsicheren Handschrift, der pathetischen Entrüstung, dem polternden und stolpernden Gedankengang und der nicht sehr großen Harmonie desGanzen angesehen haben, daß er unter dem Einfluß einiger Gläser starken Rumpunsches abgefaßt war, die ich den Abend ausnahmsweise zu mir genommen hatte, und ihn daher nicht abgeschickt haben.In fact,[1]ich war so wütend, daß ich nicht hätte zu Bett gehen können, ohne ihn abzuschicken, und so rannte ich, mehr um mich selbst zu beruhigen, als in der Absicht, dem Harney meine Meinung schleunigst zukommen zu lassen, noch um 1 Uhr auf die Post. Du wirst den Brief heute gegen Mittag bekommen haben, und da heute vor Abend keine Post ist, so war es mir unmöglich, einen zweiten Brief vor dem gegenwärtigen abzuschicken. Ich schließe Dir nun einen verbesserten Brief an Harney bei, den Du ihm zustellen willst, wenn Du, wie ich hoffe, den ersten noch nicht spediert hast.

Briefe adressiere mir zukünftig wie folgt:

1. Alle Briefe, die Du vor 6 Uhr abends auf das Charing Croß Office, oder vor1/26 auf die Nebenbureaus besorgst, aufs Kontor (Ermen & Engels). Ich habe sie dann morgens um 10.

2. Alle Briefe, die Dunach6 Uhr abends noch aufgibst, nach Great Duciestreet. Ich habe sie dann nächsten Abend um 6 Uhr, während ich sie auf dem Comptoir erst den [über]nächsten Morgen haben würde.

Hühnerb[ein] schrieb mir dieser Tage. Mirbach ist glücklich durchgebrannt und geht von Paris [mit] seiner Frau nach Athen.

Dein F. E.

[1]In der Tat.

Freitag 28. Februar 1851.

Lieber Marx!

Heute morgen erst kam Dein Brief von vorgestern an. Hätte ich diese Details alle schon gestern gehabt, ich hätte demdear[1]Harney noch ganz anders geschrieben. Aber er wird mir schon kommen, und da werd’ ich’s ihm geben.

Eine gerichtliche Verfolgung dieser Geschichte ernstlich einzuleiten, könnte, glaube ich, nicht viel nutzen. Abgesehen von Harney und Jones und den Chartisten, würde die Geschichte auf gegenseitige Rekriminationen und Anschuldigungen hinauslaufen. Mit Hilfe des ersten besten Advokaten würden die anderen den Schramm und Pieper die unverschämtesten Fragen vorlegen lassen, zum Beispiel, ob Schramm nicht Kassengelder der Great W[indmillstreet] gestohlen usw. usw., die hinreichen würden, um allen Effekt zu verderben, so energisch sie auch zurückgewiesen würden.Die Gegenzeugen würden schwören, Schramm habe das und das gesagt, sie würden auf einige Great Windmillszenen Schramms zurückkommen und diese ins Kolossale übertreiben, um Schramm als einendisturber of public meetings[2]darzustellen usw., und dermagistrate,[3]zu glücklich, diedemagogues[4]sich gegenseitig als Schufte traktieren zu sehen, würde alles zulassen, was auf beide Parteien kompromittierenden Schein werfen könnte. – – –

Und dann wäre die sichere Folge eines solchen Skandals die Einführung einer neuen Fremdenbill, zum Schutz der honetten Reaktionäre, die vom Kontinent für die Exhibition kommen.

Gerade Postzeit. Adieu!

Dein F. E.

[1]Lieben, teuren.

[2]Störer öffentlicher Versammlungen.

[3]Polizeirichter.

[4]Demagogen, Volksaufwiegler.

Samstag, 1. März 1851.

Lieber Engels!

Du mußt ganz absonderliche Postgäule besitzen, da alle meine Briefe zu spät kommen. – – –

Deine sämtlichen Befürchtungen wegen Skandal richtig. Aber man wird einen scharfen Advokaten auch seinerseits haben. Etwas mehr oder weniger Verruf kann dem Schramm ganz gleichgültig sein. Läßt er aber die Sache auf sich beruhen, jetzt, nachdem die Franzosen der Churchstreet sich darin eingemischt, so ist erperdu,[1]wenn er nicht entweder seine öffentliche Satisfaktion von den Chartisten erhält oder wenn er die Sache nicht vor Gericht bringt. Eins von beidem.

