Chapter 23

AKredit beiA & B– Kapitaleinschuß50 000TalerAKredit beiA & B– Profitanteil5 000-——————-55 000TalerDebet beiA & B– für Bar2 500-——————-AKredit für nächstes Jahr52 500Taler

EbensoB. Dabei rechnet das Geschäft aber immer, 10 Prozent Profit gemacht zu haben. In einem Worte: die Kaufleute bei der Berechnung der Profitprozente ignorieren die Existenzkosten der Associés, dagegen bei Berechnung der Kapitalvermehrung durch den Profit bringen sie sie in Anschlag.

Über die ungarische Kampagne – oder noch besser, wenn’s ginge, über sämtliche Kampagnen von 1848/50 zu schreiben, wäre mir schonrecht, wenn nur die Quellen alle beizuschaffen wären. Die Neue Rheinische Zeitung könnte mir zu nichts dienen als zur Vergleichung der österreichischen Bulletins, und wie lückenhaft die sind, weißt Du. Ich müßte wenigstens zehn bis zwölf Werke über diese Kampagne allein haben, und selbst dann fehlte mir noch die Hauptsache: der Kossuthsche Közlöny (Moniteur). Bei nichts blamiert man sich so leicht wie bei der Kriegsgeschichte, wenn man räsonieren will, ohne die sämtlichen Data über Stärke, Verproviantierung und Munitionierung usw. zu haben. Alles das geht für eine Zeitung, wo alle Blätter gleich schlecht unterrichtet sind und wo es darauf ankommt, aus den paar Daten, die man hat, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Aber umpost festumsagen zu können in allen entscheidenden Fällen: hier hätte so und so gehandelt werden müssen, und hier wurde richtig gehandelt, obwohl der Erfolg dagegen zu sprechen scheint; dazu sind, glaube ich, die Materialien für den ungarischen Krieg noch nicht genug vor dem Publikum. Zum Beispiel wer schafft mir die Etats der österreichischen und ungarischen Armeen und der verschiedenen Korps am Vorabend jeder Schlacht und jeder wichtigen Bewegung? Kossuths und Görgeys Memoiren müßten erst heraus sein, und die von Dembinski vorgelegten Schlacht- und Kampagnenpläne in authentischer Gestalt vorliegen. Indes selbst mit dem existierenden Material ließe sich schon manches aufklären und vielleicht ein ganz interessanter Artikel machen. So viel ist jetzt schon klar: die ungarische Insurrektion, wie die polnische von 1830, wie das russische Reich 1812, ist Anfang 1849 nur gerettet worden durch den Winter. Ungarn, Polen und Rußland sind die einzigen Länder Europas, wo eine Invasion im Winter unmöglich ist. Es ist aber schon immer fatal, wenn eine Insurrektion nur durch den Dreck gerettet wird, der sie in unergründlicher Tiefe umgibt. Wäre die Geschichte zwischen Österreich und Ungarn im Mai statt im Dezember zum Eklat gekommen, so wäre nie eine ungarische Armee organisiert worden und der ganze Quark endigte wie Baden,ni plus ni moins.[4]Je mehr ich Krieg ochse, desto stärker wird meine Verachtung gegen den Heldenmut – eine abgeschmackte Phrase dieser Heldenmut, die ein ordentlicher Soldat nie in den Mund nimmt. Napoleon, wo er keine Proklamationen und Tiraden macht, sonderncoolly[5]spricht, spricht nie vonglorieux, courage indomptable[6]usw., sondern sagt höchstens:il s’est bien battu.[7]

Wenn übrigens im nächsten Jahre eine Revolution in Frankreich ausbricht, so ist gar kein Zweifel, daß die heilige Allianzwenigstensbis vor Paris kommt. Und bei den merkwürdigen Kenntnissen und der raren Energie unserer französischen Revolutionäre ist noch sehr die Frage, ob die Forts und die Enceinte[8]von Paris auch nur bewaffnet und approviantiert sind. Sind aber zwei Forts genommen, zum Beispiel Saint Denis und das nächste nach Osten zu, so ist Paris und die Revolutionjusqu’à nouvel ordre[9]im Sumpf. Ich werde Dir das nächstens einmal genau militärisch auseinandersetzen und zugleich die einzige Maßregel, die dagegen getroffen werden kann, um wenigstens die Invasion zu schwächen: die Okkupation der belgischen Festungen durch die Franzosen und der rheinischen durch einen sehr zweifelhaften insurrektionellencoup de main.[10]

Folgender Spaß zur Charakteristik des preußischen Kamaschenrittertums und zur Erklärung der späteren Niederlage bei Jena usw. wird Dich erfreuen. Die scheinbar kühnen,au fond[11]aber überaus sicheren Coups[12]Napoleons in der Kampagne von Marengo brachten den preußischen General Bülow, aus der Schule des alten Fritz, Vater oder Onkel [Bruder] des späteren Bülow von 1813, zu folgender Einsicht: 1. ein Kriegssystem basiert auf das Absurde aufzustellen, damit man den Gegner stets durch neue Verrücktheiten „in Verlegenheit setze“, und 2. anstatt des Bajonetts der Infanterie Lanzen zu geben wie im Dreißigjährigen Kriege! Um Napoleon zu schlagen, das Pulver abzuschaffen,qu’en dis-tu?[13]

Daß Du trotz alledem Ende des Monats herkommst, freut mich sehr. Du mußt mir aber bei der Gelegenheit das vollständige Exemplar der Neuen Rheinischen Zeitung mitbringen – ich werde daraus über sämtliche deutschen demokratischen Esel und desgleichen über französische Dossiers[14]anlegen, eine Arbeit, die jedenfalls geschehen muß, ehe wir wieder in irgend einen Dreck hineingeschleudert werden. Es wäre gut, wenn zu diesem Zwecke der würdige Liebknecht,qui est assez bon pour cela,[15]aufs Museum ginge und dort die Abstimmungen der Berliner, Frankfurter und Wiener Versammlungen, die gewiß dort sind (in den stenographischen Berichten), nachläse und für die gesamten Linken exzerpierte.[16]

Du weißt, ich habe den Schluß von Daniels nicht gelesen. Daß sich der Kerl auf die „Begriffe“ als das Vermittelnde zwischen den Menschen usw.steift, ist erklärlich; Du wirst das einem über Physiologie Schreibenden nicht ausreden. Er rettet sich immer schließlich mit dem Argument, daß jede faktische Tatsache, die auf die Menschen einwirkt, Begriffe in ihnen provoziert, und daß die Reaktion gegen diese Tatsache also zwar in zweiter Instanz eine Folge der Tatsache, in erster aber eine Folge der Begriffe ist. Gegen diese formelle Logik ist freilich nichts zu sagen, und es kommt dabei ganz auf die Art seiner Darstellung im Manuskript an, die ich nicht kenne. Ich meine, es wäre am besten, ihm zu schreiben, er wisse jetzt, welchen Mißdeutungen diese und jene Partien ausgesetzt seien, und solle sie also so ändern, daß die „wahre“ Ansicht deutlich hervortrete. Das ist alles, was Du tun kannst, oder Du müßtest das Manuskript selbst umschreiben an den fraglichen Stellen, was doch auch nicht geht.