Jones, wie ich Dir geschrieben, war nicht auf dem Meeting vom Montag. Ich hatte mit ihm eine Zusammenkunft in meinem Hause verabredet, stürzte aber schon Dienstag hin, traf ihn nicht, ließ ihm ein Billett zurück, doch ja Mittwoch zu kommen. Kam nicht. Ging Donnerstag hin. Wurde abgewiesen. Ließ ein Billett zurück, worin ich ihn einlud. Kam nicht. Donnerstag abend schrieb ich ihm einen ausführlichen Brief, worin ruhig, einfach, klar der ganze Skandal von Anfang an entwickelt, ihm die eklige Folge in der Perspektive gezeigt, öffentliche Satisfaktion verlangt und er schließlich aufgefordert wird, mich zu besuchen zur Besprechung. Kömmt nicht, obgleich er in der Stadt war, auch kein Antwortschreiben von ihm. Jones ist also offenbar von dem kleinen schottischenIntriganten bearbeitet, der fürchtet, ihn mit mir zusammenzulassen. Du siehst also: von seiten der Chartisten keine Aussicht auf öffentliche Satisfaktion. Bleibt nur die gerichtliche Prozedur.Adviendra que pourra.[2]Unangenehm nur, weil Pieper seine Stelle dabei verliert und wir vielleichtplus ou moins[3]den chartistischen Mob auf den Hals bekommen.

Es ist nur noch Ein Mittel, die Sache zu arrangieren, ohne es zum äußersten Skandal zu treiben, und das ist, wenn Duunmittelbar, aber ohne Verzug,herkömmst. Du könntest bei mir absteigen, da ich jetzt zwei Zimmer zugemietet. Anderes Mittel, erkläre ich Dir definitiv, gibt es nicht. Briefe verwirren, verschleppen, richten nichts aus.

Dein K. M.

[1]Verloren.

[2]Möge kommen, was da kann.

[3]Mehr oder weniger.

8. März 1851.

Lieber Engels!

Heute nur ein paarmatter of fact[1]Zeilen.

Du hast gesehen, die Times hat die Sauce nicht aufgenommen.Mais ça ne nous regarde plus.[2]

Harney hatte schon vorgestern morgen an Schramm geschrieben. Der Bummler ging um 9 Uhr morgens aus und kam um 1 Uhr abends nach Hause. So fand er den Brief erst gestern.

Harney nimmt seine Erklärung auf. Hat ein genügendes Vorwort dazu geschrieben. Schreibt dem „dearSchramm“ und erinnert ihn, daß er nun auch seine Verpflichtung halte und sich nicht an daspolice court[3]wende – dieses Dokument vis-a-vis den Franzosen.

Gestern brachte diePatrie(heute der Constitutionnel) eine Erklärung der Herren Blanc, Barthélemy, Schapper, Willich und des ganzen übrigen Komitees, worin die Herren sagen, Blanqui habe den Toast an kein Mitglied des Komitees geschickt. Die Patrie bemerkt dazu: sie habe das nicht aufnehmen wollen, ohne vorher Erkundigungen einzuziehen. Und da habe ihr denn Herr Antoine – Blanquis Schwager – folgendes zugeschickt: Der Toast sei dem mitunterzeichneten Barthélemy zugesandt und der Empfang desselben von ihm bescheinigt worden. Du begreifst, welches Wehrufen in diesem Lager herrscht!

Mais ce n’est pas tout.[4]

Wolff schickte also gestern morgen Wdloff [?] mit einem Originalengländer zu Landolphe. Der Kerl hat sich als dekonzertierter[5]Grec[6]benommen, erst geheult, deklamiert, phrasiert, jouiert,[7]mit Armen und Beinen auseinandergeschlagen und fiel dann zurück in seines Nichts durchbohrendes Gefühl der Feigheit. Wird heute abend vor den elendenCrapauds[8]der Churchstreet protokolliert werden.

Dein K. M.

Ich habe von Becker Willichs Briefe erhalten. Du bekommst sie Dienstag.

[1]Tatsächlichkeit.

[2]Aber das kümmert uns nicht mehr.

[3]Polizeigericht.

[4]Aber das ist nicht alles.

[5]Außer Fassung gebrachter.

[6]Falschspieler.

[7]Gespielt.

[8]Kröten, Gesindel.

Montag, 10. März 1851.

Lieber Marx!

Heute morgen kommt einliegender Brief von Weerth an, den ich Dir gleich schicke. Die Geschichte zwischen Schramm und Harney ist also jetzt gesettled [erledigt]. Wenn Du den Bummler dafür kriegen kannst, laß ihn jetzt dem Harney eine Kopie der Übersetzung des Blanqui-Toasts zuschicken,cela fera son effet.[1]Es wird überhaupt gut sein, wenn er, der ja jetzt mit Harney wieder auf dem besten Fuß steht, die Verbindung mit ihm aufrecht erhält. Harney hat immer ein Blatt. Eine Kopie des Artikels, der an die Times geschickt war, könnte ebenfalls an Blanqui nach Belleisle geschickt werden. Schramm sollte in dieser Angelegenheit nicht zu nachlässig sein – er deckt sich dadurch den Rücken nach verschiedenen Seiten hin. Morgen Geld.

Dein F. E.

Barthélemy ist schön blamiert – das ist ein Trost.

Laß Schramm die ganze Historie dem Harney schriftlich mitteilen. Dann haben wirgiven notice,[2]und das ist immer ein Punkt, der später von Gewicht sein kann.

[1]Das wird seine Wirkung haben.

[2]Kündigung [Warnung] gegeben.

17. März 1851.

Lieber Marx!

Ich habe einen höchst ennuyanten Anfall von Grippe gehabt, der mich zu allem Vernünftigen und Unvernünftigen unfähig machte, daher mein Schweigen. Ich konnte Dir bloß die Post Office Ordre vorige Woche schicken – Du wirst sie erhalten haben. Die 5 Schilling gehören Lenchen, die gerade abwesend war, als ich mein Exit aus Deinem Hause machte.Wenn es irgend angeht, schicke ich Dir diese oder spätestens nächste Woche die 2 Pfund für Hipphipphurra [Harney], Schramm kann sie ihm hinbringen. Da ich bisher auch von Dir – seit ich Dir Weerths Brief schickte – nichts zu sehen bekommen habe, so weiß ich natürlich von nichts weiter und warte auch noch immer auf die edlen Willichschen Briefe. Den Friend of the People mit Schramms Erklärung habe ich nicht gesehen, dies Ding kommt hier sehr unregelmäßig an; laß mir doch von Schramm ein Exemplarsous bande[1]zuschicken, er wird sich gewiß leicht eins verschaffen können, wenn er keines disponibel haben sollte. Daß der Landolphe sich schließlich als ein Poltron herausgestellt hat, ist sehr angenehm zu erfahren, auf den berühmten Brief von ihm warte ich noch immer.

Ich ärgere mich hier scheußlich über die dummen Einrichtungen, die mir ein regelmäßiges und geordnetes Ochsen fast ganz unmöglich machen. An die eine Bibliothek kann ich nicht kommen, die andere, öffentliche, enthält die Sachen, die mich jetzt zunächst interessieren, nur sporadisch, und die Stunden konvenieren mir nicht; so daß mir nichts bleibt als das elende Athenäum, wo man nie etwas bekommen kann und wo die Bibliothek sich in der scheußlichsten Unordnung befindet. Dem Napier laufe ich zum Beispiel wieder vergeblich nach, und es dauert immer 2 bis 3 Wochen, bis man einen folgenden Band auftreiben kann. Aus Verzweiflung habe ich mir Ciceros Briefe genommen und studiere darin dasrègne de Louis Philippe[2]und die Korruption des Direktoriums. Eine höchst heiterechronique scandaleuse.[3]Der Cicero ist wirklich unbezahlbar; Professor Krug und Sebastian Seiler in einer Person. Eine gemeinere Canaille wie diesen Kerl haben die Reihen der Biedermänner seit Anbeginn der Welt nicht aufzuweisen. Ich werde mir dies anmutige Büchlein gehörig exzerpieren. Ohne Mehreres für heute.

Dein F. Engels.

[1]Unter Kreuzband.

[2]Regierung Louis Philipps.

[3]Skandalchronik.

London, 17. März 1851.

Lieber Engels!

Ich habe eine Woche nicht geschrieben. Einmal hatte ich selbst die Grippe zur Wahlverwandtschaft, und danncriblé de petites misères,[1]die alle in dieser verhängnisvollen Woche zum Ausbruch kommen.