Laß mich wissen, wie es Deiner Frau geht, und grüße sie herzlich von mir.

Ich bin froh, daß Du mit der Ökonomie endlich fertig bist. Das Ding zog sich wirklich zu sehr in die Länge, und solange Du noch ein für wichtig gehaltenes Buch ungelesen vor Dir hast, so lange kommst Du doch nicht zum Schreiben.

Wie sieht’s mit einem Verleger für Deine beabsichtigten zwei Bände in 60 Bogen aus? Wenn dasall rightwäre, so könnte man den Kerl schon dazu kriegen, daß er die nötigen Sachen für den ungarischen Artikel – ich würde sie schon angeben – beischaffte,au besoingegen spätere Verrechnung beim Honorar. Notwendig wäre dann noch eine sehr gute Spezialkarte von Ungarn und Siebenbürgen, womöglich Schlachtpläne, die, soviel ich weiß, in den bisherigen Werken nicht enthalten sind – und die Karte allein könnte auf zirka 15 bis 20 Taler zu stehen kommen. Ich würde diese durch Weydemeyer aussuchen lassen. Apropos, hast Du seine Adresse? Ich möchte ihn wegen der militärischen ABC-Bücher über Organisation und Taktik befragen, gerade diesen Dreck kann ich hier nicht bekommen. Den Decker, der noch bei Dir ist, muß ich auch haben.

Dein F. E.

[1]Siehe.

[2]Ist es noch weit.

[3]Belastet, schreibt auf die Schuldenseite.

[4]Weder mehr noch weniger.

[5]Kühl.

[6]Glorreich, unbändigem Mut.

[7]Er hat sich gut geschlagen.

[8]Befestigungsmauer.

[9]Bis neue Verhältnisse eintreten.

[10]Handstreich.

[11]Im Grunde.

[12]Überraschungsstreiche.

[13]Was sagst Du dazu?

[14]Personalakten.

[15]Der dafür gut genug ist.

[16]Auszöge.

11. April 1851.

Lieber Marx!

Ich dachte, ich wäre heute abend endlich mit meiner großartigen strategischen Abhandlung fertig geworden. Teils abgehalten, teils zum Nachschlagen über Details genötigt, teils weil das Ding länger wird, alsich dachte, werde ich es schwerlich heute abend spät fertig bekommen. Es ist übrigenstotal unfit[1]zum Drucke, nur für private Information und eine Art Übung für mich.

Über den Wellington fange ich allmählich auch an, klar zu werden. Eigensinniger, zäher, obstinater Engländer, mit dem vollen Bonsens[2]und dem vollen Talent der Ressourcenbenutzung seiner Nation; langsam in seinen Überlegungen, vorsichtig, trotz des kolossalsten Glückes nie auf einen glücklichen Zufall rechnend; er würde ein Genie sein, wenn nicht derCommon sense incapable[3]wäre, sich bis zum Genie emporzugipfeln. Alle seine Sachen sind musterhaft, keine einzige meisterhaft. Ein General wie er ist für die englische Armee, in der jeder Soldat, jeder Unterleutnant ein kleiner Wellington in seiner Sphäre ist, wie geschaffen. Und er kennt seine Armee, ihre eigensinnige defensivedoggedness,[4]die jeder Engländer vomBoxring[5]mitbringt, und die sie in den Stand setzt, nach achtstündiger angestrengter Defensive, die jede andere Armee zusammenbrechen würde, noch eine imposante Attacke zu machen, in der die ermangelnde Lebhaftigkeit durch die Gleichförmigkeit und Stetigkeit aufgewogen wird. Die Defensive von Waterloo, bis die Preußen kamen, hätte keine Armee ohne einen Kern von 35 000 Engländern ausgehalten.

Übrigens hatte Wellington im spanischen Kriege mehr Einsicht in die napoleonische Kriegskunst als die Nationen, denen Napoleon die Überlegenheit dieser Kriegskunst auf den Rücken schrieb. Während die Österreicher rein konfus wurden, und die Preußen, weil ihr Verstandn’y voyait que du feu,[6]den Blödsinn und die Genialität für identisch erklärten, wußte Wellington sich ganz geschickt zu benehmen und sich vor den Schnitzern zu hüten, die die Österreicher und Preußen machten. Er machte keine napoleonischen Manöver nach, aber er machte es den Franzosen unendlich schwer, ihre Manöver bei ihm zu applizieren. Er machte keinen einzigen Fehler, wenn er nicht aus politischen Rücksichten mußte; dafür habe ich aber auch noch nicht das geringste entdeckt, wo er nur einen Funken von Genie bewies. Napier selbst weist ihm Gelegenheiten nach, wo er geniale Coups von entscheidender Wirkung tun konnte und nicht daran dachte. Er hat – soweit meine Erfahrung geht – nie einesolche Gelegenheit zu benutzen verstanden. Er ist groß in seiner Art, nämlich so groß, wie man es sein kann, ohne aufzuhören, mittelmäßig zu sein. Er hat alle Eigenschaften des Soldaten, sie sind alle gleichmäßig und merkwürdig harmonisch ausgebildet; aber eben diese Harmonie verhindert jede einzelne dieser Eigenschaften an wirklich genialer Entfaltung.Tel soldat, tel politique.[7]Sein politischer Busenfreund Peel ist gewissermaßen sein Abklatsch. Beide repräsentieren den Toryism, derbon sens[8]genug hat, mit Anstand eine Position nach der anderen aufzugeben und sich in die Bourgeoisie aufzulösen. Es ist der Rückzug nach Torres Vedras.VoilàWellington.

Dein F. E.

[1]Ungeeignet.

[2]Nüchternheit.

[3]Gesunde Menschenverstand unfähig [wäre].

[4]Hartnäckigkeit, störrische Ausdauer.

[5]Platz, wo geboxt wird.

[6]Bei ihr nur das Feuer sah.

[7]Wie der Soldat, so die Politik.

[8]Gesunder Verstand.

15. April 1851.

Lieber Engels!

Du hast keinen Brief erhalten und erhältst auch jetzt nur diese Zeilen, weil ichfrom day to day[1]Deinen Brief – den angekündigten – abwarte. Einliegend ein Brief von Lupus. Ich habe ihm schon geschrieben vor vier Tagen, aber nicht geantwortet auf die an Dich gestellten Fragen.