Einliegend erhältst Du die heiteren Briefe des Ritters von Willich.

In dem Heinzenschen Schimpfblatt steht eine angebliche Korrespondenz aus Paris, hier in London fabriziert, worin, wie es sich von selbst versteht, erstens wir beide angegriffen werden, dann Rudolph Schramm, der Deputierte, „weil er ohne Anstand das Geld seiner Frau verzehrt“, und die „Halbmenschen Tausenau, Julius und Bucher“; schließlich, und sehr bitter, der großeKinkel. Heinzen verzeiht ihm die Konkurrenz im Bettel nie und nimmermehr. Gelobt wird nur der große Ruge und Struve. Ruge läßt in diesem Brief aus Paris schreiben, daß er von Brighton nach London eine eintägige Ausflucht gemacht hatte. Dieser Klatschartikel ist dadurch entstanden, daß Heinzen Klatsch aus einem Privatbrief von Ruge und einem Privatbrief von Bamberger, also ganz entgegenstehende Anschuldigungen, zusammengeworfen und ediert hat.

Bei dem großen Bankett, wo Ruge als der „unendliche Dumme“ auftrat – Wolff und Liebknecht waren Ohrenzeugen –, fand sich kein Berliner oder Frankfurter Deputierter ein. Sie wollen keine Hegemonie Ruge-Struve. Die Clique R. Schramm, Graf Reichenbach (der Frankfurter, nicht der Bart der Partei) und Oppenheim, Bucher, endlich Julius auf eigene Faust, intrigieren alle wieder gegen die Dummheitsgötter. Natürlich aus erhabenen Gründen.Je vous dis, de la merde, la merde tout pure, toute cette canaille là.[2]

Kinkel, der die Infamien gegen uns drucken läßt, sprach in seiner rotsaffianledernen Weise auf dem Bankett ein Wort der wehmütigen Versöhnung „von dem einfachen Verfassungskämpfer an bis zum roten Republikaner“. Alle die Esel, während sie für Republik, und Kinkel sogar gelegentlich für rote Republik ächzten, krochen der englischen Konstitution servilstens in den Hintern, ein Widerspruch, worauf sie sogar das unschuldige Morning Chronicle als Mangel an Logik aufmerksam zu machen geruhte.

Von Landolphe nichts weiter. Er trägt das Bewußtsein des enthüllten Grec gelassen als „homme d’honneur“[3]mit sich herum.

Die Blanqui-Komödie war noch nicht beendet. Derancien capitaine[4]Vidil schickte eine Erklärung in die Patrie, worin er erzählt, sein Ehrgefühl und Wahrheitsinstinkt dringen ihm die Erklärung ab, daß Louis Blanc, alle anderen und er selbst gelogen haben in der ursprünglichen Erklärung; das Komitee habe aus 13, nicht aus 6 Personen bestanden. Ihnen allen sei der Toast Blanqui vorgelegt, von ihnen allen seier diskutiert worden. Er habe sich unter den Sechs befunden [die für Verlesung des Toastes gestimmt hatten]. Der noble Barthélemy, der diesen Brief nicht gelesen, schickt einige Tage später ebenfalls eine Erklärung an die Patrie, er habe den Toast erhalten, den anderen nicht mitgeteilt, konstituiert sich so als dreifachen Lügner. Die Patrie, indem sie diesen Brief mitteilt und am Schlusse erklärt, sie werde nichts mehr von diesen Eseln aufnehmen, macht folgende Vorbemerkung:

[Marx hat das nun folgende Stück im „Ritter vom edelmütigen Bewußtsein“ selbst wie folgt übersetzt]: „Wir haben uns oft gefragt, und die Frage ist schwer zu beantworten, was bei den Demagogen größer sei, ihre Ruhmredigkeit oder ihre Dummheit. Ein vierter Brief von London vermehrt noch unsere Verlegenheit. Da sind ihrer, wir wissen nicht wie viele arme Teufel in einem solchen Grade gemartert von der Wut, zu schreiben und ihren Namen in denreaktionärenBlättern genannt zu sehen, daß sie selbst vor einer grenzenlosen Beschämung und Selbstherabsetzung nicht zurückschrecken. Was liegt ihnen am Gelächter und der Indignation des Publikums – das Journal des Débats, die Assemblée Nationale, die Patrie werden ihre Stilübungen abdrucken; um dies Glück zu erreichen, ist der kosmopolitischen Demokratie kein Preis zu hoch .... Im Namen der literarischen Commiseration [Mitleid] nehmen wir daher den folgenden Brief des Bürgers Barthélemy auf; er ist ein neuer und wir hoffen der letzte Beweis für die Echtheit des nur zu berühmten Toastes Blanquis, den sie erst alle geleugnet und für dessen Beteuerung sie sich jetzt untereinander in die Haare geraten.“

Ist das nicht superb?

Ich habe Deine Post Office Ordre erhalten. Wenn Du solche Zinsen in Deinem Commerce zahlst, müssen entweder Deine Profite oder Deine Verluste enorm sein.

Vergiß nicht an Dronke zu schreiben. Gabler ist tot. Also eingelegt an Th. Schuster ist Frankfurt.

Dein K. Marx.

[1]Bis über die Ohren von kleinlichen Nöten überhäuft.

[2]Ich sage [Euch] Dir, Dreck, absoluter Dreck, dieses ganze Canaillentum.

[3]Ehrenmann.

[4]Hauptmann außer Diensten.

Mittwoch, 19. März 1851.

Lieber Marx!

Die Geschichte mit dem Toast Blanqui entwickelt sich wirklich über die Maßen schön. Die Erklärung Vidils ist gegenüber Louis Blanc unbezahlbar – der Kerl vor Frankreich und England als gemeiner Lügner hingestellt. Der Barthélemy hat sich wunderbar hineingeritten. – Eine Stelle Deines Briefes verstehe ich nicht. Vidil erklärt, das Komitee habe aus 13, nicht aus 6 Personen bestanden ... er habe sich „unter den sechs befunden“. Wer sind die sechs? Die Unterzeichner der ersten Erklärung oder etwa die Fraktion, die für Vorbringung des Toastes Blanqui stimmte?

Der Klatsch unter den Deutschen ist auch angenehm. Ich sah den Report des Banketts in der Daily News – da das Ding respektabel war, so hat sich diesmal ja auch Mazzini nicht geniert, hinzugehen. „Der General Haugin the chair!“[1]Dieser Kerl verspricht eine Karikatur des Generals Dubourg von 1830 zu werden. Nach der Annonce in der Times zu urteilen, ist Göhringers Golden Star Tavern jetzt sehr respektabel. Da ich doch den Klatsch all zusammen haben muß, so wäre es nicht übel, einmal eine Patrouille dort rekognoszieren zu lassen –il s’en trouvera bien un qui voudra mettre son nez dans cette merde là, même au risque d’être mis à la porte.[2]

Last – but not least–[3]haben die Willichiana sehr zur Erheiterung meines heutigen Frühstücks beigetragen. Dieser Schafskopf! Wie der den Schr[amm]schen Brief als Antwort auf seinen ersten ansehen konnte, ist mir wirklich kaum begreiflich. Aber die Chance der Militärdiktatur in der Rheinprovinz ohne Presse, die ihn schikanieren könnte,sapristi,[4]das mußte diesem vernagelten Rindvieh den Kopf natürlich verdrehen. Neinercapitaine d’armes[5]und Feldwebel! Die soziale Revolution vermittels der Pauperverpflegung der Familien der Landwehr, die Statistik reduziert auf ein Register der „Vorräte, Viehe, Transportmittel und Mannschaften“! Dieser Revolutionsplan schlägt den früheren, mit 5000 Mann Deutschland zu erobern, gänzlich platt. Wenn der Landwehrdasnicht einleuchtet, so müßte man ja an der Menschheit verzweifeln. „Ich würde einige Männer mitbringen, andereberufen“ – weißt Du, was der Kerl vorhatte? „Der Bürger Karl Marx ist berufen, binnen 48 Stunden in Köln sich zu stellen und die Leitung des Finanzwesens und der gesellschaftlichen Reformen unter Aufsicht und Kontrolle des Bürgers Gebert zu übernehmen. Ungehorsam gegen diesen Befehl und jede Widersetzlichkeit oder Räsonieren, sowie unziemliche Witze werden mit dem Tode bestraft. Der Bürger Marx wird zur Bewachung einen Unteroffizier und sechs Mann erhalten.“ – Und wie spricht der Kerl von N. N.! „Nous ne voulons plus de jouisseurs!“[6]Also selbst der spartanischepot half and half[7]und die Widerstandslosigkeit bei Frauen gelten dem Feldwebel schon für Sybaritismus.