Ein Brief von einem mir unbekannten Fischer aus Amerika. Ich habe einstweilen Liebknecht an ihn schreiben lassen.

Einen Brief von Rothacker schicke ich Dir das nächste Mal. Auch der Esel ist Redakteur in Amerika. Aus seinem Briefe geht so viel hervor, daß vom äußerstenfar West[2]bis zum Osten überall gegen uns geheult, geschimpft und geschrieben wird. Weitling brachte in seinem Blättchen einen Artikel aus Paris (angeblich, in Wahrheit von Willich) gegen mich und Dich. Andererseits hat Schnauffer den großen Willich angegriffen.

Schapper hat eine Konstitution für England ausgearbeitet, da sie in derselben Windmill, nach reiflicher Überlegung und weitläufiger Diskussion, beschlossen haben, England habe keine geschriebene Konstitution und müsse daher eine erhalten. Und Schapper-Gebert werden ihm diese Konstitution geben. Geschrieben ist sie schon.

Der Schimmelpfennig ist in Deutschland herumgereist und hat da überall sehr gegen uns intrigiert, im gemeinsamen Interesse von Willich-Schapper, Ruge-Kinkel, Becker-Sigel. Besonders an den Sitzen der Kinkelbegeisterung und ganz speziell in Westfalen, Osnabrück, Bielefeld usw., wo die Kerls uns nie grün waren, ist der Klatsch unendlich.

Dein K. M.

[1]Tag für Tag.

[2]Fernen Westen.

1. Mai 1851.

Lieber Marx!

In ein paar Tagen, längstens acht, erhältst Du weitere 5 Pfund, ich würde sie Dir schon heute schicken, hätte ich nicht soeben 10 Pfund auf einem Brett auszahlen müssen.

Ich habe seit ein paar Tagen den Brief von Lupus und den von Dronke vergeblich gesucht. Du mußt sie beide mitgenommen haben. Wenn Du sie findest, schicke sie mir umgehend, ich schreibe dann gleich. Auch den Brief von Fischer aus New Orleans finde ich nicht.

Ne nous plaignons pas trop de la mauvaise queue.[1]Ich habe gerade Savarys Memoiren zu Hause. Napoleon hatte die seinige – und welche! Dieser Savary ist ein famoses Exemplar davon. Etwas Mittelmäßigeres als diesen Kerl gibt es nicht. Wenn gewisse Leute glaubenup to the mark[2]zu sein und nicht einmal das Kommunistische Manifest verstehen, so bildet sich dieser Savary ein, Napoleon in der Tasche zu haben, einer der wenigen Auserwählten zu sein, die die ganze Größe des Kerls begreifen, und dabei hat er nicht einen einzigen Feldzugs- oder Schlachtplan begriffen. Als er diese Memoiren schrieb, war kaum eine einzige ordentliche Darstellung dieser Kampagnen geschrieben, er hätte also, da das Ding apologetisch sowohl für Napoleon wie für ihn selbst ist, gewiß nicht unterlassen, sein Bestes in dieser Beziehung zu tun; statt dessen überall nur ein paar allgemeine Phrasen und unzusammenhängende verworrene Details eines untergeordneten Augenzeugen. Von Austerlitz weiß der Kerl zum Beispiel nur, daß der Feind in einem Flankenmarsch überrascht und in so viel Stücke zersplittert wurde, wie französische Kolonnen anrückten – wörtliche Kopie aus Napoleons Bulletin. Wie das aber geschah, davon weiß er nichts. Im übrigen enorm viel Klatsch aus der Kaiserzeit und dem Konsulat; ein wahrer Mustercrapaud, renommierend, verlogen, servil, und sich mit wahrer Wollust in der edlen Tätigkeit des Polizisten ergehend, sowohl was den Genuß der Autorität bei Verhaftungen als was die Freude am Mouchardieren angeht; dabei brauchbar zu allerhand Allotriis und Intrigen, aber doch überall so mittelmäßig, diensteifrig und beschränkten Horizonts, daß er überall kurzgehalten und mit positiven Orders versehen werden mußte.Enfin, durchaus kein repräsentables Subjekt,au fondnicht besser und nicht schlechter, nicht brauchbarer und nicht kompromittierlicher als gewisseamici, unddoch machte Napoleon mit der Zeit eine passable Maschine, einen Herzog von Rovigo und einen Hofmann aus ihm, der ihn beim Kaiser von Rußland nicht blamierte. Aber freilich, solche Kerls muß man sich kaufen können, und dazu gehört vor allem Geld und Macht.

Übrigens hat der edle Thiers den Savary, dessen Memoiren doch in Frankreich bekannt genug waren, mit einer Unverschämtheit abgeschrieben, die der der englischen Ökonomie im Plagiieren nichts nachgibt, und das nicht bloß im Klatsch; auch in Sachen über Verwaltung usw. ist hier und da Herr Savary Hauptquelle. – – –

Den Krawall unter dem Stadtrat in Köln wegen der Rede des Beigeordneten Schenk an den Pr[inz] von Pr[eußen] wirst Du gelesen haben, sowie die unverschämte Rede dieses letzteren. „Die Presse ist schlecht, die Kölnische Presse muß sich bessern!“Ce pauvreBrüggemann – er benutzt natürlich die Gelegenheit zu einer Seichbeutelei, wie man sie unter der Zensur zu schreiben bescheidenst und wohlmeinendst sich die große Freiheit nahm. Dafür ist aber jetzt auch „unser Stupp“ Bürgermeister und der größte Mann in Köln, und Dein Schwager [Minister v. Westphalen] konfisziert Bücher mit lobenswertem Eifer. Ich fürchte nur, er wird nächstensen Brutus prussobureaucrate[3]sich auch an Deinen Sachen vergreifen, und das wird die Honorarzahlungen unangenehm stoppen können. Der andere Schwager dieses Edlen, der pp. Florencourt, ist ja, wie deutsche Blätter melden,tambour battant et mèche allumée[4]in den Schoß der katholischen Kirche übergegangen. Deine Familie ist doch wenigstens interessant, in der meinigen muß ich allein die affenteuerlichen Geschichten machen.

Wie geht es in Deinem Hause? Grüße Deine Frau und Kinder und schreibe bald.

Dein F. E.

Soeben finde ich die Briefe von Lupus und Fischer – den von Dronke kann ich aber nicht finden. An Lupus schreibe ich noch heute. Wenn Du nach Köln schreibst, wäre es gut, wenn Du sie wegen des Reisegeldes trätest – Du kennst ja die Kölner.

[1]Beschweren wir uns nicht zu sehr über schlechtes Gefolge.

[2]Auf der Höhe.

[3]Als preußisch-bureaukratischer Brutus.

[4]Mit klingendem Spiel und brennender Lunte.