Aber worauf antwortet Willich in dem dritten, jubelnden, siegesgewissen, nur am Geld hapernden Brief? Hat ihm Schramm einen zweiten geschickt oder hatte Becker auf Willichs zweiten Brief geantwortet?Explique moi cela[8]und sage, ob Du die Sachen jetzt zurückhaben mußt; ich behielte sie gerne einstweilen noch hier, um gelegentlich die nötigen Notizen zu machen.

Die Eisenbahnspekulation wird wieder brillant – seit dem 1. Januar die Aktien meist 40 Prozent gestiegen, und die schlechtesten am meisten.Ça promet![9]

Dein F. Engels.

[1]Auf dem [Präsidenten-]Sitz.

[2]Es wird sich wohl jemand bereit finden, seine Nase in jenen Dreck zu stecken, selbst auf die Gefahr, vor die Tür gesetzt zu werden.

[3]Schließlich, aber nicht zum wenigsten.

[4]Potztausend.

[5]Kammerunteroffizier.

[6]Wir wollen keine Genußmenschen mehr haben.

[7]Maß halb [Ale] und halb [Porter].

[8]Erkläre mir das.

[9]Das verspricht!

22. März 1851.

Lieber Engels!

Ich habe Dir durch Pieper oben das famose Aktenstück abschreiben lassen. Unter dem Vorwand, die Mazzinische Anleihe garantiert zu haben, verlangt Ruge Geld, um es in „öffentliche Meinung“ umzusetzen. Unter den „Preußen“ hier, Bucher, Elsner, Zimmermann usw., herrscht große Entrüstung über dieses „starke Provisorium“.

Was die „sechs“ angeht, die Dir solchentrouble[1]machten, so waren diese sechs Landolphe und Blanc, Willich und Schapper, Barthélemy und Vidil, kurz die sechs Matadore; Ungarn, Polen usw. nicht zugezogener Mob figurierten nicht.

In dem dritten Brief antwortet Willich auf nichts als seinen eigenen Gedankensprecher.N’a reçu ni lettre ni rien de la part des Becker et des Schramm.[2]– – –

Der eigentlichecontriver[Macher] des deutschenCentraldodge[3]ist der unermüdliche, lederartige Hühneraugenoperateur und Grasfresser Struve. Der Kerl treibt nur sein altes Handwerk, mit Kranioskopie, Moral und dergleichen Allotriis die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Marktschreier, noch dazu mit einer heiseren Kehlkopfstimme. Er hat während der letzten 25 Jahre ein „demokratisches Staatslexikon“ geschrieben und eine „demokratische Weltgeschichte“, beides nichts als das eine der ins Struvesche übersetzte Welcker-Rotteck, das andere der demokratisch paraphrasierte Rotteck. Und Ruge ist so tief gesunken, daß er amDruck dieses Blödsinns in Deutschland nur durch eine mitleidige Polizei aufgehalten worden ist.

Dein K. Marx.

Jones war vor ein paar Tagen bei mir und gratuliert sich namentlich nach den neuesten Enthüllungen, daß ich ihn vor der Teilnahme an dem Bankett gerettet habe.

[1]Beschwerden.

[2]Hat von den Becker und Schramm weder Brief noch sonst etwas erhalten.

[3]Zentralschwindel [das Zentralkomitee der deutschen Flüchtlinge ist gemeint].

28 Deanstreet, Soho, 31. März 1851.

Lieber Engels!

Während Du Kriegsgeschichte treibst, führe ich einen kleinen Krieg, in dem ichby and by[1]zu unterliegen drohe, und woraus weder Napoleon noch selbst Willich – der kommunistische Cromwell – einen Ausweg gefunden haben würden.

Du weißt, daß ich am 23. März 31 Pfund 10 Schilling an den alten Bamberger und am 16. 10 Pfund an den Juden Stiebel zu zahlen hatte, alles auf kursierende Wechsel. Ich hatte erst bei meiner Schwiegermutter durch Jenny direkt anfragen lassen. Die Antwort darauf war, daß Edgar mit dem Rest vonJennys Geldwieder nach Mexiko expediert worden ist und ichkeinen Centimeherausbekommen konnte.