3. Mai 1851.

Lieber Engels!

Lupus hat von Köln, wie er mir selbst schreibt, einen englischen Paß und Reisegeld für sich und Dronke erhalten. Dronke hat den Kölnern auch einen Aufsatz über die italienische Revolution zugeschickt.

Mais ce qu’il y a de drôle,[1]Dronkens Unterschrift steht positiv – abgedruckt in Louis Blanc – unter der Adresse an das damalige Komitee zur Feier der Februarrevolution.Nous lui demanderons des éclaircissements sur ce fait étrange. Dans le meilleur cas, ce n’est pas un trait d’esprit de la part de ce gnome.[2]

Becker hat seine Setzerei und Druckerei nach Verviers verlegt, und es scheint nicht, daß die Regierungsverfolgungen ihm Schaden tun. Ein Heft von meinem Zeugs ist hierher gelangt, aber nur ein Exemplar.

Das hiesige zentraldemokratische deutsche Komitee hat sich hier aufgelöst zur selben Zeit, wo der große Karl Heinzen ihm „militärischen Gehorsam“ ankündigt. Der süße Kinkel, wegen seinen dramatischen Vorlesungen für respektable Cityleute – 12 Vorlesungen für 1 Guinea: der Süße schickt diese Billetts durch ein Komitee (worin Oppenheim von Berlin) an Gott und die Welt, hat ungefähr 300 Hörer – darf sich natürlich nicht kompromittieren und hat sich zurückgezogen. Ebenso Haugh sich überworfen. Ruge, dessen Finanzen sehr zerrüttet scheinen, hatte vor, sich eine Daguerreotypanstalt zu kaufen und als Daguerreotypist das Land zu durchziehen.

Weerth schreibt mir heute im höchsten Maße malkontent: die langen Nasen und das Rauchfleisch ennuyieren ihn. Außerdem, sagt er, drohe ihm „eine glänzende Lage“ – Heirat? Aber er sei zu alt, um Philister zu werden. Du kennst unseren Freund Weerth. Er ennuyiert sich rasch, und am schnellsten, wenn er sich bürgerlich behaglich findet. Sein Freund Campe sagte ihm, verdrießlich auf die Makulatur zeigend: „Alles zieht, aber nichts schlägt durch!“ Und das sei der allgemeine Zustand in Deutschland.

Hier wimmelt’s vonpeoplealler Art. Ich glaube nicht, daß es mich belästigen wirdin any way.[3]Denn was von den Industriellen liberal, radikal oder auch nur neugierig ist, das wird mit großer Aufmerksamkeit eingefangen bei Göhringer oder von der Kinkelclique und dann gleich mit Skandal über uns beide gefüttert.Tant mieux pour nous![4]

Die ganze Woche ist die Bibliothek geschlossen gewesen. Von dem roten Narren erfährt man nichts mehr.

Daniels schreibt mir, daß sie nirgends besser repräsentiert sind, als in Berlin, und dort zwei „Talente“ und „Gentlemen“ zur Dispositionhaben, die sehr tätig seien. – Das Foucaultsche Experiment mit dem Pendel wird hier im polytechnischen Institut gezeigt.

Den gesagten Brief an Daniels werde ich morgen besorgen. Schramm hat esmirabile dictuzu einemseason ticket[5]gebracht.

Heinzen hat in seinem Schmutzblatt auch wieder mit seinem „native“[6]Dreck geworfen, dermalheureux.[7]Der Kerl ist so dumm, daß Schramm für Geld unter dem Namen „Müller“ bei ihm korrespondiert und lauter unpassende Allotria, wie den Blanquitoast usw., in seinen Zeitungskram einschmuggelt.

Willich begegnete vor einigen Tagen dem Bamberger, den er früher einmal gesehen hatte. Kam auf ihn zu. Drückte ihm die Hand [und sagte]: „Ich war drei Wochen sehr krank. Konnte das Haus nicht verlassen. Die Revolution marschiert famos. Namentlich hier in London sind wir sehr tätig. Zwei neue Filialvereine gestiftet. Schapper wirkt ungeheuer.“

Ein andermal mehr. Nächste Woche werde ich mich auf der Bibliothek ernsthaft für Deine Quellen zu Louis Blanc umsehen.

Dein K. Marx.

Meine Frau läßt bestens grüßen. Sie war wütend, daß der N. uns so zudringlich gleich auf den Hals kam.

Übrigens schenkst Du der Post immer einenStamp.One will do.[8]

[1]Aber, was komisch anmutet.

[2]Wir werden ihn um Aufklärungen über diesen sonderbaren Umstand ersuchen. Im besten Fall ist es kein Geniestück von seiten dieses Knirpses.

[3]In irgendeiner Weise.

[4]Um so besser für uns.

[5]Wunderbarerweise ... Halbjahrs-Fahrschein [in diesem Falle wahrscheinlich eine Dauerkarte für die Weltausstellung].

[6]Angeboren, auch Eingeborener [Anspielung auf Heinzens Deutschtümelei].

[7]Unglückselige.

[8]Briefmarke. Eine genügt.

5. Mai 1851.

Lieber Engels!

Ich schicke Dir hier nachfolgend eine Kopie des Artikels über die Anwendung der Elektrizität auf die Agrikultur, wörtlich englisch. Du bist so gut und schreibst mir umgehend, 1. was Du von der Sache hältst. 2. Erkläre mir die Geschichte, da ich nicht ganz klug daraus werde,in plain German.[1]

„Ein Feld wird in längliche Vierecke, je 76 Yards[2]lang und 40 Yards breit geteilt, die deshalb jedes einen Acre[3]umfassen. Das Umstehende ist der Plan eines solchen Vierecks.

An jedem der PunkteA,B,CundD, werden Pflöcke in die Erde getrieben. Die Außenlinien stellen starke Eisendrähte vor, die von Pflock zu Pflock gehen, an jedem Pflock befestigt, und so miteinander verbunden sind, daß sie ein Viereck von Draht bilden, das 3 Zoll unter die Oberfläche eingesenkt ist. An den PunktenEundFsind 15 Fuß hohe Stangen angebracht. Ein Draht ist mit dem unter der Oberfläche sich befindenden Querdraht beim PunktEverbunden, die Stange entlang bis nach oben, und dann durch die Mitte des Vierecks bis zur Spitze der Stange beiFgezogen, von wo er diese entlang nach dem Querdraht unter der Oberfläche gezogen und bei dem genannten Punkt befestigt wird. Wir müssen hierbei bemerken, daß das Viereck so gerichtet sein muß, daß es von Norden nach Süden läuft, so daß der Draht, der vonEnachFgeht, einen rechten Winkel mit dem Äquator bildet. Es ist wohlbekannt, daß eine beträchtliche Menge von Elektrizität in der Atmosphäre erzeugt wird und mit der Bewegung der Erde beständig von Osten nach Westen geht. Diese Elektrizität wird von dem Draht angezogen, vonEzuFgespannt auf die Drähte übertragen, die von den PunktenA,B,CundDdas Viereck unter der Oberfläche des Bodens bilden .... Jede Menge von Elektrizität, die gebraucht wird, kann dadurch erzeugt werden, daß man unter dem Boden bei dem PunktGeinen Sack Holzkohlen und an dem PunktHPlatten von Zink befestigt und diese beiden so durch einen Draht verbindet, der ähnlich wie der beiEundFüber zwei Stangen geht und denFLängsdraht kreuzt, der von den letztgenannten Punkten ausgeht. Die Kosten, zu welchen diese Einrichtung hergestellt werden kann, werden auf ein Pfund für den Acre berechnet, und man hat berechnet, daß sie 10 bis 15 Jahredauert, wenn die Drähte sorgfältig aufgehoben und jedes Jahr wieder an ihre Stelle gesetzt werden.

Die Stangen werden aus Hartholz gemacht. In dem Maße, wie die Fläche ausgedehnt wird, vermindern sich die Kosten. Die Art, wie das Stück Land angelegt wird, ist die folgende. Mit einem Seemannskompaß und abgemessenen Längen Bindfaden messe man die Plätze aus für die Holznadeln, an welche dereingegrabeneDraht befestigt wird, indem er durch schmale Schließhaken läuft. Es muß darauf geachtet werden, daß der eingegrabene Draht die Längsseite entlang richtig mittels des Kompasses von Norden nach Süden und die Breitseite entlang richtig von Osten nach Westen gelegt wird. Dieser Draht muß zwischen zwei und drei Zoll tief in die Erde gesenkt werden. Die Linien des eingegrabenen Drahtes sind dann fertig. Der hochliegende Draht muß an beiden Enden mit dem eingegrabenen Draht verbunden sein. Eine Holznadel mit einem Schließhaken muß daher eingetrieben werden und die beiden Stangen – die eine von 14, die andere von 15 Fuß – müssen mittels des Kompasses richtig nach Norden und Süden eingestellt, der Draht über sie gezogen und je an den Holzstäben befestigt werden, jedoch gleicherweise an diesen Punkten den eingegrabenen Draht berühren. Der obengespannte Draht muß auch fest angezogen werden, sonst wird der Wind ihn zerreißen.“

Dies die Geschichte.

Die deutschen Zentralmänner haben sich zum xtenmal vereinigt, und so erscheint eine Annonce von General Haugh, die wieder für den 10. Mai die Erscheinung seines „Kosmos“ ankündigt, unter Mitarbeit der Herren Ruge, Kinkel, Ronge usw. Das wird schön werden.

Eben bringt Tupman [Pieper] einen Brief von Miquel, woraus hervorgeht, daß die deutschen Demokraten – auch einige Kommunisten – an der Spitze das Bremer Schundblatt von Ruge, unermüdlich in ihren Verleumdungen gegen mich sind, und derartiges frißt natürlich bei dem deutschen Philister und Straubinger reißend um sich. Die Kerls müssen doch eine Heidenangst vor mir haben, daß sie jetzt schon alle Mittel aufbieten, um mir den Aufenthalt in Deutschland unmöglich zu machen.

Dein K. M.

Jones hielt gestern eine wirklich famose Vorlesung gegen dascooperative movement,[4]worin erde front[5]sein eigenes Publikum attackierte.Er sagte mir, daß aus dem Blatt mit Harney wohl nichts werden wird, da mit dessen Frau kein Geschäft abzuschließen ist. Er wird einstweilen auf seine Faust ein Magazin herausgeben.

[1]Verständlichem Deutsch.

[2]Englisches Längenmaß = 91,4 Zentimeter.

[3]Acker beziehungsweise Morgen.

[4]Genossenschaftsbewegung.

[5]Ins Gesicht.

[Undatiert. Jedenfalls Anfang Mai 1851.]

Lieber Marx!

Morgen oder übermorgen erhältst Du die Post Office Ordre. Unser Buchhalter hat heute wieder keinCash.[1]

Seit wann gebrauchst Du zu Deinen Briefen das inliegende schöne Siegel – oder ist was damit passiert?

Il paraît donc,[2]daß die ganze Neue Rheinische Zeitung diesen Sommer in London zusammensitzen wird,moins[3]vielleicht Freiligrath und den Honorarius Bürgers. Daß Lupus definitiv kommt, freut mich sehr. Ich weiß übrigens positiv, daß die Geschichte mit denAlien-Offices[4]an der Grenze hier jetzt noch weit weniger streng ist als früher und daß daher der ganze Skandal wegen des Verbots, Flüchtlinge hierher zu schicken, der purste Humbug ist.

Die Unterschrift des Alrauns [Dronke] zu der Genfer Adresse ist höchst sonderbar – einebévue inconcevable[5]–, neuer Beweis, daß mana sharp look-out after these young men[6]haben muß und daß sie kurz gehalten werden müssen. Es kann nur einebévuesein, die Briefe des Kerlchens waren übereifrig, und vielleicht hat er geglaubt, einen famosen Geniestreich zu machen. Man muß ihn scharf inquirieren, rüffeln und ihm empfehlen:surtout pas de zèle![7]

Nächstens werde ich Dir eine ökonomische Abhandlung von Wellington aus dem Jahre 1811 mitteilen, überfree tradeund Monopol im Kolonialhandel. Das Ding ist kurios, und da es die spanischen Kolonien betrifft und nicht die englischen, so kann er denfreetraderspielen, obwohl er gleich im Anfang mit einem aristokratisch-militärischen Fanatismus über die Kaufleute schimpft. Er dachte nicht, daß er diese Prinzipien nachher auf die englischen Kolonien anwenden helfen müßte. Aber das ist der Witz. Dafür, daß der alte Irländer unverdienterweise Napoleon besiegte, hat er später vor Cobden erliegen müssen unden économie politique[8]durch das kaudinische Joch desfree tradepassieren. Die Weltgeschichte gibt doch zu sehr vielen angenehmen Betrachtungen Anlaß!

Die Auflösung der Londoner demokratischen provisorischen Regierung für Deutschland hat mich mit Kummer erfüllt. So eine schöne Gelegenheit für die Esel, sich vor dem öffentlichen Gelächter zu erhalten, findet sich sobald nicht wieder. Dafür eröffnet der große Franz Raveaux in der Kölnischen Zeitung wieder seine Klüngelpolemik mit Herrn Paul Franck und anderen Tröpfen. Er ist wieder reif, in irgend ein Nationalnarrenhaus gewählt zu werden und zu sagen: „Meine Herren, hück hat die Stadt Köllen ener jroßer Dag erlebt!“

Ich bin übrigens moralisch überzeugt, daß der Willich und Komp. über einen großartigen Plan zur Revolutionierung Englands während der Exhibition brüten, obwohl es ebenso sicher ist, daß sie keinen Finger rühren werden. Wird nichts Vereinzeltes bleiben!