Dem Stiebel zahlte ich am 16. März seine 10 Pfund durch Hilfe von Pieper.

Dem alten Bamberger gegenüber blieb mir nichts übrig, als ihm zwei Wechsel auszustellen, einen auf ihn für London, vier Wochen nach dem 24. März, den anderen auf drei Wochen nach Trier auf meine Mutter, um den ersten zu decken. Sie erklärt mir positivement, daß sie jeden von mir auf sie gezogenen Wechsel protestiert.

So habe ich also für den 21. April das Äußerste von dem wütend gewordenen alten Simon Bamberger zu gewärtigen.

Gleichzeitig ist meine Frau niedergekommen am 28. März. Die Entbindung war leicht, dagegen liegt sie jetzt sehr krank da, mehr aus bürgerlichen als physischen Gründen. Dabei habe ichverbalement[2]keinenFarthing[3]im Hause, um so mehr Rechnungen dagegen von dem kleinencommerce, Metzger, Bäcker und so fort.

Du wirst zugeben, daß diese Gesamtsauce passablement angenehm ist und daß ich bis an die Wirbelspitze meines Schädels im kleinbürgerlichen Dreck stecke. Und dabei hat man noch die Arbeiter exploitiert![4]Und strebt nach der Diktatur!Quelle horreur.[5]

Mais ce n’est pas tout.[6]Der Fabrikant, der mir in Brüssel Geld lieh von Trier aus, tritt mich und verlangt es zurück, weil seine Eisenhütte schlecht gehe.Tant pis pour lui.[7]Dem kann ich nicht gerecht werden.

Aber endlich, um der Sache eine tragikomische Spitze zu geben, kommt noch einMystère[8]hinzu, das ich Dir jetzten très peu de mots[9]enthüllen werde. Doch eben werde ich gestört und muß zu meiner Frau zur Krankenleistung. Also das andere, worin Du auch eine Rolle spielst, das nächste Mal.

Dein K. M.

Apropos.Wie berechnen Kaufleute, Fabrikanten usw. den Teil ihres Einkommens, den sie selbst verzehren? Wird dieses Geld auch vombankergeholt oder wie wird es damit gehalten? Darüber erbitte ich Antwort.

[1]Mit der Zeit.

[2]Wörtlich.

[3]Heller.

[4]Ausgebeutet.

[5]Wie scheußlich.

[6]Aber das ist nicht alles.

[7]Um so schlimmer für ihn.

[8]Geheimnisvolle Sache.

[9]In sehr wenig Worten.

2. April 1851.

Lieber Engels!

Du erhältst einliegend die Adresse des Briefes, den ich heute von Dir empfangen habe, zurück. Sollte Pitt Ermen Deinen Brief erbrochen haben? Du mußt diese Sacheéclaircir.[1]

Dein Post Office Ordre kam mir sehr gelegen. Und diesmal hat die Geschwindigkeit das Kapital verzehnfacht, wie die Eisenbahnrevenuen des Signore Proudhon.

Du kannst Dir denken, daß ich nicht müßig bin. Und mit denavances,[2]die Du machst, hoffe ich das Fehlende aus verschiedenen Weltgegenden zusammenzubringen.

Über dasMystère[3]schreibe ich Dir nicht, da ich,coûte que coûte[4]Ende April jedenfalls zu Dir komme. Ich muß auf acht Tage hier heraus.

Das schlimmste ist, daß ich jetzt plötzlich in meinen Bibliothekstudien gehemmt bin. Ich bin so weit, daß ich in fünf Wochen mit der ganzen ökonomischen Plackerei fertig bin.Et cela fait,[5]werde ich zu Hause die Ökonomie ausarbeiten und im Museum mich auf eineandere Wissenschaftwerfen.Ça commence à m’ennuyer. Au fond[6]hat diese Wissenschaft seit Adam Smith und David Ricardo keine Fortschritte mehr gemacht, so viel auch in einzelnen Untersuchungen, oft supradelikaten, geschehen ist.

Antworte mir auf die Frage, die ich Dir in meinem letzten Briefe gestellt.

Da Du jetzt Kriegswissenschaft treibst, könntest Du nicht die ungarischen Feldzüge, mit Hilfe der Neuen Rheinischen Zeitung, desblue book[7]von Palmerston usw. die Sache von neuem bearbeiten?Ça serait très utile.[8]In kürzerer oder längerer Zeit werde ich zwei Bände zu 60 Bogen herausgeben, und da wäre das famos am Platze.