Die zweite Marke auf meinen Briefen ist für späte Aufgabe. Ich kann für diesenStampanderthalb Stunden nach Schluß der gewöhnlichen Post den Brief noch mit demselben Zuge fortbekommen. Übrigens zahlt dies die Firma.

Dein F. E.

[1]Bargeld.

[2]Es scheint also.

[3]Außer.

[4]Ausländerbureaus.

[5]Unbegreiflicher Schnitzer.

[6]Ein scharfes Auge auf diese Jünglinge [haben].

[7]Insbesondere keinen Übereifer.

[8]In der Volkswirtschaftspolitik.

Freitag, 9. Mai 1851.

Lieber Marx!

Ich schickte Dir gestern zwei Briefe, den einen ohne anderen Inhalt als eine Post Office Ordre, den anderen durch Pieper. Du hast beide hoffentlich erhalten.

Die elektrische Geschichte ist einfach, was die Konstruktion anbetrifft. An den vier EckenA B CundD– ich setze voraus, daß Du die Zeichnung dort hast – werden Pflöcke in die Erde geschlagen und ein starker Draht drei Zoll unter der Erdoberfläche von einem dieser Pflöcke zum anderen gezogen, so daß er unter der Erde das ganze Feld umspannt. BeiEundF, Norden und Süden, werden zwei Pfähle in die Erde geschlagen, deren Spitzen fünfzehn Fuß über der Erde ebenfalls durch einen Draht verbunden werden. Die beiden Enden des Drahtes laufen am Pfahl hinab und werden unter der Erde mit dem verdeckten DrahtA B C Dverbunden. Ebenso ein Querdraht vonGbisHauf zwei Pfählen, der in der Mitte den DrahtE Fkreuzt. Was der Sack Holzkohle und die Zinkplatten sollen, ist mir nicht ganz klar, da ich die elektrische Beschaffenheit der Holzkohle vergessen habe – ich vermute, durch diese Holzkohle beiGund den Zink beiH, die beide ebenfalls vergraben und mit dem großen vergrabenen Draht in Verbindung stehen,will der Kerl die Elektrizität polarisieren, einen positiven (Zink) und negativen (Kohle) Pol herstellen.

Der Rest bezieht sich auf technische Geschichten, Isolierung der Drähte usw.

Da Du mir weiter nichts schreibst, so vermute ich, daß sich die Geschichte auf irgend ein Experiment bezieht, ich glaube, Du sprachst mir davon, daß im Economist oder so etwas davon gestanden hat. Mir ist der Erfolg der Sache etwas zweifelhaft, doch mag was damit zu machen sein, wenn man das Ding ausdehnt und verbessert. Es fragt sich nur 1. wieviel Elektrizität sich in der Weise aus der Luft abfassen läßt, und 2. wie diese Elektrizität auf Wachstum und Keimen der Pflanzen wirkt. Laß mich jedenfalls wissen, ob das Experiment schon gemacht ist und mit welchem Erfolg, und wo der Bericht darüber steht.

Zwei Haken hat die Sache jedenfalls:

1. Will der Kerl den Draht, der die Elektrizität abfassen soll, genau Nord und Süd gelegt haben, und schreibt doch den Farmers vor, ihn nach dem Kompaß zu legen. Von der Deklination des Kompasses, die hier in England zirka 20 bis 23 Grad beträgt, spricht er gar nicht, und er müßte jedenfalls sagen, ob er sie in Anschlag gebracht hat. Die Farmers wissen jedenfalls von Deklination nichts und würden den Draht nach der Magnetnadel legen, wo er dann nicht von Nord nach Süd, sondern von Nord-Nord-West nach Süd-Süd-Ost zeigen würde.

2. Wenn die Elektrizität eine befördernde Wirkung auf das Keimen und Wachsen der Pflanzen hat, so wird sie im Frühjahr die Pflanzen zufrühkeimen machen und sie Nachtfrösten usw. aussetzen. Dies müßte jedenfalls sich zeigen und dem wäre nur abzuhelfen, indem man während des Winters die Kommunikation der schwebenden und der vergrabenen Drähte unterbräche. Auch davon spricht der Mann nicht. Entweder aber ist die so abgefaßte Elektrizität ohne alle befördernde Wirkung oder sie hat die des Zufrühtreibens. Auch das muß aufgeklärt werden.

Die Sache läßt sich übrigens nicht beurteilen, bis sie probiert ist und Resultate da sind, und deswegen sage mir, wo ich das Weitere über diesen Gegenstand finden kann.

Ich danke dem Schöpfer in der Höhe, daß die Zentralesel sich wiedergefunden haben, und selbst ihren Kosmos gönne ich ihnen. Wir werden doch bald wieder ein Organ haben, soweit wir’s brauchen, und wo wir alle Angriffe zurückweisen können, ohne daß es scheint, als ginge diesvon uns aus. Das ist ein Vorzug der beabsichtigten Kölner Monatsschrift vor unserer Revue.

Daß die Schimpfereien in Deutschland nicht weniger Fortgang finden als in Amerika und London, ist nicht anders zu erwarten. Du hast jetzt die stolze Position, von zwei Welten zugleich attackiert zu werden, was dem Napoleon nie passiert ist. Übrigens sind unsere Freunde in Deutschland Esel. Daß sie von bloßen Schimpfereien keine Notiz nehmen, als alle Vierteljahr zwei Worte über den Stand dieses sauberen Trade zu geben, ist ganz in Ordnung. Aber wenn es zu Verleumdungen kommt, wenn sich der demokratische Philister nicht mehr mit der einfachen Überzeugung begnügt, daß man das schwärzeste Ungeheuer ist, sondern wenn er anfängt, mit erlogenen und entstellten Tatsachen um sich zu werfen, dann wäre es wahrhaftig nicht zu viel, wenn einem die Herren das Dokument einschickten, damit man seine Maßregeln treffen kann. Aber der Deutsche glaubt genug getan zu haben, wenn er dergleichen Unsinn simplementnicht glaubt. Laß den Pieper deswegen an M[iquel] schreiben. Es ist nicht einmal nötig, daß man gleich antwortet, sondern wenn man des Zeugs ein paar Dutzend Stück hat, kann man einmal tüchtig losfahren und die Wanzend’un seul coup de pied[1]ekrasieren. Was das angeht, daß sie uns den Aufenthalt in Deutschland unmöglich machen wollen –laissons-leur ce plaisir![2]Sie können die Neue Rheinische Zeitung, das Manifest undtutte quantenicht aus der Geschichte herausstreichen, und all ihr Heulen hilft ihnen nichts. Die einzigen Leute, die uns in Deutschland gefährlich werden könnten, wären Meuchelmörder, und seit der Gottschalk tot ist, hat keiner in Deutschland die Courage, uns dergleichen Leute auf den Hals zu schicken.Et puis,[3]haben wir uns nicht auch 1848 in Köln unsere Stellung erst erwerben müssen, undliebenwird uns der demokratische rote oder selbst kommunistische Mob doch nie.