Meine Frau ist leider sehr angegriffen.

Einliegend ein Brief von Daniels, dem ich ausführlich über seine Physiologie geschrieben. Jedenfallsschreibe mir, was Du davon meinst.

Dein K. M.

[1]Aufklären.

[2]Vorschüsse.

[3]Geheimnisvolle Sache.

[4]Koste es, was es wolle.

[5]Dies gemacht.

[6]Das fängt mich an zu langweilen. Im Grunde ...

[7]Blaubuch.

[8]Das würde sehr nützlich sein.

[Ohne Jahresangabe.] 3. April [1851].

Lieber Marx!

Die Geschichte mit meinem geöffneten Briefe ist sehr sonderbar. Auf dem Kontor kann er nur von unserem Kommis geöffnet worden sein, und dem traue ich die Courage dazu nicht zu; außerdem könnte er es nur während der Abwesenheit des alten Hill getan haben, und ich glaube nicht, daß der einen Moment das Kontor verließ. Von den Ermens war keiner in der Stadt. Die Sache ist natürlich nicht zu ergründen, da eine bedeutende Chance vorhanden ist –vu[1]die Interpellationen im Parlament wegen der Flüchtlinge –, daß es auf der Post selbst geschehen. Daß ich dem Kommis, der mehr in Ermen Brothers’ als in ErmenandEngels’ Diensten steht, in der letzten Zeit etwas verdächtig geworden bin, fiel mir schon früher auf; aber von da bis zum Brieferbrechenil y a loin encore.[2]Jedenfalls werde ich dem Ding in Zukunft vorzubeugen wissen. Wenn der Narr den Brief auch gelesen hätte, so läge daran nicht einmal viel; denn wollte der Kerl jemals, zum Beispiel wenn mein Alter herkäme, von der Information Gebrauch machen, so wäre er so kompromittiert, daß er sofort geschaßt würde. Indes, wie gesagt, ich traue ihm die Courage nicht zu.

Was die Frage angeht, die Du in Deinem vorletzten Briefe stellst, so ist sie nicht ganz klar. Indes wird, denke ich, folgendes genügen.

Der Kaufmann als Firma, als Profitmacher, und derselbe Kaufmann als Konsument sind im Commerce zwei ganz verschiedene Personen, diesich feindlich gegenüberstehen. Der Kaufmann als Firma heißt Kapitalkonto, respektive Gewinn- und Verlustkonto. Der Kaufmann als Fresser, Säufer, Wohner und Kindermacher heißt Haushaltungsunkostenkonto. Kapitalkonto debitiert[3]also dem Haushaltungsunkostenkonto jeden Centime, der aus der kommerziellen in die Privattasche wandert, und da Haushaltungsunkostenkonto nur ein Debet, aber kein Kredit hat, also einer der schlechtesten Schuldner der Firma ist, so ist am Ende des Jahres die ganze Debetsumme von Haushaltungsunkostenkonto purer Verlust und wird vom Profit abgeschrieben. Bei der Bilanz und der Berechnung des Profits-Prozent wird indes gewöhnlich die Summe, die für die Haushaltung verbraucht wird, als noch vorhanden, als Teil des Profits angesehen; zum Beispiel bei 100 000 Taler Kapital sind 10 000 Taler verdient, aber 5000 verjubelt worden, so rechnet man, 10 Prozent Profit gemacht zu haben, und nachdem alles richtig gebucht worden, figuriert Kapitalkonto im nächsten Jahre mit einem Debet von 105 000 Taler. Die Prozedur selbst ist etwas verwickelter, als ich sie hier darstelle, indem Kapitalkonto und Haushaltungsunkostenkonto selten oder nur beim Jahresabschluß in Berührung kommen, und Haushaltungsunkostenkonto gewöhnlich als Debitor von Kassakonto figuriert, das den Makler macht, aber es kommt schließlich auf dies hinaus.

Bei mehreren Associés ist die Sache sehr einfach. Zum BeispielAhat 50 000 Taler im Geschäft undBebenfalls 50 000; sie machen 10 000 Taler Profit und verbrauchen jeder 2500 Taler. Die Kontos stellen sich also am Ende des Jahres bei einfacher Buchhaltung ohne die imaginären Kontos:


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