Ich freue mich, daß Du Ruhe hast bis jetzt vor den Ausstellungsleuten. Ich kriege sie schon auf den Hals. Gestern waren zwei Kaufleute aus Lecco hier, der eine ein alter Bekannter von 1841. Die Österreicher wirtschaften schön in der Lombardei. Nach all den Kontributionen, wiederholten Zwangsanleihen, dreimal im Jahre immer wieder eingeforderten Steuern, kommt endlich Regelmäßigkeit hinein. Die mittleren Kaufleute in Lecco müssen 10 000 bis 24 000 Zwanziger (350bis 700 Pfund) jährlich zahlen – an direkten regelmäßigen Steuern, alleshard cash.[4]Da mit dem nächsten Jahre die österreichischen Banknoten dort auch eingeführt werden sollen, will die Regierung vorher alles Metallgeld herausziehen. Dabei wird der hohe Adel –i gran ricchi[5]– und die Bauern verhältnismäßigsehr geschont–il medio liberale,[6]die liberale Mittelklasse der Städte muß alles zahlen. Du siehst die Politik der Kerls. Daß bei diesem Drucke – in Lecco haben sie eine Erklärung unterzeichnet und an die Regierung geschickt, daß sie nicht mehr zahlen; daß man sie pfänden solle, daß sie aber, wenn dies System nicht aufhöre, alle auswandern würden, und mehrere sind bereits gepfändet –, daß dabei die Kerls auf Mazzini warten und erklären, esmüsselosgehen, weil sie es nicht länger aushalten könnten,perché rovinati siamo e rovinati saremo in ogni caso[7]– das begreift sich. Dies erklärt manches in der Wut der Italiener, loszuschlagen. Diese Kerls hier sind alle Republikaner, und zwar lauter angesehene Bourgeois – der eine ist der erste Kaufmann in Lecco und zahlt selbst 2000 Zwanziger monatlich Steuern. Er wollte platterdings wissen, wann es losgehe, sie hatten es unter sich in Lecco – dem einzigen Orte, wo ich populär bin – ausgemacht, daß ich das aufs Haar wissen müßte.

Morgen den Wellington, an dem mich diese Kerls gehindert haben.

Dein F. E.

Dieser Brief ist mit Siegellack und unserem FirmasiegelE. & E.gesiegelt. Du wirst also sehen, ob er erbrochen.

[1]Mit einem einzigen Fußtritt.

[2]Lassen wir ihnen das Vergnügen.

[3]Und dann.

[4]Bares (Hart-)Geld.

[5]Die sehr Reichen.

[6]Die liberale Mittelschicht.

[7]Weil wir auf jeden Fall ruiniert sind und sein werden.

London, 16. Mai 1851.

Lieber Engels!

Deinen Brief, der vorgestern ankam, erhielt ich zu spät, um ihn noch zu beantworten. Ich war nämlich schon auf dem Museum, ehe derpostmanerschien, und kehrte erst um 7 Uhr abends nach Hause zurück. Gestern aber konnte ich Dir mit dem besten Willen nicht schreiben, da ich solche Unterleibsschwierigkeiten hatte, daß mir fast der Kopf sprang, wie dem Freiligrathschen Neger die Trommel.

Die vorige Konfusion kommt einfach daher, daß ich einem der beiden Bummler sofort auf Deinen ersten Brief ein Schreiben an Dich zurBesorgung an Dich auf die Post gab. Er hatte es verbummelt, und die paar Zeilen befanden sich noch gestern in seinem Portefeuille.

Was dieelectricityangeht, so findet sich die Notiz darüber in dem Economist von 1845. Er enthält übrigens nichts, als was ich Dir mitgeteilt, mit der Erzählung, daß der Versuch mit dem größten Erfolg in Schottland gemacht. Er nennt sogar den Farmer.

Freiligrath kommt in diesen Tagen her.

Nun zu den Postgeschichten. Ich glaube, die Post ist unschuldig. Wenigstens bin ich allein für die schlechte Form der Siegel verantwortlich. Das einzige, was mir ganzalienum est,[1]ist das: Manchester.

Hast Du gesehen in der Kölnischen Zeitung, wie Kinkel durch seine Frau jede Teilnahme an dem Manifest des starken „Provisorium“ ableugnet? Und wie er „eine schwere Krankheit“ sich an den Hals lügt, um das Interesse des deutschen Philisters zu steigern?

Durch die Intervention meines würdigen Schwager-Ministers ist wieder der Druck meiner Sachen, wie der Revue, ins Stocken geraten. Es scheint, daß Becker auf Schwierigkeiten in Verviers gestoßen ist.

In Frankreich scheintCavaignacreißend um sich zu greifen. Seine Wahl wäre die rationelle Lösung, würde aber die Revolution um Jahre aufschieben. Der Kongreß von Nikolaus, Friedrich Wilhelm und Habsburg hat ungefähr dieselbe Bedeutung wie der von General Haugh, Ruge und Ronge. Die Einkommensteuer war übrigens für den Augenblick das Klügste, was die Preußen tun konnten. –

Was sagst Du von der portugiesischen Revolution?

Herr A. Goegg ist hier, wurde von Willich und Komp. sofort abgefangen und hielt Vorlesungen in der Windmill. Glückauf!

Maintenant, mon cher, lebe wohl. Von jetzt an wird die Korrespondenz wieder ordentlich ins Gleis kommen.

Dein K. M.

[1]Fremdartig ist.

Manchester, Montag, 19. Mai 1851.

Lieber Marx!

Ich bin froh, daß mit den Briefen nichts vorgefallen ist, es ist immer besser so. Der hiesige Postmeister hat mir ebenfalls eine hinreichende Erklärung für den zu spät gekommenen Brief gegeben. Schreibe in Zukunft auf der Adresse die Straße und Nummerüberder Stadt, so daß Manchester ganz unten steht, die Postschreiber sind daran gewöhnt undhaben, weil die Straße unten stand, in dem einen Brief das „Manchester“ übersehen und ihn als Londoner Stadtbrief nach London zurückgeschickt.

Das Neueste ist, daß Du vollständig enfonciert [vernichtet] bist. Du glaubst, die richtige Theorie der Grundrente entdeckt zu haben. Du glaubst, der erste zu sein, der die Ricardosche Theorie umwirft.Malheureux que tu es,[1]Du bist überflügelt, vernichtet, geschlagen, assommiert. Die ganze Grundlage Deinesmonumentum aere perennius[2]ist zusammengebrochen. Höre: Herr Rodbertus hat soeben den dritten Band seiner „Sozialen Briefe an v. Kirchmann“ veröffentlicht – 18 Bogen. Dieser Band enthält eine „vollständige Widerlegung der Ricardoschen Lehre von der Grundrente und die Darlegung einer neuen Rententheorie“. Leipziger Illustrierte Zeitung von voriger Woche. Jetzt hast Du Dein Fett.

Die Bemühungen des großen Kinkel, aus der unrespektablen Gesellschaft, genannt europäisches Komitee, herauszukommen, ohne Gestank zu hinterlassen, sind sehr heiter. Du wirst im Samstags-Ind [unlesbar] gesehen haben, daß einige Heuldemokraten bei Elberfeld eine Versammlung und kleineriots[3]zustande gebracht haben und dabei diese Proklamation verteilt. Das ist zustande gebracht durch deutschkatholische Verbindungen von Ronge. Weder Kinkel noch sonst jemand vom Chor hätte dort etwas ausgerichtet.

Die Geschichte mit Cavaignac ist in jeder Beziehung fatal; wennGirardinvon ihm sagt, daß er die meiste Chance hat, so muß es wahr sein. Außerdem sehen die Kerle immer mehr ein, daß die Revision unmöglich ist – auf legale Weise. Und die illegale ist ein Staatsstreich, und wer zuerst Staatsstreiche anfängt, der wird ekrasiert, sagt das Débats. Napoleon fängt an,horriblement[4]verschlossen zu werden. Changarnier ist vernichtet, vollständig pensioniert, die Fusion führt zu nichts unmittelbar Praktischem, so hübsch sie ist,il n’y a que Cavaignac.[5]Ob der Kerl die Revolution aufschöbe, wäre am Ende so gefährlich nicht; einige Jahre resoluter industrieller Entwicklung, die Überdauerung einer Krise und einer neuen Prosperitätsperiode könnte durchaus nicht schaden, besonders wenn sie von bürgerlichen Reformen in Frankreich usw. begleitet wäre. Aber Cavaignac und die bürgerliche Reform, das ist in Frankreich die Zollreform und die englische Allianz, und bei erster Gelegenheitder Krieg gegen die heilige Allianz, mit Englands Hilfe, mit gehöriger Zeit zu Rüstungen, mit einer lang vorbereiteten Invasion gegen Deutschland, und das könnte uns die Rheingrenze kosten, die ohnehin das beste Mittel ist, den Crapaudsozialismus mit einer Abschlagszahlung von Gloire zur Ruhe zu bringen.

Das Débats ist übrigens so herunter, daß es nur noch in der Aufrechterhaltung des neuen Wahlgesetzes die Rettung der Gesellschaft sieht.

Das Frankfurter Journal läßt sich aus Köln schreiben, den Flüchtlingen in London gehe es jetzt leidlich, mit Ausnahme derer in der Kaserne, unter denen auch Willich sei. Die Augsburger Allgemeine Zeitung glaubt wirklich, die Fremdenbill sei noch in Kraft, und sieht die Flüchtlinge – diese ewigen Juden des neunzehnten Jahrhunderts – mit der blassen Furcht vor dieser Bill in London zitternd herumschleichen.

Von der portugiesischen Revolution sage ich gar nichts. Bemerkenswert ist bloß, daß Saldanha als reinpersönlicherInsurgent, alsôte-toi de là, Costa Cabral, que je m’y mette,[6]absolut nichts ausrichtete, daß aber von dem Moment, wo er gezwungen war, sich an die liberalen Bürger von Oporto anzuschließen und in der Person des José Passos einen allmächtigen Repräsentanten dieser bürgerlichen Gewalt bei sich aufzunehmen, daß da die ganze Armee ihm zufiel. Die Stellung, die Passos erhält, und die nächste Entwicklung wird zeigen, ob Saldanha und die Königin die Bürger nicht gleich wieder zu prellen suchen. Lissabon ist nichts, Oporto ist das Zentrum der konstitutionellen Bürger, der Manchesterschule von Portugal.

Sei froh, daß Herr Goegg nicht zu Dir gekommen ist.Le diable emporte toutes ces médiocrités gonflées.[7]

Dein F. E.

[1]Unglücklicher, der Du bist.

[2]Denkmal dauernder als Erz.

[3]Aufruhrszenen.

[4]Schauerlich.

[5]Es ist nur Cavaignac da.

[6]Steh’ auf da, Costa Cabral, damit ich mich dorthin setze.

[7]Der Teufel hole alle diese aufgeblasenen Mittelmäßigkeiten.

London, 21. Mai 1851.

Lieber Engels!

Freiligrath ist hier und läßt Dich grüßen. Er ist hier, um sich nach einer Stelle umzusehen. Wenn er keine findet, will er nach Amerika.

Er hat ganz gute Nachrichten aus Deutschland mitgebracht. Die Kölner sind sehr tätig. Ihre Agenten reisen seit September. Sie haben in Berlin zwei ganz gute Repräsentanten, und da die Demokraten beständig in Köln sich Rats erholen kommen, so paralysieren sie die anderen Herrenbeständig. So waren die Braunschweiger drauf und dran, dem Schimmelpfennig 2000 Taler für das Londoner Komitee (Soziales) zu geben. Vorher aber schickte sie Dr. Lucius nach Köln, und so fiel die Sache ins Wasser.

Kinkel ist sehr diskreditiert in der Rheinprovinz, speziell in Bonn. Das dortige Komitee hatte der Johanna 200 Pfund geschickt. Aber schon nach zwei Wochen verlangte sie Fortsetzung. Das mißfiel sehr den Spießbürgern.

Die Kölner werden in einigen Wochen einen kommunistischen Kongreß abhalten.

Sigel, der Obergeneral, ist hier und in die Windmillstreet eingetreten.

Auch eine Nummer des Kosmos ist erschienen von General Haugh. Enthält Reklamen für Willich, Kinkel und Göhringer. Die verschiedenen Banden fallen immer mehr zusammen. Ich habe eine aufgedunsenere und selbstgefälligere Abgeschmacktheit weder gesehen noch gehört.

Das Ganze ist belletristisch-quartaner-idiotisch geschrieben und mit einer selbstgefälligen Dummheit, die ihresgleichen in den Annalen der Weltgeschichte sucht. Dazu mit einem Mangel an allem Talent, der unerhört ist. Doch ich muß suchen, Dir ein Exemplar von diesem Bettel aufzutreiben.


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